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	<title>Claudia Michels Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>„Gerichtstag halten über sich selbst“</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/pressemeldungen/gerichtstag-halten-ueber-sich-selbst/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Feb 2011 13:46:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienresonanz]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt: Medienresonanz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Fritz Bauers Mahnungen und sein wunderbares Erbe. Frankfurter Rundschau vom 7.2.2011 Fritz Bauer (1903 bis 1968) war ein Mann mit großen Idealen, und er scheute keine Mühe, um nach seiner Rückkehr aus dem Exil mit jungen Leuten ins Gespräch zu kommen. Der Wunsch, an einem Neubeginn in Deutschland mitzuarbeiten, trieb ihn an. Aber er war [weiterlesen]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Fritz Bauers Mahnungen und sein wunderbares Erbe. Frankfurter Rundschau vom 7.2.2011</p>
<p>Fritz Bauer (1903 bis 1968) war ein Mann mit großen Idealen, und er scheute keine Mühe, um nach seiner Rückkehr aus dem Exil mit jungen Leuten ins Gespräch zu kommen. Der Wunsch, an einem Neubeginn in Deutschland mitzuarbeiten, trieb ihn an. Aber er war keiner, der sich in den Mittelpunkt stellte. Sogar in den Frankfurter Auschwitz-Prozessen, die von 1963 bis 1965 stattfanden und die er vorbereitet und ermöglicht hatte, trat der Hessische Generalstaatsanwalt nicht persönlich als Ankläger auf. &#132;Bis in den Tod war er so bescheiden aufgetreten, dass niemand in ihm Hessens höchsten Ankläger vermutet hätte&#147;, schreibt der Autor Horst Krüger. Hilmar Hoffmann registriert in seinem Buch &#132;Die großen Frankfurter&#147;, dass Fritz Bauer von dieser Stadt keine Ehrung erhalten hat, keine Ehrenplakette, keine Ehrenbürgerschaft, keine Goethe-plakette. Erst jetzt zeichnet sich ab, dass eine Straße nach ihm heißen wird: im neuen Stadtteil Riedberg, wo noch andere Nazi-Widerständler ihr Andenken auf einem Straßenschild bekommen haben.</p>
<p>Eine Initiative aus dem Publikum des Naxos- Kinos verlangte im Dezember in einem Brief an die Stadtverordnetenversammlung, neben der Benennung einer Straße oder eines Platzes dem Juristen auch postum &#132;die Ehrenbürgerwürde zu verleihen&#147;. Die Bürger streichen heraus, &#132;welch wunderbares Erbe er uns hinterlassen hat&#147;. Unter &#132;Demokraten aller politischen Richtungen&#147; gelte  Bauer als &#132;ein Mann, der die Modernisierung und Demokratisierung unserer Gesellschaft entscheidend mitbestimmt hat&#147;.</p>
<p>Fritz Bauer, geboren in Stuttgart, war mit 23 Jahren bereits Richter am Landgericht Stuttgart, mit 27 Jahren war er Amtsrichter. Weil er Jude war, wurde der Jurist mit &#132;brilliantem Examen&#147; (Michael Stolleis) ab 1933 in zwei Konzentrationslager eingesperrt, 1935 konnte er nach Dänemark, später weiter nach Schweden flüchten. Mit Willy Brandt, der ebenfalls nach Schweden emigriert war, gründete er eine Zeitschrift &#132;Sozialistische Tribüne&#147;. Nachdem Fritz Bauer als einziger seiner Familie nach Deutschland zurückgekommen war, zog er 1956 nach Frankfurt. Vier Jahre zuvor hatte er in einem Prozess gegen den Major Otto Ernst Remer in Braunschweig erreicht, dass die Ehre der Widerständler des 20. Juli 1944 wiederherge-stellt wurde. Wer sich gegen das NS-Regime gestellt hatte, auch wer emigriert war, wurde bis dahin im Nachkriegsdeutschland gern und oft als Vaterlandsverräter beschimpft. Die Ausgrenzung bedeutete, dass Hinterbliebene von Attentätern und anderen Widerständlern oft nicht mal Renten bekamen. Bauer hatte Erfolg mit seinem Plädoyer, gegen<br />ein verbrecherisches Regime könne es keinen Verrat geben; &#132;das NS-Regime wurde gerichtlich zum Unrechtsstaat erklärt&#147;, bilanziert die Humanistische Union. Diese erste Bürgerrechtsorganisation der Bundesrepublik, in der er auch mitgearbeitet hatte, stiftete unmittelbar nach seinem Tod den &#132;Fritz-Bauer-Preis&#147;, der an seinem Geburtstag verliehen wird. Erste Preisträgerin war 1969 die Frankfurterin Helga Einsele, Justiz-Reformerin wie Fritz Bauer und jahrzehntelange Leiterin des Frauengefängnisses.</p>
<p>&#132;Gerichtstag halten über uns selbst&#147;&#150; das war die Maxime, nach der Fritz Bauer seine Landsleute angesprochen hat. An der Straßenfront des Gerichtsgebäudes an der Konrad Adenauer-Straße ließ er Artikel 1 des neuen Grundgesetzes anschrauben: &#132;<i>Die Würde des Menschen ist unantastbar</i>&#147;. Der Satz steht bis heute für ihn. Er selber, der viele Anfeindungen und Drohbriefe wegstecken musste, hat seinen Erfolg nicht hoch eingeschätzt.</p>
<p>&#132;<i>Ich komme mir vor, als ob die vier Wände auf mich stürzen</i>&#147;, hört man Bauer am Ende des Films von Ilona Ziok sagen. Der Satz fiel kurz vor seinem Lebensende.</p>
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		<title>Das öffentliche Hinsehen</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/pressemeldungen/das-oeffentliche-hinsehen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Feb 2011 12:56:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienresonanz]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt: Medienresonanz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Niederschmetternde Dokumentation über den Aufklärer und Ankläger Fritz Bauer. Frankfurter Rundschau vom 7.2.2011 Wer würde schon einen Generalstaatsanwalt im Café ansprechen. Heiner Halberstadt, der rote Heiner, der hat sich getraut. Es wird 45 Jahre her sein, da hat Halberstadt den Generalstaatsanwalt Fritz Bauer &#132;im Café Hauptwache sitzen sehen, einen Packen Zeitungen vor sich&#147;. Da ist [weiterlesen]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Niederschmetternde Dokumentation über den Aufklärer und Ankläger Fritz Bauer. Frankfurter Rundschau vom 7.2.2011</p>
<p>Wer würde schon einen Generalstaatsanwalt im Café ansprechen. Heiner Halberstadt, der rote Heiner, der hat sich getraut. Es wird 45 Jahre her sein, da hat Halberstadt den Generalstaatsanwalt Fritz Bauer &#132;im Café Hauptwache sitzen sehen, einen Packen Zeitungen vor sich&#147;. Da ist er hingegangen, zu dem Mann mit der Zigarre und hat ihm gesagt: &#132;Ich kenne Sie.&#147; Was nicht direkt wahr war, aber indirekt. Fritz Bauer und Heiner Halberstadt, die hatten eine gemeinsame Freundin, das war Helga Einsele, die spätere Leiterin des Frauengefängnisses. Auch eine Justiz-Reformerin. Auf die Art kamen der Postarbeiter aus Dortmund und der Dr. jur. aus Stuttgart ins Gespräch: &#132;Er war interessiert, wie ich die Nazi-Zeit erlebt und mitgemacht habe&#147;, berichtete Halberstadt (82) am Samstagabend im Club Voltaire. So lange es noch Täter gibt, ist die NS-Vergangenheit für Bauer Gegenwart. Er konnte sie nicht kühl analysieren</p>
<p>Um solche Fragen zu stellen und seine Antworten darauf zu geben, war der jüdische Emigrant Fritz Bauer aus Schweden, wohin er nach der KZ-Haft entkommen war, nach Deutschland zurückgekommen, als einziger seiner Familie: &#132;Die NSVergangenheit kann er nicht kühl analysieren oder historisieren&#147;, schreibt Michael Stolleis im Vorwort der Biographie von Irmtraud Wojak &#150; &#132;sie ist für ihn Gegenwart, solange es noch Täter gibt, die ungeschoren ins bürgerliche Leben zurückgekehrt sind&#147;. So einer war der Antifaschist Heiner nicht, er nahm Fritz Bauer mit in den Club Voltaire:,&#132;Vielleicht zweimal war er hier.&#147; Um von Bauer mehr zu hören, waren amSamstag viele, viele Menschen in den Club geströmt, nicht mehr als ein paar Quadratzentimer Platz gab es drinnen für die meisten. Heiner Halberstadt hat sich später gefragt: &#132;Woher kommt bloß plötzlich das Interesse?&#147; Die offizielle Geschichtsschreibung der hiesigen Historischen Kommission etwa hat nämlich Fritz Bauer, auf dessen Engagement hin nicht zuletzt die Auschwitz-Prozesse in Gang kamen, im Standardwerk &#132;Frankfurter Biographie&#147; knapp acht Zeilen gewidmet. Das Buch ist 1994 erschienen. Es gab an dem Abend im Club die Gelegenheit den Film &#132;Fritz Bauer &#150;Tod auf Raten&#147; zu sehen, eine ausführlich recherchierte, aufschlussreiche, niederschmetternde Dokumentation über das Bemühen des Aufklärers und Anklägers Bauer, &#132;die Öffentlichkeit zum Hinsehen zu bringen&#147;, wie Michael Stolleis es nennt. Dieser bescheidene schwäbisch-jüdische Idealist war es, der in der Auseinandersetzung mit der grausamen Vergangenheit die Zeitenwende vorbereitete. Dabei hat er sich hier, wie man im Film hört, &#132;im Feindesland&#147; gefühlt. &#132;Also der Bauer hatte eigentlich nur Feinde&#147;, urteilt sein Freund Gerhard Zwerenz vor der Kamera. Fritz Bauer selber, mit zerfurchtem Gesicht und nuscheliger Aussprache, mochte manchmal &#132;verzweifeln, wenn man sieht, wie schwer die Aufgabe ist&#147;. Im letzten Bild des Films sieht man seinen Neffen Rolf Tiefenthal beim Gang zum Grab des Onkels; und nach dem Abspann stehen dieWorte im Raum: &#132;Ich glaube, die Deutschen hatten Angst vor ihm. Aber er hat sie besiegt.&#147; Da verharrt die zusammengequetschte Gästeschar im Club erst Mal ein paar Momente wie betäubt. Seit die hessische Erstaufführung im Frankfurter Naxos-Kino unter dem Titel &#132;Fritz Bauer ermordet?&#147; angekündigt war, seit eine weitere Aufführung zunächst vom Produzenten verboten wurde, ist der Film ein Renner. Wie und warum Bauer gestorben ist, den man im Sommer 1968 in seiner Frankfurter Wohnung tot in der Badewanne fand, das wird im Film von Freunden, Verwandten und Mitstreitern immer wieder angesprochen. Der Berliner Filmemacherin Ilona Ziok ist dieser Tod auch nicht geheuer, wie man heraushören konnte. Denn nach der Obduktion (die keine &#132;nach der Strafprozessordnung&#147; war), hielten die Gutachten &#132;Alkohol und Gift im Blut&#147; fest. Noch einen Tag nach dem Tod Bauers sei ein Wert von 1,0 Promille festgestellt worden; was bedeute, dass der Mann zum Todeszeitpunkt 2,0 Promille Alkohol im Blut gehabt haben müsse. Die Akte darüber hätte die Staatsanwaltschaft &#132;nicht rausgegeben&#147;, sie hätte &#132;kein Aktenzeichen&#147; getragen.</p>
<p>Die Umstände seines Todes sollten die Umstände seines Lebens im Nachkriegsdeutschland nicht überlagern</p>
<p>&#132;Jeder Zeitzeuge&#147;, sagte die Regisseurin, hat mich als erstes gefragt, ob ich weiß, wie er zu Tode gekommenist&#147;. Dass aber nun die Fragen nach den Umständen des Todes von Fritz Bauer die nach den Umständen seines Lebens im Nachkriegsdeutschland überlagern, das erregt die Filmemacherin. Im Club schien sie ihren Film verteidigen zu wollen. In dem Titel &#132;Tod auf Raten&#147; sei keineswegs eine Mordthese verborgen; &#132;es geht darum, dass Fritz Bauer nach und nach zugrunde gerichtet wurde, in seiner Arbeit&#147;. Bald werde der Film in Frankreich, Polen und Russland gezeigt, dann könne man &#132;das nicht mehr wegschieben&#147;, Fast beiläufig fiel dann noch, dass &#132;auch die ARD&#147; ihn ins Programm nehme.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/pressemeldungen/das-oeffentliche-hinsehen/">Das öffentliche Hinsehen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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