<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Beate Kohler-Koch Archive - Humanistische Union</title>
	<atom:link href="https://www.humanistische-union.de/autoren/beate-kohler-koch/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.humanistische-union.de/autoren/beate-kohler-koch/</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Mon, 30 Aug 2021 13:41:29 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0.4</generator>
	<item>
		<title>Perspektiven zivilgesellschaftlicher Partizipation in der EU*</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/199-vorgaenge/publikation/perspektiven-zivilgesellschaftlicher-partizipation-in-der-eu/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Sep 2012 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Direkte Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[GHF]]></category>
		<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.humanistische-union.de/publikationen/publikation/perspektiven-zivilgesellschaftlicher-partizipation-in-der-eu/</guid>

					<description><![CDATA[<p>aus: vorg&#228;nge Nr. 199 (Heft 3/2012), S. 60-73 Ich wende mich der europ&#228;ischen Wirklichkeit zu und lege Lehren aus der empirischen Forschung offen. Das werde ich in f&#252;nf Punkten tun: Ich werde eine Fallstudie pr&#228;sentieren, die, wie ich denke, ein gelungenes Beispiel einer europ&#228;ischen B&#252;rgerinitiative (EBI) ist, und werde dann an diesem Fall die M&#246;glichkeiten [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/199-vorgaenge/publikation/perspektiven-zivilgesellschaftlicher-partizipation-in-der-eu/">Perspektiven zivilgesellschaftlicher Partizipation in der EU*</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>aus: vorg&auml;nge Nr. 199 (Heft 3/2012), S. 60-73</p>
<p>Ich wende mich der europ&auml;ischen Wirklichkeit zu und lege Lehren aus der empirischen Forschung offen. Das werde ich in f&uuml;nf Punkten tun: Ich werde eine Fallstudie pr&auml;sentieren, die, wie ich denke, ein gelungenes Beispiel einer europ&auml;ischen B&uuml;rgerinitiative (EBI) ist, und werde dann an diesem Fall die M&ouml;glichkeiten und Grenzen dieses neuen Partizipationsmechanismus aufzeigen. In einem n&auml;chsten Schritt gehe ich auf den so genannten zivilen Dialog ein, der die Europ&auml;ische Union schon l&auml;nger begleitet, und am Ende frage ich dann: Bringen diese Neuerungen mehr Demokratie f&uuml;r die EU? Ich kann hier an Michael Greven anschlie&szlig;en, der einmal gefragt hat: Wie steht es um die Demokratief&auml;higkeit der EU? In seinem Beitrag, der in dieser Ausgabe gleichfalls ver&ouml;ffentlicht wird, f&auml;llt seine Antwort h&ouml;chst skeptisch aus, und auch ich sehe wenig Anlass zum Optimismus.</p>
<h5>Die Europ&auml;ische B&uuml;rger&shy;in&shy;itia&shy;tive </h5>
<p>&#8222;8hours&#8220;: Nicht mehr als acht Stunden soll der Transport lebender Tiere dauern. So lautet die Forderung einer europ&auml;ischen B&uuml;rgerinitiative, und ich denke, dem w&uuml;rde keiner widersprechen. Denn selbst wenn es sich um Schlachttiere handelt, ist doch nicht zumutbar, dass Tiere unn&ouml;tig lange leiden oder sogar auf dem Transport elendiglich zu Grunde gehen. Die Wirklichkeit sieht heute desastr&ouml;s aus. Es gibt zwar Vorschriften, n&auml;mlich EU-weite Richtlinien, aber danach k&ouml;nnen Tiere erschreckend lang transportiert werden. Es gibt Unterschiede je nach Tiergattung und beispielsweise danach, ob die Tiere noch ges&auml;ugt werden oder nicht. Doch die Zeiten sind lang: ein Schwein kann beispielsweise 24 Stunden unterwegs sein und wenn man eine Pause einh&auml;lt, dann kann der Tag nochmals um 24 Stunden verl&auml;ngert werden. Die dr&auml;ngende Frage in diesem konkreten Fall ist weniger, wie eine solche B&uuml;rgerinitiative zustande kommen kann, sondern welche Erfolgschance sie hat. In der Tat ist es gelungen &#8211; wie erforderlich &#8211; &uuml;ber eine Million Stimmen zu sammeln, die Initiative vorschriftsgem&auml;&szlig; bei der Europ&auml;ischen Kommission einzureichen und zudem auch noch die Unterst&uuml;tzung des Europ&auml;ischen Parlaments zu gewinnen. Kurz gesagt, alles scheint auf gutem Weg zu sein aber wird sie auch Erfolg haben?</p>
<p>Um eine solide Einsch&auml;tzung der Erfolgsbedingungen zu gewinnen, muss man sich zun&auml;chst vergegenw&auml;rtigen, was rein formell betrachtet eine Europ&auml;ische B&uuml;rgerinitiative bewirken kann. Die B&uuml;rgerinitiative ist nicht mehr als ein Vorschlag an die Europ&auml;ische Kommission, die das Gesetzgebungsinitiativrecht hat, dass sie sich mit der Materien befassen m&ouml;ge. Nat&uuml;rlich ist auch das Europ&auml;ische Parlament aufgefordert, die Initiative zu diskutieren. Doch nach dem Gesetz liegt die Entscheidung, ob die Initiative aufgegriffen wird oder nicht, bei der Europ&auml;ischen Kommission, denn nur sie kann einen Gesetzesvorschlag einbringen. Also muss man sich fragen: Wie kann ein ausreichender politischer Druck aufgebaut werden, damit die Kommission t&auml;tig wird?</p>
<p>Zwar sind Europ&auml;ische B&uuml;rgerinitiativen erst seit dem 1. April 2012 zugelassen, doch es gab schon vor Inkrafttreten des Gesetzes mehr als 25 Pilotinitiativen1 und aus ihnen, wie aus den inzwischen neun vorliegenden offiziellen Initiativen (August 2012), k&ouml;nnen bestimmte Erfolgsmuster herausgelesen werden.</p>
<p>Auf dem Weg zum Erfolg sind zwei H&uuml;rden zu nehmen: 1. Es m&uuml;ssen eine Million B&uuml;rger aus mindestens sieben Mitgliedstaaten f&uuml;r die Unterst&uuml;tzung einer Initiative mobilisiert werden.2 2. Die Europ&auml;ische Kommission muss daf&uuml;r gewonnen werden, die Initiative auch aufzugreifen.3 Doch selbst wenn diese H&uuml;rden erfolgreich genommen wurden, muss 3. gefragt werden, ob das Verfahren insgesamt so gestaltet ist, dass man von einer gelungenen demokratischen Partizipation sprechen kann.</p>
<h5>Start&shy;be&shy;din&shy;gungen </h5>
<p>Die erste Frage ist also: Wie leicht oder schwer ist es, eine Initiative zu lancieren? Es ist einleuchtend, dass eine Initiative leichter Unterst&uuml;tzung findet, wenn sie ein popul&auml;res Thema aufgreift. Wenn ein allgemein bekanntes Problem angesprochen wird, wenn Emotionen geweckt werden und wenn es gelingt, den Aufruf griffig zu formulieren, dann kann man auf gro&szlig;es Echo hoffen. Mit anderen Worten, f&uuml;r erfolgreiche Initiativen gibt es Themenkonjunkturen und dies zeigen die bisher gestarteten Initiativen eindeutig. So forderte die erste Initiative, die noch vor dem offiziellen Start der EBI der Europ&auml;ischen Kommission unterbreitet wurde, ein Moratorium beim Anbau gentechnisch modifizierter Pflanzen.4 In der Pilotphase gab es noch eine weitere Initiative zum Thema Gentechnik und andere resonanztr&auml;chtige Themen wie die Rechte von Behinderten, der Kampf gegen Adipositas oder der arbeitsfreie Sonntag. Auch unter den nun offiziellen, d. h. nach dem 1. April 2012 eingereichten Initiativen tauchen popul&auml;re Themen wie das Verbot von Tierversuchen5 oder die Einf&uuml;hrung des bedingungslosen Grundeinkommens6 auf.</p>
<p>Die kurze Geschichte der EBI zeigt allerdings, dass die Attraktivit&auml;t eines Themas nicht ausreicht. Erforderlich sind ein professionelles Management und eine gute transnationale Vernetzung der Organisatoren. Zum professionellen Management geh&ouml;rt eine attraktiv gestaltete Webseite, das Informationsangebot in m&ouml;glichst vielen Sprachen, damit die potentiellen Unterst&uuml;tzer auch in ihrer Muttersprache angesprochen werden, und vor allem viele freiwillige Helfer, die das Thema &uuml;ber einschl&auml;gige Organisationen oder die Medien bekannt machen und die notwendigen Unterschriften aktiv einwerben. Zwar sollen nach den Vorstellungen der EU individuelle B&uuml;rger eine EBI lancieren, doch tats&auml;chlich sind es meist Organisationen, die die Initiative ergriffen haben. Europaweit oder gar weltweit agierende politische Unternehmer mit hoher Reputation wie Greenpeace sind hier im Vorteil. Aber auch die Zusammenarbeit von Gewerkschaften und Umweltschutzorganisationen ist erfolgsverd&auml;chtig, bieten sie doch Gew&auml;hr f&uuml;r Professionalit&auml;t und hohes Mobilisierungspotential. Wenn dann noch, wie bei der Initiative f&uuml;r ein Grundrecht auf Wasser7, eine hohe und &uuml;ber die Mitgliedstaaten breit gestreute Zahl von nationalen und europ&auml;ischen Unterst&uuml;tzerorganisationen aufgeboten werden kann, dann darf man auf den Erfolg wetten.</p>
<p>Dass ein attraktives Thema allein nicht reicht, zeigt die m&auml;&szlig;ige Resonanz auf das Pilotprojekt f&uuml;r den freien Sonntag. So gering die Zahl und Bedeutung der unterst&uuml;tzenden Organisationen war, so bescheiden blieb die Zahl der Unterschriften.8 Die Tatsache, dass die Webseite nur in deutscher Sprache zug&auml;nglich war, mag sein &Uuml;briges dazu beigetragen haben. So kann man gespannt sein, ob die jetzt offiziell laufenden B&uuml;rgerinitiativen, die ihre ausf&uuml;hrlicheren Informationen nur in einer oder wenigen Sprachen pr&auml;sentieren, mehr Erfolg haben werden.</p>
<h5>Resonanz in Br&uuml;ssel </h5>
<p>Wenden wir uns der zweiten Frage zu: Wann ist es wahrscheinlich, dass die Initiative ihre Adressaten erreicht?</p>
<p>Das formale Prozedere ist wie folgt9: Die Kommission pr&uuml;ft die Initiative und wird binnen drei Monaten nach Eingang der Initiative die Organisatoren empfangen und ihnen Gelegenheit geben, ihr Vorhaben n&auml;her zu erl&auml;utern. Die Organisatoren haben &uuml;berdies die M&ouml;glichkeit, ihre Initiative bei einer &ouml;ffentlichen Anh&ouml;rung im Europ&auml;ischen Parlament vorzustellen. Es liegt im Ermessen der Kommission, ob sie die Initiative aufgreift und welche Ma&szlig;nahmen sie vorschl&auml;gt. Die Entscheidung wird formell vom Kollegium der Kommissionsmitglieder getroffen und die Gr&uuml;nde der Annahme oder Ablehnung werden &ouml;ffentlich dargelegt. Mit anderen Worten, die Kommission ist nicht verpflichtet, als Antwort auf eine Initiative einen Rechtsakt vorzuschlagen und auch nicht bei einer eventuellen Gesetzesinitiative den inhaltlichen Vorgaben der Initiatoren zu folgen. Beschlie&szlig;t die Kommission jedoch, einen Rechtsakt vorzuschlagen, wird das normale Gesetzgebungsverfahren in Gang gesetzt: Der Kommissionsvorschlag wird nach dem im Vertrag vorgesehenen Verfahren dem Europ&auml;ischen Parlament und dem Rat vorgelegt und wenn er angenommen wird, erlangt er in allen Mitgliedstaaten Gesetzeskraft.</p>
<p>Wie gro&szlig; ist nun die Wahrscheinlichkeit, dass die Kommission positiv reagiert? Zun&auml;chst einmal entspricht es ihrer Politik, popul&auml;re Themen aufzugreifen. Seit einigen Jahren, genau gesagt, seit dem Amtsantritt von Kommissionspr&auml;sident J. M. Barroso, profiliert sich die Kommission in all ihren Selbstdarstellungen damit, dass sie im Interesse der B&uuml;rger handelt und daf&uuml;r Sorge tr&auml;gt, dass der B&uuml;rger aus der EU Nutzen zieht. So ist es nur folgerichtig, dass sie einer Initiative, die von einer Million B&uuml;rgern aus sieben Mitgliedstaaten getragen wird, grunds&auml;tzlich positiv gegen&uuml;ber steht. Schlie&szlig;lich kann damit &uuml;berzeugend demonstriert werden, dass sie geneigt ist, eine Politik f&uuml;r die B&uuml;rger zu machen. Anderseits ist sie aber auch gehalten, auf die Koh&auml;renz ihrer politischen Linie zu achten und die Durchsetzungschancen einer politischen Kurs&auml;nderung in Betracht zu ziehen. Nehmen wir das Beispiel der &#8222;8hours&#8220;-Initiative. Die K&uuml;rzung der Transportzeiten ist ein aktuelles Thema, denn die Kommission ist durch die Tierschutztransportverordnung von 2005 verpflichtet, dem Europ&auml;ischen Parlament und dem Rat (bis sp&auml;testens Januar 2011) einen Bericht &uuml;ber die bisherigen Erfahrungen vorzulegen. Sie gab eine wissenschaftliche Studie in Auftrag und kam ihrer Berichtspflicht im November 2011 nach. In ihrem Bericht schl&auml;gt sie eine Reihe von Ma&szlig;nahmen zur Erg&auml;nzung der Verordnung vor.10 Mit anderen Worten, das Thema steht auf der Tagesordnung und die Europ&auml;ische B&uuml;rgerinitiative nimmt Stellung zu einer aktuell laufenden Diskussion.</p>
<p>Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Kommission mit &#8222;8hours&#8220; befassen wird, erh&ouml;ht sich dadurch, dass das Europ&auml;ische Parlament eine Resolution verabschiedet hat, die von mehr als der H&auml;lfte der Abgeordneten unterzeichnet wurde, so dass sie als offizielle Stellungnahme des Parlamentes gilt. Dies hat zwar keine rechtlichen Folgen, verleiht aber der Forderung von &#8222;8hours&#8220; politisches Gewicht. Die Unterst&uuml;tzung hat nicht nur symbolischen Wert, sondern signalisiert, dass sich in den sp&auml;teren Verhandlungen das Europ&auml;ische Parlament f&uuml;r eine deutliche K&uuml;rzung der Transportzeiten stark machen wird.</p>
<h5>Effektive demokra&shy;ti&shy;sche Parti&shy;zi&shy;pa&shy;tion? </h5>
<p>Die entscheidende, dritte Frage lautet nun: Gibt die Europ&auml;ische B&uuml;rgerinitiative dem B&uuml;rger ein Instrument in die Hand, mit dem sie oder er Einfluss auf die Inhalte der europ&auml;ischen Politik nehmen kann? Mit anderen Worten, leistet sie wirklich einen Beitrag zur effektiven demokratischen Partizipation?</p>
<p>In der Tat ist vorgesehen, dass einzelne B&uuml;rger die Initiative ergreifen, sich transnational zusammenfinden und ihr Anliegen auf den Weg bringen. Diese Vorstellung ist bestenfalls naiv, wenn nicht zynisch. Nur eine kleine europ&auml;isierte (Bildungs-)Elite ist in der Lage, Gleichgesinnte in sieben EU-L&auml;ndern zu mobilisieren, ihr Anliegen in einer Vielzahl von Sprachen zum Ausdruck zu bringen und den organisatorischen Aufwand der digitalen Informationsverbreitung und Unterschriftssammlung zu meistern. Und in der Tat stehen hinter den von Individuen getragenen Initiativen zu &#8222;High Quality European Education for All&#8220; Vertreter und Absolventen der Europa-Schulen11 bzw. bei &#8222;Fraternit&eacute; 2020 &#8211; Mobility. Progress. Europe&#8220; durch Erasmus und andere EU-Austauschprogramme gef&ouml;rderte Studenten und Professoren, die European Studies lehren.12 Auch bei den anderen Initiativen liegt die Autorenschaft nicht beim einfachen B&uuml;rger. Nach den Vorgaben der EU sollten B&uuml;rgerinitiativen nicht von Organisationen geleitet, sondern von diesen nur gef&ouml;rdert und unterst&uuml;tzt werden. Ferner sollen Abgeordnete des Europ&auml;ischen Parlaments sich nicht der B&uuml;rgerinitiative bem&auml;chtigen. Die Vorschrift ist, dass Mitglieder des Europ&auml;ischen Parlaments bei der Mindestzahl von 7 B&uuml;rgern f&uuml;r den B&uuml;rgerausschuss nicht mitgerechnet werden.</p>
<p>Die Praxis sieht anders aus: Die meisten Initiativen werden von Organisationen bzw. von Mitgliedern des Europ&auml;ischen Parlaments lanciert. Mit anderen Worten, die bereits politisch organisierten Kr&auml;fte dominieren das Feld. B&uuml;rger werden zur Mitwirkung aufgefordert und in der Tat ist allgemein festzustellen, dass B&uuml;rger f&uuml;r diese Formen der &#8222;unkonventionellen politischen Partizipation&#8220; &#8211; wie es im politikwissenschaftlichen Fachjargon hei&szlig;t &#8211; offen sind. Die Wahlbeteiligung mag sinken, aber die Bereitschaft, Unterschriften zu leisten oder zu spenden ist weiter verbreitet als je zuvor. Allerdings ist es &#8222;Partizipation light&#8220;, denn in ihrer Mehrheit sind die B&uuml;rger eben nicht bereit, Mitglied einer Organisation zu werden oder sich in anderer Form l&auml;ngerfristig zu engagieren. Damit &uuml;berl&auml;sst man nicht nur die Arbeit zu Durchf&uuml;hrung einer EBI einer kleinen Zahl von Aktivisten, man verl&auml;sst sich auch darauf, dass die, die bereits organisiert sind, politisch relevante Themen aufgreifen. Damit geht einher, dass es zu Interessensverschiebungen kommt: Ich unterschreibe, wenn ich darum gebeten werde, und unterst&uuml;tze so eine Sache, die andere f&uuml;r wichtig halte, w&auml;hrend ich zu anderen Themen, die mir vielleicht mehr auf den N&auml;geln brennen, meine Stimme nicht erhebe. Die Schwelle zum eigenen politischen Engagement ist hoch, das ist eine bekannte Tatsache, denn es waren schon immer Minderheiten, die sich um die res publica gek&uuml;mmert haben. Insofern liegen die europ&auml;ischen B&uuml;rgerinitiativen ganz im Strom der &uuml;blichen Partizipationsentwicklung.</p>
<p>Wie sind eine solch verzerrte Partizipationsverteilung und die Wahrscheinlichkeit der Interessensverschiebung demokratisch zu beurteilen? Nach meiner Auffassung steht es nicht im Widerspruch zur Demokratie, wenn der gesellschaftliche Wandel durch Minderheiten vorangetrieben wird. Bedenklich wird es erst, wenn die Bev&ouml;lkerung in ihrer Gesamtheit keine Kontrolle mehr dar&uuml;ber hat, was Minderheiten voranbringen. Mit anderen Worten, die demokratische Qualit&auml;t der B&uuml;rgerinitiativen entscheidet sich daran, ob &Ouml;ffentlichkeit und Transparenz bestehen. Die Internetauftritte geben teils ausf&uuml;hrliche, teils nur rudiment&auml;re Informationen dar&uuml;ber, was die Initiativen erreichen will und wer dahinter steht. Die Initiative &#8222;8hours&#8220; ist ein positives Beispiel, weil das Anliegen anschaulich dargestellt und die bestehenden Probleme mit Dokumenten eindr&uuml;cklich belegt werden. Aber selbst die Publizit&auml;t dieser Initiative ist sehr gering und insgesamt muss festgestellt werden, dass nur wenige der Initiativen von den Medien beachtet werden. Somit finden sie in der breiten &Ouml;ffentlichkeit auch keine Aufmerksamkeit. Man wird beobachten m&uuml;ssen, ob sich das &auml;ndert, wenn nach Abschluss der Stimmensammlung die B&uuml;rgerinitiativen im Europ&auml;ischen Parlament diskutiert werden und die Kommission ihre Stellungnahme abgibt. Die Einbindung des Europ&auml;ischen Parlaments ist ein Gewinn, denn dadurch kann prinzipiell eine gr&ouml;&szlig;ere &Ouml;ffentlichkeit erreicht werden.</p>
<p>Die Verkn&uuml;pfung von repr&auml;sentativer Demokratie und direkter Demokratie kommt dem Europ&auml;ischen Parlament zugute. Sie bedeutet eine St&auml;rkung der repr&auml;sentativen Demokratie in der EU, weil das Parlament bisher nicht das Recht zur Gesetzesinitiative hat und &uuml;ber den Umweg der Lancierung oder Unterst&uuml;tzung einer Europ&auml;ischen B&uuml;rgerinitiative nun Einfluss auf die politische Agenda der Kommission nehmen kann. So ist es auch nicht &uuml;berraschend, dass verschiedene Fraktionen des Europ&auml;ischen Parlamentes, insbesondere die Fraktion der Gr&uuml;nen, eine Reihe von Aktivit&auml;ten entfaltet haben, um die EBI auf den Weg zu bringen. Das reicht von einem Handbuch: &#8222;Wie gestalte ich eine erfolgreiche B&uuml;rgerinitiative?&#8220;, &uuml;ber die Einrichtung eines Instituts, das Lehrg&auml;nge anbietet und Material zur Verf&uuml;gung stellt: &#8222;Wie mache ich eine europ&auml;ische B&uuml;rgerinitiative?&#8220;, bis hin zu Webseiten: &#8222;Wie kann ich mich am besten vernetzen?&#8220; usw. usf.</p>
<p>&Ouml;ffentlichkeit ist eine wichtiges Element demokratischer Willensbildung und unerl&auml;sslich f&uuml;r Partizipation. Doch demokratische Partizipation verlangt auch, dass den Stimmen der B&uuml;rger Geh&ouml;r gegeben wird. Im Falle der Initiative &#8222;8hours&#8220; hat die Resolution des Europ&auml;ischen Parlaments ein starkes Zeichen gesetzt. Somit scheinen die Weichen auf Erfolg gestellt. Best&auml;tigt wird diese Einsch&auml;tzung durch die Aussage des zust&auml;ndigen Kommissars anl&auml;sslich der offiziellen &Uuml;bergabe der EBI (am 7. Juni 2012), dass die Kommission bis zum Jahr 2014 einen Verordnungsvorschlag vorlegen wird, der auch eine Reduktion der Tiertransportzeiten beinhalten wird. Allerdings wurde diese Aussage dann nach weniger als einer Woche von der Kommission dementiert. Diese Positionskorrektur ist ganz auf der Linie der offiziellen Haltung wie sie im Tierschutzbericht der Kommission zum Ausdruck kam. Die Kommission sieht keinen Handlungsbedarf mit Ausnahme einer besseren &Uuml;berwachung der Einhaltung der Verordnung durch die Mitgliedstaaten. Nach ihrer Lesart zeigt die Studie, die ihrem Votum zugrunde liegt, &#8222;(&#8230;) eine Verbesserung der Gesamtqualit&auml;t von Tiertransporten&#8220; und dies in erster Linie bei Langstreckentransporten. Liest man die Studie13, so ist deren Tenor ganz anders. Es wird sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, dass keine sp&uuml;rbare Verbesserung f&uuml;r das Wohl der Tiere erreicht wurde: &#8222;For the main groups of animals there are no indications that animal welfare during transport has been improved substantially by Regulation 1/2005.&#8220; Ferner wurde ein &#8222;historic increase&#8220; im Handel und damit im Transport lebender Tiere festgestellt und au&szlig;erdem vermerkt, dass es keinen nennenswerten Unterschied zwischen der Behandlung von Zuchttieren und Schlachtvieh gibt. Damit man sich eine Vorstellung von der Gr&ouml;&szlig;enordnung dieses Tierelends machen kann, verweise ich auf die Zahlen der Kommission: Sie spricht von 35 Millionen Tieren, die j&auml;hrlich oft tagelang quer durch Europa transportiert werden.14</p>
<p>Warum nun scheint die Initiative kein Geh&ouml;r zu finden? Die erw&auml;hnte Studie bietet Aufschluss: Die Durchsetzung des europ&auml;ischen Binnenmarktes, nicht zuletzt dank der Vereinheitlichung der Transportgesetzgebung, hat zu einer Versch&auml;rfung des Wettbewerbs und damit zu einer Zentralisierung der Schlachth&ouml;fe gef&uuml;hrt. Ausbau der Schlachtkapazit&auml;ten f&uuml;r Schweine an zentralen Stellen in Deutschland und Anlieferung der Schweine und Ferkel aus D&auml;nemark und den Niederlanden, deren Schlachtkapazit&auml;t dann abgebaut wurde. Die Ausweitung der Transporte ist eine zwangsl&auml;ufige Folge. Selbstverst&auml;ndlich gab es bereits fr&uuml;her Widerstand gegen die Schlie&szlig;ung der kleinen, lokalen Schlachth&ouml;fe und gegen die Verl&auml;ngerung der Tiertransporte. Ich erw&auml;hne nur die offiziellen deutschen Initiativen: Bereits im Jahre 2003 haben etliche Bundesl&auml;nder eine Begrenzung der Transportzeiten auf acht Stunden gefordert15, sp&auml;ter gab es im Bundesrat einen Vorsto&szlig; f&uuml;r den Erhalt lokaler Schlachth&ouml;fe und 2009 hat der Bundesrat sich erneut daf&uuml;r eingesetzt, in der EU-Verordnung festzulegen, dass &#8211; entsprechend der in Deutschland geltenden Vorschriften &#8211; die H&ouml;chstdauer von Transporten acht Stunden nicht &uuml;berschreiten darf.16 Das zust&auml;ndige Bundesministerium mochte sich dem Vorschlag nicht anschlie&szlig;en und verwarf vor allem die Festlegung auf eine konkrete Zeitdauer mit dem Verweis auf die schwierige Erreichbarkeit von Schlachth&ouml;fen.17 Diese kleine Geschichte zeigt eine grunds&auml;tzliche Schieflage europ&auml;ischer Politik auf: Handelte man nach dem Subsidiarit&auml;tsprinzip, das schlie&szlig;lich als Prinzip auch in den Europ&auml;ischen Vertr&auml;gen festgelegt ist, dann w&auml;re das Problem l&auml;ngst im Interesse des Tierschutzes gel&ouml;st. F&auml;llt man die Entscheidung in Br&uuml;ssel, dann stehen die Verwirklichung des Binnenmarktes und die Effizienz des Wettbewerbs im Vordergrund. Es ist kaum zu erwarten, dass Europ&auml;ische B&uuml;rgerinitiativen gegen diesen Trend angehen k&ouml;nnen. Im Gegenteil: Die Mehrheit der Initiativen tritt f&uuml;r eine Ausdehnung der Br&uuml;sseler Kompetenzen ein, sei es im Bildungsbereich, bei der Durchsetzung eines unbegrenzten Wahlrechts, dem Schutz des ungeborenen Lebens oder der Grundversorgung mit Wasser. Kurz gesagt, die Europ&auml;ische B&uuml;rgerinitiative k&ouml;nnte sich als Vehikel f&uuml;r weitere Zentralisierung und damit f&uuml;r die Entfernung der politischen Entscheidungen aus dem Einflussbereich des B&uuml;rgers erweisen.</p>
<h5>Der zivile Dialog </h5>
<p>Neben der Europ&auml;ischen B&uuml;rgerinitiative hat der Vertrag von Lissabon noch ein weiteres Partizipationsversprechen aus dem Europ&auml;ischen Verfassungsvertrag &uuml;bernommen, n&auml;mlich den &#8222;zivilen Dialog&#8220;. Vergleicht man die Ausf&uuml;hrungen zum zivilen Dialog mit denen zur Europ&auml;ischen B&uuml;rgerinitiative dann springt ein Unterschied sofort ins Auge: Die Europ&auml;ische B&uuml;rgerinitiative ist ein eindeutig beschriebenes Instrument und hat eine klar bestimmte Funktion. Der zivile Dialog ist als allgemeines Prinzip formuliert und fordert die europ&auml;ischen Institutionen auf, das zu tun, was man eigentlich als Selbstverst&auml;ndlichkeit betrachten sollte: Sie sollen den B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern die M&ouml;glichkeit geben, ihre Ansichten &ouml;ffentlich bekannt zu geben und auszutauschen, sie sollen einen offenen, transparenten und regelm&auml;&szlig;igen Dialog mit den repr&auml;sentativen Verb&auml;nden und der Zivilgesellschaft pflegen und die Kommission soll umfangreiche Anh&ouml;rungen der Betroffenen durchf&uuml;hren. Diese Sollbestimmungen sind nicht nur sehr allgemein formuliert, sie bringen auch keine Neuerungen, sondern halten nur vertraglich fest, was ohnehin t&auml;gliche Praxis ist.</p>
<p>Gemessen an dem Anspruch, mehr Partizipation zu wagen, ist vor allem bedenklich, dass keine konkreten Verfahren genannt werden, die den B&uuml;rgern bzw. den Vertretern der Zivilgesellschaft erm&ouml;glichen, ihre Belange zu Geh&ouml;r zu bringen und Einfluss auf die Europ&auml;ische Politik zu gewinnen. Ein weiteres Problem ist, dass es unbestimmt bleibt, wer die relevanten Akteure sind. Angesprochen werden die B&uuml;rger, repr&auml;sentative Verb&auml;nde, die von einer Politik Betroffenen und die Zivilgesellschaft. Was ist mit Zivilgesellschaft gemeint? Gibt es &uuml;berhaupt eine europ&auml;ische, d. h. eine transnational vernetzte Zivilgesellschaft und wie k&ouml;nnte sie sich artikulieren? Schaut man sich die Debatten des Verfassungskonvents an, so wurde gerade diese Frage sehr unterschiedlich beantwortet. Gerne verwies man auf die wichtige Bedeutung der Zivilgesellschaft f&uuml;r die Verankerung von Demokratie in Europa, doch die Vorstellungen, was unter Zivilgesellschaft genau zu verstehen sei, klafften deutlich auseinander. Etliche Delegierte rieben sich vor allem an der Vorstellung, der &#8222;organisierten Zivilgesellschaft&#8220; Vorrang zu geben. Sie forderten, dass den B&uuml;rgern direkt mehr Mitsprachem&ouml;glichkeiten einger&auml;umt werden solle und dieses Privileg nicht den Vereinen und Verb&auml;nden vorbehalten werden solle, die angeben im Namen der B&uuml;rger zu sprechen.</p>
<h5>Parti&shy;zi&shy;pa&shy;tion in der Praxis </h5>
<p>Da die Vertragsvorschriften, wie gesagt, eine bereits bestehende Praxis widerspiegeln, sollte man sich nicht weiter mit dem Verfassungstext aufhalten, sondern eben diese Praxis unter die Lupe nehmen. Sp&auml;testens mit ihrem Wei&szlig;buch zum Regieren (2001) hat die Europ&auml;ische Kommission sich dazu verpflichtet, die B&uuml;rger und die Zivilgesellschaft st&auml;rker in ihre Willensbildung einzubeziehen, womit sie nicht zuletzt auch einem Auftrag des Europ&auml;ischen Rates nachkam. Eine Voraussetzung f&uuml;r Partizipation hat sie energisch angegangen, n&auml;mlich mehr Transparenz zu schaffen. De jure ist der Zugang zu den Dokumenten, die nicht nur die beschlossenen Ma&szlig;nahmen festhalten, sondern auch Auskunft &uuml;ber laufende Initiativen geben, relativ gro&szlig;z&uuml;gig geregelt. Das Recht auf Zugang kann, wenn notwendig, auch eingeklagt werden oder mit Hilfe des Europ&auml;ischen Ombudsmanns erstritten werden. Die tats&auml;chlichen Zugangsm&ouml;glichkeiten werden aber deutlich durch technische Unzul&auml;nglichkeiten und die Sprachbarriere erschwert. Selbst professionelle EU Beobachter &#8211; und wer unter den B&uuml;rgern kann sich schon dazu z&auml;hlen &#8211; verbringt gelegentlich Stunden, um das einschl&auml;gige Dokument zu finden. Gr&uuml;nb&uuml;cher und Memoranden, in denen die k&uuml;nftigen Politikvorhaben erl&auml;utert werden, liegen h&auml;ufig nur in einer Sprache vor. Mit anderen Worten, nur der fremdsprachlich begabte und mit dem Internet vertraute B&uuml;rger ist Nutznie&szlig;er der an sich so lobenswerten Transparenz der EU.</p>
<h5>Ihre Stimme in Europa </h5>
<p>Auch der Dialog mit dem B&uuml;rger wurde in Angriff genommen, doch dieser Dialog f&uuml;hrte ebenfalls zu einem ambivalenten Ergebnis. &#8222;Ihre Stimme in Europa&#8220; ist eine Einladung, sich an den Debatten &uuml;ber die Europ&auml;ische Union und ihre Zukunft zu beteiligen. Die Aufforderung im Internet klingt viel versprechend: &#8222;Diskutieren Sie unmittelbar mit Entscheidungstr&auml;gern und tauschen Sie sich mit anderen B&uuml;rgern aus, die sich f&uuml;r das gleiche Thema interessieren.&#8220; Verwiesen wird dann auf die Blogs von Kommissaren und hochrangigen Kommissionsbediensteten in den EU-Vertretungen in den Mitgliedstaaten. Die einschl&auml;gige Seite der Kommission18 zeigt das Portr&auml;t von 6 Kommissaren und 3 Vertretern in EU-L&auml;ndern, was bei 27 Kommissaren und 27 Mitgliedsl&auml;ndern eine recht magere Repr&auml;sentanz ist. Klickt man dann weiter, muss man feststellen, dassnur ein einziger Blog bei den Kommissaren und ein Blog aus der EU-Vertretung in &Ouml;sterreich zug&auml;nglich sind. Bei allen anderen hei&szlig;t es lakonisch &#8222;the address you used is incorrect or obsolet&#8220; und dann wird man in Sekundengeschwindigkeit auf das EU-Lexikon von A bis Z weitergeleitet. Auch der Verweis auf Facebook ist eher irref&uuml;hrend, denn im Angebot sind nur pdf-Dateien und das auch fast nur in englischer Sprache, d. h. es gibt lediglich zwei Ausnahmen: eine Datei gibt es auf Polnisch und eine zweite zus&auml;tzlich zu Englisch auch auf Bulgarisch.</p>
<p>Nicht eingehen m&ouml;chte ich auf die unterschiedlichen Programme, mit denen die europ&auml;ischen Institutionen B&uuml;rger aufgerufen haben, sich direkt an europ&auml;ischen Debatten zu beteiligen. Veranstaltungen wie Europa-Konferenzen oder deliberative Foren erm&ouml;glichen B&uuml;rgern eine direkte Mitwirkung, doch unsere Untersuchungen haben rasch die bereits bestehende Auffassung best&auml;tigt, dass diese Form des &#8222;participatory engineering&#8220; wenig zur Demokratisierung der EU beitragen kann. Ein offenkundiger Schwachpunkt ist, dass im Vergleich zur Bev&ouml;lkerungsgr&ouml;&szlig;e der EU immer nur eine verschwindend kleine Zahl von Mitwirkenden beteiligt ist und selbst wenn &#8211; wie beim &#8222;deliberative polling&#8220; &#8211; eine nach strengen wissenschaftlichen Ma&szlig;st&auml;ben repr&auml;sentative Gruppe von B&uuml;rgern zusammengef&uuml;hrt wird, es nicht gew&auml;hrleistet ist, dass deren Diskussion ein repr&auml;sentatives Meinungsbild ergibt. Ein weiterer Schwachpunkt ist, dass nicht nachzuvollziehen ist, wie die Diskussionsergebnisse Eingang in die Meinungsbildung der europ&auml;ischen Institutionen finden k&ouml;nnten.</p>
<h5>Einladung zur Konsul&shy;ta&shy;tion </h5>
<p>Daneben gibt es allerdings noch ein weiteres Angebot. Die Einladung klingt wieder viel versprechend: &#8222;Gestalten Sie die europ&auml;ische Politik mit, indem Sie sich an unseren Konsultationen beteiligen.&#8220; Die einschl&auml;gige Seite listet die laufenden Konsultationenauf, die zu neuen Gesetzesinitiativen oder zur &Uuml;berarbeitung bestehender Richtlinien durchgef&uuml;hrt werden.19 Die Teilnahme an solchen Konsultation er&ouml;ffnet dem B&uuml;rger eine sehr direkte Partizipation am europ&auml;ischen Politikgeschehen. Die Frage ist allerdings, ob diese Partizipation auch ein wirkungsvolles Instrument demokratischer Mitwirkung ist. Dieser Frage haben wir uns in einem umfangreichen empirischen Forschungsprojekt angenommen und &uuml;ber unsere Ergebnisse m&ouml;chte ich hier berichten.20</p>
<p>Die Teilnahme an den Konsultationsverfahren der Europ&auml;ischen Kommission ist insofern von Bedeutung, weil die Kommission nach wie vor &uuml;ber das Initiativrecht f&uuml;r die europ&auml;ische Gesetzgebung verf&uuml;gt. B&uuml;rger k&ouml;nnen sich in aller Regel an Online-Konsultationen unmittelbar beteiligen und der Online-Zugang macht die Beteiligung einfach. In der Praxis bestehen aber doch recht hohe Zugangsh&uuml;rden, denn man muss &uuml;berhaupt von diesem Angebot wissen und man muss verstehen, worum es geht. Da die Dokumente meist nur in Englisch vorliegenden und im EU-Fachjargon abgefasst sind, d&uuml;rfte der durchschnittliche EU-B&uuml;rger &uuml;berfordert sein. Unsere systematische &Uuml;berpr&uuml;fung von mehreren Konsultationen zur Reform der EU hat die ern&uuml;chternde aber nicht &uuml;berraschende Tatsache zu Tage gef&ouml;rdert, dass die Beteiligung von B&uuml;rgern &auml;u&szlig;erst gering und sozialstatistisch einseitig verzerrt ist. Der typische Teilnehmer ist akademisch gebildet, m&auml;nnlich und kommt nur selten aus dem S&uuml;den oder Osten der EU.</p>
<h5>Zivil&shy;ge&shy;sell&shy;schaft&shy;liche Einbindung: Ein Gleich&shy;ge&shy;wicht der Interessen? </h5>
<p>Die Einrichtung der Online-Konsultationen hat zwar nur in wenigen Ausnahmef&auml;llen eine gr&ouml;&szlig;ere Zahl von B&uuml;rgern mobilisiert, doch die Kommission verweist mit Fug und Recht darauf, dass sie die Beteiligung der europ&auml;ischen Zivilgesellschaft deutlich erh&ouml;ht hat. Doch wer tritt hier als Zivilgesellschaft auf? Nach Br&uuml;sseler Verst&auml;ndnis ist Zivilgesellschaft die breite Palette von Verb&auml;nden, Plattformen und Netzwerken, die staatlich unabh&auml;ngig sind, keine profitorientierten Unternehmen sind und politische Anliegen gegen&uuml;ber der Politik vertreten. Mit anderen Worten, es sind Interessenorganisationen, die f&uuml;r ihre Mitglieder oder f&uuml;r allgemeine Anliegen eintreten. Das schlie&szlig;t Umweltverb&auml;nde, Menschenrechtsaktivisten und Gewerkschaften ebenso ein, wie Wirtschaftsverb&auml;nde oder Berufsgruppen. Somit werden alle im intermedi&auml;ren Raum aktiven gesellschaftlichen Gruppen mit dem Etikett &#8222;Zivilgesellschaft&#8220; belegt und sie alle sind aufgerufen, ihre Belange in den Konsultationen zu Geh&ouml;r zu bringen.</p>
<p>H&auml;lt man sich nun vor Augen, dass die Vertreter wirtschaftlicher Interessen immer schon eine sehr aktive EU-Lobby betrieben haben, stellt sich die Frage, ob die neuenKonsultationsinstrumente hier eine &Auml;nderung gebracht haben. Konkret gilt es zu pr&uuml;fen, ob nun auch nicht-wirtschaftliche Interessen auf Br&uuml;sseler Ebene vergleichbar pr&auml;sent sind, ob sie gleichgewichtig in den Konsultationen beteiligt sind und ob sie auf diesem Weg Einfluss nehmen k&ouml;nnen.</p>
<p>Nach unseren Forschungsergebnissen ist das Ergebnis gemischt. Zahlenm&auml;&szlig;ig ist die Gruppe der Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die keine wirtschaftlichen Interessen vertreten, deutlich angewachsen. Die Kommission hat etliche Anstrengungen unternommen, um vor allem den europ&auml;ischen Zusammenschluss von einschl&auml;gigen NGOs zu f&ouml;rdern. Sie hat praktische Aufbauhilfe geleistet, hat Finanzmittel zur Verf&uuml;gung gestellt, ihnen einen privilegierten Zugang verschafft, und bei einigen europ&auml;ischen Verb&auml;nden muss man sagen, dass es sie ohne die Unterst&uuml;tzung der Kommission nicht g&auml;be.</p>
<p>Im Ergebnis kann man feststellen, dass NGOs heute sehr viel pr&auml;senter und besser organisiert auf europ&auml;ischer Ebene sind als je zuvor. Auch die &Auml;nderung in den Konsultationsverfahren, ihre erh&ouml;hte Transparenz und der vor allem durch die Online-Konsultationen sehr viel einfachere Zugang hat ihre Beteiligung verbessert. Somit ist es zu einer Pluralisierung der Interessensvertretung gekommen. Wenn man sich im Einzelnen genau deren Verteilung anschaut, muss man allerdings feststellen, dass es keineswegs ein Gleichgewicht in der Repr&auml;sentation der Interessenlager gibt. Es gibt Ungleichgewichte nicht nur in der Vertretung von Produzenteninteressen auf der einen und von Konsumenten-bzw. allgemeinen Interessen auf der anderen Seite, sondern es gibt auch ein eindeutiges geografisches Gef&auml;lle. Grob skizziert gibt es eine Trennlinie zwischen Nord und S&uuml;d und zwischen Ost und West. Interessengruppen aus dem Vereinigten K&ouml;nigreich, aus Deutschland, den skandinavischen und Benelux-Staaten und auchaus &Ouml;sterreich sind fast immer und in gro&szlig;er Zahl vertreten, gleichg&uuml;ltig ob sie Produzenten, Konsumenten oder Umweltinteressen vertreten, w&auml;hrend Wirtschaftsverb&auml;nde, Gewerkschaften und NGOs aus Osteuropa oder S&uuml;deuropa sich rar machen. Insgesamt darf aber nicht &uuml;bersehen werden, dass meistens doch eine weite Bandbreite von Meinungen und Stimmen artikuliert wird.</p>
<h5>Kommt die Botschaft an? </h5>
<p>Demokratische Partizipation setzt nicht nur die Chancengleichheit in der Interessenvertretung voraus, sondern verlangt auch Partizipationsverfahren, die so gestaltet sind, dass die Positionen authentisch und differenziert dargelegt werden k&ouml;nnen. Hier besteht gerade bei den Online-Konsultationen ein Dilemma: Frageb&ouml;gen mit vorgegebenen Antwortkategorien sind leicht auszuf&uuml;llen, senken also die Zugangsschwelle, was im Interesse einer breiten Beteiligung zu begr&uuml;&szlig;en ist. Online-Konsultationen mit offenen Fragen, die eine ausgearbeitete Stellungnahme verlangen, sind anspruchsvoll und diesem Anspruch kann in der Regel nur ein Experte gen&uuml;gen. Insgesamt kann man feststellen, dass der Kreis der Beteiligten immer enger wird, je inhaltlicher die Konsultationen werden. Dies gilt f&uuml;r Konferenzen und Workshops, insbesondere aber auch f&uuml;r beratende Aussch&uuml;sse und die bilateralen Gespr&auml;che der Kommissionsdienststellen. Hinzu kommt, dass viele solcher Konsultationen auf Einladung erfolgen und somit die Kommission entscheidet, wer zum Kreis der Beteiligten geh&ouml;rt. Einige Dienststellen haben eine Vorreiterrolle bei der Propagierung des zivilen Dialogs eingenommen und sind offener, d. h. sie haben sich &uuml;ber den Kreis der Beteiligten mit Vertretern der Zivilgesellschaft geeinigt. Die n&auml;chste Frage ist dann, wie die Kommission mit den Stellungnahmen der zivilgesellschaftlichen Verb&auml;nde umgeht. Die formalen Regelungen erscheinen zun&auml;chst zufriedenstellend, doch es fehlen wichtige Elemente und die Praxis l&auml;sst zu w&uuml;nschen &uuml;brig. Bei der Online-Konsultation hat die Kommission sich verpflichtet, die Konsultationsergebnisse in einem Bericht zusammenzufassen. Nur wenige dieser Berichte sind wirklich aussagekr&auml;ftig in dem Sinne, dass sie das in den Stellungnahmen enthaltene F&uuml;r und Wider angemessen aufgreifen und daraus Schlussfolgerungen f&uuml;r das weitere Vorgehen der Kommission ziehen. Viele Berichte beschr&auml;nken sich auf rein statistische Zusammenfassungen. Durchg&auml;ngig wird in den Berichten der Eindruck vermittelt, dass die &uuml;berw&auml;ltigende Mehrheit der Stellungnahmen im Sinne der Kommission ausgefallen ist. Bei unserer eigenen Durchsicht konnten wir diesen Eindruck allerdings nur selten teilen. Mit anderen Worten, wir gewannen den Eindruck einer im eigenen Interesse wohlmeinenden, um nicht zu sagen manipulativen Interpretation. An diesem Punkt haben die gesellschaftlichen Interessenvertreter auch immer wieder nachgehakt und die Kommission aufgefordert, inhaltlich zu begr&uuml;nden, warum sie alternative Vorschl&auml;ge nicht aufgreift. Die Forderung nach &#8222;feed-back&#8220; und &#8222;reason-giving&#8220; wird seit Jahren immer wieder gestellt.</p>
<p>Man muss allerdings anerkennen, dass sich die Kommission hier in einem doppelten Dilemma befindet: Zum einen ist die Zahl der Stellungnahmen sehr oft klein und ein Blick auf die beteiligten Organisationen l&auml;sst Zweifel an der Repr&auml;sentativit&auml;t des Meinungsbildes aufkommen. Zum anderen hat die Kommission zwar ein Initiativrecht, aber sie muss im Interesse einer &Uuml;bereinkunft mit dem Rat und dem Europ&auml;ischen Parlament kompromissf&auml;hig sein. Bindet sie sich einseitig an das Konsultationsergebnis, wird sie unflexibel und verliert damit an Einfluss. Der plakative Verweis, dass die Kommission in den Konsultationen breite Unterst&uuml;tzung gewonnen habe, hilft dagegen, um dem Kommissionsvorschlag in den Verhandlungen mit Regierungen und dem Europ&auml;ischen Parlament politisches Gewicht zu verleihen.</p>
<h5>Inner&shy;ver&shy;band&shy;liche Demokratie? </h5>
<p>Ein ausgewogener Pluralismus, die Chance der differenzierten Offenlegung der eigenen Anliegen und die Ansprechbarkeit der politisch Verantwortlichen sind wichtige Elemente einer demokratischen Partizipation. Ein Kernelement aber ist die demokratische Qualit&auml;t der Repr&auml;sentation der Interessen. Demokratische Repr&auml;sentation des B&uuml;rgerwillens oder doch zumindest des Willens der Mitglieder einer Organisation setzt voraus, dass die Verbandsspitze auf der Grundlage eines Mandats handelt oder doch zumindest nachtr&auml;glich f&uuml;r ihr Handeln zur Rechenschaft gezogen werden kann. Bevorzugte Gespr&auml;chspartner der Kommission sind europ&auml;ische Verb&auml;nde, die m&ouml;glichst das breite Meinungsspektrum aus den Mitgliedstaaten schon auf eine gemeinsame Position gebracht haben. Es sind Verbandsverb&auml;nde, die ihrerseits oft schon Verbandsverb&auml;nde als Mitglieder haben. Um ihren Anliegen mehr Gewicht zu verleihen, haben sich gerade die europ&auml;ischen NGOs noch zu Plattformen oder Netzwerken zusammengeschlossen. Das erleichtert zwar die Kommunikation unter den EU-Verb&auml;nden mit gleichgerichteten Interessen, erschwert aber erheblich die Kommunikation mit der Basis. Ein demokratischer Willensbildungsprozess m&uuml;sste &uuml;ber viele Stufen laufen, um die Anliegen der Basis wirkungsvoll nach Br&uuml;ssel zu vermitteln. Bei unserer Untersuchung haben wir bis zu 13 Stufen gez&auml;hlt, die ein Verband &uuml;berbr&uuml;cken muss bevor er beim B&uuml;rger landet. Um die Ineffizienz eines solchen mehrstufigen Verfahrens zu vermeiden, haben viele EU-Verb&auml;nde in letzten Jahren verst&auml;rkte Anstrengungen unternommen, die Kommunikationsl&uuml;cke zu ihren Mitgliedern durch eine professionelle Informationspolitik zu schlie&szlig;en. Neben den Jahrestagungen, die den Delegierten der angeschlossenen (nationalen) Verb&auml;nde offenstehen und auf denen die Richtlinien der Arbeit beschlossen werden, haben einige Verb&auml;nde ihre Arbeitsaussch&uuml;sse f&uuml;r Aktivisten ge&ouml;ffnet, die nicht vom nationalen Mitgliedsverband delegiert wurden, sondern aus eigenem Interesse teilnehmen. Das verbreitert die Partizipation, f&ouml;rdert aber die Informalisierung der Politik und behindert Kontrolle und Verantwortung. Zunehmend werden sich die europ&auml;ischen Verb&auml;nde ihres eigenen demokratischen Defizits bewusst. Doch im Unterschied zu den international t&auml;tigen Verb&auml;nden haben sie bisher wenige Anstrengungen unternommen, um innerverbandliche Demokratie und Verantwortlichkeit zu verbessern.</p>
<h5>Eine ern&uuml;ch&shy;ternde Bilanz </h5>
<p>Das Fazit zum zivilen Dialog lautet deshalb, dass auf der Habenseite eine Pluralisierung der in Br&uuml;ssel aktiven Interessengruppen und der in den Konsultationen pr&auml;senten Meinungen stattgefunden hat. Ungleichgewichte sind nach wie vor vorhanden, wenn auch gemildert. Demokratische Partizipation ist damit aber nicht erreicht, denn es fehlt die R&uuml;ckbindung an den B&uuml;rger. Effektive Einflussnahme, die ein wichtiges Merkmal demokratischer Partizipation ist, ist ebenfalls nicht gew&auml;hrleistet und das ist auch gut so. Da die Konsultationen weit ab vom B&uuml;rger stattfinden und weder die Interessengruppen, die in seinem Namen sprechen, noch die Kommission, die sich anheischt, das &#8222;europ&auml;ische Interesse&#8220; zu vertreten, einer demokratischen Kontrolle unterliegen, w&auml;re politische Mitbestimmung &uuml;ber den Weg des zivilen Dialogs ein R&uuml;ckschritt statt ein Fortschritt in Demokratie.</p>
<p>Leider hat die St&auml;rkung der Br&uuml;sseler Interessengruppen zwei bedenkliche Nebeneffekte, die selten beachtet werden. Zum einen hat die notwendige und von der Kommission aktiv gef&ouml;rderte Professionalisierung zur Folge, dass gerade bei den NGOs der Charme der sozialen Bewegungen verlorengeht. Die Streitkultur wird verdr&auml;ngt von werbetr&auml;chtigen Kampagnen und sch&ouml;n gestaltete Webseiten, die &uuml;brigens &uuml;berwiegend von der Kommission bezahlt werden. Es geht um Motivierung f&uuml;r eine gute Sache, so wie sie die Br&uuml;sseler Funktionselite sieht, und nicht um den Austausch und die Auseinandersetzung mit Ideen, die von der Basis her kommen. Zum anderen ist bei allen EU-Verb&auml;nden ein Hang zur Zentralisierung zu beobachten. Den meist von der Kommission finanzierten NGOs kann man nicht den Vorwurf machen, dass sie als Sprachrohr der Kommission fungieren. Sie vertreten h&auml;ufig mit Nachdruck eine abweichende Meinung zur vorgeschlagenen Strategie. Aber die Strategie, die sie bevorzugen, visiert immer eine europ&auml;ische L&ouml;sung an.</p>
<p>Dieser Zentralisierungsschub ist auch in der Europ&auml;ischen B&uuml;rgerinitiative eingebaut. Nach dem Vertrag kann dieses Instrument n&auml;mlich nur genutzt werden, um die Europ&auml;ische Kommission aufzufordern, durch geeignete Gesetzesvorschl&auml;ge die Umsetzung der Vertr&auml;ge voranzubringen. Die Neigung des Europ&auml;ischen Parlaments, sich der Europ&auml;ischen B&uuml;rgerinitiative zu bedienen, um in der europ&auml;ischen Gesetzgebung initiativ zu werden, wird diese Tendenz noch verst&auml;rken. Die Sto&szlig;richtung der bisher vorliegenden EBI zeigt zus&auml;tzlich, dass sie bevorzugt eingesetzt werden, um die Zust&auml;ndigkeit der EU zu erweitern, und au&szlig;erdem von ohnehin pro-europ&auml;ischen Gruppen lanciert werden.</p>
<p>Leider muss ich so mit einem skeptischen Unterton schlie&szlig;en: zivilgesellschaftliche Partizipation, ziviler Dialog und Europ&auml;ische B&uuml;rgerinitiative wurden als Beitrag zur Demokratisierung der EU gepriesen. Tats&auml;chlich funktionieren sie nach den Vorgaben einer europ&auml;isch ausgerichteten Elite und bef&ouml;rdern die Zentralisierung der Macht, deren Kontrolle dem B&uuml;rger immer mehr entgleitet.</p>
<p><i>* Der Beitrag ist die &Uuml;berarbeitung eines Vortrages, der auf dem Gustav-Heinemann-Forum am 11.05.2012 gehalten wurde. </i></p>
<p><b>Anmerkungen:</b></p>
<p>1 Eine &Uuml;bersicht findet sich in Green European Foundation 2010: S. 64&#8211;65.</p>
<p>2 Es muss ein B&uuml;rgerausschuss gebildet werden, der aus 7 B&uuml;rgern besteht, die aus 7 unterschiedlichen EU-Staaten kommen; f&uuml;r die Zahl der Unterst&uuml;tzer sind Mindestzahlen f&uuml;r jedes Land vorgegeben, die sich aus einem Vielfachen der Sitze des Europ&auml;ischen Parlaments errechnen und somit ungef&auml;hr der Bev&ouml;lkerungsgr&ouml;&szlig;e entsprechen.</p>
<p>3 Eine B&uuml;rgerinitiative ist in jedem Bereich m&ouml;glich, in dem die Kommission nach den Vertr&auml;gen befugt ist, einen Rechtsakt vorzuschlagen.</p>
<p>4 <a href="http://www.greenpeace.org/eu-unit/en/News/2010/first-citizens-initiative/" target="_blank" rel="noopener">http://www.greenpeace.org/eu-unit/en/News/2010/first-citizens-initiative/</a> (28.07.2012)</p>
<p>5 <a href="http://ec.europa.eu/citizens-initiative/public/initiatives/ongoing" target="_blank" rel="noopener">http://ec.europa.eu/citizens-initiative/public/initiatives/ongoing</a> (28.07.2012)</p>
<p>6 <a href="http://www.ebi-grundeinkommen.de/" target="_blank" rel="noopener">http://www.ebi-grundeinkommen.de/</a> (28.07.2012)</p>
<p>7 <a href="http://ec.europa.eu/citizens-initiative/public/initiatives/ongoing" target="_blank" rel="noopener">http://ec.europa.eu/citizens-initiative/public/initiatives/ongoing</a> und <a href="http://www.right2water.eu/" target="_blank" rel="noopener">http://www.right2water.eu/</a> (29.07.2012)</p>
<p>8 <a href="http://www.free-sunday.eu/" target="_blank" rel="noopener">www.free-sunday.eu</a> (29.07.2012).</p>
<p>9 Siehe <a href="http://ec.europa.eu/citizens-initiative/public/basic-facts" target="_blank" rel="noopener">http://ec.europa.eu/citizens-initiative/public/basic-facts</a> (15.08.2012).</p>
<p>10 COM(2011) 700 final; <a href="http://ec.europa.eu/food/animal/welfare/transport/docs/10112011_report_en.pdf" target="_blank" rel="noopener">http://ec.europa.eu/food/animal/welfare/transport/docs/10112011_report_en.pdf</a> (15.08.2012).</p>
<p>11 <a href="http://www.euroedtrust.eu/" target="_blank" rel="noopener">www.EuroEdTrust.eu</a> (15.08.2012).</p>
<p>12 <a href="http://www.f2020.eu/" target="_blank" rel="noopener">www.F2020.eu</a> (15.08.2012).</p>
<p>13 <a href="http://ec.europa.eu/food/animal/welfare/transport/docs/executive_summary_study_en.pdf" target="_blank" rel="noopener">http://ec.europa.eu/food/animal/welfare/transport/docs/executive_summary_study_en.pdf</a> (15.08.2012).</p>
<p>14 Die Verordnung sieht je nach Tierart unterschiedliche Fahrtzeiten vor: Schweine und Pferde 24 Stunden Transport, Rinder, Schafe und Ziegen 28 Stunden Transport, wobei den Letzteren eine Zeit zur Tr&auml;nkung einger&auml;umt wird. Die genannten Transportabschnitte k&ouml;nnen wiederholt werden, wenn die Tiere zwischenzeitlich entladen, gef&uuml;ttert und getr&auml;nkt werden und 24 Stunden Ruhezeit haben.</p>
<p>15 Siehe u. a. Drucksache 14/3278 Landtag Rheinland-Pfalz &#8211; 14. Wahlperiode; Stellungnahme zum Vorschlag f&uuml;r eine Verordnung des Rates &uuml;ber den Schutz von Tieren beim Transport und allen damit zusammenh&auml;ngenden Vorg&auml;ngen sowie zur &Auml;nderung der Richtlinien 64/432/EWG und 93/119/EG des Rates KOM(2003)425.</p>
<p>16 Bundesrat Drucksache 786/09 (Beschluss) vom 18.12.09.</p>
<p>17 Bundesrat Drucksache 205/10 14.04.10 Unterrichtung durch die Bundesregierung.</p>
<p>18 <a href="http://europa.eu/take-part/blogs/index_de.htm" target="_blank" rel="noopener">http://europa.eu/take-part/blogs/index_de.htm</a> (12.08.2012).</p>
<p>19 <a href="http://ec.europa.eu/yourvoice/consultations/index_de.htm" target="_blank" rel="noopener">http://ec.europa.eu/yourvoice/consultations/index_de.htm</a> (12.08.2012).</p>
<p>20 Die Ergebnisse sind ausf&uuml;hrlich dargestellt in Kohler-Koch/Quittkat 2011 und kurz zusammengefasst in Kohler-Koch 2012.</p>
<p><b>Literatur </b></p>
<p>Green European Foundation (Hrsg.) (2010): The European Citizens&#8217; Initiative Handbook. Your Guide to the World&#8217;s First Transnational Direct Democracy Tool, Br&uuml;ssel.</p>
<p>Hrbek, Rudolf 2012: Die Europ&auml;ische B&uuml;rgerinitiative: M&ouml;glichkeiten und Grenzen eines neuen Elements im EU-Entscheidungssystem, in: integration 1/2012, S. 35-50.</p>
<p>Kohler-Koch, Beate 2012: Politische Gesellschaft und demokratische Reformierbarkeit der EU, in: Olaf Asbach et al. (Hrsg.) Zur kritischen Theorie der politischen Gesellschaft. Wiesbaden: VS Verlag, S. 237-254 .</p>
<p>Kohler-Koch, Beate und Christine Quittkat 2011: Die Entzauberung der partizipativen Demokratie. Zur Rolle der Zivilgesellschaft bei der Demokratisierung von EU-Governance. Frankfurt/Main: Campus.</p>
<p>Quittkat, Christine 2012:Die EBI als Tor zur europ&auml;ischen Politik: neue Akteure und die EBI, in: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, 8/2012 (im Erscheinen).</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/199-vorgaenge/publikation/perspektiven-zivilgesellschaftlicher-partizipation-in-der-eu/">Perspektiven zivilgesellschaftlicher Partizipation in der EU*</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
