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Verbandsnachrichten - 31.08.05

Zur Zukunft der vorgänge

Alexander Cammann

MitteilungenNr. 190, S.17

 

Der Zeitschrift vorgänge stehen Veränderungen bevor. Lange Jahre im Verlag Leske + Budrich beheimatet, war die Zeitschrift nach einem Verlagsverkauf vor zwei Jahren unter das Dach des VS Verlags für Sozialwissenschaften in Wiesbaden gekommen. Trotz einer inhaltlich positiven Entwicklung der Zeitschrift war es dem neuen Verlag aus Kostengründen nicht möglich, die Zeitschrift weiter zu den bisherigen Bedingungen zu halten. So erfolgte im Sommer die Kündigung des Verlagsvertrags mit dem vorgänge e.V. zum 31. Dezember 2005.

Wie also weiter mit den vorgängen?

Die vorgänge konnten in den letzten Jahren einige publizistische Erfolge verzeichnen. Die Qualität der Hefte ist besser geworden, die Themen waren aktueller und sind in der Tages- und Wochenpresse auf große (und positive) Resonanz gestoßen. Die vorgänge haben sich auf dem Markt der anspruchsvollen, intellektuellen Periodika etabliert. Sie sind zu einer Stimme geworden, die von vielen Multiplikatoren verfolgt wird und gesellschaftspolitisch engagierte Menschen erreicht, die ein Interesse an Hintergrundkenntnissen und fundierten Diskussionen haben.

Doch die finanzielle Basis ist dünn angesichts einer – seit Jahren rückläufigen – Zahl von 800 Abonnenten und einer verkauften Auflage von etwa 1.000 Exemplaren. Die wirtschaftliche Lage ist, wie bei solchen Zeitschriften üblich, prekär. Redaktion und die Herausgeberorganisationen GHI und HU haben sich auf die Suche nach neuen Publikationsmodellen gemacht. Derzeit gibt es verschiedene Gespräche und Modelle, die in jedem Fall die Zukunft der vorgänge gesichert erscheinen lassen – auch nach dem 1. Januar 2006 wird es die vorgänge als gesellschaftspolitische Vierteljahreszeitschrift geben. Momentan werden Verhandlungen mit verschiedenen Verlagen geführt, die ihr Interesse an einer Übernahme der vorgänge bekundet haben. Eine andere Option, die zur Zeit geprüft wird, ist es, die vorgänge künftig im Eigenverlag herauszugeben.

In diesem Zusammenhang wurde schon verschiedentlich erörtert, ob ein stärkerer Bezug der vorgänge durch die HU-Mitglieder bei einem ermäßigten Preis je Abonnement erreicht werden kann. Von den 1.100 Mitgliedern der HU haben bislang nur 80 Mitglieder die vorgänge abonniert. Dabei gibt es eine alte und starke Verbindung zwischen den vorgängen und der HU – immerhin sind die vorgänge 1961, vor mehr als vier Jahrzehnten, von der HU gegründet worden und haben seither die gesellschaftspolitischen Debatten begleitet und für die Sache der Bürgerrechte in Deutschland gestritten.

Für die vorgänge würde es jedenfalls eine erhebliche Stabilisierung bedeuten, wenn der Bezug der Zeitschrift zu einem Teil der Leistung würde, die in einer HU-Mitgliedschaft enthalten ist, so dass die Auflage auf rund 2.000 Exemplare verbreitert werden könnte. Die Produktionskosten je Heft wären damit deutlich geringer. Und die Mitgliedschaft in der HU würde deutlich an Attraktivität gewinnen. Ob dies allerdings realisierbar sein wird, wird eine Frage der konkreten Konditionen sein.

Inhaltlich werden die vorgänge künftig noch stärker bürgerrechtliche Kernthemen aufgreifen. Beispiele aus den letzten Jahren sind: Heft 3/2003 „Freiheitsrechte in Zeiten des Terrors"; Heft 3/2003 „Das Menschenrecht auf Bildung" und 2001 das große Sonderheft zum 40. Geburtstag der Humanistischen Union. Ziel ist es aber auch, die Zeitschrift auf einem erfolgreichen publizistischen Kurs zu halten. Daher wird sie sich auch künftig nicht ausschließlich auf bürgerrechtliche Themen beschränken, sondern die ganze Breite der Gesellschaft in den Blick nehmen – jedoch immer mit einem bürgerrechtlichen Herz bei den unterschiedlichsten Diskussionen und Zeitfragen.

Zugleich gilt es, die vorgänge wieder als Forum mit den gesellschaftstheoretischen und rechtspolitischen Hintergrunddebatten für die Arbeit der Bürgerrechtsorganisationen zu profilieren. Die Symbiose aus Wissenschaft und kritischer Öffentlichkeit, die in jedem Heft der vorgänge zueinander finden, bleibt auch künftig der Maßstab für die redaktionelle Arbeit. Für die nächsten Ausgaben sind Themenschwerpunkte zur Zukunft der Gewerkschaften, zur Frage „Was ist heute links?" (die nach der Bundestagswahl sicher heftig debattiert werden wird) und zum HU-Kernthema „Religion und Gesellschaft" geplant.