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	<title>Oliver Kalldewey Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>Qualifizierte Kontroverse zum Verfassungsschutz</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/publikation/qualifizierte-kontroverse-zum-verfassungsschutz-1/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Dec 2012 20:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Mitteilungen 218/219 (III/IV) &#8211; Dezember 2012, Seite 14-15 Ein bestens besetztes Podium diskutierte in Frankfurt &#252;ber den Sinn bzw. Unsinn des Verfassungsschutzes. Neben viel Kritik an der Arbeit der Schlapph&#252;te gab es ein interessantes Gedankenexperiment: Was, wenn man den Verfassungsschutz einfach abschafft? Peter Menne von der HU Frankfurt f&#252;hrte in das Thema ein und stellte [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/publikation/qualifizierte-kontroverse-zum-verfassungsschutz-1/">Qualifizierte Kontroverse zum Verfassungsschutz</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mitteilungen 218/219 (III/IV) &#8211; Dezember 2012, Seite 14-15</p>
<div><span class="migrated-image"><a href="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/dsc_5688_ausschnitt_01.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone wp-image-4030 size-medium" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/dsc_5688_ausschnitt_01-600x332.jpg" alt="Qualifizierte Kontroverse zum Verfassungsschutz" width="600" height="332" srcset="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/dsc_5688_ausschnitt_01-600x332.jpg 600w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/dsc_5688_ausschnitt_01-768x425.jpg 768w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/dsc_5688_ausschnitt_01-1000x553.jpg 1000w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/dsc_5688_ausschnitt_01-800x442.jpg 800w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/dsc_5688_ausschnitt_01-450x249.jpg 450w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/dsc_5688_ausschnitt_01.jpg 1478w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a></span></p>
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</div>
<p><i>Ein bestens besetztes Podium diskutierte in Frankfurt &uuml;ber den Sinn bzw. Unsinn des Verfassungsschutzes. Neben viel Kritik an der Arbeit der Schlapph&uuml;te gab es ein interessantes Gedankenexperiment: Was, wenn man den Verfassungsschutz einfach abschafft?</i></p>
<p>Peter Menne von der HU Frankfurt f&uuml;hrte in das Thema ein und stellte die Teilnehmer vor:</p>
<ul>
<li>Catrin Rieband, stellvertretende Pr&auml;sidentin des hessischen Verfassungsschutzes und Spezialistin f&uuml;r Rechtsextremismus;</li>
<li>Dr. Rolf G&ouml;ssner, RA, Publizist, Geheimdienstkritiker &#8211; und jahrzehntelang rechtswidrig vom Verfassungsschutz ausspioniert worden; </li>
<li>Prof. Dr. Armin Pfahl-Traughber von der FH des Bundes, zuvor Referatsleiter f&uuml;r Rechtsextremismus beim K&ouml;lner Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz und </li>
<li>Matthias Quent, Rechtsextremismus-Forscher an der Uni Jena und Sachverst&auml;ndiger beim Th&uuml;ringer Landtag.</li>
</ul>
<p><img decoding="async" title="Die Teilnehmer/innen des Podiums / Foto: Dennis Merbach, www.merbach.net" border="1" hspace="0" alt="Die Teilnehmer/innen des Podiums / Foto: Dennis Merbach, www.merbach.net" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/dsc_5687www.jpg" width="380" height="142"></p>
<p>Die Teilnehmer/innen des Podiums / Foto: Dennis Merbach, <a href="http://www.merbach.net/" target="_blank" rel="noopener">www.merbach.net</a></p>
<p>Menne grenzte das Thema darauf ein, was der Verfassungsschutz im Bereich Rechtsextremismus leistet bzw. nicht leistet. Viele andere Aspekte wie der Radikalenerlass von 1972 oder die aktuelle Steuergesetzgebung, wonach der Verfassungsschutz die Gemeinn&uuml;tzigkeit von Vereinen aufheben kann, sollten nicht nur oberfl&auml;chlich gestreift werden &#8211; weshalb Menne einen eigenen Abend hierf&uuml;r ank&uuml;ndigte. Die auf zweieinhalb Stunden ausgedehnte Debatte blieb dank souver&auml;ner Moderation von Peter Menne und Co-Moderator Volker Schmidt von der FR durchgehend spannend.</p>
<p>Nach den Eingangsstatements aller Referenten beleuchtete das Podium drei Fragenkomplexe eingehend: Wer wird V-Mann, wie arbeiten diese? Wie l&auml;uft die Zusammenarbeit von Verfassungsschutz und Polizei? Und wie steht&#8217;s um die Analysef&auml;higkeit des Verfassungsschutzes? Die Einsch&auml;tzungen der Podiumsteilnehmer gingen &#8211; wie zu erwarten &#8211; weit auseinander: Die Frankfurter HU hatte die ganze Bandbreite in das FR-Foyer geholt.</p>
<p>Rolf G&ouml;ssner erl&auml;uterte, warum der Verfassungsschutz Teil des Rechtsextremismus-Problems ist: ein guter Teil der Rechtsextremisten arbeitet zugleich als Spitzel. Das gilt nicht nur f&uuml;r mindestens ein Drittel der NPD-Bundesvorstandsmitglieder (weshalb das Verbotsverfahren vor dem Verfassungsgericht scheiterte). Tino Brand, der Chef des &#8222;Th&uuml;ringer Heimatschutzes&#8220; (THS), einer rechtsextremen Kampfgruppe, war eine der ergiebigsten Quellen des Th&uuml;ringer Verfassungsschutzes. Von den ca. 130 bis 160 Mitgliedern der Gruppe spitzelten mindestens 40 f&uuml;r den Verfassungsschutz! Nat&uuml;rlich sch&uuml;tzt der seine Quellen, doch das sind nur zu oft Kriminelle und Gewaltt&auml;ter bis hin zu verurteilten M&ouml;rdern wie Carsten Szczepanski, Deckname &#8222;Piato&#8220;. Damit solche Quellen weiter sprudeln, m&uuml;ssen sie schon mal vor Polizeima&szlig;nahmen gewarnt werden (so der Sch&auml;fer-Bericht). Die Spitzelhonorare flie&szlig;en zu einem guten Teil in den Aufbau der bespitzelten Organisation &#8211; der Verfassungsschutz wird damit zu einem Teil des Systems. Vor den Morden der NSU konnte er nicht warnen &#8211; mithin sei der Verfasssungsschutz-Etat ein Fall f&uuml;r den Rechnungshof.</p>
<p>Matthias Quent erg&auml;nzte, wie rechtsextreme Gewaltt&auml;ter durch den Verfassungsschutz gesch&uuml;tzt werden: Gegen eine Th&uuml;ringer F&uuml;hrungsfigur liefen 35 Ermittlungsverfahren &#8211; wegen schwerwiegenderer Delikte als Hakenkreuz-Schmierereien. Doch alle 35 wurden eingestellt &#8230;</p>
<p><img decoding="async" title="Moderator Peter Menne mit Catrin Rieband und Armin Pfahl-Traughber / Foto: Dennis Merbach, www.merbach.net" border="1" hspace="0" alt="Moderator Peter Menne mit Catrin Rieband und Armin Pfahl-Traughber / Foto: Dennis Merbach, www.merbach.net" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/dsc_5742www.jpg" width="380" height="214"></p>
<p>Moderator Peter Menne mit Catrin Rieband und Armin Pfahl-Traughber / Foto: Dennis Merbach, <a href="http://www.merbach.net/" target="_blank" rel="noopener">www.merbach.net</a>&nbsp;</p>
<h5>In Hessen ganz anders</h5>
<p>Catrin Rieband konzedierte, dass es keine &#8222;einheitlichen Richtlinien&#8220; g&auml;be, wen man als V-Mann gewinnt. In ihrem Bereich seien es keine F&uuml;hrungspersonen der extremistischen Organisationen &#8211; und auch von Gewaltt&auml;tern trenne man sich schnell. Moderator Menne fragte nach, wie vielen V-Leuten denn im Schnitt von seiten des Amtes gek&uuml;ndigt werde? Doch &uuml;ber Zahlen wollte Frau Rieband schweigen. In Hessen laufe es eben anders, meinte sie auf den Vorhalt, dass in Th&uuml;ringen die Spitze des &#8222;THS&#8220;, in Brandenburg der NPD-Vorstand auf der Verfassungsschutz-Gehaltsliste standen. Gleiches gelte f&uuml;r Gewaltt&auml;ter: zwar nicht wegen jeder Hakenkreuz-Schmiererei, doch schon ab K&ouml;rperverletzungsdelikten trenne man sich hier von V-Leuten.</p>
<h5>Infor&shy;ma&shy;ti&shy;o&shy;nelle Zusam&shy;me&shy;n&shy;a&shy;r&shy;beit von Polizei und Verfas&shy;sungs&shy;schutz</h5>
<p>Das Stichwort &#8222;informationelle Zusammenarbeit&#8220; fiel schon in den Eingangsstatements. Peter Menne zitierte aus dem &#8222;Sch&auml;fer-Gutachten&#8220; des Freistaats Th&uuml;ringen, das die Informationspolitik des Th&uuml;ringer Verfassungsschutz vernichtend kritisierte, um seine G&auml;ste um Stellungnahmen hierzu zu bitten. Auch hier laufe es in Hessen ganz anders, so Catrin Rieband: man treffe sich t&auml;glich zum informellen Austausch mit der Polizei, zus&auml;tzlich zum &#8222;offiziellen&#8220; Austausch von Mitteilungen oder Aktenvermerken. Genau damit werde das Trennungsgebot von Geheimdienst und Polizei unterlaufen, das die Alliierten aus gutem Grund verordnet hatten, warf Rolf Goessner ein. Nach den Erfahrungen mit der allm&auml;chtigen Gestapo sollten Polizei und Geheimdienste zwei definitiv geschiedene Bereiche bleiben.</p>
<p>Doch mit der Gestapo-Erfahrung ist das so eine Sache: Matthias Quent wies darauf hin, dass das Amt seine eigene Geschichte l&auml;ngst nicht aufgearbeitet hat. Es waren reichlich ehemalige SD- oder SS-Mitarbeiter oder andere alte Nazis, die den Verfassungsschutz aufgebaut und zun&auml;chst strikt antikommunistisch ausgerichtet hatten.</p>
<p><img decoding="async" title="Rolf G&ouml;ssner und Matthias Quent / Foto: Dennis Merbach, www.merbach.net" border="1" hspace="0" alt="Rolf G&ouml;ssner und Matthias Quent / Foto: Dennis Merbach, www.merbach.net" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/dsc_5703www.jpg" width="380" height="227"></p>
<p>Rolf G&ouml;ssner und Matthias Quent / Foto: Dennis Merbach, <a class="moz-txt-link-abbreviated" href="http://www.merbach.net/">www.merbach.net</a></p>
<h5>Analysef&auml;higkeit</h5>
<p>Armin Pfahl-Traughber vermi&szlig;te ausreichende Analysef&auml;higkeit beim Verfassungsschutz. Schon w&auml;hrend seiner Zeit beim K&ouml;lner Bundesamt hatte er daf&uuml;r gek&auml;mpft, dass es nicht darauf ankomme, m&ouml;glichst viele Informationen zu verwalten &#8211; sondern sie angemessen zu analysieren und die richtigen Schl&uuml;sse daraus zu ziehen.</p>
<p>Catrin Rieband pflichtete ihm bei: Hier gebe es auch beim hessischen Verfassungsschutz noch Einiges zu tun. Sie pl&auml;dierte f&uuml;r eine verbesserte Weiterbildung des Personals: Manche Mitarbeiter durchliefen eine spezielle Agentenausbildung, andere kommen von der Polizei &#8211; doch wieder andere sind z.B. ehemalige Postbeamte. Da w&auml;re eine gr&uuml;ndlichere Weiterbildung als bislang angesagt.</p>
<p>Zu den ehemaligen Postbeamten geh&ouml;rte auch der ber&uuml;hmt-ber&uuml;chtigte &#8222;kleine Adolf&#8220; Andreas T., der beim Kasseler &#8222;D&ouml;nermord&#8220; zugegen war &#8211; wie G&ouml;ssner und Quent anmerkten. Inzwischen hat sich der hessische Verfassungsschutz von ihm getrennt &#8211; doch hatte er die Sicherheits&uuml;berpr&uuml;fung der Stufe 3 bestanden, wie Frau Rieband ausf&uuml;hrte. Dabei wird nicht nur die Person selbst, sondern auch ihr Umfeld, ihre Freunde oder Nachbarn befragt. Dabei sei im Falle Andreas T. nichts Auff&auml;lliges bekanntgeworden. Es gebe eben kein hunderprozentig sicheres System &#8211; hier bildet Hessen dann doch keine Ausnahme.</p>
<h5>Was ist ein V-Mann wert?</h5>
<p>An den V-Leuten schieden sich die Geister. Mehrere Hundert Euro erhielten sie pro Monat f&uuml;r ihre Spitzeldienste &#8211; jedenfalls nicht so viel, dass man allein davon leben k&ouml;nne, so Frau Rieband. Tickt Hessen da anders? Im Nachbarland Th&uuml;ringen kassierte Tino Brand alias &#8222;Otto&#8220; 200.000 Euro (steuerfrei) in sechs Jahren und ex-NPD-Vorstandsmitglied Wolfgang Frenz (&#8222;Die Schlapphut-Aff&auml;re&#8220;) beteuert, stets die H&auml;lfte an die Parteikasse abgef&uuml;hrt zu haben.</p>
<p>G&ouml;ssner wies darauf hin, dass das Spitzelwesen grunds&auml;tzlich nicht mit den demokratischen Prinzipien der Transparenz und &ouml;ffentlichen Kontrolle vereinbar ist. Pfahl-Traughber spielte ein Gedankenexperiment durch: Was w&auml;re, wenn man auf V-Leute verzichten w&uuml;rde? Die Skandale w&uuml;rden bekannt, nicht aber die Erfolge. So habe man ein Attentat auf die M&uuml;nchner Synagoge verhindern k&ouml;nnen &#8211; dank Hinweisen von V-Leuten. Wenn man auf die verzichte, dann m&uuml;sse man dazusagen, dass man solche Attentate wie das vereitelte in Kauf nehme. Doch der Widerspruch folgte umgehend: Gerade im Falle des NSU sei der Verfassungsschutz bestm&ouml;glich vernetzt gewesen &#8211; und habe vor nichts und niemandem gewarnt.</p>
<p>Die Diskussion auf dem Podium dauerte weit &uuml;ber eine Stunde &#8211; und wurde keine Minute langweilig. Sehr sachlich verliefen auch die zwei Fragerunden, an denen sich u.a. der ehemalige hessische Justizminister Rupert von Plottnitz oder der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Partei &#8222;Die Partei&#8220; Jan Steffen beteiligten. Moderator Menne sorgte daf&uuml;r, dass jeder zu Wort kam, stets ausreden konnte. Mit rund 140 bis 150 G&auml;sten war das &#8222;Rundschau&#8220;-Foyer bestens besucht. Dank an die Sebastian-Cobler-Stiftung, die mit ihrer finanziellen Unterst&uuml;tzung eine solche Veranstaltung erm&ouml;glichte.</p>
<p><i>Oliver Kalldewey</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/publikation/qualifizierte-kontroverse-zum-verfassungsschutz-1/">Qualifizierte Kontroverse zum Verfassungsschutz</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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		<item>
		<title>Frankfurt/Main: „Ich brauche ihn, also ist er“</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/218-219/publikation/frankfurtmain-ich-brauche-ihn-also-bin-ich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Dec 2012 14:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Veranstaltungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt: Veranstaltungsberichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Lesung von Peter Henkel. Mitteilungen Nr. 218/219 (Heft 3/4 2012), S. 30/31 (OK) Peter Henkel variierte Descartes&#8216; ber&#252;hmte Maxime: &#8222;Ich brauche ihn, also ist er&#8220; sei die Devise aller Gutgl&#228;ubigen. Warum die sich auf keine Diskussion &#252;ber Gott einlassen, sondern sich unter Hinweis auf &#8222;Religion ist privat&#8220; ins wahlweise Gottes- oder geistiges Schneckenhaus zur&#252;ckziehen, war [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/218-219/publikation/frankfurtmain-ich-brauche-ihn-also-bin-ich/">Frankfurt/Main: „Ich brauche ihn, also ist er“</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Lesung von Peter Henkel. Mitteilungen Nr. 218/219 (Heft 3/4 2012), S. 30/31</p>
<div><span class="migrated-image"><a href="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/01ffm_irrtum.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-4034 size-medium" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/01ffm_irrtum-413x450.jpg" alt="Frankfurt/Main: &#8222;Ich brauche ihn, also ist er&#8220;" width="413" height="450" srcset="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/01ffm_irrtum-413x450.jpg 413w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/01ffm_irrtum-768x837.jpg 768w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/01ffm_irrtum-688x750.jpg 688w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/01ffm_irrtum-550x600.jpg 550w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/01ffm_irrtum-309x337.jpg 309w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/01ffm_irrtum.jpg 900w" sizes="(max-width: 413px) 100vw, 413px" /></a></span></p>
<p class="news-single-imgcaption">
</div>
<p>(OK) Peter Henkel variierte Descartes&#8216; ber&uuml;hmte Maxime: <i>&#8222;Ich brauche ihn, also ist er&#8220;</i> sei die Devise aller Gutgl&auml;ubigen. Warum die sich auf keine Diskussion &uuml;ber Gott einlassen, sondern sich unter Hinweis auf &#8222;Religion ist privat&#8220; ins wahlweise Gottes- oder geistiges Schneckenhaus zur&uuml;ckziehen, war ein wichtiges Thema von Henkels Vortrag und Lesung aus &#8222;Irrtum unser&#8220;, das brandneu zur Buchmesse im Marburger Tectum Verlag erschienen ist.</p>
<p>Moderator Peter Menne erl&auml;uterte, warum die Humanistische Union den erkl&auml;rten Atheisten eingeladen hat: Religi&ouml;se aller Couleur fordern Respekt f&uuml;r ihre Glaubensvorstellungen ein. Doch umgekehrt respektieren sie kaum die anderen (Glaubens-)Fraktionen und eigentlich nie die, die gottlos gl&uuml;cklich sind.</p>
<p>Das gilt nicht nur f&uuml;r afghanische Taliban und Burka-Fetischisten: Menne zitierte den hpd, wie an einer englischen Uni der Stand einer s&auml;kularen Studenteninitiative ger&auml;umt wurde, blo&szlig; weil die an ihrem Stand eine Ananas mit Namen &#8222;Mohammed&#8220; aufgestellt hatte. Auch in Deutschland wird die Meinungs- und Pressefreiheit von den finanziell bestens ger&uuml;steten Gro&szlig;organisationen Kirche gerne angegriffen. Am&uuml;siert reichte das Publikum die Postkarten mit dem Vatileaks-Cover einer Satire-Zeitschrift weiter. Dass <i>&#8222;die undichte Stelle gefunden&#8220;</i> ist, hat Papst Ratzinger ihr per einstweiliger Verf&uuml;gung verbieten lassen. Als die Hauptverhandlung anstand, machte Ratzinger einen R&uuml;ckzieher.</p>
<p>Angesichts von Machtf&uuml;lle und verfassungswidriger staatlicher Finanzierung der Kirchen sei es n&ouml;tig, zum Schutze unserer Freiheit &uuml;ber religi&ouml;se Denkgeb&auml;ude aufzukl&auml;ren, so Peter Menne. Der Referent Peter Henkel leistete das in klar strukturiertem Vortrag. Er erl&auml;uterte, wie Gl&auml;ubige das Ergebnis von Kants langem Nachdenken heute zum Ausgangspunkt nehmen, um eigenes Nachdenken gar nicht erst zu beginnen. Denn Kant kam auf der H&ouml;he seines Forschungsstandes zum Schluss, dass es weder beweisbar sei, dass ein Gott existiert &#8211; noch dass dessen Nicht-Existenz beweisbar sei. Das wandelten heutige Gl&auml;ubige zum Mantra, auch Atheisten w&uuml;rden ja an etwas glauben. Henkel erl&auml;uterte, mit welchem Trugschlu&szlig; so eine Aussage zustande kommt. Dabei bezog er sich aber ausdr&uuml;cklich nicht auf den ganz abstrakten, &#8222;leeren&#8220; Gottesbegriff Kants (aufgrunddessen die Kirche seine Schriften auf den Index setzte), sondern auf das Gottesbild der Christen, Moslems, Juden, wonach ihr Jehova (Allah, Jahwe&#8230;) seine Sch&ouml;pfung liebe, in sie eingreife und pers&ouml;nlich mit seinen Gesch&ouml;pfen in Kontakt trete (ohne je seine Telefonnummer zu hinterlassen).</p>
<p>Mit <i>&#8222;zehn Gr&uuml;nden, warum so etwas wie Gott nicht existiert&#8220;, </i>endete Peter Henkels Vortrag &#8211; und eine teils anspruchsvolle, teils am&uuml;sante Diskussion begann.</p>
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		<item>
		<title>Meisterwerk, göttliches Wunder oder bloß ein Farbklecks? Das Turiner &#8222;Grabtuch&#8220;</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/veranstaltungsberichte/2012/meisterwerk-goettliches-wunder-oder-bloss-ein-farbklecks-das-turiner-grabtuch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Apr 2012 22:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Veranstaltungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt: Veranstaltungsberichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Keineswegs eine F&#228;lschung &#8211; vielmehr ein sehr wirkungsvolles Kunstwerk eines mittelalterlichen Malers: das ist das Fazit von Amardeo Sarma (GWUP). Ein Kunstwerk, das die Kirche effektvoll eingesetzt, um Gl&#228;ubige anzuziehen, mehr noch: um deren Spendenpotential anzuzapfen. Amardeo Sarma (GWUP) und Peter Menne / alle Photos: Dennis Merbach Amardeo Sarma (GWUP) und Peter Menne / alle [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/veranstaltungsberichte/2012/meisterwerk-goettliches-wunder-oder-bloss-ein-farbklecks-das-turiner-grabtuch/">Meisterwerk, göttliches Wunder oder bloß ein Farbklecks? Das Turiner &#8222;Grabtuch&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Keineswegs eine F&auml;lschung &#8211; vielmehr ein sehr wirkungsvolles Kunstwerk eines mittelalterlichen Malers: das ist das Fazit von Amardeo Sarma (GWUP). Ein Kunstwerk, das die Kirche effektvoll eingesetzt, um Gl&auml;ubige anzuziehen, mehr noch: um deren Spendenpotential anzuzapfen.</p>
<div><span class="migrated-image"><a href="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/Turiner_Grabtuch__02.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-5934 size-medium" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/Turiner_Grabtuch__02-600x402.jpg" alt="Meisterwerk, g&ouml;ttliches Wunder oder blo&szlig; ein Farbklecks? Das Turiner " width="600" height="402" srcset="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/Turiner_Grabtuch__02-600x402.jpg 600w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/Turiner_Grabtuch__02-768x514.jpg 768w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/Turiner_Grabtuch__02-1000x669.jpg 1000w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/Turiner_Grabtuch__02-1536x1028.jpg 1536w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/Turiner_Grabtuch__02-800x536.jpg 800w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/Turiner_Grabtuch__02-450x301.jpg 450w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/Turiner_Grabtuch__02.jpg 1600w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a>Amardeo Sarma (GWUP) und Peter Menne / alle Photos: Dennis Merbach</span></p>
<p class="news-single-imgcaption">Amardeo Sarma (GWUP) und Peter Menne / alle Photos: Dennis Merbach</p>
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<p>Pilger scharen sich um jede Reliquie &#8211; doch nicht jede bringt eine eigene &#8222;Wissenschaft&#8220; hervor:<i> &#8222;Sindonologen&#8220;</i> nennen sich die Mitglieder jener Spezies, die g&ouml;ttliches Wirken &amp; Walten im Turiner &#8222;Grabtuch&#8220; nachweisen wollen. Wie der fromme Wunsch die Wirklichkeit zu verdr&auml;ngen sucht, zeigte <a href="http://www.gwup.org/ueber-uns-uebersicht/wiw/760-wiw-amardeo-sarma" target="_blank" rel="noopener">Amardeo Sarma</a> in seinem Vortrag &uuml;ber das Turiner &#8222;Grabtuch&#8220; am 2. April 2012 im Frankfurter &#8222;Club Voltaire&#8220;: Keineswegs eine F&auml;lschung &#8211; vielmehr ein sehr wirkungsvolles Kunstwerk. Ein Kunstwerk, das die Kirche effektvoll eingesetzt, um Gl&auml;ubige anzuziehen, mehr noch: um deren Spendenpotential anzuzapfen. </p>
<p>Doch warum interessieren sich B&uuml;rgerrechtler f&uuml;r Reliquien? Eine &uuml;berzeugende Antwort lieferte Peter Menne, der den Abend moderierte. Der gloriose Pomp um die Reliquien sei die eine Seite der Medaille, untrennbar verbunden mit der Schattenseite kirchlichen Wirkens &#8211; die diese konsequent unter den Teppich kehren wolle.</p>
<p>Denn Reliquien gebe es zuhauf: neben mehreren Kubikmetern Holzbalken vom Kreuze Christi und kilo- oder tonnenweise N&auml;geln werden allerlei Kleidungsst&uuml;cke Christi verehrt. Neben dem in Turin verwahrten &#8222;Grabtuch&#8220; beispielsweise seine Sandalen (in der Abtei Pr&uuml;m / Eifel) oder sein &#8222;heiliger Rock&#8220;, mit dem das Bistum Trier die Sandalen-Abtei &uuml;bertrumpfte. Jede einzelne dieser Reliquien wird mit gro&szlig;em Pomp zur Schau gestellt, die Kirche organisiert Wallfahrten &#8211; ganz aktuell etwa zum <i>&#8220; <a href="http://heiligs-roeckle.blogspot.de/p/heiliger-rock.html" target="_blank" rel="noopener">heiligen Rock</a> &#8222;</i> nach Trier. Der dortige Bischof Stephan Ackermann zelebriert mit Kindern und Jugendlichen allerlei bunten Hokuspokus. Zugleich ist Bischof Ackermann der Mi&szlig;brauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, predigt mit gro&szlig;en Worten eine<i> &#8222;Null-Toleranz-Linie&#8220;</i> &#8211; und besch&auml;ftigt mindestens sieben p&auml;dophile Pfarrer: als &#8220; <a href="http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0%2C1518%2C822002%2C00.html" target="_blank" rel="noopener">Seelsorger</a> &#8222;(spiegel.de, 18.3.2012). </p>
<p><img decoding="async" border="1" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/Turiner_Grabtuch_02_380.jpg" width="380" height="254" alt=""></p>
<p>Auf die gro&szlig;spurige Ank&uuml;ndigung einer <i>&#8222;Null-Toleranz-Aufarbeitung&#8220;</i> folge bei der Kirche die als<i> &#8222;unendliche Gnade Gottes&#8220;</i> gepriesene Verzeihung den eigenen Mitarbeitern gegen&uuml;ber &#8211; wie etwa gegen&uuml;ber Pius-Bruder und Holocaust-Leugner Bischof Williamson &#8211; den Papst Ratzinger heim ins Reich der kath. Kirche holte. St. P&ouml;lten ist schon vergessen &#8211; in dem Priesterseminar vergn&uuml;gte sich der Seelsorge-Nachwuchs mit Kinderpornos, Lehrer pflegten sexuelle Kontakte zu ihren Seminaristen. Was Bischof Kurt Krenn als <i>&#8222;Bubendummheiten&#8220;</i> herunterspielte: <i>&#8222;die hatten Heimweh&#8220;</i>. Dass der Benediktiner und Wiener Erzbischof Hans Hermann Groer sich mehrfach an abh&auml;ngigen Jugendlichen und erwachsenen Ordensbr&uuml;dern verging, wurde 1985 bekannt &#8211; doch erst zehn Jahre sp&auml;ter trat er von seinem Bischofsamt zur&uuml;ck.</p>
<p>Peter Menne wies auf den offensichtlichen Zusammenhang hin: mit &ouml;ffentlich-pomp&ouml;ser Inszenierung von Reliquien oder sonstigem Klamauk lenke die Kirche von ihrem tats&auml;chlichen Wirken ab.</p>
<p>Wobei eine Auflistung der Heiligt&uuml;mer manchmal hilfreich w&auml;re: denn die Gesamtheit der Balken original vom Kreuze Christi w&uuml;rde ausreichen, um alle Kardin&auml;le dranzunageln &#8211; offensichtlich handelt es sich also bei den allermeisten um eine F&auml;lschung. Andere Reliquien reizen mehr zum Lachen: war Jesus inkontinent? Die Frage stellte ein Besucher, als er vom Aachener Domschatz erfuhr: die Windel von Jesus wird dort verehrt (ob gewaschen oder mit &#8222;heiligem Inhalt&#8220;, konnte nicht gekl&auml;rt werden).</p>
<p>Doch die gesamten Reliquien auf einen Schlag: wer h&auml;tte die Zeit, all&#8216; die Geschichten und Geschichtchen sorgf&auml;ltig unter die Lupe zu nehmen? Amardeo Sarma konzentrierte sich auf die eine, herausragende Ikone: das Turiner &#8222;Grabtuch&#8220;. Der fromme Umgang damit darf durchaus pars pro toto genommen werden.</p>
<p><img decoding="async" border="1" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/Turiner_Grabtuch_03_380.jpg" width="380" height="210" alt=""></p>
<h5>Was spricht f&uuml;r die Echtheit?</h5>
<p>Sarma begann seinen Vortrag mit den Behauptungen der Echtheitsbef&uuml;rworter: am Beginn von deren Ausf&uuml;hrungen stehe regelm&auml;&szlig;ig, dass es das echte Grabtuch Christi sei &#8211; auch wenn ungekl&auml;rt bleibe, wie das Abbild auf das Tuch gekommen sei. Manche gingen da von nat&uuml;rlichen Verfahren aus, andere von einem &uuml;bernat&uuml;rlichen Wunder &#8211; bis hin zu einem <i>&#8222;Neutronenblitz&#8220;</i>. Begr&uuml;ndet wird die Authentizit&auml;t damit, dass:</p>
<p>1. die Geschichte seit der Zeit Jesu rekonstruiert sei,</p>
<p>2. Blut und Pollen nachgewiesen seien,</p>
<p>3. Details auf dem Tuch den Evangelien entsrpr&auml;chen,</p>
<p>4 .das Tuch unm&ouml;glich h&auml;tte gemalt werden k&ouml;nnen.Insbesondere seit das Negativbild bekannt sei &#8211; sei klar, dass kein Mensch so etwas malen k&ouml;nne.</p>
<p>Der Reihe nach nahm der GWUP-Vorsitzende die Behauptungen auseinander, angefangen mit der ersten &ouml;ffentlichen Pr&auml;sentation 1357 im franz&ouml;sischen Lirey. Schon wenig sp&auml;ter schrieb der zust&auml;ndige <a href="http://blog.gwup.net/2010/04/10/das-turiner-grabtuch-die-ganze-geschichte/" target="_blank" rel="noopener">Bischof von Troyes</a>, Pierre d&#8217;Arcis eine Beschwerde an Papst Clemens VII &#8211; in der er nicht an saftigen Worten sparte: <br /><i>&#8222;Die Sache, Heiliger Vater, verh&auml;lt sich so: Vor einiger Zeit hat in dieser Di&ouml;zese von Troyes der Dekan einer gewissen Stiftskirche, und zwar der von Lirey, f&auml;lschlich und betr&uuml;gerisch, von der Leidenschaft der Habsucht verzehrt und nicht aus einem Motiv der Fr&ouml;mmigkeit, sondern nur des Gewinns f&uuml;r seine Kirche wegen, ein mit Schlauheit gemaltes Tuch angeschafft, auf dem durch geschickte Kunst das zweifache Bild eines Mannes gemalt wurde, das hei&szlig;t die R&uuml;ck- und Vorderseite, wobei er f&auml;lschlich erkl&auml;rt und vorgibt, dass dies das wirkliche Grabtuch sei, in welches unser Heiland Jesus Christus im Grab eingeh&uuml;llt war &#8230;&#8220;<br /></i><br />Aber P&auml;pste gab es zu der Zeit mehrere &#8211; und die Kirche wu&szlig;te den Wert solch verehrungsw&uuml;rdiger Objekte insgesamt zu sch&auml;tzen&#8230;</p>
<h5>Getrock&shy;netes Blut &ndash; rot oder schwarz?</h5>
<p>Wer sich schon mal in den Finger geschnitten hat, wei&szlig;: rot bleibt die Blutkruste nicht lange. Unter den ockerfarbenen &Uuml;berbleibseln auf dem Tuch finden sich aber rote Reste: das Blut Christi!, rufen die Echtheitsbef&uuml;rworter, die sich Gedanken um Jesus&#8216; Blutgruppe machen. 1973 wurden dem Tuch Fasern entnommen und 1976 die Testergebnisse der Kommission vorgestellt: alle Bluttests gingen negativ aus. Gefunden wurde stattdessen Zinnoberrot &#8211; eine typische Farbe des Mittelalters. Sarma belegte das anhand charakteristischer Spektralverteilungen.</p>
<p>Die Behauptung, es seien Pollen auf dem Tuch gefunden worden, die typischerweise aus Jerusalem stammten, wurde detailliert widerlegt.</p>
<p>In den 80er Jahren wurde die Radiokarbon-Methode verfeinert: immer kleinere St&uuml;cke waren notwendig, um ein Fundst&uuml;ck exakt zu datieren. Auch der Vatikan wollte es genau wissen: urspr&uuml;nglich sollten sieben Labore unabh&auml;ngig voneinander das &#8222;Grabtuch&#8220; untersuchen. Kurzfristig reduzierte die Kirche die Zahl der Labore auf drei &#8211; und alle drei kamen 1988 zum Schlu&szlig;, dass das Leinen zwischen 1260 und 1380 hergestellt wurde &#8211; passend zur ersten &ouml;ffentlichen Ausstellung 1357.</p>
<h5>Pareidolie &ndash; Gesichter in den Wolken und allerorten</h5>
<p>Im Ende des 19. Jh. aufgenommenen Photo-Negativ erschien Jesus&#8216; Gesicht so klar, dass Echtheitsbef&uuml;rworter insistierten, das k&ouml;nne unm&ouml;glich gemalt worden sein. Auch seien Bl&uuml;ten zu erkennen&#8230;</p>
<p><img decoding="async" border="1" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/Turiner_Grabtuch_04_380.jpg" width="380" height="218" alt=""></p>
<p>Sarma erl&auml;uterte kurz das Ph&auml;nomen der Pareidolie: nicht nur in Wolkenformationen, sondern auch in Steinformationen und vielem mehr erkennen Menschen Gesichter. Das Ph&auml;nomen ist der Wahrnehmungspsychologie seit langem bekannt: wenn jemand in den Flecken also Figuren erkennt, hat das mehr mit dem Betrachter als der objektiven Beschaffenheit des Tuchs zu tun.</p>
<p>Objektiver werden dagegen perspektivische &Uuml;berlegungen: warum f&auml;llt das Haar nicht nach hinten? Wenn das Tuch wirklich auf einem Gesicht gelegen habe, warum ist es dann nicht verzerrt? Wenn man mit zweidimensionalem Tuch einen Abdruck von dreidimensionalem Gegenstand nimmt, erscheint der immer in die Breite gezogen</p>
<h5>Die Reprints &ndash; moderne K&uuml;nstler</h5>
<p>Trotz Kl&auml;rens von Farbe und dem Alter des Tuches behaupten gl&auml;ubige Geister weiter steif und fest, ein Mensch k&ouml;nne sowas nicht gemalt haben, im Mittelalter schon gar nicht. Das widerlegte der italienische Chemiker Luigi Garaschelli 2009 eindrucksvoll: ausschlie&szlig;lich mit Farbpigmenten und Techniken, die schon im Mittelalter bekannt waren, fertigte Garaschelli ein <a href="http://www.gwup.org/infos/nachrichten/971-tgt-nachgemacht" target="_blank" rel="noopener">Replikat</a>, das er &uuml;ber Waschen und Erhitzen k&uuml;nstlich altern lie&szlig;. Das Ergebnis &#8211; wenig verbl&uuml;ffend: nat&uuml;rlich l&auml;&szlig;t sich so ein Tuch mit <a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0%2C1518%2C653524%2C00.html" target="_blank" rel="noopener">einfachsten Mitteln</a> fertigen&#8230;Warum das &#8222;Grabtuch&#8220; dennoch so anziehend wirke?, wollte Moderator Peter Menne wissen. Ein Besucher hatte Garaschellis Replikat in Turin gesehen und meinte, es sei &#8211; schon aufgrund der Gr&ouml;&szlig;e &#8211; eindrucksvoll. Wahrscheinlich liege es an der aufwendigen Pr&auml;sentation: dem Pomp, in den es eingebettet werde, dass viele Menschen sich faszinieren lassen. Womit man zum Ausgangspunkt zur&uuml;ckkehrte: ist der Hokuspokus nur gro&szlig;artig genug inszeniert, verbla&szlig;t &#8211; wie jetzt in Trier &#8211; die Erinnerung an die Kindersch&auml;nder im Bistum des Mi&szlig;brauchsbeauftragten Ackermann. Peter Menne wies auf alternative Wallfahrtsrouten hin: in Trier wird neben dem &#8222;heiligen Rock&#8220; ab dem 14. April auch die &#8220; <a href="http://heiligs-roeckle.blogspot.de/" target="_blank" rel="noopener">heilige Unterhose</a> &#8220; ausgestellt: die Unterhose von Karl Marx, der jedenfalls in Trier gelebt hat &#8211; sein Geburtshaus steht in der Br&uuml;ckenstra&szlig;e zu Trier. Am 14. April um 19:30 Uhr wird die Ausstellung &#8222;Reliquie: Fetisch in Kirche, Kunst &amp; Konsum&#8220; in der <a href="http://www.tufa-trier.de/veranstaltungen/detailansicht/article/RELIQUIE-Fetisch-in-Kirche-Kunst-Konsum.html" target="_blank" rel="noopener">Tufa Trier</a> er&ouml;ffnet.</p>
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		<title>Tatort Gutfleischstraße. Politaktivist Jörg Bergstedt berichtet von rechtswidrigem Poizeiverhalten</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Nov 2011 19:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Veranstaltungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt: Veranstaltungsberichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das OLG Frankfurt verglich rechtswidriges Polizeiverhalten mit der &#8222;Schutzhaft&#8220; der Nazis. Seit Volker Bouffier vom Innenressort ins Ministerpr&#228;sidentenamt wechselte, gelangen Gie&#223;ener Zust&#228;nde an die &#214;ffentlichkeit. Foto: Jan Steffen Foto: Jan Steffen Politaktivist J&#246;rg Bergstedt berichtete von Aktivit&#228;ten der &#8222;Projektwerkstatt&#8220; und den justiziellen Reaktionen darauf. F&#252;r die Humanistische Union moderierte Peter Menne den Abend: die 45 [weiterlesen]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das OLG Frankfurt verglich rechtswidriges Polizeiverhalten mit der &#8222;Schutzhaft&#8220; der Nazis. Seit Volker Bouffier vom Innenressort ins Ministerpr&auml;sidentenamt wechselte, gelangen Gie&szlig;ener Zust&auml;nde an die &Ouml;ffentlichkeit.</p>
<div><span class="migrated-image"><a href="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/2011.11.10_Tatort_Gutfleischstr.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-5942 size-medium" src="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/2011.11.10_Tatort_Gutfleischstr-600x450.jpg" alt="Tatort Gutfleischstra&szlig;e. Politaktivist J&ouml;rg Bergstedt berichtet von rechtswidrigem Poizeiverhalten" width="600" height="450" srcset="https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/2011.11.10_Tatort_Gutfleischstr-600x450.jpg 600w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/2011.11.10_Tatort_Gutfleischstr-768x576.jpg 768w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/2011.11.10_Tatort_Gutfleischstr-1000x750.jpg 1000w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/2011.11.10_Tatort_Gutfleischstr-800x600.jpg 800w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/2011.11.10_Tatort_Gutfleischstr-450x337.jpg 450w, https://www.humanistische-union.de/wp-content/uploads/2021/08/2011.11.10_Tatort_Gutfleischstr.jpg 1351w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a>Foto: Jan Steffen</span></p>
<p class="news-single-imgcaption">Foto: Jan Steffen</p>
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<p>Politaktivist J&ouml;rg Bergstedt berichtete von Aktivit&auml;ten der &#8222;Projektwerkstatt&#8220; und den justiziellen Reaktionen darauf. F&uuml;r die Humanistische Union moderierte Peter Menne den Abend: die 45 bis 50 Besucher informierte er &uuml;ber das Engagement der HU gegen Polizei&uuml;bergriffe und leitete souver&auml;n die lebendige Diskussion nach Bergstedts Vortrag.</p>
<p>Kernpunkt war der rechtswidrige Polizeigewahrsam, den ein Gie&szlig;ener Amtsrichter verh&auml;ngte, obwohl er wusste, dass Bergstedt das ihm angelastete Graffiti nicht gespr&uuml;ht haben konnte. Denn der &uuml;ber Gie&szlig;en hinaus bekannte Projektwerkst&auml;ttler war just zur Tatzeit polizeilich observiert worden &#8211; nur eben nicht in der Nachbarschaft des damaligen Innenministers Bouffier, sondern beim n&auml;chtlichen Federballspiel vor dem Justizgeb&auml;ude in einem ganz anderem Stadtteil. Polizei, Staatsanwalt und Gericht wussten also, dass Bergstedt die ihm vorgeworfenen Taten nicht begangen hatte. Dennoch verurteilte ihn das Amtsgericht. Erst das Frankfurter Oberlandesgericht verglich das Gie&szlig;ener Vorgehen mit der &#8222;Schutzhaft&#8220; der Nazis und erkl&auml;rte Bergstedts Ingewahrsamnahme f&uuml;r &#8222;insgesamt rechtswidrig&#8220;. Bundesdeutsches Polizeihandeln solle sich deutlich von dem &#8222;&auml;u&szlig;erst massiven&#8220; Missbrauch der &#8222;Nazizeit&#8220; unterscheiden.</p>
<p>Doch wie konnte es dazu kommen? Dankenswerterweise begann J&ouml;rg Bergstedt mit der Vorgeschichte: den Aktionen der Projektwerkstatt. Manches klang clownesk, sorgte nicht nur im gut besuchten Club Voltaire, sondern schon in Gie&szlig;ens Fu&szlig;g&auml;ngerzone f&uuml;r laute Lacher: so der Kameragottesdienst. Mittels Rundum-Kamera&uuml;berwachung auf dem Marktplatz wollte die CDU mehr Sicherheit schaffen. Eine schnell auf &uuml;ber 30 Personen angewachsene Truppe huldigte bald darauf vor der Kamera dem &#8222;neuen Gott Sicherheit&#8220;. Die persiflierten Kirchenlieder wurden getoppt, als die Polizei eintraf: vor den Beamten warfen sich manche Aktivisten zu Boden und beteten sie als Propheten des Sicherheitsgottes an. Vom ironischen Auftritt verunsichert, fl&uuml;chtete die Polizei.</p>
<p>Ein anderes Mal st&ouml;rten die Politaktivisten eine Polizeiparade: Polizeidelegationen aus verschiedenen L&auml;ndern stolzierten in Paradeuniform durch Gie&szlig;en. Mit Kopftuch und Wischmopp als Putzfrauen verkleidet, st&uuml;rzte eine Aktivistengruppe dazwischen und schrubbte unter &#8222;Mehr Sauberkeit! Mehr Ordnung!&#8220;-Rufen die Stra&szlig;e. Mit derlei dadaistischen Aktionen machte die Projektwerkstatt die Staatsgewalt l&auml;cherlich &#8211; und hatte bei ihrem Protest die Lacher auf ihrer Seite.<br />Bergstedt berichtete, wie Polizei und Justiz mit L&uuml;gen gegen die Politaktivisten vorging. Streckenweise klang es haarstr&auml;ubend, wie Beweismittel verf&auml;lscht wurden. Das ganze gipfelte in der Nacht vom 14. Mai 2006: Da trafen sich Bergstedt und drei Freunde zum n&auml;chtlichen Federballspiel vor dem Justizgel&auml;nde und wurden dabei von einem Mobilen Einsatzkommando observiert. Zur gleichen Zeit wurde ein Graffiti an Bouffiers Nachbarhaus gesprayt. Der T&auml;ter war polizeibekannt: mit demselben Motiv schon mehrfach erwischt worden. Doch am 14. Mai lie&szlig;en die Polizisten ihn laufen &#8211; um die Tat sp&auml;ter Bergstedt in die Schuhe zu schieben.</p>
<p>Der Vortrag war gleicherma&szlig;en unterhaltsam und schockierend: So, wie das Verhalten der mittelhessischen Justizorgane geschildert wurde, bei&szlig;t es sich mit jedem Bild von Rechtsstaatlichkeit. Die anschlie&szlig;ende Diskussion wurde teils philosophisch: Ist das Recht eine Errungenschaft, die der Begrenzung obrigkeitlicher Willk&uuml;r dient? Oder ist nur es ein weiteres Instrument, abweichende Lebensentw&uuml;rfe zu unterdr&uuml;cken? Marcuses Stichwort von der &#8222;repressiven Toleranz&#8220; wurde in die Debatte geworfen, die von Peter Menne dezent, doch konsequent in konstruktivem Rahmen gehalten wurde.</p>
<p><i>Mehr zum Thema:<br /></i>J&ouml;rg Bergstedt: Tatort Gutfleischstra&szlig;e. Die fiesen Tricks von Polizei und Justiz,<br /><a href="http://www.seitenhieb.info/akteneinsicht.html" target="_blank" rel="noopener">SeitenHieb-Verlag</a>, <br /><a href="http://polizeirecht.rav.de/detail.php?id=64&amp;t=e" target="_blank" rel="noopener">Urteil des OLG Frankfurt</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/veranstaltungsberichte/2011/tatort-gutfleischstrasse-politaktivist-joerg-bergstedt-berichtet-von-rechtswidrigem-poizeiverhalten/">Tatort Gutfleischstraße. Politaktivist Jörg Bergstedt berichtet von rechtswidrigem Poizeiverhalten</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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