vorgänge: Artikel - 1.08.18

Doping – ein ungelöstes Problem des Sports

Michael Krüger

in: vorgänge Nr. 223 (3/2018), S. 39-54

Die Versuche, mit Medikamenten und anderen chemischen Stoffen die eigene Leistungsfähigkeit zu verbessern, sind weder eine Erfindung der Moderne, noch des Sports. Im Leistungssport wird Doping jedoch zunehmend problematisiert, kontrolliert und sanktioniert – bisher freilich ohne die Aussicht, dass sich dies abstellen ließe. Wie sich Doping und der Kampf gegen Doping gemeinsam entwickelt haben, welche Rolle die Professionalisierung des Sports dabei spielte und warum der moderne Leistungssport ohne Doping kaum denkbar ist, schildert Michael Krüger im folgenden Beitrag.

 

Einleitung

Doping wird als das größte Problem des Sports unserer Zeit angesehen. Das Verbot von Doping im Sport hat den Zweck, die Gesundheit der Athleten zu schützen und Betrug zu verhindern. “To protect the Athletes’ fundamental right to participate in doping-free sport and thus promote health, fairness and equality for Athletes worldwide”, wird im Strategic Plan der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) als ihr wichtigstes Ziel bezeichnet. Um dieses Ziel zu erreichen, soll systematisch und weltweit gegen Doping vorgegangen werden: “To ensure harmonized, coordinated and effective anti-doping programs at the international and national level with regard to detection, deterrence and prevention of doping”.[1] Die WADA war 1999 von Staaten und Sportorganisationen mit dem Ziel gegründet worden, den Kampf gegen Doping effektiver zu führen und zu gewinnen.[2]

Trotz aller Anti-Dopingmaßnahmen scheint das Doping-Problem nicht nur nicht beherrscht zu werden, sondern weiter zu wachsen. Die Medien tragen wesentlich zu diesem Eindruck bei, weil sie auf der Suche nach Sensationen und Skandalen beim Thema Doping leicht fündig werden. Ein aktuelles Beispiel sind die jüngsten Enthüllungen zum sogenannten russischen Staatsdoping, das von der investigativ arbeitenden ARD-Dopingredaktion aufgedeckt wurde.[3] Immer wieder geht es darum, dass Athleten unerlaubte Mittel nutzen, anstatt sich an die Regeln zu halten; dass Ärzte, Betreuer und Funktionäre Athleten beim Dopingbetrug unterstützen, anstatt sie davon abzuhalten; dass Sportverbände bei der Kontrolle ihrer Dopingregeln versagen, anstatt die Regeln durchzusetzen; dass Staaten und Verbände, anstatt Doping zu verbieten und zu kontrollieren, Doping unterstützen oder sogar verordnen. Obwohl es keine Menschengruppe gibt, die medizinisch und biochemisch so intensiv getestet und kontrolliert wird wie Hochleistungssportler, dreht sich die Dopingspirale weiter. Der „gläserne Mensch“ ist im Hochleistungssport Wirklichkeit geworden,[4] und trotzdem verfestigt sich der Eindruck, dass es mit dem Dopingbetrug schlimmer statt besser werde. Der gläserne Athlet scheint an die Stelle des „mündigen Athleten“ getreten zu sein.[5] Die Dopingexperten Verner Møller und Paul Dimeo bezeichnen diese Entwicklungen als „the end of sport“.[6]

Im Folgenden wird die Genese von Doping und Anti-Doping in ihren Grundzügen geschildert. Danach wird das Dopinggeschehen in größere historische und soziale Kontexte gestellt, bevor über Hintergründe und Ursachen von Doping reflektiert wird. Doping gehört inzwischen zu den am intensivsten erforschten Themen des Sports. Der Beitrag stützt sich auf die wichtigsten Studien und Arbeiten zu diesem Feld.[7]

 

Was ist Doping und wie haben sich Doping und Antidoping entwickelt?

Die zentrale These der historisch und soziologisch ausgerichteten Studie von Marcel Reinold zur Geschichte des Dopings und Anti-Dopings lautet, dass es Doping erst gibt, seit es Anti-Doping gibt. Doping sei eine „Konstruktion“, so Reinold, genauer gesagt eine historische und soziale Konstruktion.[8] Doping sei das Ergebnis eines Diskurses, in dem die Einnahme von leistungssteigernden Mitteln und Medikamenten im Sport als Doping bezeichnet und verboten wurde. Deshalb seien Doping und Anti-Doping nicht voneinander zu trennen.

Die Diskussion über Doping geht zurück bis zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, als sich der moderne Leistungs- und Wettkampfsport in den westlichen, zivilisierten Ländern verbreitete. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Debatte wieder aufgegriffen. Die Kriegserfahrungen von Soldaten haben wesentlich dazu beigetragen, dass insbesondere Aufputschmittel und Drogen, die in allen Armeen verwendet wurden und werden, auch im Leistungssport zum Einsatz kamen. Die bekannteste Aufputschdroge, die in der deutschen Wehrmacht anfangs sogar von der Armeeführung ausgegeben wurde, war Pervitin.[9] Ähnliche Mittel mit denselben Wirkstoffen (Metamphetamine) wurden auch in anderen Armeen eingesetzt.[10] Pervitin war nach dem Zweiten Weltkrieg eines der am weitesten verbreiteten Aufputschmittel im Sport. Ebenso haben der Vietnamkrieg, die Afghanistan-Kriege und die Irakkriege zur Verbreitung von Drogen, allgemein Suchtmitteln sowie Psychopharmaka beigetragen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg machten sich insbesondere in Deutschland Ärzte und Sportärzte Sorgen um die Gesundheit der Athleten. Sie wussten um die Gefahren von Aufputschmitteln, zumal viele von ihnen, wie Arthur Mallwitz, den Krieg (bei ihm waren es sogar beide Weltkriege) miterlebt und erfahren hatten, welche Rolle diese Mittel im Krieg bei den Soldaten der Wehrmacht gespielt hatten.[11]

In Deutschland war die Dopingdefinition des Deutschen Sportärztebundes von 1952 maßgeblich und von nachhaltiger Wirkung.[12] Sie wurde letztlich von den Sportverbänden übernommen. Die Einnahme leistungssteigernder Mittel und Medikamente sei gesundheitsschädliches Doping und verstoße gegen die Chancengleichheit im sportlichen Wettkampf. Deshalb sollte Doping geächtet und verboten werden. Wenn Medikamente mit der Absicht eingenommen werden, die sportliche Leistung im Wettkampf zu erhöhen, müsse von Doping gesprochen werden, und zwar unabhängig davon, ob die Leistungssteigerung tatsächlich aufgrund des Medikaments erfolge oder nicht. Allein die Absicht zu dopen, sollte moralisch geächtet und verboten werden.[13] Damit wurde eine verbreitete und geübte Praxis der Einnahme von leistungssteigernden Mitteln moralisch ins Unrecht gesetzt.

Diese gesinnungsethische Definition von Doping war allerdings nicht geeignet, um geprüft und kontrolliert zu werden. Sie appellierte an die Fairness und den Sportsgeist der Athleten, Ärzte und Betreuer ebenso wie an ihr Selbstverständnis, im Sport trotz aller Anstrengungen, aller Risiken und allem Kampf nicht den Prinzipien der Humanität, der körperlichen Unversehrtheit und Gesundheit zuwider zu handeln. Deshalb sollte allein schon der Gedanke tabuisiert werden, gegen die Grundsätze eines humanen Spitzensports zu verstoßen, ohne dass jedoch das Verbot kontrolliert werden konnte. Sie schuf jedoch ein Bewusstsein dafür, dass Medikamente zur Leistungssteigerung im sportlichen Wettkampf weder mit dem Geist des Sports noch mit dem Ethos des Arztes vereinbar sind. Ärzte sind verpflichtet, Kranken zu helfen. Ihre Aufgabe besteht jedoch nicht darin, Sportlern zu besseren Leistungen zu verhelfen. Grupe hat mehrfach gemahnt, dass der Verstoß gegen dieses sportliche und ärztliche Ethos durch Doping den Sport in seinem humanen Sinn und Selbstverständnis „mitten ins ‚Herz‘“ treffe. Doping sei kein Kavaliersdelikt.[14]

Das Ziel eines humanen Leistungssports ohne Doping und Leistungsmanipulation wurde 1977 in der „Grundsatzerklärung für den Spitzensport“ des Deutschen Sportbundes ausdrücklich noch einmal formuliert, als sich jedoch bereits ein ganz anderes Verständnis von Doping und Dopingkontrollen durchgesetzt hatte.[15] Der Philosoph und Ruder-Olympiasieger von 1960, Hans Lenk, hatte gefordert, den olympischen Leitspruch des citius, altius, fortius durch ein humanius zu ergänzen.[16] Sein Rezept gegen Doping war die Erziehung zum „mündigen Athleten“ durch „demokratisches Training“.[17]

In den 1960er Jahren erfolgte ein Paradigmenwechsel im Verständnis von Doping. Der Beschluss, Doping nicht mehr nur moralisch zu verurteilen, sondern die Einnahme von Dopingmitteln zu verbieten und die Einhaltung des Verbotes auch zu kontrollieren, zu überprüfen und Verstöße sanktionieren zu wollen, ging von den Sportverbänden und am Ende vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) aus. Der Grund für diesen Wandel von der „intensionalen zur extensionalen Definition“ lag darin, dass sich zu Beginn der 1960er Jahre Berichte über Dopingvorfälle häuften.[18] Für das IOC und seinen Präsidenten Avery Brundage spielte der Tod des dänischen Radfahrers Knud Enemark Jensen bei den Olympischen Spielen von Rom 1960 eine wichtige Rolle. Er wurde auf Doping zurückgeführt.[19] 1967 starb Tom Simpson bei der Tour de France am Mont Ventoux.[20]

Nun definierten die Sportverbände, an der Spitze das IOC, Doping anhand einer Liste verbotener Medikamente. Wer Medikamente zu sich nahm, die auf dieser Liste verzeichnet sind, galt als gedopt und musste mit Sanktionen rechnen. Die Liste wurde von der Medizinischen Kommission des IOC erstellt und enthielt zunächst eine Reihe aufputschender Mittel und Medikamente, die bis dahin im Wettkampf genommen und jetzt verboten waren. Ihr Verbot sollte nun auch kontrolliert werden. Diese extensionale Dopingdefinition schuf die Möglichkeit, Dopingvergehen objektiv durch Kontrollen nachzuweisen. Nun mussten jedoch entsprechende Strukturen aufgebaut werden, um Doping zunächst im Wettkampf und dann auch im Training kontrollieren zu können. Außerdem mussten Strafen für diejenigen Athleten definiert und durchgesetzt werden, denen die Einnahme eines Medikaments nachgewiesen werden konnte.

Die Kehrseite dieser Dopingdefinition auf der Grundlage von konkreten, objektivierten Dopinglisten, von denen man sich die Lösung des Dopingproblems versprach, offenbarte sich jedoch erst nach und nach. Sie bestand darin, dass alle anderen Mittel und Medikamente, die nicht ausdrücklich aufgeführt waren, als erlaubt galten. Nun kam es in der Folge nicht mehr nur zu einem Wettkampf der Athleten auf dem Platz und auf der Bahn, sondern auch der Ärzte und Pharmazeuten, Mittel zu entwickeln und einzusetzen, die zwar wirksam sind, aber nicht auf der Dopingliste stehen. Der langjährige Vorsitzende der Anti Doping Kommission des Internationalen Leichtathletik Verbandes (IAAF), Arne Ljungquist, sprach von einem „Hase-Igel-Rennen“, das nun einsetzte;[21] also zwischen denen, die die Dopinglisten erstellten sowie Verfahren und Methoden zur Kontrolle der verbotenen Mittel und Substanzen entwickelten, und den anderen Spezialisten und erfahrenen Experten, die alternative Methoden zu entwickeln versuchten, die wirksam waren, aber weder als verboten auf der Liste standen noch nachweisbar waren. Das Rennen ist bis heute nicht beendet.

Der Wandel von der gesinnungsethisch motivierten, intensionalen zur pragmatisch-kriminologischen, extensionalen Dopingdefinition bedeutete den entscheidenden Schritt hin zur Institutionalisierung und Bürokratisierung von Anti-Doping. Doping und Anti-Doping entwickelten sich zu einem festen Bestandteil des modernen, organisierten Leistungssports, wie ihn auch Allen Guttmann in Anlehnung an Max Weber charakterisiert hatte.[22] Die Anti-Doping-Bürokratie reicht über die Grenzen der Sportverwaltung hinaus. Dopingverstöße sind nicht mehr nur Regelverstöße, die sportintern geregelt und sanktioniert werden. Durch spezifische Anti-Dopinggesetze in einigen Ländern, seit 2015 auch in Deutschland, sind dopende Athleten sowie ihre Helfer und Helfershelfer zu Kriminellen geworden, die über Sportgerichte hinaus von Gerichten verurteilt und bestraft werden können.[23]

 

Hintergründe und Ursachen der Dopingspirale

Leistungssteigernde Mittel in Sport und Gesellschaft

Warum nehmen Sportler leistungssteigernde Mittel und Medikamente?

Untersuchungen wie die des norwegischen Soziologen und Philosophen Gunnar Breivik haben gezeigt, dass Athleten alles tun, d.h. auch bereit sind, den Tod in Kauf zu nehmen, nur um zu gewinnen oder auch nur, um den letzten Kick bei einer außergewöhnlichen sportlichen Leistung oder Performance zu erleben.[24] Manchmal geht es darum, schwindende Kräfte zu kompensieren oder besondere Lust und Befriedigung zu empfinden. Sie üben und trainieren, sie strengen sich an und kämpfen mit aller Kraft des Willens und des Körpers, mit voller Anstrengung und Konzentration. Sie stellen ihr Leben und ihre Ernährung bis zur Selbstaufgabe auf diesen Kampf ein und zögern schließlich auch nicht, Aufputschmittel, Drogen und Medikamente zu sich zu nehmen, sei es um die Anstrengungen und die Schmerzen zu ertragen oder die Leistungsgrenzen über die ihnen auf natürliche Weise mögliche Grenze hinaus zu verschieben.

Von antiken Athleten ist überliefert, dass sie sich nicht nur speziell ernährten, sondern auch allerlei Wundermittel zu sich nahmen, um siegreich zu sein.

Sich besonderer Mittel und Methoden zur Leistungssteigerung zu bedienen, war und ist bis heute nicht nur ein Phänomen der Athletik und des Sports, sondern auch anderer Lebensbereiche. Im Arbeitsleben, in Armeen und in Kriegen, aber auch in der Kunst, in der Literatur, in der Musik und sogar in der Liebe werden Drogen und Medikamente genommen, um die Leistungsfähigkeit zu verbessern oder auch nur zu erhalten, Ermüdung zu überwinden, Schmerzen zu ertragen und nicht zuletzt, um Lust zu steigern. Die Geschichte der menschlichen Sexualität ist voll von Mythen über Aphrodisiaka zur Steigerung der Potenz.[25] Dieses Beispiel zeigt nicht nur, wie eng der Zusammenhang von Lust und Leistung nicht nur im Sport ist, sondern verweist auch auf eine gewisse Ironie der Biologie und Leistungsphysiologie. Sie besteht darin, dass dieselben Mittel zur Steigerung der Lust, nämlich männliche Geschlechtshormone, auch zu den effektivsten Dopingmitteln zählen.[26]

Anabolika-Doping hat seinen Weg auch über die Bodybuilding- und Kraftsportszene in den Leistungssport gefunden.[27] In der DDR wurde der Einsatz von Anabolika mit Hilfe von Medizin, Wissenschaft und Pharmaindustrie perfektioniert.[28] Die in Fitness- und Bodybuilding-Studios umgesetzten Drogen, anabolen Steroide und sonstigen Medikamente sind Teil eines wachsenden Schwarzmarktes, in dem ähnlich wie im Drogenhandel illegal Geschäfte auf Kosten der Gesundheit der Nutzer gemacht werden.

 

Pferdesport und Radsport

Im Pferdesport sollen bereits im 17. Jahrhundert Mittel eingesetzt worden sein, um Wetten zu manipulieren, indem favorisierte Pferde mit Arsen vergiftet wurden. Diese Praxis wurde verboten und unter Strafe gestellt, weil dadurch faire Wettchancen nicht mehr gegeben und somit hohe Wetteinsätze gefährdet waren. Dieses negative Doping wurde dann im Radsport positiv gewendet, indem die Rennfahrer entweder selbst Aufputschmittel sowie Drogengifte wie Arsen und Strychnin zu sich nahmen oder von ihren Managern verabreicht bekamen.[29] Sie erhofften sich dadurch zumindest für die Zeit des Wettkampfs eine höhere Leistungsfähigkeit.

Über die langfristigen Wirkungen dieser Drogen und Medikamente auf ihre Gesundheit machten sich die Athleten entweder keine Gedanken, oder sie wussten nichts davon. Für die Fahrer ging es zunächst darum, überhaupt die Strapazen solcher Straßenrennen wie der Tour de France, die erstmals 1903 durchgeführt wurde, oder der Sechstagerennen in den Radsportarenen überstehen zu können. Insbesondere während der „heroischen Epoche“ der Tour vor dem ersten Weltkrieg sind zahlreiche Geschichten (oder Mythen) überliefert, die von der „Tour der Leiden“ einschließlich der Manipulationen, Täuschungen und zahllosen Mittel und Medikamente handeln, die den Fahrern verabreicht wurden.[30] Anfangs lautete das Prinzip, dass jeder Fahrer auf eigene Kosten und eigenes Risiko fährt.[31] Die Fahrer waren Profis. Sie mussten ihren Sport selbst finanzieren und ihren Lebensunterhalt mit ihm verdienen.

 

Sport im Spätkapitalismus

Der Hoch- und Höchstleistungssport etablierte sich als eine Art Abbild der kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, die auf ständige Leistungsoptimierung, auf Wachstum und Steigerung angewiesen ist. Christian Graf von Krockow (1927-2002), der sich auch mit dem gesellschaftlichen Phänomen des Sports auseinandersetzte, betonte, dass „Leistung, Konkurrenz und Gleichheit“ gleichermaßen Grundprinzipien des Sports wie der modernen, kapitalistischen Gesellschaft darstellen.[32] Für den neomarxistischen Kulturkritiker Theodor W. Adorno (1903-1969) war der Sport Ausdruck und Instrument des Kapitalismus, um den Menschen körperlich auszubeuten und den Zwängen der kapitalistischen Ordnung unterzuordnen.[33]

Einig waren sich Krockow und Adorno in der Auffassung, dass der Sport, insbesondere der moderne Hochleistungssport, auf dem Gebiet der Körperkultur den „Geist des Kapitalismus“ atme, wie ihn Max Weber verstanden und interpretiert hatte.[34] Weber bezeichnete damit eine Haltung, in der eine Tätigkeit zum Beruf wird, also ihren Sinn in sich selbst findet. Der Kapitalist gibt sich nicht damit zufrieden, etwas zu können und etwas zu haben, er will mehr: mehr können, mehr wissen, mehr haben. Er möchte nicht etwas haben, um leben zu können, sondern er lebt, um mehr zu erwerben und mehr zu haben. Analog ließe sich sagen, dass der Leistungssportler nicht Sport treibt, weil er seinen Körper trainieren möchte oder Spaß daran hat, sondern er hat Spaß daran, wenn er nach besseren Leistungen strebt und ihm bessere Leistungen gelingen. Citius, altius, fortius lautet das Motto der Olympischen Bewegung. Die ständige Steigerung wird für den Leistungs- und Hochleistungssportler zum Selbstzweck. Diese Haltung unterscheidet sich grundlegend von der pädagogischen Gymnastik oder dem patriotischen Turnen, bei denen die körperliche Übung Mittel zum Zweck, aber nicht Beruf ist. Die Spirale aus Leistungs- und Gewinnerwartung, Sensation und Spannung als Signum für die moderne, kapitalistische Kultur und Zivilisation scheint typisch für den Bereich des Sports, genauer gesagt des Berufssports zu sein.

Diese kapitalistische Haltung zum Sport als Beruf traf paradoxerweise auch auf die früheren kommunistischen Staaten dieser Welt zu. In der Sowjetunion und der DDR, aber auch in China und bis heute in anderen totalitären Staaten, unabhängig von der jeweiligen Staatsideologie, bildete der Hoch- und Höchstleistungssport eine Insel des kapitalistischen Wettbewerbs und Fortschritts, wenn auch mit Einschränkungen.[35] Während die Sportfunktionäre den Sport und die Athleten als Mittel verstanden, um politische Ziele zu erreichen, wurde für die Athleten selbst der Sport zum Beruf, wie dies Max Weber als bezeichnend für den kapitalistischen Geist betrachtet hatte. Die Athleten in totalitären Regimen unterliegen deshalb einem doppelten Zwang: einerseits dem Geist des Kapitalismus und andererseits der Herrschaft des Regimes. Ein weiteres Paradoxon besteht darin, dass die professionelle Haltung zum Sport als Beruf im Weberschen Sinne auch auf den Bereich des Amateursports zutraf, also auf den Sport, der in der bürgerlichen westlichen Welt ausdrücklich nicht als Beruf, sondern als „Liebhaberei“ verstanden werden sollte.

 

Amateursport und Berufssport

Die Unterscheidung von Berufs- und Amateursport kam erst mit den Olympischen Spielen der Neuzeit auf, die nach dem Willen der Gründer um Pierre de Coubertin im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) nur für Amateure und nicht für Berufsathleten geöffnet waren. Amateure waren solche Sportler, die ihren Sport aus und als Vergnügen, jedoch nicht als Profession betrieben. Die Amateurregel des IOC schloss Athleten aus, die ihren Lebensunterhalt mit Sport verdienten. Diese Regel wurde so streng gehandhabt, dass manchen Athleten wie dem US-amerikanischen Leichtathleten indianischer Abstammung, Jim Thorpe (1887-1953), nachträglich seine Goldmedaille im Zehnkampf bei den Olympischen Spielen von Stockholm 1912 aberkannt wurde, weil er zuvor als professioneller Baseballspieler in den USA tätig war.[36] Der österreichische Skifahrer Karl Schranz (geb. 1938) wurde noch 1972 von den Olympischen Winterspielen in Innsbruck ausgeschlossen, weil er Werbung für eine Kaffeemarke gemacht haben soll.[37]

Bis heute ist Trikotwerbung bei den Olympischen Spielen verboten. Im Unterschied zu Weltmeisterschaften und anderen großen Sportereignissen werden vom IOC als Veranstalter und Besitzer der Olympischen Spiele keine Prämien an die Athleten gezahlt. Nach dem Olympischen Kongress 1981 in Baden-Baden wurde die Zulassungsregel 26 der Olympischen Charta jedoch geändert.[38] Nun durften auch professionelle Sportler an Olympischen Spielen teilnehmen. Die Schleusen für die Kommerzialisierung und Professionalisierung der Olympischen Spiele und des gesamten Leistungs- und Hochleistungssports waren damit geöffnet.

Welchen Sinn hatte die Amateurregel und was hat sie mit den Dopingproblemen des Sports zu tun? Die Amateurregel lässt sich aus der Geschichte des Sports erklären. Sie wurde eingeführt, weil sich die elitäre und adelige Trägerschicht des britisch-englischen Sports, die Gentleman-Klasse, ein soziales Reservat schaffen wollte. Die „Leisure Class“, wie sie 1899 der amerikanische Soziologe Thorstein Veblen in seiner kritischen Analyse und Sozialsatire beschrieb, wollte auf demonstrative Weise unter sich bleiben.[39] Nur wer Sport zum Spaß treibt und nicht auf ihn angewiesen ist, kann ihn im „richtigen“, sportlich-fairen Geist betreiben, so die Auffassung der Vertreter des Amateursports seit der Gründung des Internationalen Olympischen Komitees 1894 in Paris. Damals war auf einem von Pierre de Coubertin einberufenen Kongress zu Fragen des Amateursports die Ausrichtung der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen beschlossen worden, nur für Amateure.[40]

Ähnlich wie der Leistungssport ein kapitalistischer Stachel im Fleisch der sozialistischen und kommunistischen Staaten war, stellte der Amateurismus einen Anachronismus im Kapitalismus dar, zumindest im Sinne Max Webers. Die Idee des Amateurismus stammte aus der Welt des englischen Landadels (gentry) und der Gentlemen.[41] Sie passte nicht zu den kapitalistischen Prinzipien des Wachstums und Fortschritts, die auch für den modernen olympischen Leistungs- und Hochleistungssport galten: citius – altius – fortius. Es ist deshalb kein Zufall, dass Coubertin selbst den Amateurismus für eine „bewundernswerte Mumie“ hielt,[42] die er ins Museum stellen wollte. Er hielt es für eine „Utopie“ versuchen zu wollen, „dem Kampfsport eine Leitlinie verbindlicher Mäßigung aufzuerlegen“, sagte er in seiner Rundfunkansprache 1935. In dieser Rede vor den Olympischen Spielen von Berlin (1936) fasste der Gründer der olympischen Bewegung am Ende seines Lebens noch einmal die „philosophischen Grundlagen des modernen Olympismus“ zusammen. Statt Mäßigung forderte er „ungehemmte Freiheit“ für die Anhänger des olympischen Sports.[43]

Coubertin erwähnte jedoch nicht, dass diese Freiheit auch darin bestehen kann, die eigene Gesundheit oder die des Gegners zu zerstören. Sein Ideal eines olympischen Athleten war der débrouillard – der Typ eines gewieften, cleveren und kompromisslosen Kämpfers, der im Sport genauso wie im wirklichen Leben seinen Mann steht.[44] Frauen wollte er dagegen nicht als Wettkämpfer im Olympiastadion sehen.

 

Die Tendenz zum Exzess

In seinem Aufsatz „La Psychologie du sport“ aus dem Jahr 1900, den Ernst Hojer 1972 ins Deutsche übersetzte, reflektierte Coubertin grundsätzlich über das von seinem Beichtvater Pater Henri Didon übernommene Motto citius, altius, fortius. Dieser Geist des modernen Sports bzw. der Olympischen Spiele der Neuzeit sei im Prinzip derselbe wie in der Antike: „Das wiederum kann zu der Schlussfolgerung führen“, meinte Coubertin am Ende seines Aufsatzes, „daß heute wie damals eine Tendenz des Sports zum Exzess besteht; er strebt nach größerer Geschwindigkeit, größerer Höhe und stärkerer Kraft – immer nach mehr.“ Und er fügt hinzu: „Das ist sein Nachteil, meinetwegen – im Hinblick auf das menschliche Gleichgewicht. Doch das ist auch sein Adel – und seine Poesie.“[45]

Die Amateurregel galt bis zum Ende der IOC-Präsidentschaft von Avery Brundage. Dieser hielt sie für die beste Immunabwehr gegen Doping und Betrug im Sport;[46] denn wer Sport als Amateur, aus Vergnügen und Spielerei betreibt, wer existentiell nicht auf den Sport und den Sieg im Sport angewiesen ist, der hat auch keine Veranlassung, sich selbst und andere zu betrügen oder seine Gesundheit über Gebühr aufs Spiel zu setzen, sondern nur so lange und wie es ihm Spaß macht. Aber das ist dann nicht mehr das Problem der Organisatoren von Amateursportveranstaltungen wie den Olympischen Spielen, sondern allein der Athleten selbst. Doping war also in den Augen von Brundage und anderen Olympiern wie Carl Diem nur ein Problem des Berufssports, aber nicht des olympischen Amateursports. „Der Berufssport ist, mag er noch so sehr in der Sportspalte der Zeitung behandelt werden, nicht ‚Sport‘, sondern das Gegenteil davon: Gewerbe, und zwar gehört er zum Schaustellerberuf, mit dem er auch vielfach Berufszucht und -strenge gemein hat. Es handelt sich hierbei nicht um ein Werturteil, sondern um einen Sachverhalt. Berufssport ist kein Sport“, sagte Carl Diem.[47] 

Im Umfeld der Olympischen Spiele 1972, als erstmals systematische Dopingkontrollen im Wettkampf angesagt waren, wollte Brundage das Problem gar nicht wahrhaben und stimmte nur halbherzig zu, dass sich auch das IOC an der Finanzierung der Dopingkontrollen beteiligte.[48] Die Amateurregel konnte, ähnlich wie heute die Anti-Doping-Regeln, nicht wirksam kontrolliert und durchgesetzt werden. Aber der Geist des Amateursports wirkte sich mäßigend auf die Tendenz des Sports zum „Exzess“ aus, weil die Athleten nicht ihre gesamte Existenz auf die Karte Sport setzen konnten, sondern Schule, Ausbildung, Studium und Beruf zumindest für die Mehrzahl der Amateursportler genauso wichtig waren wie ihr Sport. Mit dem Ende der Amateurregel veränderte sich diese Balance der Lebensführung von Leistungssportlern. Wer im Sport siegreich und erfolgreich sein wollte, musste ihn nun zu seinem Lebensmittelpunkt, zu seinem Beruf machen.

 

Doping im Amateursport

Tatsächlich wurde auch schon zu Beginn der Olympischen Spiele der Neuzeit von Amateuren gedopt. Unklar ist allerdings, in welchem Umfang und in welcher Intensität. Der erste aktenkundige Verstoß gegen eine Dopingregel bei Olympischen Spielen fand 1908 bei den Olympischen Spielen von London im Marathonlauf statt. Die Organisatoren hatten ausdrücklich in den Regeln zum Marathonlauf festgelegt, dass die Einnahme von „Drugs“ verboten sei und zur Disqualifikation führe.[49] Der italienische Marathonläufer Dorando Pietri, der als erster die Ziellinie überquerte, hatte dagegen verstoßen. Er war mit Strychnin und Atropin gedopt. Ebenso wie schon der Sieger des Marathonlaufs von 1904 in Saint Louis, Thomas Hicks. Damals hatte es allerdings noch kein Dopingverbot gegeben. Disqualifiziert wurde Pietri in London jedoch nicht wegen Doping, sondern weil er völlig entkräftet und orientierungslos nur mit Hilfe von Ärzten und Betreuern die Ziellinie hatte überqueren können.

Das System des Amateursports wurde offiziell nach dem Olympischen Kongress von Baden-Baden 1981 aufgegeben. Dafür gibt es mehrere Gründe: erstens wurde die Unterscheidung zwischen Amateuren und professionellen Athleten obsolet, seit die kommunistischen Staaten des Ostblocks mit der Sowjetunion und der DDR an der Spitze, ihre Athleten als „Staatsamateure“ behandelten; sie handelten im staatlichen Auftrag und wurden auch vom Staat bezahlt und trainiert. Amateure im Westen waren dagegen Hobbysportler. Berufssportler wie beispielsweise Boxer, Radrennfahrer, Tennisspieler oder Bundesliga-Lizenzspieler durften dagegen nicht an Olympischen Spielen teilnehmen. Zudem wandte sich das Zuschauerinteresse immer mehr dem professionellen Sport zu. Das Interesse am Amateur- oder Hobbysport nahm dagegen ab.

Mit dem Wechsel verschärfte sich jedoch das Dopingproblem. Sollten je große Unterschiede zwischen Amateur- und Berufssport im Hinblick auf die Einnahme von leistungssteigernden Mitteln und Medikamenten bestanden haben, ebneten sie sich nun endgültig ein. Beispiele sind Dopingfälle im professionellen Radsport und im olympischen Sport, insbesondere in der olympischen Leichtathletik, aber auch im Schwimmen und in den Kraftsportarten, etwa dem Gewichtheben. Während vom IOC und den traditionellen Amateursportverbänden nach und nach immer striktere Antidopingregeln und Listen mit verbotenen Medikamenten und Mitteln eingeführt wurden, geschah dies im Berufssport eher zögerlich.[50] Im Berufsradsport, insbesondere bei den großen Straßenrennen wie der Tour de France, hielten Fahrer, Betreuer und Ärzte an der üblichen Praxis der Einnahme von aufputschenden und leistungssteigernden Mitteln und Medikamenten trotz Dopinglisten und Verboten fest. Kontrollen wurden weder konsequent durchgeführt noch ernst genommen.

Eine Änderung des Dopingverhaltens und der Dopingmentalität erfolgte erst, als sich der Staat in das Sport- und Dopinggeschehen einmischte. Diese Einmischung erfolgte auf zweierlei Art und Weise. Erstens durch spezifische Anti-Dopinggesetze, die in einigen Ländern schon früh erlassen wurden, beispielsweise in Frankreich und Italien, und die in den 1990er Jahren dazu führten, dass während der Tour de France Razzien gegen Doping durchgeführt wurden, die beinahe zum Ende dieses Radsportereignisses geführt hätten. Zweitens führten diese Dopingskandale im neuen Jahrhundert zur Gründung der WADA und der nationalen Anti-Dopingkommissionen (NADA). Mit der Gründung dieser Agenturen verlagerten sich die Verantwortung und Kontrolle von Dopingvergehen im Sport von den Sportverbänden mit dem IOC an der Spitze hin zu den Staaten. Der Kampf gegen Doping im Sport ist nun nicht mehr nur eine Angelegenheit des Sports, sondern auch der staatlichen Politik und der Steuerzahler; denn die Finanzierung der WADA und der NADAs und damit die Finanzierung der Dopingkontrollen erfolgt zu wesentlichen Teilen und in vielen Ländern ausschließlich aus Steuermitteln.

 

Resumee

Die Dopingthematik verdeutlicht, dass der Sport seinen Charakter als mehr oder weniger private Eigenwelt eingebüßt hat.[51] Er steht nicht mehr für sich, sondern ist Teil von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft geworden. Zumindest scheint dies auf den Hochleistungssport zuzutreffen. Er steht für den „Geist des Kapitalismus“, für Leistung, Konkurrenz und Chancengleichheit. Für ihn gelten sowohl die spezifischen Regeln der jeweiligen Sportart als auch die Regeln des Kapitalismus. Hochleistungssportler betreiben Sport nicht als Hobby, sondern als Beruf. Wenn Hobby- und Freizeitsportler Drogen, Medikamente oder sonstige leistungssteigernde Mittel und Medikamente einnehmen, wie dies massenhaft der Fall ist, entspricht das zwar nicht dem Geist eines fairen Sports, der der Gesundheit dienlich sein soll; aber es wird nicht kontrolliert und auch nicht sanktioniert. Dopende Freizeitsportler verhalten sich dabei nicht anders als Menschen, die leistungssteigernde Mittel und Medikamente in anderen Lebenszusammenhängen einnehmen. Solange sie dies nicht im Straßenverkehr oder am Arbeitsplatz tun, ist das auch nicht verboten.

Professionelle Hochleistungssportler handeln jedoch nicht als Privatpersonen, sondern als öffentliche Personen, die die Regeln ihres Berufs einhalten müssen.

Der professionelle Spitzensport unterliegt heute mehr denn je den Prinzipien unserer kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Er ist auf Konkurrenz, Wachstum und Steigerung angelegt: Citius, altius, fortius. Allerdings handelt es sich um einen regulierten Wachstumsmarkt. Nicht alle Mittel zur Steigerung sind erlaubt. Die Versuchung wird deshalb weiterhin bestehen, gegen diese Regeln zu verstoßen, um sich Vorteile in diesem Wettbewerb zu verschaffen. Doping wird auch in Zukunft ein Bestandteil des Sports bleiben, genauso wie dies für andere kriminelle Delikte in anderen Bereichen unserer Wirtschaft und Gesellschaft zutrifft. Staat und Sport werden deshalb, wie Sysyphos im Mythos, ihre Aufgabe nie erledigen können, ihre Regeln zu prüfen, deren Einhaltung zu kontrollieren und Verstöße gegen die Regeln zu sanktionieren.

 

PROF. DR. MICHAEL KRÜGER   ist Professor für Sportwissenschaften mit den Schwerpunkten Sportpädagogik und Sportgeschichte am Institut für Sportwissenschaft der WWU Münster. Er forscht und lehrt zu historisch-politischen sowie pädagogisch-sozialen und ethischen Fragen und Problemen der Sportentwicklung. Zahlreiche Publikationen und Lehrbücher; aktuelle Forschungsprojekte zur Geschichte des Dopings sowie zur Geschichte der Sportmedizin in Deutschland. Jüngste Veröffentlichungen: Visual Sources in the History of Sports: Potential, Problems, and Perspectives with Selected Examples of Sporting Art. In: Historical Social Research, 43(2/2018), S. 72-91; German fußball-recent developments and origins. In: German Journal of Exercise and Sport Research, 48(2/2018), S. 1-9 (gemeinsam mit Herzog Markwart & Reinhart Kai).

 

Literaturverzeichnis

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Anmerkungen:

1. Vorwort des WADA-Strategieplanes 2014, https://www.wada-ama.org/en/resources/world-anti-doping-program/strategic-plan (Zugriff 19.2.2018).

2. Krüger und Nielsen; Waddington et al. 2015.

3. https://www.sportschau.de/doping/geheimsache-doping102.html (Zugriff 8.3.2018)

4. Der Topathlet als „gläserner“ Mensch ist seit Jahren zu einem Topos der Doping- und Anti-Doping Berichterstattung geworden, z.B. https://www.welt.de/sport/article152973429/Die-einzigartige-Tortur-der-deutschen-Topathleten.html (Zugriff 22.2.2018).

5. Dieser Begriff geht auf Hans Lenk zurück (Lenk 1979); s. auch Maennig 2003, der als Alternative zum mündigen zwar nicht den gläsernen Athleten (athleta vitreus), sondern den Homo Sportivus Oeconomicus sah.

6. Møller und Dimeo 2013

7. Aus der inzwischen beinahe unüberschaubaren Anzahl an jüngeren Publikationen seien als Überblickswerke genannt: Møller et al. 2015 und Dresen et al. 2015. Die gründlichste historisch-soziologische Einzelstudie stammt von Reinold 2016. Siehe außerdem eigene Studien Krüger et al. 2014; Krüger et al. 2015; grundlegend ist die Pionierarbeit von Hoberman 1994.

8. Reinold 2016

9. Pieper 2002

10. Goodman 1995

11. Schäfer 2003

12. Im Folgenden nach Reinold 2016, bes. S. 71-124.

13. Reinold 2016, S. 90/91.

14. Grupe 2002, hier S. 60.

15. Deutscher Sportbund (DSB) 1977

16. Lenk 1984

17. Lenk 1979

18. Reinold 2016, S. 97

19. Dimeo 2013

20. Fotheringham 2007

21. Ljungquist 2002

22. Guttmann 2004

23. Das Gesetz gegen Doping im Sport (Anti-Doping-Gesetz - AntiDopG) wurde im Dezember 2015 vom Deutschen Bundestag verabschiedet.

24. Breivik 2003; Gilberg et al. 2007

25. Herzog 2018; Rätsch und Hofmann 2008

26. Testosteron als körpereigenes männliches Geschlechtshormon war lange Zeit nicht nachweisbar, wenn es im Sport als anaboles Dopingmittel eingesetzt wurde. Zu den aus dieser sportlichen Sicht unerwünschten Nebenwirkungen bei Männern und Frauen gehören gravierende Auswirkungen auf die Sexualität.

27. Kläber 2010

28. Latzel 2009

29. Reinold 2010; Krüger 2006; Meutgens 2007

30. Blickensdörfer und Baumann 1997, S. 19-27.

31. Krüger 2006, S. 331.

32. Krockow 1980

33. Adorno 2003, S. 79; Krüger 2004

34. Weber 2015

35. Krockow 1990, S. 286-288

36. Wheeler 1979

37. Prüller 1970

38. Nationales Olympisches Komitee für Deutschland 1982

39. Adorno 2003 berief sich in seiner kapitalistischen Kulturkritik auf Veblen 2011

40. Coubertin und Daume 1996, S. 18/19.

41. Holt 1993, S. 98-116.

42. Coubertin und Daume 1996, S. 17.

43. Coubertin 1967, S. 151.

44. Coubertin 1974, darin Coubertins Rede über die „Philosophie des Débrouillard“ am 30. Juli 1907 anlässlich der Verleihung des „Diplom des Débrouillards“ des „Sport Populaires“ an der Sorbonne in Paris, S. 169-174.

45. Hojer et al. 1972, S. 113.

46. Brundage hielt deshalb auch an der Idee Coubertins vom Sport als einer religio athletae fest Brundage et al. 1971

47. Diem 1960, S. 25.

48. Krüger et al. 2015, S. 62/63.

49. British Olympic Council 1908, S. 72.

50. Krüger 2006

51. Krüger 2005, S. 172-180.