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	<title>Stephan Elkins Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit</title>
		<link>https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/179-vorgaenge/publikation/umweltschutz-und-soziale-gerechtigkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Sep 2007 21:45:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#220;berlegungen zu einem Spannungsfeld der Umweltpolitik aus vorg&#228;nge Heft3/2007,S26-37 &#8222;&#8230; [T]he question of whether [environmental] sustainability and justice are compatible objectives can only be resolved empirically, and the range &#8211; and depth &#8211; of empirical research required to resolve this question has not been done&#8220; (Dobson 1998: 243; Einf&#252;gungen in Klammern S.E.). Man wird kaum [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/179-vorgaenge/publikation/umweltschutz-und-soziale-gerechtigkeit/">Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>&Uuml;berlegungen zu einem Spannungsfeld der Umweltpolitik</p>
<p>aus vorg&auml;nge Heft3/2007,S26-37</p>
<p>&#8222;&#8230; [T]he question of whether [environmental] sustainability and justice are compatible objectives can only be resolved empirically, and the range &#8211; and depth &#8211; of empirical research required to resolve this question has not been done&#8220; (Dobson 1998: 243; Einf&uuml;gungen in Klammern S.E.).</p>
<p>Man wird kaum nennenswert Widerspruch ernten, wenn man feststellt, dass der Schutz der nat&uuml;rlichen Umwelt als gesellschaftliche Aufgabe heute weitgehend anerkannt ist und als Zielstellung in die gesellschaftlichen Institutionen Eingang gefunden hat. Die einstmalige Polarisierung der Auseinandersetzung &#8211; stilisiert in der Konfliktstellung von &Ouml;konomie versus &Ouml;kologie &#8211; ist vielfach der Erkenntnis gewichen, dass der Umweltschutz nicht nur gesellschaftliche Kosten erzeugt, sondern auch Chancen er&ouml;ffnet.(1) Es steht zu vermuten, dass auch die Anziehungskraft des in der Folge des Brundtland-Reports und der Agenda 21 (verabschiedet auf der UNCED Konferenz in Rio de Janeiro 1992) in den &ouml;kologischen Diskurs eingegangenen Begriffs des &#8222;sustainable development&#8220; bzw. der &#8222;nachhaltigen Entwicklung&#8220; vor diesem Hintergrund zu sehen ist. Statt des konfligierenden Entweder-Oder legt er eine integrative Betrachtungsweise nahe. Der Begriff verweist auf die systematische Verschr&auml;nkung von &ouml;kologischen, &ouml;konomischen und sozialen Entwicklungsbedingungen im globalen Ma&szlig;stab und repr&auml;sentiert damit eine Formel, welche die Aufforderung enth&auml;lt, Probleme in unterschiedliche Dimensionen im Zusammenhang zu denken (dazu Brand 1997, Brand/Jochum 2000). Damit ist genau besehen freilich zun&auml;chst nur das Problem benannt, das es zu l&ouml;sen gilt. Karl-Werner Brand und Georg Jochum sprechen zu Recht vom Konzept der nachhaltigen Entwicklung als einer normativen Leitidee (Brand/Jochum 2000: 174).</p>
<p>Ungeachtet der gesellschaftlichen Normalisierung von Umweltschutz entgeht schon dem aufmerksamen Zeitungsleser nicht, dass dieser, wenn er mit anderen Priorit&auml;ten in Konflikt zu geraten droht, nach wie vor oftmals unter erheblichen Durchsetzungsschw&auml;chen leidet. Man hat es hier nicht zuletzt mit dem Problem zu tun, dass sich etwa die Einsicht in die Unzul&auml;nglichkeit der kruden Entgegensetzung von &Ouml;konomie und &Ouml;kologie in konkreten empirischen F&auml;llen angesichts der real vorfindlichen komplexen Gemengelage von potentiellen Gewinnern und Verlierern, kurzfristigen und langfristigen sowie individuellen und kollektiven Interessen nicht immer ohne weiteres operationalisieren l&auml;sst. Diese Seite des die Problematik der nachhaltigen Entwicklung bestimmenden Spannungsfeldes ist dabei hinsichtlich der Struktur der Konfliktkonstellationen, der Ans&auml;tze f&uuml;r L&ouml;sungsstrategien, Instrumente etc, verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig gut untersucht. Jene andere Seite in diesem dreipoligen Spannungsfeld, die durch das Verh&auml;ltnis von &ouml;kologischen zu sozialen Rationalit&auml;tsgesichtspunkten bestimmt ist, wurde dagegen bislang vergleichsweise weniger gut durchgearbeitet. Dies gilt insbesondere f&uuml;r das Verh&auml;ltnis zwischen Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit &#8211; ein Befund, der im Lichte der exponierten Rolle der Frage sozialer Gerechtigkeit im Nachhaltigkeitsdiskurs &uuml;berraschen mag.</p>
<p>Das Verh&auml;ltnis zwischen Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit wird hierzulande gerade im Zuge des Diskurses um Nachhaltigkeit h&auml;ufig als Frage intergenerationeller Gerechtigkeit oder im globalen Ma&szlig;stab als Problem im Verh&auml;ltnis zwischen Norden und S&uuml;den thematisiert (Analysen dieses Diskurses finden sich bei Brand 1997, Brand/Jochum 2000, Huber 1995). Seit einigen Jahren findet die in den USA bereits seit den 1980er Jahren gef&uuml;hrte Debatte um &#8222;Environmental Justice&#8220; auch in Deutschland verst&auml;rkte Aufmerksamkeit und wird unter Begriffen wie &#8222;Umweltgerechtigkeit&#8220; oder &#8222;umweltbezogene Gerechtigkeit&#8220; nunmehr rege rezipiert.(2) In diesem Zusammenhang wird das Problem der Umweltgerechtigkeit vor allem als eines der sozialen (Ungleich-) Verteilung von Umweltbelastungen bzw. der Folgen von Umweltbelastungen diskutiert. Auch in Deutschland sind zwischenzeitlich erste empirische Untersuchungen zu diesem Komplex durchgef&uuml;hrt worden (vgl. Bolte 2004). Man findet weiterhin einzelne Untersuchungen, die gerechtigkeitsrelevanten Fragen nachgehen, wie sie sich im Kontext von Verteilungsfragen in der Umweltpolitik stellen (etwa Decker 1994, Montada 1999). Auch aus diesem Blickwinkel kann die Frage nach dem Verh&auml;ltnis von Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit noch kaum als befriedigend ausgearbeitet gelten &#8211; was insofern verwunderlich ist, als umweltpolitische Ma&szlig;nahmen sich immer wieder dem Verdacht sozialer Gerechtigkeitsdefizite ausgesetzt sahen.</p>
<p>Die Rezeption der Debatte um Environmental Justice hat in den letzten Jahren das akademische Interesse an Gerechtigkeitsfragen im Kontext der Umweltproblematik merklich belebt. Von hier ansetzenden Bem&uuml;hungen, das Terrain mit Blick auf Perspektiven sozialwissenschaftlicher Forschung zu sichten, gehen Impulse aus, die Problematik des Zusammenhangs von Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit &uuml;ber die in der Environmental-Justice-Debatte angelegte thematische Engf&uuml;hrung hinaus grunds&auml;tzlicher anzugehen (vgl. Elvers 2007, Elvers/ Gross/ Heinrichs 2007, Wilke/ Lucas/ Krause 2006, kritisch zur thematischen Engfiihrung: Elkirrs im Erscheinen).</p>
<p>Ein zweckm&auml;&szlig;iger Ausgangspunkt f&uuml;r eine systematische Kl&auml;rung der Vielschichtigkeit dieser Beziehung scheint mir die keineswegs neue Erkenntnis zu sein, dass man es im Falle von Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit mit zwei unterschiedlichen Wertdimensionen zu tun hat. Beim Umweltschutz geht es im Kern um die Frage, nach welchen Prinzipien sich die Mitglieder einer Gesellschaft auf die &auml;u&szlig;ere Natur beziehen wollen beziehungsweise nach den Folgen der resultierenden sozialen Arrangements f&uuml;r dieselbe (und damit f&uuml;r die Gesellschaft selbst), die sie zu akzeptieren bereit sind. Bei sozialer Gerechtigkeit stehen demgegen&uuml;ber Fragen der Angemessenheit sozialer Beziehungen im Zentrum des Interesses; es geht um die Frage, nach welchen Prinzipien die Mitglieder einer Gesellschaft an dieser Gesellschaft (Chancen- und Verfahrensgerechtigkeit) beziehungsweise an den Fr&uuml;chten oder Lasten dieser Gesellschaft partizipieren sollen (Verteilungsgerechtigkeit). Diese zwei Dimensionen k&ouml;nnen in der sozialen Realit&auml;t an einer Vielzahl ganz unterschiedlicher Punkte miteinander in Ber&uuml;hrung kommen: Umweltfragen k&ouml;nnen an den unterschiedlichsten Punkten sozialer Wirklichkeit Fragen sozialer Gerechtigkeit aufwerfen, wie auch umgekehrt Fragen sozialer Gerechtigkeit Umweltfragen aufwerfen k&ouml;nnen. Diese zwei Dimensionen stehen dabei ferner in keinem a priori eindeutigen Verh&auml;ltnis zueinander. Entgegen der in Diskursen zu &#8222;Environmental Justice&#8220; oder nachhaltiger Entwicklung gelegentlich anzutreffenden Neigung, pauschal einen positiven Zusammenhang zwischen sozialer Gerechtigkeit und Umweltschutz zu vermuten (dazu kritisch Dobson 1998), muss man konstatieren, dass mehr Umweltschutz weder zwangsl&auml;ufig mehr soziale Gerechtigkeit zum Ergebnis hat noch mehr soziale Gerechtigkeit per se in besseren Umweltschutz m&uuml;ndet. Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit k&ouml;nnen sowohl harmonieren als auch konfligieren. Das h&auml;ngt von der konkreten Struktur des Problemzusammenhanges ab, um den es jeweils geht. Die Aufgabe, die sich die an diesen Fragen interessierte sozialwissenschaftliche Forschung zu stellen hat, ist, das Verh&auml;ltnis zwischen Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit anhand empirisch relevanter Problemstellungen systematisch aufzukl&auml;ren. Und hier gibt es auch knapp zehn Jahre nach dem von Dobson festgestellten, eingangs zitierten Mangel angesichts der Vielschichtigkeit der Problematik noch immer viel zu tun.</p>
<p>Nach dieser knappen Skizze des Feldes m&ouml;chte ich mich im Folgenden der Frage der sozialen Gerechtigkeit im Kontext von Umweltpolitik zuwenden; ganz im Sinne der Diagnose m&ouml;chte ich dies anhand der genaueren Betrachtung eines konkreten Umweltpolitikfeldes tun. Ich werde folgenderma&szlig;en vorgehen: Nach einigen &Uuml;berlegungen zur Relevanz sozialer Gerechtigkeit f&uuml;r Umweltpolitik und einer sehr kurzen Charakterisierung des fraglichen Politikfeldes werde ich einige Ergebnisse aus einer Untersuchung vorstellen, die an diesem Fall ein latentes Gerechtigkeitsproblem der Umweltpolitik herauszuarbeiten sucht. Auf der Grundlage der hier gewonnenen Einsichten werden abschlie&szlig;end Schlussfolgerungen f&uuml;r die Umweltpolitik gezogen.</p>
<h2 class="auto-created">Zur Relevanz sozialer Gerech&shy;tig&shy;keit f&uuml;r Umwelt&shy;po&shy;litik</h2>
<p>Wenn man nach der Relevanz sozialer Gerechtigkeit f&uuml;r Umweltpolitik fragt, dann ist zun&auml;chst einmal in umgekehrter Richtung festzuhalten, dass Umweltpolitik &#8211; wie jede andere Politik &#8211; direkt oder indirekt Verteilungswirkungen nach sich zieht, die mit Blick auf soziale Gerechtigkeit grunds&auml;tzlich unterschiedliche Folgen zeitigen k&ouml;nnen. Diese Folgen umweltpolitischer Ma&szlig;nahmen k&ouml;nnen mit vorherrschenden Gerechtigkeitsvorstellungen konform gehen oder eben auch nicht. Wenngleich man &#8211; wie betont &#8211; keineswegs a priori von einem sich wechselseitig bef&ouml;rdernden Verh&auml;ltnis von Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit ausgehen kann, so muss man doch vermuten, dass jedenfalls ein Weniger an sozialer Gerechtigkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit auch weniger Umweltschutz nach sich ziehen wird und zwar dann, wenn umweltpolitisches Handeln fallspezifisch m&ouml;gliche problematische gerechtigkeitspolitische Implikationen unzureichend in Rechnung stellt. Dies d&uuml;rfte insbesondere in Umweltpolitikfeldern ein Faktor sein, in denen der umweltpolitische Erfolg in entscheidendem Ma&szlig;e von der Kooperationsbereitschaft signifikanter Teile der Bev&ouml;lkerung abh&auml;ngt &#8211; sei es in Form politikkonformen Handelns oder an der Wahlurne.(3) Man kann hier eine funktionale Relevanz von Gerechtigkeit f&uuml;r Umweltpolitik konstatieren, insofern sie auf der Ebene handelnder Akteure ein starkes Motiv stiftet, Kooperationsbereitschaft zu versagen oder zu gew&auml;hren. Umweltpolitik, die unter dem Verdacht ger&auml;t, soziale Gerechtigkeitsdefizite aufzuweisen, kann sich leicht vor politische Legitimationsprobleme gestellt sehen, die den Spielraum des M&ouml;glichen erheblich restringieren. Sofern man an Umweltschutz interessiert ist, ist man schon aus diesem Grunde gut beraten, sich mit der Analyse des Zusammenhangs zwischen Umweltpolitik und sozialer Gerechtigkeit zu befassen.</p>
<h2 class="auto-created">Soziale Gerech&shy;tig&shy;keit im Kontext einer das Alltags&shy;han&shy;deln adres&shy;sie&shy;renden Umwelt&shy;po&shy;litik</h2>
<p>Im Folgenden m&ouml;chte ich die Gerechtigkeitsimplikationen von umweltpolitischen Ma&szlig;nahmen an einem spezifischen Ausschnitt von Umweltpolitik genauer erkunden. Zu diesem Zweck seien einige Ergebnisse einer Untersuchung umrissen, die das Augenmerk auf umweltpolitische Ma&szlig;nahmen richtet, die in der einen oder anderen Weise einen bestimmten Typus von Umweltproblemen zu adressieren suchen, n&auml;mlich solche, die eine wesentliche Wurzel in einer sinnhaft besetzten Lebenspraxis haben (vgl. Elkins 2005). Die Lebenswelt als Umweltproblemquelle &#8211; wenn man so will &#8211; stellt die Politik aufgrund der Struktur des Feldes, das sie hier zu bearbeiten hat, vor eine Reihe spezifischer Schwierigkeiten. Gerade hier haben wir es mit einem Terrain zu tun, auf dem die Erfolgschancen der Politik in besonderem Ma&szlig;e von der Kooperationsbereitschaft der Politikadressaten abh&auml;ngen.(4) Dementsprechend bergen mutma&szlig;liche Gerechtigkeitsdefizite einer hier ansetzenden Umweltpolitik, die eben diese Kooperationsbereitschaft unterminieren k&ouml;nnen, eine besondere Brisanz.</p>
<p>Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass mit Umweltpolitik neben ihrem sachlich unmittelbaren Zweck stets auch mittelbare Verteilungswirkungen einhergehen (dazu bspw. Decker 1994). W&auml;hrend solche Verteilungswirkungen utilitaristische Interessenpositionen ber&uuml;hren, werfen sie nicht zwangsl&auml;ufig auch Gerechtigkeitsfragen auf. Die Gerechtigkeitsproblematik, um die es hier geht, ist dort angelegt, wo durch Umweltpolitik Ver&auml;nderungen in den Kostenstrukturen von Lebenspraxen angesto&szlig;en werden. Ein paradigmatischer Fall w&auml;re hier etwa eine &Ouml;kosteuer auf umweltbelastende G&uuml;ter. Aber auch andere umweltpolitische Ma&szlig;nahmen k&ouml;nnen vergleichbare Wirkungen zeitigen. Man kommt der hier angelegten Gerechtigkeitsproblematik auf die Spur, wenn man im Kontext solcher Umweltpolitiken der Frage nach dem &#8222;Was&#8220; der Verteilung auf den Grund geht.</p>
<p>&nbsp;Geht man dieser Frage genauer nach, wird man feststellen, dass eine in dieser Weise ansetzende Umweltpolitik eine spezifische Verteilung der Beitr&auml;ge vornimmt, die den B&uuml;rgern abverlangt werden. Um welche Art von Beitr&auml;gen handelt es sich hier? Konfrontiert mit gesteigerten Kosten auf M&auml;rkten als Folge einer solchen Ma&szlig;nahme, bewegen sich die Handlungsalternativen der B&uuml;rger entlang eines Kontinuums zwischen zwei Polen, namentlich der Leistung h&ouml;herer Zahlungen f&uuml;r die Kontinuierung einer gewohnten Lebenspraxis mit einer bestimmten Umweltintensit&auml;t auf der einen Seite und der Anpassung jener Lebenspraxis an ein niedrigeres Niveau des Umweltverbrauchs auf der anderen. In welche Richtung optiert wird, h&auml;ngt dann von der Zahlungsf&auml;higkeit und Zahlungsbereitschaft ab. Bei gegebener Zahlungsf&auml;higkeit und Zahlungsbereitschaft besteht die M&ouml;glichkeit, die gewohnte Lebenspraxis gegen Mehrzahlung fortzusetzen, ohne dass damit notwendigerweise auch ein realer Beitrag zum Umweltschutz einhergeht. Im Falle mangelnder Zahlungsf&auml;higkeit beziehungsweise Zahlungsbereitschaft sieht sich der Akteur gen&ouml;tigt, die entsprechende Anpassung der Lebenspraxis zu vollziehen, womit er zwangsl&auml;ufig einen manifesten Beitrag zur Sicherung des &ouml;ffentlichen Gutes Umwelt leistet. Im Ergebnis verlangt die Politik den B&uuml;rgern nicht nur unterschiedliche, sondern qualitativ ungleichartige Beitr&auml;ge zur Herstellung bzw. Sicherung des &ouml;ffentlichen Gutes Umwelt ab: die Einen zahlen, ohne dass sie notwendig zur Sicherung des &ouml;ffentlichen Gutes beitragen; die Anderen reorganisieren ihre Lebenspraxis und leisten damit einen ebensolchen Beitrag.</p>
<p>Wo liegt nun das Problem? Die Gerechtigkeitsproblematik entspringt hier zwei Umst&auml;nden:</p>
<p>1) Der autonome Entscheidungsspielraum h&auml;ngt in diesem Zusammenhang von der Zahlungsf&auml;higkeit ab. Damit wird marktvermittelte Ungleichheit (in Form unterschiedlicher Zahlungsf&auml;higkeit) an einem Punkt wirksam, an dem die B&uuml;rger aufgrund ihres Status als B&uuml;rger legitime Anspr&uuml;che auf Geltung des Gleichheitsprinzips erheben k&ouml;nnen. Im Zuge von Umweltpolitik sind die Gesellschaftsmitglieder eben nicht nur als Marktteilnehmer adressiert &#8211; ein Kontext, in dem die Organisation des gesellschaftlichen Verkehrs nach Prinzipien von Leistungsgerechtigkeit weitgehend Anerkennung findet -, sondern zugleich in ihrem Status als B&uuml;rger. Soweit sich die Gesellschaftsmitglieder aber als B&uuml;rger begegnen, unterliegt der gesellschaftliche Verkehr jedoch Prinzipien der Gleichheit. Diese Zweideutigkeit r&uuml;hrt daher, dass die Akteure am Markt preisf&ouml;rmig mit Umweltschutzanforderungen konfrontiert werden, diese aber ihren Ursprung in politischen Entscheidungen zur Sicherung von Umweltqualit&auml;t als einem &ouml;ffentlichen Gut haben.<br />Die Bereitstellung &ouml;ffentlicher G&uuml;ter f&auml;llt bekanntlich deshalb in den Zust&auml;ndigkeitsbereich kollektiv verbindlichen Handelns, weil sie zwar im gemeinsamen Interesse der B&uuml;rger liegt, aber aus strukturellen Gr&uuml;nden weder durch den Einzelnen noch in der Einstellung individuell nutzenorientierten Handelns unmittelbar gesichert werden k&ouml;nnen. M&auml;rkte weisen hier Defizite auf, weshalb diesem Sachverhalt gegebenenfalls im Zuge kollektiver Willensbildung und kollektiv verbindlichem Entscheidens abgeholfen werden muss. Im Falle von Umweltschutz geht es entsprechend darum, die B&uuml;rger durch kollektiv verbindliche Regelungen auf gemeinwohlorientiertes Handeln zu verpflichten oder n&ouml;tigenfalls an ihrer statt zu handeln. Der Tatbestand, dass den B&uuml;rgern ungleiche und vor allem auch ungleichartige Lasten bei der Sicherung des Gemeinwohls zugemutet werden, kann von dieser Warte aus als eine Verletzung von mit dem B&uuml;rgerstatus verbundenen normativen Geltungsanspr&uuml;chen begriffen werden.<br />2) Was an dieser Form der Ungleichbehandlung schwer wiegt &#8211; und dies ist der zweite f&uuml;r die Gerechtigkeitsproblematik relevante Umstand -, wird deutlich, wenn man sich die Bedeutung des Konsums in der modernen Gesellschaft vergegenw&auml;rtigt. Zum einen verk&ouml;rpert Konsum ein Moment der sozialen Teilhabe an einer verallgemeinerten Lebensweise, historisch eingebettet in einen Prozess fortschreitender sozialer Inklusion im Zuge der Verallgemeinerung des B&uuml;rgerstatus (Marshall 1992, zur Bedeutung des Konsums in diesem Zusammenhang siehe K&ouml;nig 2000, Siegrist/ Kaelble/ Kocka 1997, Polster 1993). Von dieser Warte aus kann der Zugang zum &#8222;Material&#8220; einer verallgemeinerten Lebensweise als eine Bedingung und zugleich ein Ausdruck sozialer Integration im Status vollwertiger Mitgliedschaft begriffen werden. Zum anderen spielen Konsumg&uuml;ter eine wichtige Rolle im Kontext der gesellschaftlichen Anforderungen an die Gestaltung eines eigenen Lebensentwurfs im Zuge von Individualisierung. Konsumg&uuml;ter, seien es Artefakte oder Dienstleistungen, sind wichtige Mittel der spezifischen Ausgestaltung einer Lebenspraxis; auch als Tr&auml;ger sozialen Sinns auf der Ebene der einer Lebenspraxis innewohnenden Sinnkonstruktionen sind sie eng mit dieser Praxis verwoben. Insofern kommt ihnen sowohl in instrumenteller als auch symbolischer Hinsicht als Mittel der Konstruktion und Kommunikation sozialer und individueller ldentit&auml;ten eine bedeutsame Rolle zu.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund k&ouml;nnen wir nun die potentielle Gerechtigkeitsproblematik einer Umweltpolitik, die &uuml;ber die Steigerung der Kosten von Lebenspraxen den B&uuml;rgern qualitativ ungleichartige Beitr&auml;ge zum Schutz der Umwelt abverlangt, genauer ins Visier nehmen. Mit der Steigerung der Kosten umweltbelastender Praktiken greift die Politik in die Lebenspraxis ein mit dem Ziel, hier Prozesse &ouml;kologischer Rationalisierung zu induzieren. Der Tatbestand an sich mag Interessenskonflikte provozieren, wirft aber nicht zwangsl&auml;ufig auch Gerechtigkeitsprobleme auf. Das hier zu konstatierende Gerechtigkeitsproblem entspringt vielmehr dem Umstand, dass die politikinduzierte &#8222;Obstruktion&#8220; der Lebenspraxis <i>selektiv </i>zum Tragen kommt. Dabei ist das wirksame Selektionsprinzip nicht etwa der Grad der Beeintr&auml;chtigung des Gemeinwohls durch umweltbelastendes Handeln &#8211; also die Sch&auml;digung anderer gesellschaftlich wertvoller G&uuml;ter, die es zu sch&uuml;tzen gilt -, sondern die Zahlungsf&auml;higkeit; umweltbeeintr&auml;chtigende Praktiken werden eben nur dort mit einem hohen Grad von Unausweichlichkeit obstruiert, wo es an Zahlungsf&auml;higkeit zu ihrer Kontinuierung mangelt.</p>
<p>In dieser spezifischen Selektivit&auml;t einer umweltpolitikbedingten Verteuerung der Lebenspraxis liegt ein Moment der sozialen Missachtung, welches schlie&szlig;lich den Kern des Gerechtigkeitsproblems konstituiert.(5) Soziale Missachtung in zweifacher Hinsicht: Zum einen ist in der selektiven Restriktion des Zugangs zu Konsumg&uuml;tern die Drohung der Verweigerung von Teilhabe an einer verallgemeinerten Lebensweise und damit ein Potential der sozialen Ausgrenzung angelegt. Zum anderen werden, soweit hierbei Mittel zur Realisierung einer subjektiv sinnbesetzten individuellen Lebenspraxis verwehrt werden, legitime Erwartungen der gleichwertigen Anerkennung individueller Identit&auml;tsanspr&uuml;che verletzt. In beiden F&auml;llen haben wir es &#8211; insoweit sich diese Potentialit&auml;t materialisiert &#8211; mit einer Verletzung von Geltungsanspr&uuml;chen zu tun, die unter den gegebenen Bedingungen moderner Gesellschaft f&uuml;r die vollwertige Mitgliedschaft im Status des B&uuml;rgers konstitutiv sind.(6) Solche Verletzungen k&ouml;nnen vor der Folie der normativen Grundlagen dieser Gesellschaften mit Aussicht auf Erfolg als Ungerechtigkeit beklagt werden und bergen entsprechende Risiken f&uuml;r die politische Legitimation von Umweltpolitik in sich.</p>
<h2 class="auto-created">Was folgt f&uuml;r die Umwelt&shy;po&shy;li&shy;tik?</h2>
<p>Nun kann die Schlussfolgerung aus dieser Analyse der potentiellen Gerechtigkeitsprobleme einer in besagter Weise ansetzenden Umweltpolitik kaum die sein, auf umweltpolitische Ma&szlig;nahmen dieses Typs zu verzichten. Sofern man an der Pr&auml;misse der Notwendigkeit von Umweltpolitik im Allgemeinen sowie der Bef&ouml;rderung der &ouml;kologischen Rationalisierung von Lebenspraxen im Besonderen festhalten will, wird man kaum umhin kommen, umweltbeanspruchendes Handeln mit den sozialen Kosten der Umweltnutzung zu konfrontieren &#8211; und dies auch auf der Ebene des Alltagshandelns. Eine effektive Umweltpolitik unter den Bedingungen einer modernen Gesellschaft wird insbesondere nicht auf die offenkundigen Vorteile verzichten k&ouml;nnen, dies auch vermittels des &ouml;konomischen Preismechanismus zu tun. Es ist vielmehr die Frage zu stellen, wie Umweltpolitiken, die lebensweltlich verankerte Umweltprobleme zu adressieren trachten, der Stachel sozialer Gerechtigkeitsdefizite zu ziehen ist?</p>
<p>Auf der allgemeinsten Ebene scheint mir die zentrale Anforderung an eine aussichtsreiche Strategie die einer spezifischen Entkoppelung der Sachdimension von Umweltpolitik von ihrer Sozialdimension zu sein. Das hei&szlig;t im vorliegenden Zusammenhang die Trennung von Fragen der auf den Schutz der Umwelt zielenden Probleml&ouml;sung von den Gerechtigkeitsfragen aufwerfenden Verteilungswirkungen solcher L&ouml;sungen. Dieser Ansatz der Vermeidung bzw. &Uuml;berwindung Umweltpolitik blockierender Konfliktkonstellationen ist nicht neu; Vorschl&auml;ge, die in diese Richtung zielen, weisen auf die Notwendigkeit hin, m&ouml;gliche Verteilungsfolgen von Umweltpolitik sozialpolitisch abzufedern, um so umweltpolitische Handlungsspielr&auml;ume zu er&ouml;ffnen (Decker 1994: 31 f., Nissen 1993, 1994). So empfiehlt Frank Decker (1994: 32), im Falle von Steuer- und Abgabenl&ouml;sungen &#8222;ihre Gestaltung auf der Einnahmen- und Ausgabenseite jeweils unterschiedlichen Zielvorstellungen zu unterwerfen&#8220;; die Erhebung von Steuern und Abgaben sei demnach strikt am umweltpolitischen Verursacherprinzip zu orientieren, w&auml;hrend auf der Verwendungsseite das erzielte Steueraufkommen dazu dienen solle, &#8222;unbillige soziale H&auml;rten einer Abgabenbelastung aufzufangen und auszugleichen (durch Transferzahlung u. &auml;.)&#8220;. Im hier interessierenden Zusammenhang ginge es entsprechend darum, Instrumente zu konzipieren, die es erlauben, die umweltpolitische Zielstellung &#8211; auch vermittels der Steigerung der Kosten umweltbelastender Praxis &#8211; zu verfolgen, ohne dass sich eine durch die Umweltpolitik verursachte systematische Ungleichverteilung der Lasten des Umweltschutzes in Abh&auml;ngigkeit von Zahlungsf&auml;higkeit einstellte.(7)</p>
<p>Dahingehende &Uuml;berlegungen lassen allerdings h&auml;ufig einen anderen bedeutsamen Gesichtspunkt au&szlig;er Acht. Die tats&auml;chlichen Chancen, mit einer in dieser Weise ansetzenden Politik gerechtigkeitsbedingte Legitimationsdefizite einzuhegen, werden meines Erachtens nicht allein von mutma&szlig;lich objektivierbaren Verteilungswirkungen abh&auml;ngen, sondern zudem ma&szlig;geblich vom spezifischen Politikdesign. Denn es muss der Politik ja nicht nur gelingen, durch geeignete Mechanismen gerechtigkeitspolitisch problematische Folgen der Umweltpolitik zu kontrollieren, sie muss es auch in einer Weise tun, in der es f&uuml;r die betroffenen B&uuml;rger <i>ersichtlich</i> ist, dass sie es tut. Soziale Gerechtigkeit &#8211; oder eine Verletzung derselben &#8211; ist ja nicht ein irgendwie offensichtlicher objektiver Tatbestand, sondern ein Zustand, dessen Ermittlung einem in sozialen Kommunikationszusammenh&auml;ngen zu vollziehenden normativen Evaluationsprozess unterliegt. Es gen&uuml;gt eben nicht, &#8222;unbillige soziale H&auml;rten einer Abgabenbelastung aufzufangen und auszugleichen&#8220;, wie es Decker empfiehlt, es kommt ebenso darauf an, dies in einer f&uuml;r die politische Vermittlung geeigneten Form tun.</p>
<p>Hier lag sicherlich eines der Probleme der von der rot-gr&uuml;nen Bundesregierung durchgesetzten und in der bundesrepublikanischen Bev&ouml;lkerung so wenig geliebten &ouml;kologischen Steuerreform. W&auml;hrend sie von der konzeptionellen Grundidee her dem hier vorgeschlagenen Ansatz der Entkoppelung der umweltpolitischen Probleml&ouml;sung von ihren sozialen Verteilungswirkungen in gewissem Grade nachkam &#8211; und ihr dabei konzeptionelle Eleganz in der Verkn&uuml;pfung von &Ouml;konomie und &Ouml;kologie bescheinigt werden muss -, litt ihre &Uuml;berzeugungskraft unter dem, was ich andernorts als ein Komplexit&auml;tsproblem bezeichnet habe (zu den Details der Analyse vgl. Elkins 2005: 252-256). In der Politikkonzeption wurden vielf&auml;ltige Faktoren miteinander verwoben, die in diesem Rahmen selbst nicht kontrollierbar sind, welche aber die Politik in ihrer Wirksamkeit und Nachvollziehbarkeit beeintr&auml;chtigen k&ouml;nnen. W&auml;hrend der Preis an der Zapfs&auml;ule merkliche Realit&auml;t darstellt, verbleibt der konzeptionelle Rest (Senkung von Sozialversicherungsbeitr&auml;gen und Lohnnebenkosten, Verbilligung des Faktors Arbeit, Zuwachs an Arbeitspl&auml;tzen etc.) im nebul&ouml;sen Bereich von schwer durchschaubaren Zusammenh&auml;ngen und Spekulationen.</p>
<p>Ein Konzept, wie es unter dem Stichwort &#8222;&Ouml;ko-Bonus&#8220; diskutiert wird, scheint demgegen&uuml;ber weitaus vielversprechender: Eine Steuer, etwa auf Energieverbrauch, wird erhoben. Die Steuereinnahmen werden am Ende einer Rechnungsperiode auf Pro-Kopf-Basis wieder an die B&uuml;rger ausbezahlt. Wer viel verbraucht, zahlt viel. Wer aufgrund eines kleinen Einkommens wenig verbraucht (kleines oder gar kein Auto, kleine Wohnung mit geringeren Heizkosten etc.) bekommt relativ gesehen viel zur&uuml;ckerstattet &#8211; und wer weniger verbraucht als der Durchschnitt, bekommt gar mehr zur&uuml;ck als urspr&uuml;nglich steuerlich aufgewendet.<br />Mit Blick auf das hier herausgearbeitete immanente Gerechtigkeitsproblem einer die Kostenstruktur von Lebenspraxen tangierenden Umweltpolitik weist dieser Ansatz einen entscheidenden Vorteil auf: Der autonome Entscheidungsspielraum hinsichtlich der Frage, inwieweit man auf umweltpolitikbedingte Steigerungen der Kosten f&uuml;r umweltbeanspruchende Alltagspraktiken mit der Reorganisation der eigenen Lebenspraxis reagieren will, wird im Falle der weniger zahlungskr&auml;ftigen Bev&ouml;lkerungsteile nicht <i>durch Umweltpolitik selektiv</i> beschnitten. Der Ansatz ist in dieser Hinsicht nicht nur &#8222;gerechtigkeitsneutral&#8220;, er dokumentiert zudem diesen Sachverhalt auch in f&uuml;r die Politikadressaten leicht nachvollziehbarer Form. Jedenfalls ist zu vermuten, dass es nur schwer gel&auml;nge, diesen Ansatz in der &ouml;ffentlichen Auseinandersetzung mit Verweis auf verteilungsbedingte Gerechtigkeitsdefizite wirksam zu diskreditieren.<br />Der hier angerissene Punkt des konstruktiven Designs verweist im &Uuml;brigen auf eine &uuml;ber die hier diskutierte Gerechtigkeitsproblematik hinausweisende Dimension von Politik, die mit Blick auf ihre Wirksamkeit nicht untersch&auml;tzt werden sollte und oftmals zu wenig Beachtung findet. In der Anlage und Operationsweise jeder Politik findet symbolische Kommunikation mit dem politischen Publikum statt, es wird dem B&uuml;rger etwas mitgeteilt &#8211; es ist hier immer auch ein latenter Sinnhorizont angelegt, der &uuml;ber den unmittelbaren instrumentellen Zweck der jeweiligen Regelungen hinausweist. In einer Politik ist zum Beispiel eine bestimmte Lesart des zu behandelnden Problems impliziert, es werden Akteure in einer bestimmten Weise zueinander positioniert, es sind Verantwortlichkeits- und Statuszuweisungen angelegt, es werden normative Geltungsanpr&uuml;che erhoben usw. Auch im Grad der Transparenz einer Politik werden &#8211; wie gesagt &#8211; Sinngehalte transportiert; es macht einen Unterschied, ob der normative Anspruch einer Politik, &#8222;sozialer Gerechtigkeit&#8220; gen&uuml;ge zu tun, einer Pr&uuml;fung leicht zug&auml;nglich ist oder nicht. Man kann hier in einem gegen&uuml;ber der &uuml;blichen Verwendung abweichenden Sinn von &#8222;symbolischer Politik&#8220; sprechen.(8) Dieses in Rechnung zu stellen, ist eine Bedingung der Konzeption erfolgreicher (Umwelt-)Politik.<br />Ich hoffe, an dem gew&auml;hlten Ausschnitt von Umweltpolitik erfolgreich aufgezeigt zu haben, dass eine sorgf&auml;ltige Analyse der Gerechtigkeitsimplikationen von Umweltpolitik nicht nur eine akademisch interessante &Uuml;bung darstellt, sondern man auch praktisch relevante Hinweise f&uuml;r die konzeptionelle Verbesserung von Umweltpolitik erwarten kann. Solche Analysen legen die Grundlage, um der in der Formel der nachhaltigen Entwicklung angelegten Aufforderung, Probleme im Zusammenhang zu denken, nachkommen zu k&ouml;nnen. Die Feststellung Dobsons, dass nur auf der Grundlage empirischer Forschung entschieden werden kann, inwieweit Umweltvertr&auml;glichkeit und soziale Gerechtigkeit kompatible Zielstellungen sind, kann erg&auml;nzt werden. Solche Forschung kann nicht nur Spannungen aufdecken, sie kann zugleich Hinweise daf&uuml;r liefern, wie diese Zielstellungen in ein mutma&szlig;lich praktikables Passungsverh&auml;ltnis gebracht werden k&ouml;nnen.</p>
<p>Nimmt man diese Zielstellung ernst, kann es freilich nicht allein um Details einzelner Politiken gehen. Im Lichte der Auseinandersetzungen um die zuk&uuml;nftige Ausgestaltung der institutionellen Arrangements des Sozialstaats, gilt es auch &uuml;ber die Funktionalit&auml;t sozialer Sicherung f&uuml;r Umweltpolitik und in diesem Kontext &uuml;ber den Zusammenhang zwischen Sozialstaat und der gesellschaftlichen Kapazit&auml;t f&uuml;r Umweltschutz erneut nachzudenken. Auch auf diesem Terrain wird letztlich &uuml;ber die Umweltpolitik der Zukunft mitentschieden. Aber das ist ein neues Thema.</p>
<ol>
<li>F&uuml;r eine &Uuml;bersicht der Entwicklung des &ouml;kologischen Diskurses in der Bundesrepublik in seinen verschiedenen Phasen bis Mitte der neunziger Jahre siehe Brand 1993, 1995 und Brand/ Eder/ Poferl 1997.</li>
<li>Siehe bspw. Bolte/Mielck 2004, Elvers 2005, 2007. F&uuml;r eine &Uuml;bersicht der deutschen Diskussion siehe Schl&uuml;ns 2007. Als weitere Anzeichen f&uuml;r dieses verst&auml;rkte Interesse seien angef&uuml;hrt, dass das Umweltbundesamt zwischenzeitlich drei Sondierungsstudien in diesem Feld in Auftrag gegeben hat (Wilke/ Liedtke et al. 2006, Wilke/ Lucas! Krause 2006, Wilke/ Schl&uuml;ns/ Kopatz 2006) und Fragen zum Zusammenhang von Umweltschutz und Gerechtigkeit seit 2002 Eingang in die regelm&auml;&szlig;ig vom Bundesministerium f&uuml;r Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit beauftragten Untersuchungen zu Umweltbewusstsein in Deutschland gefunden haben (BMU 2002, 2004, 2006). Die Ad-hoc Gruppe &#8222;Umweltgerechtigkeit und die Natur der Gesellschaft &#8211; soziologische und epidemiologische Ergebnisse und Erkl&auml;rungen&#8220; auf dem 33. Kongress der Deutschen Gesellschaft f&uuml;r Soziologie im Oktober 2006 in Kassel mag als zus&auml;tzliches Indiz daf&uuml;r gelten, dass die Thematik auch in den deutschen Sozialwissenschaften angekommen ist.</li>
<li>Ein Verbot des Einsatzes bestimmter Biozide in Anstrichfarben f&uuml;r Schiffsr&uuml;mpfe -um ein willk&uuml;rliches Beispiel herauszugreifen &#8211; wird kaum weitreichende Gerechtigkeitsfragen aufwerfen, eine &Ouml;ko-Steuer auf Energie und Treibstoffe, wie wir sehen werden, schon.</li>
<li>Anderenorts wurden diese Zusammenh&auml;nge detailliert er&ouml;rtert (siehe Elkins 2005: 232-234, auch Elkins 1996 und 2000).</li>
<li>F&uuml;r eine grunds&auml;tzliche Diskussion von sozialer Gerechtigkeit als Problem sozialer Anerkennung vgl. Honneth 2003 und 1992.</li>
<li>Eine detaillierte Explikation und Diskussion dieser Geltungsanspr&uuml;che finden sich bei Marshall 1992, Honneth 2003 und Miller 1999.</li>
<li>F&uuml;r eine Diskussion der Verteilungsfolgen, die unterschiedliche mit &ouml;konomischen Instrumenten operierende Umweltpolitikans&auml;tze f&uuml;r einkommensschwache Gruppen mit sich bringen vgl. Tindale/ Hewitt 1999.</li>
<li>F&uuml;r die Diskussion eines erweiterten Begriffs der &#8222;symbolischen Politik&#8220; am Beispiel der Umweltpolitik vgl. von Prittwitz 2000.</li>
</ol>
<h2 class="auto-created">Literatur</h2>
<p><b><br /></b><i>BMU &#8211; Bundesministerium f&uuml;r Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (Hrsg.) </i>(2002): Umweltbewusstsein in Deutschland 2002. Ergebnisse einer repr&auml;sentativen Bev&ouml;lkerungsumfrage. <a href="http://www.umweltbewusstsein.de/ub/" target="_blank" rel="noopener">http://www.umweltbewusstsein.de/ub/</a> (Zugriff 03.09.2007)<br /><i>BMCJ- Bundesministerium f&uuml;r Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (Hrsg.)</i> (20042): Umweltbewusstsein in Deutschland 2004. Ergebnisse einer repr&auml;sentativen Bev&ouml;lkerungsumfrage. <a href="http://www.umweltbewusstsein.de/ub/" target="_blank" rel="noopener">http://www.umweltbewusstsein.de/ub/</a> (Zugriff 03.09.2007)<br /><i>BMU &#8211; Bundesministerium f&uuml;r Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (Hrsg.)</i> (2006): Umweltbewusstsein in Deutschland 2006. Ergebnisse einer repr&auml;sentativen Bev&ouml;lkerungsumfrage. <a href="http://www.umweltbewusstsein.de/ub/" target="_blank" rel="noopener">http://www.umweltbewusstsein.de/ub/</a> (Zugriff 03.09.2007)<br /><i>Bolte, Gabriele/ Andreas Mielck (Hg.) </i>(2004): Umweltgerechtigkeit. Die soziale Verteilung von Umweltbelastungen, Weinheim, M&uuml;nchen: Juventus.&nbsp;&#8222;<br /><i>Brand, Karl-Werner </i>(1993): Strukturver&auml;nderungen des Umweltdiskurses in Deutschland. In: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen 1/93: 16-24.<br /><i>Brand, Karl-Werner </i>(1995): Der &ouml;kologische Diskurs. Wer bestimmt Themen, Formen und Entwicklung der &ouml;ffentlichen Umweltdebatte? In: <i>Haan, G. de </i>(Hrsg.): Umweltbewu&szlig;tsein und Massenmedien. Perspektiven &ouml;kologischer Kommunikation. Berlin: Akademie-Verlag: 47-62.<br /><i>Brand, Karl-Werner/ Eder, Klaus/ Poferl, Angelika </i>(1997): &Ouml;kologische Kommunikation in Deutschland. Opladen: Westdeutscher Verlag.<br /><i>Brand, Karl-Werner/Jochum, Georg </i>(2000): Der deutsche Diskurs zu nachhaltiger Entwicklung, MPSTexte 1/2000. M&uuml;nchen.<br /><i>Decker, Frank </i>(1994): &Ouml;kologie und Verteilung. Eine Analyse der sozialen Folgen des Umweltschutzes. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 49/94: 22-32.<br /><i>Dobson, Andrew </i>(1998): Justice and the Environment. Conceptions of Environmental Sustainability and Theories of Distributive Justice. Oxford: Oxford University Press.<br /><i>Elkins, Stephan </i>(1996): Kulturelle. Rationalit&auml;t als Restriktion &ouml;kologischer Verkehrspolitik in den Kommunen: &Uuml;berlegungen zu einer vernachl&auml;ssigten Problemdimension. In: Sigrun Kabisch (Hg.): Umweltverhalten und Lebensqualit&auml;t in urbanen R&auml;umen, UFZ-Bericht Nr. 19/1996, Leipzig: 144-155.<br /><i>Elkins, Stephan </i>(2000): Limits of Technocratic Politics in Environmental Policy. 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Kongress der Deutschen Gesellschaft f&uuml;r Soziologie in Kassel: Frankfurt/ New York: Campus.<br /><i>Elvers, Horst-Dietrich </i>(2005): Umweltgerechtigkeit (Environmental Justice). Integratives Paradigma<br />der Gesundheits- und Sozialwissenschaften? UFZ-Diskussionspapiere 14/2005, Leipzig.<br /><i>Elvers, Horst-Dietrich </i>(2007): Umweltgerechtigkeit als Forschungsparadigma der Soziologie. In:<br />Soziologie, 36. Jg., Heft 1: 21-44.<br /><i>Elvers, Horst-Dietrich/ Gross, Matthias/ Heinrichs, Harald</i> (2007): The Diversity of Environmental Justice: Towards a European Approach. Unver&ouml;ffentlichtes Manuskript.<br /><i>Honneth, Axel </i>(1992): Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte, Frankfurt a.M.: Suhrkamp (Erweiterte Ausgabe 2003).<br /><i>Honneth, Axel </i>(2003): Umverteilung als Anerkennung. Eine Erwiderung auf Nancy Fraser. In: <i>Nancy Fraser/ Axel Honneth </i>(2003), Umverteilung oder Anerkennung? Eine politisch-philosophische Kontroverse, Frankfurt a.M.: Suhrkamp: 129-224.<br /><i>K&ouml;nig, Wolfgang</i> (2000): Geschichte der Konsumgesellschaft. Stuttgart: Franz Steiner Verlag. Marshall, Thomas H. (1992): B&uuml;rgerrechte und soziale Klassen. Zur Soziologie des Wohlfahrtsstaates. Frankfurt a.M., New York: Campus.<br /><i>Marshall, Thomas H./Bottomore, Tom </i>(1992): Citizenship and Social Class, London/ Concord, MA. Miller, David (1999): Principles of Social Justice, Cambridge, MA/ London.<br /><i>Montada, Leo </i>(1999): Umwelt und Gerechtigkeit. In: <i>Linneweber, Volker/ Kals, Elisabeth</i> (Hrsg.): Umweltgerechtes Handeln. Barrieren und Br&uuml;cken. Berlin u.a.: Springer: 71-93.<br /><i>Nissen, Sylke </i>(1993): Umweltpolitik in der Besch&auml;ftigungsfalle. Marburg: Metropolis.<br /><i>Nissen, Sylke </i>(1994): Arbeitsplatzangst und politischer Immobilismus. Soziale Sicherheit und politische<br />Partizipation als Voraussetzungen staatlicher Handlungsf&auml;higkeit. In: Zeitschrift f&uuml;r Sozialreform,<br />Heft 12: 781-796.<br /><i>Polster, Werner</i> (1993: Wandlungen der Lebensweise im Spiegel der Konsumentenentwicklung &#8211; Vom Dienstleistungskonsum zum demokratischen Warenkonsum. In:<i> Klaus Voy/ Werner Polster/ Claus Thomasberger</i> (Hg.), Gesellschaftliche Transformationsprozesse und materielle Lebensweise. Beitr&auml;ge zur Wirtschafts- und Gesellschaftsgeschichte der BRD (1949-1989), Band 2, Marburg: Metropolis (1. Auflage 1991): 215-291.<br /><i>Prittwitz, Volker von</i> (2000): Symbolische Politik &#8211; Erscheinungsformen und Funktionen am Beispiel der Umweltpolitik. In: <i>Hansj&uuml;rgens, Bernd/ L&uuml;bbe-Wolff, Gertrude</i> (Hrsg.): Symbolische Umweltpolitik.</p>
<p>Frankfurt/ a.M.: Suhrkamp: 259 -276.<br /><i>Schl&uuml;ns, Julia </i>(2007): Umweltbezogene Gerechtigkeit in Deutschland. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 24/2007: 25-31.<br /><i>Siegrist, Hannes/ Hartmut Kaelble/ J&uuml;rgen Kocka </i>(Hg.) (1997): Europ&auml;ische Konsumgeschichte. Zur gesellschaftlichen Kulturgeschichte des Konsums (18. bis 20. Jahrhundert). Frankfurt a.M./ New York: Campus.<br /><i>Tindale, Stephen/ Hewitt, Chris</i> (1999): Must the Poor Pay More? Sustainable Development, Social Justice, and Environmental Taxation. <i>Dobson, Andrew</i> (ed.): Fairness and Futurity. Essays on Sustainability and Justice. Oxford: Oxford University Press: 233-248.<br /><i>Wilke, Georg/ Liedtke, Christa/ Lubjuhn, Sarah/ Schmitt, Martina/ Scherhorn, Gerhard </i>(2006): Teilstudie: Potenziale f&uuml;r ein Konzept &Ouml;kologischer Gerechtigkeit in ausgew&auml;hlten Sozial-, Umwelt und Nachhaltigkeits- Berichtssystemen. Forschungsprojekt im Auftrag des Umweltbundesamts. <a href="http://www.umweltbundesamt.de/umweltbewusstsein/oekologische-gerechtigkeit.htm" target="_blank" rel="noopener">http://www.umweltbundesamt.de/umweltbewusstsein/oekologische-gerechtigkeit.htm</a> (Zugriff 03. 09. 2007).<br /><i>Wilke, Georg/ Lucas, Rainer/ Krause, Melanie</i> (2006): Teilstudie: Schnittmengen zwischen den Themen Umwelt, Gerechtigkeit und Wohlfahrt im wissenschaftlichen Nachhaltigkeits- sowie Sozialstaatsdiskurs. Forschungsprojekt im Auftrag des Umweltbundesamts. <a href="http://www.umweltbundesamt.de/umweltbewusstsein/oekologische-gerechtigkeit.htm" target="_blank" rel="noopener">http://www.umweltbundesamt.de/umweltbewusstsein/oekologische-gerechtigkeit.htm</a> (Zugriff 03.09.2007).<br /><i>Wilke, Georg/ Schl&uuml;ns, Julia/ Kopatz, Michael</i> (2006): Teilstudie: Schnittstellen zwischen den Themen Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Wohlfahrt aus der Sicht umweltpolitisch relevanter Akteure. Forschungsprojekt im Auftrag des Umweltbundesamts. <a href="http://www.umweltbundesamt.de/" target="_blank" rel="noopener">http://www.umweltbundesamt.de</a> /umweltbewusstsein/oekologische-gerechtigkeit.htm (Zugriff 03.09.2007).</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/179-vorgaenge/publikation/umweltschutz-und-soziale-gerechtigkeit/">Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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