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	<title>Jan Kuhlmann Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>Der elektronische Patient</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/2-2012-vorgaenge/publikation/der-elektronische-patient/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Jun 2012 17:45:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Warum die elektronische Gesundheitskarte auch ohne erkennbaren Behandlungsnutzen eingef&#252;hrt wird Essay aus vorg&#228;nge Heft 2/2012,S.104-113 1. Einleitung &#8222;Kontrollwahn&#8220;, &#8222;&#220;berwachungsfanatismus&#8220;, Kritik dieser Art liest man bei Datensch&#252;tzern den laufenden Meter. Nicht nur, wenn es um das Gesundheitswesen geht. Es ist bemerkenswert, wie unsere Lebensregungen neuerdings anlassunabh&#228;ngig Quelle von gro&#223;en Datensammlungen werden: Eink&#228;ufe, Fahrten, Anrufe, Internet-Surfen. Nat&#252;rlich [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/2-2012-vorgaenge/publikation/der-elektronische-patient/">Der elektronische Patient</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Warum die elektronische Gesundheitskarte auch ohne erkennbaren Behandlungsnutzen eingef&uuml;hrt wird</p>
<p>Essay</p>
<p>aus vorg&auml;nge Heft 2/2012,S.104-113</p>
<h2 class="auto-created">1. Einleitung</h2>
<p>&#8222;Kontrollwahn&#8220;, &#8222;&Uuml;berwachungsfanatismus&#8220;, Kritik dieser Art liest man bei Datensch&uuml;tzern den laufenden Meter. Nicht nur, wenn es um das Gesundheitswesen geht. Es ist bemerkenswert, wie unsere Lebensregungen neuerdings anlassunabh&auml;ngig Quelle von gro&szlig;en Datensammlungen werden: Eink&auml;ufe, Fahrten, Anrufe, Internet-Surfen. Nat&uuml;rlich auch Arztbesuche und Medikamentenkonsum.</p>
<p>Wenn man will, kann man darin die j&uuml;ngste Ausformung einer immer weiter gehenden Selbstdisziplinierung und Selbstkontrolle sehen, deren Anf&auml;nge Norbert Elias in &#8222;Der Prozess der Zivilisation&#8220; beschrieben hat oder Max Weber in &#8222;Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus&#8220;. Eine Disziplinierung, deren Fortsetzung Michel Foucault dokumentierte, am eindr&uuml;cklichsten in &#8222;&Uuml;berwachen und Strafen&#8220;. Durch immer genauere Sichtbarkeit, Steuerung, Messung, Dokumentation arbeiten die Menschen der Neuzeit unabl&auml;ssig an ihrer eigenen Vervollkommnung. Einen m&ouml;glichen Zielzustand hat Aldous Huxley in &#8222;Sch&ouml;ne Neue Welt&#8220; beschrieben.</p>
<p>Solange sich Richtungen und Ma&szlig;st&auml;be dieser Optimierung frei &auml;ndern k&ouml;nnen, gibt es weniger Grund, davor Angst zu bekommen. Ende des 19. Jahrhunderts hat unsere Aufkl&auml;rung einen bedeutenden Schritt gemacht, sie ist reflexiv geworden, kann sich selbst durchschauen. Unserer Neuerfindung sind dadurch wenige Grenzen gesetzt. Diese Neuerfindungen des Menschen ver&auml;ndern st&auml;ndig Ma&szlig;st&auml;be und Ziele der Selbst-Perfektionierung, sie verlangsamen dadurch den &Uuml;bergang in das Klon- und Roboterzeitalter, das in &#8222;Sch&ouml;ne Neue Welt&#8220; beschrieben ist.</p>
<p>In der heutigen Medizin ist das sich neu Erfinden des Menschen allerdings h&ouml;chstens als Problemfall vorgesehen. Sie beruht ja auf der Objektivierung des Patienten durch den Mediziner, nach zuvor feststehenden Ma&szlig;st&auml;ben. Nach den Ma&szlig;st&auml;ben der heute geforderten, evidenzbasierten Medizin handelt ein Arzt falsch, der sich und seine Kunst neu erfindet. Sein Patient erwartet etwas anderes: den Stand der Kunst, davon wird bei der Gestaltung des Systems Gesundheitskarte ausgegangen.</p>
<p>Wenn diese asymmetrische Rollenverteilung in der Architektur festgeschrieben wird, entsteht ein System, das tats&auml;chlich nur in eine Richtung arbeiten kann, nur in Richtung Optimierung und Anpassung an vorhandenes Wissen, nie in Richtung Neuerfindung der eigenen Existenz. Neu erfinden kann man sich in der Rolle des Patienten. Der darf aber nicht dar&uuml;ber urteilen, wo er wirklich steht in seinem Verh&auml;ltnis zum Rest der Welt. Valide dar&uuml;ber urteilen darf nur der Arzt. Der darf sich aber nicht neuerfinden, schon zur Qualit&auml;tssicherung. Man muss das Medizinsystem als m&auml;chtige Clon-Erzeugungs-Maschine verstehen, je tiefer die asymmetrische Rollenverteilung in der technischen und kommerziellen Architektur des Systems verankert ist. Die gute Architektur einer informationstechnischen medizinischen Infrastruktur w&auml;re eine, die das st&auml;ndige Aushandeln von Rollen, und Beziehungen mit gleicher Definitionsmacht zwischen allen Beteiligten voraussetzt, und unterst&uuml;tzt. Insbesondere: gleiche Startpositionen f&uuml;r Arzt und Patient.</p>
<p>Das Projekt elektronische Gesundheitskarte (EGK) stammt aus den 1980er Jahren, die jetzige Krankenversichertenkarte (KVK) sollte schon 1992 zur EGK weiterentwickelt werden, mit den heute bekannten Anwendungen: E-Gesundheitsakte, E-Rezept, Notfalldaten. Ein Gro&szlig;projekt auf Grundlage proprite&auml;rer, patentgesch&uuml;tzer Hardware. (N&auml;heres zur Geschichte in der Brosch&uuml;re des Forums InformatikerInnen f&uuml;r Frieden und Gesellschaftliche Verantwortung, 2. Auflage, Seite 6-17: <a href="http://fiff.de/publikationen/broschueren/20110620_FIfF-egk_digitaleVersionV2.pdf/view" target="_blank" rel="noopener">http://fiff.de/publikationen/broschueren/20110620_FIfF-egk_digitaleVersionV2.pdf/view</a>&nbsp;).</p>
<p>Die gew&auml;hlte zentrale Architektur erfordert ein ausgefeiltes Rollen- und Rechtemodell, auf das sich alle Beteiligten einigen m&uuml;ssen. Die Widerspr&uuml;che zwischen &Auml;rzten und Versicherungen, zwischen Modernisierern und Konservativen, zwischen Datensch&uuml;tzern und Freunden einfacher Arbeit verhindern dessen Festschreibung, und ein Wachstum dezentraler L&ouml;sungen von unten ist nicht m&ouml;glich in diesem Modell. Seit 2004 steht im Gesetz, dass die EGK ab 2006 verbindlich ist. Zurzeit wird sie ausgerollt. Nach neuesten gesetzlichen Vorgaben sollten letztes Jahr 10 Prozent der Versicherten die Karte erhalten, dieses Jahr soll die Quote auf 70 Prozent steigen. Krankenkassen, die nicht spuren, erhalten weniger Geld. Eine wirksame Drohung, da die Kassen nur noch aus dem staatlichen Gesundheitsfond Geld erhalten. Die meisten Abgeordneten, die dieser gesetzlichen Erpressung zustimmten, haben das gar nicht mitbekommen. F&uuml;r die Wirksamkeit kommt es darauf nicht an.</p>
<p>Immer wieder h&ouml;rt man von Versicherten, dass sie die EGK bekommen haben, auch wenn offenbar weder letztes Jahr 10 Prozent erreicht wurden noch dieses Jahr 70 Prozent erreicht werden, da die gr&ouml;&szlig;ten Kassen sich zur&uuml;ckhalten. Zuerst wird man aufgefordert, ein Bild einzuschicken, dann wird es auf die EGK gedruckt und schlie&szlig;lich bekommt man sie. Die EGK kostet die Krankenkassen ca. zehnmal soviel wie die KVK, mehrere Euro pro St&uuml;ck, und braucht neue Leseger&auml;te, die parallel in den Arztpraxen, Apotheken, Krankenh&auml;usern ausgerollt wurden. Auch das wird von den Krankenkassen bezahlt. Von uns allen. Die Kosten belaufen sich bis heute auf mehr als eine Milliarde Euro, die in die Taschen weniger Firmen flossen, die von Anfang an bis heute das Projekt gestalten: Sagem Orga, IBM, Siemens, Giesecke &amp; Devrient, IntercomponentWare.</p>
<p>Die EGK ist die Eintrittskarte f&uuml;r eine neue technische Infrastruktur im Gesundheitswesen, genannt &#8222;Telematik-Infrastruktur&#8220;. Diese wird organisiert von der Gematik in Berlin, einer GmbH, in der die Krankenkassen, &Auml;rzte, Krankenh&auml;user sowie IT-Industrie und Datensch&uuml;tzer vertreten sind. Die Karte verh&auml;lt sich zur Infrastruktur wie die Spitze des Eisbergs zum Eisberg &#8211; sie bildet die sichtbaren 10 Prozent. Darunter liegt eine Infrastruktur, die zehntausende Rechner aller Institutionen des Gesundheitswesens &uuml;ber das Internet miteinander verkn&uuml;pft, nat&uuml;rlich verschl&uuml;sselt. Ausgelegt allerdings nicht f&uuml;r R&ouml;ntgenbilder oder Abbildungen von EKGs. Es geht ausschlie&szlig;lich um Verwaltungs-, Abrechnungsdaten, um Fundstellen und Verschl&uuml;sselungsmittel.</p>
<p>In Gro&szlig;britannien und Tschechien wurden vor Kurzem vergleichbare Projekte storniert, die jahrelang nicht von der Stelle gekommen waren. Auch dort gelang es nicht, f&uuml;r ein einheitliches Rollen- und Rechtemodell L&ouml;sungen aller wesentlichen Interessenkonflikte zu gestalten &#8211; Voraussetzung f&uuml;r ein sauber funktionierendes informationstechnisches Gro&szlig;system.</p>
<p>Aber dieses einheitliche Rollen- und Rechtemodell, das Interessenkonflikte durch Gestaltung aufl&ouml;st, ist die deutsche Nationalutopie schlechthin. Vor allem, wenn damit zugleich die Wirtschaft gef&ouml;rdert und deutsche Technologie in Deutschland der Welt als Modell pr&auml;sentiert wird, wie auch bei der Autobahnmaut. Die intelligente Chipkarte gilt in der hiesigen Politik als deutsche Schl&uuml;ssel- und Spitzentechnologie. Und die Gesundheitswirtschaft als Industriezweig der Zukunft, als Triebkraft des n&auml;chsten langfristigen Aufschwungs. Beamtete Datensch&uuml;tzer, Gr&uuml;ne, Sozialdemokraten m&uuml;ssten politische Selbstm&ouml;rder sein, um heute gegen diese Utopien anzugehen. Da hierzulande nur Piraten und Linke gegen die EGK sind, wird sich das Projekt noch lange hinschleppen.</p>
<h2 class="auto-created">II. Die EGK als Thema f&uuml;r Trans&shy;pa&shy;rency Inter&shy;na&shy;ti&shy;onal</h2>
<p>Auf den ersten Blick scheint Datenschutz kein Problem bei der EGK zu sein, nicht nur der Bundesbeauftragte Peter Schaar hat in Sachen Datenschutz keine Bedenken, auch Thilo Weichert, der oft kritische Schleswig-Holsteinische Datenschutzbeauftragte, gibt gr&uuml;nes Licht.</p>
<p>Die Projekttr&auml;ger erf&uuml;llten alle Auflagen der Datenschutzbeauftragten ohne langes Fackeln, da es bislang kein anderweitiges Interesse an der EGK gibt, das mit dem Datenschutz schwierig vereinbart werden muss. Die gesetzlich vorgesehenen Anwendungen, elektronische Gesundheitsakte, elektronisches Rezept, elektronischer Arztbrief, zurzeit nicht mehr geplant. Au&szlig;er Datenschutz kann die EGK noch nicht viel. Sie und ihre Telematik-Infrastruktur sind bislang weitgehend Selbstzweck. H&auml;tte die IT-Industrie nicht Politiker und Funktion&auml;re erfolgreich beeinflusst, w&auml;re das Thema erledigt. Das Projekt k&ouml;nnte auch sterben, wenn eine von diesen zentralen Anwendungen gleich live geht. Weil dann erhebliche Probleme hochpoppen, das haben alle Pilotprojekte gezeigt. Endlose Wartezeiten vor den Terminals, von Arzt und Patient vergessene PINs, gesperrte Karten, Systemausf&auml;lle. Die Gematik macht es in ihrem Sinne richtig, die Karte ohne Anwendungen einzuf&uuml;hren. Uns ist niemand bekannt, der sich unbezahlt f&uuml;r die EGK eingesetzt h&auml;tte. Kein Arzt, kein Patient. Au&szlig;er vertrieblich und infrastrukturell, interessiert das Ding niemanden. So dass die EGK f&uuml;r den beamteten Datenschutz genauso eine 100 Prozent Erfolgsstory ist, wie f&uuml;r die Hersteller von Chipkarten und Leseger&auml;ten. Dass die Spezifikation der EGK von der Gematik gerade um Jahre zur&uuml;ck gekippt wurde, von 2.3.4 auf 0.5.3, ist f&uuml;r niemanden ein Problem, am wenigsten f&uuml;r die Gematik selbst, sie darf weiter machen und kriegt Geld daf&uuml;r. It&#8217;s the economy, stupid. Die EGK ist als Technologie zum Scheitern verurteilt wie die Atomenergie, aber das Scheitern kann sich &uuml;ber mehrere Jahrzehnte hinziehen und gigantische Ausma&szlig;e annehmen, wenn man es diese Ausma&szlig;e annehmen l&auml;sst. Auch in der Entwicklung der deutschen Atomkraft hat es diese jahrelangen Um- und Irrwege gegeben.</p>
<p>Mit der EGK werden noch lange nur Dinge gemacht, die schon mit der KVK gingen. Den Stammdatenabgleich macht man schon viele Jahre gegen eine CD ROM, die monatlich an die Arztpraxen verteilt wird, Notfallausweise aus Papier haben Epileptiker und Diabetiker dabei. Die behalten sie auch, weil nicht jeder Arzt immer mit Leseger&auml;t heruml&auml;uft. Organspendeausweise gibts auch schon, menschenlesbar. Kosten der EGK-Infrastruktur bis jetzt: mehr als eine Milliarde, die von der Krankenversicherung an wenige Firmen &uuml;berwiesen wurde, noch bevor die Infrastruktur im Wirkbetrieb ist. Warum soll man als ITler dagegen sein, das fragen sich auch kritische Experten, und untersuchten den Aspekt Wirtschaftsf&ouml;rderung bisher nicht weiter. Das Ding schafft durchaus kurzfristig IT-Umsatz und Nachfrage nach Entwicklern. F&uuml;hrt aber strategisch in eine Sackgasse.</p>
<p>Einige Hinweise f&uuml;r investigative Journalisten oder emp&ouml;rte &Auml;rztinnen und Krankenpfleger, die keine Zeit mehr f&uuml;r Patienten haben, weil das Geld f&uuml;r die EGK bei ihnen eingespart wurde. Die folgenden Fakten sind bereits ausreichende Erkl&auml;rung, warum es die EGK gibt:</p>
<ul>
<li>Anke Martiny, Bundesvorsitzende von Transparency International, hat in mehreren Publikationen analysiert, wie die undurchsichtigen Lobbystrukturen im deutschen Gesundheitssystem Betrug und Korruption f&ouml;rdern.</li>
</ul>
<ul>
<li>Die gro&szlig;en Kassen, Barmer, DAK und TK, werden von ihren IT Abteilungen dominiert, und die stehen seit den 1970er Jahren fest auf dem Boden der mentalen Welt des IBMers: Gro&szlig;rechner, gro&szlig;e Datenbanken, Prozessorientierung, big is beautiful.</li>
</ul>
<ul>
<li>Zwischen den Krankenkassen, mit ihren IT-T&ouml;chtern und Verb&auml;nden, und dem Bundesministerium f&uuml;r Gesundheit besteht eine rege Personalunion. In Gesundheitsministerium und Kanzleramt sind st&auml;ndig ausgeliehene Mitarbeiter des Krankenkassensystems im Einsatz.</li>
</ul>
<ul>
<li>Der Plan zur EGK wurde 2003 entwickelt, im Auftrag des Gesundheitsministeriums, vom Konsortium &#8222;bit4health&#8220;, ihm geh&ouml;rten genau die Firmen an, die heute vom Projekt profitieren: Sagem Orga, IBM, Siemens, Giesecke &amp; Devrient, IntercomponentWare.</li>
</ul>
<ul>
<li>Der wichtigste Profiteur der EGK in Deutschland ist Giesecke &amp; Devrient GmbH, M&uuml;nchen. Laut Spiegel Nr. 11/2010 (&#8222;Westerwelles Netzwerk&#8220;) geh&ouml;rt ihr Chef, Dr. Karsten Ottenberg, zum engsten gesch&auml;ftlichen Netzwerk von Guido Westerwelle, dessen Mitglieder Westerwelle nicht verhungern l&auml;sst und die er zu Auslandsreisen mitnimmt. Dr. Karsten Ottenberg ist der Vorsitzende der Arbeitsgruppe 7, IKT und Gesundheit, des &#8222;Nationalen IT-Gipfels der Bundeskanzlerin&#8220;, der dem Land die strategische Richtung f&uuml;r die Entwicklung des staatlichen IT weist. Zu den Themen des IT-Gipfels geh&ouml;ren auch EGK und Gesundheits-Telematik.</li>
</ul>
<ul>
<li>Der Personalausweis als RFID Chipkarte wird seit 2010 verteilt und erm&ouml;glicht eine rechtswirksame Identifikation, und freiwillige Signatur mit PIN, damit ist eine maschinenlesbare Identifikation und Signatur f&uuml;r weitere Anwendungen zul&auml;ssig. Er wird hergestellt mit wesentlicher Beteiligung von Giesecke &amp; Devrient. Allerdings, f&uuml;r Giesecke &amp; Devrient f&auml;llt bei einer Persoanwendung wenig ab, aber Millionen bei einer weiteren Chipkarte.</li>
<li>F&uuml;r die CDU ist Deutschland Chipkartenland. 1999 wurde an Sagem Orga der Auftrag erteilt, eine Machbarkeitsstudie zur Asylcard zu erstellen. Personalausweis ist bekannt. Bei der Bundeswehr wird derzeit der neue Elektronische Dienstausweis ausgerollt, eine Chipkarte, geplant seit 2001. Eine Chipkarte, die alle Arbeitslosen h&auml;tten kaufen m&uuml;ssen, (&#8222;Job-Card&#8220;), war Bestandteil des j&uuml;ngst gestoppten ELENA Projekts. Ministerin von der Leyen fordert die Bildungs-Chipkarte f&uuml;r arme Kinder. Die Liste ist unvollst&auml;ndig.</li>
</ul>
<ul>
<li>Gesundheits-Chipkarten gibt es nur entweder in den 2 L&auml;ndern, in denen weltweit f&uuml;hrende Chipkartenhersteller sitzen (Deutschland und Frankreich), oder in welchen, die in den Staatskorruptions-Indices von EU und Transparency International schlechte Pl&auml;tze haben (&Ouml;sterreich, Slowenien, Taiwan). Sonst nirgends.</li>
</ul>
<p>Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt vieles, was einige bl&ouml;d finden. Valium, Hom&ouml;opathie, Fluoxetin, Kneipp Kuren und anderes. Warum nicht auch elektronische Gesundheitsakten und Rezepte. Solange sie genauso freiwillig sind. Sind sie das?</p>
<h2 class="auto-created">III. Die EGK als Thema f&uuml;r die Occupy Bewegung</h2>
<p>Die beiden wichtigsten Datensch&uuml;tzer, die gegen die EGK aktiv sind, hei&szlig;en Wolfgang Linder und Kai-Uwe Steffens. Sie warnen nicht in erster Linie vor jetzt ausgerollten EGK-Anwendungen, sondern vor geplanten. Kai-Uwe Steffens verweist darauf, dass zentral gespeicherte Gesundheitsdaten und ihr Austausch &uuml;ber das Internet immer unsicher sind, die ganze Chipkarten-Infrastruktur aber nur Sinn hat, wenn es sie gibt. Wolfgang Linder vom &#8222;Komitee f&uuml;r Grundrechte und Demokratie&#8220; warnt, f&uuml;r die Finanziers, die Krankenkassen, lohnte sich die Infrastruktur erst, wenn neue Anwendungen k&auml;men, sie sind in der Pipeline, die seien erst das Problem. (Siehe <a href="http://www.grundrechtekomitee.de/node/480" target="_blank" rel="noopener">http://www.grundrechtekomitee.de/node/480</a> und das gerade erschienene Buch des Komitees &#8222;Digitalisierte Patienten &#8211; Verkaufte Krankheiten&#8220;).</p>
<p>Linder verweist auf Folgendes. Jede bisherige Regierung hat ins Gesetz geschrieben, was der Krankenkassenverband ihr diktiert, am genauesten CDU/FDP, deren Abgeordnete oft keine Ahnung haben, welchen Last Minute Gesetzen sie gerade zustimmen.</p>
<p>Wenn die Opposition Einw&auml;nde gegen ihr Gesetzprojekt vorbringt, rufen sie emp&ouml;rt dazwischen &#8222;Zur Sache!&#8220;, weil sie annehmen, im Gesetzentwurf stehe nur, was ihr Minister gesagt hat. Volksvertreter haben oft keine Ahnung.</p>
<p>Im gleichen Blitzverfahren wird, laut Wolfgang Linder, eines Tages entweder die Freiwilligkeit bei der Elektronischen Patientenakte ausgehebelt, oder die Vorschrift, dass keiner benachteiligt werden darf, der diese Akte nicht haben will. Eines von beiden muss fallen, sonst haben all die Investitionen f&uuml;r die Krankenkassen keinen Sinn. Da wird er Recht haben. Es geht den Kassen um Wettbewerb in der Krankenversorgung, um zu akzeptablen Kosten die &auml;lter und kr&auml;nker werdende Bev&ouml;lkerung zu versorgen. Hier kommt die Occupy Bewegung ins Spiel, denn es geht gleichzeitig um die ambulante Patientenversorgung als Investitionssph&auml;re f&uuml;r Banken, Versicherungen und Klinikkonzerne. Viele Krankenkassen sind l&auml;ngst eng verbunden mit Privatversicherungen. Sie wollen mit behandeln und Geld von der &Auml;rzteschaft zu sich selbst umverteilen. Der Datenschutz erschwert dieses &#8222;Managed Care&#8220;, die EGK soll sie m&ouml;glich machen.</p>
<p>Die Zukunft der Gesundheitsversorgung soll n&auml;mlich die &#8222;populationsorientierte integrierte Versorgung&#8220; sein. Steht schon im Gesetz, &sect;&sect; 140 a bis d SGB V. Es geht um alle Versicherten ganzer PLZ-Regionen, oder um Gro&szlig;gruppen, wie alle Dialyse-Patienten eines Bundeslandes. Ihre Versorgung soll komplett von einem Klinikkonzern, oder einer Health-Management-Gesellschaft &uuml;bernommen werden. Die bekommt von einer Krankenkasse, oder von einem Verband von Kassen den Auftrag dazu. Den Auftrag bekommt, wer verspricht, es billiger zu machen als jetzt, billiger als andere. Der Klinikkonzern oder die Managementgesellschaft, die den Versorgungs-Zuschlag hat, darf sich &Auml;rzte und Krankenh&auml;user aussuchen, zu denen man als Patient gehen darf. Sie vereinbaren mit diesen &Auml;rzten die Bedingungen, k&ouml;nnen sie gegeneinander ausspielen. (&#8222;Selektivvertr&auml;ge&#8220;). Das geht, weil die freie Arztwahl der Patienten dabei eingeschr&auml;nkt ist.</p>
<p>Es gibt im Gesundheitswesen keinen vern&uuml;nftigen Menschen, der gegen Integrierte Versorgung ist &#8211; gegen das enge Verzahnen der verschiedenen Dienstleister bei der Behandlung. Allerdings ist diejenige Integrierte Versorgung, die derzeit in Deutschland geplante ist, eine von &#8222;oben&#8220; gesteuerte, kontrolliert von sog. Health Management Organizations (HMO) und Klinikkonzernen, nach US-Vorbild.</p>
<p>F&uuml;r diese &#8222;integrierte Versorgung&#8220; ist die EGK in doppelter Weise zentraler Baustein. Zum einen liefert sie die Information, zu welcher Versorgungsgruppe ich als Patient geh&ouml;re. Wem ich sozusagen geh&ouml;re, wo ich behandelt werden darf, oder welche Zusatzversicherung ich habe. Dazu dient das Versicherten-Stammdaten-Management, die erste und wichtigste Funktion der EGK. Jede Arztpraxis kann sofort sehen, in welchem Programm ich bin, z.B. &#8222;Diabetiker&#8220;. Ob sie mich &uuml;berhaupt behandeln darf, wie sie mich behandeln kann und muss. Zum anderen sind die gew&uuml;nschten Kosten-Einsparungen nur m&ouml;glich, wenn viele Seiten auf dieselben Behandlungsinformationen zugreifen. Klinikkonzerne und Health-Management-Gesellschaften wollen ihre ambulante Behandlung mit Leitlinien steuern, und auf ihrer Grundlage: verbindlich qualit&auml;tssichern. (&#8222;Managed Care&#8220;). So k&ouml;nnen sie ihre Kostenziele erreichen und Verluste vermeiden. &Auml;rzte werden teilweise ersetzt durch Telemetrie-Anwendungen (z. B. bei Herzproblemen) oder durch medizinische Callcenter (bei Bagatellerkrankungen). Das funktioniert nur, wenn der Betreiber umfassenden Zugriff auf die Behandlungsdaten hat. Es muss f&uuml;r Managed Care &uuml;bergreifende elektronische Gesundheits- oder Fallakten geben, im Besitz der Betreiber, mit Zugriffsm&ouml;glichkeit durch viele Behandler und case manager. Jetzt wissen Leserinnen und Leser, warum Krankenkassen und &Auml;rzteverb&auml;nde gerade so viele IT Stellenanzeigen schalten. Mit dem Arztgeheimnis, das die &Auml;rzte voneinander abschottet, k&ouml;nnten Patienten die Begrenzung ihrer Anspr&uuml;che aushebeln. In den Managed Care Projekten, die es bisher gab (&#8222;Hausarztvertr&auml;ge&#8220;) mussten die Patienten denn auch weitgehend auf ihr Patientengeheimnis verzichten. Was zu erheblichem &Auml;rger mit den Datenschutzbeauftragten Thilo Weichert f&uuml;hrte. (Beamtete Datensch&uuml;tzer d&uuml;rfen nur Dinge kritisieren, die schon ausreichend konkret sind und mindestens das Stadium des Gesetzentwurfs erlangt haben. Kritik von Strategien und Sachzw&auml;ngen ist nicht ihre Aufgabe, sonst k&ouml;nnte man sie erfolgreich der Wirtschaftsfeindlichkeit bezichtigen, was t&ouml;dlich w&auml;re. An Stelle von Peter Schaar und Thilo Weichert m&uuml;sste und w&uuml;rde ich dasselbe tun. Zum Gl&uuml;ck bin ich nicht an ihrer Stelle.)</p>
<p>Ein Mitarbeiter der Techniker Krankenkasse schreibt: &#8222;Die integrierte Versorgung erg&auml;nzt im Wesentlichen die Regelversorgung, wird aber zuk&uuml;nftig Teile der Regelversorgung ersetzen. Ihr Anteil wird steigen, und durch technische Vernetzungen wie die Patientenakte werden Kooperation und Arbeitsteilung einen h&ouml;heren Stellenwert bekommen.&#8220; In der Szene der Krankenkassen und &Auml;rzteverb&auml;nde finden zu dem Themenkreis Managed Care/Integrierte Versorgung mehrfach j&auml;hrlich Tagungen und Kongresse statt, es herrscht Goldgr&auml;berstimmung. Es geht um so viele Milliarden, dass die Kosten der EGK beinahe verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig sind, wenn man Managed Care f&uuml;r sinnvoll h&auml;lt. In den USA kennt man diese HMO, wie Kaiser Permanente, schon lange. Manche versuchen sie gerade wieder loszuwerden. Weil Patienten dort jetzt wissen, wie recht Ehrlichmann hatte, der gesundheitspolitische Berater von Pr&auml;sident Nixon. Der warnte vor 40 Jahren: &#8222;The less care they give, the more money they make.&#8220; ( <a href="http://www.kaiserthrive.org/kaiser-permanente-history/" target="_blank" rel="noopener">http://www.kaiserthrive.org/kaiser-permanente-history/</a> ).</p>
<p>Klinikkonzerne und Krankenkassen dr&auml;ngen in die ambulante Versorgung. Das ist hier nur durchsetzbar mit dem Segen des Datenschutzes. Den Datenschutzsegen erh&auml;lt Managed Care mit der EGK. Jede Krankenkasse, die Geld machen will, denkt, sie braucht deshalb die EGK. Jeder rationale ambulante Arzt, der um sein Einkommen f&uuml;rchtet, dem alles andere egal ist, will die EGK verhindern, um Managed Care zu verhindern. Wir haben es mit einem datenschutzpolitischen Stellvertreterkrieg zu tun.</p>
<p>Ein etwas anderer medizinischer Datenaustausch, freiwillig, ohne Patente, basierend auf offenen Standards, wird international erfolgreich sein. Nach Lage der Dinge wird er nicht aus Deutschland kommen. Wegen dieser Blockade-Konstellation: Krankenversicherungen &#8211; Datensch&uuml;tzer &#8211; Chipkartenindustrie.</p>
<h2 class="auto-created">IV. Ist das noch Daten&shy;schutz?</h2>
<p>Es gibt in der Bev&ouml;lkerung erhebliche Zustimmung zur Sammlung von Kommunikationsdaten. Das Kontrollbed&uuml;rfnis, dem jeder f&uuml;r sich selbst fr&ouml;nt, kehrt sich auch nach au&szlig;en. Die Leute wollen verhindern, dass irgend jemand Vorteile davon hat, dass er etwas tut, was man sich selbst verkniffen hat. Da viele auf vieles verzichten und sich auf den meisten Gebieten nach halboffiziellen Anleitungen richten (beim arbeiten, essen, lieben, &#8230;) &#8211; was niemandem immer nur Spa&szlig; bringt &#8211; m&ouml;chten dieselben Leute ganz sicher sein, dass einer, der sich nicht um die halboffiziellen Anleitungen k&uuml;mmert, (der arbeitet, isst, liebt wie er gerade lustig ist), auf keinen Fall noch gr&ouml;&szlig;eren Vorteil aus seiner L&auml;ssigkeit zieht. Weil es so anstrengend ist, alles richtig zu machen, muss es dem, der es falsch macht, unbedingt schlechter gehen. Freud hat das, im &#8222;Unbehagen in der Kultur&#8220;, den <i>Narzi&szlig;mus der kleinen Differenz </i>genannt. Ihm dienen Kontrollen. Es geh&ouml;rt kaum Phantasie dazu, sich vorzustellen, wie diese Rache der Enterbten sich im Gesundheitswesen austobt, wenn die n&ouml;tigen Daten einmal erhoben sind. Vorschl&auml;ge f&uuml;r Beitragserstattungen bei regelm&auml;&szlig;ig vern&uuml;nftigem Sport, und h&ouml;here Beitr&auml;ge f&uuml;r Raucher, Trinker, Fastfoodesser und Extremsportler, nat&uuml;rlich organisiert &uuml;ber die Chipkarte, gibt es schon lange.</p>
<p>Sie wollen deshalb auch weiterhin unbeschriebenes Blatt sein, normalerweise. Das sind Sie nicht mehr, wenn ich Ihr Arzt bin und in Ihrer zentralen Gesundheitsakte keine Eintragungen sind, im Alter 40 oder 50. Es ist unwahrscheinlich, dass da nichts steht, weil Sie im Leben nie beim. Arzt waren. Wahrscheinlicher ist, dass Sie mir was vorenthalten. Das denke ich, weil ich Ihre leere Akte sehe. Das denke ich auch, wenn Sie mir sagen: ich gebe Ihnen keinen Zugriff. Ich sehe Sie als neuen Patienten dann anders als jetzt. Bei allem, was Sie sagen, denke ich wegen dieser leeren Akte: &#8222;&#8230; und was noch? Was verschweigt er mir?&#8220;</p>
<p>Wenn Sie alles aufzeichnen lassen und dem Arzt alles zeigen, steht da vielleicht etwas, was Sie f&uuml;r zweifelhaft halten. So dass Sie nicht m&ouml;chten, dass Ihr neuer Arzt anders auf diese Idee kommt, als von selber. Das geht aber nicht mehr, hat er einmal gelesen, was der Kollege &uuml;ber Sie schrieb. Eine unbefangene Begegnung ist nicht mehr m&ouml;glich, sobald die zentrale elektronische Gesundheitsakte existiert.</p>
<p>Wenn Sie m&ouml;chten, dass Ihr Arzt nur wei&szlig;, was Sie sagen und was er feststellt, und dass er sich auf der Grundlage sein Urteil bildet, wenn Sie an diesem unbefangenen Urteil interessiert sind und an keinem andern, m&uuml;ssen Sie sich privat behandeln lassen. Dieses Urteil k&ouml;nnen Sie mehr bekommen, wenn es einen definierten Ort gibt, an dem Metadaten &uuml;ber Ihre medizinische Akte stehen, auf die Ihr Arzt regelm&auml;&szlig;ig zugreifen soll. Bei Managed Care ist es nicht mal m&ouml;glich, von einem zweiten Arzt eine zweite, unbefangene Meinung einzuholen, und alleine zu entscheiden, was man glauben will.</p>
<p>Wenn man davon ausgeht, dass das Verh&auml;ltnis Arzt-Patient ein sehr enges Vertrauensverh&auml;ltnis sein sollte, ist eine elektronische Patientenakte mit definiertem Ort ihrer Metadaten (z.B. Zugriffsrechte) genauso problematisch wie eine Beicht-Akte, oder eine Sex Akte. Sie verhindern unbefangene, unvorbelastete Begegnungen. Man kann machen, was man will: ist abgestempelt, sobald es den Ort f&uuml;r Metadaten gibt: als Geheimniskr&auml;mer, Informationsblockierer, als l&auml;ngst Kranker, als Mitmacher oder Verweigerer.</p>
<p>Ich steuere meine Behandlungen alle selbst, und das ist viel effizienter, als wenn jeder Arzt erst lesen m&uuml;sste, was jeder andere jemals &uuml;ber mich geschrieben hat. Patienteninteressen sind nur bei v&ouml;llig unm&uuml;ndigen Patienten weitgehend identisch mit den Eigeninteressen des medizinischen Systems.</p>
<p>Vertrauen verschwindet aus der Gesellschaft, Misstrauen und Vorsicht nehmen &uuml;berhand, die Philosophin Michele Marzano hat ein Buch dar&uuml;ber geschrieben: &#8222;Le contrat de defiance&#8220;. In den USA ist f&uuml;r &Auml;rzte der Zeitaufwand f&uuml;r Dokumentation l&auml;ngst gr&ouml;&szlig;er, als der f&uuml;r Patientenkontakt. Dahin geht der Trend hierzulande auch. Die EGK ist Teil davon. Das Recht auf die M&ouml;glichkeit des Vertrauens schwindet. Vor allem im Gesundheitsbereich. Dazu geh&ouml;rt das Recht, seine Vergangenheit aus dem Augenblick heraus zu interpretieren, und vom anderen genau so wahrgenommen zu werden. Mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen kann anders gehen. Auch Selektivvertr&auml;ge sind ohne personenbezogene Datensammlungen m&ouml;glich.</p>
<p>Freiwillig ist eine Anwendung, bei der keiner von Amts wegen gefragt wird, ob er sie nutzen will. Die au&szlig;er jenen, die sich freiwillig eingetragen haben, niemanden kennt. Davon gibt es im Internet diverse f&uuml;r Gesundheitsdaten, mit unterschiedlicher Schutzintensit&auml;t. Die Gesetzliche Krankenversicherung k&ouml;nnte solche Anwendungen auch erstellen und nutzen, gern mehrere, auch eine davon mit Chipkarte. Kein Arzt sollte die M&ouml;glichkeit haben, festzustellen, ob es bislang keine, eine oder mehrere elektronische Gesundheitsakten &uuml;ber Sie gibt, verteilt oder lokal, wenn Sie dem Arzt alle Rechte geben, von denen er wei&szlig;, dass jeder sie hat. Dann stimmt es, dass Sie dem Arzt freiwillig den Zugriff auf Ihre Akte geben. Selbstverst&auml;ndlich spricht sehr viel f&uuml;r gemeinsame Akten von mehreren Behandlern. Wer es braucht, soll es unbedingt machen. Freiwillig. Das hei&szlig;t: man kann so oder anders, ohne Nachteile.</p>
<h2 class="auto-created">V. Die Chance f&uuml;r Privatheit</h2>
<p>Die Entwicklung des Datenschutzes zur Massenbewegung, auch Open Source und Wikipedia zeigen, dass eine neue Form des Gemeinschaftsbewusstseins im Werden ist. Seltsamerweise gerade unter als unsozial geltenden Informatikern. Sorgsamer Umgang mit dem Kulturerbe, so k&ouml;nnte man sie auf den Punkt bringen. Macht euren Bl&ouml;dsinn &uuml;berall, aber macht ihn nicht mit unseren Gemeinschaftsg&uuml;tern: z. B. nicht mit dem Internet, nicht mit Etherpad, nicht mit der Wikipedia. Nicht mit dem Regenwald der Philippinen. Dieses Beharren auf Ernsthaftigkeit beim Umgang mit gewissen Ressourcen ist eine Haltung, die am automatischen Fortschritt orientierte Institutionen und ihre Vertreter nicht einnehmen k&ouml;nnen. Um als realistisch zu gelten, m&uuml;ssen sie ihren Leuten beweisen, dass nichts heilig ist, alles seinen Preis hat.</p>
<p>Diese Ernsthaftigkeit bringen einige davon ins Gesundheitswesen ein. Die Anwendungen, gegen die sie am meisten sind, zentrale medizinische Akte, elektronisches Rezept, sollen seit 20 Jahren eingef&uuml;hrt werden, sind heute fast au&szlig;er Diskussion. Sie wiegen sich nicht in Sicherheit, sehen &ouml;konomische Interessen und politische Sachzw&auml;nge am Werk.</p>
<p>Kein Bild einschicken ist sch&ouml;n und gut, sagen sie, diese Datensch&uuml;tzer in den Initiativen &#8222;Stoppt die e-card&#8220; und &#8222;Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung&#8220;. Es sei aber schon entschieden, wer kein Bild einschickt, kriegt eine EGK ohne Bild, die funktioniert genauso. Man kann bei der Krankenkasse beantragen, weiterhin auch ohne EGK versorgt zu werden. Gegen die vorhersehbare Ablehnung kann man dann mit Widerspruch und Klage nach Karlsruhe gehen. Das machen einige. Bisher gibt es noch keine Gerichtsentscheidung. Man kann diesen Antrag jederzeit stellen, nachdem man die EGK erhalten hat. Zu gegebener Zeit k&ouml;nnten sie eine gr&ouml;&szlig;ere Massenklage starten.</p>
<p>Parallel gibt es die Idee, bei der Techniker Krankenkasse als Modellversuch einen Datenschutz-Tarif zu beantragen. Und wenn sie den nirgends kriegen, eine Datenschutz-Krankenkasse zu gr&uuml;nden. Elektronische Medien sollten f&uuml;r die Selbstverwaltung benutzt werden. Gl&auml;serne Verwaltung, statt gl&auml;serne Patienten, ist die Utopie dahinter.</p>
<p>Krankenkassen und Verb&auml;nde sagen, nur mit Managed Care k&ouml;nnten immer krankere Versicherte zu konstanten Kosten versorgt werden. Zu Privatisierung und Managed Care g&auml;be es keine Alternative. Der Status Quo sei nicht zu halten. Damit haben sie SPD und Gr&uuml;ne &uuml;berzeugt. Beh&ouml;rdlicher Datenschutz und Gerichte sind nicht berechtigt, gesundheitspolitische Alternativmodelle vorzuschlagen. Sie m&uuml;ssen den Krankenkassen ihre Sachzw&auml;nge zum Nennwert abnehmen. Die sagen zum Beispiel: die EGK-Infrastruktur sei besser als Microsoft Health Vault (siehe <a href="http://www.microsoft.com/enus/microsofthealth/products/microsoft-healthvault.aspx" target="_blank" rel="noopener">http://www.microsoft.com/enus/microsofthealth/products/microsoft-healthvault.aspx</a>). Das sei die einzige denkbare Alternative. Deswegen w&auml;re die EGK Datenschutz!</p>
<p>Den Beweis des Gegenteils &#8211; Vereinbarkeit von Patientengeheimnis, guter Versorgung, vertretbaren Kosten &#8211; wird beispielsweise in den skandinavischen L&auml;ndern erbracht, wo die Gesundheitsversorgung, steuerfinanziert, in Staatshand ist. In Deutschland wird es zun&auml;chst eine kleine Minderheit sein, die zeigt, dass es anders geht, in genossenschaftlichen Modellen. Transparente Selbstverwaltung, Datenschutz und Offene Standards wird Kern einer politischen Alternative in vielen Bereichen sein. Auch im Gesundheitswesen.</p>
<p>Das Krankenkassensystem mit seinen Verb&auml;nden genie&szlig;t in Deutschland aufgrund einer 150j&auml;hrigen Erfolgsgeschichte ein hohes Ma&szlig; an Glaubw&uuml;rdigkeit. Mit seiner &Ouml;ffnung f&uuml;r den Wettbewerb hat um das Jahr 2000 herum sein Abbau begonnen, parallel zur Einf&uuml;hrung von Kartensystemen. Bis es sich herumgesprochen hat, dass die Verb&auml;nde der Krankenkassen heute keine h&ouml;here Weisheit verk&uuml;nden als die Bitkom oder der Verband der Zeitungsverleger, dass es ihnen um nichts als Umsatz und Gewinn f&uuml;r ihre Unternehmen geht, das wird eine Weile dauern. Solange k&ouml;nnte es die EGK geben.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/2-2012-vorgaenge/publikation/der-elektronische-patient/">Der elektronische Patient</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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