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Pluralismus, Rechtspolitik - 1.03.01

Sexualität ist mehr!

Johannes und Maria Glötzner

Zu dem sexualpolitischen Beschluß

 

Mitteilung Nr. 173, S. 14-15

zu dem sexualpolitischen Beschluß ("Der Bundesvorstand wird aufgefordert, in geeigneter Weise klarzustellen, das die HU sexuelle Kontakte von Erwachsenen mit Kindern weder billigt noch in irgendeiner Weise unterstützt") des Marburger Verbandstages der Humanistischen Union

 

Sexualität – auch zwischen Erwachsenen (also 18-jährigen und Älteren) und Kindern (also fast 14-jährigen und Jüngeren) – undifferenziert verdammen kann nur jemand, der nicht zur Kenntnis nimmt, dass Sexualität nicht reduziert werden darf, auf Geschlechtsverkehr, Vergewaltigung etc. Man lese zum Beispiel im Taschenlexikon Sexualität unseres Beiratsmitglieds Prof. Helmut Kentler die Stichworte „Zärtlichkeit und Schmusen“ nach. Wie existenzwichtig Zärtlichkeit für die gedeihliche Entwicklung von Kindern ist, dürfte sich doch inzwischen herumgesprochen haben. Aus (berechtigter) Angst davor, als Kinderschänder denunziert zu werden trauen sich viele Eltern nicht mehr, ihre Kinder zu streicheln, mit ihnen nackt zu baden etc., scheuen sich Lehrerinnen und Lehrer, ihre Schülerinnen und Schüler tröstend in den Arm zu nehmen. Und gerade Pflegekindern, die liebevollen und zärtlichen Umgang besonders nötig haben, wird solcher immer mehr verweigert. Aus (ebenfalls berechtigter) Angst vor Übergriffen hat sich eine neue Form von Sexualitätsfeindlichkeit und Prüderie entwickelt, die als kinderfeindlich bezeichnet werden kann, und die die HU genau so bekämpfen müsste wie die Sexualfeindlichkeit und Prüderie zur Zeit ihrer Gründung. Wir sind gerne bereit, an einer Erklärung, die auf Gefahren auf sexuellem Gebiet hinweist und Übergriffe missbilligt, mitzuwirken, wenn dabei auch auf die positiven und für die Kinder wichtigen Seiten einer Beziehung hingewiesen wird; eine pauschale Ablehnung von „Sexualität“ (zu der ja definitionsgemäß Streicheln, Kuscheln etc. gehört) zwischen Kindern und Erwachsenen müssen wir im Interesse der Kinder ablehnen.

                                                               Johannes und Maria Glötzner