Elke Kügler

Vorwort

aus: Frauenverachtung verbieten? Gegensätzliches zur Verrechtlichung eines gesellschaftlichen Problems. HU Schriften Nr. 14 . München 1988, Seiten 5-7

 

Weshalb befaßt sich die Humanistische Union mit der Pornographie? Ist es nicht schlicht ein Recht der individuellen Lebensgestaltung, pornographische Produkte zu goutieren, private Lust, die sich der Publizität entzieht? Doch was ist Pornographie - gibt es nicht soviele Definitionen wie Menschen und deren Ausformungen des Sexuellen; muß nicht ein Gesetz schon hier scheitern, wenn ein neues „Moralgesetz" analog dem Unglücksparagraphen 218 verhindert werden soll? Nein, sagen die VerfechterInnen des Gesetzes, kritisiert werde die Frauenfeindlichkeit der Darstellung, die Gewalt, die Latenz der Gewalt, die Lust an der Erniedrigung vor allem der Frauen. Dies alles mit Konsum verbunden, zeigt den misogynen Warencharakter der Sexualität und sei in die Illegalität zu verbannen. Hier fragt sich frau: und dann? Wie schrecklich, wenn wahr wäre, was wir ahnen: daß Panem et circenses fortdauern, die Befriedigung der Massen durch Brot und sportliche Unterhaltung, durch die - auch sexuelle - Lust an Kampf und Leid. Mir fallen die entsetzlichen Bilder von Vietnam ein, bis heute gut verkäuflich: etwa das Foto des Mädchens, das nackt vor einem Napalmangriff flieht - unzählige Male gesehen, als ob nicht ein einziges Mal reichte. (Handelt es sich dabei eigentlich um Pornographie oder einfach um Schweinerei?) Wäre es nicht schön, das alles per Gesetz zu beenden? Das ist unmöglich, sagen die GesetzesgegnerInnen, und verlangen nach Bewußtseinsveränderung (als sollte und könnte ein Gesetz die Sexualerziehung ersetzen). Und wenn schon Gesetz: würde es reichen, den Gewaltparagraphen 131 des Strafgesetzbuches um den Sexismus zu erweitern? Wie sehen sich eigentlich Männer in der Pornographie - sie sind doch nicht real die ohne Verstand aufs Traktieren von Geschlechtsteilen Konditionierten, wo bleibt der Aufschrei? Fragen über Fragen. Das grundgesetzlich garantierte Recht auf individuelle Lebensgestaltung zu vertreten, ist ein Ziel der Humanistischen Union. Dies animierte uns zu einem bescheidenen Beitrag zur Pornodebatte. Einige Denkanstöße zu liefern, ist das Ziel dieser Broschüre.

Den mutigen Initiatorinnen der Anti-Porno-Kampagne sei Dank gesagt für ihren Vorstoß in eine richtige Richtung, nämlich die Öffentlichkeit zu sensibilisieren für einige der Ungeheuerlichkeiten, wie sie die Frauenunterdrückung erzeugt.

 


Coverbild der Broschüre