Festakt zur Preisverleihung an Judith und Dr. Reiner Bernstein

Wolfgang Stöger übergibt den Preis - ©G.Gerstenberg

 

Am 28. Januar 2018 ehrte die Humanistische Union in München Judith & Reiner Bernstein mit dem Preis „Der Aufrechte Gang“ für die Verlegung von Stolpersteinen in München und für ihren Einsatz zum Frieden zwischen Israelis und Palästinensern.
Zu der Feierstunde waren über 350 Menschen erschienen, auch aus Tel Aviv, aus Be’ersheva, aus Hamburg, Berlin, Göttingen, Nürnberg und Köln. Eingeleitet und beschlossen wurde die Veranstaltung durch Talja Blumenthal am Keyboard.

Nach der Begrüßung durch den Vertreter der Humanistischen Union Wolfgang Stöger hielt der Literaturwissenschaftler Dr. Tilman Spengler die Laudatio, in der er das Engagement der beiden Preisträger hervorhob sowie die Stadtspitze Münchens und das Stadtparlament für das Verbot der Verlegung von Stolpersteinen für die Ermordeten des deutschen Naziregimes und für den Beschluss der die SPD- und CSU-Fraktionen heftig angriff, jegliche Kritik an der israelischen Politik unter den Generalverdacht des Antisemitismus und des Hasses auf den Staat Israel unter dem Vorwand zu unterbinden, die Preisträger seien Teil der international zivilgesellschaftlich getragenen Kampagne „Boykott, Entzug von Investitionen, Sanktionen“ (BDS), welche die Vernichtung Israels betreibe.

Im Anschluss an die Laudatio Spenglers schilderte Reiner Bernstein seine Bemühungen im Rahmen des Vereins „Stolpersteine für München“ seit 2004 sowie seine politische, wissenschaftliche und operative Arbeit, gemeinsam mit seiner Frau in Berlin und bei öffentlichen Veranstaltungen für die israelischen und palästinensischen Friedensgruppen zu werben. Dazu zitierte Bernstein aus den Programm des „Brit Shalom“ („Friedensbund“) mit Hugo Bergmann, Martin Buber, Hans Kohn, Georg Landauer, Judah L.  Magnes, Arthur Ruppin, Gershom Scholem, Akiva Ernst Simon, Henrietta Szold und Robert Weltsch aus den späten 1920er Jahren. Nach dem Scheitern der Zwei-Staaten-Lösung lebe das Programm der Verständigung mit der arabisch-palästinensischen Bevölkerung in zahlreichen Initiativen vor Ort weiter. Bernstein schloss mit der Überzeugung „Kein Frieden für Israel ohne Frieden für die Palästinenser“, was auch umgekehrt gelte.

Judith Bernstein meinte, der Nahostkonflikt sei „eigentlich eine Fortsetzung meiner Familiengeschichte. Meine Eltern fanden in Palästina einen Zufluchtsort. Aber gleichzeitig wissen wir, dass dadurch auch neues Unrecht entstand. Es waren aber gerade deutschsprachige Juden, die aufgrund ihrer bitteren Erfahrungen mit Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit im Deutschen Reich, in Österreich sowie in der Tschechoslowakei und eben auch Menschen wie meine Eltern und ihre Freunde, die sich durchaus ein Zusammenleben mit den Palästinensern vorstellen konnten, denn – wie sie sagten, und das war ihnen klar – waren sie ja die Spätgekommenen.“

Sie sagte, sie sei ohne Hass auf Araber aufgewachsen und hätte das Glück gehabt, einige von ihnen – vor allem christliche Palästinenser – durch das große Sportgeschäft ihrer Eltern im Zentrum Jerusalems kennenzulernen. Allerdings habe es im Alltag keine Kontakte zu ihnen gegeben, sie seien im Bewusstsein der Israelis einfach nicht vorhanden.
Judith Bernstein sagte, dass sie und ihr Mann ihre wichtigste Verpflichtung darin sähen, hier in Deutschland die Menschen zu sensibilisieren, indem sie über die Situation in Israel berichteten. Sie versuchten schon seit Jahren, die Politiker in Berlin davon zu überzeugen, endlich politischen Druck aufzubauen, um den politisch und moralisch unhaltbaren Zuständen ein Ende zu bereiten. Sie wüssten, dass man in Berlin die Situation gut genug kenne, dass man aber nicht über Alternativen nachdenke, die den Frieden förderten.

Die Veranstaltung schloss mit einem kleinen Empfang.

 

Auf youtube können Sie eine Video-Aufzeichnung der Veranstaltung sehen:
https://www.youtube.com/watch?v=CZQPp2BLvQg&feature=share
Wir danken Oliver Stey für diese Arbeit.

 

Ankündigung und Begründung

Einladung

Laudatio auf Judith und Reiner Bernstein

Rede des Preisträgers

Rede der Preisträgerin


Die Keyboarderin

Talja Blumenthal - ©G.Gerstenberg

Die Begrüßung

Wolfgang Stöger - ©Humanistische Union

Das Publikum

© G. Gerstenberg

Die Gratulation

© G. Gerstenberg

Das Publikum

© G. Gerstenberg