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	<title>Eike Emrich Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>Was darf es kosten?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Aug 2018 20:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zur Zahlungsbereitschaft f&#252;r olympische Medaillen und zur Finanzierung des deutschen Spitzensports. In: vorg&#228;nge Nr. 223 (3/2018), S. 75-92 Der Medaillenspiegel am Ende olympischer Wettbewerbe bringt die sportpolitischen Erfolge oder Misserfolge der Nationen auf den Punkt. Eine gute Platzierung im Ranking der Medaillen gilt zumeist als Ausweis einer erfolgreichen F&#246;rderung des Spitzensports im Land, deren finanzieller [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/223/publikation/was-darf-es-kosten-1/">Was darf es kosten?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Zur Zahlungsbereitschaft f&uuml;r olympische Medaillen und zur Finanzierung des deutschen Spitzensports. In: vorg&auml;nge Nr. 223 (3/2018), S. 75-92</p>
<p><i>Der Medaillenspiegel am Ende olympischer Wettbewerbe bringt die sportpolitischen Erfolge oder Misserfolge der Nationen auf den Punkt. Eine gute Platzierung im Ranking der Medaillen gilt zumeist als Ausweis einer erfolgreichen F&ouml;rderung des Spitzensports im Land, deren finanzieller Aufwand auch &uuml;ber die gewonnenen Medaillen legitimiert wird. Doch wie hoch ist die &#8222;Nachfrage&#8220; nach deutschen Olympiamedaillen von Seiten der Bev&ouml;lkerung eigentlich? Und wie viel Geld sind die Menschen bereit, f&uuml;r den Spitzensport auszugeben? Diese Fragen beantwortet das Autor*innenteam des folgenden Beitrags, indem es Sportf&ouml;rderung und Medaillengewinne als die beiden Seiten der &Ouml;konomie des Sports betrachtet und zwei Umfragen zur Zahlungsbereitschaft der Deutschen f&uuml;r den Spitzensport auswertet. Ihre Untersuchung bietet zugleich einige Anhaltspunkte daf&uuml;r, wie die staatliche F&ouml;rderpolitik verbessert werden kann.</i></p>
<h2 class="auto-created">Einleitung</h2>
<p><i>&#8222;The olympic games are competitions between athletes in individual or team events and not between countries&#8220;</i> (IOC 2011: 19). Gleichwohl werden olympische Sportwettbewerbe medial h&auml;ufig im Medaillenspiegel als eine Konkurrenz der teilnehmenden Nationen inszeniert. Nicht selten wird hierzulande der Eindruck erweckt, es w&uuml;rden von deutschen Sportlern zu wenige Medaillen &#8222;produziert&#8220;. Tats&auml;chlich ist allerdings wenig &uuml;ber die wirkliche Nachfrage nach Medaillen in der Bev&ouml;lkerung bekannt, weshalb auch niemand die Frage beantworten kann, ob der Staat &uuml;berhaupt den Medaillengewinn auf Kosten des Steuerzahlers finanzieren sollte und ob aus Sicht der Bev&ouml;lkerung zu viele oder zu wenige Medaillen produziert werden.[1)</p>
<p>Wie das Sozialprodukt optimal zwischen der Produktion &ouml;ffentlicher und privater G&uuml;ter aufzuteilen ist, diskutierte bereits Wicksell (1896). &Ouml;ffentliche G&uuml;ter k&ouml;nnen nicht am Markt gehandelt werden. Ihre Nutzung erfolgt ohne Rivalit&auml;t im Konsum und damit ohne marktgebundene Knappheitsindikatoren.[2] Daraus folgt zwangsl&auml;ufig eine permanent steigende Nachfrage und zunehmende Produktion &ouml;ffentlicher G&uuml;ter. Beg&uuml;nstigt werden solche &Uuml;berproduktionen &ouml;ffentlicher G&uuml;ter dadurch, dass Politiker die daraus resultierenden finanziellen Folgen, die meist erst nach dem Ende ihrer jeweiligen Wahlperiode anfallen, langfristig Dritten (sprich: dem Steuerzahler) &uuml;berantworten. Langfristige Kostendeckungsvorschl&auml;ge werden vermieden und die Kosten &uuml;ber die Zeit systematisch untersch&auml;tzt, zudem entwickelt sich ein stummer Konsens zwischen den beteiligten Parteien, sich gegenseitig bei der Ausweitung der Produktion &ouml;ffentlicher G&uuml;ter zu unterst&uuml;tzen. Das systematische Untersch&auml;tzen langfristiger Kosten erleichtert diese Form der Kooperation. Ein neues Stadion oder ein Schwimmbad sind schnell gebaut, laufende Betriebs- und langfristige Erhaltungskosten bleiben entweder aktuell unber&uuml;cksichtigt oder werden zu niedrig angesetzt, fallen aber in der Zukunft in Form von Erhaltungs- und Sanierungsaufwand in voller H&ouml;he und dauerhaft an &ndash; selbst bei Nichtnutzung (s. nicht mehr genutzte Olympiabauten). Aktuell gew&auml;hrte Subventionen verst&auml;rken diesen Prozess, da Subventionen in der Regel nur zum Aufbau neuer, nicht jedoch zur Unterhaltung der bestehenden Anlagen verwendet werden d&uuml;rfen. So sind selbst finanziell schw&auml;chere Gemeinden oder St&auml;dte kurzfristig in der Lage, den Ausbau bzw. Aufbau &ouml;ffentlicher G&uuml;ter zu finanzieren, deren Unterhalt sie in den nachfolgenden Jahren und Jahrzehnten stark belastet, wenn nicht gar &uuml;berfordert.</p>
<p>Dieses Zusammenspiel der politischen Kr&auml;fte l&auml;sst sich auch bei der Spitzensportf&ouml;rderung und ihrem staatlichen Ziel, dem Medaillengewinn beobachten (Haut, Emrich &amp; Prohl 2016; Emrich, Gassmann, Haut, Pierdzioch &amp; Prohl 2016). Teile der Medien kommunizieren die gewonnene Zahl nationaler Medaillen, vergleichen sie mit fr&uuml;heren Medaillenerfolgen und kommen so zumindest bei Sommerspielen zur These von der fortschreitenden Krise des Leistungssports. Ein bedrohlicher R&uuml;ckgang der nationalen sportlichen Erfolge wird von ihnen teilweise als Indikator f&uuml;r eine allgemeine Krise der Leistungsf&auml;higkeit der Nation interpretiert. Das provoziert legitimierende Reaktionen des organisierten Sports (vgl. zu &auml;hnlichen Mustern am Beispiel von Fangewalt Anthonj, Emrich &amp; Pierdzioch 2015): Auf die Medienberichte reagiert gew&ouml;hnlich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), der in &Uuml;bereinstimmung mit den Spitzenverb&auml;nden reflexhaft mehr Geld f&uuml;r die Sportf&ouml;rderung fordert, gleichzeitig aber auch Defizite in der Vorbereitung und F&ouml;rderung der Athleten durch einzelne Spitzenverb&auml;nde beklagt (zur Spitzensportfinanzierung s. Emrich, Pierdzioch &amp; Flatau 2011; Emrich, Pierdzioch &amp; Rullang 2013). Der Bundesminister des Inneren verweigert die deutliche Erh&ouml;hung von F&ouml;rdermitteln mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit eines effizienteren F&ouml;rdersystems und fordert Organisationsreformen, deren Entwicklung er aktuell f&ouml;rdert (s. das PotAS-System, mit dessen Hilfe der DOSB in Abstimmung mit dem Bundesminister des Inneren versucht, ein umfassendes Kriteriensystem zur Einsch&auml;tzung des k&uuml;nftigen Medaillenpotentials einer Sportart als Grundlage der Mittelzuweisung zu entwickeln).[3] In diesem Kontext erwartet er bei ann&auml;hernd gleicher F&ouml;rderh&ouml;he 30 Prozent mehr Medaillen, geht also von erheblichen Rationalisierungsreserven und einer aktuell ineffizienten Organisation aus.[4] Dahinter steckt aber auch die Idee einer klaren Plan- und Produzierbarkeit sportlichen Erfolgs.</p>
<p>Die staatliche Subventionierung der Medaillenproduktion f&uuml;hrt so zu einem dauerhaft kommunizierten Mangel gewonnener Medaillen. Sie ist gleichzeitig sowohl f&uuml;r eine eventuelle, die Zahlungsbereitschaft &uuml;berschreitende &Uuml;berproduktion als auch f&uuml;r Klagen &uuml;ber den (tats&auml;chlichen oder vermeintlichen) Mangel an Medaillen verantwortlich.[5]</p>
<p>Der Bundesminister des Inneren unterstellt dabei, dass in der Bev&ouml;lkerung grunds&auml;tzlich eine hohe Nachfrage nach Medaillen besteht. Wenn diese Annahme falsch w&auml;re, w&uuml;rde dies bedeuten, dass viel mehr Steuergelder f&uuml;r die Medaillenproduktion ausgegeben werden, als die Bev&ouml;lkerung selbst zu zahlen bereit ist. Zur Beantwortung der Frage, ob die Kosten der Medaillenproduktion zu rechtfertigen sind, vergleichen wir im Folgenden die Zahlungsbereitschaft der Bev&ouml;lkerung mit den Kosten der Bereitstellung der Medaillen.[6]</p>
<h2 class="auto-created">Zahlungsbereitschaft</h2>
<p>Der Zahlungsbereitschaft der Bev&ouml;lkerung f&uuml;r Medaillenerfolge kommt in der (sport-)politischen Diskussion eine Schl&uuml;sselrolle zu. Deshalb wird seit einigen Jahren in der sport&ouml;konomischen Forschung die Methode der <i>Willingness to Pay </i>(WTP) eingesetzt, um die Zahlungsbereitschaft der Bev&ouml;lkerung zu ermitteln (u.a. Breuer &amp; Hallmann 2011; Wicker, Hallmann, Breuer &amp; Feiler 2012; Bakkenb&uuml;ll &amp; Dilger 2017; Rohkohl &amp; Flatau 2017).[7]</p>
<p>Die bisherigen Studien zur Ermittlung der Zahlungsbereitschaft f&uuml;r den Leistungssport weisen in der Art der Fragestellungen (offene/geschlossene Fragen), in der Einleitung und Einordnung des Themas, der Abfrage konkreter Zahlungsbetr&auml;ge und -modi zahlreiche Unterschiede auf, weshalb ihre Ergebnisse kaum vergleichbar sind. Angesichts des diffusen Forschungsstandes sollen im vorliegenden Beitrag auf der Grundlage neu erhobener Daten drei Fragen empirisch beantwortet werden:</p>
<ol>
<li>Wie sieht die Nachfrage der Bev&ouml;lkerung nach Medaillen aus?</li>
<li>Wie sieht die Spenden- bzw. Zahlungsbereitschaft der Bev&ouml;lkerung f&uuml;r Medaillen aus?</li>
<li>Welche Faktoren bestimmen die Spenden- bzw. Zahlungsbereitschaft?</li>
</ol>
<h2 class="auto-created">Daten</h2>
<p>Zur Untersuchung der WTP im Sinne der Bereitschaft, Athleten durch Spenden zu f&ouml;rdern, wurde ein Datensatz aus zwei Befragungen anl&auml;sslich der Olympischen Spiele in London (2012) und Rio de Janeiro (2016) erstellt. Dies war m&ouml;glich, da in den beiden Erhebungen bis auf eine Ausnahme Fragen mit exakt gleichem Wortlaut und Antwortm&ouml;glichkeiten gestellt wurden.</p>
<p>Die Daten anl&auml;sslich der Olympischen Spiele in London wurden von Mai bis Oktober 2012 mittels einer Online- und Paper-Pencil-Befragung erhoben. Der Fragebogen wurde in Online- und Printausgaben von (deutschen?) Zeitungen mit dem entsprechenden Link beworben. Dies f&uuml;hrt zu einer &Uuml;berrepr&auml;sentation von jungen, hoch gebildeten Teilnehmern. Um auch andere Gruppierungen zu erreichen, wurde der Fragebogen als Print-Version in Hessen und im Saarland zus&auml;tzlich an ausgew&auml;hlten Orten direkt eingesetzt (N=899; zur Methodik und zu den Datens&auml;tzen vgl. im Detail Haut et al., 2016; Gassmann et al., 2018).</p>
<p>Im Vorfeld und Nachgang der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro wurde von Juli bis August 2016 eine standardisierte Online-Befragung durchgef&uuml;hrt. Die Mitgliedsorganisationen der Deutschen Olympischen Akademie gaben den Hinweis auf die Befragung an ihre Mitglieder weiter und leiteten sie in &Uuml;bersetzungen an die jeweiligen nationalen Pendants der Olympischen Akademien in anderen L&auml;ndern weiter. Dabei kamen sowohl der E-Mail-Verteiler als auch Facebook zum Einsatz. Mit diesem Schneeballverfahren wurden 710 Personen erreicht, die an der Befragung teilnahmen (davon 565 in Deutschland). Durch die Art der Gewinnung der Befragungsteilnehmer handelt es sich um eine selektive Stichprobe von an Olympischen Spielen interessierten sportaffinen Personen. F&uuml;r eine bessere Vergleichbarkeit wurden aus dem Gesamtdatensatz alle nicht in Deutschland lebenden Personen ausgeschlossen. Damit standen f&uuml;r die Auswertungen die Angaben von insgesamt 1.464 Personen zur Verf&uuml;gung. Um m&ouml;gliche Unterschiede zwischen den Befragten aus den beiden Stichproben aufzuzeigen, wurden die Auswertungen teilweise f&uuml;r den Gesamtdatensatz und teilweise f&uuml;r die Einzeldatens&auml;tze durchgef&uuml;hrt.</p>
<p>61% der Befragten waren M&auml;nner (39% Frauen). Im Durchschnitt waren die Befragten 42 Jahre alt (Standardabweichung 17, MIN: 14, MAX: 88), mehrheitlich mit hohem Bildungsniveau (Sch&uuml;ler: 2%, Hauptschulabschluss: 8%, Mittlere Reife: 17%, Fachabitur: 10%, Abitur: 63%; s. Haut et al., 2016). Das hohe Bildungsniveau spiegelt sich auch im Netto-Einkommen der Haushalte wider, welches mittels vorgegebener Antwortkategorien erfasst wurde.[8] Der Median lag hier zwischen 2250 &euro; und 2500 &euro;. Die Befragten sind mehrheitlich (82%) oder waren fr&uuml;her (14%) sportlich aktiv.</p>
<p>Tabelle 1 gibt verschiedene Einstellungen wieder, etwa zum Nationalstolz, das Interesse am Medaillenspiegel generell, am deutschen Abschneiden sowie am Erfolg der deutschen Athletinnen und Athleten und den genutzten Informationskan&auml;len(vgl. auch Emrich et al. 2016: 51). Insgesamt sind die Befragten im Durchschnitt eher stolz darauf, Deutsche zu sein, sie interessieren sich nicht sehr f&uuml;r den Medaillenspiegel und es ist ihnen auch nicht &uuml;berm&auml;&szlig;ig wichtig, dass Deutschland bei den Olympischen Spielen viele Medaillen gewinnt. F&uuml;r die Werte in Tabelle 1 ist zu beachten, dass die Mittelwerte aufgrund der differierenden Skalenbreite von 1 bis 5 bzw. 1 bis 4 nicht direkt miteinander vergleichbar sind.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" border="1" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/emrich1.jpg" width="380" height="283" alt=""></p>
<p>Tabelle 1: &Uuml;bersicht der verwendeten Einstellungsskalen</p>
<p>Die Befragten nutzen durchschnittlich 2,4 unterschiedliche Medienarten, um sich &uuml;ber die Olympischen Spiele zu informieren. Zudem wurde die Evaluationsgl&auml;ubigkeit ermittelt, d.h. die Bereitschaft, sich an externen, vordergr&uuml;ndig rationalen Ratgebern zu orientieren. Um die Evaluationsgl&auml;ubigkeit zu ermitteln, wurden Daten f&uuml;r sieben unterschiedliche Bereiche (Pop-Song, Oper, Buch, Film, Theater, Kunstwerk, Restaurant) auf einer Skala erfasst, die zwischen den Erhebungen 2012 und 2016 differierte. In 2012 wurde eine vierstufige Skala (von 1 &#8217;stimme &uuml;berhaupt nicht zu&#8216; bis 4 &#8217;stimme voll und ganz zu&#8216;) und in 2016 eine f&uuml;nfstufige Skala (von 1 &#8217;stimme &uuml;berhaupt nicht zu&#8216; bis 5 &#8217;stimme voll und ganz zu&#8216;) erhoben; letztere wurde deshalb auf eine 4-stufige Skala transformiert. Die so erhobene Evaluationsgl&auml;ubigkeit ist im Mittel mit 2,2 eher gering ausgepr&auml;gt.</p>
<h2 class="auto-created">Ergebnisse zur Zahlungs&shy;be&shy;reit&shy;schaft</h2>
<p>Die WTP wurde mittels zweier miteinander verkn&uuml;pfter Konzepte erfragt. Zun&auml;chst wurde nach der Bereitschaft gefragt, die Olympiateilnehmer/-innen durch eine j&auml;hrliche Spende zu f&ouml;rdern; anschlie&szlig;end nach der Spendenbereitschaft, &#8222;damit Deutschland im Medaillenspiegel ganz vorne ist.&#8220; Beide Fragen waren als hybride Fragen mit den Antwortkategorien &#8222;nein&#8220; bzw. &#8222;ja, und zwar ____&euro; j&auml;hrlich&#8220; angelegt. Mit dieser im Vergleich zu anderen Studien offenen Fragestellung wird nicht suggeriert, dass man bereit sein m&uuml;sste, Geld zu spenden.[9] Zugleich sieht diese Frageform ausdr&uuml;cklich vor, dass die Spendenbereitschaft verneint werden kann.[10]</p>
<p>Weiterhin beziehen sich Spenden nur auf einmalige Ausgaben, da sie freiwillig sind und auch nur freiwillig wiederholt werden k&ouml;nnen. Mit der gew&auml;hlten Formulierung wird auch der hypothetische Charakter der Frage vermieden, da die (individuelle) Spendenbereitschaft eher einem tats&auml;chlich realisierbaren Verhalten entspricht, im Gegensatz zur Erfassung der WTP auf der Grundlage einer fiktiven Steuererh&ouml;hung bei einer Finanzierung durch die Allgemeinheit.</p>
<p>Konkret wurde in beiden Erhebungen gefragt &#8222;W&auml;ren Sie bereit, f&uuml;r die F&ouml;rderung der Olympiateilnehmer/-innen einen j&auml;hrlichen Beitrag zu spenden?&#8220; Beide Frageb&ouml;gen waren sowohl vor als auch nach den Spielen frei geschaltet (s. Tabelle 2).[11] Insgesamt ein Viertel aller Befragten w&auml;re bereit, j&auml;hrlich einen Beitrag zu spenden, wobei sich die Ergebnisse der beiden Stichproben deutlich unterscheiden: W&auml;hrend es 2016 fast ein Drittel (32%) war, waren 2012 lediglich 19% bereit, einen Betrag zur F&ouml;rderung der Athleten zu spenden. Ob diese Differenz durch eine ver&auml;nderte &ouml;ffentliche Wahrnehmung des Leistungssports bzw. der Athleten oder durch die unterschiedliche Art der Stichprobengenerierung zu erkl&auml;ren ist, kann leider nicht beantwortet werden. In jedem Fall f&auml;llt der Anteil Spendenwilliger im Vergleich zu anderen Studien deutlich geringer aus (vgl. den &Uuml;bersichtsartikel von Gassmann et al. i. Dr.).</p>
<p><img decoding="async" border="1" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/emrich2.jpg" width="380" height="131" alt=""></p>
<p>Tabelle 2: F&ouml;rderbereitschaft f&uuml;r deutsche Olympiateilnehmer/-innen</p>
<p>Die Frage &#8222;W&uuml;rden Sie einen Beitrag spenden, damit Deutschland im Medaillenspiegel ganz vorne ist?&#8220; verneinten insgesamt 94% (s. Tabelle 3), bei marginalen Unterschieden zwischen den Datens&auml;tzen (Ablehnung 93% bzw. 94%). Dies k&ouml;nnte darauf hindeuten, dass die o.g. Differenzen in der Bereitschaft zur F&ouml;rderung der Athleten zwischen den Stichproben nicht auf eine ver&auml;nderte generelle Spendenbereitschaft f&uuml;r den Sport zur&uuml;ckzuf&uuml;hren sind, sondern eine ge&auml;nderte Spendenbereitschaft f&uuml;r die Athletenf&ouml;rderung anzeigen.</p>
<p><img decoding="async" border="1" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/emrich3.jpg" width="380" height="142" alt="">Tabelle 3: F&ouml;rderbereitschaft, damit Deutschland im Medaillenspiegel ganz vorne ist</p>
<p>Die Auswertungen in den Tabellen 4 und 5 beziehen sich auf die Angaben in den offenen Feldern zur H&ouml;he des Spendenbetrags f&uuml;r die F&ouml;rderung der Teilnehmer/-innen bzw. zur Verbesserung der Position im Medaillenspiegel. Im Durchschnitt w&uuml;rden die Befragten 92&euro; zur F&ouml;rderung der Athleten spenden, wobei die Unterschiede zwischen den beiden Stichproben (90&euro; in 2012 und 92&euro; in 2016) marginal sind. In beiden F&auml;llen liegt der Mittelwert jedoch durch sehr hohe Spendensummen deutlich &uuml;ber dem Median: Die H&auml;lfte der Befragten w&uuml;rde mehr als 50&euro; spenden, die Spendenbeitr&auml;ge der &uuml;brigen w&uuml;rden geringer ausfallen.</p>
<p><img decoding="async" border="1" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/emrich4.jpg" width="380" height="175" alt="">Tabelle 4: H&ouml;he der Spendenbereitschaft f&uuml;r Teilnehmer der Olympischen Spiele</p>
<p>Die Bereitschaft, Geld f&uuml;r eine vordere Platzierung im Medaillenspiegel zu spenden, f&auml;llt geringer aus als die zur F&ouml;rderung der Teilnehmer (s. Tabelle 5): die Befragten sind bereit, durchschnittlich 58&euro; daf&uuml;r zu spenden, jedoch betr&auml;gt der Median auch hier 50&euro;. Auff&auml;llig sind st&auml;rkere Differenzen im Mittelwert (2012: 48&euro; | 2016: 72&euro;) bzw. beim Median (2012: 23&euro; | 2016: 100&euro;).[12]</p>
<p><img decoding="async" border="1" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/emrich5.jpg" width="380" height="172" alt="">Tabelle 5: H&ouml;he der Spendenbereitschaft f&uuml;r eine bessere Platzierung Deutschlands im Medaillenspiegel.</p>
<h2 class="auto-created">Deter&shy;mi&shy;nanten der Zahlungs&shy;be&shy;reit&shy;schaft</h2>
<p>Aufgrund des geringen Stichprobenumfangs und des damit verbundenen Stichprobenfehlers werden in der weiteren Analyse nur die Daten zur Athletenf&ouml;rderung herangezogen (s. Tabellen 2 und 4). Um Einflussfaktoren auf die Spendenbereitschaft zu pr&uuml;fen, wurde &uuml;ber alle Befragten eine logistische Regression[13] gerechnet, zur Pr&uuml;fung der H&ouml;he der Spendenbereitschaft eine lineare Regression.[14] In die Analyse gingen die im Methodenteil dargestellten Variablen ein.</p>
<p>Es zeigt sich, dass 2016 im Vergleich zu 2012 ein h&ouml;herer Anteil der im Vor- und Nachfeld der Olympischen Spiele Befragten bereit war, Geld zur Athletenf&ouml;rderung zu spenden (s. Tabelle 6, Spalte 1). Frauen und M&auml;nner zeigen keine Unterschiede in ihrer Spendenbereitschaft, auch das Alter hatte keinen Einfluss. Personen mit Abitur sind im Vergleich zu Personen mit mittlerer Reife eher zu einer Spende bereit. Bei den Einkommensklassen fallen zwei Gruppen durch eine besondere Spendenbereitschaft auf: Personen, die mehr als 5000&euro; verdienen und solche, die zwischen 500&euro; und 750&euro; verdienen; beide Gruppen w&uuml;rden eher Geld spenden als Personen, die weniger als 500&euro; monatlich zur Verf&uuml;gung haben.</p>
<p>Die sportliche Aktivit&auml;t wirkt sich nicht auf die Spendenbereitschaft auf, wobei die Gruppe der sportlich nicht-aktiven stichprobenbedingt sehr klein ausf&auml;llt.</p>
<p>Der Stolz, Deutscher zu sein, wirkt sich ebenso wie ein hohes Interesse am Medaillenspiegel positiv auf die Spendenbereitschaft aus. Dagegen hat die subjektive Bedeutung, dass Deutschland insgesamt bei den Olympischen Spielen m&ouml;glichst viele Medaillen gewinnt bzw. dass die teilnehmenden Athletinnen und Athleten Medaillen gewinnen, keinen Einfluss. Die Anzahl der Medienarten, die als Informationsquelle &uuml;ber die Olympischen Spiele verwendet werden, wirkt sich ebenfalls positiv auf die Spendenbereitschaft aus. Die Evaluationsgl&auml;ubigkeit hat dagegen einen negativen Effekt: Personen, die Ratgebern eine hohe Wichtigkeit beimessen, w&uuml;rden eher kein Geld spenden, verglichen mit denen, die ohne Ratgeber auskommen. Insgesamt weist das Modell eine relativ geringe Anpassungs- bzw. Erkl&auml;rungsg&uuml;te (in der Statistik als Pseudo-R&sup2; bezeichnet) von 0,122 auf.</p>
<p><img decoding="async" border="1" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/emrich6b.jpg" width="380" height="438" alt=""></p>
<p>Tabelle 6: Ergebnisse der Regressionen der Gesamtdaten</p>
<p>Die lineare Regression auf die H&ouml;he der Spendenbereitschaft ergibt nur wenige signifikante Ergebnisse (Tabelle 6, Spalte 2). Die Befragten mit einem h&ouml;heren Nationalstolz w&uuml;rden demnach einen h&ouml;heren Betrag spenden. Zudem w&uuml;rden Personen mit einem Haushaltsnettoeinkommen zwischen 1250 &euro; bis unter 1500 &euro; sowie &uuml;ber 5.000&euro; mehr Geld spenden als Personen, denen nur 500&euro; zur Verf&uuml;gung stehen. Allerdings wird nur 9,9% der Varianz der abh&auml;ngigen Variable erkl&auml;rt (statistisch liegt das korrigierte R&sup2; bei nur 0,099).</p>
<h2 class="auto-created">Folgerungen f&uuml;r das System der Spitzen&shy;sport&shy;f&ouml;r&shy;de&shy;rung</h2>
<p>Die untersuchte Spendenbereitschaft der Befragten ist als eher gering einzusch&auml;tzen. Die Frage &bdquo;W&auml;ren Sie bereit, f&uuml;r die F&ouml;rderung der Olympiateilnehmer/-innen einen j&auml;hrlichen Beitrag zu spenden?&ldquo;, verneinten rund 68 Prozent der Befragten; die Frage, ob sie einen Beitrag spenden w&uuml;rden, damit Deutschland im Medaillenspiegel ganz vorne ist, verneinten rd. 93 Prozent der in Deutschland lebenden Befragten.</p>
<p>Die in einigen fr&uuml;heren Studien berichteten hohen Betr&auml;ge k&ouml;nnen generell nicht best&auml;tigt werden. Dies h&auml;ngt wahrscheinlich damit zusammen, dass bei der hier zun&auml;chst gestellten Entscheidungsfrage und der erst darauf folgenden Frage nach der Spendenh&ouml;he sozial erw&uuml;nschtes Antwortverhalten vermieden wurde. Au&szlig;erdem wurde darauf verzichtet, den Eindruck zu erwecken, dass die Zahlung von mehr Geld in das System erfolgversprechend ist. W&auml;hrend im Hinblick auf die Spendenbereitschaft einige Determinanten identifiziert werden konnten, k&ouml;nnen &uuml;ber die Determinanten der Spendenh&ouml;he (auch aufgrund der wenigen Personen, die &uuml;berhaupt zu Zahlungen bereit waren) kaum belastbare Aussagen getroffen werden.</p>
<p>Angesichts dieser Befunde stellt sich nicht die Frage nach &#8222;immer mehr&#8220; staatlicher F&ouml;rderung der Medaillenproduktion, sondern vielmehr die Frage, wie bei gegebenem (oder sogar einem verringerten) F&ouml;rdervolumen ein staatliches Sportf&ouml;rdersystem aussehen k&ouml;nnte.[15]</p>
<p>Staatliche Verwaltung ist nach Max Weber (1980) grunds&auml;tzlich an das Prinzip legaler Herrschaft gebunden und bedarf deshalb der B&uuml;rokratie. Eine staatlich finanzierte Sportf&ouml;rderung ist deshalb ohne ein Mindestma&szlig; an B&uuml;rokratie kaum denkbar. Passt aber der b&uuml;rokratische Organisationsmodus grunds&auml;tzlich zur Produktion von Medaillen? Diese Frage muss auch f&uuml;r Mischformen zwischen B&uuml;rokratie und Markt (so genannte hybride Organisationen) erlaubt sein (Williamson 1991). Grunds&auml;tzlich nimmt der interne Abstimmungsaufwand (die Transaktionskosten) mit der Gr&ouml;&szlig;e einer B&uuml;rokratie und der Komplexit&auml;t des Gegenstandes zu (s. die Analysen zum kooperativen Produktionsverbund im Spitzensport: Emrich &amp; G&uuml;llich 2005). Die Vorstellung, dass es eine Verwaltungsspitze gibt, die &uuml;ber alle Dinge vor Ort in allen Verb&auml;nden vollst&auml;ndig informiert ist und sachad&auml;quat entscheidet, wird durch Informationsmangel, aber auch durch Informationsverschmutzungen[16] vielfach konterkariert. Auf jeder Ebene der Sachkompetenz wird Information ver&auml;ndert, d.h. zuf&auml;llig oder absichtlich (miss-)interpretiert. Je mehr man Informationsverschmutzung mit Kommunikation bek&auml;mpft, umso gr&ouml;&szlig;er wird das Risiko einer zunehmenden Informationsverschmutzung, die sich auch durch die sprachliche Semantik und aus der unterschiedlichen Interpretation durch die Beteiligten ergibt. Gleichzeitig existiert kein Effizienzdruck f&uuml;r die staatliche B&uuml;rokratie, die sich nicht wie die Privaten im Markt st&auml;ndig verbessern und reformieren muss.[17]</p>
<p>Der Unterschied zwischen staatlicher B&uuml;rokratie und den B&uuml;rokratien der Verb&auml;nde liegt darin, dass letztere durchaus im Wettbewerb miteinander um einen m&ouml;glichst hohen Medaillenanteil bzw. den Gewinn m&ouml;glichst prestigetr&auml;chtiger Medaillen stehen. Die in Verb&auml;nden t&auml;tigen Menschen empfinden im Gegensatz zur staatlichen B&uuml;rokratie also durchaus Konkurrenzdruck. Dar&uuml;ber hinaus stellt sich die Frage, ob die in den Verb&auml;nden t&auml;tigen Mitarbeiter mit der gleichen N&uuml;chternheit agieren, wie es nach Weber (1980: 126ff) im Rahmen der b&uuml;rokratischen Herrschaft f&uuml;r staatliche Beamten charakteristisch ist, was allein schon aufgrund der h&auml;ufigen biographischen Verbindungen zum Sport bezweifelt werden kann. Daraus resultiert die Frage, wie man durch Anreize sowohl staatliche Beamte als auch Angestellte in Verbandsb&uuml;rokratien effizienter lenken kann. Wenn etwa Einkommenschancen eines staatlichen Beamten von der Zahl seiner Mitarbeiter abh&auml;ngen, wird er die Aufgaben m&ouml;glichst zeitaufw&auml;ndig ausf&uuml;hren; wenn Einkommenschancen einer Verbandsb&uuml;rokratie teilweise von den erzielten Erfolgen abh&auml;ngen, wird sie eher schnell und sachgerecht entscheiden. W&uuml;rden f&uuml;r die zust&auml;ndigen Beamten im Bundesministerium des Innern leistungsbezogene Gehaltsbestandteile gezahlt, die sich nach dem nationalen Abschneiden bei Olympia richten, w&auml;re der in den Medien dargestellte Konflikt zwischen dem Generaldirektor des DOSB und dem zust&auml;ndigen Ministerialdirektor im Bundesministerium des Inneren wohl eher vermeidbar (s. dazu Hecker &amp; Reinsch 2015).[18]</p>
<p>Wenn also eine staatliche B&uuml;rokratie auf Verbandsb&uuml;rokratien trifft, treffen unterschiedliche Logiken der Verhaltensrationalit&auml;t aufeinander. Damit stellt sich die Frage, ob der Markt oder hybride Organisationsformen (zwischen Staat und Markt) besser geeignet sind. Eine grunds&auml;tzliche M&ouml;glichkeit best&uuml;nde darin, b&uuml;rokratische Verfahren bei berechenbaren, vorhersehbaren und klar regulierten, an das Gesetz gebundenen Entscheidungsverfahren anzuwenden und den Markt eher dort zuzulassen, wo Flexibilit&auml;t, Dynamik und schnelle Reaktionen verlangt werden. Man kann sich z.B. sklavisch an vorgegebene Kriterien der Sportf&ouml;rderung (etwa des PotAs-Systems) halten oder Spielr&auml;ume lassen, um flexibel auf Sondersituationen zu reagieren, damit aber m&ouml;glicherweise Regeln der F&ouml;rderung dehnen oder au&szlig;er Kraft setzen (s. Emrich, Pierdzioch &amp; Rullang 2013). Um Abstimmungsprobleme und Inkonsistenzen in den zeitlichen Entscheidungshorizonten zu vermeiden, k&ouml;nnte man leistungsbezogene Budgets einf&uuml;hren und den Verb&auml;nden etwa einen Betrag global zur Verf&uuml;gung stellen. So w&uuml;rde ein Wettbewerb um die besten L&ouml;sungen generiert und zudem Kompetenz und Haftung zusammengef&uuml;hrt. Diesen Wettbewerb k&ouml;nnte man auch auf die staatlichen Sportb&uuml;rokratien der L&auml;nder um die besten L&ouml;sungen ausweiten, statt m&uuml;hselige Versuche der Standardisierung und Vereinheitlichung seitens des DOSB zu unternehmen. Man k&ouml;nnte auch die F&ouml;rdermittel direkt den Athleten (als pers&ouml;nliches Budget) zuweisen, anstatt den Institutionen. Athleten k&ouml;nnten damit direkt &uuml;ber ihre F&ouml;rdermittel verf&uuml;gen und diese bei Verb&auml;nden, Trainern, Betreuern, aber auch bei Personen und Einrichtungen ihrer Wahl ausgeben. Dies w&uuml;rde auch jene privaten Haushalte (z.B. Familien mit Sport treibenden Kindern und Jugendlichen) entlasten, die mit erheblichem Ressourceneinsatz den Sport ihrer Kinder subventionieren; und es w&uuml;rde Medaillengewinne bef&ouml;rdern, zu denen der Staat und/oder der jeweilige Sportverband lediglich einen subsidi&auml;ren Beitrag leisten.</p>
<p>Gleichzeitig gilt es aber bei der Bemessung &ouml;ffentlicher F&ouml;rdermittel zu bedenken, dass (wie eingangs dargestellt) der Olympiasieg Merkmale eines privaten Gutes aufweist, dessen &ouml;konomische Verwertung im Markt (z.B. als Sponsoringvertrag) durchaus an den Sieger gekn&uuml;pft ist, da weite Personenkreise von der Vermarktung des Gutes teilweise ausgeschlossen sind. Es liegt also eine klassische Form der Privatisierung der Ertr&auml;ge bei gleichzeitiger Vergemeinschaftung der Kosten vor.</p>
<p>Mit einem geeigneten Rechnungswesen k&ouml;nnten die Leistungen im Kostenaufwand vergleichbar gemacht werden; also etwa: Was kostet eine Medaille im Bobfahren, was eine im Rudern? Was kostet ein Tag im Trainingslager f&uuml;r einen Sportler an verschiedenen Orten usw.? Die B&uuml;rokratien der Sportverb&auml;nde sind also nicht, wie vom Bundesinnenminister implizit unterstellt, das &Uuml;bel, sondern die Anwendung b&uuml;rokratischer Organisation in den falschen Bereichen. Interessanterweise kommt der Widerstand gegen die oben aufgezeigten M&ouml;glichkeiten nicht nur aus der Sportverwaltung, sondern auch aus der Politik. Die Sportb&uuml;rokratie im BMI hat l&auml;ngst ein bilaterales Monopol (s. Niskanen 1971) herausbildet, das Transparenz und Kostenrechnung nicht realisieren will bzw. zu verhindern sucht.[19]&nbsp;</p>
<p>F&uuml;r die Reformbestrebungen im beschriebenen Setting gilt das &Ouml;lflecktheorem (Ludwig von Mises [1929] 1976): Weil Intransparenzen nicht beseitigt, Fehlanreize nicht korrigiert und Kostenrechnungen nicht konsequent realisiert werden (nur bei klar dokumentierten Kosten muss eine normative Entscheidung f&uuml;r Sportf&ouml;rderung umfassend politisch begr&uuml;ndet werden), f&uuml;hrt jeder Eingriff in das bestehende Sportf&ouml;rdersystem und damit in die Produktion &ouml;ffentlicher G&uuml;ter zu unkalkulierbaren Reaktionen. Offensichtlich gilt dies auch f&uuml;r die Subventionierung der als &ouml;ffentliches Gut betrachteten nationalen Medaillen, die nur von einer Minderheit der deutschen Bev&ouml;lkerung als Indikator f&uuml;r die Leistungsf&auml;higkeit in anderen Bereichen angesehen wird (Haut, Emrich &amp; Prohl 2016).</p>
<p>Eine auch nur ann&auml;hernde Sch&auml;tzung von Rationalisierungsreserven der Sportb&uuml;rokratie und der staatlichen B&uuml;rokratie ist schwer bis unm&ouml;glich. Allerdings erweist sich die Vorstellung, der Staat k&ouml;nne alles besser, stets als (zu) teuer. Nach Richter (1999), der die Probleme der Transformation von National&ouml;konomien untersucht hat, ist auch die Tendenz zur Zentralisierung und Lenkung der Medaillenproduktion kritisch zu sehen. Emrich und Pierdzioch (2010) haben das &Uuml;berleben planwirtschaftlicher Muster des DDR-Sports nach der Wiedervereinigung untersucht. Dem Diktat des Zentralkomitees der SED in der DDR unterstellt, wurde in der staatlichen B&uuml;rokratie im Rahmen eines mehrj&auml;hrigen Plans der sportliche Erfolg der DDR als klassisches &ouml;ffentliches Gut einerseits und als Mittel im Kampf der Nationen um weiche G&uuml;ter andererseits in hohem Umfang bereitgestellt. Empirische Kenntnisse dar&uuml;ber, wie die DDR-Bev&ouml;lkerung die Produktion dieses &ouml;ffentlichen Gutes im Verh&auml;ltnis zur Produktion anderer &ouml;ffentlicher G&uuml;ter bewertete, sind nicht bekannt. Interessant ist die Tendenz einer fortw&auml;hrenden Belohnung von Ineffizienzen durch h&ouml;here Subventionierung, die auch nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten weiter besteht.</p>
<p><b>EIKE EMRICH</b><i>&nbsp;&nbsp; 1957, Univ.-Prof. Dr., Universit&auml;t des Saarlandes, Professur f&uuml;r Sport&ouml;konomie und Sportsoziologie, kooptierter Professor in der Wirtschaftswissenschaft. Forschungsinteressen: Organisationen im Sport, &Ouml;konomik des Dopings, &Ouml;konomik des Ehrenamts, Bildungs&ouml;konomik, Bedingungen spitzensportlichen Erfolgs, Sozio&ouml;konomik sozialer Probleme, Politische &Ouml;konomik insbesondere des Sports, Probleme der Wettbewerbsintegrit&auml;t.<br /></i><b>FREYA GASSMANN</b><i>&nbsp;&nbsp; 1983, Dr. phil., Master of Arts in Soziologie, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universit&auml;t des Saarlandes am Lehrstuhl f&uuml;r Sport&ouml;konomie und Sportsoziologie. J&uuml;ngste Buchver&ouml;ffentlichung: Wissenschaft als Leidenschaft? &Uuml;ber die Arbeits- und Besch&auml;ftigungsbedingungen wissenschaftlicher Mitarbeiter (2018). Frankfurt: Campus. Forschungsinteressen: Hochschulforschung, Sportsoziologie, Arbeitsmarktsoziologie, quantitative Methoden.<br /></i><b>TIM MEYER&nbsp;</b><i>&nbsp; 1988, Master of Science in Volkswirtschaftslehre, externer Doktorand am Lehrstuhl f&uuml;r Monet&auml;re &Ouml;konomik der Helmut-Schmidt-Universit&auml;t/Universit&auml;t der Bundeswehr Hamburg. Forschungsinteressen: Makro&ouml;konomik, Immobilien&ouml;konomik, Prognosen, Sport&ouml;konomik, &Ouml;konomik des Ehrenamtes. <br /></i><b>CHRISTIAN PIERDZIOCH&nbsp;</b><i>&nbsp; 1972, Univ.-Prof. Dr., Helmut-Schmidt-Universit&auml;t/Universit&auml;t der Bundeswehr Hamburg, Professur f&uuml;r Monet&auml;re &Ouml;konomik,&nbsp; Forschungsinteressen: Monet&auml;re &Ouml;konomik, Makro&ouml;konomik, Internationale &Ouml;konomik, Finanzmarkt&ouml;konomik, Umfragedaten und Prognosen, Politische &Ouml;konomik.</i></p>
<h2 class="auto-created">Literaturverzeichnis</h2>
<p><i>Anthonj, Pierre; Emrich, Eike &amp; Pierdzioch, Christian</i> 2015: Zur Dynamik sozialer Probleme im Sport. Eine Analyse der Fangewalt und ihrer Bek&auml;mpfung im deutschen Fu&szlig;ball.; in: <i>Soziale Probleme</i>, Jg. 26, H. 1, S. 1-27.</p>
<p><i>Bakkenb&uuml;ll, Linn-Brit &amp; Dilger, Alexander</i> 2017: Zahlungsbereitschaften f&uuml;r deutsche Erfolge bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi; in: <i>German Journal of Exercise and Sport Research</i>, Jg. 47, H. 4, S. 360-370.</p>
<p><i>Breton, Albert &amp; Wintrobe, Ronald</i> 1975: The equilibrium size of a budget maximizing bureau; in: <i>Journal of Political Economy</i>, Jg. 83, H. 1, S. 195-207.</p>
<p><i>Breuer, Christoph &amp; Hallmann, Kirstin </i>2011: Die gesellschaftliche Relevanz des Spitzensports in Deutschland. K&ouml;ln: Sportverlag Strau&szlig;.</p>
<p><i>Drepper, Daniel</i> 2012: Olympia: Das System Plansport &ndash; Millionen f&uuml;r Medaillen. Der Westen Recherche Blog vom 24.07.2012.</p>
<p><i>Emrich, Eike &amp; G&uuml;llich, Arne</i> 2016: Produktion sportlicher Erfolge; in: Christian Deutscher, Gregor Hovemann, Tim Pawlowski, &amp; Lutz Thieme (Hrsg.), <i>Handbuch Sport&ouml;konomik </i>(S. 139-162). Hofmann: Schorndorf.</p>
<p><i>Emrich, Eike &amp; Pierdzioch, Christian</i> 2010: Konvergenz und Effizienz? Zur &Uuml;bernahme von Elementen des DDR-Sports in den bundesdeutschen Spitzensport; in: Kurt Bohr &amp; Arno Krause (Hrsg.), <i>20 Jahre deutsche Einheit. Bilanz und Perspektiven</i> (S. 105-122). Baden-Baden: Nomos.</p>
<p><i>Emrich, Eike &amp; Pierdzioch, Christian</i> 2013a: A note on the international coordination of antidoping policies; in: <i>Journal of Sports Economics</i>, Jg. 16, H. 3, S. 312-321.</p>
<p><i>Emrich, Eike &amp; Pierdzioch, Christian</i> 2013b: Joining the international fight against doping; in: <i>Applied Economics Letters</i>, Jg. 20, H. 15, S. 379-382.</p>
<p><i>Emrich, Eike; Gassmann, Freya; Haut, Jan; Pierdzioch, Christian &amp; Prohl, Robert</i> 2016: Medaillen f&uuml;r die nationale Repr&auml;sentanz? Zur Bedeutung von Medaillenerfolgen bei Olympischen Spielen, in: <i>Sport und Gesellschaft</i>, Jg. 12, H. 1, S. 39-68.</p>
<p><i>Emrich, Eike &amp; G&uuml;llich, Arne</i> 2005: Zur &bdquo;Produktion&ldquo; sportlichen Erfolges: Organisations-strukturen, F&ouml;rderbedingungen und Planungsannahmen in kritischer Analyse. K&ouml;ln: Sport und Buch Strau&szlig;.</p>
<p><i>Emrich, Eike; Pierdzioch, Christian &amp; Rullang, Christian </i>2013: Zwischen Regelgebundenheit und diskretion&auml;ren Spielr&auml;umen: Die Finanzierung des bundesdeutschen Spitzensports, in: <i>Sport und Gesellschaft</i>, Jg. 10, H. 1, S. 3-26.</p>
<p><i>Emrich, Eike; Pierdzioch, Christian &amp; Flatau, Jens</i> 2011: Common Agency und diskretion&auml;re Handlungsspielr&auml;ume im Umgang mit &ouml;ffentlichen Finanzmitteln im bundesdeutschen Spitzensport &ndash; eine empirische Analyse, in: In Eike Emrich, Christian Pierdzioch, &amp; Martin-Peter B&uuml;ch (Hrsg.), <i>Europ&auml;ische Sportmodelle. Gemeinsamkeiten und Differenzen in international vergleichender Perspektive </i>(S. 177-196). Schorndorf: Hofmann.</p>
<p><i>Galbraith, John Kenneth</i> 1963: Gesellschaft im &Uuml;berflu&szlig;. M&uuml;nchen: Droemer/Knaur.</p>
<p><i>Gassmann, Freya; Meyer, Tim; Emrich, Eike &amp; Pierdzioch Christian</i> (i. Dr.). Zur Zahlungsbereitschaft f&uuml;r nationale sportliche Erfolge: Forschungsstand und Forschungsperspektiven, in:&nbsp; Eike Emrich &amp; Christian Pierdzioch (Hrsg.), Sektion Sport&ouml;konomik, innerhalb des Handbuchs Sport und Sportwissenschaft, Arne G&uuml;llich &amp; Michael Kr&uuml;ger (Hrsg.), Frankfurt: Springer.</p>
<p><i>Gassmann, Freya; Emrich, Eike; Pierdzioch, Christian &amp; Meyer, Tim </i>2018: Nachhaltigkeit, Menschenrechte und Transparenz f&uuml;r Olympische Spiele &ndash; Wunsch und Wirklichkeit im Spiegel neuer Umfrageergebnisse, in: Nowak, Gerhard (Hrsg.), Regionalentwicklung des Sports. Hofmann: Schorndorf, S. 323-40.</p>
<p><i>Glaser, Hermann</i> 1972: Das &ouml;ffentliche Deutsch. Berlin: Fischer.</p>
<p><i>Haut, Jan, Prohl; Robert &amp; Emrich, Eike</i> 2016: Nothing but medals? Attitudes towards the importance of Olympic success; in: <i>International Review for the Sociology of Sport</i>, Jg. 51, H. 3, S. 332-348.</p>
<p><i>Hecker, Anno &amp; Reinsch, Michael </i>2015: DOSB nach Olympia-Aus : Angst vor der feindlichen &Uuml;bernahme. FAZ vom 04.12.2015 online unter <a href="http://www.faz.net/aktuell/sport/" target="_blank" rel="noopener">http://www.faz.net/aktuell/sport/</a><br />sportpolitik/dosb-fuerchtet-nach-olympia-aus-feindliche-uebernahme-13948878.html.</p>
<p><i>Hirschman, Albert </i>O. 1970: Exit, voice and loyalty. Responses to decline in firms, organizations and states. Cambridge: Harvard University Press.</p>
<p><i>Mises von, Ludwig</i> [1929] 1976: Kritik des Interventionismus &ndash; Verstaatlichung des Kredits?. Stuttgart: Gustav Fischer Verlag.</p>
<p><i>Niskanen, William</i> 1971: Bureaucracy and representative government. Chicago: Aldine-Atherton.</p>
<p><i>Richter, Rudolf</i> 1999: A note on the transformation of economic systems; in: <i>University of Saarland Economic Series</i>, No. 9907.</p>
<p><i>Rohkohl, Finja, &amp; Flatau, Jens</i> 2017: Zur Messung der Pr&auml;ferenzen f&uuml;r nationale Sporterfolge bei Olympischen Sommerspielen; in: <i>Sport und Gesellschaft</i>, Jg. 14, H. 2, S. 133-161.</p>
<p><i>Spiegel Online </i>2012: Friedrich scheitert vor Gericht: DOSB-Zielvereinbarungen m&uuml;ssen &ouml;ffentlich bleiben. SPON vom 24.09.2012 unter <a href="http://www.spiegel.de/sport/fussball/" target="_blank" rel="noopener">http://www.spiegel.de/sport/fussball/</a><br />gerichtsentscheid-dosb-zielvereinbarungen-muessen-oeffentlich-bleiben-a-57608.html.</p>
<p><i>Weber, Max </i>1980: Wirtschaft und Gesellschaft: Grundri&szlig; der verstehenden Soziologie. T&uuml;bingen: Mohr.</p>
<p><i>Wicker, Pamela; Hallmann, Kirstin; Breuer Christoph, &amp; Feiler, Svenja </i>2012: The value of Olympic success and the intangible effects of sport events &ndash; A contingent valuation approach in Germany; in: <i>European Sport Management Quarterly</i>, Jg. 12, H. 4, S. 337-355.</p>
<p><i>Williamson, Oliver E. </i>1991: Comparative economic organization: The analysis of discrete structural alternatives; in: <i>Administrative Science Quarterly</i>, Jg. 36, H. 2, S. 269-296.</p>
<h2 class="auto-created">Anmerkungen:</h2>
<p>1. Die Problematik der angemessenen Verwendung des Sozialprodukts f&uuml;r &ouml;ffentliche G&uuml;ter zeigt sich bereits in Galbraiths&rsquo; (1963) Klage &uuml;ber die &bdquo;&ouml;ffentliche Armut&ldquo;. Seiner Auffassung nach setzen B&uuml;rger einer Besteuerung zum Zweck der Produktion &ouml;ffentlicher G&uuml;ter Widerstand entgegen, weil ihre Steueraversion st&auml;rker ausgepr&auml;gt sei als ihr Wunsch nach &ouml;ffentlichen G&uuml;tern.</p>
<p>2. Allerdings kann es vereinzelt zur zeitlich befristeten Begrenzung &ouml;ffentlicher G&uuml;ter mittels Wartezeit kommen, also ein Surrogat f&uuml;r die Preisbildung im Markt in Form der Preisbildung durch Wartezeit (z.B. Wartezeiten f&uuml;r Studienpl&auml;tze in Numerus Clausus-F&auml;chern).</p>
<p>3. Siehe Reform der Spitzensportf&ouml;rderung unter <a href="https://www.dosb.de/de/leistungssport/leistungssportreform/" target="_blank" rel="noopener">https://www.dosb.de/de/leistungssport/leistungssportreform/</a>; Zugriff am 7.9.2017.</p>
<p>4. In Zeit-Online vom 28.09.2016 hei&szlig;t es: &bdquo;De Maizi&egrave;re hatte bereits zu Jahresbeginn die Strukturen im deutschen Sport kritisiert und 30 Prozent mehr Medaillen gefordert. So wird sich das BMI zuk&uuml;nftig nicht mehr damit begn&uuml;gen, die Verteilung der Gelder dem DOSB und den Verb&auml;nden zu &uuml;berlassen. Durch die genauen F&ouml;rderkriterien gibt es nun einen strikten Rahmen. Ein Modell, das der DOSB mittr&auml;gt. &sbquo;Ich erhoffe mir von der Reform, dass die Gelder zielgerichtet, sportfachlich begr&uuml;ndet und effizient eingesetzt werden&lsquo;, erkl&auml;rte der DOSB-Vorstandsvorsitzende Michael Vesper&ldquo; (online unter: <a href="http://www.zeit.de/sport/2016-09/spitzensport-reform-deutsche-sportler-medaillen-olympische-spiele" target="_blank" rel="noopener">http://www.zeit.de/sport/2016-09/spitzensport-reform-deutsche-sportler-medaillen-olympische-spiele</a>, Zugriff am 7.9.2017</p>
<p>5. Dabei wird h&auml;ufig ausgeblendet, dass die Problematik in der &bdquo;Medaillenproduktion&ldquo; in einem nicht unwesentlichen Ausma&szlig; von externen Faktoren beeinflusst wird. F&ouml;rdersysteme sind vielleicht in der Lage, in einem gewissen Ma&szlig;e Einfluss auf die erwartbare Leistung des Athleten zu nehmen, jedoch nicht auf die Leistung der Athleten anderer Nationen im Wettbewerb. Der Erfolg im Ringen um Medaillen kann damit nur teilweise geplant und beeinflusst werden (zu den Auswirkungen am Beispiel der internationalen Koordination der Dopingbek&auml;mpfung, vgl. Emrich &amp; Pierdzioch 2013a; 2013b).</p>
<p>6. Unabh&auml;ngig davon k&ouml;nnte staatlicherseits ein &bdquo;infant industry&ldquo; Argument vorgebracht werden. Dies w&uuml;rde implizieren, dass der Staat erst die Produktion von Medaillen anschieben muss, weil dann die Produktion von weiteren Medaillen einfacher wird, also eine Anwendung klassischer &Uuml;berlegungen zu Skalenertr&auml;gen. Dagegen spricht allerdings der empirische Befund, dass die zwischen Politik und Sport abgestimmten Sportf&ouml;rderprogramme f&uuml;r deutsche Athleten erhebliche Wirksamkeitsprobleme haben (vgl. Emrich &amp; G&uuml;llich 2016).</p>
<p>7. (vgl. f&uuml;r einen &Uuml;bersichtsartikel Gassmann, Meyer, Emrich &amp; Pierdzioch i. Dr.).</p>
<p>8. Beginnend mit unter 500 Euro, dann gestaffelt in Klassenbreiten von 250 Euro von 500 bis unter 2500 Euro und in Klassenbreiten von 500 Euro von 2500 bis unter 3000 Euro, danach in Klassenbreiten von 1000 Euro von unter 3000 Euro bis unter 5000 Euro sowie nach oben offen &uuml;ber 5000 Euro.</p>
<p>9. Generell kann diskutiert werden, ob eine geschlossene Ja/Nein-Frage und eine davon losgel&ouml;ste offene Frage nicht die bessere Wahl gewesen w&auml;re, da dem Befragten durch die Hybridfrage w&auml;hrend der Beantwortung klar war, dass von ihm erwartet wird, dass er eine bestimmte Summe eintragen soll, wenn er seine Bereitschaft angibt. M&ouml;glicherweise f&uuml;hrt dies dazu, dass er daraufhin seine Antwort auf die Entscheidungsfrage &uuml;berdenkt.</p>
<p>10. Generell kann diskutiert werden, ob eine geschlossene Ja/Nein-Frage und eine davon losgel&ouml;ste offene Frage nicht die bessere Wahl gewesen w&auml;re, da dem Befragten durch die Hybridfrage w&auml;hrend der Beantwortung klar war, dass von ihm erwartet wird, dass er eine bestimmte Summe eintragen soll, wenn er seine Bereitschaft angibt. M&ouml;glicherweise f&uuml;hrt dies dazu, dass er daraufhin seine Antwort auf die Entscheidungsfrage &uuml;berdenkt.</p>
<p>11. Die Auswertungen beziehen sich in beiden F&auml;llen nur auf Personen, die zum Zeitpunkt der Befragung in Deutschland lebten.</p>
<p>12. Ein Blick auf die Verteilung relativiert die Unterschiede. Die Aufz&auml;hlung der 33 Angaben ergibt, dass 16 der 33 Personen einen Wert &le; 50&euro; und 17 Personen einen Wert &ge; 100&euro; angegeben haben. Kein Befragter w&auml;hlte einen Betrag zwischen 50&euro; und 100&euro;, weshalb aufgrund einer einzigen Person der Median bei 100&euro; und nicht darunter liegt.</p>
<p>13. Bei einer logistischen Regression ist die abh&auml;ngige Variable bin&auml;r kodiert (keine Spende=0 und Spende=1) und es wird die Wahrscheinlichkeit modelliert, dass die abh&auml;ngige Variable in einer dieser beiden Kategorien landet. Bei einer linearen Regression hingegen sind unterschiedliche Auspr&auml;gungen der abh&auml;ngigen Variablen (z.B. die Spendenh&ouml;he). Beide Verfahren dienen dazu, mittels der erkl&auml;renden Variablen das Modell m&ouml;glichst gut an den Datensatz anzupassen. Grob formuliert geht es darum, den Einfluss derjenigen erkl&auml;renden Variablen, die f&uuml;r diesen Zweck besonders hilfreich sind (statistisch gesprochen: signifikant, im Sinne von bedeutsam/&uuml;berzuf&auml;llig sind), zu ermitteln.</p>
<p>14. Eine trunkierte Regression mittels Maximum-Likelihood-Methode (Methode zur Bestimmung der Modellpassung f&uuml;r parametrische Sch&auml;tzverfahren), die Antworten jener, die nicht bereit f&uuml;r eine Spende gewesen waren, beachtet h&auml;tte, konvergierte nicht. Die Verteilung weist keine klare linke Trunkierung auf, sondern ist eher eine linkssteile und rechtsschiefe Verteilung.</p>
<p>15. Dar&uuml;ber hinaus stellt sich nat&uuml;rlich auch die grunds&auml;tzliche Frage: Sollte ein Gut namens Medaillenspiegel &uuml;berhaupt bereitgestellt werden und in welcher Qualit&auml;t? Wobei es hier auch zu bedenken gilt, dass bei Einstellung der Produktion von &ouml;ffentlichen G&uuml;tern evtl. auch mit negativen Folgen zu rechnen w&auml;re.</p>
<p>16. Glaser (1972) versteht unter dem Begriff der Informationsverschmutzung das Problem, dass eine &uuml;berm&auml;&szlig;ige Quantit&auml;t an Information zur Uninformiertheit f&uuml;hrt, da die relevanten Informationen in der Masse untergehen. Verst&auml;rkt wird dies durch Sprachverwirrungen.</p>
<p>17. Die unterschiedlichen Logiken staatlicher und privater B&uuml;rokratien erl&auml;utert Hirschman (1970) am Beispiel der staatlichen Eisenbahn in Nigeria, die sich durch einen Reformstau gegen&uuml;ber dem LKW-Transport als nicht konkurrenzf&auml;hig erwies.</p>
<p>18. Allgemein tendieren B&uuml;rokraten dazu, das Budget zu maximieren, wenn Bef&ouml;rderungsm&ouml;glichkeiten begrenzt sind (vgl. am Beispiel des Milit&auml;rs Breton &amp; Wintrobe 1975).</p>
<p>19. Das zeigt nicht zuletzt die Auseinandersetzung um die Ver&ouml;ffentlichung von Finanzierungsdaten des Sports: Der Journalist Daniel Drepper erstritt vor dem Verwaltungsgericht Berlin die Verpflichtung des BMI, die Daten zur Finanzierung der Sportverb&auml;nde herauszugeben. Der Beschluss erstreckte sich auch auf die Zielvereinbarungen (vgl. Spiegel Online 2012; Drepper 2012).</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/223/publikation/was-darf-es-kosten-1/">Was darf es kosten?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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