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vorgänge: Ausgaben - 8.01.07

vorgänge Nr. 176 (Heft 4/2006) Die fragmentierte Gesellschaft

Von: Dieter Rulff

45. Jahrgang, Heft 4 (Dezember 2006)

Coverbild der vorgänge Nr. 176

Als der SPD- Vorsitzende Kurt Beck vor einigen Wochen das Wort von der Unterschicht in den Mund nahm, war der Begriff keine soziologische Neuendeckung, doch markierte diese Äußerung eine Verschiebung des Blickwinkels gesellschaftlicher Selbstbetrachtung. War zuvor viel von neuer Bürgerlichkeit und Bürgertugenden die Rede, so finden nun Begriffe wie "Prekariat" und "Exklusion", die bis dato ein (wenn man so will artgerechtes) prekäres Dasein in der soziologischen Forschung fristen Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch. Die neue Ausgabe der "vorgänge" widmet sich unter dem Titel  "Die fragmentierte Gesellschaft" diesen neuen sozialen Phänomenen. Die Aufsätze nehmen dabei teils höchst unterschiedliche Warten ein und spiegeln in ihrer Verschiedenheit die Schwierigkeit, sich einen konzisen Begriff vom aktuellen Zustand der deutschen Gesellschaft zu machen. Denn sie lässt sich nicht mehr in Klassen oder Schichten, oben und unten angemessen beschreiben. Frauke Hamann und Frank Nullmeier zeichnen eine (gelungene) Skizze des Ganzen, die auch die Politik einschließt. Klaus Dörre, Sina Farzin und Sigrun Anselm werfen aus der Sicht der kritischen Gesellschaftsanalayse, der Systemetheorie und der Sozialpsychologie jeweils einen Blick auf die Rück- und Wechselwirkung zwischen Exklusion und Inklusion, zwischen Ausgeschlossenen und (noch) Integrierten, Michael Hartmann einen auf die wachsende Exklusivität am oberen  Pol sozialer Hierarchie. Heiko Geiling erhellt die Konstanz politischer Einstellungen bei gleichzeitigem gesellschafltichen Wandel und Albert Scherr die Differenz resp. Einheit von Diskriminierung und sozialer Ungleichheit. Dirk Halm und Martina Sauer loten die doch nicht so tiefe Bruchlinie zwischen Mehrheits- und Parallelgesellschaft aus. Als zwei mögliche Antworten auf die neue soziale Herausforderung seien die beiden Aufsätze von Katrin Mohr und Dieter Althaus empfohlen, die bei großer politischer Differenz doch eine erstaunliche Konvergenz aufweisen.

 

Inhaltsverzeichnis der vorgänge Nr. 176: Die fragmentierte Gesellschaft

Editorial  (1)

Frauke Hamann, Frank Nullmeier: Die Konkurrenzgesellschaft. Zum Wandel von Sozialstruktur und Politik in Deutschland  (5)

Klaus Dörre: Prekäre Arbeit und soziale Desintegration. Anmerkungen zu den subjektiven Verarbeitungsformen unsicherer Beschäftigung  (13)

Sina Farzin: Ausgeschlossen, aber nicht draußen. Zum gesellschaftstheoretischen Aussagewert der Kategorien Inklusion und Exklusion  (23)

Sigrun Anselm: Die Angst vor dem sozialen Tod. Wo Erfolg zur Bedingung von Anerkennung wird, ist die Angst vor Scham seine Begleiterin  (32)

Heiko Geiling: Weder freelancer noch free-rider. Die Unterschicht aus der Perspektive der Milieuforschung  (39)

Michael Hartmann: Eine geschlossene Gesellschaft. Eliten in Deutschland  (51)

Katrin Mohr: Für ein bedingungsloses Grundeinkommen  (60)
Dieter Althaus: 800 Euro für jeden. Das heutige Sozialsystem muss durch ein solidarisches Bürgergeld abgelöst werden  (69)

Albert Scherr: Der kleine Unterschied. Diskriminierung und soziale Ungleichheit  (75)

Dirk Halm, Martina Sauer: Desintegration und Parallelgesellschaft. Aktuelle Befunde zur Integration türkeistämmiger Migranten  (84)

Gerd Pflaumer: Leben in der Schattenwelt. Migranten ohne Papiere haben rechtliche Ansprüche, können sie aber nicht realisieren  (95)

Dieter Rulff: From the underworld. Eine Literaturschau  (102)

Essay

Ilko-Sascha Kowalczuk: Qualmende Vergangenheit. Zur Debatte um die SED-Diktatur  (108)

Kommentare und Kolumnen

Marius Haberland, Chi Huy Tran: Die Agora von Glarus. Die jährliche Landgemeinde in einem Schweizer Kanton  (126)

Gert G. Wagner: Election by call. In den USA sind mittlerweile Umfragen repräsentativer als Wahlen  (133)

Kritik

Peter Fischer: Die Beschleunigungsgesellschaft. Zu Harmut Rosas Theorie der Veränderung der Zeitstruktur in der Moderne  (139)

Autorinnen und Autoren  (141)

 

Das Heft kann beim Berliner Wissenschafts-Verlag (Frau Kahlhöfer) zum Preis von 12 € (zzgl. Versandkosten) bestellt werden:

E-Mail: kahlhoefer@bwv-verlag.de
Telefon: 030 - 841770-12
Telefax: 030 - 841770-21


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Die aktuellen Ausgaben der vorgänge (ab Nr. 200 - Heft 4/2012) können Sie im Online-Shop der Humanistischen Union bestellen.

Von einigen älteren Ausgaben haben wir noch Archivbestände, die Sie zum halben Preis per Mailformular bei uns bestellen können. Dazu gehören u.a. folgende Ausgaben:

199: Ambivalenzen der Partizipation

197: Die rechte Gefahr

194: 50 Jahre Humanistische Union

193: Militär und Demokratie

192: Wandel der Öffentlichkeit

184: Der gläserne Mensch

178: Vom Rechtsstaat zur Sicherheitsgesellschaft

175: Sterben und Selbstbestimmung

173: Religion und moderne Gesellschaft

155: 40 Jahre Bürgerrechtsbewegung