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Patientenverfügung: Positionen - 30.10.08

Vorbild einer humanen Medizin für selbstbestimmte Menschen

Sven Lüders

Verleihung des Fritz-Bauer-Preises 2008 an Dr. Klaus Waterstradt. Aus: Mitteilungen Nr. 202 S. 17

Klaus Waterstradt

Die Humanistische Union (HU) verleiht ihren diesjährigen Fritz-Bauer-Preis an den Lübecker Arzt Dr. Klaus Waterstradt. Die Vorsitzende der Bürgerrechtsorganisation, Prof. Dr. Rosemarie Will, begründete die Entscheidung für den Preisträger: „Das Lebenswerk von Klaus Waterstradt steht in besonderer Weise für den Anspruch auf ein selbstbestimmtes Leben – von der Geburt bis zum Tod. Er hat sich für das Selbstbestimmungsrecht (ungewollt) schwangerer Frauen ebenso eingesetzt wie für die freie Entscheidung kranker und sterbewilliger Menschen. Klaus Waterstradt steht für eine humane Medizin, die ihre Behandlungsgrenzen anerkennt und ihre Patienten in deren freier Entscheidung behilflich ist, ohne ihnen erniedrigende Zwangsberatungen oder moralische Verpflichtungen aufzubürden."

Für Klaus Waterstradt war die Humanität unserer Rechtsordnung stets mehr als nur eine Frage allgemeiner Prinzipien des Rechts. Sein Engagement ist von der Überzeugung geprägt, dass sich die Humanität einer Gesellschaft vor allem darin zeige, wie sie mit den existentiellen Problemen der Menschen umgehe – von der Geburt über die Krankheit bis zum Tod. Gemeinsam mit anderen Kollegen gründete er 1974 die erste unabhängige Beratungsstelle für schwangere Frauen in Lübeck. In der Einrichtung fanden Schwangere eine fachkundige Beratung vor, die keine moralischen Forderungen erhob oder mit strafrechtlichen Sanktionen drohte, sondern ihre Sorgen und Probleme in den Mittelpunkt der Beratung stellte. Klaus Waterstradt war sich durchaus bewusst, dass ein vermeintlicher „Lebensschutz“ oft das Gegenteil bewirke, für die betroffenen Frauen mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist und familiäre Konflikte verschärfen kann.

Klaus Waterstradt steht darüber hinaus für ein politisches und soziales Verständnis der medizinischen Praxis, das seine Verantwortung auch außerhalb der Arztpraxis wahrnimmt. Nicht zuletzt setzte sich Klaus Waterstradt für eine humane Medizin ein, die sich ihrer Grenzen bewusst ist. Er initiierte 1978 die Fachtagung „Menschenwürdiges Sterben“, mit der es erstmals gelang, die Probleme der menschenwürdigen Behandlung im Krankenhaus und den Wunsch nach einem selbstbestimmten Sterben einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Anschluss verfasste er gemeinsam mit anderen den ersten Musterentwurf einer Patientenverfügung der Humanistischen Union. Die HU sieht ihre Preisvergabe deshalb als Signal an den Gesetzgeber, keine Reichweitenbegrenzungen, Zwangsberatungen oder notarielle Verpflichtungen für Patientenverfügungen einzuführen.