Sie befinden sich hier: Start |Veranstaltungen |Veranstaltungsberichte |

Südbayern: Veranstaltungsberichte - 15.05.18

Preisverleihung „Aufrechter Gang“ an Judith und Reiner Bernstein

Wolfgang Killinger

in: HU-Mitteilungen Nr. 236 (2/2018), S. 8/9

Bild von den Preisträgern

 

Am 28. Januar 2018 ehrte die Humanistische Union in München Judith & Reiner Bernstein mit dem Preis „Der Aufrechte Gang“ für ihren Kampf gegen das Stolperstein-Verbot der Stadt München und für ihren Einsatz zum Frieden zwischen Israelis und Palästinensern.

Zu der harmonischen Feierstunde mit eindrucksvollen Reden waren über 350 Menschen erschienen, auch aus Tel Aviv, aus Be’ersheva, aus Hamburg, Berlin, Göttingen, Nürnberg und Köln. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Talja Blumenthal am Keyboard.

Wolfgang Stöger vom Vorstand der Humanistischen Union Südbayern begrüßte die Gäste und begründete den Preis ‚Aufrechter Gang‘: Judith und Dr. Reiner Bernstein werden ausgezeichnet für ihr Engagement zur Förderung des Dialogs zwischen Juden und Palästinensern und für ihren Kampf für die Meinungsfreiheit im Geiste des Grundgesetzes.

Der Literaturwissenschaftler Dr. Tilman Spengler hielt die Laudatio, in der er das Engagement der beiden Preisträger hervorhob. Er griff in seiner Rede die Stadtspitze Münchens und das Stadtparlament für das Verbot der Verlegung von Stolpersteinen für die Ermordeten des deutschen Naziregimes heftig an und verurteilte den Beschluss der SPD- und CSU-Fraktion, jegliche Kritik an der israelischen Politik zu unterbinden, indem diese jede kritische Äußerung unter den Generalverdacht des Antisemitismus und des Hasses auf den Staat Israel stellten. Tolldreist nannte er die Verweigerung städtischer Räume für die Preisverleihung unter dem Vorwand, die Preisträger seien Antisemiten, weil sie Teil der international zivilgesellschaftlich getragenen Kampagne „Boykott, Entzug von Investitionen, Sanktionen“ (BDS) seien, welche die Vernichtung Israels betreibe.

Im Anschluss an Spenglers Laudatio schilderte Reiner Bernstein seine Bemühungen gegen das städtische Verbot im Rahmen des Vereins „Stolpersteine für München“, sowie seine politische, wissenschaftliche und operative Arbeit, gemeinsam mit Judith Bernstein in Berlin und bei öffentlichen Veranstaltungen für die israelischen und palästinensischen Friedensgruppen zu werben. Dazu zitierte Bernstein aus dem Programm des „Brit Shalom“ („Friedensbund“) mit Hugo Bergmann, Martin Buber, Hans Kohn, Georg Landauer, Judah L. Magnes, Arthur Ruppin, Gershom Scholem, Akiva Ernst Simon, Henrietta Szold und Robert Weltsch aus den späten 1920er Jahren. Nach dem Scheitern der Zwei-Staaten-Lösung lebe das Programm der Verständigung mit der arabisch-palästinensischen Bevölkerung in zahlreichen Initiativen vor Ort weiter. Bernstein schloss mit der Überzeugung „Kein Frieden für Israel ohne Frieden für die Palästinenser“, was auch umgekehrt gelte.

Judith Bernstein meinte, der Nahostkonflikt sei „eigentlich eine Fortsetzung meiner Familiengeschichte. Meine Eltern fanden in Palästina einen Zufluchtsort. Aber gleichzeitig wissen wir, dass dadurch auch neues Unrecht entstand. Es waren aber gerade deutschsprachige Juden, die aufgrund ihrer bitteren Erfahrungen mit Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit im Deutschen Reich, in Österreich sowie in der Tschechoslowakei und eben auch Menschen wie meine Eltern und ihre Freunde, die sich durchaus ein Zusammenleben mit den Palästinensern vorstellen konnten, denn – wie sie sagten, und das war ihnen klar – waren sie ja die Spätgekommenen.“

Sie sagte, sie sei ohne Hass auf Araber aufgewachsen und hätte das Glück gehabt, einige von ihnen – vor allem christliche Palästinenser – durch das große Sportgeschäft ihrer Eltern im Zentrum Jerusalems kennenzulernen. Allerdings habe es im Alltag keine Kontakte zu ihnen gegeben, sie seien im Bewusstsein der Israelis einfach nicht vorhanden.

Judith Bernstein betonte, dass sie und ihr Mann ihre wichtigste Verpflichtung darin sähen, hier in Deutschland die Menschen zu sensibilisieren, indem sie über die Situation in Israel berichteten. Sie versuchten schon seit Jahren, die Politiker in Berlin davon zu überzeugen, endlich politischen Druck aufzubauen, um den politisch und moralisch unhaltbaren Zuständen ein Ende zu bereiten. Sie wüssten, dass man in Berlin die Situation gut genug kenne, dass man aber nicht über Alternativen nachdenke, die den Frieden förderten. Mit dem Appell „Wir dürfen den Kampf für eine gerechte Lösung für beide Völker nicht aufgeben“ beendete Judith Bernstein ihren Dank.

Die Veranstaltung schloss mit einem kleinen Empfang. Auf youtube können Sie eine Video-Aufzeichnung der Veranstaltung sehen: https://www.youtube.com/watch?v=CZQPp2BLvQg&feature=share. Wir danken Oliver Stey für diese Arbeit.

Auf unserer Internetseite können Sie die Reden nachlesen und eine Bildserie des Festes sehen: http://suedbayern.humanistische-union.de/preis_aufrechter_gang/2017/#5460

Inzwischen liegt die Dokumentation vor. Sie bietet mit den Ansprachen der Veranstalter, des Laudators Dr. Tilman Spengler und der Preisträger, mit Stimmen / Danksagungen zur Preisverleihung sowie mit Hintergrundinformationen einen vollständigen Überblick über die Veranstaltung und die Versuche, die Zusammenkunft zu verhindern.
Die Broschüre mit 48 Seiten und Fotoaufnahmen im A5-Format kann ab sofort zum Preis von 5.- Euro zzgl. Versandkosten (1.50 € für 1-4 Exemplare) bei uns bestellt werden. Für Ihre Vorab-Überweisung wären wir sehr dankbar:

Humanistische Union e.V., OV München
IBAN: DE 31 7001 0080 0178 8558 00
BIC: PBNKDEFF.

 

Wolfgang Killinger