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	<title>Stefan Collignon Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>Die Moral des Geldes und die Zukunft des europäischen Kapitalismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jun 2009 20:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>aus: vorg&#228;nge Nr. 186, Heft 2/2009, S. 4-22 Hatte Karl Marx am Ende doch Recht? Die Finanz- und Wirtschaftkrise hat neue Fragen &#252;ber die Zukunft des kapitalistischen Systems aufgeworfen. 20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer kann die Alternative selbstverst&#228;ndlich nicht mehr Planwirtschaft im sowjetischen Stil sein. Die Zerbrechlichkeit des kapitalistischen Systems ist aber [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/186-vorgaenge/publikation/die-moral-des-geldes-und-die-zukunft-des-europaeischen-kapitalismus/">Die Moral des Geldes und die Zukunft des europäischen Kapitalismus</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>aus: vorg&auml;nge Nr. 186, Heft 2/2009, S. 4-22</p>
<p>Hatte Karl Marx am Ende doch Recht?</p>
<p>Die Finanz- und Wirtschaftkrise hat neue Fragen &uuml;ber die Zukunft des kapitalistischen Systems aufgeworfen. 20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer kann die Alternative selbstverst&auml;ndlich nicht mehr Planwirtschaft im sowjetischen Stil sein. Die Zerbrechlichkeit des kapitalistischen Systems ist aber wieder f&uuml;r jedermann offensichtlich. Kurioserweise verstand Marx nie v&ouml;llig die Natur des Geldes, der Finanzm&auml;rkte und des Kapitals. Er erkl&auml;rte die Krise des Kapitalismus durch den Fall der Profitrate auf das Realkapital. Die systemische Instabilit&auml;t des Systems wohnt aber in der Finanzsph&auml;re.</p>
<p>Finanzkrisen waren nicht selten in der Geschichte des Kapitalismus. Ihre H&auml;ufigkeit hat zwar abgenommen, nachdem Zentralbanken zur ultimativen Liquidit&auml;tsquelle, zum &#8222;Lender of last resort&#8220; wurden, aber die Zwischenkriegsperiode sah dennoch gr&ouml;&szlig;ere Finanzkrisen 1919-20 (Gro&szlig;britannien), 1924 (Frankreich), 1929 (die Vereinigten Staaten, Deutschland, &Ouml;sterreich, Ungarn) (siehe Kindleberger, 1984). Die Periode von Bretton Woods war durch au&szlig;ergew&ouml;hnliche Stabilit&auml;t gekennzeichnet, aber nach seinem Zusammenbruch 1971 h&auml;uften sich die Krisenwellen wieder: auf die Devisenmarktturbulenzen 1972-73 folgte die Herstatt-Pleite in Deutschland 1974 und die Bankkrise in Gro&szlig;britannien 1974-75; die Schuldenkrise der Entwicklungsl&auml;nder bedrohte die Stabilit&auml;t des Weltfinanzsystems zu Beginn der 1980er Jahre. Die 1990er Jahre sahen die Krise des Europ&auml;ischen W&auml;hrungssystems (1992-93), der japanischen und schwedischen Banken, die mexikanische Peso-Krise 1994, die asiatische Krise 1997, den russischen Crash 1998, gefolgt vom Beinahe-Bankrott des LTCM-Hedgefonds (Goodhart und Illing, 2002).</p>
<p>Es kann kein Zufall sein, dass sich diese St&ouml;rungen in einer &Auml;ra h&auml;uften, in der der Neoliberalismus zur international vorherrschenden Doktrin wurde. Die Zukunft des Kapitalismus neu zu &uuml;berdenken verlangt heute die grundlegenden Annahmen, auf die sich das &ouml;konomische Modell und die Politik der letzten 40 Jahren st&uuml;tzten, neu infrage zustellen.</p>
<h2 class="auto-created">I. Die Norma&shy;ti&shy;vit&auml;t des Geldes und des Kapitals </h2>
<p>Sind Geld, Banken und Finanzen gut oder schlecht? Viele Menschen hat die Finanzkrise erbost. Billionen Euro sind f&uuml;r <i>bailouts </i>an Banken ausgegeben worden, die f&uuml;r das Wirtschaftschaos als verantwortlich gelten, w&auml;hrend kein Geld f&uuml;r Schulen, Krankenh&auml;user oder h&ouml;here L&ouml;hne zur Verf&uuml;gung steht. Nach den Exzessen der Finanzblase gibt es nun einen konservativen <i>back-lash</i>, der das Zur&uuml;ck zur Realwirtschaft fordert. So hat der franz&ouml;sische Pr&auml;sident Nicolas Sarkozy erkl&auml;rt, der angels&auml;chsische Kapitalismus sei tot[1], und im Gefolge hat er die &#8222;Moralisierung des Kapitalismus&#8220; ausgerufen. Aber was bedeutet das? Ist es moralisch, wenn Profit mit &Ouml;kologie erwirtschaftet wird, aber gierig, wenn er durch Finanzderivate erlangt wird? Ist die Quelle allen Elends die &ouml;konomische Rationalit&auml;t von Preisen und M&auml;rkten, die knappe Mittel der Befriedigung grenzenloser W&uuml;nsche zuordnet, oder ist es der &#8222;irrationale &Uuml;bermut&#8220; der Finanzm&auml;rkte? Sollen Firmen sich einem Katechismus ethischer <i>Corporate governance </i>unterwerfen? Wenn &ouml;ffentliche G&uuml;ter mit privaten im Konflikt stehen, sind die ersten moralisch und die zweiten schlecht? Oder ist es andersrum? In der verwirrenden Debatte &uuml;ber diese Probleme f&uuml;hlt man sich an den Satz des franz&ouml;sischen Satirikers Coluche erinnert: &#8222;Kapitalismus ist die Ausbeutung von Menschen durch Menschen, Sozialismus ist das Gegenteil.&#8220;</p>
<p>Marx schrieb 1845: &#8222;Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt darauf an, sie zu ver&auml;ndern.&#8220; Er verstand jedoch nicht, dass wie wir die Welt interpretieren, bestimmt, wie die Welt ist. Normen und Werte geben Sinn und Richtung f&uuml;r menschliches Handeln und sind die intentionalen Inhalte von Institutionen (Searle, 1995). Deshalb gestalten &ouml;konomische Lehren, Paradigmen und Prinzipien die Welt, in der wir leben. Der Kapitalismus hat sein eigenes Ethos, d.h. eine Normativit&auml;t, die f&uuml;r das System funktional ist und die zahlreiche andere Werte der modernen Gesellschaft bestimmt. Einige Werte, insbesondere Freiheit und Gleichheit, sind der modernen kapitalistischen Wirtschaft immanent; andere haben ihre Wurzeln in traditionellen hierarchischen &ouml;konomischen Systemen und stehen im Gegensatz zu einer modernen demokratischen Gesellschaft.</p>
<p>Der Kapitalismus hat seine historischen Wurzeln im Finanzsystem. Zusammen mit der Einf&uuml;hrung der doppelten Buchf&uuml;hrung in der Renaissance, waren es die Erfindung des Bankwesens, die Straffreiheit des Wuchers und die Freiheit, Zins zu verlangen, die die repressive Kultur des Mittelalters beendete und die Individuen befreite: die Revolution, die zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert in Europa stattfand, war die allm&auml;hliche und manchmal gewaltsame Ersetzung von traditionellen Normen der Hierarchie durch das moderne Prinzip des Vertrages.</p>
<p>Das Vertragsprinzip setzt Freiheit und Gleichheit als politische Normen voraus, und verbreitet deren Akzeptanz. Wirtschaftsakteure m&uuml;ssen frei sein, Vertr&auml;ge schlie&szlig;en zu k&ouml;nnen (oder nicht), <i>und sie sind in ihrer Freiheit gleich.</i> Infolgedessen stellen Freiheit und Gleichheit zwei Dimensionen dar, die den modernen politischen Raum definieren, in dem Selbstst&auml;ndigkeit und individuelle Emanzipation m&ouml;glich werden. Die ganze politische Philosophie der Moderne beruht auf diesen zwei Werten. Ohne Vertragswirtschaft und Finanzm&auml;rkte bleibt Modernit&auml;t unbegreiflich.</p>
<p>Diese modernen Werte wurden nach der amerikanischen und franz&ouml;sischen Revolution gesellschaftlich vorherrschend &#8211; Gramsci h&auml;tte sie hegemonial genannt. W&auml;hrend der Ruf nach &#8222;Freiheit&#8220; zum Slogan des Liberalismus wurde, forderten Sozialdemokraten und Sozialisten die materielle Realisierung der Freiheit ein. Jedoch erwuchsen beide politische Ideologien und Bewegungen aus demselben &ouml;konomischen Prinzip: dem vertragsbegr&uuml;ndeten Individualismus. Sie standen im deutlichen Kontrast zu den Normen des konservativen Paternalismus, der die Unterordnung der Individuen unter die Gemeinschaft und die Zuweisung von Ressourcen nach Kriterien von Hierarchie, Rang und Status betonte. John Locke (1988/1689) war der erste, der ein klares und modernes Gegenprogramm zur konservativen und von seinem Gegner Robert Filmer (1991/1680) verteidigten Tory-Ideologie entwarf. Es beruhte auf dem privaten Eigentum von freien und gleichen Individuen. Karl Popper (1995) hat sp&auml;ter den Widerspruch von modernem Individualismus und traditionellem Holismus als den Konflikt zwischen &#8222;der offenen Gesellschaft und ihren Feinden&#8220; beschrieben.</p>
<h2 class="auto-created">Die Tausch&shy;wirt&shy;schaft </h2>
<p>Politische Werte m&uuml;ssen mit den funktionellen Normen vereinbar sein, auf denen das reproduktive System einer Gesellschaft beruht. Aber die spezifische Ausformung einer Wirtschaftsmoral h&auml;ngt von der Deutung der &ouml;konomischen Paradigmen ab[2]. Das beherrschende Paradigma der &ouml;konomischen Theorie ist die Tauschwirtschaft, in der die Menschen ihre Wohlfahrt durch den Tausch von Waren verbessern, von denen sie mehr herstellen, als sie brauchen. Geld wird als neutrales Tauschmittel gedacht, das zwar den Tausch erleichtert, aber ansonsten eher nur Schaden verursachen und zum &#8222;realen Reichtum&#8220; nichts beitragen kann.[3] Wenn zu viel von diesem Geld zirkuliert, verzerrt die Inflation die effiziente Allokation von Ressourcen durch M&auml;rkte. Deswegen fordern Monetaristen die Kontrolle der Geldmenge und Preisstabilit&auml;t als prim&auml;res Ziel f&uuml;r W&auml;hrungspolitik. Das ist der Kern der Ideen von Milton Friedman, welche tiefe Wurzeln im Tauschparadigma der klassischen &Ouml;konomie haben, das von John Locke, Adam Smith und David Hume begr&uuml;ndet wurde.</p>
<p>In der Fortsetzung dieser Gedankenlinie hat die neoklassische Wirtschaftstheorie gezeigt, dass der Tausch von Waren auf Spot-M&auml;rkten in Verh&auml;ltnis zu ihrem Grenznutzen die Wohlfahrt der Individuen maximiert. In der Folge hat die Revolution der rationalen Erwartung eine intertemporale Dimension in die Tauschwirtschaft eingef&uuml;hrt. Dabei wird Nutzen nicht nur durch Marktransaktionen heute maximiert, sondern auch durch Austausch in eine unbestimmte Zukunft. Infolgedessen nimmt die moderne &ouml;konomische Theorie &#8222;vollst&auml;ndige M&auml;rkte&#8220; an, d.h. ein System, in dem es M&auml;rkte f&uuml;r jedes Gut gibt. Indem sie ein Gut so definieren, dass es das spezifische Datum und Umfeld einschlie&szlig;t, in dem es konsumiert wird, k&ouml;nnen &Ouml;konomen Entscheidungen &uuml;ber Konsum, Produktion und Investitionen in einer multi-periodischen und risikoreichen Welt analysieren. Dabei k&ouml;nnen sie weitgehend dieselbe Nutzentheorie verwenden, die urspr&uuml;nglich zur Analyse von zeitloser Sicherheit entwickelt wurde (Flood, 1991). Durch die Einf&uuml;hrung der Zeitdimension und von Zukunftsm&auml;rkten ergibt sich lediglich die M&ouml;glichkeit, gegenw&auml;rtigen gegen zuk&uuml;nftigen Verbrauch zu tauschen, wobei das Tauschverh&auml;ltnis die Zeitpr&auml;ferenz reflektiert.</p>
<p>Vollst&auml;ndige M&auml;rkte erm&ouml;glichen Verbrauchern, Produzenten und Investoren vollkommene Flexibilit&auml;t bei der Allokation von Ressourcen, so dass Verm&ouml;genspreise immer und &uuml;berall die &#8222;korrekten&#8220; Preise sind. Diese Annahme wird &#8222;Marktefffizienzhypothese&#8220; genannt. Futures und Options-M&auml;rkte sind dann notwendig, um die Leistungsf&auml;higkeit der Marktwirtschaft zu verbessern. Selbst wenn man anerkennt, dass in der realen Welt M&auml;rkte nicht vollst&auml;ndig sind, gilt die Markteffizienzhypothese dennoch als ein theoretischer Bezugspunkt. Sie hat deshalb auch weit reichende Konsequenzen f&uuml;r eine Politik der Regulierung von M&auml;rkten. Dieser neoklassische Ansatz hat Unsicherheit auf kalkulierbares Risiko reduziert und damit die enorme Entwicklung von derivativen Finanzprodukten und M&auml;rkten durch Hedgefonds, Futures, Optionen, etc. m&ouml;glich gemacht.</p>
<p>Im Bereich der Politik hat die Idee, dass jeder m&ouml;gliche Zustand der Welt durch einen Markt abgebildet werden kann, die neo-liberale Verzerrung des Liberalismus bewirkt. Wenn M&auml;rkte vollst&auml;ndig und effizient sind, kann alles &#8211; einschlie&szlig;lich Externalit&auml;ten &#8211; ausgetauscht werden, und es gibt keinen Platz f&uuml;r Umverteilung oder die Infragestellung von materieller Ungleichheit. Alle einflussreichen Wirtschaftstheoretiker (New Classics und Neo-Keynesianer) haben mit dem &#8222;vollst&auml;ndigen Marktparadigma&#8220; gearbeitet. Aber wie Buiter (2009) gezeigt hat, in einer Welt, in der es perfekte M&auml;rkte f&uuml;r unvorhergesehene Anspr&uuml;che gibt, sind Bankrott und Insolvenz unm&ouml;glich.</p>
<p>Und wenn Privatisierung, Liberalisierung, Deregulierung und Monetarismus das dominierende politische Glaubensbekenntnis werden, welche Rolle bleibt dann noch f&uuml;r Politik?[4]</p>
<h2 class="auto-created">Die Vertrags&shy;wirt&shy;schaft </h2>
<p>Ein alternatives &ouml;konomisches Paradigma zur Neoklassik ist die Vertragswirtschaft, in der die Wirtschaft als ein Netzwerk von Vertr&auml;gen angesehen wird. Diese Vertr&auml;ge werden zwar aus Tauschtransaktion abgeleitet, aber sie haben doch ihre eigene Logik. In diesem Zusammenhang muss Geld eine entscheidende Rolle zugemessen werden. Dieses Geldparadigma ist vom &#8222;banking view&#8220; der Geldtheorie beeinflusst. Es geht auf Keynes zur&uuml;ck und wurde von Minsky, Shackle (1991), Goodhart (1989), Stiglitz und Riese (2001) weiterentwickelt. Es versteht Marktagenten als durch unvollst&auml;ndige Information beschr&auml;nkt und erkl&auml;rt den Bedarf an Geld aus seiner Funktion als Zahlungsmittel, welche durch das Bestehen von Unsicherheit verursacht ist (Goodhart, 1989). In einer unsicheren Welt, in der die Menschen wenig Vertrauen in die Bereitschaft und F&auml;higkeit ihrer Handelspartner haben, versprochene Bezahlungen auch tats&auml;chlich zu t&auml;tigen, verlangen Verk&auml;ufer von sofort lieferbaren Waren sofortige Bezahlung durch die &Uuml;bertragung eines sicheren und liquiden Verm&ouml;gensgegenstands. Das Asset, durch dessen &Uuml;bertragung die Schuldverpflichtungen gel&ouml;scht wird, ist Geld (Keynes, 1930), weil Geld Liquidit&auml;t ist und den &#8222;Vorteil der Sofortigkeit&#8220; (Demsetz, 1968) hat.[5]</p>
<p>Geld zu besitzen, bedeutet Sicherheit zu haben. Wer auf diesen Vorteil verzichtet, will daf&uuml;r kompensiert werden. Der Preis, der f&uuml;r diesen Vorteil zu zahlen ist, ist der Zinssatz. Je h&ouml;her die Unsicherheit ist, desto h&ouml;her ist der Vorteil, und demnach der Preis f&uuml;r die Sicherheit von Liquidit&auml;t. Ein hoher Preis wird die Nachfrage nach Kredit senken, k&ouml;nnte aber auch ein <i>adverse selection bias </i>verursachen, wodurch das Kreditangebot rationiert w&uuml;rde. So ist Vertrauen und Stabilit&auml;t in der Volkswirtschaft notwendig, damit Menschen mit Geld zahlen und Geld verleihen.</p>
<p>Geld ist nicht bedrucktes Papier, das aus Hubschraubern geworfen wird. In einer modernen Wirtschaft ist Geld ein Nebenprodukt des Kredites. Es ist Liquidit&auml;t, die durch Zentralbanken bereitgestellt wird. Die Verbindlichkeiten der Zentralbank l&ouml;schen die Schuld aus, weil sie gesetzliches Zahlungsmittel sind, d. h. sie stellen legal bescheinigte Anspr&uuml;che auf das Verm&ouml;gen der Zentralbank dar. Gesch&auml;ftsbanken erlangen Liquidit&auml;t in dem sie Wertpapiere, d.h. eigene Schuldtitel gegen Zentralbankgeld diskontieren.[6] Mit anderen Worten, sie verwandeln ihre eigenen Anspr&uuml;che auf die zuk&uuml;nftigen Geldzahlungen ihrer Klienten in einen sofortigen Vorteil, d.h. sie k&ouml;nnen sofort Zahlungen leisten. Der Bedarf der Banken und anderer Agenten liquides Verm&ouml;gen als Reserven zu halten, erlaubt der Zentralbank, den Zinssatz im Geldmarkt und indirekt f&uuml;r die ganze Wirtschaft zu steuern.</p>
<p>Dies hat drei Folgen:</p>
<p>Erstens: es gibt einen strukturellen Nachfrage&uuml;berschuss auf dem Geldmarkt. Er resultiert daraus, dass wenn ein <i>Darlehen plus Zins </i>zur&uuml;ckgezahlt wird, mehr Geld erforderlich ist, um die Schuld einzul&ouml;sen als zuerst ausgeliehen worden ist.[7] Dieses zus&auml;tzliche Geld muss selbst von der Zentralbank kommen. Daher mangelt es den Gesch&auml;ftsbanken im Aggregat immer an Liquidit&auml;t, und die Zentralbank ist der Monopolanbieter des Geldes. Das macht Geld &#8222;das knappe Verm&ouml;gen&#8220; par excellence, nicht weil Geld im Angebot streng begrenzt ist &#8211; wie Monetaristen fordern &#8211; sondern, weil die Art, wodurch das Geld in die Wirtschaft gelangt, den Nachfrage&uuml;berhang verursacht.</p>
<p>Zweitens: wenn der Zinssatz den Knappheitspreis des Geldes widerspiegelt, wird die Geldwirtschaft dysfunktional, wenn der Zins auf Null f&auml;llt. Genauer gesagt, die Geldwirtschaft verkommt dann zur Tauschwirtschaft.[8] Da Geld und Kredit dann vollkommene Substitute sind, ist jedes Versprechen von zuk&uuml;nftiger Geldzahlung gleichwertig mit sofortiger Bezahlung. Aber das bedeutet, dass es keinen Bedarf gibt, Geld als Reserveverm&ouml;gen zum Schutz gegen Unsicherheit zu halten und um zuk&uuml;nftige Zahlungen durchf&uuml;hren zu k&ouml;nnen; die Nachfrage nach Geld wird dann nur vom Transaktionsmotiv, d. h. vom Tausch abgeleitet, und nicht von seiner Funktion als Zahlungsmittel.</p>
<p>Drittens: in einer Nullzinswirtschaft herrscht wirtschaftlicher Besitz &uuml;ber Eigentum, und die Verteilung der Ressourcen geschieht nicht durch Vertr&auml;ge, sondern durch Hierarchien. Dies &auml;ndert nicht nur die langfristige Entwicklungsdynamik der Wirtschaft, sondern auch die politische Normativit&auml;t der Gesellschaft. Die Tauschwirtschaft hat als politisches Pendant Hierarchie und Autorit&auml;t, da das Einhalten von Regeln und Normen sich aus dem Trade-off zwischen Eigennutzen und Strafen ableitet. Die Vertragswirtschaft st&uuml;tzt sich dagegen auf freie und gleiche Individuen, die demokratisch den Sozialvertrag abschlie&szlig;en, um ihre gemeinsamen Interessen effizient zu verwalten.</p>
<p>Die Folge ist, dass im Kapitalismus ein Zins von Null dysfunktional ist. Geld funktioniert dann wie seinerzeit in der Sowjetunion: es ist nicht mehr die harte Budgetbeschr&auml;nkung.[9] Deshalb f&uuml;hrt die Nullzinspolitik langfristig zur Euthanasie des Kapitalismus, aber nicht zu der der Tauschwirtschaft. Letzeres ist vielleicht der Grund, warum Wirtschaftler, die mit dem Tauschparadigma arbeiten, keinen Nachteil in einer Nullzinspolitik in der Depression sehen. Aber bei einer gleichgewichtigen Zinsrate von Null schaltet sich der Wachstumsmotor ab. W&auml;hrend in der Sowjetunion das Wachstum durch eine zentralisierte Autorit&auml;t geplant wurde, haben klassische Wirtschaftler die Expansion der Produktion in einer dezentralisierten Tauschwirtschaft durch Gewinnsucht erkl&auml;rt. Aber Habgier erkl&auml;rt nicht, warum Individuen auch dann noch unter Stress und Widrigkeiten weiterarbeiten, wenn die Habgier l&auml;ngst befriedigt ist. Ohne diese Beharrlichkeit h&auml;tte der Kapitalismus nie &uuml;berlebt. Habsucht ist kein Gleichgewichtsph&auml;nomen. Der Menschenverstand ist unbest&auml;ndig und so w&auml;re es auch die Wahl zwischen Arbeit und Freizeit, wenn Habsucht die einzige Motivation w&auml;re. In der Vertragswirtschaft sind Profit und Nutzen der Anreiz, Produktion aufzunehmen[10], aber es sind die Schuldverpflichtung und der moralische Druck, sie zu honorieren, die die Menschen dazu zwingen, den Reichtum best&auml;ndig auszuweiten und immer mehr zu produzieren.[11]</p>
<p>Ein positiver Zinssatz ist deshalb eine notwendige Voraussetzung daf&uuml;r, dass Geld knapp bleibt und langfristig f&uuml;r die Expansion des Kapitalismus. Der &ouml;konomische Mechanismus ist einfach und m&auml;chtig. Damit ein Kreditnehmer seinen Kredit plus Zinsen zur&uuml;ckzahlen kann, muss er einen &Uuml;berschuss generieren, d.h. er braucht ein Einkommen, das h&ouml;her ist als sein unmittelbarer Verbrauch. Die Differenz zwischen Einkommen und Verbrauch ist definitionsgem&auml;&szlig; die Ersparnis, und der Teil des Einkommens, das f&uuml;r zuk&uuml;nftigen Verbrauch zu Verf&uuml;gung steht, ist die gesamtwirtschaftliche Investition. Solange die Haushalte allein zum Zweck des privaten Verbrauches gegenseitig von einander Geld leihen, werden die Ersparnisse des einen durch den Konsum des anderen aufgebraucht und der Nettoeffekt ist Null. Im Aggregat sind die Ersparnisse nur dann positiv, wenn das Gesamteinkommen h&ouml;her ist als der gesamte Verbrauch. Dies kann der Effekt einer intertemporalen Substitution von Verbrauch sein, oder es kann dadurch entstehen, dass das gesamt Einkommen zunimmt (Reichtumseffekt). Nun gibt es aber bei einer gegebenen Zinsrate, d.h. bei unver&auml;nderter Zeitpr&auml;ferenz, keinen Substitutionseffekt. In diesem Fall ist es notwendig, dass zus&auml;tzliche Produktion gegen Geld verkauft wird um die Schuldverpflichtungen bedienen zu k&ouml;nnen.</p>
<p>Dies erkl&auml;rt, warum Geld historisch zu einem Wachstumsmotor werden musste. Da im dynamischen Gleichgewicht die Wachstumsrate gleich der Zinsrate ist (Blanchard und Fischer, 1989), ist ein positiver Zins die beste Garantie f&uuml;r langfristiges Wachstum. Marx, der in der klassischen Tradition stand, hat korrekt den Mechanismus beschrieben durch den der Produktions&uuml;berschuss erwirtschaftet wird. Aber er verstand nicht den Zusammenhang zwischen Liquidit&auml;t, Unsicherheit und Kreditvertr&auml;gen und der Notwendigkeit mehr Wert zu produzieren. Keynes dagegen, der ein Philosoph der Wahrscheinlichkeit war, verstand die Natur der Unsicherheit und hat sie durch seine Liquidit&auml;tstheorie f&uuml;r die Wirtschaftwissenschaft operationsf&auml;hig gemacht. Er sah die Instabilit&auml;t der Finanzm&auml;rkte und erkannte, dass es Aufgabe der Politik ist, die Volkswirtschaft zu stabilisieren. Sein Denken war subtiler als das der nachfolgenden Keynesianer, die seine Vision einer monet&auml;ren Produktionswirtschaft auf die so genannte &#8222;neoklassische Synthese&#8220; mit dem Schwerpunkt der Fiskalpolitik reduziert haben.[12]</p>
<p>Der zentrale Unterschied zwischen den zwei Paradigmen besteht darin, wie sie mit Unsicherheiten umgehen: in der klassisch-, neoklassisch-monetaristischen Tradition wird Unsicherheit auf vor&uuml;bergehende St&ouml;rungen und Schocks reduziert, welche automatisch verwinden.[13] Im Keynesianischen Informationsparadigma ist Unsicherheit Teil der menschlichen Grundbedingung und es gibt keine Garantie, dass die Wahrscheinlichkeitsmerkmale vergangener Ereignisse auch die Wahrscheinlichkeitsverteilung von zuk&uuml;nftigen Ereignissen bestimmen. Wenn dies so ist, dann erfordert Unsicherheit Management und weist der Politik eine Rolle zu. Dies ist von h&ouml;chster Bedeutung f&uuml;r die Wirtschaftspolitik. Wenn M&auml;rkte und somit der Kapitalismus die nat&uuml;rliche Tendenz haben, zu einem langfristigen Gleichgewicht zur&uuml;ckzukehren, so ist die Rolle f&uuml;r Politik und Regierung begrenzt: sie darf nicht intervenieren und sollte die Rahmenbedingungen von M&auml;rkten flexibel machen, da Nutzen maximierende Marktagenten alles n&ouml;tige tun werden, um den Schock zu &uuml;berwinden. Aber wenn Unsicherheit eine Naturgegebenheit ist, welche die R&uuml;ckkehr zum Gleichgewicht verzerren und verhindern kann, dann muss der Staat die Wirtschaft stabilisieren.</p>
<h2 class="auto-created">&Ouml;ffentliche Schuld </h2>
<p>Wir haben uns bisher auf die Wirtschaftsmoral von privaten Vertr&auml;gen konzentriert. Wir m&uuml;ssen nun den Staat explizit in unser Modell einf&uuml;hren. &Ouml;ffentliche Schulden und Fiskalpolitik waren f&uuml;r Keynes wichtig, wenn sich eine Volkswirtschaft in der Liquidit&auml;tsfalle befindet, d.h. wenn Zinsen nahe bei Null liegen. Aber wegen der hohen Bedeutung die Keynes dem Geld zuwies, sah er die Fiskalpolitik nicht als das wichtigste wirtschaftpolitische Instrument an. Dies erkl&auml;rt sich aus einem fundamentalen Unterschied zwischen privater und &ouml;ffentlicher Schuld. Private Schuld wird aus zus&auml;tzlichem Einkommen getilgt; &ouml;ffentliche Schuld wird dagegen aus Steuern bedient, welche zuk&uuml;nftig verf&uuml;gbares Einkommen reduzieren. Privater Kredit zu Zwecken von Investitionen tr&auml;gt deshalb zu wirtschaftlichem Wachstum bei, staatliche Anleihen dagegen nicht.[14] <br />Das Theorem der ricardianischen &Auml;quivalenz wurde davon abgeleitet, dass staatliche Anleihen kein Nettoverm&ouml;gen sind (Barro 1974). Es bedeutet, dass Konsumenten auf der Grundlage bestimmter Informationsannahmen die Budgetbeschr&auml;nkung der Regierung internalisieren, so dass der Gegenwartswert zuk&uuml;nftiger Steuerverbindlichkeiten dem Wert der staatlichen Neuverschuldung entspricht. Steuerzahler werden dann ihren heutigen Verbrauch reduzieren und sparen, um ihre zuk&uuml;nftigen Steuern bezahlen zu k&ouml;nnen. Die Nettoverschuldung der Regierung wird dann zu einem Substitutionseffekt und nicht zu einem Verm&ouml;genseffekt f&uuml;hren. Diese hier beschriebene Logik der &ouml;ffentlichen Verschuldung entspricht dem Tauschparadigma insofern Individuen gegenw&auml;rtigen Verbrauch gegen zuk&uuml;nftigen eintauschen. In diesem Fall haben Fiskaldefizite keinen Einkommenseffekt und k&ouml;nnen die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nicht stimulieren.</p>
<p>Barro (1974) hat allerdings zugestanden, dass die ricardianische &Auml;quivalenz nicht l&auml;nger g&uuml;ltig ist, wenn die Regierung ein Monopol auf Liquidit&auml;tsdienstleistungen hat. Nun ist es aber genau dies, was die Vertragswirtschaft erfordert. Denn nur Geld, das gesetzliches Zahlungsmittel ist, kann in letzter Instanz Schuldvertr&auml;ge aufl&ouml;sen. Von gr&ouml;&szlig;ter Bedeutung ist jedoch, dass wenn Regierungsanleihen von der Zentralbank gekauft werden, der Zins der von Regierungen gezahlt wird, ihr eigenes Einkommen (seignorage) ist, da die meisten Notenbanken im Besitz der Regierungen stehen. Dies bedeutet nichts anderes, als dass monetarisierte Staatsschuld zinsfrei ist. Somit repr&auml;sentieren Staatsausgaben, die durch staatliche Neuverschuldung finanziert werden, eine Zunahme des gesamtwirtschaftlichen Verbrauchs und eine Nettoreduzierung der Ersparnisse. Dadurch wird die Nachfrage stimuliert. Wenn Regierungsschulden nur partiell monetarisiert werden, so sind die Kosten der &ouml;ffentlichen Neuverschuldung in Wirklichkeit subventioniert und Staatsanleihen sind positives Nettoverm&ouml;gen. Unten diesen extremen Bedingungen ist die Neuverschuldung des Staates unzweideutig ein Instrument f&uuml;r makro&ouml;konomische Stabilisierungspolitik.[15] Nichtsdestoweniger f&uuml;hrt die staatliche Neuverschuldung nicht zu einem langfristigen Wachstumseffekt, da der Schuldendienst am Ende durch Steuern beglichen wird, d.h. durch eine Reduktion des verf&uuml;gbaren Einkommens und nicht durch eine Erh&ouml;hung der Produktion.</p>
<p>Vom normativen Standpunkt einer monet&auml;ren Wirtschaftsmoral tragen &ouml;ffentliche Schuldtitel deshalb auch nicht dazu bei, Vertr&auml;ge zwischen freien und gleichen B&uuml;rgern zu generieren. Vielmehr fordern sie eine Unterordnung der B&uuml;rger unter die Steuerbeh&ouml;rden. Nur in einer Demokratie k&ouml;nnen B&uuml;rger die modernen Werte von Freiheit und Gleichheit realisieren, wonach sie der Souver&auml;n und damit der letztendliche Besitzer der Republik sind.</p>
<h2 class="auto-created">Politische Norma&shy;ti&shy;vit&auml;t </h2>
<p>Unsere beiden Wirtschaftsparadigmen haben Konsequenzen f&uuml;r politische Werte und Wirtschaftsmoral. In der neoklassischen Welt suchen Individuen ihren Nutzen zu maximieren, wobei mehr besser ist. Der politische Wert, der dies erm&ouml;glicht, ist was Isaiah Berlin (1958) &#8222;negative Freiheit&#8220; genannt hat, d.h. Schutz gegen Einmischung von anderen. Aus &ouml;konomischer Sicht bedeutet negative Freiheit freie M&auml;rkte. Dieses ist das best&auml;ndige Thema der wirtschaftlichen Freiheit von Locke bis zu Adam Smiths unsichtbarer Hand, von der neoklassischen Property Rights Schule bis zum Neoliberalismus: der &ouml;ffentliche Sektor muss reduziert werden. Die Reduktion der Freiheit auf negative Freiheit ist das Definitionsmerkmal des Neoliberalismus. Dabei werden wenige Fragen &uuml;ber den Charakter von Regierungen gestellt, solange sie erfolgreich freie M&auml;rkte schaffen. Friedman (1987) konnte folglich Pinochets Chile &#8222;ein erstaunliches politisches Wunder&#8220; nennen.</p>
<p>Im alternativen Keynesianischen Paradigma hat der Staat eine Rolle als Garant der politischen Stabilit&auml;t. Regierungen m&uuml;ssen Unsicherheit minimieren. Das ist die Rolle der makro&ouml;konomischen Politik. Dies ist jedoch nicht alles. Die Geldwirtschaft bestimmt ihre eigene Normativit&auml;t f&uuml;r die gesamte Gesellschaft. Sie &ouml;ffnet die T&uuml;r f&uuml;r &#8222;positive&#8220; Freiheit, d.h. daf&uuml;r, dass Individuen ihre Leben als freie und gleiche und emanzipierte Menschen selbst bestimmen k&ouml;nnen. Dabei ist die wichtigste Institution einer modernen Wirtschaft der Vertrag. Indem Geld als Zahlungsmittel verstanden wird, dass Schulden ausl&ouml;scht, sieht das Keynesianische Paradigma die Geldwirtschaft in einem weiten Netz von Vertr&auml;gen begr&uuml;ndet. Wie beschrieben bedeutet dies, dass die normative Begr&uuml;ndung aus Freiheit <i>und </i>Gleichheit besteht. Der Keynesianische Liberalismus ist der politische Liberalismus von <i>gleichen </i>Individuen und es ist sicher kein Zufall, dass amerikanische Neokonservative den politischen Liberalismus in politischem Spektrum &#8222;links&#8220; ansiedeln.</p>
<p>Dieser normative Rahmen der Modernit&auml;t unterscheidet sich von den holistischen Werten, die die traditionellen Gesellschaften bestimmten, und die heutzutage in neokonservativen Ideologien wieder aufflackern. In der traditionellen Gesellschaft ist es die Pflicht von Individuen dem Gesamtwesen zu dienen; f&uuml;r das moderne Individuum ist die Gesellschaft der Rahmen, der individuelle Entfaltung erm&ouml;glicht.[16] Im vormodernen Paradigma werden Ressourcen durch Hierarchie und Macht verteilt und die holistische Gesellschaft fordert, dass Individuen sich der Autorit&auml;t eines F&uuml;hrers, dem Dogma des Glaubens oder den Imperativen der Gemeinschaft unterwerfen.</p>
<p>Diese beiden Ans&auml;tze spiegeln sich in verschiedenen Interpretationen von Staat und Regierung wider. In der traditionellen holistischen Perspektive ist der Staat die Inkarnation hierarchischer Autorit&auml;t. Er hat das Gewaltmonopol und kann legitimerweise die Freiheit der Individuen einschr&auml;nken. Aus moderner Sicht ist der Staat im Sozialvertrag freier und gleicher B&uuml;rger begr&uuml;ndet. Diese B&uuml;rger sind die Besitzer der &ouml;ffentlichen G&uuml;ter, ebenso wie sie Besitzer privater G&uuml;ter sind, und sie haben die Freiheit zu entscheiden, wie sie diese G&uuml;ter verwenden wollen. Aus diesem Grund ist der moderne Staat demokratisch, der traditionelle autorit&auml;r. Es ist die gemeinschaftliche Bestimmung &ouml;ffentlicher G&uuml;ter durch demokratische Prozesse und Wahlm&ouml;glichkeiten, die es den B&uuml;rgern erm&ouml;glicht, ihre eigenen Lebenspl&auml;ne zu bestimmen und Herren ihres eigenen Schicksals zu sein. Diese Unterscheidung zwischen einem autorit&auml;ren und demokratischen Staat ist fundamentaler als der Konflikt zwischen Freiheit und Gleichheit, zwischen Liberalismus und Sozialdemokratie, der das politische Leben der Moderne pr&auml;gt.</p>
<p>Die &ouml;konomische Fundierung der modernen Demokratie ist die Vertragswirtschaft. Wenn freie und gleiche B&uuml;rger einen Sozialvertrag schlie&szlig;en, m&uuml;ssen sie alle die gleichen Rechte haben, Regierungen als ihre Agenten ernennen zu d&uuml;rfen, und sie mit der Durchf&uuml;hrung von Politiken beauftragen zu k&ouml;nnen, die ihre kollektiven Pr&auml;ferenzen reflektieren. Sie brauchen deshalb eine Regierung, die ihnen Rechenschaft schuldig ist. Im Gegensatz zur Rolle der Regierung in traditionellen Gesellschaften, wo politische Legitimit&auml;t aus kollektiver Identit&auml;t und kultureller Homogenit&auml;t abgeleitet wird, ist eine moderne Regierung funktional und auf die Pr&auml;ferenzen der B&uuml;rger orientiert.</p>
<p>Diese normativen &Uuml;berlegungen haben wichtige Konsequenzen daf&uuml;r, wie man die Interaktion von Staat und Markt begreift. Die anti-keynesianische Revolution von Friedman und den Monetaristen in den siebziger Jahren hat dem Tauschwirtschaftsparadigma der Mikro&ouml;konomie Priorit&auml;t gegeben und die Notwendigkeit von gesamtwirtschaftlicher Politik zur Minimierung von Unsicherheit ignoriert. Die Reduktion von Freiheit auf das negative Konzept von Einmischung hat es verhindert, den demokratischen Staat als Instrument f&uuml;r die positive Bestimmung kollektiver Pr&auml;ferenzen durch individuelle B&uuml;rger zu nutzen. Sie hat deshalb auch die umverteilenden Funktionen des Staates minimiert. Neoliberalismus ist so zum Programm f&uuml;r den Abbau des Sozialstaates verkommen. Die Neudefinition einer politischen Agenda f&uuml;r die post-neoliberale &Auml;ra erfordert ein Zur&uuml;ck zu den Quellen der Grundnormen der Modernit&auml;t.</p>
<h2 class="auto-created">II. Kapita&shy;lis&shy;mus-&shy;Mo&shy;delle </h2>
<p>Obwohl die Kreditwirtschaft historisch der Wachstumsmotor des Kapitalismus war, hat sie auch soziale Ungleichheit hervorgebracht. Wertpapierbesitzer (Kapitalisten) haben einen Anspruch auf zus&auml;tzliches Einkommen und Reichtum. Die Akkumulation des Kapitals konzentriert Eigentum in der Hand von einigen Wenigen, es sei denn, Umverteilung in der einen oder anderen Form gleicht diesen Effekt wieder aus. Die Freiheit des &ouml;konomischen Liberalismus bleibt mithin rein formal, wenn sie nicht durch die Prinzipien von Gleichheit und Fairness ein Gegengewicht findet. Der moderne demokratische Staat dient als Instrument zur Umverteilung, wenn Gesetze die Pr&auml;ferenzen der B&uuml;rger f&uuml;r Gleichheit und Freiheit widerspiegeln, auch wenn das genaue Verh&auml;ltnis zwischen diesen beiden Prinzipien sich &uuml;ber die Zeit ver&auml;ndern mag.</p>
<p>Da die B&uuml;rger in einem demokratischen Staat souver&auml;n sind, muss sich die Gesetzgebung dem allgemeinen Willen der B&uuml;rger anpassen und dies strukturiert zugleich Marktprozesse. Die konservative Interpretation des Staates ben&uuml;tzt die Staatsautorit&auml;t, legitimiert durch kommunitaristische Identit&auml;t, um die unbeschr&auml;nkte Freiheit der B&uuml;rger und des Marktes zu kontrollieren. In diesem Model muss sich deshalb der Wille des Volkes der Autorit&auml;t anpassen. Wenn jedoch die Geldwirtschaft Freiheit und Gleichheit als fundamentale Normen eines modernen Vertragsindividualismus geschaffen hat, so hat sie auch den modernen demokratischen Staat gepr&auml;gt. In anderen Worten, die <i>politischen Normen </i>der modernen Vertragswirtschaft und die der traditionellen Tauschwirtschaft k&ouml;nnen vielf&auml;ltig artikuliert werden, je nachdem, welche der jeweiligen Normen vorherrschend wird. Wenn Konservativismus die Oberhand gewinnt, wird Individualismus unterdr&uuml;ckt. Kommunismus, Faschismus und heutzutage islamisches Fundamentalismus sind Versuche, mit Gewalt zu einem traditionellen Autoritarismus und hierarchische Formen der gesellschaftlichen Verh&auml;ltnisse zur&uuml;ckzukehren und Individualismus zu unterdr&uuml;cken. In Westeuropa, wie in den Vereinigten Staaten, hat sich der moderne Individualismus durchgesetzt, auch wenn holistischer Konservativismus dabei h&auml;ufig ein untergeordneter Alliierter entweder des &ouml;konomischen Liberalismus oder des Sozialismus wurde. Allerdings koexistieren in allen Gesellschaften traditionelle und moderne Normen und beide m&uuml;ssen miteinander in Einklang gebracht werden. Diese Logik hat sich in verschiedenen sozialen Modellen niedergeschlagen. Mit Hilfe der Amerikaner hat Europa nach dem Zweiten Weltkrieg ein soziales Gleichgewicht gefunden, das individuelle Freiheit und Gleichheit im Kontext einer stabilen Geldwirtschaft garantiert. Europas W&auml;hrungsunion ist der H&ouml;hepunkt dieses langen Prozesses.</p>
<h2 class="auto-created">Modelle des Wohlfahrts&shy;ka&shy;pi&shy;ta&shy;lismus </h2>
<p>Das Entstehen des modernen Kapitalismus als dominierendem gesellschaftlichem Modell bedeutet nicht, dass Europa auf ein einziges Kapitalismusmodell zusteuern muss. In der Tat sind die Sozialmodelle in Europa &auml;u&szlig;erst verschieden, auch wenn sie auf der gemeinsamen normativen Struktur der Vertragswirtschaft basieren. Einige L&auml;nder haben der liberalen Marktsfreiheit gr&ouml;&szlig;eres Gewicht gegeben, andere der sozialen Gleichheit. Diese politischen Normen dr&uuml;cken sich in verschiedenen institutionellen Regulationsformen des Kapitalismus aus. Jedes Land hat seine eigenen Mechanismen entwickelt, um sozialen Schutz f&uuml;r weniger privilegierte Gruppen und Klassen zu gew&auml;hren. Nichtsdestoweniger lassen sich drei grundlegende Modelle des Wohlfahrtskapitalismus unterscheiden (Esping-Anderson, 1990): das liberale angels&auml;chsische Modell, das sozialdemokratische skandinavische Modell und das konservative Modell in Zentraleuropa. Zus&auml;tzlich gib es einige Spielarten in S&uuml;d- und Ost-Europa, die aber im Wesentlichen von den traditionellen Werten des Patriarchats und des politischen Klientelismus beherrscht werden.</p>
<p>Gibt es ein optimales Gesellschaftsmodell? Was ist die &#8222;best practise&#8220; des Kapitalismus in Anbetracht globaler M&auml;rkte, nicht nur f&uuml;r Firmen, sondern auch f&uuml;r die &Uuml;berlebensf&auml;higkeit von Institutionen im Globalisierungsprozess? Die politische &Ouml;konomie hat eine Vielzahl von Antworten diskutiert.[17] Hervor sticht der Ansatz von Peter Hall und David Soskice (2001), die gezeigt haben, dass die Wahl eines Sozialmodells nicht zuf&auml;llig ist und auch nicht willk&uuml;rlich umgeschaltet werden kann, da institutionelle Einrichtungen in ihrem Funktionszusammenhang gesehen werden m&uuml;ssen. So ist zum Beispiel das angels&auml;chsische Model, welches sie liberale Marktwirtschaft nennen, auf Grund der beherrschenden Rolle der Finanzm&auml;rkte mehr auf Kurzfristigkeit orientiert und dies erfordert hochflexibel Arbeitsm&auml;rkte; diese institutionelle Verfasstheit unterst&uuml;tzt Produktinnovation. Im Gegensatz dazu, ist das deutsche Modell einer koordinierten Marktwirtschaft mit ihrem h&ouml;heren Grad an Finanzregulierung und einer gr&ouml;&szlig;eren Rolle der Hausbanken auf Langfristigkeit orientiert. Dazu passt ein Arbeitsmarkt, der die Ausbildung von Fachkr&auml;ften f&ouml;rdert und dadurch einen relativen Vorteil f&uuml;r Produktentwicklung schafft.</p>
<p>Edwards und Fischer (1994) haben die Auffassung in Frage gestellt, wonach das angels&auml;chsische Model Kapital-orientiert und das deutsche Bank-finanziert sei. Banken seien in Deutschland nicht st&auml;rker mit dem Management von Firmen besch&auml;ftigt, als beispielsweise in den USA. Die Ansteckung deutscher Banken mit amerikanischen subprime Hypotheken ist ein Beweis daf&uuml;r, dass auch in Deutschland die Verbriefung von Wertpapieren stark zugenommen hatte. Vitols (1998) fand, dass zumindest bis 1990 die Besonderheit des deutschen Banksystems darin bestand, dass es, erstens, eine ungew&ouml;hnlich hohe F&auml;higkeit hatte, langfristiges Kapital zur Industriefinanzierung bereitzustellen und, zweitens, dass es spekulative Kreditbooms und Crashs verhinderte, welche sich in den meisten Industriel&auml;ndern in den achtziger und neunziger Jahren ereigneten. Diese zwei Schl&uuml;sselcharakteristiken sind einem Regulierungsrahmen geschuldet, welcher relativ strenge Finanzsaufsicht mit der langfristigen Finanzierung von kurzfristigen Krediten verbindet.</p>
<p>Diese Strukturen wurden jedoch in der j&uuml;ngeren Zeit zunehmend st&auml;rker aufgebrochen, zum Teil wegen der Schaffung des einheitlichen europ&auml;ischen Bankenmarktes, zum Teil auch wegen der Globalisierung der Kapitalm&auml;rkte und der neoliberalen Wirtschaftspolitiken. Nichtsdestoweniger haben diese institutionellen Charakteristiken einen wichtigen Beitrag zu Deutschlands Wirtschaftsstabilit&auml;t nach der Einf&uuml;hrung der sozialen Marktwirtschaft 1949 geleistet. Selbst wenn es keinen Weg zur&uuml;ck in die finanzielle Fr&uuml;hgeschichte der Bundesrepublik gibt, so mag das deutsche Modell doch einige Lektionen f&uuml;r die Restrukturierung des europ&auml;ischen Finanzsystems bieten.</p>
<h2 class="auto-created">III. Eine neue Policy Agenda f&uuml;r Europa </h2>
<p>Welche Zukunft hat der Kapitalismus nach der Krise? Die Finanzkrise stellt die Funktionsf&auml;higkeit des Systems nicht in Frage, aber sie erfordert ein &Uuml;berdenken der Annahmen dar&uuml;ber, wie das System funktioniert. Konservative fordern ein Zur&uuml;ck zur Realwirtschaft und zu den guten alten moralischen Werten von Anstand und Vertrauen. Aber Vertrauen h&auml;ngt von der systemischen Stabilit&auml;t ab und erfordert staatliche Aktion. Es besteht gegenw&auml;rtig die Gefahr, dass die &Uuml;bertreibungen des letzten Jahrzehnts nun zu einer &uuml;berm&auml;&szlig;igen Repression vertraglicher Freiheit f&uuml;hren und die Anspr&uuml;che nach sozialer und politischer Gleichheit unterminieren. Der konservative Backlash weist die Schuld f&uuml;r die Krise gierigen Bankern, fantastischen Boni und komplizierten Finanzderivaten zu. Es sucht zu vormodernen Formen der Regulation zur&uuml;ckzukehren, entweder durch autorit&auml;re Regeln oder durch oppressive Moralit&auml;t. Im europ&auml;ischen Kontext nimmt dieser Backlash die Form von &ouml;konomischem Protektionismus und Verteidigung nationaler Identit&auml;ten an. Wenn der franz&ouml;sische Pr&auml;sident erkl&auml;rt[18], &#8222;wir k&ouml;nnen nicht naiv sein, wir m&uuml;ssen unsere Industrie sch&uuml;tzen&#8220;, dann f&uuml;gt er franz&ouml;sischen und europ&auml;ischen B&uuml;rgern doppelten Schaden zu: er verhindert, dass internationaler Handel die Nachfrage im europ&auml;ischen Markt stimuliert, obwohl dies franz&ouml;sische Firmen unterst&uuml;tzen w&uuml;rde, welche nicht das Privileg haben &#8222;besch&uuml;tzt&#8220; zu werden; und er verweigert franz&ouml;sischen Verbrauchern das Recht, G&uuml;ter und Dienstleistungen zu niedrigeren Preisen und besserer Qualit&auml;t zu kaufen. In &auml;hnlicher Weise w&uuml;rden Beschr&auml;nkungen wie viel ein Mensch verdienen darf, wie sie in Deutschland und sogar in Amerika diskutiert werden, nicht die zunehmende L&uuml;cke zwischen Reich und Arm schlie&szlig;en. In Wirklichkeit lenken solche Protektionismen lediglich von einer fairen Einkommenspolitik ab.</p>
<p>Diese ideologischen Reflexe sind mit einem europ&auml;ischen Binnenmarkt oder der W&auml;hrungsunion unvereinbar. Per Definition bedeutet ein einheitlicher Markt die Entwicklung von freien und gleichen M&ouml;glichkeiten, Vertr&auml;ge und Transaktionen ohne Hindernisse durch Grenzen abzuschlie&szlig;en oder einem regulativen Wettbewerb durch lokale Autorit&auml;ten ausgesetzt zu sein. Aber der demokratische Wille von freien und gleichen B&uuml;rgern muss das gesetzliche Rahmenwerk setzen, in welchem private Vertr&auml;ge ausgehandelt werden k&ouml;nnen, ohne dass andere davon Nachteile haben. In einem europ&auml;ischen Binnenmarkt kann ein solcher gesetzlicher Rahmen nur europ&auml;isch sein und nicht national.</p>
<h2 class="auto-created">Der Staat und europ&auml;ische Demokratie </h2>
<p>Ein &Uuml;berdenken europ&auml;ischer Politiken erfordert es, die Beziehung zwischen dem Binnenmarkt und den vielen Staaten in Europa neu zu definieren. Die eigentliche Funktion des Staates ist es, Externalit&auml;ten zu regulieren, welche durch individuelle Handlungen entstehen. Wie wir gesehen haben, leistet der moderne Staat dies, indem er individuellen B&uuml;rgern, die von Politikentscheidungen betroffen sind, ein Mitspracherecht garantiert. Es sind somit die B&uuml;rger, die die letzte Autorit&auml;t (Souver&auml;nit&auml;t) haben, dar&uuml;ber zu entscheiden, wie sie ihre Interessen durchsetzen wollen. Da &ouml;konomische Paradigmen Politikkonsequenzen haben, entscheiden B&uuml;rger letztendlich auch dar&uuml;ber, welche Paradigmen dominieren. Die erste &ouml;konomische Priorit&auml;t muss es heute sein, das Finanzsystem zu stabilisieren, so dass Unsicherheit reduziert wird und Kreditvertr&auml;ge wieder zum Wachstumsmotor werden. Damit w&uuml;rde zugleich die emanzipative Normativit&auml;t der Geldwirtschaft gest&auml;rkt. Dies bedeutet, dass Regeln f&uuml;r die Finanzregulierung das Vertrauen in die Banken re-etablieren m&uuml;ssen, aber auch, dass makro&ouml;konomische Politik notwendig ist, um die Wirtschaft zu stabilisieren. Die zweite politische Priorit&auml;t muss es sein, den Konservativismus daran zu hindern, individuelle Freir&auml;ume und politische und soziale Gleichheit einzuschr&auml;nken. Die Verengung politischer Diskurse auf den Provinzialismus lokaler Identit&auml;ten[19] tr&auml;gt dazu ebenso bei wie der Protektionismus von nationalen Gemeinschaften durch autorit&auml;re, staatliche Ma&szlig;nahmen.</p>
<p>M&auml;rkte k&ouml;nnen nicht ohne Staat existieren, denn der Staat garantiert ihre Funktionsf&auml;higkeit. Regierungen sind die Eigent&uuml;mer von Zentralbanken; sie setzen fest, was gesetzliches Zahlungsmittel ist und bestimmen die Regeln f&uuml;r M&auml;rkte. Diese Einsicht ist nicht neu, aber zwei verschiedene Dimensionen von Staats- und Regierungseinmischung m&uuml;ssen dabei ber&uuml;cksichtigt werden. So haben zum Beispiel deutsche Ordoliberale immer die Notwendigkeit eines starken Staates als Garanten der Marktfunktionsf&auml;higkeit anerkannt, aber sie haben sich zugleich immer auch gegen keynesianische Marktinterventionen ausgesprochen, weil Regierungen dadurch zu Marktteilnehmer w&uuml;rden (Tietmayer, 1999). Auf der anderen Seite hat franz&ouml;sischer Dirigismus immer eine Vorliebe f&uuml;r einen aktiven Staat gehabt und hat es abgelehnt, dass Regierungen in ihrem Handeln durch M&auml;rkte eingeschr&auml;nkt werden. Die korrekte Form einer effizienten europ&auml;ischen Marktwirtschaft muss jedoch makro&ouml;konomisches Management f&uuml;r die gesamte Eurozone mit Aufsichtsregelungen verbinden, ohne dadurch den privaten Zugang zum europ&auml;ischen Binnenmarkt zu behindern.</p>
<p>Als Folge des europ&auml;ischen Binnenmarktes und der einheitlichen W&auml;hrung gibt es heute eine zunehmende Anzahl von Politiken, die alle europ&auml;ischen B&uuml;rger betreffen. Aber in der europ&auml;ischen Union werden Politikentscheidungen nicht im europ&auml;ischen Gesamtinteresse entschieden, sondern im Interesse nationaler Regierungen, die ihre Usurpation der Macht zum Nachteil der B&uuml;rger oftmals damit begr&uuml;nden, dass sie nationale Identit&auml;ten verteidigen. Diese Form zu regieren ist unvereinbar mit der modernen Idee von freien und gleichen B&uuml;rgern, die die Herren ihres eigenen Schicksals sind. Der Durchbruch der franz&ouml;sischen Revolution, der durch den Liberalismus der ersten niederl&auml;ndischen Republik inspiriert war (Israel, 2004) bestand in dem Prinzip, dass die B&uuml;rger als Ganzes der Souver&auml;n sind und nicht die Regierung. B&uuml;rger schlie&szlig;en miteinander einen Sozialvertrag, um ihre Interesse zu f&ouml;rdern und nicht, weil sie einer Gemeinschaft mit einer gegebenen Identit&auml;t angeh&ouml;ren. Mithin m&uuml;ssen europ&auml;ische B&uuml;rger die Autorit&auml;t haben, eine europ&auml;ische Regierung als ihren Agenten benennen zu k&ouml;nnen und dar&uuml;ber zu entscheiden d&uuml;rfen, wie sie ihre gemeinsamen Interessen durchsetzen wollen.</p>
<h2 class="auto-created">Eine Wirtschafts&shy;re&shy;gie&shy;rung f&uuml;r Europa? </h2>
<p>Die Wirtschaftskrise er&ouml;ffnet Prospektiven f&uuml;r eine Neubegr&uuml;ndung des europ&auml;ischen Politiksystems. Die Koh&auml;renz des europ&auml;ischen Normensystems erfordert, dass eine europ&auml;ische Regierung Verantwortung f&uuml;r makro&ouml;konomische Politik &uuml;bernimmt. Intergouvernementale Politikkoordinierung kann nicht l&auml;nger den Wohlstand in Europa garantieren, da viele makro&ouml;konomische Politikprobleme eine koh&auml;rente und diskretion&auml;re Entscheidung erfordern. Bindende Richtlinien oder offene Formen der Koordination k&ouml;nnen diese Entscheidungen nicht gew&auml;hrleisten (Collignon, 2004). Wichtiger noch, wenn die Liquidit&auml;tspr&auml;mie, die im Preis f&uuml;r Geld enthalten ist, makro&ouml;konomische Unsicherheit reflektiert, dann ist es unverantwortlich, keine Institution zu haben, die Verantwortung f&uuml;r die gesamtwirtschaftliche Stabilit&auml;t der Eurozone &uuml;bernimmt. Die EZB kann dies nicht leisten, da sie prim&auml;r f&uuml;r Preisstabilit&auml;t zust&auml;ndig ist.</p>
<p>Politische Eliten in Frankreich haben ein <i>gouvernement &eacute;conomique </i>vorgeschlagen, ohne jemals im Einzelnen zu erkl&auml;ren, was man sich darunter vorstellen muss. Das Problem dieses Vorschlages besteht darin, dass eine solche Regierung notwendigerweise b&uuml;rokratisch und autorit&auml;r sein muss, da sie technokratisch allein auf den Wirtschaftsbereich reduziert ist. &Auml;hnlich wie das <i>Ancien R&eacute;gime </i>b&uuml;rokratische Politik Frankreich aufgest&uuml;lpt hat, w&uuml;rde ein <i>gouvernement &eacute;conomique </i>europ&auml;ischen B&uuml;rgern keine demokratische Wahl lassen, sondern ihnen elit&auml;re Politiken aufdr&uuml;cken. Um mit den Normen einer modernen Gesellschaft koh&auml;rent zu sein, muss eine Regierung demokratisch sein und den B&uuml;rgern Rechenschaft schulden. Das Zeitalter des Paternalismus ist vorbei. B&uuml;rger m&uuml;ssen die Freiheit einer Wahl zwischen verschieden Optionen haben, und kollektiv entscheiden k&ouml;nnen, welche Politiken sie wollen. Das bedeutet auch, dass politische Parteien ihnen Programme vorlegen m&uuml;ssen, damit sie diese Wahloptionen gemeinsam diskutieren k&ouml;nnen. Die Natur von Regierungen ist politisch, und ein unpolitisches Europa ist unregierbar. Zudem muss eine demokratische Regierung die M&ouml;glichkeit haben, Politikkompromisse &uuml;ber verschiede Politikfelder zusammenschn&uuml;ren zu k&ouml;nnen und diese Felder schlie&szlig;en Wirtschaft, Sicherheit und Au&szlig;enpolitik ein. Nur wenn das der Fall ist, werden B&uuml;rger, die ihre Pr&auml;ferenzen in spezifischen Fragen nicht realisiert sehen, Politiken akzeptieren, die von ihren eigenen W&uuml;nschen abweichen, weil sie in anderen Bereichen kompensiert werden. Wenn diese Kompensation nicht m&ouml;glich ist, wird ein demokratischer Politikkonsensus, der f&uuml;r eine funktionierende Demokratie notwendig ist, unm&ouml;glich. Es ist deshalb an der Zeit, dass europ&auml;ische Demokraten dar&uuml;ber nachdenken, wie eine demokratische gew&auml;hlte Regierung f&uuml;r diejenigen Politikbereiche, die alle B&uuml;rger in gleicher Weise betreffen, Verantwortung &uuml;bernehmen kann.</p>
<h2 class="auto-created">Geldpolitik </h2>
<p>Die Aufgabe einer europ&auml;ischen Regierung muss es sein, finanzielle und wirtschaftliche Stabilit&auml;t in der Eurozone zu gew&auml;hrleisten, und die allgemeine Unsicherheit bei Investitionsentscheidungen zu minimieren. Makro&ouml;konomische Stabilit&auml;t ist eine Vorbedingung, um die Kapitalakkumulation zu beschleunigen, neue Arbeitspl&auml;tze zu schaffen, die Produktivit&auml;t zu erh&ouml;hen und um den Lebensstandard dauerhaft und fair zu erh&ouml;hen. Ich habe gezeigt, dass die Fiskalpolitik dazu einen kleinen Beitrag leisten kann, wenn sie wirtschaftliches Wachstum durch Einkommensumverteilung unterst&uuml;tzt, und wenn zumindest ein Teil der &ouml;ffentlichen Schuld monetarisiert wird. Aber dies bedeutet, dass die Geldpolitik ein zentrales Instrument der Wirtschaftspolitik ist, nicht nur um kurzfristige Konjunkturschwankungen zu gl&auml;tten, sondern auch langfristig. Da in einer W&auml;hrungsunion alle Finanzkontrakte in der gleichen W&auml;hrung denominiert sind und somit die meisten wirtschaftlichen Entscheidungen von Geld- und Zinsentscheidungen der Zentralbank abh&auml;ngen, muss die Haushaltspolitik mit der Geldpolitik interagieren. Deshalb ist das gegenw&auml;rtige institutionelle Arrangement der Eurozone mit unkoordinierten nationalen Haushaltspolitiken und ihrer einzigen Begrenzung durch den Stabilit&auml;ts- und Wachstumspakt nicht optimal.</p>
<p>Monetaristen haben argumentiert, dass unbegrenzte Liquidit&auml;t in das Bankensystem zu pumpen, das beste Instrument zur &Uuml;berwindung der Finanzkrise sei. Sie sehen die Ursache f&uuml;r die Krise im Schrumpfen der Geldmenge und suchen die Geldversorgung der Wirtschaft durch Offenmarktoperationen und <i>quantitative easing </i>wieder im Gang zu setzen. Nach ihrer Ansicht wird die wirtschaftliche Aktivit&auml;t wieder im Gang kommen, wenn die Zentralbank nur genug Geld druckt. Nun ist aber eine wesentliche Voraussetzung f&uuml;r diese Strategie, dass Finanzm&auml;rkte korrekt funktionieren. Dies ist in der gegenw&auml;rtigen Krise nicht der Fall. Banken reichen die Liquidit&auml;t, die sie von den Zentralbanken bekommen, nicht notwendiger an den Unternehmenssektor weiter.</p>
<p>Der &#8222;banking view&#8220; als alternatives Paradigma versteht Geld als ein Informationsinstrument in unsicherem Umfeld. Dieser Ansatz erlaubt eine bessere Funktionszuordnung f&uuml;r Geldpolitik. Asymmetrische Information und mangelndes Vertrauen haben den Geldmarkt gel&auml;hmt. In diesem Zusammenhang ist die wichtigste Aufgabe die Funktionsf&auml;higkeit von Geld als <i>Reserve Asset </i>zu bewahren. Wegen der asymmetrischen Information und der Externalit&auml;ten im Geldmarkt kann es geschehen, dass Banken nur unzureichend Zugang zu Liquidit&auml;t haben, auch wenn sie weiterhin solvent sind. Deshalb brauchen sie Unterst&uuml;tzung. Die Zentralbank muss als <i>lender of last resort </i>funktionieren. Der IMF k&ouml;nnte im internationalen Kontext eine &auml;hnliche Funktion erf&uuml;llen, wenn die Regierungen bereit w&auml;ren, ihn mit ausreichenden internationalen <i>reserve assets </i>auszur&uuml;sten. Die Notwendigkeit f&uuml;r Zentralbanken als <i>lender of last resort </i>zu funktionieren wurde bereits von Bagehot im Jahr 1873 formuliert[20]. Die entsprechende Geldpolitik in einer Finanzkrise wurde von Goodhart (2002: 227) in drei S&auml;tzen zusammengefasst:</p>
<blockquote>
<p class="bodytext">1. Gib gro&szlig;z&uuml;gig Kredit, <br />2. zu hohen Zinsraten, <br />3. gegen gute Banksicherheiten. </p>
</blockquote>
<p>Die Antwort der Zentralbanken auf die Finanzkrise hat sich st&auml;rker dem monetaristischen Ansatz angen&auml;hert. Sie haben gro&szlig;z&uuml;gig Kredit gegeben, zu geringen Zinsen, mit schlechten Sicherheiten.[21] Diese Politik wiederholt die Fehler des Tauschparadigmas, welche eine der Ursachen der Wirtschaftkrise waren.</p>
<h2 class="auto-created">IV. Die Zukunft des Kapita&shy;lismus, oder die Moral von der Geschichte </h2>
<p>Um es zusammenzufassen, die Zukunft des Kapitalismus ist seine Vergangenheit: Kredit und Zins sind der Wachstumsmotor einer modernen Wirtschaft, aber auch die normative Fundierung des Kapitalismus. Wie alle Moralit&auml;t ist auch die Wirtschaftsmoral des Geldes ambivalent: seine Funktionsbedingungen beruhen auf den Normen von Freiheit und Gleichheit, aber die faktische Realit&auml;t sind materielle Beschr&auml;nkung und Ungleichheit. Das durchschnittliche Einkommen pro Person ist heute zw&ouml;lfmal h&ouml;her als es vor 200 Jahren war (Clark, 2007), und diese Entwicklung des Realverm&ouml;gens w&auml;re ohne die Entwicklung des Finanzwesens unm&ouml;glich gewesen. Aber die systemimmanente Tendenz des Kapitalismus erfordert eine Institution, die sich dieser Tendenz entgegenstellt, soziale Unsicherheiten korrigiert und einen stabilen Rechtsrahmen garantiert.</p>
<p>Der Kapitalismus bleibt ein zerbrechliches Konstrukt: Unsicherheit macht ihn potentiell instabil und die Akkumulation des Reichtums in der Hand einiger Weniger ist eine best&auml;ndige Herausforderung f&uuml;r moderne Ideen von Gerechtigkeit, welche auf Freiheit <i>und </i>Gleichheit basieren. Der moderne demokratische Staat ist letztendlich die Garantie f&uuml;r die dauerhafte F&auml;higkeit des Kapitalismus. Er bedeutet nicht das autorit&auml;re &Uuml;berst&uuml;lpen von traditionellen Werten auf eine liberale &Ouml;konomie, sondern er ist das Instrument, durch welches freie und gleiche B&uuml;rger gemeinsam ihre Pr&auml;ferenzen bestimmen und das relative Gewicht von Gleichheit und Freiheit festsetzen. Der demokratische Staat integriert die Externalit&auml;ten von Politikentscheidungen, die alle B&uuml;rger betreffen. Aber wie wir alle wissen, garantiert die G&uuml;ltigkeit moderner Normen nicht ihre Durchsetzung im tats&auml;chlichen Leben. In Europa gibt es zu viele Regierungen, die sich wie autorit&auml;re Institutionen verhalten und sich wenig um die Pr&auml;ferenzen und die Erwartungen von B&uuml;rgern au&szlig;erhalb ihrer Jurisdiktion k&uuml;mmern, auch wenn alle B&uuml;rger in Europa von ihren Entscheidungen betroffen sind. Europas B&uuml;rgern wird eine europ&auml;ische Regierung versagt, die es ihnen erlauben w&uuml;rde, gemeinsam die politischen Entscheidungen zu treffen, die ihren Wohlstand und zuk&uuml;nftigen Reichtum bestimmen. Es ist an der Zeit, dass sich das &auml;ndert.</p>
<p>[1] W&auml;hrend des G20 Meetings in London, am 2. M&auml;rz 2009.</p>
<p>[2] Der Ausdruck &#8222;moral economy&#8220; wurde erstmals von Edward Palmer Thompson (1971) und James Scott (1977) gepr&auml;gt. F&uuml;r eine Anwendung auf die Geldwirtschaft, siehe auch Muldrew 1998. Wir &uuml;bersetzen hier &#8222;moral economy&#8220; durch Wirtschaftsmoral.</p>
<p>[3] Die Geldnachfrage leitet sich aus dem Realkasseneffekt ab, d.h. Wirtschaftsagenten halten Geld zu Transaktionszwecken.</p>
<p>[4] Michael Heseltine, Minister in Margaret Thatchers Regierung, sagte einmal in meiner Gegenwart: &#8222;Ideally government will meet once a year to hand out the subcontracts.&#8220;</p>
<p>[5] Wirtschaftswissenschaftler sprechen von &#8222;Liquidit&auml;t&#8220;, w&auml;hrend Rechtswissenschaftler sich auf &#8222;Besitz&#8220; beziehen. Beide Konzepte dr&uuml;cken den Vorteil Unmittelbarkeit aus. Shackle (1991: 12-13) hat es so zusammengefasst: &#8222;Money does have a value in use, for it has value in possession, and is not merely a mechanical and token <i>value for perpetual </i>exchange.&#8220;</p>
<p>[6] Ich gebrauche hier den Begriff &#8222;discounting&#8220; in einem allgemeinen Sinn, der Open Market Operations, reverse tenders etc. einschlie&szlig;t.</p>
<p>[7] Dies bedeutet im &uuml;brigen wegen Walras&#8216; Law, dass der Arbeitsmarkt ein strukturelles &Uuml;berangebot hat. Aus Platzgr&uuml;nden kann dies hier nicht weiter ausgef&uuml;hrt werden. Siehe Riese 2003.</p>
<p>[8] Die Tauschwirtschaft ist somit ein Sonderfall der Geldwirtschaft, wenn die Zinsrate Null ist.</p>
<p>[9] Siehe Riese (1990).</p>
<p>[10] Keynes (1930) war sich dessen bewusst; seine &#8222;entrepreneurial profits&#8220; waren &uuml;berdurchschnittliche Unternehmergewinne, oder quasi-rents, die im Gleichgewicht verschwanden.</p>
<p>[11] Offensichtlich halten die Menschen ihr Wort nicht immer. Gesellschaft hat deshalb Mechanismen entwickelt, die das Einhalten von Verpflichtungen f&ouml;rdern, meistens basierend auf Sozialausschluss. In diesem Zusammenhang w&uuml;rde die von Max Weber beobachtete Verbindung zwischen Kapitalismus und Protestantismus eine neue Interpretation verdienen (Religion als commitment device).</p>
<p>[12] Keynes hat seine Theorie der monet&auml;ren Produktionswirtschaft in der Festschrift von Spiethoff 1933 erkl&auml;rt. Die neoklassische Synthese wurde von Hicks (1937) entwickelt und wurde sp&auml;ter von Paul Samuelson formalisiert und popularisiert.</p>
<p>[13] In den meisten &ouml;konometrischen Modellen sind Shocks berechenbar und normal verteilt. Diese Annahme liefert die Grundlage f&uuml;r die oftmals sehr komplexen mathematischen Modelle hinter Finanzderivaten.</p>
<p>[14] Im Randbereich ist diese Unterscheidung manchmal weniger klar. Wenn Steuerzahler h&ouml;here Steuern erwarten (Ricardianische &Auml;quivalenz) und wenn sie statt ihren Konsum zur&uuml;ckzuschrauben die Produktion erh&ouml;hen um ihre Steuern zu bezahlen, dann wird &ouml;ffentliche Schuld ebenfalls zum Wachstum beitragen. Auf der anderen Seite funktioniert &ouml;ffentliche Schuld tats&auml;chlich wie Unternehmensschuld, wenn Regierungen &ouml;ffentlich Kredit zu Investitionszwecken aufnehmen, und dadurch Produktivit&auml;t und Wirtschaftswachstum erh&ouml;hen.</p>
<p>[15] Zudem hat &ouml;ffentliche Verschuldung wichtige Verteilungseffekte, die f&uuml;r die Verm&ouml;gensakkumulation von Bedeutung sein k&ouml;nnen. Wenn Regierungsanleihen von Individuen mit hohem Einkommen gekauft und gehalten werden, und wenn der Schuldendienst der Regierung durch Steuern finanziert wird, so &uuml;bertr&auml;gt &ouml;ffentliche Schuld Verm&ouml;gen von den Armen an die Reichen. Alle zahlen Steuern, aber nur die reichen Staatsanleihenbesitzer finden ihr Einkommen durch die Couponzahlung erh&ouml;ht.</p>
<p>[16] Siehe Popper (1995) f&uuml;r eine vollst&auml;ndigere Beschreibung dieser Idee.</p>
<p>[17] Siehe Sopart (2005) f&uuml;r eine &Uuml;bersicht &uuml;ber das Thema.</p>
<p>[18] Rede von dem europ&auml;ischen Parlament am 21.10.2008.</p>
<p>[19] Italiens Finanzminister Giulio Tremonti (2008) hat es wunderbar beschrieben: &#8222;Die Menschen glauben nicht mehr an die Zukunft, sondern am morgen; sie glauben nicht l&auml;nger an die Nation, sondern an das Dorf.&#8220; <br />[20] Siehe Goodhart und Illing 2002, die Ausz&uuml;ge seines Buches drucken.</p>
<p>[21] In den meisten Industriel&auml;ndern sind die Zinsraten gegenw&auml;rtig nah bei Null und die real Zinsen oft sogar negativ. Die EZB hat 10 Milliarden in Toxic Assets verloren und der EZB Pr&auml;sident Jean Claude Trichet (2009) hat das gesamt Risiko auf 600 Milliarden Euro beziffert, was 6 Prozent des BSP der Eurozone entspricht.</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/186-vorgaenge/publikation/die-moral-des-geldes-und-die-zukunft-des-europaeischen-kapitalismus/">Die Moral des Geldes und die Zukunft des europäischen Kapitalismus</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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