{"id":2922,"count":0,"description":"<h1>Fritz-Bauer-Preis 2003 an Dieter Schenk<\/h1><div><h1>Begr&uuml;&szlig;ung durch Ingeborg R&uuml;rup (stellvertretende HU - Vorsitzende)<\/h1><\/div><p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lieber Dieter Schenk,<br>Sehr verehrter Herr Professor Kulesza,<br>Liebe Freundinnen und Freunde der Humanistischen Union und des Fritz Bauer Instituts,<br>Meine Damen und Herren!\n<\/p>\n<p>Im Namen der Humanistischen Union m&ouml;chte ich Sie herzlich willkommen hei&szlig;en zur Feier der Verleihung des Fritz Bauer Preises an Dieter Schenk, heute am 16. Juli 2003, dem 100. Geburtstag von Fritz Bauer. Besonders begr&uuml;&szlig;en m&ouml;chte ich den Direktor des Fritz Bauer Instituts, Professor Micha Brumlik, und Frau Dr. Irmtrud Wojak, bei denen ich mich f&uuml;r die gute Zusammenarbeit bei der Vorbereitung an dieser Stelle herzlich bedanken m&ouml;chte.\n<\/p>\n<p>Heute vor 34 Jahren wurde hier - in Frankfurt - dieser Preis zum ersten Mal verliehen, so wie es der Bundesvorstand in seiner ersten Sitzung nach dem pl&ouml;tzlichen Tod ihres Gr&uuml;ndungsmitgliedes und langj&auml;hrigen Vorstandsmitgliedes Fritz Bauer am 20. Juli 1968 in M&uuml;nchen beschlossen hatte.\n<\/p>\n<p>Der Beschlu&szlig; hatte folgenden Wortlaut: Zum Gedenken an ihr Gr&uuml;ndungs- und Vorstandsmitglied Dr. Fritz Bauer, Generalstaatsanwalt in Hessen von 1956 bis 1968, stiftet die Humanistische Union einen Preis f&uuml;r besondere Verdienste um die Demokratisierung, Liberalisierung und Humanisierung der Rechtsordnung in der Bundesrepublik Deutschland. Dieser Preis wird allj&auml;hrlich an Pers&ouml;nlichkeiten oder Institutionen verliehen, die sich im Sinne der &Uuml;berzeugungen Fritz Bauers und der Bestrebungen der Humanistischen Union in allgemeiner Weise oder auf einem besonderen Gebiet darum bem&uuml;ht haben, der Gerechtigkeit und Menschlichkeit in unserer Gesetzgebung Rechtsprechung und im Strafvollzug Geltung zu verschaffen.\n<\/p>\n<p>Rund 25 Mal hat die HU seither diesen Preis verliehen, bis zum Jahr 2000 an zehn Frauen und f&uuml;nfzehn M&auml;nner. Dieter Schenk w&auml;re heute der 26. Preistr&auml;ger, wenn nicht die HU im Jahr 2001 gleich 28 Personen ausgezeichnet h&auml;tte, Menschen, die es gewagt hatten, Soldaten angesichts des Kosovo-Krieges &ouml;ffentlich zur Desertion aufzurufen und daf&uuml;r pers&ouml;nliche Nachteile, drohende Gerichtsverfahren und eine m&ouml;gliche Verurteilung in Kauf zu nehmen. Sie haben also Gebrauch gemacht vom \"Widerstandsrecht des kleinen Mannes\", wie es von Fritz Bauer 1962 in einem seiner gro&szlig;en Aufs&auml;tze zum Widerstandsrecht gegen die damals herrschende Lehre, die eher an einer Einschr&auml;nkung des Widerstandsrechtes orientiert war, &uuml;berzeugend vertreten hat. - Ich glaube, die Auswahl dieser Preistr&auml;ger h&auml;tte Fritz Bauer gefallen.\n<\/p>\n<p>Der letzte ver&ouml;ffentlichte Text von Fritz Bauer ist DEM THEMA Widerstand gewidmet: es war ein Vortrag, den er auf Einladung der Humanistischen Union neun Tage vor seinem Tod in der Universit&auml;t M&uuml;nchen gehalten hat. Er trug den Titel \"Ungehorsam und Widerstand in Geschichte und Gegenwart\", und ist wie zahlreiche andere Aufs&auml;tze Fritz Bauers 1968 in den \"Vorg&auml;ngen\", der bis heute existierenden Zeitschrift der HU, erschienen. Ich m&ouml;chte hier gerne einige S&auml;tze aus dem Schlu&szlig;absatz dieses Aufsatzes zitieren, weil er f&uuml;r mich das Anliegen Fritz Bauers und der Humanistischen Union gleicherma&szlig;en verdeutlicht. Fritz Bauer schreibt: \"Widerstand ist notwendig im Unrechtsstaat. Er braucht auch nicht erst zu beginnen, wenn der Unrechtssatt etabliert ist - pincipiis obsta ! Die Bundesrepublik ist kein Unrechtsstaat. Aber Unrecht gibt es hier und anderw&auml;rts, und die W&uuml;rde des Menschen ist &uuml;berall in Gefahr, im Namen der Staatsr&auml;son verk&uuml;rzt zu werden.\n<\/p>\n<p>Das Widerstandsrecht eskaliert mit wachsendem staatlichen Unrecht. Deswegen ist die Widerstandsidee zu keiner Zeit und in keinem Staat &uuml;berholt, mag sie sich auch im Alltag auf den gerichtlichen Kampf ums Recht, auf Kritik und Opposition, auf Demonstration, auf die im Grundgesetz und in anderen Normen festgelegten Bahnen einer freien Bewu&szlig;tseinsbildung beschr&auml;nken. Mann kann zwischen einem totalen Widerstandsrecht und einer Widerstandspflicht im Unrechtsstaat und einem kleinen Widerstandsrecht im Rechtsstaat unterscheiden. Auch dieses partielle, dieses \"kleine Widerstandsrecht\", das wir heute besitzen, stellt uns Aufgaben genug.\"\n<\/p>\n<p>Diesen Aufgaben und Bauers \"Aufforderung zum pers&ouml;nlichen Engagement\" hat sich die Humanistische Union seit ihrer Gr&uuml;ndung verpflichtet gef&uuml;hlt und dabei auch von Fritz Bauer gelernt, da&szlig; \"Widerstand und Ungehorsam im Kampf um eine humane Welt\" nicht nur \"Schwei&szlig;, Tr&auml;nen und Blut\" bedeuten m&uuml;ssen, sondern auch dazu gut sind, wie es Bauer, seinen Liebingsdichter Schiller zitierend, formuliert \"um in der Brust des Menschen ein fr&ouml;hliches Gef&uuml;hl seiner selbst zu erwecken und Beispiel daf&uuml;r zu geben,was Menschen wagen d&uuml;rfen f&uuml;r eine gute Sache.\"\n<\/p>\n<p>Ohne Zweifel h&auml;tte Fritz Bauer auch der Wahl der ersten Preistr&auml;gerin zugestimmt; Es war Dr. Helga Einsele, die damalige Leiterin der Frauenstrafanstalt Frankfurt-Preungesheim, einer von 13 Strafanstalten, die Fritz Bauer in Hessen unterstanden. Helga Einsele war eine Weggef&auml;hrtin und Freundin Fritz Bauers auf dem Weg zu einer grundlegenden Reform des Strafvollzuges. Beiden, Fritz Bauer und Helga Einsele ging es jedoch letztlich nicht um einen \"besseren Strafvollzug\" sondern um etwas, das \"besser ist als Strafvollzug\", um Ma&szlig;nahmen, die - jenseits von Vergeltung und Repression - den Inhaftierten wieder in die Gesellschaft zur&uuml;ckf&uuml;hren, deren Normen er verletzt hat. Auch in diesem Ziel sind sich Fritz Bauer und die Humanistische Union bis heute einig, gerade angesichts gegenl&auml;ufiger Entwicklungen, unter anderem im Jugendstrafrecht, die eher durch eine R&uuml;ckkehr zu einer &uuml;berwunden geglaubten Strafmentalit&auml;t gepr&auml;gt sind.\n<\/p>\n<p>Die Feier zur Preis&uuml;bergabe fand damals, am 16. Juli 1969, konsequenter Weise in der Kapelle des Preungesheimer Gef&auml;ngnisses statt, etwa die H&auml;lfte der etwa 100 Anwesenden waren inhaftierte Frauen.\n<\/p>\n<p>Auch die weiteren Preisverleihungen der 70er Jahre stehen in der Tradition und Verpflichtung des gro&szlig;en Themas der Reform des Strafrechtes und des Strafvollzuges im Sinne Fritz Bauers: Von Gustav Heinemann, der sich als Innenminister f&uuml;r eine echte Reform des deutschen Strafrechtes eingesetzt hatte (1970) bis zu Peggy Parnass, der Verfasserin aufkl&auml;render Gerichtreportagen (1980), von Birgita Wolf,(1971) der gro&szlig;en Ombudsfrau der Straff&auml;lligen und Entlassenen bis zu Helmut Ostermeyer (1975), dem Jugendrichter in Bielefeld, der damals als \"Therapeut in der Richterrobe\" etikettiert wurde.\n<\/p>\n<p>Um 1969\/70 war die Humanistische Union aus einem Honoratiorenverein linker Intellektueller, zu einer Mitgliederorganisation mit ca. 4500 Mitgliedern angewachsen, was nicht ohne starke innere Auseinandersetzungen und Strukturdebatten ablief, Debatten, bei denen der sonst so k&auml;mpferische Fritz Bauer (soweit ich das den Protokollen der Zeit entnehmen kann) eher zu Gelassenheit, Sachlichkeit und Entpersonalisierung mahnte.\n<\/p>\n<p>Obwohl es nach den oben aufgez&auml;hlten Preistr&auml;gern so scheinen mag, war die Humanistische Union kein \"Juristenverein\": Neben ihrem Gr&uuml;nder, dem Journalisten und Autor Gerhard Szczesny gab es weitere Journalisten und Schriftsteller, Philosophen, Soziologen, Mediziner und Psychoanalytiker unter den ersten Vorst&auml;nden. Die Vielfalt der Themen und Bereiche, in denen die Humanistische Union als H&uuml;terin der B&uuml;rgerrechte sich in den folgenden Jahrzehnten zu Wort meldete spiegelt sich u.a. auch in den Berufen (Journalisten, Pfarrer, Rechtsanw&auml;lte, Richter und Wissenschaftler), Aktivit&auml;ten und Verdiensten derjenigen M&auml;nner und Frauen, die in 80er und 90er Jahren ausgezeichnet wurden:\n<\/p>\n<p>Mit Ruth Leuze taucht zum ersten Mal das Thema Datenschutz auf (1982), f&uuml;r ihr Engagement f&uuml;r den Frieden wurden u.a. Erich K&uuml;chenhoff (1983), sp&auml;ter Klaus und Hanne Vack (1996) geehrt. Um Minderheitenrechte und Antidiskrimierungspolitik ging es bei der Verleihung des Fritz Bauer Preises an Rosi Wolf-Almanasreh (1985), Liselotte Funcke (1990 und die Verfassungsrichterin Helga Seibert (1999). Bei der Preisverleihung an G&uuml;nter Grass (1997) und Regine Hildebrandt (2000) wurde ihr Engagement f&uuml;r soziale Menschenrechte und Rechte von Asylsuchenden gew&uuml;rdigt.\n<\/p>\n<p>Als letzten in dieser Auswahl von Fritz Bauer Preistr&auml;gern m&ouml;chte ich den ehemaligen Polizeipr&auml;sidenten Hans Lisken (1995), nennen, von dem wir und auch viele Polizisten gelernt haben, da&szlig; sich Polizei und B&uuml;rgerrechte kein Gegensatz sind, da&szlig; Kriminalit&auml;tsbek&auml;mpfung nicht die Aufgabe der Polizei, sondern die Aufgabe von Politik und Gesellschaft ist, und da&szlig; wir als B&uuml;rgerrechtler gut daran tun, die wachsenden Befugnisse der Polizei durch immer neue Polizeigesetze kritisch zu beobachten, zu kritisieren und im Namen des Rechtsstaates, dessen Schutz laut Lisken die eigentliche Aufgabe der Polizei ist, zu verhindern versuchen.\n<\/p>\n<p>Auch unser heutiger Preistr&auml;ger ist Polizist gewesen, zuletzt Kriminaldirektor im Bundeskriminalamt 1989 ist er auf eigenen Wunsch vorzeitig aus dem Polizeidienst ausgeschieden. In seiner Zeit in Polizeidienst und sp&auml;ter als Publizist hat er sich f&uuml;r die Aufarbeitung der personellen und institutionellen Kontinuit&auml;ten aus der NS-Zeit im deutschen Polizeiapparat eingesetzt. Er hat sich engagiert f&uuml;r demokratische und rechtsstaatliche Strukturen in der Polizei und gegen Amtshilfe an Staaten, in denen Menschen- und B&uuml;rgerrechte verletzt werden.\n<\/p>\n<p>Seit seinem Ausscheiden aus dem Polizeidienst hat er etwa ein Dutzend B&uuml;cher geschrieben, Romane, Jugendb&uuml;cher, Sachb&uuml;cher und Drehb&uuml;cher, B&uuml;cher, denen man fast allen das Motto seines ersten Romans \"Der Durchl&auml;ufer\" voranstellen k&ouml;nnte \"Rechtsstaat, Menschlichkeit und polizeiliche Gewalt d&uuml;rfen kein Widerspruch sein\".\n<\/p>\n<p>Gustav Heinemann hatte, anl&auml;&szlig;lich seiner Preisverleihung 1970, als die Humanistische Union ihn um Ratschl&auml;ge f&uuml;r ihre weitere Arbeit bat, in seiner lakonischen Art geantwortet:<br>\"Tommeln Sie!\"\n<\/p>\n<p>Trommeln in diesem Sinne kann man auf sehr unterschiedliche Weise: Man kann Flugbl&auml;tter, Presseerkl&auml;rungen und offene Briefe verfassen, Petitionen einreichen und Musterklagen f&uuml;hren, Abgeordnete und Minister aufsuchen und gelegentlich &ouml;ffentliche \"happenings\" Veranstalten.\n<\/p>\n<p>Man kann aber eben auch B&uuml;cher schreiben, und Dieter Schenk hat es getan und damit die gleichen Anliegen \"unters Volk\" zu bringen versucht wie die Humanistische Union auf ihre Weise. Ich habe aus Anla&szlig; des heutigen Tages einige von Dieter Schenks B&uuml;chern erstmalig, andere wieder gelesen, sowohl die \"Trilogie\" &uuml;ber das Bundeskriminalamt, wie die drei B&uuml;cher, die sich den nationalsozialistischen Verbrechen in Polen, den T&auml;tern und deren Nachkriegskarrieren in der bundesdeutschen Justiz widmen. Und immer wieder aufs neue war ich best&uuml;rzt und ersch&uuml;ttert &uuml;ber all die halbherzigen und eingestellten Verfahren, die Freispr&uuml;che, die Niederschlagung staatsanwaltlicher Ermittlungen und die Schamlosigkeit, mit der die deutsche Nachkriegsjustiz sich &uuml;ber die Nazi-Vergangenheit von Richtern und Kriminalbeamten bei Wiedereinstellungen und Bef&ouml;rderungen hinwegsetzte, auch da, wo die Beteiligung, zum Beispiel an den 50.000 Todesurteilen der Milit&auml;rgerichte leicht nachzuweisen gewesen w&auml;re.\n<\/p>\n<p>In diesem von Dieter Schenk so pr&auml;gnant beschriebenen politischen Klima und einem solchen Milieu hat Fritz Bauer arbeiten m&uuml;ssen und hat es doch erreicht, da&szlig; Prozesse wie der Rehmer-Proze&szlig; und der Auschwitz-Proze&szlig; tats&auml;chlich stattfanden und da&szlig; sich das politische Bewu&szlig;tsein der Bundespreublik langsam wandelte.\n<\/p>\n<p>Auch die Arbeit von Dieter Schenk hat das &ouml;ffentliche Bewu&szlig;tsein in der Bundesrepublik beeinflu&szlig;t. Immer wieder hat er es in seinen B&uuml;chern geschafft - am eindrucksvollsten meines Erachtens in der \"Post von Danzig\", - die Verbrechen der Nationalsozialisten aus der Abstraktion statistischer Darstellungen und struktureller Erkl&auml;rungen herauszuholen und T&auml;tern wie Opfern ein individuelles Gesicht zu geben. Dar&uuml;ber hinaus haben seine sorgf&auml;ltigen Recherchen und Ermittlungen mindestens in einem Fall ein juristisches Nachspiel gehabt, wor&uuml;ber uns Professor Kulesza berichten wird.\n<\/p>\n<p>Wir freuen uns ganz besonders, da&szlig; Professor Kulesza aus Warschau sich bereit gefunden hat, die heutige Laudatio zu halten. Professor Kulesza ist nicht nur stellvertretender Generalstaatsanwalt Polens, sondern auch der Direktor der \"Hauptkommission zur Verfolgung von NS-Verbrechen und Verbrechen des Stalinismus\". Ich begr&uuml;&szlig;e Sie, Professor Kulesza noch einmal sehr herzlich und m&ouml;chte Ihnen das Wort &uuml;bergeben.<\/p>","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/themen\/veranstaltungen\/buergerrechtspreise\/fritz-bauer-preis\/2003\/fritz-bauer-preis-2003-an-dieter-schenk\/","name":"Fritz-Bauer-Preis 2003 an Dieter Schenk","slug":"fritz-bauer-preis-2003-an-dieter-schenk","taxonomy":"category","parent":2661,"meta":[],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Fritz-Bauer-Preis 2003 an Dieter Schenk Archive - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/themen\/veranstaltungen\/buergerrechtspreise\/fritz-bauer-preis\/2003\/fritz-bauer-preis-2003-an-dieter-schenk\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Fritz-Bauer-Preis 2003 an Dieter Schenk Archive - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Fritz-Bauer-Preis 2003 an Dieter Schenk Begr&uuml;&szlig;ung durch Ingeborg R&uuml;rup (stellvertretende HU &#8211; Vorsitzende) &nbsp; Lieber Dieter Schenk,Sehr verehrter Herr Professor Kulesza,Liebe Freundinnen und Freunde der Humanistischen Union und des Fritz Bauer Instituts,Meine Damen und Herren! 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Deswegen ist die Widerstandsidee zu keiner Zeit und in keinem Staat &uuml;berholt, mag sie sich auch im Alltag auf den gerichtlichen Kampf ums Recht, auf Kritik und Opposition, auf Demonstration, auf die im Grundgesetz und in anderen Normen festgelegten Bahnen einer freien Bewu&szlig;tseinsbildung beschr&auml;nken. Mann kann zwischen einem totalen Widerstandsrecht und einer Widerstandspflicht im Unrechtsstaat und einem kleinen Widerstandsrecht im Rechtsstaat unterscheiden. 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Helga Einsele war eine Weggef&auml;hrtin und Freundin Fritz Bauers auf dem Weg zu einer grundlegenden Reform des Strafvollzuges. Beiden, Fritz Bauer und Helga Einsele ging es jedoch letztlich nicht um einen &#8222;besseren Strafvollzug&#8220; sondern um etwas, das &#8222;besser ist als Strafvollzug&#8220;, um Ma&szlig;nahmen, die &#8211; jenseits von Vergeltung und Repression &#8211; den Inhaftierten wieder in die Gesellschaft zur&uuml;ckf&uuml;hren, deren Normen er verletzt hat. Auch in diesem Ziel sind sich Fritz Bauer und die Humanistische Union bis heute einig, gerade angesichts gegenl&auml;ufiger Entwicklungen, unter anderem im Jugendstrafrecht, die eher durch eine R&uuml;ckkehr zu einer &uuml;berwunden geglaubten Strafmentalit&auml;t gepr&auml;gt sind. Die Feier zur Preis&uuml;bergabe fand damals, am 16. Juli 1969, konsequenter Weise in der Kapelle des Preungesheimer Gef&auml;ngnisses statt, etwa die H&auml;lfte der etwa 100 Anwesenden waren inhaftierte Frauen. 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Als letzten in dieser Auswahl von Fritz Bauer Preistr&auml;gern m&ouml;chte ich den ehemaligen Polizeipr&auml;sidenten Hans Lisken (1995), nennen, von dem wir und auch viele Polizisten gelernt haben, da&szlig; sich Polizei und B&uuml;rgerrechte kein Gegensatz sind, da&szlig; Kriminalit&auml;tsbek&auml;mpfung nicht die Aufgabe der Polizei, sondern die Aufgabe von Politik und Gesellschaft ist, und da&szlig; wir als B&uuml;rgerrechtler gut daran tun, die wachsenden Befugnisse der Polizei durch immer neue Polizeigesetze kritisch zu beobachten, zu kritisieren und im Namen des Rechtsstaates, dessen Schutz laut Lisken die eigentliche Aufgabe der Polizei ist, zu verhindern versuchen. Auch unser heutiger Preistr&auml;ger ist Polizist gewesen, zuletzt Kriminaldirektor im Bundeskriminalamt 1989 ist er auf eigenen Wunsch vorzeitig aus dem Polizeidienst ausgeschieden. In seiner Zeit in Polizeidienst und sp&auml;ter als Publizist hat er sich f&uuml;r die Aufarbeitung der personellen und institutionellen Kontinuit&auml;ten aus der NS-Zeit im deutschen Polizeiapparat eingesetzt. Er hat sich engagiert f&uuml;r demokratische und rechtsstaatliche Strukturen in der Polizei und gegen Amtshilfe an Staaten, in denen Menschen- und B&uuml;rgerrechte verletzt werden. Seit seinem Ausscheiden aus dem Polizeidienst hat er etwa ein Dutzend B&uuml;cher geschrieben, Romane, Jugendb&uuml;cher, Sachb&uuml;cher und Drehb&uuml;cher, B&uuml;cher, denen man fast allen das Motto seines ersten Romans &#8222;Der Durchl&auml;ufer&#8220; voranstellen k&ouml;nnte &#8222;Rechtsstaat, Menschlichkeit und polizeiliche Gewalt d&uuml;rfen kein Widerspruch sein&#8220;. 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In diesem von Dieter Schenk so pr&auml;gnant beschriebenen politischen Klima und einem solchen Milieu hat Fritz Bauer arbeiten m&uuml;ssen und hat es doch erreicht, da&szlig; Prozesse wie der Rehmer-Proze&szlig; und der Auschwitz-Proze&szlig; tats&auml;chlich stattfanden und da&szlig; sich das politische Bewu&szlig;tsein der Bundespreublik langsam wandelte. Auch die Arbeit von Dieter Schenk hat das &ouml;ffentliche Bewu&szlig;tsein in der Bundesrepublik beeinflu&szlig;t. Immer wieder hat er es in seinen B&uuml;chern geschafft &#8211; am eindrucksvollsten meines Erachtens in der &#8222;Post von Danzig&#8220;, &#8211; die Verbrechen der Nationalsozialisten aus der Abstraktion statistischer Darstellungen und struktureller Erkl&auml;rungen herauszuholen und T&auml;tern wie Opfern ein individuelles Gesicht zu geben. Dar&uuml;ber hinaus haben seine sorgf&auml;ltigen Recherchen und Ermittlungen mindestens in einem Fall ein juristisches Nachspiel gehabt, wor&uuml;ber uns Professor Kulesza berichten wird. Wir freuen uns ganz besonders, da&szlig; Professor Kulesza aus Warschau sich bereit gefunden hat, die heutige Laudatio zu halten. Professor Kulesza ist nicht nur stellvertretender Generalstaatsanwalt Polens, sondern auch der Direktor der &#8222;Hauptkommission zur Verfolgung von NS-Verbrechen und Verbrechen des Stalinismus&#8220;. Ich begr&uuml;&szlig;e Sie, Professor Kulesza noch einmal sehr herzlich und m&ouml;chte Ihnen das Wort &uuml;bergeben.\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/themen\/veranstaltungen\/buergerrechtspreise\/fritz-bauer-preis\/2003\/fritz-bauer-preis-2003-an-dieter-schenk\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Humanistische Union\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:site\" content=\"@humunion\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"CollectionPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/themen\\\/veranstaltungen\\\/buergerrechtspreise\\\/fritz-bauer-preis\\\/2003\\\/fritz-bauer-preis-2003-an-dieter-schenk\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/themen\\\/veranstaltungen\\\/buergerrechtspreise\\\/fritz-bauer-preis\\\/2003\\\/fritz-bauer-preis-2003-an-dieter-schenk\\\/\",\"name\":\"Fritz-Bauer-Preis 2003 an Dieter Schenk Archive - Humanistische Union\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#website\"},\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/themen\\\/veranstaltungen\\\/buergerrechtspreise\\\/fritz-bauer-preis\\\/2003\\\/fritz-bauer-preis-2003-an-dieter-schenk\\\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/themen\\\/veranstaltungen\\\/buergerrechtspreise\\\/fritz-bauer-preis\\\/2003\\\/fritz-bauer-preis-2003-an-dieter-schenk\\\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Veranstaltungen\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/themen\\\/veranstaltungen\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"B\u00fcrgerrechtspreise\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/themen\\\/veranstaltungen\\\/buergerrechtspreise\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":3,\"name\":\"Fritz-Bauer-Preis der Humanistischen Union\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/themen\\\/veranstaltungen\\\/buergerrechtspreise\\\/fritz-bauer-preis\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":4,\"name\":\"2003\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/themen\\\/veranstaltungen\\\/buergerrechtspreise\\\/fritz-bauer-preis\\\/2003\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":5,\"name\":\"Fritz-Bauer-Preis 2003 an Dieter Schenk\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#website\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/\",\"name\":\"Humanistische Union\",\"description\":\"\",\"publisher\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#organization\"},\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":{\"@type\":\"PropertyValueSpecification\",\"valueRequired\":true,\"valueName\":\"search_term_string\"}}],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":\"Organization\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#organization\",\"name\":\"Humanistische Union e.V.\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/\",\"logo\":{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"de\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2023\\\/09\\\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg\",\"contentUrl\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2023\\\/09\\\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg\",\"width\":1000,\"height\":536,\"caption\":\"Humanistische Union e.V.\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\"},\"sameAs\":[\"https:\\\/\\\/x.com\\\/humunion\",\"https:\\\/\\\/mastodon.social\\\/@humunion\",\"https:\\\/\\\/bsky.app\\\/profile\\\/humanistischeunion.bsky.social\"]}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Fritz-Bauer-Preis 2003 an Dieter Schenk Archive - Humanistische Union","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/themen\/veranstaltungen\/buergerrechtspreise\/fritz-bauer-preis\/2003\/fritz-bauer-preis-2003-an-dieter-schenk\/","og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"Fritz-Bauer-Preis 2003 an Dieter Schenk Archive - Humanistische Union","og_description":"Fritz-Bauer-Preis 2003 an Dieter Schenk Begr&uuml;&szlig;ung durch Ingeborg R&uuml;rup (stellvertretende HU &#8211; Vorsitzende) &nbsp; Lieber Dieter Schenk,Sehr verehrter Herr Professor Kulesza,Liebe Freundinnen und Freunde der Humanistischen Union und des Fritz Bauer Instituts,Meine Damen und Herren! Im Namen der Humanistischen Union m&ouml;chte ich Sie herzlich willkommen hei&szlig;en zur Feier der Verleihung des Fritz Bauer Preises an Dieter Schenk, heute am 16. Juli 2003, dem 100. Geburtstag von Fritz Bauer. Besonders begr&uuml;&szlig;en m&ouml;chte ich den Direktor des Fritz Bauer Instituts, Professor Micha Brumlik, und Frau Dr. Irmtrud Wojak, bei denen ich mich f&uuml;r die gute Zusammenarbeit bei der Vorbereitung an dieser Stelle herzlich bedanken m&ouml;chte. Heute vor 34 Jahren wurde hier &#8211; in Frankfurt &#8211; dieser Preis zum ersten Mal verliehen, so wie es der Bundesvorstand in seiner ersten Sitzung nach dem pl&ouml;tzlichen Tod ihres Gr&uuml;ndungsmitgliedes und langj&auml;hrigen Vorstandsmitgliedes Fritz Bauer am 20. Juli 1968 in M&uuml;nchen beschlossen hatte. Der Beschlu&szlig; hatte folgenden Wortlaut: Zum Gedenken an ihr Gr&uuml;ndungs- und Vorstandsmitglied Dr. Fritz Bauer, Generalstaatsanwalt in Hessen von 1956 bis 1968, stiftet die Humanistische Union einen Preis f&uuml;r besondere Verdienste um die Demokratisierung, Liberalisierung und Humanisierung der Rechtsordnung in der Bundesrepublik Deutschland. Dieser Preis wird allj&auml;hrlich an Pers&ouml;nlichkeiten oder Institutionen verliehen, die sich im Sinne der &Uuml;berzeugungen Fritz Bauers und der Bestrebungen der Humanistischen Union in allgemeiner Weise oder auf einem besonderen Gebiet darum bem&uuml;ht haben, der Gerechtigkeit und Menschlichkeit in unserer Gesetzgebung Rechtsprechung und im Strafvollzug Geltung zu verschaffen. Rund 25 Mal hat die HU seither diesen Preis verliehen, bis zum Jahr 2000 an zehn Frauen und f&uuml;nfzehn M&auml;nner. Dieter Schenk w&auml;re heute der 26. Preistr&auml;ger, wenn nicht die HU im Jahr 2001 gleich 28 Personen ausgezeichnet h&auml;tte, Menschen, die es gewagt hatten, Soldaten angesichts des Kosovo-Krieges &ouml;ffentlich zur Desertion aufzurufen und daf&uuml;r pers&ouml;nliche Nachteile, drohende Gerichtsverfahren und eine m&ouml;gliche Verurteilung in Kauf zu nehmen. Sie haben also Gebrauch gemacht vom &#8222;Widerstandsrecht des kleinen Mannes&#8220;, wie es von Fritz Bauer 1962 in einem seiner gro&szlig;en Aufs&auml;tze zum Widerstandsrecht gegen die damals herrschende Lehre, die eher an einer Einschr&auml;nkung des Widerstandsrechtes orientiert war, &uuml;berzeugend vertreten hat. &#8211; Ich glaube, die Auswahl dieser Preistr&auml;ger h&auml;tte Fritz Bauer gefallen. Der letzte ver&ouml;ffentlichte Text von Fritz Bauer ist DEM THEMA Widerstand gewidmet: es war ein Vortrag, den er auf Einladung der Humanistischen Union neun Tage vor seinem Tod in der Universit&auml;t M&uuml;nchen gehalten hat. Er trug den Titel &#8222;Ungehorsam und Widerstand in Geschichte und Gegenwart&#8220;, und ist wie zahlreiche andere Aufs&auml;tze Fritz Bauers 1968 in den &#8222;Vorg&auml;ngen&#8220;, der bis heute existierenden Zeitschrift der HU, erschienen. Ich m&ouml;chte hier gerne einige S&auml;tze aus dem Schlu&szlig;absatz dieses Aufsatzes zitieren, weil er f&uuml;r mich das Anliegen Fritz Bauers und der Humanistischen Union gleicherma&szlig;en verdeutlicht. Fritz Bauer schreibt: &#8222;Widerstand ist notwendig im Unrechtsstaat. Er braucht auch nicht erst zu beginnen, wenn der Unrechtssatt etabliert ist &#8211; pincipiis obsta ! Die Bundesrepublik ist kein Unrechtsstaat. Aber Unrecht gibt es hier und anderw&auml;rts, und die W&uuml;rde des Menschen ist &uuml;berall in Gefahr, im Namen der Staatsr&auml;son verk&uuml;rzt zu werden. Das Widerstandsrecht eskaliert mit wachsendem staatlichen Unrecht. Deswegen ist die Widerstandsidee zu keiner Zeit und in keinem Staat &uuml;berholt, mag sie sich auch im Alltag auf den gerichtlichen Kampf ums Recht, auf Kritik und Opposition, auf Demonstration, auf die im Grundgesetz und in anderen Normen festgelegten Bahnen einer freien Bewu&szlig;tseinsbildung beschr&auml;nken. Mann kann zwischen einem totalen Widerstandsrecht und einer Widerstandspflicht im Unrechtsstaat und einem kleinen Widerstandsrecht im Rechtsstaat unterscheiden. Auch dieses partielle, dieses &#8222;kleine Widerstandsrecht&#8220;, das wir heute besitzen, stellt uns Aufgaben genug.&#8220; Diesen Aufgaben und Bauers &#8222;Aufforderung zum pers&ouml;nlichen Engagement&#8220; hat sich die Humanistische Union seit ihrer Gr&uuml;ndung verpflichtet gef&uuml;hlt und dabei auch von Fritz Bauer gelernt, da&szlig; &#8222;Widerstand und Ungehorsam im Kampf um eine humane Welt&#8220; nicht nur &#8222;Schwei&szlig;, Tr&auml;nen und Blut&#8220; bedeuten m&uuml;ssen, sondern auch dazu gut sind, wie es Bauer, seinen Liebingsdichter Schiller zitierend, formuliert &#8222;um in der Brust des Menschen ein fr&ouml;hliches Gef&uuml;hl seiner selbst zu erwecken und Beispiel daf&uuml;r zu geben,was Menschen wagen d&uuml;rfen f&uuml;r eine gute Sache.&#8220; Ohne Zweifel h&auml;tte Fritz Bauer auch der Wahl der ersten Preistr&auml;gerin zugestimmt; Es war Dr. Helga Einsele, die damalige Leiterin der Frauenstrafanstalt Frankfurt-Preungesheim, einer von 13 Strafanstalten, die Fritz Bauer in Hessen unterstanden. Helga Einsele war eine Weggef&auml;hrtin und Freundin Fritz Bauers auf dem Weg zu einer grundlegenden Reform des Strafvollzuges. Beiden, Fritz Bauer und Helga Einsele ging es jedoch letztlich nicht um einen &#8222;besseren Strafvollzug&#8220; sondern um etwas, das &#8222;besser ist als Strafvollzug&#8220;, um Ma&szlig;nahmen, die &#8211; jenseits von Vergeltung und Repression &#8211; den Inhaftierten wieder in die Gesellschaft zur&uuml;ckf&uuml;hren, deren Normen er verletzt hat. Auch in diesem Ziel sind sich Fritz Bauer und die Humanistische Union bis heute einig, gerade angesichts gegenl&auml;ufiger Entwicklungen, unter anderem im Jugendstrafrecht, die eher durch eine R&uuml;ckkehr zu einer &uuml;berwunden geglaubten Strafmentalit&auml;t gepr&auml;gt sind. Die Feier zur Preis&uuml;bergabe fand damals, am 16. Juli 1969, konsequenter Weise in der Kapelle des Preungesheimer Gef&auml;ngnisses statt, etwa die H&auml;lfte der etwa 100 Anwesenden waren inhaftierte Frauen. Auch die weiteren Preisverleihungen der 70er Jahre stehen in der Tradition und Verpflichtung des gro&szlig;en Themas der Reform des Strafrechtes und des Strafvollzuges im Sinne Fritz Bauers: Von Gustav Heinemann, der sich als Innenminister f&uuml;r eine echte Reform des deutschen Strafrechtes eingesetzt hatte (1970) bis zu Peggy Parnass, der Verfasserin aufkl&auml;render Gerichtreportagen (1980), von Birgita Wolf,(1971) der gro&szlig;en Ombudsfrau der Straff&auml;lligen und Entlassenen bis zu Helmut Ostermeyer (1975), dem Jugendrichter in Bielefeld, der damals als &#8222;Therapeut in der Richterrobe&#8220; etikettiert wurde. Um 1969\/70 war die Humanistische Union aus einem Honoratiorenverein linker Intellektueller, zu einer Mitgliederorganisation mit ca. 4500 Mitgliedern angewachsen, was nicht ohne starke innere Auseinandersetzungen und Strukturdebatten ablief, Debatten, bei denen der sonst so k&auml;mpferische Fritz Bauer (soweit ich das den Protokollen der Zeit entnehmen kann) eher zu Gelassenheit, Sachlichkeit und Entpersonalisierung mahnte. Obwohl es nach den oben aufgez&auml;hlten Preistr&auml;gern so scheinen mag, war die Humanistische Union kein &#8222;Juristenverein&#8220;: Neben ihrem Gr&uuml;nder, dem Journalisten und Autor Gerhard Szczesny gab es weitere Journalisten und Schriftsteller, Philosophen, Soziologen, Mediziner und Psychoanalytiker unter den ersten Vorst&auml;nden. Die Vielfalt der Themen und Bereiche, in denen die Humanistische Union als H&uuml;terin der B&uuml;rgerrechte sich in den folgenden Jahrzehnten zu Wort meldete spiegelt sich u.a. auch in den Berufen (Journalisten, Pfarrer, Rechtsanw&auml;lte, Richter und Wissenschaftler), Aktivit&auml;ten und Verdiensten derjenigen M&auml;nner und Frauen, die in 80er und 90er Jahren ausgezeichnet wurden: Mit Ruth Leuze taucht zum ersten Mal das Thema Datenschutz auf (1982), f&uuml;r ihr Engagement f&uuml;r den Frieden wurden u.a. Erich K&uuml;chenhoff (1983), sp&auml;ter Klaus und Hanne Vack (1996) geehrt. Um Minderheitenrechte und Antidiskrimierungspolitik ging es bei der Verleihung des Fritz Bauer Preises an Rosi Wolf-Almanasreh (1985), Liselotte Funcke (1990 und die Verfassungsrichterin Helga Seibert (1999). Bei der Preisverleihung an G&uuml;nter Grass (1997) und Regine Hildebrandt (2000) wurde ihr Engagement f&uuml;r soziale Menschenrechte und Rechte von Asylsuchenden gew&uuml;rdigt. Als letzten in dieser Auswahl von Fritz Bauer Preistr&auml;gern m&ouml;chte ich den ehemaligen Polizeipr&auml;sidenten Hans Lisken (1995), nennen, von dem wir und auch viele Polizisten gelernt haben, da&szlig; sich Polizei und B&uuml;rgerrechte kein Gegensatz sind, da&szlig; Kriminalit&auml;tsbek&auml;mpfung nicht die Aufgabe der Polizei, sondern die Aufgabe von Politik und Gesellschaft ist, und da&szlig; wir als B&uuml;rgerrechtler gut daran tun, die wachsenden Befugnisse der Polizei durch immer neue Polizeigesetze kritisch zu beobachten, zu kritisieren und im Namen des Rechtsstaates, dessen Schutz laut Lisken die eigentliche Aufgabe der Polizei ist, zu verhindern versuchen. Auch unser heutiger Preistr&auml;ger ist Polizist gewesen, zuletzt Kriminaldirektor im Bundeskriminalamt 1989 ist er auf eigenen Wunsch vorzeitig aus dem Polizeidienst ausgeschieden. In seiner Zeit in Polizeidienst und sp&auml;ter als Publizist hat er sich f&uuml;r die Aufarbeitung der personellen und institutionellen Kontinuit&auml;ten aus der NS-Zeit im deutschen Polizeiapparat eingesetzt. Er hat sich engagiert f&uuml;r demokratische und rechtsstaatliche Strukturen in der Polizei und gegen Amtshilfe an Staaten, in denen Menschen- und B&uuml;rgerrechte verletzt werden. Seit seinem Ausscheiden aus dem Polizeidienst hat er etwa ein Dutzend B&uuml;cher geschrieben, Romane, Jugendb&uuml;cher, Sachb&uuml;cher und Drehb&uuml;cher, B&uuml;cher, denen man fast allen das Motto seines ersten Romans &#8222;Der Durchl&auml;ufer&#8220; voranstellen k&ouml;nnte &#8222;Rechtsstaat, Menschlichkeit und polizeiliche Gewalt d&uuml;rfen kein Widerspruch sein&#8220;. Gustav Heinemann hatte, anl&auml;&szlig;lich seiner Preisverleihung 1970, als die Humanistische Union ihn um Ratschl&auml;ge f&uuml;r ihre weitere Arbeit bat, in seiner lakonischen Art geantwortet:&#8222;Tommeln Sie!&#8220; Trommeln in diesem Sinne kann man auf sehr unterschiedliche Weise: Man kann Flugbl&auml;tter, Presseerkl&auml;rungen und offene Briefe verfassen, Petitionen einreichen und Musterklagen f&uuml;hren, Abgeordnete und Minister aufsuchen und gelegentlich &ouml;ffentliche &#8222;happenings&#8220; Veranstalten. Man kann aber eben auch B&uuml;cher schreiben, und Dieter Schenk hat es getan und damit die gleichen Anliegen &#8222;unters Volk&#8220; zu bringen versucht wie die Humanistische Union auf ihre Weise. Ich habe aus Anla&szlig; des heutigen Tages einige von Dieter Schenks B&uuml;chern erstmalig, andere wieder gelesen, sowohl die &#8222;Trilogie&#8220; &uuml;ber das Bundeskriminalamt, wie die drei B&uuml;cher, die sich den nationalsozialistischen Verbrechen in Polen, den T&auml;tern und deren Nachkriegskarrieren in der bundesdeutschen Justiz widmen. Und immer wieder aufs neue war ich best&uuml;rzt und ersch&uuml;ttert &uuml;ber all die halbherzigen und eingestellten Verfahren, die Freispr&uuml;che, die Niederschlagung staatsanwaltlicher Ermittlungen und die Schamlosigkeit, mit der die deutsche Nachkriegsjustiz sich &uuml;ber die Nazi-Vergangenheit von Richtern und Kriminalbeamten bei Wiedereinstellungen und Bef&ouml;rderungen hinwegsetzte, auch da, wo die Beteiligung, zum Beispiel an den 50.000 Todesurteilen der Milit&auml;rgerichte leicht nachzuweisen gewesen w&auml;re. In diesem von Dieter Schenk so pr&auml;gnant beschriebenen politischen Klima und einem solchen Milieu hat Fritz Bauer arbeiten m&uuml;ssen und hat es doch erreicht, da&szlig; Prozesse wie der Rehmer-Proze&szlig; und der Auschwitz-Proze&szlig; tats&auml;chlich stattfanden und da&szlig; sich das politische Bewu&szlig;tsein der Bundespreublik langsam wandelte. Auch die Arbeit von Dieter Schenk hat das &ouml;ffentliche Bewu&szlig;tsein in der Bundesrepublik beeinflu&szlig;t. Immer wieder hat er es in seinen B&uuml;chern geschafft &#8211; am eindrucksvollsten meines Erachtens in der &#8222;Post von Danzig&#8220;, &#8211; die Verbrechen der Nationalsozialisten aus der Abstraktion statistischer Darstellungen und struktureller Erkl&auml;rungen herauszuholen und T&auml;tern wie Opfern ein individuelles Gesicht zu geben. Dar&uuml;ber hinaus haben seine sorgf&auml;ltigen Recherchen und Ermittlungen mindestens in einem Fall ein juristisches Nachspiel gehabt, wor&uuml;ber uns Professor Kulesza berichten wird. Wir freuen uns ganz besonders, da&szlig; Professor Kulesza aus Warschau sich bereit gefunden hat, die heutige Laudatio zu halten. Professor Kulesza ist nicht nur stellvertretender Generalstaatsanwalt Polens, sondern auch der Direktor der &#8222;Hauptkommission zur Verfolgung von NS-Verbrechen und Verbrechen des Stalinismus&#8220;. 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