Sie befinden sich hier: Start |Publikationen |Mitteilungen |Heftarchiv |

Verbandsnachrichten - 18.12.08

Die Humanistische Union in Zahlen

Sven Lüders

Aus dem Bericht der Geschäftsführung zum Verbandstag 2008. Aus: Mitteilungen Nr. 203, S. 13-14

 

Mitgliederentwicklung
Die Humanistische Union war nie eine Massenorganisation. Seit Beginn der 1970er Jahre – als sie mit etwa 4.000 Mitgliedern ihren Höhepunkt überschritten hatte – beklagte sie jahrzehntelang den Mitgliederschwund aufgrund des fehlenden Nachwuchses. Umso erfreulicher ist nun, dass die HU das dritte Jahr in Folge wächst. Im laufenden Jahr hat der Verein 126 neue Mitglieder gewonnen, denen 39 Austritte gegenüber stehen.

Derzeit kommt die HU auf ca. 1.300 Mitglieder. Diese absolute Mitgliederzahl mag bescheiden klingen. Was die Eintritte der vergangenen Jahre für den Verein bedeuten, wird aber deutlich, wenn man die Verschiebungen der Altersstruktur in den letzten drei Jahren betrachtet:

Innerhalb von drei Jahren hat sich der Anteil der Mitglieder bis 39 Jahre (nach HU-Maßstäben die Jugend) mehr als verdoppelt und beträgt nun ca. 25%. Das Durchschnittsalter der Mitglieder sank im gleichen Zeitraum von ca. 61 Jahre auf derzeit etwa 56 Jahre. Das macht aus der HU zwar noch keinen Jugendverband. Es zeigt aber, dass der Verein mitten in einem Generationswechsel steht. Die Altersverteilung, speziell die Entwicklung der drei ältesten Gruppen, weist auf ein zweiten Effekt hin: Offenbar ordnen viele Mitglieder mit dem Eintritt in das Rentenalter ihre Lebensverhältnisse neu – die damit verbundenen finanziellen Einschränkungen spielen sicher eine Rolle. Einige nehmen dies zum Anlass, um ihre Mitgliedschaft in der HU zu beenden. Die meisten derjenigen, die dann Mitglied bleiben, halten der HU jedoch bis ins hohe Alter die Treue. Dies führt zu einer generativen Zusammensetzung unserer Mitgliedschaft, die man wohl als bipolar bezeichnen könnte. Die Humanistische Union wird heute von zwei Generationen getragen – derjenigen, die in den 1960er/1970er Jahren Mitglied wurde, und den seit 2000 eingetretenen Mitgliedern. Beide Gruppen machen jeweils knapp 40% unserer Mitgliedschaft aus.

Finanzen
Die Humanistische Union war immer stolz darauf, ihre Arbeit aus privaten Beiträgen und Spenden zu finanzieren, um so ihre Unabhängigkeit sicher zu stellen. Diese Freiheit von den Zwängen staatlicher Förderprogramme hat auch ihre Schattenseiten, die Geschichte der HU ist geprägt von Finanzknappheit. Seit vier Jahren weist der Verband einen ausgeglichenen Haushalt auf, der lediglich 2006 (bedingt durch die Investition in den neuen Webauftritt) in ein leichtes Defizit geriet:

Aufgrund der sparsamen Ausgabenpolitik stieg das Eigenkapital des Verbandes in diesem Zeitraum von 148.800 € (Abschluss 2004) auf 164.000 € (Abschluss 2007). Diese solide wirtschaftliche Situation der HU kann jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass der finanzielle Spielraum äußerst begrenzt ist. Fast könnte man meinen: Des Haushälters Freude ist des Politikers Leid. So ist der größte Teil der laufenden Einnahmen für Personalkosten und die Arbeit der Geschäftsstelle gebunden.

Wie gering der Handlungsspielraum des Vorstands bei der Haushaltsplanung ist, lässt sich daran ermessen, dass auch unter den Rubriken Verbandsarbeit (Umlage der Mitgliederbeiträge an die Regionalverbände), Publikationen (v.a. die HU-Mitteilungen) sowie Veranstaltungen (Delegiertenkonferenzen, Verbandstage, Fritz-Bauer-Preisverleihungen) und Projekte (Grundrechte-Report) fest verankerte „Institutionen“ der HU-Arbeit zu finden sind, die nicht jedes Jahr zur Disposition stehen. Finanziell aufwändigere Vorhaben kann die HU daher nur starten, wenn sogleich deren Finanzierung gesichert ist. Der Zugriff auf das Vereinsvermögen ist zudem durch einen Beschluss der Delegiertenkonferenz von 1997 begrenzt, wonach der Vorstand höchstens 10% der längerfristigen Rücklagen pro Jahr nutzen darf.

Dass die Lebensfähigkeit der Humanistischen Union auf dem finanziellen Engagement ihrer Mitglieder beruht, zeigt die Verteilung der Einnahmen. In den letzten Jahren konnte der Anteil externer bzw. projektgebundener Spenden leicht gesteigert werden. Dennoch finanziert sich die Humanistische Union nach wie vor zu über 80% aus den Beiträgen und Spenden ihrer Mitglieder. Ob nicht doch eine gezielte Einwerbung größerer Projektmittel anzustreben ist, um daraus beispielsweise projektgebundene Mitarbeiter/innen zu finanzieren, sollte in Zukunft noch einmal überdacht werden.

Weitere Informationen:
Die kompletten Übersichten zur Mitgliederentwicklung sowie den Finanzen können Mitglieder der HU im internen Bereich der Webseite oder in der Bundesgeschäftsstelle abrufen.