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Pressemitteilung, Religion - 20.05.05

Runder Tisch zum Werteunterricht?

Humanistische Union Berlin-Brandenburg

(Pressemitteilung). Mitteilungen Nr. 189, S.9

Der Landesverband Berlin-Brandenburg der Humanistischen Union, der das Vorhaben eines gemeinsamen Unterrichts bereits im Vorfeld der Berliner Entscheidungen mit der Organisation einer Veranstaltung im Berliner Abgeordnetenhaus unterstützte, erklärte bereits am Tag des SPD-Parteitages seine Zustimmung und bot an, an der Debatte um die Ausgestaltung des neuen Schulfachs konstruktiv mitzuwirken. In der Presseerklärung vom 9. April 2005 heißt es:

Es ist vernünftig, dass sich die SPD für ein religionskundliches Fach für alle und gegen eine Abmeldeklausel entschieden hat.

Eine Abmeldeklausel wäre auf ein Wahlpflichtfach Religion hinausgelaufen. Ein solches Modell würde aber der religiös-weltanschaulichen Vielfalt in Berlin nicht gerecht. Um die Religionsfreiheit aller bestmöglich zu gewährleisten, muss Glaubensunterweisung Sache der Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften bleiben. Die staatliche Schule kann und sollte aber darauf hinwirken, dass Vielfalt akzeptiert wird, die Rechte Andersgläubiger und Andersdenkender anerkannt und demokratische Spielregeln eingeübt werden. Dafür bietet ein gemeinsames Fach Lebensgestaltung–Ethik–Religionskunde (LER) neue Möglichkeiten.

Kenntnisse über die verschiedenen Religionen, Weltanschauungen und Kulturen gehören zur Allgemeinbildung. Eine Abmeldemöglichkeit von LER aus religiösen Gründen wäre ähnlich verfehlt wie entsprechende Abmeldungen vom Biologieunterricht oder vom Schwimmunterricht. Verfassungsrechtliche Probleme kann die Humanistische Union als Bürgerrechtsorganisation nicht erkennen.

Jetzt muss es darum gehen, das neue Fach zu gestalten. Wir hoffen, dass die Kirchen nach den polemischen und haltlosen Äußerungen der vergangenen Woche zu einem sachlichen Diskurs zurückkehren. Dazu schlagen wir einen Runden Tisch vor, bei dem neben Inhalten und Methoden auch geklärt werden sollte, welchen Beitrag Bekenntnisgemeinschaften zu dem neuen Fach leisten können. Die Humanistische Union, die weder parteipolitisch noch weltanschaulich gebunden ist, stünde als Moderatorin für eine solche Diskussion gern zur Verfügung."