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	<title>Anna klein Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>Rechtsextremismus und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Mar 2012 11:10:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>aus: Vorg&#228;nge: (Heft 1/2012); S.39-50 Rechtsextremismus ist als ein Ph&#228;nomen beschrieben worden, das eine Einstellungsund eine Verhaltenskomponente aufweist (Heitmeyer et al. 1992: 14; St&#246;ss 2005: 25; Decker/Br&#228;hler 2006: 13). Zur Einstellungskomponente werden dabei Einstellungen gez&#228;hlt deren &#8222;verbindendes Kennzeichen Ungleichwertigkeitsvorstellungen darstellen. Diese &#228;u&#223;ern sich im politischen Bereich in der Affinit&#228;t zu diktatorischen Regierungsformen, chauvinistischen Einstellungen und [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/197-vorgaenge/publikation/rechtsextremismus-und-gruppenbezogene-menschenfeindlichkeit/">Rechtsextremismus und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>aus: Vorg&auml;nge: (Heft 1/2012); S.39-50</p>
<p>Rechtsextremismus ist als ein Ph&auml;nomen beschrieben worden, das eine Einstellungsund eine Verhaltenskomponente aufweist (Heitmeyer et al. 1992: 14; St&ouml;ss 2005: 25; Decker/Br&auml;hler 2006: 13). Zur Einstellungskomponente werden dabei Einstellungen gez&auml;hlt deren &#8222;verbindendes Kennzeichen Ungleichwertigkeitsvorstellungen darstellen. Diese &auml;u&szlig;ern sich im politischen Bereich in der Affinit&auml;t zu diktatorischen Regierungsformen, chauvinistischen Einstellungen und einer Verharmlosung bzw. Rechtfertigung des Nationalsozialismus. Im sozialen Bereich sind sie gekennzeichnet durch antisemitische, fremdenfeindliche und sozialdarwinistische Einstellungen&#8221; (Decker/Br&auml;hler 2006: 20 f). Heitmeyer (1987: 16) beschreibt rechtsextremistische Orientierungen als gekennzeichnet durch eine Ideologie der Ungleichwertigkeit in Verbindung mit Gewalt oder der Akzeptanz von Gewalt und bezieht somit ebenfalls eine Einstellungs- und eine Verhaltenskomponente in die Definition ein.</p>
<p>Die Langzeituntersuchung zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit hat aus-schlie&szlig;lich Einstellungen, die den sozialen Bereich der Einstellungskomponente des Rechtsextremismus betreffen zum Gegenstand, diese werden jedoch weitaus breiter als nur mit Fokus auf Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit analysiert. Der Vorteil dieses Fokus auf den Einstellungsbereich von Rechtsextremismus besteht darin, dass im Rahmen einer Art &#8222;Vorfeldanalyse&#8221; zur Entstehung rechtsextremistischer Aktivit&auml;ten nicht nur die Abwertung von bestimmten Gruppen (wie Migranten oder Juden) in den Blick ger&auml;t, sondern die Markierung von Ungleichwertigkeit gegen&uuml;ber verschiedensten schwachen Gruppen in der Gesellschaft analysiert werden kann.</p>
<p>Bereits mit den Anf&auml;ngen der sozialpsychologischen Vorurteilsforschung wurde angenommen, dass Vorurteile gegen&uuml;ber verschiedenen schwachen Gruppen keinesfalls unabh&auml;ngig voneinander zu betrachten sind. So gehen bereits Adorno und Kollegen in der Studie zum autorit&auml;ren Charakter von dieser Annahme aus, die jedoch nicht empirisch gepr&uuml;ft wurde. &#8222;Wer Feindschaft zeigt gegen&uuml;ber einer Minderheitengruppe, hegt sie wahrscheinlich auch gegen die meisten anderen&#8221; (Adorno et al. 1973: 12; &auml;hnlich auch Allport 1971: 68). Die Verbindung verschiedener Vorurteile miteinander, die auf <br />eine Ideologie der Ungleichwertigkeit als Kern zur&uuml;ckgef&uuml;hrt worden ist (Heitmeyer 2008), konnte im Rahmen der Studie zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit mehrfach empirisch nachgewiesen werden (vgl. Zick et al. 2008).</p>
<p>Die Ideologie der Ungleichwertigkeit als Teil der Einstellungskomponente des Rechtsextremismus ist demnach nicht von einem festen Bestand von Abwertungen einer bestimmten Gruppe gekennzeichnet, sondern sie unterliegt prinzipiell dem gesellschaftlichen Wandel. Die Ideologie der Ungleichwertigkeit kann sich in der Abwertung verschiedener schwacher Gruppen &auml;u&szlig;ern. Welche Gruppen von Abwertungen in besonders hohem Ausma&szlig; betroffen sind, steht im Zusammenhang mit der Ver&auml;nderung gesellschaftlicher Normen. Solche Normverschiebungen k&ouml;nnen etwa darin bestehen, dass eine Gruppe zunehmend sozial akzeptiert ist (z. B. so genannte &#8222;Patchwork-Familien&#8220;), dass die Abwertung einer Gruppe einer Kommunikationslatenz unterliegt (wie etwa beim Antisemitismus, vgl, dazu Bergmann/Erb 1987) und damit allzu offene Abwertungs&auml;u&szlig;erungen gesellschaftlich unterdr&uuml;ckt werden oder dass eine Gruppe neuerlich oder erneut in den Fokus der Abwertung ger&auml;t (wie beispielsweise die Stigmatisierung von langzeitarbeitslosen Personen als &#8222;Sozialschmarotzer&#8221; im Zuge einer &Ouml;konomisierung der Gesellschaft).</p>
<p>Die Langzeitbeobachtung zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit kann f&uuml;r<br />die zehn Jahre von 2002 bis 2011 zur Ver&auml;nderung der Ausma&szlig;e Folgendes feststellen[1]:</p>
<ul>
<li>Fremdenfeindliche Einstellungen, die wir mit Bezug auf kulturelle und materielle Aspekte von Konkurrenz erfassen, sind bis zum Jahr 2006 angestiegen, waren dann zun&auml;chst r&uuml;ckl&auml;ufig, steigen nun seit 2010 aber wieder an. Aktuell k&ouml;nnen wir bei gut 30 Prozent der Befragten fremdenfeindliche Einstellungen finden. Dies entspricht in etwa dem Niveau in 2002.</li>
<li>&nbsp;Rassistische Einstellungen, die sich auf die biologistisch konstruierte &#8222;nat&uuml;rliche&#8221; H&ouml;herwertigkeit der Eigengruppen beziehen, konnten wir bis zum Jahr 2006 recht kontinuierlich bei etwa 12 Prozent der Befragten finden. Nach einem zwischenzeitigen R&uuml;ckgang beobachten wir auch hier einen erneuten An-stieg auf derzeit 11 Prozent.</li>
<li>Etabliertenvorrechte bezeichnen eine von Alteingesessenen beanspruchte raum-zeitliche Vorrang- und Vormachtstellung gegen&uuml;ber &#8222;Neuen&#8221;, &#8222;Zugezogenen&#8221; und &#8222;Unangepassten&#8221;. Die Zustimmung zu entsprechenden Einstellungen schwankt in der Untersuchung zwischen 30 und 40 Prozent.</li>
<li>&nbsp;Islamfeindliche Einstellungen erweisen sich ebenfalls als relativ unbest&auml;ndig, hier lag die Zustimmung bei knapp 22 Prozent im Jahr 2003, gut 30 Prozent im Jahr 2006 und bei nun 24 Prozent im Jahr 2011.</li>
<li>Der klassische Antisemitismus, der bedrohende &#8222;Verschw&ouml;rungen&#8221; und &#8222;Ausbeutungen&#8221; durch Juden unterstellt, zeigt sich in unserer Untersuchung r&uuml;ck-l&auml;ufig. Konnten wir zu Beginn der Untersuchung noch bei 13 Prozent solche Einstellungen finden, so stimmen im Jahr 2011 noch 8 Prozent der Befragten solchen Aussagen zu.</li>
<li>Klassisch sexistische Einstellungen, die Frauen eine h&auml;usliche Rolle zuweisen und die &Uuml;berlegenheit des Mannes festschreiben, erweisen sich als deutlich<br />r&uuml;ckl&auml;ufig. Diese wurden im Jahr 2002 noch von knapp 30 Prozent der Befragten unterst&uuml;tzt, nach einer kontinuierlichen Abnahme teilen im Jahr 2011 nur noch knapp 12 Prozent sexistische Einstellungen.</li>
<li>F&uuml;r abwertende Einstellungen gegen&uuml;ber Menschen mit homosexueller Orientierung registrieren wir ebenfalls einen r&uuml;ckl&auml;ufigen Trend. Hier lag die Zustimmung zu Beginn der Untersuchung bei 28 Prozent und zum Abschluss im Jahr 2011 bei 18 Prozent.</li>
<li>&nbsp;Die Abwertung von obdachlosen Personen wurde zun&auml;chst von 30 Prozent der Befragten unterst&uuml;tzt, sie ging dann zur&uuml;ck auf 20 Prozent im Jahr 2010, stieg dann aber erneut an auf nun knapp 25 Prozent.</li>
<li>Die Abwertung von langzeitarbeitslosen Personen wurde erst ab dem Jahr 2007 erhoben und liegt seitdem relativ kontinuierlich auf hohem Niveau bei etwa 50 Prozent mit einer wieder leicht ansteigenden Tendenz.</li>
<li>&nbsp;Abwertenden Einstellungen gegen&uuml;ber Menschen mit Behinderung wird schlie&szlig;lich am wenigsten zugestimmt, es zeigen sich kaum Ver&auml;nderungen, die Zustimmung liegt zwischen 3 und 5 Prozent.</li>
</ul>
<h5>Gruppen&shy;be&shy;zo&shy;gene Menschen&shy;feind&shy;lich&shy;keit in der Mitte der Gesell&shy;schaft </h5>
<p>Wie die beschriebenen Ausma&szlig;e der Zustimmung zu den Elementen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit bereits andeuten, ist die Einstellungskomponente des Rechtsextremismus keinesfalls ein Randph&auml;nomen. Die Extremismustheorie geht davon aus, dass Rechts- wie Linksextremismus gleicherma&szlig;en durch ihre verfassungsfeindlichen bzw. antidemokratischen Bestrebungen gekennzeichnet werden k&ouml;nnen (vgl. Backes/Jesse 1993: 40; Kailitz 2004: 15). Diese Position ist aus mehreren Gr&uuml;nden kritisiert worden:<br />Erstens ist die implizite Gleichsetzung von Links- wie Rechtsextremismus durch die Verwendung des gemeinsamen Oberbegriffs &#8222;Extremismus&#8221; deshalb illegitim, weil sie sich hinsichtlich ihrer politischen Ziele fundamental unterscheiden (Butterwegge 2002: 108). Die Extremismustheorie verstellt den analytischen Blick auf die Spezifika rechts-extremer ldeologien, wenn nur die Frage der Verfassungsfeindlichkeit relevant erscheint.</p>
<p>Zweitens ist die eindimensionale Anordnung politischer ldeologien entlang der Rechts-Links-Dimension h&ouml;chst umstritten (z.B. Neugebauer 2000: 17 f.; St&ouml;ss 2005: 20f.).</p>
<p>Drittens, und dies ist aus der Perspektive der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit zentral, wird durch den Fokus auf politische Extreme &uuml;bersehen, dass zentrale ideologische Elemente des Rechtsextremismus keinesfalls nur in extremistischen Randgruppen vertreten werden, sondern in der Mitte der Gesellschaft weit verbreitet sind (vgl. Decker/Br&auml;hler 2006; Zick/K&uuml;pper 2006). Des Weiteren ist es keinesfalls offen-sichtlich, ab wann eine Partei oder Gruppierung als &#8222;extrem&#8221; klassifiziert werden kann, weil etwa rechtspopulistische und rechtsextreme Akteure gemeinsam agieren und sich &auml;hnlicher Propaganda bedienen (Klein/Heitmeyer 2012: 88). Eine klare Abgrenzung erscheint deshalb weder m&ouml;glich noch aus analytischer Perspektive (etwa mit Blick auf die Entstehungsbedingungen des Rechtsextremismus) sinnvoll. Hier w&auml;re vielmehr von Interesse, gerade den Wandel von Einstellungen, die zum Rechtsextremismus z&auml;hlen, in der Bev&ouml;lkerung insgesamt nachzuvollziehen und zu beobachten, wie dies mit einem Wandel des organisierten Rechtsextremismus (z.B. im Auftreten oder der Programmatik) einhergeht. Denn der Bezug auf die Schnittmenge der eigenen Programmatik mit den Positionen in der &#8222;Mitte&#8221; der Gesellschaft, die als Legitimation der eigenen Ausrichtung betrachtet werden ist bei Akteuren der extremen Rechten durchaus verbreitet.[2]</p>
<p>Auf die Entwicklung der Zustimmung zu den Elementen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in der Mitte der Gesellschaft in den Jahren 2002 bis 2011 wollen wir im Folgenden eingehen. Dabei nehmen wir zweierlei definierte &#8222;Mitten&#8221; der Gesellschaft in den Blick: die politische Mitte und die sozio&ouml;konomische Mitte. F&uuml;r die Analysen beschr&auml;nken wir uns aus Platzgr&uuml;nden auf drei Elemente: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und die Abwertung von obdachlosen Personen. Die skizzierten Entwicklungen werden hier besonders deutlich, sind aber auch bei anderen Elementen zu beobachten. Die Darstellungen der einstellungs- und statusspezifischen Entwicklungen der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit basieren auf dem Gesamtdatensatz des Projekts. Es wurden seit 2002 bis 2011 j&auml;hrlich telefonische standardisierte Befragungen durchgef&uuml;hrt. Dazu wurden jeweils repr&auml;sentative Stichproben aus der bundesdeutschen Wohnbev&ouml;lkerung gezogen (N=3000 in 2002 und 2003; ab 2004 N=2000).</p>
<h5>Gruppen&shy;be&shy;zo&shy;gene Menschen&shy;feind&shy;lich&shy;keit in der sozio&shy;&ouml;ko&shy;no&shy;mi&shy;schen Mitte</h5>
<p>Die Soziallage, die in den Abbildungen in f&uuml;nf gleichgro&szlig;e Gruppen eingeteilt ist, setzt sich zusammen aus dem Pro-Kopf-Einkommen der Befragten, deren h&ouml;chsten formalen Bildungsabschluss und dem Berufsprestigeindex (nach dem ISCO-Standard der ILO) [3] Wie auch andere Untersuchungen (St&ouml;ss 2005, Decker/Br&auml;hler 2006), finden wir die h&ouml;chste Zustimmung zu den Elementen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in den unteren Soziallagen4. Gleichzeitig ist jedoch zu sehen, dass sich die sozio&ouml;konomische Mitte (das dritte Quintil der Soziallage) in ihren menschenfeindlichen Einstellungen nur geringf&uuml;gig vom unteren Bereich der Soziallage unterscheidet, die beiden oberen Quintile der Soziallage setzen sich hingegen deutlich ab (siehe Abbildungen 1-3). Hand in Hand mit einer zunehmenden objektiven sozialen Spaltung in der bundesdeutschen Bev&ouml;lkerung (siehe hierzu die Ver&auml;nderung des Gini-Koeffizienten in Deutschland zwischen 1985 und 2008, Quelle: <a href="http://www.oecd.org/" target="_blank" rel="noopener">www.oecd.org</a>) scheint sich auch eine Spaltung in den Einstellungen der Menschen in Deutschland zu manifestieren, wobei sich die abstiegsgef&auml;hrdete Mitte der Gesellschaft den unteren Soziallagen im Meinungsbild anzugleichen scheint. Diese Entwicklung stellen wir auch f&uuml;r andere Einstellungen wie z. B. politische Einflusslosigkeit fest.</p>
<h5>Gruppen&shy;be&shy;zo&shy;gene Menschen&shy;feind&shy;lich&shy;keit in der politischen Mitte</h5>
<p>Die Analyse der Entwicklung Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in der politischen Mitte bezieht sich auf die politische Selbsteinstufung der Befragten. Da sich nur wenige Befragte ganz links oder ganz rechts sehen und deshalb die Fallzahl in diesen Kategorien gering ist, wurden dabei die Kategorien links und eher links (etwa 25 Prozent der Befragten) sowie rechts und eher rechts (etwa 15 Prozent der Befragten) zusammengefasst. In der politischen Mitte, welche die gr&ouml;&szlig;te Kategorie darstellt, sehen sich um die 60 Prozent der Befragten. Dabei sind immer wieder Schwankungen zu verzeichnen, die jedoch nicht in eine einheitliche Richtung weisen. Es wird deutlich, dass sich das Ausma&szlig; Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in der politischen Mitte kaum, in einigen Jahren auch gar nicht, von dem der politisch rechts stehenden Personen unterscheidet. Die Unterschiede zwischen Befragten, die sich politisch rechts und in der Mitte verorten, sind in einigen Jahren nicht signifikant.</p>
<p>Dies gilt nicht nur f&uuml;r die drei hier abgebildeten Elemente, sondern ebenso f&uuml;r abwertende Einstellungen gegen&uuml;ber Menschen mit Behinderung, Islamfeindlichkeit, Sexismus, Antisemitismus, abwertende Einstellungen gegen&uuml;ber Personen mit homosexueller Orientierung und gegen&uuml;ber langzeitarbeitslosen Personen. Befragte, die sich politisch links einordnen, unterscheiden sich hingegen bei allen Elementen der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in allen Jahren signifikant von Befragten, die sich in der Mitte oder rechts verorten.</p>
<p>Insgesamt k&ouml;nnen wir nicht feststellen, dass die politische Mitte in den letzten zehn Jahren nach links ger&uuml;ckt ist oder sich im Hinblick auf abwertende Einstellungen gegen&uuml;ber schwachen Gruppen von Personen, die sich politisch rechts verorten, st&auml;rker abgrenzt. Vielmehr zeigen sich eher geringe Schwankungen und ein stabiler Bestand an Ideologien der Ungleichwertigkeit in der politischen Mitte.</p>
<h5>Zur Verhal&shy;tens&shy;re&shy;le&shy;vanz Gruppen&shy;be&shy;zo&shy;gener Menschen&shy;feind&shy;lich&shy;keit</h5>
<p>Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, die sich in den zehn beschriebenen Facetten &auml;u&szlig;ern kann, ist freilich nicht als hinreichende Bedingung zur Definition von Rechtsextremismus zu sehen. Hinzukommen m&uuml;ssen weitere, den politischen Bereich betreffen-de, Einstellungen sowie ein entsprechendes Verhalten (etwa rechtsextrem motivierte Gewalt, Wahl einer rechtsextremen Partei, Parteimitgliedschaft, Aktivit&auml;ten in einer rechtsextremen Gruppierung, siehe St&ouml;ss 2005: 25). Gleichzeitig stehen die hier analysierten Einstellungen jedoch mit einem sich in Verhalten manifestierenden Rechtsextremismus in Zusammenhang.</p>
<p>Wir betrachten zun&auml;chst die zum Rechtsextremismus z&auml;hlende Verhaltenskomponente der Gewalt (ebd.) bzw. der Gewaltakzeptanz (Heitmeyer 1987). Die Ideologie der Ungleichwertigkeit mit ihren spezifischen Auspr&auml;gungen in Form der Elemente der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit kann eine Legitimationsbasis der Gewaltanwendung gegen bestimmte Gruppen in der Gesellschaft darstellen (vgl. Sidanius/Pratto 1999). Die Einstellungs- und Verhaltenskomponente von Rechtsextremismus sollten also empirisch Zusammenh&auml;nge aufweisen, falls die Einstellung tats&auml;chlich eine legitimierende Funktion f&uuml;r gewaltt&auml;tiges Verhalten gegen bestimmte Gruppen darstellt. Trifft es zu, das Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit eine Einstellungskomponente des Rechtsextremismus darstellt, so sollten sich empirisch deutliche Zusammenh&auml;nge zwischen den Elementen der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit und Gewaltbilligung wie Gewaltbereitschaft zeigen. Die Untersuchung dieser Zusammenh&auml;nge basiert auf der j&uuml;ngsten Befragung aus dem Jahr 2011, die auch Fragen zur Gewaltbilligung und zur Gewaltbereitschaft der Befragten enth&auml;lt.</p>
<p>Wie aus Tabelle 1 ersichtlich, weisen alle Elemente mittlere hochsignifikante Zusammenh&auml;nge mit Gewaltbilligung und Gewaltbereitschaft auf. Insgesamt deutet das darauf hin, dass die Ideologie der Ungleichwertigkeit, auf der die Elemente der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit basieren, eine Legitimationsbasis f&uuml;r Gewaltbereitschaft gegen schwache Gruppen in der Gesellschaft darstellt.</p>
<p>Wie oben beschrieben, ist die Wahl einer rechtsextremen Partei eine weitere Verhaltenskomponente des Rechtsextremismus (St&ouml;ss 2005: 27). In einem zweiten Schritt zur &Uuml;berpr&uuml;fung der Annahme, dass Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zur Legitimation rechtsextremen Verhaltens dienen kann, analysieren wir deren Zusammenhang mit dem Wahlergebnis der NPD auf Kreisebene. Dazu verwenden wir Daten der amtlichen Wahlstatistik zum Wahlerfolg der NPD bei den Bundestagswahlen 2009 auf Kreisebene, die wir mit den Befragungsdaten kombinieren. &Uuml;ber die Zuordnung der Befragten zu Kreisen ist eine Analyse des Zusammenhangs der durchschnittlichen Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit im Kreis mit dem Wahlerfolg der NPD m&ouml;glich.Wir verwenden f&uuml;r die Analyse Daten aus den Befragungsjahren 2008 und 2009, da das Ausma&szlig; der durchschnittlichen Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit im Kreis f&uuml;r das Wahlergebnis der NPD insbesondere in den Jahren vor der Bundestagwahl (2009) von Relevanz sein sollte. Zur Untersuchung der Zusammenh&auml;nge wurden die Kreise anhand der Statistik zum prozentualen Wahlerfolg der NPD im Kreis, die Erst-und Zweitstimmen der W&auml;hler umfasst, in drei Regionen aufgeteilt. In der ersten Region befinden sich Kreise mit NPD-Wahlerfolgen, die im Mittel der Erst- und Zweitstimmen h&ouml;chstens bei 1 Prozent liegen. In der zweiten Region befinden sich Kreise, in denen die NPD im Mittel der Erst- und Zweitstimmen der W&auml;hler mehr als 1 Prozent,aber h&ouml;chstens 2 Prozent erreichte. Die dritte Region umfasst Kreise, in denen die NPD im Mittel der Erst- und Zweitstimmen &uuml;ber 2 Prozent liegt. F&uuml;r diese drei Regionen sind in Abbildung 7 die durchschnittlichen Auspr&auml;gungen der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit dargestellt.</p>
<h5>Reflexionen zum gesell&shy;schaft&shy;li&shy;chen Umgang mit Rechts&shy;ex&shy;tre&shy;mismus</h5>
<p>Mit Blick auf die Pr&auml;vention von Rechtsextremismus implizieren unsere Ergebnisse, dass Gruppenbezogene Menschfeindlichkeit einen wichtigen Ansatzpunkt f&uuml;r Pr&auml;ventionsarbeit gegen Rechtsextremismus in der Mitte der Gesellschaft darstellt. Wie wir gezeigt haben, ist davon auszugehen, dass sich Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit,. die auch in der Mitte der Gesellschaft weit verbreitet ist, in rechtsextremem Verhalten manifestieren kann. Dies ist sicher nicht zwangsl&auml;ufig der Fall, die Analysen zeigen jedoch deutliche signifikante Zusammenh&auml;nge, die nicht von der Hand zu weisen sind.<br />Zu unterscheiden sind dabei zwei Wege, auf denen sich die Einstellungen auf das Verhalten auswirken k&ouml;nnen. Erstens k&ouml;nnen individuelle Einstellungen direkt mit der eigenen Verhaltensintention in Verbindung stehen &#8211; wie wir es bei der Gewaltbereitschaft und Gewaltbilligung analysiert haben. Zweitens k&ouml;nnen Mentalit&auml;tsbest&auml;nde im sozialen Umfeld von Personen rechtsextremes Verhalten beg&uuml;nstigen, weil sie eine Legitimationsbasis darstellen. Pr&auml;ventionsarbeit kann nun an beiden Verbindungsstellen ansetzen:</p>
<p>Auf der individuellen Ebene stellt sich die Frage, wie Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit reduziert werden kann. Hier kommt eine politische Bildung in Frage, die Vorurteile entlarvt, indem sie deren Funktionen reflektiert, eigene Betroffenheiten verdeutlicht und heterogene Kontakte herstellt. Die nachhaltigste Form der Pr&auml;vention vori Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit liegt jedoch unseres Erachtens in der Gestaltung gesellschaftlicher Entwicklungen und damit auf der politischen Ebene. Eine solche Strategie w&uuml;rde bei den Ursachen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ansetzen. Diese sind in den vergangenen zehn Jahren im Zusammenhang mit dem Projekt Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit vielfach analysiert worden. Dabei haben sich Entwicklungen wie die wachsende soziale Spaltung der Gesellschaft und damit verbundene &Auml;ngste vor sozialer Desintegration, die politische Entfremdung in der Bev&ouml;lkerung so-wie die zunehmende &Ouml;konomisierung des Sozialen immer wieder als bedeutsam f&uuml;r die Entstehung Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit gezeigt.</p>
<p>Auf der Ebene der kollektiven Mentalit&auml;ten geht es hingegen darum, die Legitimation rechtsextremer Aktivit&auml;ten durch die Bev&ouml;lkerung zu unterbrechen. Hier gilt es, solche lokalen zivilgesellschaftlichen Initiativen gegen Rechtsextremismus zu st&uuml;tzen, die rechtsextremen Akteuren den Verweis auf die breite Zustimmung in der Bev&ouml;lkerung zur eigenen Legitimation erschweren, indem Sie ihre Ablehnung &ouml;ffentlich machen. Solche Initiativen sind jedoch in vielen F&auml;llen marginalisiert. So ist es nicht un&uuml;blich, dass B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren, als links-extreme Unruhestifter dargestellt werden, die erst Konflikte mit den ansonsten friedlichen Neonazis produzieren w&uuml;rden. Zivilgesellschaftliche Initiativen gegen Rechtsextremismus werden. dann als Teil des Problems betrachtet, welches als eines der extremistischen R&auml;nder interpretiert wird, mit dem die Mitte nichts zu tun habe. Die selbst ernannte Mitte der Gesellschaft legitimiert damit ihre Unt&auml;tigkeit und leistet der unwidersprochenen Ausbreitung von rechtsextremen Strukturen Vorschub. Gleichzeitig wird so zivilgesellschaftliches Engagement gegen Rechtsextremismus diskreditiert, potentielle Interessierte ziehen sich zur&uuml;ck. Eine solche Umgangsweise mit zivilgesellschaftlichen Initiativen gegen Rechtsextremismus wird nicht zuletzt durch die&nbsp;&#8222;Extremismusklausel&#8220; [7] politisch institutionalisiert. Dass extremismustheoretische Interpretationen den politischen Diskurs beherrschen ist auch zu beobachten, wenn als Folge der Morde durch die Gruppe &#8222;Nationalsozialistischer Untergrund&#8221; Debatten um ein Verbot der NPD kreisen.</p>
<p>Aus der Perspektive des Forschungsprojekts zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit erscheint eine solche politische Anwendung des extremismustheoretischen Ansatzes ausgesprochen problematisch, verweisen unsere Analysen doch immer wieder auf die Verflechtung der Einstellungen in der breiten Bev&ouml;lkerung mit rechtsextremen Akteuren. Eine Betrachtung, die rechtsextreme Gewalt oder rechtsextreme Parteien in Gemeinden, Kreisen oder Landtagen als ein von der Bev&ouml;lkerung abgekoppeltes Ph&auml;nomen wahrnimmt, verkennt deshalb das Problem und zielt auch auf der Handlungsebene am eigentlichen Kern vorbei. F&uuml;r Rassismus, Fremdenfeindlichkeit sowie die Abwertung von obdachlosen und von langzeitarbeitslosen Personen beobachten wir im letzten Erhebungsjahr (2011) wieder eine steigende Tendenz der Zustimmung in der gesamtdeutschen Bev&ouml;lkerung &#8212; eine Entwicklung, die die Dringlichkeit einer Pr&auml;ventionsarbeit in der Mitte der Gesellschaft nur unterstreicht.<br />[1] Zur genauen Formulierung der Fragen siehe httpa/www.uni-bielefeld.de/ikg/projekte/GMF/EntwicklungGMF.htm1. Die hier vorgestellten Prozentangaben beziehen sich jeweils auf die aus mehreren Aussagen bestehende Skala, als Zustimmung wurde die &Uuml;berschreitung des mittleren Skalenwerts gewertet.<br />[2] Als Beispiel sei die Debatte des s&auml;chsischen Landtags vom 14.12.2006 anl&auml;sslich eines Antrags der NPD-Fraktion genannt, in dem sich Holger Apfel, damals Fraktionsvorsitzender der s&auml;chsischen NPD im Landtag, zur Legitimation der eigenen parteipolitischen Position darauf beruft, dass diese laut der Studien zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit sowie der Friedrich-Ebert-Stiftung (Vom Rand zur Mitte) von weiten Teilen der Bev&ouml;lkerung geteilt w&uuml;rden. <a href="http://www.landtag/" target="_blank" rel="noopener">http://www.landtag</a>, sachsen.de/dokumente/sitzungskalender/2006/pp20061214.pdf<br />[3] Siehe dazu auch <a href="http://www.ilo.org/public/english/bureau/stat/isco/isco88/index.htm" target="_blank" rel="noopener">http://www.ilo.org/public/english/bureau/stat/isco/isco88/index.htm</a><br />[4] Die st&auml;rkere Verbreitung menschenfeindlicher Einstellungen in den unteren Teilen der Soziallage<br />l&auml;sst sich empirisch sehr stark auf Bildungsunterschiede zur&uuml;ckf&uuml;hren; die formale Bildung flie&szlig;t in<br />den Index zur Soziallage mit ein.<br />[5] Die Soziallage konnte in dieser Form erst ab 2003 gebildet werden, daher beginnen die Abbildungen nach Soziallage erst ab 2003.<br />[6] Die Abwertung von Obdachlosen wurde erstmals in 2005 erhoben.<br />[7] Danach m&uuml;ssen sich Projekte, die F&ouml;rdermittel im Rahmen des Programms &#8222;Toleranz f&ouml;rdern &#8211; Kompetenz st&auml;rken&#8221; des BMFSFJ erhalten, zun&auml;chst zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen. Vgl. dazu <a href="http://www.toleranz-foerdern/" target="_blank" rel="noopener">http://www.toleranz-foerdern</a> kompetenz-staerken.de/fileadmin/Content/Down]oads/PDF/101026foerderleitlinienberatungsnetzwerke.pdf (Stand 20.03.2012)</p>
<p>Literatur</p>
<p>Adorno, Theodor W. et al. 1973 [1950]: Studien zum autorit&auml;ren Charakter. Frankfurt a. M. Allport, Gordon W. 1971 [1954]: Die Natur des Vorurteils, K&ouml;ln.<br />Backes, Uwe/Jesse, Eckhard 1993: Politischer Extremismus in der Bundesrepublik Deutschland, Bonn. Bergmann, Werner/Erb, Rainer 1986: Kommunikationslatenz, Moral und &ouml;ffentliche Meinung. Theore-<br />tische &Uuml;berlegungen zum Antisemitismus in der Bundesrepublik Deutschland; in: K&ouml;lner Zeit-<br />schrift f&uuml;r Soziologie und Sozialpsychologie 38, S. 223&#8211;246.<br />Butterwegge, Christoph 2002: Rechtsextremismus, Freiburg.<br />Decker, Oliver/Br&auml;hler, Elmar 2006: Vom Rand zur Mitte. Rechtsextreme Einstellung und ihre Einflussfaktoren in Deutschland, Berlin.<br />Heitmeyer, Wilhelm 1987: Rechtsextremistische Orientierungen bei Jugendlichen, Weinheim/M&uuml;nchen, Heitmeyer, Wilhelm et al. 1992: Die Bielefelder Rechtsextremismus-Studie. Erste Langzeituntersuchung zur politischen Sozialisation m&auml;nnlicher Jugendlicher, Weinheim/M&uuml;nchen.<br />Heitmeyer, Wilhelm 2008: Die Ideologie der Ungleichwertigkeit; in: Heitmeyer, Wilhelm (Hg.), Deutsche Zust&auml;nde, Folge 6. Frankfurt a. M., S. 36-44.<br />Kailitz, Steffen` 2004: Politischer Extremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Einf&uuml;hrung, Wiesbaden.<br />Klein, Anna/Heitmeyer, Wilhelm 2012: Demokratie auf dem rechten Weg? in: Heitmeyer, Wilhelm (Hg.), Deutsche Zust&auml;nde, Folge 10, Berlin, S. 87&#8211;104.<br />Neugebauer, Gero 2000: Extremismus &#8211; Rechtsextremismus &#8211; Linksextremismus: Einige Anmerkungen zu Begriffen, Forschungskonzepten, Forschungsfragen und Forschungsergebnissen; in: Schubarth, Wilfried/St&ouml;ss, Richard (Hg.) Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Eine Bilanz, Bonn, 5.13&#8211;37,<br />OECD, Berlin Centre 2011: Einkommensungleichheit nimmt OECD-weit zu &#8211; in Deutschland besonders schnell, Berlin httpa/www.oecd.org/documentlS4/0,3746,de_34968570_35008930_49176950_ 1_1_1_1,00.html (Stand 21.02.2012).<br />Sidanius, Jim/Pratto, Felicia 1999: Social Dominance: An Intergroup Theory of Social Hierarchy and Oppression, New York.<br />St&ouml;ss, Richard 2005: Rechtsextremismus im Wandel, Berlin.<br />Zick, Andreas/K&uuml;pper, Beate 2006: Politische Mitte. Normal feindselig; in: Heitmeyer, Wilhelm (Hg.) Deutsche Zust&auml;nde. Folge 4. Frankfurt a. M., S.115&#8211;134.<br />Zick, Andreas et al. 2008: The Syndrome of Group-Focused Enmity-Theory and an Empirical Test; in: Journal of Social lssues, Jg. 64, H. 2, S. 363&#8211;383.</p>
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