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	<title>Tobias Bevc Archive - Humanistische Union</title>
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		<title>Internet-Öffentlichkeit zwischen normativen Erwartugen und realen Fallstricken</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Dec 2012 20:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[vorgänge: Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>aus: Vorg&#228;nge Nr.200 ( Heft 4/2012), S.4-14 Vorbemerkungen Ob die Rede von den Revolutionen im arabischen Raum, Stuttgart 21, den Piraten oder lediglich von der Macht der Konsumenten ist, stets wird mit Verweis auf &#8222;das Internet&#8221;[1] darauf aufmerksam gemacht, dass dank der neuen Kommunikationstechnologien und der durch sie bedingten umfassenden &#214;ffentlichkeit neue M&#246;glichkeiten der politischen [weiterlesen]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/200-vorgaenge/publikation/internet-oeffentlichkeit-zwischen-normativen-erwartugen-und-realen-fallstricken/">Internet-Öffentlichkeit zwischen normativen Erwartugen und realen Fallstricken</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>aus: Vorg&auml;nge Nr.200 ( Heft 4/2012), S.4-14</p>
<h5>Vorbemerkungen</h5>
<p>Ob die Rede von den Revolutionen im arabischen Raum, Stuttgart 21, den Piraten oder lediglich von der Macht der Konsumenten ist, stets wird mit Verweis auf &#8222;das Internet&#8221;[1] darauf aufmerksam gemacht, dass dank der neuen Kommunikationstechnologien und der durch sie bedingten umfassenden &Ouml;ffentlichkeit neue M&ouml;glichkeiten der politischen Partizipation sowohl unsere parlamentarische Demokratie unaufhaltsam ver&auml;ndern werden, wie auch diesem Systems weltweit zum Sieg verhelfen werden. Autorit&auml;re Herrschaft ist demnach keine g&uuml;ltige Option mehr und der umfassenden Demokratisierung des Planeten steht folglich nichts mehr im Wege. Ganz im Sinne Immanuel Kants wird hier erhofft, dass die &Ouml;ffentlichkeit zweierlei bewirkt: 1. Dass nun jeder endlich den Mut haben wird, seinen eigenen Verstand zu benutzen und 2., dass auf lange Sicht auch autorit&auml;re Staaten sich dem nicht werden widersetzen k&ouml;nnen. Sollten beide F&auml;lle eintreten, so steht einer Emanzipierung der Menschen und somit einer Demokratisierung des Planeten nichts mehr im Wege (Kant 1977a; 1977b).[2]</p>
<p>Diese Demokratisierung sei die konsequente Folge einer authentischen, inklusiven und demokratischen &Ouml;ffentlichkeit. Diese Hoffnungen an ein &#8222;neues&#8221; Medium hatten schon andere vor unserer Zeit. Am prominentesten sind da Walter Benjamin und Bertolt Brecht, die beide die neuen Medien in genau der Rolle sahen, wie heute das &#8222;Internet&#8221; und die mit ihm verbundene &Ouml;ffentlichkeit h&auml;ufig gesehen wird: Als Medium der Emanzipation der Massen und folglich der Demokratisierung der Gesellschaft (Benjamin 1992a; 1992b; Brecht 1967).</p>
<p>Jeremy Bentham hat aus utilitaristischer Perspektive der &Ouml;ffentlichkeit und ihrer Funktion als Garant der Aufrechterhaltung der repr&auml;sentativen Demokratie gehuldigt (Bentham 1995a; Hofmann 2002). &Ouml;ffentlichkeit hat bei Bentham eine sechsfache Funktion, die noch heute einleuchtend und aktuell ist: &#8222;1. &Ouml;ffentlichkeit erzwingt von den Parlamentariern die Erf&uuml;llung ihrer Pflicht; 2. Sie mobilisiert das Vertrauen und die Akzeptanz der B&uuml;rger f&uuml;r die Politik der Regierung; 3. Sie erm&ouml;glicht die Artikulation der W&uuml;nsche der Regierten; 4. Sie ist die Voraussetzung jedes sinnvollen Wahlaktes Tobias Bevc: Internet&ouml;ffentlichkeit zwischen normativen Erwartungen und realen Fallstricken 5 durch die Bev&ouml;lkerung; 5. Sie mobilisiert das Wissen der Gesellschaft f&uuml;r die Politik; 6. Sie ist am&uuml;sant.&#8221; (Hofmann 2002: 279, vgl. Bentham 1995a: 310-312)</p>
<p>Diese Konzeption von &Ouml;ffentlichkeit verdeutlicht Funktion und Aufgabe der &Ouml;ffentlichkeit und unterstreicht ihre Notwendigkeit in liberalen, repr&auml;sentativen Demokratien, auch wenn Bentham die M&ouml;glichkeiten der &Ouml;ffentlichkeit und die daf&uuml;r notwendige Transparenz deutlich radikaler sah, als sie heute der Fall sind (Bentham 1995a).Mit Habermas (1992) l&auml;sst sich nun noch Benthams Konzeption aktualisieren und konkretisieren: &#8222;Die &Ouml;ffentlichkeit l&auml;&szlig;t sich am ehesten als ein Netzwerk f&uuml;r die Kommunikation von Inhalten und Stellungnahmen, also von Meinungen beschreiben; dabei werden die Kommunikationsfl&uuml;sse so gefiltert und synthetisiert, da&szlig; sie sich zu themenspezifisch geb&uuml;ndelten &ouml;ffentlichen Meinungen verdichten.&#8221; (Habermas 1992: 436). Die &ouml;ffentliche Meinung unterscheidet sich von Meinungen durch die Art ihres Zustandekommens und die breite Zustimmung, von der sie getragen wird (Habermas 1992: 438). Hinzuzuf&uuml;gen ist diesem Verst&auml;ndnis, gerade in Bezug auf die Fragen nach der Ver&auml;nderung der &Ouml;ffentlichkeit durch das Internet, noch die Kritik Nancy Frasers an Habermas, die feststellt, dass in der globalisierten Welt mit ihren ungehinderten transnationalen Kommunikations- und Menschenstr&ouml;men, die Reduktion der &Ouml;ffentlichkeit auf nationale &Ouml;ffentlichkeit unterkomplex ist (Fraser 2010) &#8211; wie auch Bentham schon in Bezug auf die Zusammensetzung von &Ouml;ffentlichkeit feststellte: &#8222;To every person, elector, inhabitant, or foreigner, &#8211; to every individual of the human species, belongs the right of exercising, in relation to the condition of every department of this government, and the conduct of every functionary thereunto belonging, the statistic, executive, and melioration-suggestive functions.&#8221; (Bentham 1995b: 304; vgl. Hofmann 2002: 282&pound;).Bisher ist immer von &#8222;der&#8221; &Ouml;ffentlichkeit die Rede. Dieser Sprachgebrauch ist nat&uuml;rlich verk&uuml;rzend, da die &Ouml;ffentlichkeit sich aus Teil&ouml;ffentlichkeiten zusammensetzt (vgl. Lippmann 1922, Negt/Kluge 1972). Es bleibt die Frage, ob die Teil&ouml;ffentlichkeiten letzten Endes auch in &#8222;der&#8221; &Ouml;ffentlichkeit aufgehen, wie beispielsweise in Habermas&#8216; deliberativem Modell (Habermas 1992), oder nicht (Negt/Kluge 1972; Lippmann 1922). Dies ist vor allem in Bezug auf die Frage der durch das soziale Netz fragmentierten &Ouml;ffentlichkeit (Pariser 2011; Bonstein 2007) wieder virulent und hinsichtlich des Begriffspaars Demokratiel&Ouml;ffentlichkeitmcht unbedeutend.Dieser kursorische und sehr selektive Blick in die Ideengeschichte verdeutlicht, dass es sich bei dem Begriff der &Ouml;ffentlichkeit mehr um einen Kampfplatz handelt, als um ein griffiges Konzept dessen Bedeutung klar umrissen ist, er verdeutlicht aber auch, dass es sich meist um ein recht normatives Konzept handelt, das mal mehr mal weniger geerdet ist.</p>
<p>Im Folgenden soll die ver&auml;nderte Form der &Ouml;ffentlichkeit durch das soziale Netz problematisiert werden und die Auswirkungen, die diese Ver&auml;nderungen f&uuml;r unsere bestehende repr&auml;sentative Demokratie haben m&ouml;gen. Daf&uuml;r muss kurz auf das Ph&auml;nomen der Medialisierung eingegangen werden und wie das soziale Netz diese beeinflusst. Diese Ver&auml;nderung zielt n&auml;mlich ab auf die Medienmatrix und ihre Funktionsweise als Ganzes. Auch l&auml;sst sie R&uuml;ckschl&uuml;sse zu auf die &Ouml;ffentlichkeit des sozialen Netzes und auf das demokratische System.[3] Als Ausblick wird dann abschlie&szlig;end die These vertreten, dass das durch das soziale Netz entstandene Potential zur Emanzipation der B&uuml;rger und zur Demokratisierung der Gesellschaft nicht genutzt wird und vielmehr das Intemet in seiner momentanen Erscheinungsform zur Zementierung der bestehenden gesellschaftlichen Ungleichheit entscheidend beitr&auml;gt, wenn nicht gar noch beschleunigt.</p>
<h5>&Ouml;ffent&shy;lich&shy;keit im Wandel: Media&shy;li&shy;sie&shy;rung</h5>
<p>Das Ph&auml;nomen der Medialisierung besteht in der zunehmenden Durchdringung des All-tags der Menschen durch die Massenmedien und damit auch in der zunehmenden Beeinflussung des durch die Massenmedien erworbenen Wissens von der Welt (Luhmann 1996). Medialisierung bezeichnet das interdependente Verh&auml;ltnis von Medientechnik, Medienakteuren und Gesellschaft (vgl. als guter &Uuml;berblick Wendelin 2011: 45&#8212;67). Aus dieser Interdependenz ergibt sich dann die jeweilige Medienmatrix einer Gesellschaft (Finnemann 2011). Das Ph&auml;nomen der Medialisierung ist sicherlich schon &auml;lter als der Diskurs dar&uuml;ber, der &#8212; zumindest in Deutschland &#8212; seit Beginn des dualen Rundfunksystems 1984 an Fahrt gewonnen hat. David Altheide und Robert Snow (1979) sehen die Ursachen der Medialisierung in der S&auml;kularisierung, der funktionellen Differenzierung und der Modernisierung. Welche Konsequenzen hat die Medialisierung? Das ist im Detail so umstritten wie es verschiedene Autoren gibt, die sich damit befassen. Einen guten, knappen &Uuml;berblick &uuml;ber die verschiedenen Positionen gibt Finnemann (2011: SOf.). In aller K&uuml;rze kann man sagen, dass Medialisierung das Ph&auml;nomen der medialen Durchdringung des Alltagshandelns und die Konsequenzen davon beschreibt: die politischen Akteure richten ihr Handeln nach der Medienlogik aus und passen sich den Bed&uuml;rfnissen der Medien f&uuml;r die instantane (visuelle) Verwertbarkeit ihrer Aussagen an. Medien und Politik stehen in einem gegenseitigen Abh&auml;ngigkeitsverh&auml;ltnis (Schulz 2008, Imhof 2006). Die Verfallstheoretiker sehen in diesem Ph&auml;nomen die Kolonialisierung der Politik durch die Medien, was zur nicht sonderlich umwerfenden Diagnose f&uuml;hrt, dass wir in einer Mediokratie lebten (Meyer 2001).</p>
<p>Der Hauptunterschied zwischen dem sozialen Netz und den Massenmedien besteht darin, dass im sozialen Netz jeder gleichzeitig Rezipient und Produzent sein kann, nun alle Formen der Kommunikation gleichzeitig ablaufen k&ouml;nnen, private und &ouml;ffentliche Kommunikation parallel bzw. vermischt stattfindet, es somit ein Medium ist, dass intermedi&auml;re Kommunikationsr&auml;ume schafft. Seine Reichweite erstreckt sich von lokal bis global, es erm&ouml;glicht alle Formen von Kommunikation, d.h, mit einem, mit mehreren und mit allen, synchron und asynchron und es vereint in einem Medium die unter-schiedlichsten Kommunikationsteilnehmer, vom Individuum zum multinationalen Konzern, von der NGO bis zur Supermacht, von der kleinen B&uuml;rgerinitiative bis zum gro&szlig;en Lobbyverband (Finnemann 2011: 83f.). Hier wird somit in nuce der zentrale Unterschied zu den Massenmedien deutlich und damit auch die Differenz zur &#8222;alten&#8221; Medialisierung. Die massenmedial dominierte Form der Medialisierung, die die gesellschaftliche Form der Informations- und Wissensproduktion und -distribution als eine Art Einbahnstra&szlig;e konfiguriert und die Medien auf Augenh&ouml;he mit den (politischen) Akteuren, &uuml;ber die sie berichten, stellt, mit der Folge, wie Noam Chomsky und Edward Herman in ihrem Buch &#8222;Manufacturing Consent&#8221; feststellen, dass Medien der Mobilisierung von Unterst&uuml;tzung von Partikularinteressen dienen, die den Staat und die Gesellschaft dominieren. Diese Grundannahme sei die beste Voraussetzung um die Themenwahl, die Art der Berichterstattung und das, &uuml;ber was nicht berichtet wird in den Massenmedien am besten zu verstehen (Herman/Chomsky 1988, xi).</p>
<p>Auch wenn diese Auffassung sicherlich nicht unumstritten ist und sie hier vor allem der Deutlichkeit halber verwendet wird, so lassen sich an ihr die Vorz&uuml;ge des sozialen. Netzes am besten verdeutlichen. Durch das soziale Netz best&uuml;nde die M&ouml;glichkeit die einseitige Abh&auml;ngigkeit zumindest zu reduzieren, sie bei versch&auml;rften Transparenzgeboten sogar aufzuheben .[4] Die alte Medienmatrix mit dem Monopol der Massenmedien und ihrer Scheinpluralit&auml;t k&ouml;nnte abgel&ouml;st werden durch eine neue, die aufgrund der beschriebenen Gleichzeitigkeit unterschiedlichster Akteure im gleichen Kommunikationsmedium eine v&ouml;llig andere Form der &Ouml;ffentlichkeit hervorbringt, da die massenmedialen Filter (Besitzstruktur, Produktionsbedingungen Redakteure, Journalisten) nicht mehr das Berichterstattungsmonopol besitzen. W&auml;hrend man bei der alten, massenmedialen Medialisierung noch von einer vertikalen Durchdringungen unseres Alltags sprechen kann, dem die Mediennutzer einseitig unterworfen sind &#8212; wenn auch bei &#8222;freier&#8221; Wahl des Medienangebots &#8212; so muss man nun von einer vertikalen und horizontalen medialen Durchdringung des medialisierten Alltags der Menschen sprechen.[5] D.h. die mit Herman/Chomsky beschriebene Dominanz der Massenmedien kann durchbrochen und die ideologische Geiselnahme der Gesellschaft durch Partikularinteressen kann beendet werden.</p>
<h5>&Ouml;ffent&shy;lich&shy;keit im Zeitalter des sozialen Netzes</h5>
<p>Mit Lefebvre (2000) kann man nun feststellen, dass die gerade beschriebene Form der Medialisierung wie sie durch das soziale Netz momentan sich entwickelt, eine neue &Ouml;ffentlichkeit als Raum der Gesellschaft schafft.[6]Diese Netz&ouml;ffentlichkeit durchdringt alle bisherigen R&auml;ume &#8212; Privatr&auml;ume, Produktionsr&auml;ume und &ouml;ffentliche R&auml;ume &#8212; und vereint sie zu einem einzigen neuen Raum. Mit diversen Konsequenzen: Das Verschwinden der Trennung von &Ouml;ffentlich und Privat und der Verwandlung des Konsumenten in einen Prosumenten (Produzent und Konsument zur gleichen Zeit), was die Herstellung von Meinungen und Ideen jenseits der kapitalistischen Verwertungslogik miteinschlie&szlig;en soll. Jedoch, wie zuvor in der &Ouml;ffentlichkeit unter &#8222;alten&#8221; Bedingungen, ist diese neue &Ouml;ffentlichkeit keine inklusive &Ouml;ffentlichkeit, wie sie aufgrund des normativen Erwartungshorizonts den das Internet bei seiner Popul&auml;rwerdung in den fr&uuml;hen 90er Jahren des letzten Jahrtausends mit sich brachte, zu erwarten gewesen w&auml;re.[7]</p>
<p>Die prinzipiellen Eigenschaften des sozialen Netzes sind oben schon beschrieben. Dazu kommen noch weitere Eigenschaften wie die unendlichen und h&auml;ufig unbeschr&auml;nkten M&ouml;glichkeiten der Informationsbeschaffung &#8212; das Internet als Archiv, das in seiner Pluralit&auml;t seinesgleichen sucht, da jeder alles in dieses Archiv hineinstellen kann,[8] Als negative Konsequenz davon ist die Un&uuml;bersichtlichkeit dieses Archivs zu nennen, das keine Systematik erahnen l&auml;sst und, dass der unbedarfte Nutzer auf Quellen und Inhalte sto&szlig;en mag, die nicht seri&ouml;s sind. Im Netz sind alle gleichberechtigt. Gleichzeitig sind die Suchwerkzeuge dieses Archivs nicht neutral (vgl. &#8222;St&ouml;rfaktoren der Netz&ouml;ffentlichkeit&#8220;).</p>
<p>Genau dies mag auch der Grund sein, warum Gauck (2012) sich zu seinen Aussagen &uuml;ber das Intemet hat hinrei&szlig;en lassen und warum viele das Intemet und seine plurale Angebotsstruktur was Informationen angeht skeptisch sehen. Extremisten jeder Couleur nutzen das Internet f&uuml;r ihre Selbstdarstellung und Mitgliederwerbung und gef&auml;hrden so die Grundstruktur demokratischer Gesellschaften. Verf&uuml;hrung der Jugend/Unm&uuml;ndigen k&ouml;nnte hier nun der Vorwurf lauten, den auch Sokrates sich schon hat gefallen lassen m&uuml;ssen (Platon 1992), der sich aber letzten Endes nicht halten l&auml;sst.</p>
<h5>St&ouml;rfak&shy;toren der Netz&ouml;f&shy;fent&shy;lich&shy;keit</h5>
<p>Abgesehen hiervon lauern im sozialen Netz viel gr&ouml;&szlig;ere Gefahren f&uuml;r die demokratische &Ouml;ffentlichkeit, die sich aber dem gesellschaftlichen Mainstream verdanken: das Ende des Datenschutzes (vgl. Effenberger 2011; Herbold 2012), das &#8222;Daily Me&#8221; (Sunstein 2007) und die &#8222;Internet Bubble&#8221; (Pariser 2011) tragen dazu bei, das die gerade genannte Pluralit&auml;t und beinahe unendliche Archivfunktion wieder eingeschr&auml;nkt wird durch die Kapitalverwertungsinteressen der Internetindustrie und die Bequemlichkeit der Intemetnutzer selbst. Die im sozialen Netz t&auml;tigen Konzerne spionieren ihre Kunden, tlw. ohne deren Wissen aus und speichern diese Daten bis zum Sankt Nimmerleinstag (vgl. Effenberger 2011, Herold 2012). Dies hat zur Folge, dass das, was den unbedarften Nutzer im Netz angeboten wird, immer schon eine Vorauswahl darstellt, die durch die (heimlich) gesammelten Daten bestimmt wird. Gleichzeitig suchen Suchmaschinen auch nicht objektiv nach den Stichworten, die man eingibt, sondern nach gesch&auml;ftsoptimierenden Algorithmen, die nat&uuml;rlich geheim sind (Tremel 2010; Introna et. al. 2000; Moshowitz et. al. 2002). Gleichzeitig glauben aber die Internetnutzer mehrheitlich, dass die Suchergebnisse objektiv sind (PewIntemet.org 2012). Zu diesen Tendenzen, die die Neutralit&auml;t des Netzes nachhaltig in Frage stellen, kommt noch die bewusste Personalisierung des Netzerlebens durch viele Nutzer. Man abonniert RSS Feeds und Podcasts, besucht die immer gleichen Webseiten und auf Facebook und Twitter bekommt man nur die Kommentare und Empfehlungen der Freunde und gleichgesinnten. Dennoch f&uuml;hlt man sich wohlinformiert.</p>
<p>Zusammengefasst und zugespitzt kann man sagen, dass der unbedarfte Internetnutzer als &#8222;Ich-Monade&#8221; sich durch die Welt des Internets bewegt und sich dabei, sollte er selbstkritisch sein, dar&uuml;ber wundert, dass die Welt genauso ist, wie er es immer behauptet. Die Folge davon ist eine teils selbstauferlegte, teils durch die Filter- und Cookietechnologien induzierte &#8222;Pathologie des Symbolbewusstseins&#8221; (Cassirer 1994; 1985; Bevc 2005), die den Menschen die Welt in ihrer Pluralit&auml;t und Komplexit&auml;t vorenth&auml;lt.</p>
<p>Diese Diagnose zwingt dazu zu betonen, dass das soziale Netz durchaus das Potential besitzt, eine neue und bessere Form der &Ouml;ffentlichkeit herzustellen, doch &#8211; und damit komme ich zu meinem letzten Teil &#8211; dazu bedarf es einer anderen Praxis.<br />Die Internet&ouml;ffentlichkeit &#8212; normativ und realiter</p>
<p>Die hier gestellte Frage nach der Ver&auml;nderung von &Ouml;ffentlichkeit durch das &#8222;soziale Netz&#8221; &#8211; also all die durch das Internet erm&ouml;glichten Kommunikationsformen, die Reziprozit&auml;t und gatekeeperfreies Publizieren zulassen (wie Wikis, Twitter, Facebook, YouTube, Flickr, Blogs, 4Chan.org etc. pp.) wird fundamental von der Frage betroffen, wie denn eigentlich die potentielle Beteiligung aller als Autoren funktioniert und von den Menschen angenommen wird.</p>
<p>Die normative Perspektive besagt, dass die Verschmelzung von Produzenten und Rezipienten der medialen Inhalte zu gleicher Teilhabe aller f&uuml;hren wird und somit Emanzipation und die Demokratisierung aller Lebensbereiche mit sich bringt. Hierin gleichen sich zumindest die Hoffnungen von Brecht und Benjamin mit den heutigen, die mit den je &#8222;neuen&#8221; Medien verbunden sind. Um es mit Brecht zu formulieren, wodurch auch gleich die Chance des sozialen Netzes in Bezug auf die Feststellung Chomskys und Hermans deutlich wird: Das soziale Netz er&ouml;ffnet die Chance eine Gegen&ouml;ffentlichkeit durchzusetzen, in der die festgesetzten bzw. faktischen Regeln der herrschenden &Ouml;ffentlichkeit &uuml;berschritten werden k&ouml;nnen, um somit das sagbar zu machen, was sonst, also in den Massenmedien, nicht sagbar ist (Brecht 1971, 20, vgl. Spehr 2002; vgl. Benjamin 1991; vgl. als Beispiel Kramm 2010)</p>
<p>Jeder kann nun zum Autor werden und seinen Standpunkt &ouml;ffentlich vertreten. Wie also ver&auml;ndert sich &Ouml;ffentlichkeit durch das soziale Netz? Das soziale Netz erweitert die M&ouml;glichkeiten jedes B&uuml;rgers, die Massenmedien und das Handeln von Politikern zu verfolgen, zu kommentieren und zu kritisieren, da nun jeder die M&ouml;glichkeit hat, ohne formale Zugangsberechtigungen zum Mediensystem (d.h. Studium, Ausbildung) und ohne die H&uuml;rde von Gatekeepern (d.h. Redakteure, Herausgeber, Besitzer) und ohne den Filter von Nachrichtenagenturen sowohl das politische System als auch die mediale Reaktion darauf zu beobachten und zu dieser Beobachtung beizutragen. Insofern ist die Internet&ouml;ffentlichkeit potentiell inklusiver und dadurch kontroverser und pluralistischer, was wiederum die Demokratie belebt, die &Ouml;ffentlichkeit &ouml;ffentlicher und die Medienlandschaft vielf&auml;ltiger werden l&auml;sst. Dar&uuml;ber hinaus ist die Forderung von Netzaktivisten nach Open Data und Transparenz wichtig f&uuml;r eine Internet&ouml;ffentlichkeit. &#8222;Transparenz bezieht sich auf die &Ouml;ffnung von Daten, auf transparente Prozesse und deren Ergebnisse &#8211; von Verwaltungen, Beh&ouml;rden, Parlamenten. Open Data meint dabei alle Arten von Daten in &ouml;ffentlicher Hand, die nicht personenbezogen sind oder besonderen Sicherheitsanforderungen unterliegen &#8211; z, b. Infrastrukturdaten, Umweltdaten, Haushaltsdaten, oder Leistungsdaten; Transparenz bezieht sich dar&uuml;ber hinaus u. a, auch auf Vertr&auml;ge der Verwaltung, Protokolle, Gesetzentw&uuml;rfe, und auf Informationen wie Nebenverdienste und Nebent&auml;tigkeiten von Abgeordneten.&#8221; (Domscheit-Berg 2011). Diese umfassende Transparenz seitens Politik und Verwaltung ist nat&uuml;rlich eine notwendige Bedingung um eine sinnvolle, d. h, informierte Partizipation der B&uuml;rger zu erm&ouml;glichen und somit die politische Kultur zu ver&auml;ndern, hin zu einer des aufgekl&auml;rten Miteinanders von Politik, Verwaltung und B&uuml;rgern.</p>
<p>Durch das Aufkommen des sozialen Netzes ist eine Machterosion der klassischen Massenmedien zu beobachten. Es kommt immer h&auml;ufiger vor, dass Themen zun&auml;chst in dem sozialen Netz diskutiert werden, bevor die Massenmedien sie aufnehmen. So kommen auch Positionen verst&auml;rkt in die &Ouml;ffentlichkeit, die sonst deutlich weniger oder gar keine Aufmerksamkeit bekommen h&auml;tten, schlicht, weil der Zugang zur &Ouml;ffentlichkeit verbaut war. Insofern ist f&uuml;r die weitere Zukunft zu prognostizieren, dass die starke Stellung der Massenmedien nun durch das soziale Netz und verst&auml;rkte Partizipation an der Wissens- und Informationsproduktion und -verbreitung durch alle beschnitten wird. Gerade der letzte Punkt der Verbreitung ist wichtig. Nicht jeder wird nun beginnen, im Netz als Autor aktiv zu werden, doch ist zu beobachten, dass die Internetnutzer Artikel und Informationen die sie f&uuml;r besonders wichtig halten, verlinken und weiterempfehlen. Dieses Verhalten wird durch spezielle Funktionen auf vielen Internetseiten noch unterst&uuml;tzt, wie man an den ubiquit&auml;ren &#8222;Gef&auml;llt mir&#8221; und Twitter Buttons sehen kann.</p>
<p>Damit dies funktionieren kann, bedarf es aber nicht nur der reziproken Medien sondern auch der B&uuml;rger, die sie politisch verwenden, woran es bislang auf jeden Fall noch mangelt, zumindest wenn man der Internetnutzungsstudie von Emmer, Vowe, Wolling (2011) glaubt. Diese Ergebnisse decken sich mit den Ergebnissen des ARD/ZDF Online Panels (2012), das zwar nicht explizit nach der politischen Nutzung fragt, aber nach der Nutzung des sozialen Netzes.</p>
<h5>Exklusion</h5>
<p>Der zentrale problematische Punkt in Bezug auf Internet&ouml;ffentlichkeit ist, dass Bildungsunterschiede in den sozialen Netzen potenziert werden. Es geht dabei ja nicht um den Zugang zum Internet, der laut ARD/ZDF Onlinestudie 2012 bei 75,9 Prozent der Gesamtbev&ouml;lkerung &uuml;ber 14 Jahren liegt, Tendenz steigend. Der Zugang zum Internet ist f&uuml;r die n&auml;here Zukunft also nicht mehr als ernsthaftes Exklusionsmerkmal zu bezeichnen.[9] Exklusionsmerkmal ist vielmehr Bildung und Einkommen wobei beide ja meist Zusammenh&auml;ngen. Dieses Bildungsproblem, vor allem im Sinne der p&ouml;litischen Kultur als verst&auml;rkter B&uuml;rgerbeteiligung, die das soziale Netz ja mit sich bringen soll, wird z. B. verdeutlicht, wenn man sich die Verbreitung des funktionalen Analphabetismus ansieht: nach einer neuen Studie sind 14,5 Prozent der Erwerbsbev&ouml;lkerung betroffen (Groth&uuml;schen, Riekmann 2011)[10] und 23 Prozent der 15 j&auml;hrigen Sch&uuml;lerInnen (Naumann 2010) &#8212; die ja bald zur Erwerbsbev&ouml;lkerung dazugeh&ouml;ren. Diese k&ouml;nnen Texte nicht nur nicht richtig verstehen, sondern auch keine schreiben, die andere verstehen w&uuml;rden. Das hei&szlig;t, aus der sch&ouml;nen neuen inklusiven &Ouml;ffentlichkeit des sozialen Netzes ist ein geh&ouml;riger Teil der Bev&ouml;lkerung grunds&auml;tzlich exkludiert, er k&ouml;nnte sich auch nicht beteiligen, wenn er wollte.</p>
<p>In das gleiche Problemfeld geh&ouml;ren die Kompetenzen neben dem Lesen, die n&ouml;tig sind, den potentiellen Nutzen des Internets in Anspruch zu nehmen: Media-, Computer-, Digital-, Visual- und Information Literacy und nicht zuletzt die Netiquette sind hier zu nennen. Oder, um einen kurzen Begriff vorzuschlagen: die Weblacy. Das Problem hier ist zuallererst eins der korrekten Zeicheninterpretation &#8212; und im sozialen Netz sind alle Typen von Zeichen gleichzeitig vorhanden, Oralit&auml;t, Schrift, Film, Bilder, virtuelle Welten [11], weswegen man als aufgekl&auml;rter Nutzer auch alle verstehen k&ouml;nnen sollte. Wiebeim funktionalen Analphabetismus ist diese nicht vorhandene Weblacy eine Frage des Bildungshintergrunds, allerdings auf einem viel h&ouml;heren Niveau. Um den Bogen zu schlie&szlig;en: Hauptproblem der Exklusion vom sozialen Netz, und damit potentiell von der politisch-gesellschaftlichen Partizipation ist, wie seit je schon, das Problem extrem ungleich verteilter Bildung, inklusive politischer Bildung, &#8212; und extrem ungleich verteilter Chancen auf Bildung.</p>
<h5>Fazit</h5>
<p>Die Frage, die sich stellt, ist also die, ob durch das soziale Netz und die durch es bedingte neue Internet&ouml;ffentlichkeit nicht wiederum eine politische Kultur der Exklusion stattfindet, nur in einer sublimierten Form? Die politische Partizipation ist, jenseits der Bereitschaft zu ihr, mehr und mehr von Individualf&auml;higkeiten und -kenntnissen abh&auml;ngig f&uuml;r deren Nicht-Vorhandensein das Individuum selbst verantwortlich ist und die allgemeine Schulbildung bislang keine Antwort parat hat.</p>
<p>In Anbetracht dessen muss man fragen, wie es mit dem Recht jedes Menschen aussieht, den gleichen Anspruch auf Repr&auml;sentation zu haben, wie es Abbe Sieyes paradigmatisch formuliert hat?[12] Die Verfechter der Beteiligung der B&uuml;rger durch das Internet argumentieren, dass nun alle die M&ouml;glichkeit haben mitmachen zu k&ouml;nnen, und dass es daher demokratischer sei. Dass dies de facto nicht so ist wird gerne verschwiegen bzw. nicht zur Kenntnis genommen. Auf diese Weise setzt sich wieder die etablierte politische Kultur und die alte &Ouml;ffentlichkeit durch, die ein Privileg der etablierten, wohlhabenden und gebildeten ist. Demokratie, zumindest wenn man darunter versteht, dass alle de facto die gleiche Chancen haben sollten mitzumachen, sieht anders aus und eine entsprechende &Ouml;ffentlichkeit auch.</p>
<p>Anstatt die Exkludierten aus der &Ouml;ffentlichkeit zu verbannen, oder aber getreu des Mythos &#8222;Jeder sei seines Gl&uuml;ckes Schmied&#8221; zu erwarten, dass diese sich selbst am eigenen Schopfe aus der Misere ziehen, w&auml;re ein emanzipatorischer Ansatz ein solcher, der die gesellschaftliche Ver&auml;nderung nicht einer neuen Technik und die durch sie theoretisch vorhandenen erweiterten Handlungsspielr&auml;ume f&uuml;r die politischen Partizipation und dem politischen Diskurs erwartet. Diese Erwartung wurde ja schon mehrfach entt&auml;uscht: Ein emanzipatorischer Ansatz w&auml;re einer, der die Rahmenbedingungen der Verwendung dieser Technik ver&auml;ndert. Es kommt n&auml;mlich nicht nur darauf an, dass die Menschen die Technik bedienen k&ouml;nnen, sondern darauf, in welchem Zusammenhang sie verwendet wird (Benjamin 1992b), und ob sie kompetent sind, jenseits des Bedienens der Technik, die Kulturtechniken der politischen Partizipation, also das Informieren, Diskutieren, Argumentieren, Perspektiv&uuml;bernahme etc. pp anzuwenden.</p>
<p>Wenn die Indienstnahme der neuen Technik emanzipatorisch sein soll, dann m&uuml;ssen auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen vorhanden sein, dass alle in der Lage sind, sich zu emanzipieren.</p>
<p>Nicht also die Tatsache, dass jeder die M&ouml;glichkeit hat sich zu beteiligen ist gerecht, sondern die, dass jeder die gleichen F&auml;higkeiten und M&ouml;glichkeiten dazu hat. Was der Einzelne dann daraus macht, ist sein Problem. Ob er sich in seiner &#8222;Internet Bubble&#8221;<br />und seinem &#8222;Daily-Me&#8221; als Ich Monade verschanzt und sich dort wohlf&uuml;hlt und daher schon in der besten aller Welten lebt oder aber, ob er aus dem ihm potentiell zur Verf&uuml;gung stehenden Archiv tats&auml;chlich ein Laboratorium macht, ist das Problem jedes Einzelnen &#8211; solange dieses monadische Dasein freiwillig und nicht durch Suchmaschinen und anderen Filtermechanismen verursacht ist.</p>
<p>Der Illusion der intensiven politischen Beteiligung eines gro&szlig;en Prozentsatzes der Bev&ouml;lkerung soll hier gar nicht Vorschub geleistet werden, ganz gleich wie emanzipiert und f&auml;hig dieser w&auml;re. Dennoch: ein wirklicher Wandel der &Ouml;ffentlichkeit, der einem Wandel der politischen Kultur in Richtung Pluralit&auml;t, Partizipation und Emanzipation<br />nach sich z&ouml;ge, ist nur denkbar, wenn alle bef&auml;higt w&auml;ren an ihr Teil zu haben &#8211; wenn sie denn m&ouml;chten.</p>
<p>[1] Ich verwende den Begriff &#8222;soziales Netz&#8221; anstatt &#8222;neue Medien&#8221; oder &#8222;Web 2.0&#8221;, da die Letzteren wenig spezifisch und leicht missverst&auml;ndlich sind. Mit sozialem Netz sind all die Applikationen des Internets gemeint, die reziproke Kommunikation zulassen, also das Schema der Massenkommunikation mit seinem &#8211; auch wenn das nun etwas unterkomplex ist &#8211; Sender-Empf&auml;nger Modell transzendieren. Verwende ich dagegen den Begriff &#8222;Internet&#8221; so meine ich sowohl die reziproken wie auch seine nicht reziproken Elemente.<br />[2] Vergleiche f&uuml;r die vielen enthusiastischen Einsch&auml;tzungen des Internets: Schrape 2010:13f,<br />[3] Vgl. dazu Joachim Gauck, der besorgt ist, dass das Intemet und die freie Rede darin, unserer freiheitlichen Demokratie schaden k&ouml;nnten: &#8222;Das weltweite Internet bietet alle Voraussetzungen, um die in den ersten zehn Artikeln unserer Verfassung verankerten Grundrechte aller B&uuml;rger in diesem Land auszuh&ouml;hlen. Dies gilt insbesondere f&uuml;r das Recht auf freie Meinungs&auml;u&szlig;erung und Pressefreiheit in Artikel F&uuml;nf &#8211; eine wesentliche Grundlage unserer funktionierenden Demokratie &#8211; und es gilt letztlich auch f&uuml;r den Kernsatz unserer Verfassung, den Artikel Eins des Grundgesetzes: Die W&uuml;rde des Menschen ist unantastbar.&#8221; Gauck f&uuml;rchtet sich demnach offensichtlich vor einer tat-s&auml;chlich demokratischen &Ouml;ffentlichkeit. Dies. mag f&uuml;r eine liberal-repr&auml;sentative Demokratie nach-vollziehbar sein, vor allem, wenn man diese fest verankert sieht in einem kapitalistischen System. Aber grunds&auml;tzlich ist es nicht einsehbar, wie eine demokratische &Ouml;ffentlichkeit die Grundrechte der B&uuml;rger gef&auml;hrden sollte. Gauck, Joachim (2012): Vorwort, in: DIVSI Milieu Studie zu Vertrau-en und Sicherheit im Internet, hrsg, von Deutsches Institut f&uuml;r Vertrauen und Sicherheit im Internet (DNSI), Hamburg, S. 3.<br />[4] Zu betonen ist hier noch, dass das soziale Netz selbst nicht als Massenmedium angesehen werden kann, da die einseitige Kontributionsstruktur aufgehoben ist und somit auch die einseitigen Machtstrukturen &#8211; zumindest theoretisch &#8211; aufgehoben sind.<br />[5] Vertikal, da ja auch das Internet von den alten Massenmedien durchdrungen ist.<br />[6] Auch Habermas (1992: 437) verwendet die Raummetapher in Bezug auf die &Ouml;ffentlichkeit.<br />[7] Das hat nat&uuml;rlich auch enorme Auswirkungen auf Fragen der &Uuml;berwachung, also der &#8222;surveillance&#8221;.<br />M&ouml;glich sind nun Formen der &#8222;sousveillance&#8221; und der &#8222;coveillance&#8221;, die auch autorit&auml;rpanoptische Konsequenzen haben k&ouml;nnen. Dies kann hier leider nicht weiter ausgef&uuml;hrt werden<br />(vgl. Mann 2002; Mann et, al. 2003).<br />[8] Zum Stellenwert des Archivs als Produktionsstandort f&uuml;r neue Ideen, Wissen und neuen Verst&auml;ndnissen von Dingen: Llanque 2008.<br />[9] Vor allem, weil es die &auml;lteren Menschen sind, die nicht Online sind.<br />[10] Funktionaler Analphabetismus in der deutschsprachigen Erwerbsbev&ouml;lkerung (18-64 Jahre).<br />[11] Die durchaus politisch sehr interessant sein k&ouml;nnen (vgl. Bevc 2012b).<br />[12] Ich gehe davon aus, dass auch im Zeitalter des sozialen Netzes die direkte Demokratie zweite Wahl bleibt und es sich bei Fragen der Internet&ouml;ffentlichkeit noch immer um Fragen der &Ouml;ffentlichkeit im repr&auml;sentativen demokratischen System handelt.</p>
<p><b>Literatur</b></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.humanistische-union.de/publikationen/vorgaenge/200-vorgaenge/publikation/internet-oeffentlichkeit-zwischen-normativen-erwartugen-und-realen-fallstricken/">Internet-Öffentlichkeit zwischen normativen Erwartugen und realen Fallstricken</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.humanistische-union.de">Humanistische Union</a>.</p>
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