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	<title>Rainer Rilling Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>Remix der Eigentumslandschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Jun 2008 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Privatisierungspolitik resultiert aus der Dynamik der Finanzm&#228;rkte, aus: vorg&#228;nge Nr. 182, Heft 2/2008, S. 100-112 Soweit sie den zeitdiagnostischen Theoriebest&#228;nden der europ&#228;ischen Linken verpflichtet war, ist die aktuelle Kapitalismusdebatte der letzten Jahre der Frage nach der Entwicklungstypik des gegenw&#228;rtigen Kapitalismus nachgegangen, um so die Besonderheit einer global gewordenen politischen Ordnung der Gegenwart (&#8222;Empire&#8220;, &#8222;neuer [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/182-vorgaenge/publikation/remix-der-eigentumslandschaft/">Remix der Eigentumslandschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Privatisierungspolitik resultiert aus der Dynamik der Finanzm&auml;rkte,</p>
<p>aus: vorg&auml;nge Nr. 182, Heft 2/2008, S. 100-112</p>
<p>Soweit sie den zeitdiagnostischen Theoriebest&auml;nden der europ&auml;ischen Linken verpflichtet war, ist die aktuelle Kapitalismusdebatte der letzten Jahre der Frage nach der<i> Entwicklungstypik des gegenw&auml;rtigen Kapitalismus </i>nachgegangen, um so die Besonderheit einer global gewordenen politischen Ordnung der Gegenwart (&#8222;Empire&#8220;, &#8222;neuer Imperialismus&#8220;) zu erkl&auml;ren. Unter zahlreichen Vorschl&auml;gen stachen zwei hervor: ausgegangen wurde von einer <i>&Uuml;bergangssituation </i>(&#8222;Postfordismus&#8220;) oder es wurde der nun erstmals wirklich global gewordene (&#8222;planetare&#8220;) Kapitalismus der Gegenwart als &uuml;berwiegend <i>neoliberal </i>gepr&auml;gt bestimmt[1]. Als spezifische Merkmale seiner politischen &Ouml;konomie gelten h&auml;ufig die Schl&uuml;sselrolle der Finanzm&auml;rkte und die &#8222;Akkumulation durch Enteignung&#8220;.</p>
<p>Im Ergebnis dieser neuen Kapitalismusdebatte ist mittlerweile ein ungef&auml;hrer Konsens entstanden &uuml;ber eine, wenngleich zur&uuml;ckhaltende und in ihrer Bedeutung noch unscharf konturierte Charakterisierung des Gegenwartskapitalismus als <i>neoliberal gepr&auml;gtem Finanzmarktkapitalismus.</i> Seit Mitte dieses Jahrzehnts sind weitere Konsensmomente hinzugekommen. Das betrifft zun&auml;chst die Rede von einer neuen <i>Krisenhaftigkeit </i>des gegenw&auml;rtigen Kapitalismus. Danach befinde sich der Neoliberalismus in einer sich ausweitenden <i>Legitimationskrise</i>. Als Indizien gelten die deutliche Ablehnung marktradikaler Hochwertbegriffe und -ideen, wahlpolitischen Verschiebungen zu einer breiten (Lateinamerika) oder minorit&auml;ren (Europa) Linken, die Blockaden des politischen Systems oder das sp&uuml;rbare Wachsen politischer Passivit&auml;t. Eine Grundlage dieser Zustimmungskrise wird in der <i>sozialen Krise</i> gesehen, die das neoliberale Projekt der Umverteilung und Durchsetzung sozialer und r&auml;umlicher Ungleichheiten mit sich gebracht habe[2]. Beide Momente m&uuml;ndeten in eine disperse, ungleichzeitige und ungleichgewichtige <i>Funktionskrise </i>einzelner Herrschaftsmechanismen des neoliberalen Kapitalismus ein &#8211; etwa der Einrichtungen des &#8222;imperialen Multilateralismus&#8220;[3] wie G8, Weltbank, WTO, IWF.</p>
<h2 class="auto-created">Spielarten und Varianten des Kapita&shy;lismus </h2>
<p>Aus diesen neuen, zum Teil sehr spekulativen und recht weit reichenden Krisendiagnosen werden unterschiedliche Konsequenzen gezogen. Die Einen sehen sich angesichts solcher Krisenmomente und der unverkennbaren Aufwertung disziplinierender und milit&auml;rischer Sicherungsinstrumentarien darin best&auml;tigt, dass der in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts entstandene Neoliberalismus nur eine vor&uuml;bergehende Bewegungsform des modernen Globalkapitalismus sei und das im letzten Jahrzehnt immer profiliertere Hervortreten der kriegerischen, &#8222;starken Politik&#8220; als Indiz eines <i>Niedergangs </i>des neoliberalen Kapitalismustyps gewertet werden k&ouml;nne. F&uuml;r sie ist die lange Zeit des liberalen Kapitalismus zu Ende &#8211; das neue Regiment aus global wirksamem Finanzkapital und internationalen Konzernen verlange nach <i>autorit&auml;rer Ordnung der Politik </i>und einem starken Staat, der die politische Formierung eines kommenden Rohstoff- und Ressourcenimperialismus einl&auml;ute und dann auch selbst bestimmen werde. Wir erleben hier nach also den &Uuml;bergang zu einem neuen geschichtlichen Abschnitt in der Zeit des Kapitalismus.</p>
<p>Die Anderen sehen demgegen&uuml;ber weiterhin grundlegende Kontinuit&auml;t, aber auch Bruch: einen <i>Formwechsel </i>des Neoliberalismus hin zum disziplinierenden, disziplin&auml;ren oder disziplinargesellschaftlichen Neoliberalismus. Sie erblicken hierin ein Anzeichen f&uuml;r die Modifikationskraft und Entwicklungsf&auml;higkeit des neoliberalen Kapitalismus, der so seine Zielsetzung (Ungleichheit) und Reproduktionsweise (&#8222;finanzgetriebene Akkumulation durch Enteignung&#8220;) durchaus nachhaltig sichern k&ouml;nne. Hier werden Neoliberalit&auml;t und Imperialit&auml;t in der Figur eines <i>neoliberalen Empire </i>oder eines <i>imperialen Neoliberalismus </i>zusammengedacht. In beiden F&auml;llen aber spielt die Denkfigur der &#8222;R&uuml;ckkehr des starken Staates&#8220; eine Schl&uuml;sselrolle, ihre Referenz freilich ist vor allem das politische Machtspiel um globale Macht und die Positionen in der politischen Ordnung der Welt und erst in zweiter Linie die Option, durch pr&auml;ventive Sicherheitsstaatlichkeit das krisenbedingte Schwinden eines innerstaatlichen Konsens zu konterkarieren.</p>
<p>Anders demgegen&uuml;ber ein weiterer Zugang, der gleichsam &#8222;nach innen&#8220; sieht und sich einig ist, dass es sinnvoll sei, von einer deutlichen Ausdifferenzierung der <i>Kapitalismustypen </i>und <i>-varianten </i>auch in den entwickelten Staaten des Nordens auszugehen. Dabei ging es nicht nur um die Abarbeitung an der jahrzehnte alten Frage nach dem Verh&auml;ltnis von Nationalstaat und trans- oder supranationalen Regimen im europ&auml;ischen Kontext, aus der eine Debatte &uuml;ber &#8222;den europ&auml;ischen Kapitalismus&#8220; oder &#8222;Eurokapitalismus&#8220; als eigenem Typus eines kapitalistischen &#8222;Gro&szlig;raums&#8220; (Peter Gowan) entstand, der als neue Grundlage einer hegemonialen oder imperialen Rolle Europas fungieren k&ouml;nne. Es ging auch um den so h&auml;ufig ignorierten Bestand sehr unterschiedlicher &#8222;Kapitalismen in Europa&#8220;. Bei der Aufnahme dieses Bestandes spielten neben dem <i>regulationstheoretischen </i>Ansatz und der <i>Wohlfahrtsstaatsdebatte </i>die Untersuchung der <i>&#8222;Varieties of Capitalism&#8220; </i>eine Schl&uuml;sselrolle, also eine bestimmte vergleichende Kapitalismusanalyse, die versuchte, anhand der Identifizierung unterschiedlicher Koordination / Konkurrenz &#8211; Beziehungen zwischen Kapital / Kapitalisten den Zentralgedanken des Neoliberalismus, dass es nur den <i>einen </i>Weg der freien Konkurrenz gebe, zu <br />konterkarieren.[4] Von diesen Debatten ausgehend unterscheiden etwa Bieling u.a. in ihrer aktuellen Analyse der &ouml;ffentlichen Infrastruktur in der EU zwischen einem marktliberalen (England), korporatistischen (BRD), etatistischen (Frankreich) und sozialkorporatistischen (Schweden) Kapitalismusmodell und konstatieren einen deutlichen Trend zu einem &#8222;Mittelweg&#8220; insbesondere auf Druck der EU.[5] &Auml;hnlich diagnostiziert die &#8222;Dynamo-Studie&#8220; von Steffen Lehndorff u.a.[6], dass es seit Anfang der 90er Jahre in den europ&auml;ischen Staaten deutliche <i>Konvergenzprozesse </i>gebe, die darauf hinauslaufen, dass durch institutionelle / politische Wandlungen vorhandene (grunds&auml;tzlich neoliberale) Pfade aufrechterhalten werden konnten, es aber gleichsam zu einer gewissen &#8222;Entradikalisierung&#8220; des Projekts Neoliberalismus gekommen sei. Beispiel daf&uuml;r w&auml;re die deutliche Einf&uuml;hrung sozialer Momente in das marktliberale Modell in England (der liberale Pfad wurde fortgesetzt aber ohne weitere Versch&auml;rfung der Ungleichheit) oder die Induzierung liberaler Momente in das schwedische Sozialmodell (ohne mit der Gleichheitspr&auml;ferenz definitiv zu brechen). Es liegt nahe, diesen Wandlungsprozess als <i>Stabilisierung </i>des neoliberalen Entwicklungspfades in Europa durch Modifizierung zu verstehen, wir es gegenw&auml;rtig also mit Trends in Richtung auf einen gleichsam <i>zentristischen Neoliberalismus </i>zu tun haben.</p>
<h2 class="auto-created">Eigen&shy;tums&shy;land&shy;schaften </h2>
<p>Bei der Etablierung dieses modernen Kapitalismustyps und seiner aktuellen Ver&auml;nderung spielt die Revolutionierung der Eigentumslandschaft eine au&szlig;erordentliche Rolle. Die Eigentumsfrage ist nach Europa zur&uuml;ckgekehrt und pr&auml;senter denn je. Sicher: Eigentum ist immer in Bewegung, st&auml;ndig entsteht es, wird zerst&ouml;rt und neu gemacht &#8211; zu seiner wirklichkeitsgerechten Beschreibung ben&ouml;tigte es eigentlich ein Verb <i>(&#8222;to property&#8220;)</i>. Jeder bewegt sich in einer Welt der <i>mixed property </i>und muss sich in den Wandlungen der vielf&auml;ltigen Eigentumslandschaften und ihrer Verh&auml;ltnisse zurechtfinden. Rousseau spannte deshalb<i> Eigentum und Ungleichheit </i>in seiner <i>&#8222;Abhandlung &uuml;ber den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen&#8220; </i>von 1775 aufs engste zusammen. Doch der marktradikale Kapitalismus hat wie seit Jahrzehnten nicht diese Bewegung des Eigentums angetrieben, beschleunigt und entgrenzt. Dieser neuartige Zustand ist so gr&uuml;ndlich in den Alltagsverstand eingedrungen, dass der Unterschied zur fordistischen Zeit auch noch der 60er Jahre kaum noch gew&auml;rtig ist. Rossana Rossanda erinnert in ihrer j&uuml;ngst ver&ouml;ffentlichten Biografie daran: <i>&#8222;In Italien gl&uuml;hte es, wie die Explosion der sechziger Jahre zeigen sollte (&#8230;). Zum einen ging es um das Privateigentum, aber in dieser Frage gab es, auch wenn es seltsam klingen mag, keine scharfen Auseinandersetzungen: Damals war man in den europ&auml;ischen Demokratien allgemein der Ansicht, dass strategische Sektoren und solche, die den Charakter eines Gemeinguts haben, verstaatlicht werden sollten. In Italien gab es bereits einen umfangreichen staatlichen Sektor, in dem nur Energie- und Transportunternehmen fehlten (&#8230;) bis in die siebziger Jahre gab es niemanden, der sich dem Staatsmonopol widersetzte. (&#8230;) Als schlie&szlig;lich 1992 der Tangentopoli-Skandal ausbrach, war sowohl die Rechte als auch die Linke soweit, das Kind mit dem Bade auszusch&uuml;tten, denn nun schworen alle darauf, dass das Privateigentum wegen seiner Anst&auml;ndigkeit und Transparenz absolut &uuml;berlegen sei.&#8220;[7]</i> Der von Rossanda geschilderte gro&szlig;e Meinungswandel in Sachen Eigentum gilt nicht nur f&uuml;r Italien, sondern auch f&uuml;r Deutschland und andere Staaten Europas. Warum also hat sich diese Haltung so ge&auml;ndert?</p>
<h2 class="auto-created">Der andere Kapita&shy;lismus </h2>
<p>Die herrschenden und regierenden Klassen nicht nur in Europa waren damals irritiert und innovativ zugleich. Irritiert waren sie fast ein Jahrzehnt lang &uuml;ber den politischen Terraingewinn der Gewerkschaften, der Sozialdemokratie, der kommunistischen Linken und der <i>left of the left</i>, der neuen Linken. Irritiert waren sie dar&uuml;ber, dass unversehens die <i>class wars </i>auch f&uuml;r sie zuweilen verloren gingen. Irritiert endlich waren sie vor allem &uuml;ber die ersten gr&ouml;&szlig;eren Wirtschaftskrisen und das sinkende Wachstum, so dass sich die Verteilungsverh&auml;ltnisse deutlich zu ihren ungunsten ver&auml;nderten. Darauf k&uuml;ndigten sie den alten sozialdemokratisch-liberalen Klassenkompromiss auf. Als alternatives Entwicklungsmodell setzte sich in der zweiten H&auml;lfte der 70er Jahre durch, was sp&auml;ter Neoliberalismus genannt wurde und bisher ungesehene Akkumulationsfelder und -r&auml;ume des Kapitals mit sich brachte. Dieses Modell f&uuml;hrte schlie&szlig;lich sogar zum Umbau des zentralen Treibriemens des Gegenwartskapitalismus und seiner Machtarrangements.</p>
<p>Den Protagonisten des neuen Modells gelang es zwar nicht, den langen Trend des Sinkens der Wachstumsraten des Wirtschaftswachstums in Europa zu brechen und &auml;hnlich wie im &#8222;goldenen Zeitalter&#8220; des Fordismus gr&ouml;&szlig;ere Krisen zu vermeiden. Aber sie erreichten eine nunmehr seit &uuml;ber drei Jahrzehnten anhaltende ganz au&szlig;erordentliche Umverteilung von Einkommen und Verm&ouml;gen. Gleichg&uuml;ltig, in welches gro&szlig;e kapitalistische Land man auch schaut &#8211; in den Zentren des Kapitalismus (USA, EU, Japan) sinkt der Anteil der L&ouml;hne am BSP zwischen 1975 und 2005 um 4, 10 und 15,6 Prozentpunkte und das oberste eine Prozent der Verm&ouml;gensbesitzer und Einkommensbezieher verdoppelte oder verdreifachte in dieser Zeit seinen Anteil am Volksverm&ouml;gen und -einkommen, eine dramatische, unerh&ouml;rte, nur mit der Situation der goldene Gr&uuml;nderzeit des modernen, imperialen Kapitalismus seit den 1890er Jahren vergleichbare Steigerung. Dabei kam die Eigentumsfrage gleich mehrfach ins Spiel.</p>
<p>Zun&auml;chst traten in diesen drei Jahrzehnten zwei riesige kapitalisierbare Felder ins Blickfeld: das staatliche (und genossenschaftliche) Eigentum und solche G&uuml;ter, die noch gar kein Bestandteil erwerbswirtschaftlicher T&auml;tigkeit waren. Im letzteren Fall handelte es sich um n&uuml;tzliche G&uuml;ter der Natur und der immateriellen, geistigen Produktion. Diese G&uuml;ter wurden in Wert gesetzt, ihr Warencharakter zum Beispiel durch Patente oder Copyright gesichert und diese so neu geschaffenen Werte sind heute zu einem geradezu endlos wachsenden Feld der Anlage von Erwerbsverm&ouml;gen geworden, dessen spezielles Gewicht sich mittlerweile jeder exakten Absch&auml;tzung entzieht.</p>
<p>Daraus entstand das neue Problem, wie die Besitzer dieses Erwerbsverm&ouml;gens wieder anlegen, denn eine solche signifikante Ansammlung von Gewinnen und Einkommen l&auml;sst sich ja nicht nur auf Golfpl&auml;tzen umverteilen oder in Luxushotels verleben. Das Geldverm&ouml;gen wird daher nicht nur produktiv investiert oder in Luxuskonsum verbrannt, sondern als privates Finanzverm&ouml;gen behandelt, dessen Gr&ouml;&szlig;enordnung im letzten Vierteljahrhundert (1980-2006) von weltweit 12 Billionen $ auf 167 Billionen $, also das Vierzehnfache, angestiegen ist. Das (nominale) Sozialprodukt, also die Wert- und Mehrwertproduktion der Welt&ouml;konomie, stieg in diesem Vierteljahrhundert dagegen nur von 10 auf 48 Billionen Dollar, also um fast das F&uuml;nffache. W&auml;hrend 1980 die H&ouml;he der international angelegten Verm&ouml;genstitel noch etwa der H&auml;lfte des Weltsozialprodukts entsprach, bel&auml;uft sich der Wert der weltweit angelegten privaten Verm&ouml;genstitel mittlerweile auf das Dreieinhalbfache dessen, was auf der Welt wertm&auml;&szlig;ig im Jahr produziert wird. Auf der anderen Seite nun blieb in dieser neoliberalen Zeit das Wertvolumen der &ouml;ffentlichen Best&auml;nde und Staatshaushalte aufgrund relativ sinkender Steuereinnahmen weit zur&uuml;ck, die auf das geringere Wirtschaftswachstum, die Entscheidung f&uuml;r eine Politik der hohen, die gesamtwirtschaftliche Wertsch&ouml;pfung begrenzenden Arbeitslosigkeit, die Entlastung hoher Verm&ouml;gen und Einkommensklassen und die massive Steuerkonkurrenz der Staaten untereinander zur&uuml;ckzuf&uuml;hren sind. Um diese Einnahmeausf&auml;lle auszugleichen oder weil der Staat schon nicht mehr den Unterhalt seiner Verm&ouml;genswerte sichern kann, verkauft er sie an Private. Die neuen Geldeigent&uuml;mer suchten nach Anlagem&ouml;glichkeiten, die Staaten stellten sie bereit und bevorteilen diese gleich dreifach: sie bef&ouml;rdern durch ihre Steuerpolitik das Wachstum des privaten Geldverm&ouml;gens, verkaufen ihnen dann noch f&uuml;r einen Bruchteil dieses Geldes die eigenen Verm&ouml;genswerte und sichern im Anschluss dann oft genug noch mit hohem Mitteleinsatz (Infrastruktursicherung, Bereitstellung von Zulieferersystemen, rechtliche oder ggf. milit&auml;rische Absicherung) deren gewinntr&auml;chtige private Verwertung.[8]</p>
<p>Damit &auml;ndern sich auch Arbeitsmodus und Machtgef&uuml;ge des Kapitalismus. W&auml;hrend im Industriekapitalismus der fordistischen Zeit bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts der Unternehmer oder Manager die Zentralfigur war, welche f&uuml;r die zahlreichen Produktions- und Investitionsm&ouml;glichkeiten knappe Finanzmittel zu besorgen hatte, ist die Situation heute genau umgekehrt: die Finanzmittel und Finanzierungsm&ouml;glichkeiten sind reichlich vorhanden, es fehlen jedoch vergleichbare Anwendungs- und Verwertungsm&ouml;glichkeiten.</p>
<p>Deswegen ist der Finanzinvestor die zentrale Person oder Institution des gegenw&auml;rtigen Kapitalismus geworden. Er sammelt Finanzverm&ouml;gen ein und legt es im Auftrag der Geldbesitzer in gro&szlig;e Versicherungen, Pensions- und Investmentfonds an. Finanzinvestoren sind private Unternehmen <i>(Private Equity, Hedge Fonds), </i>die um das Verm&ouml;gen der Geldbesitzer konkurrieren, weshalb sie diesen schnelle und hohe Renditen versprechen. F&uuml;r sie sind private Unternehmen eine Veranstaltung von Eigent&uuml;mern f&uuml;r Eigent&uuml;mer und sonst nichts. W&auml;hrend somit zun&auml;chst eine nicht unwesentliche <i>Quelle </i>der Bildung dieses gro&szlig;volumigen Finanzverm&ouml;gens die private Aneignung, die Privatisierung &ouml;ffentlichen Reichtums und globaler oder lokaler &ouml;ffentlicher G&uuml;ter war, geht es nun darum, dass der gegenw&auml;rtige Kapitalismus sinnvoller Weise finanzmarkt<i>getriebener</i> Kapitalismus genannt werden kann, weil durch diese Privatisierung &ouml;ffentlichen Reichtums und den Prozess der weitr&auml;umigen Inwertsetzung <i>st&auml;ndig neu </i>im &Uuml;berfluss vorhandene Finanzmittel angelegt und verwertet werden k&ouml;nnen. Der Kapitalismus ist also anders geworden: das Verh&auml;ltnis zwischen produktivem Erwerbsverm&ouml;gen und Geldverm&ouml;gen hat sich ebenso ge&auml;ndert wie das Verh&auml;ltnis von produzierendem Unternehmer und Finanzanleger. In einem finanzmarktgetriebenen Kapitalismus gibt es eine neuartige <i>Dynamik</i>, noch vorhandene &ouml;ffentliche oder noch gar nicht in Wert gesetzte Erwerbsm&ouml;glichkeiten m&ouml;glichst schrankenlos zu nutzen. Zu den <i>Quellen </i>des neuen Finanzreichtums geh&ouml;rte in den sp&auml;ten 60ern und dann seit den 70ern die Privatisierung von Betrieben aus klassischen Industriebranchen oder der Energieversorgung. Die neue, zunehmend finanzmarktgetriebene <i>Dynamik </i>aber kam seit den 80er Jahren aus der Privatisierung ganz anderer Gebiete, der Telekommunikation und Medien, des Wohnungsbaus, von Wasserbetrieben, des Verkehrs &#8211; also Stra&szlig;en, Bahn, Flugh&auml;fen &#8211; und heutzutage nun aus der Inwertsetzung und Privatisierung vor allem der Bildung, Forschung, Kultur (immateriellen Produktion) und des Gesundheitswesens. Sie ist getrieben vom permanenten Druck der Finanzm&auml;rkte. Bei den letztenannten Bereichen geht dabei nicht nur gleichsam um das &Uuml;bersickern des &Ouml;konomischen in andere Sph&auml;ren der Gesellschaft, sondern darum, dass dort eine eigene, spezifische Form von Marktrationalit&auml;t entsteht und sie das Funktionieren der Welt der &Ouml;konomie nicht einfach funktional erleichtern, sondern sich selbst nach Marktkriterien konstituieren und reproduzieren und B&uuml;rger als &ouml;konomische Subjekte konfigurieren. Die Gesellschaft der Bildung etwa, so der Gedanke, wird selbst ein Element und eine Form des &ouml;konomischen Raums. So ist die EU heute immer noch ein Kontinent der &ouml;ffentlich finanzierten, organisierten und kontrollierten Bildung &#8211; doch sie wird immer enger an M&auml;rkte angeschlossen, funktioniert nach gewerblichen Ma&szlig;st&auml;ben und Zielsetzungen und verwandelt das Recht und den Zugang zur Bildung in eine Frage der Kaufkraft[9].</p>
<p>Endlich geh&ouml;rt zu diesem Bild des Aufstiegs, Umbaus und Funktionswandels der Finanzm&auml;rkte nicht zuletzt, dass sich vor allem in den 80er und 90er Jahren die Eigent&uuml;merstruktur im europ&auml;ischen Bankwesen mit hoher Geschwindigkeit und grundlegend &auml;nderte. In Italien, Frankreich, Griechenland oder Deutschland gab es einen gro&szlig;en Anteil &ouml;ffentlicher Banken, der mit Ausnahme Deutschlands (Sparkassensektor) mittlerweile faktisch beseitigt wurde. Die Banken in der erweiterten EU sind heute weit &uuml;berwiegend private Banken, die Unternehmenskonzentration ist extrem und der Anteil der ausl&auml;ndischen Banken in den neuen EU-L&auml;ndern liegt fast ausnahmslos zwischen 70 Prozent und 100 Prozent.[10]</p>
<h2 class="auto-created">Priva&shy;ti&shy;sie&shy;rung </h2>
<p>Weltweit wurden in der langen Privatisierungswelle der bisherigen neoliberalen Zeit allein zwischen 1977 und 2004[11] mehr als 4000 Privatisierungen realisiert, die Erl&ouml;se von 1,35 Bio. US-Dollar erbrachten. Jede dritte Privatisierung und 48 Prozent der Erl&ouml;se wurden dabei in Europa realisiert. Global sind die Erl&ouml;se aus der Privatisierung &ouml;ffentlichen Eigentums seit Mitte der 70er Jahre kontinuierlich bis Mitte 1996/8 angestiegen, um dann nach einigen Jahren des R&uuml;ckgangs seit 2003 erneut auf nunmehr 144,4 Mrd. $ im Jahr 2007 anzuwachsen. F&uuml;r die Dynamik der letzten Jahre ist in erster Linie die Privatisierung von Staatseigentum in China verantwortlich. 1978 gab es in China kein privates Unternehmen, 28 Jahre sp&auml;ter (Ende 2006) waren dort in 4,86 Millionen Privatunternehmen &uuml;ber eine halbe Milliarde Menschen besch&auml;ftigt; der Anteil der Privatwirtschaft an Chinas Bruttoinlandsprodukt liegt bei 65 Prozent und in den St&auml;dten arbeiten &uuml;ber drei von vier Erwerbst&auml;tigen im privaten Sektor. Erstmals realisierte 2007 mit China ein Land aus dem Verkauf von Anteilen staatlicher Unternehmen mit knapp 42 Mrd. $ mehr als alle L&auml;nder der EU zusammen.[12]</p>
<p>Rund ein Drittel der direkten Ver&auml;u&szlig;erungen &ouml;ffentlicher Verm&ouml;gensbest&auml;nde geschah 2006 jedoch immer noch in Europa. Dass Europa lange Zeit das globale Zentrum der Privatisierung war h&auml;ngt mit der Privatisierung in England zusammen, wo durch die Thatcher-Politik der Sektor der staatlichen Unternehmen von 10 Prozent des Bruttosozialprodukts auf Null absank. Mit der Privatisierung von British Petroleum (BP) setzte dort dieser Prozess 1977 ein. Mitte der 80er breitete sich die Privatisierungspolitik in Europa aus. 1985 folgte Italien, dann 1986 Frankreich, 1989 endlich Portugal, Spanien, Holland und Schweden. 1998 kam es zur Privatisierung nationaler Champions und strategischer Unternehmen wie ENI (Italien), Swisscom (Schweiz), ENDESA (Spanien) und France Telekom (Frankreich). &#8222;Die Privatisierungswelle in Europa w&auml;hrend der 1990er Jahre repr&auml;sentiert definitiv einen der gr&ouml;&szlig;ten Eigentumswechsel in der Geschichte der Unternehmen.&#8220;[13]</p>
<p>2002-2002 stagnierte der Prozess und begann dann erneut 2003 und 2004 mit Schwerpunkten im Telekommunikationsbereich, dem Finanzsektor und der Erd&ouml;l- bzw. Erdgasindustrie. Von den Privatisierungen in Westeuropa der Jahre 1977 bis 2002 entfielen 183 mit einem Erl&ouml;s von 145,531 Mrd. US Dollar auf England, an zweiter Stelle folgte Italien (103 F&auml;lle mit 96,4 Mrd. $) und bereits an dritter Stelle die BRD mit 150 F&auml;llen und 73,3 Mrd. $ Erl&ouml;s. Es folgten sodann Frankreich (59,8 Mrd.) und Spanien (46,6 Mrd.). Die Verstaatlichungen in Zentral- und Osteuropa und in Russland betrafen 28 Prozent der F&auml;lle, repr&auml;sentierten aber nur 6 Prozent der Einnahmen. Nach Europa kam Asien und Latein Amerika. Betrachtet man die Branchen, so setzte die Privatisierungspolitik typischerweise in der Fertigungs- und Finanzindustrie ein und ergriff dann die Telekommunikation, Energie, das Transportwesen, Wasserwerke etc. Auf diese strategischen Sektoren entfielen in Europa 68 Prozent der Erl&ouml;se und etwa 38 Prozent der Transaktionen. Nur in L&auml;ndern wie England und Spanien sind diese strategischen Sektoren vollst&auml;ndig privatisiert wurden &#8211; in den anderen L&auml;ndern gibt es hier noch betr&auml;chtliche staatliche Unternehmensanteile[14].</p>
<p>In der Bundesrepublik hat die Politik der Privatisierung und Entstaatlichung vor allem in den 80er Jahren unter der Regierung Kohl begonnen. W&auml;hrend in den 70er Jahren die Anzahl der Bundesbeteiligungen sogar noch deutlich ausgebaut worden war, wurden dann seit den fr&uuml;hen 80ern bis 2005 174 gr&ouml;&szlig;ere Privatisierungen durchgef&uuml;hrt. Das neoliberal gepr&auml;gte Zeitalter begann 1986 mit der Fortsetzung der Privatisierung von VW, VEBA und der Deutschen Lufthansa. Dann setzte sukzessiv die Privatisierung der Post ein. Nach dem Zusammenbruch der DDR wurden durch die Treuhandanstalt rund 8000 Staatsunternehmen privatisiert &#8211; die gr&ouml;&szlig;te Privatisierung in der deutschen Geschichte. 1994 erfolgte der Teilverkauf der Bankgesellschaft Berlin und der LAUBAG. 1998 gab es Ganz- oder Teilprivatisierungen der Autobahn Tank &amp; Rast AG, der Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH (Teilprivatisierung) und der Saarbergwerke AG sowie der Deutschen Genossenschaftsbank und der L&uuml;becker Hafengesellschaft. <br />1999 und 2000 schlugen weitere Teilprivatisierungen der Deutschen Bank, der Deutschen Post und der Verkauf der Berliner Wasserbetriebe zu Buche, ebenso der Flughafen Frankfurt, die Bundesdruckerei u. a. m. &#8211; das allein brachte rund 20 Mrd. &euro;. Im folgenden Jahr begannen dann in weitaus gr&ouml;&szlig;erem Ma&szlig;stab als zuvor die Verk&auml;ufe des staatlichen, kommunalen oder genossenschaftlichen Wohnungsbestandes. Ingesamt ver&auml;u&szlig;erten zwischen 1986 und 2003 der Bund und die L&auml;nder Verm&ouml;gen in H&ouml;he von 40 Mrd. &euro;. Die Kommunen, deren klassischer Stadtwerkesektor 2006 ca. 71 Mrd. &euro; umsetzte, verkauften allein 2005 f&uuml;r 5,7 Mrd. &euro; Verm&ouml;gensbest&auml;nde und 61 000 kommunale Arbeitspl&auml;tze wanderten in die Privatwirtschaft ab. Das Gesamtvolumen der Verk&auml;ufe kommunalen Eigentums ist nicht bekannt. Ausweislich ihrer Beteiligungsberichte verf&uuml;gen die Bundesl&auml;nder &uuml;ber ca. 760 direkte Beteiligungen vor allem im Bank- und Verkehrswesen, im Kulturbereich sowie im Grundst&uuml;ckswesen; in einen Gesamtverm&ouml;gensbestand l&auml;sst sich dies gegenw&auml;rtig noch nicht kumulieren und ebenso ist v&ouml;llig unklar, in welchem Umfang Verm&ouml;gensanteile in den letzten Jahrzehnten privatisiert wurden.[15] &Auml;hnlich wie in vielen anderen Staaten Europas konzentrierten sich die Verk&auml;ufe &ouml;ffentlichen Eigentums zun&auml;chst auf erwerbswirtschaftliche Unternehmen im Staatsbesitz und erstreckten sich sodann auf &ouml;ffentliche Infrastrukturen und dann endlich hoheitliche Dienste und soziale Sicherungssysteme.</p>
<p>Zwischen 1977 und 2005 gab es in Europa (Europa der 15) insgesamt 1177 Privatisierungen, die 708 Mrd. $ erbrachten (etwa der H&auml;lfte der global erzielten Privatisierungserl&ouml;se). W&auml;hrend sich in Deutschland im Zeitraum 1977-1992 Privatisierungserl&ouml;se in H&ouml;he von 6,59 Mrd. $ ansammelten, waren es in der Folgezeit bis 2002 71,43 Mrd. $. Gemeinsam mit Frankreich stand die BRD im Jahr 2006 an der Spitze der Top- List der europ&auml;ischen Privatisierung; in beiden L&auml;ndern wurden aus Verm&ouml;gensver&auml;u&szlig;erungen &ouml;ffentlichen Eigentums knapp 9 Mrd. &euro; eingenommen. 2007 wurden in der Bundesrepublik drei der f&uuml;nf gr&ouml;&szlig;ten Privatisierungen in Europa vollzogen, die Erl&ouml;se lagen aber insgesamt bei nur 6,7 Mrd. &euro;, im laufenden Jahr sollen es wieder ca. 9 Md &euro; sein. Darin spiegelt sich auch wieder, dass immer weniger &#8222;klassische&#8220; Verm&ouml;gensbest&auml;nde ver&auml;u&szlig;ert werden k&ouml;nnen. Es gibt kein schnelles Tafelsilber der Gr&ouml;&szlig;enordnung Post und Bahn mehr &#8211; das gilt auch f&uuml;r Europa, wie der Privatization Barometer 2007 vermerkte: hier gebe &#8222;es nur noch wenige unber&uuml;hrte Industrien, die verkauft werden k&ouml;nnten.&#8220; Wenn man kein Tafelsilber mehr hat, muss man an das Geschirr gehen &#8211; zum Beispiel Stadtwerke. Seit langem geht es in der Privatisierungspolitik des Bundes um die Sektoren Verkehr (Bahn, Stra&szlig;ensystem, Flugh&auml;fen), Post und immaterielle G&uuml;ter (z.B. Frequenzen) sowie Bereiche der Hoheitsverwaltung (Gef&auml;ngnisse, Milit&auml;r, klassische Funktionen der Leistungsverwaltung). Hinzu kommen das Bildungs- und Forschungssystem, in dem traditionell gerade der Bereich der Grundlagenforschung &ouml;ffentlich organisiert und zum Teil in Bundesbesitz ist, das Wohnungs- und Gesundheitswesen, das Sozialversicherungswesen sowie zentrale Netze (Stra&szlig;e, Wasser, Flugh&auml;fen) und endlich als potentiell wesentlichster Bereich die Umwelt[16].</p>
<h2 class="auto-created">Priva&shy;ti&shy;sie&shy;rung &amp; Politik </h2>
<p>Die praktische Politik der Privatisierung ist in erster Linie <i>instrumenteller </i>Natur und hat ihre Bedeutung als Bestandteil &uuml;bergeordneter <i>verteilungs-, wirtschafts-, ordnungs- und ideologiepolitischer Strategien.</i> Sie bestimmen die Bereiche, Intensit&auml;t und Formen der Privatisierungspolitik. Dabei zeigt sich, dass &uuml;ber Jahrzehnte hinweg es der seit den 70er Jahren in den gro&szlig;en kapitalistischen Industriestaaten aufsteigenden marktradikalen Str&ouml;mung trotz betr&auml;chtlichen sozialen Widerstands und politischer Opposition weitgehend gelang, diese Strategien durchaus koh&auml;rent miteinander zu verbinden, also vor allem verteilungs- und wirtschaftspolitische Strategien mit einer &uuml;bergeordneten ordnungspolitischen Orientierung und entsprechenden Zielgr&ouml;&szlig;en zu verkn&uuml;pfen und dabei eine f&uuml;r ihre Realisierung wirksame kulturelle und ideologiepolitische Mobilisierung in Gang zu setzen, die tiefe Wurzeln in der Alltagskultur schlagen konnte.</p>
<p>So zeigt zwar der Umfang der Ver&auml;u&szlig;erung &ouml;ffentlichen Eigentums, dass unter verteilungspolitischem Aspekt f&uuml;r das skizzierte weltweite Wachstum des privaten Finanzverm&ouml;gens im letzten Vierteljahrhundert die Privatisierung staatlicher Unternehmen ein wichtiger, <i>aber eindeutig kein ausschlaggebender</i> Faktor war. Demgegen&uuml;ber jedoch sind die in diesem Jahrzehnt sich massiv ausbreitenden Prozesse der Inwertsetzung vormals &ouml;ffentlicher G&uuml;ter und Dienste der Daseinsvorsorge (Gesundheit, Bildung, Versorgungssysteme) wie auch globaler &ouml;ffentlicher G&uuml;ter (Wasser, Boden, biologische Ressourcen) f&uuml;r das Wachstum des privaten Finanzverm&ouml;gens und die ver&auml;nderte Rolle der Finanzm&auml;rkte von weitaus gr&ouml;&szlig;erer Bedeutung. In den letzten zwei Jahrzehnten hat allein die weltweite Privatisierung der &ouml;ffentlichen Sozialversicherungssysteme zu einer ungeheuren Expansion kapitalfinanzierter privater Versicherungsfonds gef&uuml;hrt, die 2006 einen Wert von 22,6 Bio. $ hatten und auf den Finanzm&auml;rkten als institutionelle Investoren operieren, welche dann wieder st&auml;ndig Druck auf erneute Privatisierungen aus&uuml;ben. Bilanziert man die Praxis der Privatisierungen entsprechend der g&auml;ngigen Unterscheidung zwischen formeller, funktioneller und materieller Privatisierung dann zeigt sich ebenso, dass der Staat im speziellen Bereich der &ouml;ffentlichen Daseinsvorsorge h&auml;ufig noch eine Gew&auml;hrleistung der Aufgabenerf&uuml;llung beh&auml;lt (&#8222;Aufgabenregulierung&#8220;, &#8222;Dienstleistungsgew&auml;hrung&#8220;), d.h. die Aufgabenerf&uuml;llung wird Privaten &uuml;bertragen, aber staatlich kontrolliert, der Vollzug der vormals &ouml;ffentlichen Aufgabe wird allerdings fast immer kommerzialisiert. Im Wesentlichen aber konzentriert sich der Staatseingriff auf Wettbewerbsregulierung (&#8222;Wettbewerbsstaat&#8220;), die in aller Regel kurzerhand auf die F&ouml;rderung und Absicherung von Konzentrations- und Zentralisationsprozessen hinausl&auml;uft &#8211; in einem l&auml;ngeren Umbauprozess entstanden so in Deutschland und Frankreich aus der Privatisierung je vier <i>global </i>operierende private Konzerne, in Spanien zwei und in Holland einer. Die faktische wirtschafts- und ordnungspolitische Zielgr&ouml;&szlig;e der Alimentierung und Bef&ouml;rderung privater Monopol- und Machtbildungsprozesse ist hier (ungeachtet der anderslautenden politischen Rhetorik der Konkurrenzf&ouml;rderung oder Deregulierung) zweifelsfrei verwirklicht &#8211; und es handelt sich um Konzerne wie die Deutsche Post, die Deutsche Bahn, E.on, RWE oder Deutsche Telekom[17]. Dass auf der anderen Seite Private hoheitliche Aufgaben &uuml;bernehmen und z.B. Verwaltungsakte gegen&uuml;ber den B&uuml;rgern erlassen k&ouml;nnen oder gar einzelne Gruppen von Steuerzahlern mit oder gar selbst entscheiden, f&uuml;r welche Zwecke ihre Steuern verwandt werden, ist noch (!) die Ausnahme.</p>
<p>Auch in der Gestaltung der Wirtschaftspolitik spielen Politiken der Privatisierung eine betr&auml;chtliche Rolle. Es gelang in Deutschland seit den 90er Jahren, das <i>Produktionsmodell </i>zu modernisieren (&Uuml;bergang zum Finanzmarktkapitalismus, Privatisierungen, Kommerzialisierung &ouml;ffentlicher Unternehmen, Internationalisierung der Wertsch&ouml;pfungsketten, Privatisierung der Versorgungsunternehmen und Deregulierung der Produktm&auml;rkte), doch mit der dramatischen Reduzierung der &ouml;ffentlichen Investitionen[18] sind mittelfristig <i>Strukturkrisen </i>wahrscheinlich, die &ouml;ffentliche Daseinsvorsorge unterliegt einer starken Privatisierung mit hohen Ungleichheitseffekten[19], die Arbeitsmarktreformen weiten den autorit&auml;ren Armenf&uuml;rsorgestaat aus (Reduzierung des &ouml;ffentlichen Besch&auml;ftigungssektors) und die Finanzierungsbasis der Wohlfahrtsstaates wurde geschw&auml;cht. So gelang es zwar, wirtschaftliche Dynamik durch die Modernisierung der <i>Exportmaschine </i>(&#8222;Verschlankung&#8220; und starke Technisierung der verarbeitenden Industrie) und durch starke Arbeitskostenkonkurrenz[20] statt durch breite Qualifikation der gesellschaftlichen Arbeitskraft wiederzugewinnen. Bezahlt werden musste aber der Preis eines Umfelds binnenwirtschaftlicher Schw&auml;che durch Kaufkraftschw&auml;chung und stark ausgeweitete soziale Ungleichheit, die f&uuml;r das alte Modell des &#8222;Rheinischen Kapitalismus&#8220; eben untypisch war[21]. Der gegenw&auml;rtige Exportboom[22] und die erneute Positionierung der Bundesrepublik Deutschland als &#8222;Exportweltmeister&#8220; erfolgte massiv durch ein Abh&auml;ngen der privaten Dienstleistungsindustrie, so dass sich das Gefahrenbild einer &Ouml;konomie zeigt, die faktisch in einen international schlagkr&auml;ftigen Sektor und einen zur&uuml;ckbleibenden Sektor aufgespalten ist, wir es also mit einem modernisierten, produktiven Kern (Exportmaschine) und geschw&auml;chten oder demontierten anderen Besch&auml;ftigungssegmenten zu tun haben. Vor allem aber ist die Politik des Abbaus sozialstaatlicher Elemente zugunsten der Ausweitung marktradikaler Orientierungen weiterhin hegemonial (s. insbesondere die Steuer- und Tarifpolitik, die elit&auml;re Bildungs- und Hochschulpolitik, der Kampf gegen den Mindestlohn, die Umverteilungseffekte der Politik der Privatisierung (Bahn, Wohnungen, Gesundheit, Renten), das Andauern des Tiefstandes der &ouml;ffentlichen Investitionen, der Sparpolitik der Haushalte). Gegenl&auml;ufige Politikans&auml;tze (Familien- und Kinderpolitik etwa, auch in der Entwicklungspolitik) sind noch schwach und insgesamt von nicht gro&szlig;em Gewicht. Insofern hat sich die BRD in den letzten zwei Jahrzehnten (zumal aufgrund ihres schieren &ouml;konomischen Gewichts) <i>immer st&auml;rker in einen Protagonisten des Marktradikalismus verwandelt,</i> ein Vorgang, der aufgrund des Plateaus von Sozialstaatlichkeit und Korporatismus, von dem aus er sich entwickelte, lange Zeit so nicht sichtbar war.[23] Der zentrale Gewichtszuwachs der Finanzm&auml;rkte, als deren Schl&uuml;sselakteure mittlerweile private Banken und Investoren operieren und das insgesamt nur wenig verlangsamte <i>crowding out </i>des &Ouml;ffentlichen bedeutet daher, dass die Schw&auml;chung und Entdemokratisierung des Politischen anh&auml;lt[24].</p>
<h2 class="auto-created">Der soziale Staat und das &Ouml;ffentliche </h2>
<p>Eine deutlich alternative und nicht blo&szlig; zustimmungserheischende Politik w&uuml;rde durch eine ver&auml;nderte und ausgeweitete Lohn-, Renten- und Qualifikationspolitik auf die Entwicklung des Arbeitsverm&ouml;gens zielen und durch einen massiven Ausbau der wertsch&ouml;pfungssichernden wie sozialen Dienstleistungen die wachsende Asymmetrie zwischen Industrie- und Dienstleistungssektor sukzessiv verringern. Eine solche <i>Fokussierung auf die Entwicklung des Arbeitsverm&ouml;gens und des Dienstleistungssektors </i>erforderte die Ausweitung der wirtschaftsstrategischen Rolle des &ouml;ffentlichen Sektors, der &ouml;ffentlichen Besch&auml;ftigung und der &ouml;ffentlichen Investitionen, also die Entwicklung eines das humane Arbeitsverm&ouml;gen bildenden und f&ouml;rdernden, somit <i>sozialen Staates</i>.</p>
<p>Damit kann zugleich der Trend vom versichernden Sozialstaat zum F&uuml;rsorge- und Armutsstaat aufgehalten werden, der f&uuml;r den radikalen Marktliberalismus am Ende der Transformation des alten Sozialstaates steht. Eine starke Politik, die etatistische Verk&uuml;rzungen verhindert, m&uuml;sste jedoch noch weiter ausgreifen und auf die Entwicklung eines politischen Projekts gehen, das normativ die Demokratisierung von Herrschaft und die Bef&ouml;rderung politischer, &ouml;konomischer wie sozialer Gleichheit auszeichnet bzw. bezweckt. So w&uuml;rde eine Antwort auf die dominante Kultur und Praxis der Privatisierung formuliert, die auf Ungleichheit durch Ausschluss durch Berechtigung bzw. Bef&auml;higung zur Zugangskontrolle zielt und zwingend die Momente der Einschr&auml;nkung der Nutzung von wie der Verf&uuml;gung &uuml;ber G&uuml;ter sowie der hierarchischen Interaktion beinhaltet. Ein solches <i>politisches Projekt des &Ouml;ffentlichen</i> w&uuml;rde <i>Verh&auml;ltnisse </i>(&ouml;ffentliches Eigentum, &ouml;ffentliche Besch&auml;ftigung [service public], politische Teilhabe an &ouml;ffentlichen Entscheidungen), ihre erbrachten <i>Gebrauchswerte </i>(&ouml;ffentliche G&uuml;ter und &ouml;ffentliche Dienste), verschiedene <i>Operationsweisen </i>im Medium der &Ouml;ffentlichkeit (in Sonderheit Kommunikation, Kooperation, Publizit&auml;t) und ihre <i>Territorien </i>oder <i>Orte </i>(&ouml;ffentliche R&auml;ume) miteinander verbinden und so zugleich als Medium der Solidarit&auml;t wirksam werden k&ouml;nnen, weil es den Weg zur Teilhabegerechtigkeit bei elementaren Lebensbedingungen er&ouml;ffnen k&ouml;nnte. Es geht also um eine ganz andere Landschaft und deren eigene Kartographie.</p>
<p>[1] S. Joachim Bischoff: Zukunft des Finanzmarkt-Kapitalismus, Hamburg 2006; Dieter Plehwe u.a. (Hg.): Neoliberal Hegemony. A Global Critique, New York 2006; Ingo Schmidt (Hg.): Spielarten des Neoliberalismus, Hamburg 2008; Rainer Rilling: Risse im Empire, Berlin 2008.</p>
<p>[2] S. David Harvey: A Brief History of Neoliberalism, Oxford 2005, S.9ff, S.154ff.; J&ouml;rg Huffschmid: Neoliberalismus, Gewalt und Krieg &#8211; Zusammenh&auml;nge und Alternativen, Vortrag Juli 2003; G&eacute;rard Dum&eacute;nil, Dominique L&eacute;vy: Neoliberal Dynamics &#8211; Imperial Dynamics, Paper f&uuml;r die Tagung der International Studies Association, Montreal 17.3. 2004, <a href="http://www.ucm.es/info/eurotheo/materiales/hismat/dumenil_neoimp.pdf" target="_blank" rel="noopener">http://www.ucm.es/info/eurotheo/materiales/hismat/dumenil_neoimp.pdf</a> (&uuml;berarb.).</p>
<p>[3] So Peter Wahl: Imperialer Multilateralismus in der Krise, in: AK u.a. (Hg.): G8: Die Deutung der Welt. Kritik, Protest, Widerstand, Frankfurt 2007 S. 26f.</p>
<p>[4] S. Paul Windolf (Hg.): Finanzmarkt-Kapitalismus. Analysen zum Wandel von Produktionsregimen, KZfSS Sonderheft 45 (2005); Michael Brie: Die Linke &#8211; was kann sie wollen? Politik unter den Bedingungen des Finanzmarkt-Kapitalismus, Supplement der Zeitschrift Sozialismus 3/2006; David Harvey: The New Imperialism, Oxford 2003; Dieter Klein: Wohin es geht, wenn es so weiter geht, Berlin 2008.</p>
<p>[5] Hans-J&uuml;rgen Bieling, Christina Deckwirth, Stefan Schmalz: Die Reorganisation der &ouml;ffentlichen Infrastruktur in der Europ&auml;ischen Union, FEI-Studie Nr.25, Marburg 2007, S.357. Fr&uuml;her bereits unterschied Gosta Esping-Andersen (The Three Worlds of Welfare Capitalism, Princeton 1990) zwischen kontinentalen, sozialdemokratischen und liberalen Wohlfahrtsstaatsregimen. Verbreitet auch die Rede vom angels&auml;chsischen, nordischen, zentraleurop&auml;ischen und s&uuml;dlichem Kapitalismus.</p>
<p>[6] S. Dynamo [Dynamics of national employment models] (Hg.): Final Report Np.1: Synthesis Report, Duisburg-Essen 2007, S. 11-17. Hier wurden Produktions-, Besch&auml;ftigungs- und Wohlfahrtsregime in EU-L&auml;ndern untersucht.</p>
<p>[7] Rossana Rossanda: Die Tochter des 20. Jahrhunderts, Frankfurt 2007, S.293. Rossanda trat 1943 in die Kommunistische Partei Italiens ein und beteiligte sich am antifaschistischen Widerstandskampf. 1959 wurde sie in das ZK der Partito Communista Italiana gew&auml;hlt und nachdem sie ein Jahrzehnt sp&auml;ter aus der PCI ausgeschlossen worden war, gr&uuml;ndete sie die sp&auml;tere Tageszeitung il manifesto.</p>
<p>[8] S: J&ouml;rg Huffschmid: Macht- und Steuerungsverschiebungen hinter den Spekulationsblasen, in: Z 72 (2007) S. 8; ders.: The Impact of Finance on the European Social Models, Paper for the Transform conference 13./14.6.2008 Stockholm,Nach der aktuellen Untersuchung des McKinsey Global Institute entfielen von diesen Finanzanlagen in H&ouml;he von 167 Billionen US-Dollar auf die USA 56 Bio. $ (= 34 %), die Eurozone 38 Bio.$ (23 %), England 10 Bio. $ (6 %) und Japan 20 Bio. $ (12 %), s. <a href="http://www.mckinsey.com/mgi/" target="_blank" rel="noopener">http://www.mckinsey.com/mgi/</a></p>
<p>[9] S. David A. McDonald, Greg Ruiters: Rethinking Privatization. In: Daniel Chavez (Hg.): Beyond the market. The future of public services, TNI Amsterdam 2006 S. 9f.</p>
<p>[10] J&ouml;rg Huffschmid: Finance &#8211; Privatisation &#8211; Regulation, Vortrag auf der EAPE-PRESOM-Konferenz &#8222;Privatization and Regulation&#8220; in Delft am 22./23.3.2007, MS. S.2. Bundesregierung und Sachverst&auml;ndigenrat forderten am 17.6.2008 die Privatisierung der &ouml;ffentlichen Landesbanken und damit die Beendigung der deutschen Sondersituation.</p>
<p>[11] Lt. Privatization Barometer lagen die Privatisierungserl&ouml;se 2005 bei &uuml;ber 130 Mrd $, 2006 bei 115,95 Mrd $ und 2007 bei 144,4 Mrd $, so dass sich die Gesamtbilanz auf 1,74 Billionen $ erh&ouml;ht.</p>
<p>[12] Privatizationbarometer Report 2007 S.3. Die folgenden Angaben aus dem Privatizationbarometer, falls nicht anders ausgewiesen. Gesch&auml;tzt wird, dass 2008 in China f&uuml;r fast 100 Mrd $ staatliche Fonds privatisieren wird.</p>
<p>[13] Bernardo Bortolotti, Valentina Milella: Privatization in Western Europe, Mailand 2006, S.24</p>
<p>[14] 2005 waren die Anteile von 123 an der B&ouml;rse gehandelten Unternehmen, die im Besitz der 25 europ&auml;ischen (Zentral-)Staaten waren, 295 Mrd. &euro; wert (f&uuml;hrend dabei Frankreich und Italien), s. Privatization Barometer Newsletter 4 (2006) S.6f.,</p>
<p>[15] S. Marian Kr&uuml;ger: M&ouml;glichkeiten der Demokratisierung des &ouml;ffentlichen Eigentums. Bestandsaufnahme und Perspektiven am Beispiel der Kommunalwirtschaft, Studie Berlin 2007.</p>
<p>[16] Im Detail hierzu s. Rainer Rilling: Die Eigentumsfrage kehrt zur&uuml;ck. Eine Zwischenbilanz zur Politik der Privatisierung, RLS-Standpunkte 12/2007; Mario Candeias, Andrej Holm, Rainer Rilling (Hg.): Krise der Privatisierung &#8211; R&uuml;ckkehr des &Ouml;ffentlichen, Berlin 2008</p>
<p>[17] Demgegen&uuml;ber geht es bei einer politischen &Ouml;konomie des Gemeineigentums um Transparenz, Mitbestimmung, Effizienz, um betriebswirtschaftliche und Wohlfahrtsgewinne f&uuml;r das Gemeinwesen.</p>
<p>[18] Von 1991 bis 2003 um 20vH; der Anteil &ouml;ffentlicher Investitionen am BIP fiel von 4,8vH. in 1970 bis 2004 auf 1,7vH. , eine der niedrigsten Quoten der EU und der Tiefstand in der Geschichte der BRD. Allein die kommunalen Investitionen, die rund 2/3 der &ouml;ffentlichen Investitionen bestreiten, sind heute nur noch halb so gro&szlig; wie 1992. Diese Investitionen, soweit sie der Sicherung der gesellschaftlichen Reproduktion bzw. der &#8222;allgemeinen Reproduktionsbedingungen des Kapitals&#8220; (Marx) dienen, sind durch private Engagements nicht zu ersetzen, wie die New York Times am 6. Januar 2008 vermerkte: &#8222;Die (privaten)Spenden tragen haupts&auml;chlich dazu bei, den nationalen Bestand an Krankenh&auml;usern, Bibliotheken, Museen, Parks, Universit&auml;tsgeb&auml;uden, Theatern und Konzerth&auml;usern zu vergr&ouml;&szlig;ern. Die &ouml;ffentliche Infrastruktur dagegen &#8211; also Br&uuml;cken, Stra&szlig;en, Eisenbahnen, Wasserwerke, &ouml;ffentliche Bildungseinrichtungen, H&auml;fen, Abfallbeseitigung, Flugh&auml;fen, Energieversorgung, Tunnels, D&auml;mme und Deiche &#8211; beruht &uuml;berwiegend auf Steuergeldern.&#8220; Zum folgenden siehe das erw&auml;hnte Dynamo-Projekt.</p>
<p>[19] 15vH. haben keinen schulischen oder beruflichen Abschluss, 1991 waren es noch 11vH.</p>
<p>[20] Der Dollar-Fall entspricht Lohnsteigerungen von 15 bis 20 Prozent in 2007, s. Bl&auml;tter 3/2008 S.6.</p>
<p>[21] S. die neue Einkommensstudie des DIW (Der Spiegel 10/2008 S.39), wonach die Gruppe der mehr als 150 Prozent des mittleren Privathaushalteinkommens Verdienenden zwischen 2000 und 2006 von 18,8 Prozent auf 20,5 Prozent wuchs und jene der weniger als 70 Prozent des mittleren Einkommens Verdienenden von 18,9 Prozent auf 25,4 Prozent (!) angewachsen ist; die gro&szlig;e Mittelgruppe schrumpfte entsprechend von 62,3 auf 54,1 Prozent.</p>
<p>[22] Die Exportquote, d.h. der Anteil der Exporte am Bruttosozialprodukt, liegt gegenw&auml;rtig bei rund 45 Prozent gegen&uuml;ber 30 Prozent in der Vergangenheit, als Deutschland auch Exportweltmeister war.</p>
<p>[23] In einer Reihe von Indikatoren &#8211; Anteil staatlicher Unternehmen, Abbau genossenschaftlichen Eigentums, &ouml;ffentliche Investitionen, Reallohnentwicklung, Bildungsausgaben und -indikatoren, Dynamik der Einkommens- und Verm&ouml;gensungleichheit &#8211; steht die BRD schon jetzt oder absehbar in der EU-15 im &#8222;unteren&#8220; Viertel.</p>
<p>[24] Werner R&uuml;gemer, &#8222;Heuschrecken&#8220; im &ouml;ffentlichen Raum, Bielefeld 2008 hat diese Entdemokratisierung am Beispiel des Public Private Partnership (PPP) detailliert skizziert.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/182-vorgaenge/publikation/remix-der-eigentumslandschaft/">Remix der Eigentumslandschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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