{"id":97,"count":0,"description":"Zur Vorgeschichte des Einsatzes von IMSI-Catchern in Deutschland\n\nEin Bericht des Nachrichtenmagazins <i>Der Spiegel<\/i> vom 13. August 2001 (Heft 33\/2001, S. 54f) informierte eine breitere &Ouml;ffentlichkeit erstmals &uuml;ber den Einsatz eines neuen &Uuml;berwachungsinstruments, mit dem Sicherheitsbeh&ouml;rden NutzerInnen von Mobiltelefonen innerhalb eines Umfeldes von 100-300 Metern lokalisieren k&ouml;nnen. Nach Informationen des Spiegels nutzen Bundeskriminalamt und Bundesgrenzschutz diese Ger&auml;te (IMSI-Catcher), um den im&nbsp;Bereich der sog. Organisierten Kriminalit&auml;t zu beobachtenden h&auml;ufigen Wechsel von Rufnummern&nbsp;(durch Wechsel der SIM-Karten) zu begegnen und Verd&auml;chtige auch ohne Kenntnis ihrer aktuellen Rufnummer orten und evtl. abh&ouml;ren zu k&ouml;nnen.\n\nAm 23. August 2001 stellten die FDP-Abgeordneten Dr. Edzard Schmidt-Jortzig, J&ouml;rg van Essen, Rainer Funke, Dr. Wolfgang Gerhardt eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung&nbsp;[<a href=\"http:\/\/dip.bundestag.de\/btd\/14\/068\/1406827.pdf\">BT Drucksache 14\/6827<\/a>]. Sie wollten unter anderem wissen, ob der mit dem IMSI-Catcher verbundene Eingriff in die Kommunikationsfreiheit:\n\n\n&uuml;berhaupt eine Rechtsgrundlage in der Strafprozessordnung habe\nund die damit verbundene M&ouml;glichkeit der Erstellung von Bewegungsprofilen nicht einer gesetzlichen Grundlage bed&uuml;rfe\ndie Gefahr eines Missbrauchs durch Dritte berge\ntelekommunikationsrechtlich zul&auml;ssig sei, nachdem die f&uuml;r den Test erfolgte Versuchsfunkgenehmigung der Regulierungsbeh&ouml;rde Ende 1999 auslief.\n\nIn ihrer Antwort vom 6.9.2001&nbsp;entgegnete die&nbsp;Bundesregierung [<a href=\"http:\/\/dip.bundestag.de\/btd\/14\/068\/1406885.pdf\">BT Drucksache 14\/6885<\/a>]:\n\n\nder Einsatz der Ger&auml;te sei durch &sect;100a ff. StPO und &sect; 161 StPO gedeckt. \"<em>Gleichwohl pr&uuml;ft die Bundesregierung aus Gr&uuml;nden der Rechtssicherheit und -klarheit die Schaffung einer ausdr&uuml;cklichen Rechtsgrundlage in der StPO. ... Umstritten ist jedoch die Rechtslage, wenn das Handy lediglich aktiv geschaltet ist, eine Telekommunikation aber nicht stattfindet.<\/em>\"\neine Gefahr der missbr&auml;uchlichen Verwendung von IMSI-Catchern sieht die Bundesregierung als nicht gegeben an\ndie St&ouml;rung des Mobilfunkbetriebs (u.a. kurzzeitige Nicht-Erreichbarkeit der Notrufnummern im betroffenen Netzsegment) sieht die Bundesregierung als zu vernachl&auml;ssigende Gr&ouml;&szlig;e an\n\nDiese fragw&uuml;rdige Haltung &auml;nderte die Bundesregierung 2002. Am 16. April&nbsp;2002 beraumte der Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages &uuml;berraschend und kurzfristig eine Sachverst&auml;ndigenanh&ouml;rung zum Einsatz des IMSI-Catchers an.&nbsp;Zu dieser Anh&ouml;rung waren weder B&uuml;rgerrechtsorganisationen noch Mobilfunkbetreiber geladen.\n\nIn seiner Sitzung vom 15. Mai 2002 implantierte der Rechtsausschuss die Regelung zum Einsatz des IMSI-Catchers in ein v&ouml;llig sachfremdes Gesetzesvorhaben: Das laut urspr&uuml;nglichem Antrag (BT-Drs. 14\/5264) als \"Gesetz zur Regelung der Zust&auml;ndigkeit f&uuml;r die Anordnung einer DNA-Untersuchung\" angek&uuml;ndigte&nbsp;Gesetz wurde bei seiner abschlie&szlig;enden Beratung im Rechtsausschuss unter der Hand um die Regelung zum Einsatz des IMSI-Catchers \"erweitert\". Aus einem Gesetz &uuml;ber DNA-Untersuchungen wurde nun ein&nbsp;Gesetz zum Einsatz des sog. IMSI-Catchers (BT-Drs. 14\/9088).\n\nNur zwei Tage sp&auml;ter, am 17. Mai (Freitag Nachmittag vor Pfingsten) fand die zweite und dritten Beratung des Gesetzes im Bundestag statt. Alle Abgeordneten gaben damals ihre Reden zu Protokoll (s. Plenarprotokoll 14\/237), d.h. &uuml;ber dieses Gesetzesvorhaben wurde nicht mehr m&uuml;ndlich verhandelt. 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