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	<title>Elisabeth Kilali Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>„Alles ist im Fluss, und Politik bleibt spannend“</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/publikation/alles-ist-im-fluss-und-politik-bleibt-spannend/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[huadminuser]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Dec 2008 16:39:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Laudatio anlässlich der Verleihung des Fritz-Bauer-Preises an Dr. Klaus Waterstradt am 15. November 2008 in Lübeck. Aus: Mitteilungen Nr. 203 S. 17 Liebe Familie Waterstradt, liebe Freundinnen und Freunde aus der Humanistischen Union, meine Damen und Herren – lieber Klaus! &#8230; Wann in Dir die starke, uneingeschränkte Entscheidung, die da lautet: „Nie wieder Krieg!“ gereift [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/publikation/alles-ist-im-fluss-und-politik-bleibt-spannend/">„Alles ist im Fluss, und Politik bleibt spannend“</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Laudatio anlässlich der Verleihung des Fritz-Bauer-Preises an Dr. Klaus Waterstradt am 15. November 2008 in Lübeck. Aus: Mitteilungen Nr. 203 S. 17</p>
<p>Liebe Familie Waterstradt, liebe Freundinnen und Freunde aus der Humanistischen Union, meine Damen und Herren – lieber Klaus!</p>
<p>&#8230; Wann in Dir die starke, uneingeschränkte Entscheidung, die da lautet: „Nie wieder Krieg!“ gereift ist, lässt sich nicht mit einem Schlüsselerlebnis erklären. Gewiss, Du wurdest eingezogen, hast Kämpfe überlebt, bei denen andere qualvoll starben, ohne dass du mit Deinen wenigen Mitteln als Sanitäter helfen konntest, du warst mehrfach selbst in höchster Gefahr und schließlich endete deine Odyssee durch die Kriegsgebiete Osteuropas in russischer Gefangenschaft, wo Du der harten Arbeit im Straßenbau nicht gewachsen warst. Dieses oder ein ähnliches Schicksal teiltest Du aber mit den jungen Männern einer ganzen Generation, und bei weitem nicht alle haben daraus die gleiche Lehre gezogen wie Du.</p>
<p>Aber in der Gefangenschaft zeichnete sich etwas für Dich ganz Typisches ab. Du hast unverzüglich Russisch, die Sprache des „Feindes“, gelernt und somit die Kommunikation aufgenommen. Du hast Dich nützlich gemacht und hast Deine ärztliche Hilfe auch der russischen Zivilbevölkerung zur Verfügung gestellt und ihr Vertrauen gewonnen. Den Nationalsozialisten und ihrer Propaganda war es also gründlich misslungen, Dir ihr Feindbild vom sowjetischen Untermenschen zu implantieren und Dir den gnadenlosen Hass auf den Feind zu oktroyieren. Zu groß waren Empathie und Neugier, mit denen Du anderen Menschen zu begegnen pflegst.</p>
<p>Gewiss, ich habe Dich in den acht gemeinsamen Jahren im Vorstand der Humanistischen Union auch kämpferisch erlebt, das allerdings immer nur in der Sache, und die jeweilige Sache stand im Dienste der Menschen. Mir fiel angenehm auf, wie uneitel und ohne jedes Dominanzstreben Du bei alledem warst.  Als Lehrerin hätte ich Dir ins Zeugnis geschrieben: „Er fügt sich hervorragend in die Gemeinschaft ein.“ Du bist ein zoon politikon, ein animal soziale im besten Sinne des Wortes. Als Humanist bist Du der Aufklärung verpflichtet und einem Menschenbild, das von größtmöglicher Selbstbestimmung ausgeht, begrenzt nur durch die berechtigten Ansprüche des anderen. Deine Zuwendung und Hilfsbereitschaft hat keine herablassend karitativen Züge. Du siehst den Menschen mit Rechten ausgestattet, nicht als Objekt staatlicher, ideologischer oder religiöser Bevormundung, sondern als Subjekt seines Handelns. Insbesondere die Einblicke, die Du als Arbeitsmediziner gewannst und die soziale Schieflage zum Beispiel in der aktuellen Gesundheitsreform haben in Dir immer wieder den Traum von einem „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ aufleben lassen, wohl wissend, dass die Welt nicht so ist, wie man sie sich erträumt.</p>
<p>Es gibt kein treffendes deutsches Wort für Jemanden, der die Menschen liebt, so nenne ich Dich einen Philanthropen und verhehle dabei nicht, dass Du der einen Hälfte der Menschheit, nämlich der weiblichen, stets ein wenig mehr zugetan warst als der anderen.<br />
Lieber Klaus, was hast Du, was haben wir erreicht mit unserem politischen Engagement? Wenn überhaupt, so sind es Teilerfolge, die manchmal auch wieder gefährdet zu sein scheinen:</p>
<ul>
<li>Die Ächtung des Krieges als Mittel der Auseinandersetzung zwischen Staaten und innerhalb von Volksgruppen und Religionsgemeinschaften hinterlassen wir unseren Nachkommen als eine der größten Menschheitsaufgaben.</li>
<li>Die Verteidigung von Menschenrechten und der Schutz von Minderheiten sind zwar Verfassungsgebot, müssen aber im Alltag immer wieder erneut angemahnt und durchgesetzt werden.</li>
<li>Die Gefährdung des Klimas auf der Erde ruft inzwischen allgemeine Besorgnis hervor; hoffen wir, dass endlich Taten daraus erwachsen.</li>
<li>Der entfesselte Kapitalismus droht zurzeit zu einem weltweiten ökonomischen Zusammenbruch zu führen; hoffen wir, dass das Gleichgewicht zwischen Freiheit des Marktes und notwendiger Kontrolle nun tatsächlich hergestellt wird.</li>
<li>In unserem Lande hat sich die Stellung der Frauen in den vergangenen Jahrzehnten enorm verbessert, auch wenn wir noch nicht am Ende des Weges angelangt sind. So ist § 218 Strafgesetzbuch zwar gelockert, aber nicht aufgehoben worden.</li>
<li>Homosexuelle werden, wenn überhaupt, nur noch auf sehr subtile Weise diskriminiert.</li>
<li>Die Unterbringung psychisch kranker Menschen erfolgt heute überwiegend nach rechtstaatlichen und unter humanitären Gesichtspunkten.</li>
<li>Patientenverfügungen gewinnen an Akzeptanz; aber schon wird von Teilen der Politik versucht, gesetzliche Einschränkungen durchzusetzen.</li>
<li>In Punkto „Innerer Sicherheit“ macht sich Hysterie breit, Bedrohung durch Terrorismus scheint (fast) alles zu rechtfertigen.</li>
<li>In Sachen Bildung und Erziehung ist ein zäher Umdenkungsprozess in Gang gekommen, nachdem uns mehrere internationale Vergleichstests vom hohen Sockel der Selbstgewissheit geholt haben.</li>
</ul>
<p>Alles ist im Fluss, und Politik bleibt spannend&#8230;</p>
<p><i>Elisabeth Kilali<br />
ist Mitglied des Beirats der Humanistischen Union und war ab 1979 für acht Jahre gemeinsam mit Klaus Waterstradt im HU-Bundevorstand<br />
</i></p>
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		<title>Verleihung des Fritz-Bauer-Preises</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/publikation/verleihung-des-fritz-bauer-preises/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Jun 2001 17:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Frieden]]></category>
		<category><![CDATA[Termine: Fritz-Bauer-Preis]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Verleihung des Fritz-Bauer-Preises an die Erstunterzeichner des Aufrufs zur Fahnenflucht anlässlich des Kosovo-Krieges. Mitteilung Nr. 174, S. 41-42 Als der Aufruf zur Fahnenflucht 1999 in der &#132;taz&#147; erschien, konnte ich darauf noch mit mildem Spott reagieren, in dem Sinne: &#132;Wie macht einem das &#132;Schweinesystem&#147; doch das Revoluzzen so schwer! nun muss man schon, um überhaupt [weiterlesen]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Verleihung des Fritz-Bauer-Preises an die Erstunterzeichner des Aufrufs zur Fahnenflucht anlässlich des Kosovo-Krieges.</p>
<p>Mitteilung Nr. 174, S. 41-42</p>
<p>Als der Aufruf zur Fahnenflucht 1999 in der &#132;taz&#147; erschien, konnte ich darauf noch mit mildem Spott reagieren, in dem Sinne: &#132;Wie macht einem das &#132;Schweinesystem&#147; doch das Revoluzzen so schwer! nun muss man schon, um überhaupt Aufmerksamkeit zu erregen, dazu aufrufen, durchs geschlossene Fenster zu springen, statt den unverschlossenen Ausgang zu benutzen.&#147; Zum Glück gab es keinen einzigen einfältigen Menschen, der darauf hereingefallen wäre und sich so ohne Not in Schwierigkeiten gebracht hätte. Schließlich ist hinreichend bekannt, dass sowohl der Wehrpflichtige, als auch der Zeit- oder Berufssoldat zu jedem Zeitpunkt aus Gewissensgründen einen Antrag zur Kriegsdienstverweigerung stellen kann und dass dem inzwischen auch ohne irgendwie geartete Schikanen stattgegeben wird. Da es aber leicht provozierbare Staatsanwälte gibt, die geradezu refexartig auf vermeintliche Aufrührer reagieren, war das ganze Unternehmen insoweit erfolgreich, als die Unterzeichner ihre angestrebte Opferrolle einnehmen konnten. Dabei hätte es eigentlich sein Bewenden haben können. Überhaupt nicht belustigt bin ich über den HU-Beschluss, nunmehr diesen Leuten den Fritz-Bauer-Preis zu verleihen. Offen gestanden, ich finde die Entscheidung peinlich. Darüber hinaus stört mich, dass sich die HU mit Ihrer Presseerklärung an die Spitze der großen Vereinfacher gestellt hat: Hier diejenigen, die ihrem Gewissen gefolgt und dort die, die der allgemeinen Kriegseuphorie verfallen sind. Derart undifferenzierte und unwahrhaftige Zuspitzungen sind mir bislang aus der HU nicht bekannt. In meiner Umgebung hat es sich niemand so leicht gemacht. Vielmehr habe ich stets schwierige Abwägungs-prozesse erlebt, ob nun völkerrechtliche Aspekte höherwertig gegenüber menschen- und bürgerrechtlichen zu betrachten seien. Auch die Frage, ob kriegerische Intervention überhaupt geeignet sei, der Eskalation der Gewalt im Kosovo Einhalt zu gebieten, trieb viele um, ebenso wie die ratlose Suche nach anderen wirkungsvollen Möglichkeiten des Eingreifens und Einhaltgebietens. In dieser konflikthaften, vielschichtigen, von vielen Unsicherheiten geprägten Abwägung respektiere ich sowohl die Gegnerschaft als auch die Befürwortung des militärischen Eingreifens als Ergebnis aufrichtiger Reflexion. Wenn ich Letzterem zuneige, dann vor allem deshalb, weil lange bevor irgend eine Intervention im Gespräch war, völlig verstörte Flüchtlingskinder in den Sonderschulen auftauchten, ich ihre Familien kennen lernte und Einblick in deren Schicksale erhielt. Ein Ignorieren oder gar Negieren der Menschenrechtsverletzungen im Kosovo war mir daher nicht möglich. Auch wenn in diesem Konflikt Gut und Böse nicht einfach der einen beziehungsweise der anderen Seite zugeschrieben werden kann, waren die Kosovaren in der unterlegenen, schwachen Position gegenüber einer auf Überlegen-heit und Unterdrückung ausgerichteten serbischen Vorherrschaft. Keineswegs erleichtert hat mir meine Entscheidung die Erkenntnis, dass es den gerechten, sauberen Krieg nicht gibt. Es liegt im Wesen des Krieges, das er auch immer unlautere Absichten mit befördert, das er archaische Kräfte im Menschen frei setzt und das er mit Mitteln der Desinformation und Propaganda arbeitet. Aus einem Krieg geht keine der beteiligten Parteien mit sauberen Händen hervor. Das haben unter anderem die berechtigten Befreiungs-kämpfe des vergangenen Jahrhunderts gezeigt. Kriegseuphorie konnte ich nirgends ausmachen, nicht einmal auf einer Diskussions-veranstaltung mit Offizieren, die im Kosovo Dienst taten. Ihnen machte der seit Generationen schwelende Hass zwischen den Bevölkerungsgruppen zu schaffen sowie die Besorgnis, dieser Hass werde sich zunehmend gegen diejenigen richten, die ihn im Zaum zu halten suchten. Es ist sehr bedauerlich, dass die Diskussion über den Krieg im zerfallenen und weiter zerfallenden Jugoslawien und insbesondere über den Nato-Einsatz gegen die Serben in der deutschen Linken mit so ungeheurer Polemik, mit so schrillen Tönen, mit vielen Halbwahrheiten und dem Ausblenden von Tatsachen einhergeht, so als müsse man jede Irritation des eigenen fest gefügten Weltbildes heftig abwehren, als müsse man jeden Zweifel schleunigst unterdrücken und ausschließlich Beweise für die Richtigkeit der eigenen Thesen zulassen. Dabei wären Zweifel (oder sollte ich sagen &#132;Verzweiflung&#147;) das einzige, was uns weiterführen könnte. Schließlich geht es um die unbeantwortete, in der Tat verzweiflungsvolle Frage: &#132;Wie soll die Völkergemeinschaft, wie sollen wir Europäer in Zukunft der Unterdrückung von Minderheiten begegnen? Wie verhalten wir uns, wenn Menschen ihre Autonomie, ihrer Identität, ihrer Sprache beraubt werden sollen? Wie reagieren wir auf Vertreibung und Mord durch Paramilitärs oder auf einen Genozid wie in Ruanda? Ist das Völkerrecht grundsätzlich von so übergeordneter Bedeutung, dass sich jede Art der Einmischung in innere Angelegenheit verbietet? Wenn nein, welche Form der Intervention ist legitim und zugleich erfolgreich? Wie schließlich stehen wir zum Widerstand gegen Unterdrückung und zu denjenigen, die sich selbst als Freiheitskämpfer begreifen, von der jeweils herrschenden Mehrheit aber als Terroristen angesehen werden und die sich in der Tat alsbald durch ihre eigenen Gewalttaten ebenfalls ins Unrecht setzen?&#147; Wenn es freilich in der Diskussion nur noch um den Besitz der Wahrheit geht, um Recht haben und um das Gefühl moralischer Überlegenheit geht, sind derlei Gedanken störend.</p>
<p>An den Vorstand möchte ich die herzliche Bitte richten, an der HU-Tradition festzuhalten, anderen Meinungen mit Toleranz zu begegnen und komplizierte Sachverhalte nicht durch grobe Vereinfachung zu verfälschen.</p>
<p>                                                                                      Elisabeth Kilali</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/publikation/verleihung-des-fritz-bauer-preises/">Verleihung des Fritz-Bauer-Preises</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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