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	<title>Katarzyna Stokłosa Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>Mehr Nutzen als Nachteil</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Jun 2006 14:09:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>In Polen ist nach dem Beitritt die fr&#252;here Europa-Skepsis einer pragmatischen Zuversicht gewichen. Aus: vorg&#228;nge Nr.174, (Heft 2/2006), S. 102-109 Im Juli 1997 wurde in Br&#252;ssel die seit langem erwartete frohe Botschaft &#252;ber den Vorschlag der Europ&#228;ischen Union an Polen, Tschechien, Ungarn, Estland, Slowenien und Zypern verk&#252;ndet, die Verhandlungen &#252;ber eine Mitgliedschaft aufzunehmen. Am 13. [weiterlesen]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In Polen ist nach dem Beitritt die fr&uuml;here Europa-Skepsis einer pragmatischen Zuversicht gewichen.</p>
<p>Aus: vorg&auml;nge Nr.174, (Heft 2/2006), S. 102-109</p>
<p>Im Juli 1997 wurde in Br&uuml;ssel die seit langem erwartete frohe Botschaft &uuml;ber den Vorschlag der Europ&auml;ischen Union an Polen, Tschechien, Ungarn, Estland, Slowenien und Zypern verk&uuml;ndet, die Verhandlungen &uuml;ber eine Mitgliedschaft aufzunehmen. Am 13. Dezember 2002 verk&uuml;ndete Polens Premierminister Leszek Miller in Kopenhagen vor den Kameras: &bdquo;Alle Forderungen, mit denen wir angereist sind, wurden erf&uuml;llt. Wir akzeptieren die Bedingungen f&uuml;r unsere Mitgliedschaft in der EU&ldquo;. Damit war nach zw&ouml;lf Jahren, die seit dem Beginn der Gespr&auml;che zwischen Polen und der Europ&auml;ischen Union vergangen waren, nun der Weg frei f&uuml;r Polens Aufnahme in die EU. (Urban 2003: 126)<br />Wie gro&szlig; ist die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Europ&auml;ische Union in Polen heute? Ist die EU-Verfassung von der Mehrheit der Polen erw&uuml;nscht? Welchen Einfluss &uuml;ben beispielsweise die politischen Parteien auf die Wahrnehmung von durchschnittlichen polnischen B&uuml;rgern aus, wenn es um die Europ&auml;ische Union geht? War auf Seiten der Bev&ouml;lkerung die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Europ&auml;ische Union ein Jahr nach dem EU-Beitritt Polens gr&ouml;&szlig;er als vor dem Referendum am 7. und 8. Juni 2003? Wie sieht die Lage zwei Jahre nach der EU-Erweiterung aus?<br />Schon die Ergebnisse der Teilnahme am Referendum &uuml;ber den EU-Beitritt Polens bildeten einen Beweis daf&uuml;r, dass der europ&auml;ische Gedanke von bestimmten Schichten unterst&uuml;tzt wurde. Den Wunsch nach einer Teilnahme am Referendum &auml;u&szlig;erten vor allem Personen mit Hochschulabschluss (92%) und junge Leute zwischen 25-34 Jahren (82%). Das Bildungskriterium und das Alter spielten also eine wichtige Rolle. Au&szlig;erdem nahmen &uuml;berwiegend Einwohner gro&szlig;er St&auml;dte (zwischen 101.000-500.000 Einwohner) und Personen, deren materielle Lage gut war, am Referendum teil. (CBOS, 1-4 III 2003) Im Endeffekt wurde die notwendige f&uuml;nfzigprozentige Beteiligung erreicht: 58,8 Prozent aller Wahlberechtigten nahmen an der Abstimmung teil. 77,5 Prozent der W&auml;hler sprachen sich f&uuml;r den EU-Beitritt Polens aus. <br />(<a href="http://referendum.pkw.gov.pl/sww/kraj/indexA.html" target="_blank" rel="noopener">http://referendum.pkw.gov.pl/sww/kraj/indexA.html</a>)</p>
<h5>Einsch&auml;t&shy;zung der polnischen Regierung ein Jahr nach dem EU-Beitritt</h5>
<p>Ein Jahr nach dem Beitritt Polens in die Europ&auml;ische Union ver&ouml;ffentlichte die polnische Regierung einen Bericht, in dem mit den Mythen aufger&auml;umt wurde, die seitens der Gegner des Europ&auml;ischen Integrationsprozesses konstruiert worden waren. Die Hauptthese des Rapports lautet, dass die Integration in die EU Polen gut getan habe. Polen sei kein Nettozahler, sondern habe von der EU 1,5 Mrd. Euro (6 Mrd. Zloty) mehr erhalten, als es in den EU-Haushalt eingezahlt habe. Neben den Baltischen L&auml;ndern geh&ouml;rte Polen ein Jahr nach dem EU-Beitritt zu den sich am schnellsten entwickelnden L&auml;ndern in der Europ&auml;ischen Union. Die Entwicklung verlief zweimal schneller als im EU-Durchschnitt; das war auch notwendig f&uuml;r den Nachholprozess zur Behebung zahlreicher Defizite. Die internationale Position Polens sei gest&auml;rkt worden &ndash; so der Bericht. Die wirtschaftliche Lage, auch die Entwicklung auf dem Lande, habe sich verbessert. Gerade die Landwirte haben von der EU-Erweiterung am meisten profitiert. 85 Prozent der registrierten Bewerber haben Direktzahlungen erhalten. Im Bericht ist zu lesen: &bdquo;Besondere Aufmerksamkeit verdient die Zunahme der Unterst&uuml;tzung [f&uuml;r die EU &ndash; K.S.] unter den Bauern, von 20 Prozent im Januar 2004 auf &uuml;ber 70 Prozent im Februar 2005&ldquo;. Einer der Autoren des Berichts stellt fest: &bdquo;Man sieht sogar, dass ein Teil der jungen Menschen, die das Dorf verlassen hatten, nun in die Landwirtschaft zur&uuml;ckkehren&ldquo;.<br />Auch f&uuml;r die Mitgliedsl&auml;nder, die Angst vor einem gro&szlig;en Zustrom polnischer Arbeitskr&auml;fte hatten, musste der Bericht beruhigend wirken. &bdquo;Die Arbeitsmigration in die L&auml;nder, die am 1. Mai ihre M&auml;rkte ganz ge&ouml;ffnet haben [&#8230;], f&uuml;hrte nicht zu St&ouml;rungen auf lokalen Arbeitsm&auml;rkten.&ldquo; In Gro&szlig;britannien nahmen 70.000, in Irland 30.000 und in Schweden nur 2.000 Polen die Arbeit auf. Viele von ihnen hatten dort schon vorher &bdquo;schwarz&ldquo; gearbeitet und nutzten die Erweiterung zur Legalisierung ihres Aufenthaltes. Das Interesse, in einem der alten EU-Mitgliedsl&auml;nder zu arbeiten, war in Polen ein Jahr nach dem EU-Beitritt deutlich geringer als vor der EU-Erweiterung. 74 Prozent der befragten Polen beabsichtigten im April 2005 nicht, in einem anderen EU-Land Arbeit aufzunehmen. (CBOS, IV 2005)<br />Obwohl die polnische Wirtschaft vom Anschluss an den EU-Markt profitiert habe, sei es nicht gelungen, die Zahl der Arbeitslosen zu verringern &ndash; so der Bericht weiter. Die Arbeitslosenzahl sei jedoch auch nicht angestiegen. Die Inflation nehme dagegen st&auml;ndig ab, sie betrug im M&auml;rz 2005 3,4 Prozent (nach der Erweiterung 2004 waren es 4,6 Prozent). Die ausl&auml;ndischen Direktinvestitionen seien gr&ouml;&szlig;er geworden. Im Jahr 2004 h&auml;tten sie mit 7,9 Mrd. Dollar den h&ouml;chsten Stand seit vier Jahren erreicht. Polen sei f&uuml;r ausl&auml;ndische Investoren glaubw&uuml;rdiger geworden. &bdquo;Wir sind kein Land mehr mit hohem Risikograd&ldquo; &ndash; stellte der EU-Minister Jaros&#322;aw Pietras fest. Entgegen pessimistischer Prognosen entwickelte sich auch der Handel mit Russland positiv. Im Jahre 2004 nahm, laut Bericht, der Export polnischer Waren nach Russland um fast 89 Prozent im Vergleich zu 2003 zu.<br />Die Experten betonen die Bedeutung der EU-Hilfefonds f&uuml;r Polen. Ihre Nutzung werde man jedoch erst in einigen Jahren richtig bewerten k&ouml;nnen. Der Bericht der polnischen Regierung verdeutlicht auch gro&szlig;e regionale Unterschiede in Polen. Von dem EU-Beitritt Polens haben &uuml;berwiegend westliche Wojewodschaften und Gro&szlig;st&auml;dte profitiert. &bdquo;Demn&auml;chst werden wir vor der Wahl stehen: Entweder investieren wir weiter in diese Regionen, was zum gr&ouml;&szlig;eren Wirtschaftswachstum f&uuml;hren w&uuml;rde, oder wir verringern den Unterschied zu den &ouml;stlichen Regionen und werden uns als Land langsamer entwickeln&ldquo; &ndash; stellt einer der Autoren des Berichts fest. (Rzeczpospolita, 27.04.05)<br />Im Bericht der polnischen Regierung wurden auch negative Aspekte des EU-Beitritts Polens verzeichnet. In der ersten Phase nach der Erweiterung seien die Preise rascher angestiegen als erwartet. &bdquo;Die gr&ouml;&szlig;te Preiserh&ouml;hung erfolgte im Mai und Juni 2004, und sie war die Folge einer gro&szlig;en Nachfrage nach polnischen Landwirtschaftsprodukten und Lebensmitteln&ldquo;. Im Endeffekt erh&ouml;hten sich jedoch die Lebensmittelpreise nur um zwei Prozent, wie Witold Or&#322;owski, Chef der Wirtschaftsberater des ehemaligen polnischen Pr&auml;sidenten Kwa&#347;niewski, feststellte. Nicht alle mit der EU-Erweiterung verbundenen Hoffnungen seien erf&uuml;llt worden. Das polnische Recht sei weder &uuml;bersichtlicher noch stabiler geworden &ndash; sagte Maciej Grabowski vom Institut f&uuml;r die Untersuchung der Marktwirtschaft. Trotzdem passen sich die polnischen Firmen an die neue Situation auf dem EU-Markt an. Am meisten haben Lebensmittel- und M&ouml;belfirmen profitiert. (Rzeczpospolita, 27.04.05)<br />&bdquo;Der EU-Beitritt hat zu vielen positiven, f&uuml;r die polnische Wirtschaft und Gesellschaft vorteilhaften Entwicklungen gef&uuml;hrt. Gleichzeitig hat es auch gewisse negative Erscheinungen gegeben, deren Umfang jedoch die positive Bilanz des ersten Jahres der EU-Mitgliedschaft nicht beeinflusst&ldquo; &ndash; stellt der Bericht fest. (Rzeczpospolita, 27.04.05)</p>
<h5>Hoffnungen erf&uuml;llt, &Auml;ngste best&auml;tigt? &ndash; die Einsch&auml;t&shy;zung des&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; EU-Bei&shy;tritts durch die polnische Bev&ouml;lkerung</h5>
<p>Der EU-Beitritt hat die Stimmung in Polen bez&uuml;glich des Europ&auml;ischen Integrationsprozesses positiv beeinflusst. W&auml;hrend einen Monat vor dem Beitritt die negative Stimmung &uuml;berwog, wurden nach der EU-Erweiterung im Mai 2004 &uuml;berwiegend Hoffnung, Freude und Stolz, und in viel kleinerem Ausma&szlig; Bef&uuml;rchtungen, Trauer und Verbitterung empfunden. Die gr&ouml;&szlig;te Akzeptanz betraf die Wirtschaftsintegration, sie wurde von 71 Prozent der Polen bef&uuml;rwortet. 52 Prozent der Befragten unterst&uuml;tzen auch die Vereinigung Polens mit der Europ&auml;ischen Union im politischen Bereich. Nur 49 Prozent der Polen vertraten die Meinung, dass die Europ&auml;ische Gemeinschaft die Werte und Lebensziele der Menschen umfassen sollte. Die Integration auf dem kulturellen Gebiet wurde von den wenigsten Polen (24%) unterst&uuml;tzt. (CBOS, Mai 2004)<br />Innerhalb eines Jahres ist die Bef&uuml;rwortung der polnischen EU-Mitgliedschaft um 7 Prozent angestiegen. 58 Prozent der Polen vertraten im Mai 2005 die Meinung, dass der EU-Beitritt f&uuml;r Polen Vorteile gebracht habe. W&auml;hrend 2004 15 Prozent der Polen in der Erweiterung Nachteile sahen, waren es ein Jahr sp&auml;ter nur noch 10 Prozent. Die Meinung, dass die Erweiterung zu negativen &Auml;nderungen f&uuml;hrte, vertraten ein Jahr nach der EU-Erweiterung 11 Prozent der befragten Polen. Jeder dritte Befragte war der Meinung, dass sich die Situation im Lande verbessert habe. Lediglich 15 Prozent der Polen stellten eine Verschlechterung fest. (Gazeta Wyborcza, 11.05.05) Die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Zugeh&ouml;rigkeit Polens zur EU blieb in den n&auml;chsten Monaten stabil. Im Juni 2005 geh&ouml;rten 74 Prozent der Polen zu den Bef&uuml;rwortern der Integration, w&auml;hrend ihre Gegner nur 15 Prozent ausmachten. (CBOS, 3-6 VI 2005) <br />Die Mehrheit der Polen war der Meinung, dass sich durch den EU-Beitritt in ihrem pers&ouml;nlichen Leben nichts ver&auml;ndert habe. Lediglich 8 Prozent haben, ihrer Einsch&auml;tzung zufolge, nach der EU-Erweiterung pers&ouml;nliche Vorteile erfahren. (Gazeta Wyborcza, 11.05.05) Die Ergebnisse der Meinungsumfragen weisen auf eine Kluft zwischen der Bewertung der pers&ouml;nlichen Vorteile aus der polnischen EU-Mitgliedschaft auf der einen Seite und der Vorteile f&uuml;r Polen als Land auf der anderen Seite auf. 45 Prozent der befragten Polen betonten den positiven Einfluss des EU-Beitritts auf die internationale Rolle Polens. (Rzeczpospolita, 31.03.2005) 40 Prozent der Polen brachten zum Ausdruck, dass der EU-Beitritt Polens ein wichtiges historisches Ereignis gewesen sei. Polen sei sicherer innerhalb der EU &ndash; stellten 51 Prozent der Befragten fest. (CBOS, 3-6 VI 2005) Gleichzeitig konnte eine Mehrheit der Polen (73%) in der Erweiterung der Europ&auml;ischen Union keine pers&ouml;nlichen Vorteile f&uuml;r sich erkennen. (Gnauck 2005) Drei Monate vor der EU-Erweiterung hatten 29 Prozent der Polen pers&ouml;nliche Vorteile f&uuml;r sich selbst erwartet. Ein Jahr nach dem EU-Beitritt Polens konnten lediglich 27 Prozent der Befragten positive Folgen der Integration f&uuml;r sich selbst feststellen. Gleichzeitig haben sich die Bef&uuml;rchtungen bez&uuml;glich negativer Folgen der EU-Mitgliedschaft Polens auf das Leben der Leute nicht best&auml;tigt. Vor der Erweiterung hatten 34 Prozent der Polen mehr Verluste als Vorteile bef&uuml;rchtet. Ein Jahr nach der Erweiterung sch&auml;tzten 23 Prozent der Polen die pers&ouml;nlichen Folgen der Integration negativ ein. (CBOS, 3-6 VI 2005)<br />Die Unterst&uuml;tzung der EU-Mitgliedschaft Polens dominiert in allen polnischen Parteien. Sogar die Mehrheit der Angeh&ouml;rigen der polnischen nationalistischen Parteien wie Samoobrona (Selbstverteidigung) und Liga Polskich Rodzin (Liga der Polnischen Familien) unterst&uuml;tzt die EU-Zugeh&ouml;rigkeit ihres Landes. (CBOS, 3-6 VI 2005) Das ist ein gro&szlig;er Erfolg, wenn man ber&uuml;cksichtigt, dass diese Parteien vor der EU-Erweiterung zahlreiche Kampagnen gegen den EU-Beitritt Polens durchf&uuml;hrten. (Polityka 2005: 46)<br />Die Unterst&uuml;tzung der Polen f&uuml;r die Europ&auml;ische Union h&auml;ngt auch von solchen Faktoren wie Ausbildung, Einkommen, Alter und Religiosit&auml;t ab. Vor allem junge Polen bis 34 Jahre, Personen mit Hochschulabschluss und diejenigen, die mit ihrem Lebensstandard zufrieden sind, geh&ouml;ren zu Bef&uuml;rwortern des Europ&auml;ischen Integrationsprozesses. Junge Leute, Sch&uuml;ler und Studenten geben meistens zu, dass sie von dem polnischen EU-Beitritt profitiert haben. Arbeitslose und Rentner bewerten die Ergebnisse der Integration meistens negativ. Es hat sich auch erwiesen, dass nicht praktizierende Katholiken in viel gr&ouml;&szlig;erem Ausma&szlig; die polnische EU-Mitgliedschaft bef&uuml;rworten als Personen, die mehrmals in der Woche die Kirche besuchen. (CBOS, Juli 2004 und Dezember 2004, Juni 2005)<br />Zu den positiven Folgen der Integration z&auml;hlen die Polen vor allem: offene Grenzen, Reisefreiheit, Vorteile f&uuml;r die Wirtschaft, vor allem f&uuml;r die Landwirtschaft, den Zufluss der EU-Fonds nach Polen, die Verbesserung des Zustandes der Stra&szlig;en und der Autobahnen. Auch die Verbesserung des Zustandes der Umwelt in Polen wurde als positive Folge des EU-Bitritts Polens erw&auml;hnt. Viele betonten die besseren Zukunftsperspektiven f&uuml;r junge Leute. (CBOS, 3-6 VI 2005) Auch die Arbeitsbedingungen in Polen selbst &ndash; etwa die Besch&auml;ftigung in einer westlichen Firma oder die Teilnahme an den durch die EU finanzierten Schulungen f&uuml;r Arbeitslose &ndash; wurden als positive pers&ouml;nliche Folgen der polnischen EU-Mitgliedschaft genannt. (CBOS, Juli 2004 und Dezember 2004)<br />Nicht nur zahlreiche Polen nutzen die Vorteile der offenen Grenzen f&uuml;r die M&ouml;glichkeit der Arbeitsaufnahme im Ausland. Immer h&auml;ufiger kommen auch ausl&auml;ndische Arbeitskr&auml;fte, um in Polen zu arbeiten. In Danzig wurden im Jahre 2004 insgesamt 500 Arbeitsgenehmigungen von der Pommerschen Wojewodschaft f&uuml;r ausl&auml;ndische Arbeitskr&auml;fte ausgestellt. F&uuml;r EU-B&uuml;rger ist es ziemlich einfach, eine offizielle Arbeitsgenehmigung zu erhalten. Viel schwerer haben es B&uuml;rger aus Nicht-EU-L&auml;ndern; von dort dr&auml;ngen die meisten Arbeitskr&auml;fte auf den polnischen Arbeitsmarkt. Zahlreiche Ukrainer, Wei&szlig;russen und Russen arbeiten in Polen als Schwei&szlig;er und Monteure. Aber auch Arbeitskr&auml;fte aus dem Westen kommen immer h&auml;ufiger nach Polen. Im Gegensatz zu den Arbeitern aus den &ouml;stlichen Nachbarl&auml;ndern sind die meisten westlichen Gastarbeiter hochqualifiziert. Sie sind Unternehmer, Berater, Fremdsprachenlehrer, Hochschullehrer, &Auml;rzte und Informatiker. Manche arbeiten in gro&szlig;en Konzernen, vor allem in Warschau, oder gr&uuml;nden eigene mittelst&auml;ndische Firmen. In letzter Zeit haben auch viele Gastst&auml;ttenbesitzer aus Deutschland ihre Gesch&auml;fte nach Polen verlagert, weil, ihrer Meinung nach, die Nachfrage in dem neuen EU-Land gr&ouml;&szlig;er ist. (<a href="http://www.n-ost.de/" target="_blank" rel="noopener">http://www.n-ost.de</a>)<br />Die wirtschaftlichen Folgen des EU-Beitritts Polens haben sich besser als erwartet erwiesen. Die &Auml;ngste der Polen, dass die polnische Wirtschaft nach der EU-Erweiterung verfallen werde, haben sich nicht best&auml;tigt. 47 Prozent der Polen vertraten ein Jahr nach der Erweiterung die Meinung, dass sich der Zustand der polnischen Wirtschaft verbessert habe. (CBOS, 3-6 VI 2005)<br />Die gr&ouml;&szlig;te Sorge der Polen vor der EU-Erweiterung betraf die bef&uuml;rchteten Verluste f&uuml;r die polnische Landwirtschaft. Diese Sorge hat sich nicht best&auml;tigt; vielmehr geh&ouml;ren die polnischen Bauer heute zu den gr&ouml;&szlig;ten Gewinnern des EU-Beitritts. In nur wenigen Monaten ist die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r den Europ&auml;ischen Integrationsprozess unter polnischen Landwirten von 20 auf 63 Prozent angestiegen. Sie profitieren von riesigen EU-Zusch&uuml;ssen f&uuml;r den Einkauf der Landwirtschaftsmaschinen (vor allem aus dem Programm SAPARD) und von Direktzahlungen. Dazu kommen noch die h&ouml;heren Preise f&uuml;r die von ihnen hergestellte Milch und Fleisch. (Polityka 2005: 50) Fast Zweidrittel der Polen &ndash; 64 Prozent &ndash; sind der Meinung, dass die polnische Landwirtschaft von der EU-Integration profitiert habe. Lediglich 14 Prozent der Befragten behaupten das Gegenteil. (CBOS, 3-6 VI 2005)<br />W&auml;hrend vor dem EU-Beitritt Polens 54 Prozent der EU-skeptischen Polen f&uuml;rchteten, dass ihr Land durch fremdes Kapital aufgekauft werde und 39 Prozent von ihnen dachten, dass die polnische Wirtschaft zu schwach f&uuml;r die Konkurrenz innerhalb der EU sei, erzielen heute polnische Firmen &uuml;berwiegend Gewinne aus der EU-Erweiterung, und das Wirtschaftswachstum betrug im Jahre 2004 5,3 Prozent. Es kam zu einer richtigen Explosion des Exports polnischer landwirtschaftlicher Produkte und Lebensmittel auf die EU-M&auml;rkte. Vor allem Milchprodukte und Fleisch (&uuml;berwiegend Gefl&uuml;gel), aber auch Champignons werden exportiert. Kleine Unternehmer haben von Zusch&uuml;ssen f&uuml;r ihre Firmen, von neuen Kontakten und zus&auml;tzlichen Auftr&auml;gen profitiert. Auch die Angst, dass Ausl&auml;nder, vor allem Deutsche, nach der EU-Erweiterung polnische H&auml;user, Bauernh&ouml;fe und Grundst&uuml;cke kaufen w&uuml;rden, hat sich als blo&szlig;e Phobie erwiesen. (Polityka 2005: 50)<br />Als eine negative Folge des EU-Beitritts Polens, die sich auf das pers&ouml;nliche Leben ausgewirkt hat, wurden von der Mehrheit der Polen an erster Stelle steigende Preise f&uuml;r Waren (&uuml;berwiegend Lebensmittel, Medikamente und Benzin) und Dienstleistungen genannt. Nach dem 1. Mai 2004 stiegen die Preise vieler Lebensmittel drastisch an. Das betraf vor allem Fleisch- und Milchprodukte. Steigende Preise f&uuml;hrten auch dazu, dass im Jahre 2004 die Inflationsrate 4,4 Prozent betrug &ndash; 2,7 Prozent mehr als im Jahr davor. Besonders schmerzhaft war der Anstieg der Lebensmittelpreise, weil die Ausgaben f&uuml;r Lebensmittel im Budget der Polen unvergleichlich gr&ouml;&szlig;er sind als im Budget der B&uuml;rger der alten EU. In Polen geben die B&uuml;rger f&uuml;r Lebensmittel ungef&auml;hr 30 Prozent ihres monatlichen Einkommens aus, in den alten EU-L&auml;ndern nur ungef&auml;hr 12 Prozent. Nicht alles ist jedoch teurer geworden, sondern manches auch preisg&uuml;nstiger &ndash; so etwa elektronische Ger&auml;te (um 4,3%), Schuhe (um 5,3%) und Textilien (um 2,7%). (CBOS, Dezember 2004) Als negative Folge des EU-Beitritts Polens wurde auch &bdquo;das Verlassen Polens durch Fachleute, gut ausgebildete Leute, &Auml;rzte, Krankenschwestern und Jugend&ldquo; genannt. Aber auch die St&auml;rkung der B&uuml;rokratie in Polen wurde zu den negativen Folgen der EU-Erweiterung gerechnet.&nbsp; (CBOS, 3-6 VI 2005)</p>
<h5>Einstellung der Polen zu der EU-Ver&shy;fas&shy;sung</h5>
<p>Das Interesse an der EU-Verfassung war in Polen von Anfang an nicht gro&szlig;. Im Februar 2005 interessierten sich nur 38 Prozent der Polen einigerma&szlig;en f&uuml;r das europ&auml;ische Verfassungswerk. Nur 6 Prozent der Polen bezeichneten Ihr Interesse als gro&szlig;. &Auml;hnlich wie bei der Unterst&uuml;tzung der EU, spielen auch bei der EU-Verfassung die Ausbildung und das Einkommen die wichtigste Rolle. Je h&ouml;her der Bildungsgrad und das Einkommen desto gr&ouml;&szlig;er das Interesse an der Verfassung. In der ersten H&auml;lfte 2005 konnte man keine Unterschiede zwischen den Vertretern des rechten und des linken politischen Spektrums bei der Frage nach dem Interesse f&uuml;r die EU-Verfassung feststellen. Die W&auml;hler der rechten Partei (heutige Regierungspartei) Recht und Gerechtigkeit (Prawo i Sprawiedliwo&#347;&#263;) und der liberalen Freiheitsunion (Unia Wolno&#347;ci) &auml;u&szlig;erten in gleichem Ma&szlig;e ihr Interesse an der Verfassung (71%). (CBOS, 4-7 II 2005). Das &auml;nderte sich mit der internationalen Entwicklung. Im Juni 2005, nach den Referenden &uuml;ber die EU-Verfassung in Frankreich und den Niederlanden, interessierten sich die Vertreter des rechten politischen Spektrums (55%) mehr als die W&auml;hler der linken Parteien (39%) f&uuml;r das Schicksal der EU-Verfassung. (CBOS, 3-6 VI 2005)<br />Die Prozentzahl der Bef&uuml;rworter der EU-Verfassung nahm im Zeitraum von Februar bis April 2005 von 64 Prozent auf 56 Prozent ab. (CBOS, 1-2 IV und 9-10 IV 2005) Die Befragten, die die EU-Verfassung akzeptierten, argumentierten damit, dass ihre Entscheidung die logische Folge des EU-Beitritts sei. Die Gegner der EU-Verfassung gaben als Grund f&uuml;r ihre Entscheidung h&auml;ufig an, dass sie f&uuml;r Polen ung&uuml;nstig sei. Jeder vierte Gegner der EU-Verfassung (25%) kritisierte, dass es im Verfassungswerk keine Ankn&uuml;pfung an die christliche Tradition gebe. Personen, die keine Religion praktizieren, sprachen sich f&uuml;r das Verfassungswerk viel h&auml;ufiger aus als gl&auml;ubige Menschen. Der entscheidende Faktor war jedoch auch in diesem Punkt der Bildungsgrad. 60 Prozent der Bef&uuml;rworter der EU-Verfassung waren Personen mit Hochschulabschluss. Auch die F&uuml;hrungskader, die Intelligenz, private Unternehmer, Studenten und Sch&uuml;ler sprachen sich in hohem Ma&szlig;e f&uuml;r die EU-Verfassung aus. (CBOS, 4-7 II 2005, 1-2 IV und 9-10 IV 2005)<br />Das niedrige Interesse an der EU-Verfassung in Polen ist vor allem auf die unzureichenden Kenntnisse der Polen &uuml;ber dieses Dokument zur&uuml;ckzuf&uuml;hren. Nur 13 Prozent der Polen waren &uuml;berzeugt, dass sie gen&uuml;gend Kenntnisse hatten, um im Referendum &uuml;ber die EU-Verfassung eine richtige Entscheidung zu treffen. 78 Prozent der Polen bezeichneten ihre Kenntnisse auf diesem Gebiet als nicht ausreichend. Sogar diejenigen Personen, die ihr Interesse an der Annahme der EU-Verfassung deklarierten, hatten meistens den Eindruck, dass ihr Wissen &uuml;ber dieses Dokument unzureichend sei. (CBOS, 1-2 IV und 9-10 IV 2005)<br />Die Ablehnung der Verfassung in Frankreich und in den Niederlanden entmutigte die Polen noch mehr. Im Mai 2005, vor dem Referendum in Frankreich, bef&uuml;rworteten 60 Prozent der Polen die EU-Verfassung. Im Juni 2005 unterst&uuml;tzten nur noch 43 Prozent der befragten Polen das europ&auml;ische Verfassungswerk. (Rzeczpospolita, 20.05.2005; 23.06.2005, CBOS, 3-6 VI 2005) Die Polen f&uuml;hlten sich danach desorientiert. 47 Prozent der Befragten konnten nicht sagen, ob die Franzosen und Niederl&auml;nder richtig entschieden haben. Nur die W&auml;hler der Parteien: Liga der Polnischen Familien (Liga Polskich Rodzin), Recht und Gerechtigkeit (Prawo i Sprawiedliwo&#347;&#263;) und Selbstverteidigung (Samoobrona) waren mehrheitlich zufrieden mit dem Ergebnis der Referenden in Frankreich und den Niederlanden. Aber auch nach diesem Ereignis interessierten sich nur 37 Prozent der Polen f&uuml;r die EU-Verfassung. Trotzdem sprachen sich 41 Prozent der Polen f&uuml;r ein Referendum &uuml;ber die EU-Verfassung aus. 11 Prozent der Befragten vertraten die Meinung, dass das Parlament die Entscheidung treffen sollte. 21 Prozent der Polen wollten den Ratifizierungsprozess unterbrechen. &Uuml;berwiegend Personen mit dem Hochschulabschluss (46%) vertraten die Meinung, dass die EU-Verfassung niemals ins Leben eingef&uuml;hrt werde. (CBOS, 3-6 VI 2005)</p>
<h5>Reicher Westen, armer Osten &ndash; regionale Unter&shy;schiede</h5>
<p>Nicht alle polnischen Regionen haben von der EU-Erweiterung profitiert. Der Westen Polens ist wirtschaftlich besser entwickelt als der Osten. (Ciok 2004: 97) Das wirkt sich auf die Unterst&uuml;tzung des europ&auml;ischen Integrationsprozesses aus. Regionale Unterschiede kamen im Referendum &uuml;ber den EU-Beitritt Polens deutlich zum Ausdruck. Einwohner der westlichen Regionen Polens &auml;u&szlig;erten h&auml;ufiger den Wunsch nach einer Teilnahme am Referendum als Einwohner der &ouml;stlichen Wojewodschaften. Im Westen Polens war die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r den EU-Beitritt Polens viel gr&ouml;&szlig;er als im Osten. Vor allem die &ouml;stlichen Grenzregionen Polens (polnisch-ukrainisches, polnisch-russisches und polnisch-wei&szlig;russisches Grenzgebiet) sind wirtschaftlich unterentwickelt und landwirtschaftlich gepr&auml;gt. In Gro&szlig;st&auml;dten gibt es vor allem f&uuml;r die junge Generation bessere Entwicklungschancen als auf dem Land. Das f&uuml;hrt in st&auml;dtischen Gebieten zu einer st&auml;rkeren Bef&uuml;rwortung des Europ&auml;ischen Integrationsprozesses. In den D&ouml;rfern herrscht dagegen immer noch gro&szlig;e Angst vor Europa und den Nachbarl&auml;ndern, was wiederum zur Ablehnung der EU f&uuml;hrt. (Schuller 2005: 14) Als zuk&uuml;nftige Aufgabe f&uuml;r die polnische Regierung erscheint &ndash; in Zusammenarbeit mit europ&auml;ischen Institutionen &ndash; die Unterst&uuml;tzung der Ostgebiete Polens als vordringlich.<br />&nbsp;<br />&nbsp;<br />Literatur&nbsp;&nbsp; <br />Ciok, Stanis&#322;aw 2004: Pogranicze polsko-niemieckie. Problemy wsp&oacute;&#322;pracy transgranicznej (Die deutsch-polnische Grenzregion. Probleme grenz&uuml;berschreitender Zusammenarbeit), Wroc&#322;aw<br />Dylla, Daria/J&auml;ger, Thomas 2003: Politik und &ouml;ffentliche Meinung in Polen. Die Legitimation des Beitritts zur EU; in: vorg&auml;nge, Jg. 42, H. 2, S. 26-35<br />Gazeta Wyborcza, 11.05.05; 29.05.2004<br />Gnauck, Gerhard 2005: Die Polen bereuen den Beitritt nicht. Noch immer finden 70 Prozent die Zugeh&ouml;rigkeit zur EU gut; in: Die Welt, 02.05.2005<br />Gnauck, Gerhard 2005: Ein Datendiebstahl entzweit die B&uuml;rger Polens. Journalist ver&ouml;ffentlicht Spitzel-Listen im Internet; in: Die Welt, 7.2.2005<br />O&Ouml;Nachrichten, 26.05.2004.<br />Polityka, Nr. 16, 23.04.2005<br />Przegl&#261;d Polityczny 2002/55, S. 34-43<br />Rzeczpospolita (28-29.08.2004; 31.03.2005; 27.04.2005; 20.05.2005; 23.06.2005)<br />Schuller, Konrad 2005: Nicht alle genie&szlig;en die Vorteile des EU-Beitritts; in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.05.2005<br />Urban, Thomas 2003: Polen, M&uuml;nchen</p>
<p>Internet-Adressen:<br /><a href="http://www.cbos.pl/Raporty/r2003.htm" target="_blank" rel="noopener">http://www.cbos.pl/Raporty/r2003.htm</a> (Bericht vom M&auml;rz 2003)<br /><a href="http://www.cbos.pl/Raporty/r2004.htm" target="_blank" rel="noopener">http://www.cbos.pl/Raporty/r2004.htm</a> (Bericht vom Mai 2004, Juli 2004 und Dezember 2004)<br /><a href="http://www.cbos.pl/Raporty/r2005.htm" target="_blank" rel="noopener">http://www.cbos.pl/Raporty/r2005.htm</a> (Bericht vom April 2005, Juni 2005)<br /><a href="http://www.n-ost.de/" target="_blank" rel="noopener">http://www.n-ost.de</a><br /><a href="http://referendum.pkw.gov.pl/sww/kraj/indexA.html" target="_blank" rel="noopener">http://referendum.pkw.gov.pl/sww/kraj/indexA.html</a><br />&nbsp;</p>
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