Sie befinden sich hier: Start |Publikationen |Mitteilungen |Heftarchiv |

Asyl & Migration, Memorandum - 1.06.98

Berliner Aufruf gegen eine Politik des Aushungerns von Flüchtlingen in Deutschland

Frankfurter Rundschau vom 29. April 1998

Mitteilungen Nr. 162, S. 60

Der Bundesvorstand der Humanistischen Union hat auf seiner letzten Sitzung in Lübeck die Unterstützung einer Resolution gegen die Neuregelung des Asylberwerber-Leistungsgesetzes beschlossen. Wir dokumentieren den Text des Berliner Aufrufs an dieser Stelle im Original (Ausschnitt aus der Frankfurter Rundschau vom 29. April 1998):


Berliner Aufruf gegen eine Politik des Aushungerns von Flüchtlingen in Deutschland


Am 6. Februar 1998 hat der Bundesrat einen Entwurf zur Änderung des Asylbewerberleistungsgesetzes beschlossen. Diese Änderung sieht vor, bis zu 250 000 geduldeten und ausreisepflichtigen Flüchtlingen die Sozialleistungen (d.h. Nahrungsmittel, Unterkunft, Bekleidung und medizinische Versorgung) gänzlich zu entziehen. Menschen, die nicht abgeschoben werden können, sollen durch Aushungern gezwungen werden, "freiwillig" auszureisen. In ihren Herkunftsländern, derzeit vorallem Bosnien, Jugoslawien, Afghanistan, Türkei, Irak, (Palästinenser aus dem) Libanon, Algerien, Somalia, Angola und Vietnam, droht ihnen aber von vielen dieser Staaten oder Dritten Gefahr für Leib, Leben und Freiheit. Sie müssen erneute Vertreibung oder existenzielle Notlagen in Kriegs- und Krisengebieten befürchten. Vielfach weigern sich die Staaten, ihre Bürger bzw. Flüchtlinge wieder aufzunehmen.

Unabhängig von einer Entscheidung, welche Gruppen von Menschen genau betroffen sein werden, verletzt der Entzug von Sozialleistungen die Rechte Schutzbedürftiger und von Menschen in Not. Er verweigert Flüchtlingen die Möglichkeit, in unserem Land menschenwürdig zu leben. Sozialhilfeentzug und gleichzeitiges Arbeitsverbot führen die Flüchtlinge erkennbar in ausweglose Situationen und gesellschaftliche Ausgrenzung. Das Sozialrecht wird als Ordnungsrecht mißbraucht, humanitäres Flüchtlingsrecht und die grundsäzliche Garantie der Menschenwürde sind akut in Gefahr.

Die unterzeichnenden Organisationen und Einzelpersonen fordern daher die Abgeordneten des Deutschen Bundestages und die Regierungen der Länder und des Bundes auf, den Grundsatz der Unantastbarkeit der Menschenwürde zu verteidigen und diesem Gesetz ihre Zustimmung zu verweigern.

Bisher haben mindestens 1300 Einzelpersonen (u.a. Richter, ÄrztInnen, ZahnärztInnen, RechtsanwältInnen, LehrerInnen, Superintendenten, ProfessorInnen, PfarrerInnen, SozialarbeiterInnen, PsychologInnen, TherapeutInnen, SchriftstellerInnen, JournalistInnen, Abgeordnete, StadträtInnen, BeamtInnen, StudentInnen, SchülerInnen ...), Organisationen, Gewerkschaften, kirchliche Institutionen, Menschenrechtsorganisationen, Flüchtlingsräte, Ausländerbeauftragte, Flüchtlingsgruppen und Parteien bundesweit den Aufruf unterzeichnet. ErstunterzeichnerInnen sind u.a.: Günter Grass/Schriftsteller, und Ute Grass; Michael Bouteiller/Bürgermeister von Lübeck; Dr. Klaus Schütz, Präsident der LV DRK und Ex-Regierender Bürgermeister von Berlin; Prof. Dr. Helmut Essinger und Michael Findeisen, Vizepräsidenten der Internationalen Liga für Menschenrechte; Bundesvorstand, Geschäftsführer, Beiräte und Mitglieder der Humanistischen Union; Dr. Till Müller-Heidelberg, Ingeborg Rürup, Helga und Wolfgang Killinger, Gisela und Friedrich Goymann, Professoren Dr. Fritz Sack, Dr. Jürgen Seifert und Dr. Erich Küchenhoff; Gunda Diercks-Elsner, u.a.; Weltfriedensdienst, PRO ASYL; amnesty International Lübeck/Karin Weber, Peter Wagener/Caritas Berlin; Caritas-Beratungsstellen Wiesbaden, Berlin u.a.; Petra Thobaben/OKR (Landespastorin), Diakon. Werk Schleswig-Holstein, Udo Siebert/OKR, Diakon. Werk Thüringen, Diakon. Werke Hannover, Görlitz, Westfalen, Berlin u.a.; Ev. Lutherisches Missionswerk Leipzig/Dieter Braun; DRK-Beratungsstellen; Romani Union; Jesuiten Flüchtlingsdienst; Gemeinde Kirchenräte der Ev. Johanneskirchengemeinde Berlin und der Ev. Kirchengemeinde Berlin-Schlachtensee; Dr. Jürgen Miksch, Beauftragter der Ev. Kirche Hessen/Nassau; Kirchengemeinde-Mitglieder bundesweit; Büro gegen ethn. Diskriminierungen/Berlin; Weltfriedensdienst; BIEP e.V./PATTHAI Berlin; OMRAS; Liga zur Verteidigung der Menschenrechte im Iran; Gossner-Mission/Berlin; Berliner Missionswerk; Reistrommel e.V./Berlin; Xenion-Psychoth. Beratungsstelle für pol. Verfolgte/Berlin; BABEL/Verein für interkult. Zusammenarbeit/Berlin; IG Medien Berlin und Wiesbaden; KSG-Thomas Morus/Berlin; Pax Christi; ZAPO/Anlaufst. für PendlerInnen aus Osteuropa, Poln. Sozialrat/Berlin; Ostdeutsches Kuratorium; DGB-AG gegen Rassismus; DGB-Jugend Berlin-Brandenburg + Jugendzentrum; GEW Berlin/Dr. Brigitte Reich; JuSos LV/Berlin; Asyl in der Kirche/Berlin; Initiative kein Mensch ist illegal, Initiative gegen das AsylbLG/Berlin; Forschungsgesellschaft Flucht u. Migration; Bündnis90/Die Grünen Niedersachsen, Berlin, Bayern, Sachsen u.a.; PDS-Bundesvorstand und Länder; Dr. Uwe Klett, Bürgermeister von Berlin-Hellersdorf;SüdOst-Europa-Kulturzentrum Berlin; FDCL Berlin; Oase Pankow, Berlin isci ve genclik halkevi; SJD Die Falken; Kurdisches Zentrum Berlin; Palästina-Gemeinde Deutschland; Verlag und Buchladen Schwarze Risse/Rote Straße Berlin und Göttingen; Aric Al-Nadi (arab. Frauen), Netzwerk Mehringhof, Islamische Gemeinschaft deutschsprachiger Muslime, antirassistische Initiative/Berlin; Antifaschistische Initiative Moabit; Aktionskreis Solidarische Welt/Berlin; Afrika Center, BAOBAB Infoladen; FelS; Zielona Gá³ra Stadtteilladen/Berlin; SOS Rassismus, Papiertiger-Archiv/Berlin; 30 KollegInnen der Ev. Berufsschularbeit, ProfessorInnen Dr. Fanny-Michaela Reisin, Dr. Helmut Essinger, Dr. Peter Welten, Dr. Wolfgang Richter, Dr. Hajo Funke, Dr. Wolfgang Wippermann (Sinti und Roma); Dr. Heinz Schade u. a.; RechtsanwältInnen Annette Jansen, Petra Schlagenhauf, Rainnenbüro Kottbusser Damm 72, Beate Böhler, Sabine Willutzki, Caroline v. Wedel-Parlow, Martina Zünkler, Lena Holtkötter, Rüdiger Jung, Harald Schandl, Becher&Dieckmann, Ronald Reimann, Dieter Kierzynowski u.v.a.; PfarrerInnen Bernd Krause, Beate Herrnschuh-Böhm, Kristina Westerhoff, Dagmar Henke, Hartmut Lucas, Ulrich Finckh/Pfarrer i.R. Bremen, u.a.; Ludwig Ammer/Theologe; Klaus-D. Wahl/IG Medien Wiesbaden; Hans-Gerd Öfinger/IG Medien, Dolmetscher/Wiesbaden; Hiltrud Illich/Biologielaborantin/Wiesbaden; Yvonne Schmelzer, Hotelfachfrau/Wiesbaden; Sarah Schumann, Schülerin/Wiesbaden; Meike Bielefeld, SPD, Schauspieler/Gräfelfing; Rita Lohr, Künstlerin/Hannover; Helga Engel, Lehrerin a.D./Dabendorf; Klaus Waterstradt, Arzt/Lübeck; Heinrich Grundmeier, Geschäftsführer, Sozialarbeiter/Niedernwöhr; Siegfried Pöppel, Heimleiter/Berlin; Arzu Önal, Azubi/Berlin, Klaus D. Baer, Referent/Berlin; Florian Quaisor, Student, Yldiz Bade, Pflegerin, Dagmar Gerster, Dipl.-Pol., Mehrangis und Reza Dabui, FilmemacherInnen, Bernd Kubiessa, Beamter (alle Berlin); Cornelia Reinhauer, Stadträtin/Berlin; Christian Gäbler, MdA/Berlin; Karin Hopfmann MdA/Berlin; Thuy Nonnemann, Bankangestellter; LehrerInnen Almuth Jörns, Michael Rump, Eva Wolf, Holger Johannsen, Rosmarie Welten, Marianne Klaus, Theodor Gocht u.v.m.; 160 TeilnehmerInnen einer Berliner Fachtagung "Interkulturelle Kompetenz"; BesucherInnen der Ausstellung "Flucht" in Berlin-Kreuzberg; Flüchtlingsräte in Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Leverkusen, Magdeburg, Leipzig, Sachsen, Schleswig-Holstein, Wiesbaden (mit sehr vielen Unterschriften), Köln, München, Bayern, Hessen, Ausländerbeirat Frankfurt/O., DPWV-Frankfurt/O.; laf e.V./Frankfurt; Gruppe Penumbra, Dritte-Welt-Haus/Frankfurt; Feministische Partei DIE FRAUEN/Bayern, Sabine Voigtländer, Ulla Jelpke, MdB, Lili Schlumberger-Dogu, Elisabeth Köhler/Bündnis90/Die Grünen, Eva Bulling-Schröter/MdB, Cem Özdemir/MdB, Dagmr Roth-Behrend/EU-Parl.-Abgeordnete; JournalistInnen Katina Schubert, Simone Sitte, Osman Okkan, Stephan Lohr, Albrecht Kieser, Gigi Deppe, Birgit Morgenrath, Rheinisch. JournalistInnenbüro u. a.; u.v.a.m...

Um diese und weitere Anzeigen und das Kampagnenbüro zu finanzieren, bitten wir sehr herzlich um großzügige Spenden an die FFM, Kto. Nr. 61 00 24 264, BLZ 100 500 00, Berliner Sparkasse, Stichwort: Berliner Aufruf.

V.i.s.d.P:R: Flüchtlingsrat Berlin, Frau Hoyer