Sie befinden sich hier: Start |Presse |2004 |

Pressemitteilung, TKÜ - 15.12.05

Große Koalition verlängert verfassungswidrige Abhörbefugnis des Zolls. Humanistische Union kündigt Verfassungsbeschwerde an

Der Bundestag hat heute mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD die umstrittene präventive Telekommunikationsüberwachung durch das Zollkriminalamt verlängert. Damit behält eine verfassungswidrige Befugnis für weitere 18 Monate ihre Gültigkeit.

Dr. Fredrik Roggan, stellvertretender Bundesvorsitzender der Humanistischen Union, erklärt dazu:

"Die Mehrheit des Bundestages hat heute das Bundesverfassungsgericht erneut düpiert, indem sie dessen Vorgaben für eine Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung durch das Zollkriminalamt schlicht ignoriert hat. Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier haben absichtlich und wissentlich ein verfassungswidriges Gesetz verlängert. Vorkehrungen zum Schutz der Intimsphäre der Betroffenen bei der Überwachung - wie sie die Karlsruher Richter gefordert hatten - fehlen nach wie vor völlig. Eine Zumutung ist die Argumentation der großen Koalition: Erst lassen Parlament und Regierung ein ganzes Jahr tatenlos verstreichen, in dem sie eine verfassungskonforme Regelung hätten schaffen können, um sich dann kurz vor Ablauf der Frist auf Zeitknappheit zu berufen. Es ist skandalös, dass immer häufiger das Bundesverfassungsgericht den außer Kontrolle geratenen Gesetzgeber stoppen muss."

Die Humanistische Union wird Verfassungsbeschwerde gegen das Gesetz einreichen und einstweiligen Rechtsschutz beantragen.


Information


Dr. Fredrik Roggan

E-mail: post@fredrikroggan.de
www.fredrikroggan.de

Jahrgang 1971, Rechtsanwalt (Strafverteidiger)
Schwerpunkte: Reformen im Straf-, Strafprozeß-, Polizei- und Geheimdienstrecht

Adresse:
Greifswalder Straße 4
10405 Berlin
(Bundesgeschäftsstelle)

Presse

Falsch und Falsch ergibt wieder Falsch

Humanistische Union legt Stellungnahme zur geplanten Einführung des "Warnschussarrestes" für Jugendliche vor.

Staatliche Grundrechtsverweigerung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern

Grundrechte-Report 2012 in Karlsruhe vorgestellt. Frühere Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin sieht tiefen Graben zwischen Versprechen und...

Bund und Länder verweigern Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen und missachten Verfassungsgebot

Nachdem die Humanistische Union im vergangenen Jahr die Summe der seit 1949 gewährten Staatsleistungen ermitteln konnte, forderte sie Bund und Länder...