{"id":14701,"date":"2020-12-17T09:32:00","date_gmt":"2020-12-17T08:32:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/vier-jahrzehnte-verfassungsschutz-skandal-rechtskraeftig-beendet\/"},"modified":"2021-08-31T10:13:02","modified_gmt":"2021-08-31T08:13:02","slug":"vier-jahrzehnte-verfassungsschutz-skandal-rechtskraeftig-beendet","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/vier-jahrzehnte-verfassungsschutz-skandal-rechtskraeftig-beendet\/","title":{"rendered":"Vier Jahrzehnte \u201eVerfassungsschutz\u201c-Skandal rechtskr\u00e4ftig beendet"},"content":{"rendered":"<p>Nach 15 Jahren endlich Rechtssicherheit im Rechtsstreit  Dr. Rolf G&ouml;ssner . \/. Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz<\/p>\n<p>Nach vier Jahrzehnten geheimdienstlicher &Uuml;berwachung und 15 Jahren Verfahrensdauer hat das Bundesverwaltungsgericht Leipzig am 14. Dezember 2020 die Revision der beklagten Bundesrepublik Deutschland zur&uuml;ckgewiesen (BVerwG 6 C 11.18).<\/p>\n<p>Mit dieser Entscheidung best&auml;tigt das Bundesverwaltungsgericht das Urteil des Oberverwaltungsgerichts NRW aus dem Jahr 2018 in vollem Umfang. Auch wenn die schriftlichen Urteilsgr&uuml;nde noch nicht vorliegen, so l&auml;sst sich jetzt schon sagen: Damit bleibt es auch in dritter und letzter Instanz dabei, dass die 38 Jahre w&auml;hrende geheimdienstliche &Uuml;berwachung und Ausforschung des Rechtsanwalts, Publizisten und B&uuml;rgerrechtlers Rolf G&ouml;ssner durch das beklagte Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig und grundrechtswidrig war.<\/p>\n<p>Mit diesem h&ouml;chstrichterlichen Urteil ist Rolf G&ouml;ssner, den der Bundesinlandsgeheimdienst &bdquo;Verfassungsschutz&ldquo; zum &bdquo;Staats- und Verfassungsfeind&ldquo; erkl&auml;rt hatte, endlich rechtskr&auml;ftig rehabilitiert. Damit haben die Bundesregierung mit ihrem zust&auml;ndigen Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sowie alle weiteren 13 seit 1970 verantwortlichen Bundesinnenminister und 12 Pr&auml;sidenten des Bundesamts f&uuml;r Verfassungsschutz eine schwere und blamable Niederlage erlitten in diesem skandal&ouml;sen &Uuml;berwachungsfall.<\/p>\n<p>Tats&auml;chlich ist ein so lang w&auml;hrender Grundrechtsbruch gegen&uuml;ber einem B&uuml;rger dieses Landes bislang keinem anderen staatlichen Sicherheitsorgan h&ouml;chstrichterlich bescheinigt worden. Aus diesem beispiellosen Fiasko einer geradezu kafkaesken &Uuml;berwachungsgeschichte m&uuml;ssen dringend &uuml;berf&auml;llige politische, beh&ouml;rdliche und gesetzgeberische Konsequenzen gezogen werden.<\/p>\n<p>Rolf G&ouml;ssner sieht in den Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts und der Vorinstanzen einen &bdquo;gerichtlichen Sieg &uuml;ber geheimdienstliche Verleumdungen und Willk&uuml;r sowie &uuml;ber antidemokratische Denk-, Interpretations- und Handlungsmuster eines staatlichen Sicherheitsorgans. Das ist eine klare Entscheidung zugunsten der Meinungs-, Presse- und Berufsfreiheit und der informationellen Selbstbestimmung.&ldquo;<\/p>\n<p>Rechtsanwalt Dr. Udo Kau&szlig; und Prozessvertreter von Rolf G&ouml;ssner: &bdquo;Nun hat das Bundesverwaltungsgericht die Urteile der Vorinstanzen best&auml;tigt. Dagegen hat sich der &sbquo;Verfassungsschutz&lsquo; 15 Jahre erbittert gewehrt. Jetzt ist es h&ouml;chste Zeit, dass hieraus Konsequenzen gezogen werden. Gesinnungsschn&uuml;ffelei und Gesinnungskontrolle durch den &sbquo;Verfassungsschutz&lsquo; sind durch klare gesetzliche Vorschriften zu unterbinden. Das gilt nicht nur zum Schutze von (u.a. anwaltlichen) Berufsgeheimnissen, die unter &Uuml;berwachungsbedingungen nicht mehr zu gew&auml;hrleisten sind, sondern gegen&uuml;ber Jedermann.&ldquo;<\/p>\n<p>Werner Koep-Kerstin, Bundesvorsitzender der HUMANISTISCHEN UNION erkl&auml;rt: &bdquo;Die vorliegenden Entscheidungen sind Meilensteine im Kampf gegen einen &uuml;bergriffigen Geheimdienst. Als B&uuml;rgerrechtsvereinigung werden wir dar&uuml;ber wachen, dass sich an diese grundlegenden Urteile eine unverz&uuml;gliche &Auml;nderung der bisherigen Beobachtungspraxis der Geheimdienste anschlie&szlig;t. Ein Weiter-So darf es nicht geben.&ldquo;<\/p>\n<p>Hintergrund (Kurzversion):<\/p>\n<p>Dr. Rolf G&ouml;ssner ist seit 1970 vier Jahrzehnte lang ununterbrochen vom Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz geheimdienstlich beobachtet und ausgeforscht worden &#8211; schon als Jurastudent, sp&auml;ter als Gerichtsreferendar und seitdem ein Arbeitsleben lang in allen seinen beruflichen und ehrenamtlichen Funktionen als Publizist, Rechts&not;anwalt, parlamentarischer Berater, sp&auml;ter auch als Pr&auml;sident der Internationalen Liga f&uuml;r Menschenrechte und seit 2007 zudem als stellvertretender Richter am Staatsgerichtshof der Freien Hansestadt Bremen. Es d&uuml;rfte die l&auml;ngste Dauerbeobachtung einer unabh&auml;ngigen, parteilosen Einzelperson durch den Inlandsgeheimdienst sein, die bislang dokumentiert werden konnte.<\/p>\n<p>Zur Last gelegt werden ihm berufliche und ehrenamtliche Kontakte zu angeblich &bdquo;linksextremi&not;stischen&ldquo; und &bdquo;linksextremistisch beeinflussten&ldquo; Gruppen und Veranstaltern, bei denen er referierte und diskutierte, aber auch zu bestimmten Presseorganen, in denen er &ndash; neben vielen anderen Medien &ndash; ver&ouml;ffentlichte, denen er Interviews gab oder in denen &uuml;ber seine Aktivit&auml;ten berichtet wurde. Mit seinen Kontakten, publizistischen Beitr&auml;gen und Vortr&auml;gen soll er, so die Unterstellung, besagte &#8211; nicht verbotene, aber als &bdquo;linksextremistisch&ldquo; geltende &#8211; Gruppen und Organe &bdquo;nachdr&uuml;cklich unterst&uuml;tzt&ldquo; haben; er soll sie &ndash; so w&ouml;rtlich &ndash; als &bdquo;prominenter Jurist&ldquo; aufgewertet und gesellschaftsf&auml;hig gemacht haben. Aus vollkommen legalen und legitimen Berufskontakten hat der &bdquo;Verfassungsschutz&ldquo; (VS) so eine Art von &sbquo;Kontaktschuld&rsquo; konstruiert.<\/p>\n<p>Im Laufe des 15j&auml;hrigen Klageverfahrens schob der VS dann neue Vorw&uuml;rfe gegen G&ouml;ssner nach &ndash; Vorw&uuml;rfe, die zuvor keinerlei Rolle gespielt hatten, die nachtr&auml;glich die unglaubliche &Uuml;berwachungsgeschichte zus&auml;tzlich rechtfertigen sollten: Jetzt zog der VS auch seine Schriften in Misskredit und setzte G&ouml;ssner&lsquo;s inhaltlich begr&uuml;ndete Kritik an bundesdeutscher Sicherheits- und Antiterrorpolitik und an den Sicherheitsorganen einem Extremismusverdacht aus.<\/p>\n<p>Die Geschichte hat &uuml;ber den Einzelfall hinaus grunds&auml;tzliche Bedeutung besonders auch f&uuml;r andere Publizisten, Anw&auml;lte und Menschenrechtler: Denn Berufsgeheimnisse wie Mandatsgeheimnis und Informantenschutz sind unter den Bedingungen geheimdienstlicher  &Uuml;berwachung nicht zu gew&auml;hrleisten. Die verfassungsrechtlich gesch&uuml;tzten Vertrauensverh&auml;ltnisse zwischen Anwalt und Mandant sowie zwi&not;schen Journalist und Informant waren ersch&uuml;ttert, die Berufsfreiheit und berufliche Praxis damit mehr als beeintr&auml;chtigt.<\/p>\n<p>Im Anhang finden sich ausf&uuml;hrliche Hintergrund-Informationen zur &Uuml;berwachungs- und Verfahrensgeschichte. Daraus kann gerne zitiert werden. Vollst&auml;ndiger oder teilweise Abdruck nach R&uuml;cksprache.<\/p>\n<p>Kontakte<\/p>\n<p>&bull;\tDr. Udo Kau&szlig;, Rechtsanwalt in Freiburg, Vorsitzender der HUMANISTISCHEN UNION vereinigt mit der Gustav-Heinemann-Initiative\/Landesverband Baden-W&uuml;rttemberg, die den Prozess gegen den &lsquo;Verfassungsschutz&rsquo; unterst&uuml;tzt. Kontakt: ra@rechtsanwalt-kauss.de<\/p>\n<p>&bull;\tRA Dr. Rolf G&ouml;ssner, Kuratoriumsmitglied der Internationalen Liga f&uuml;r Menschenrechte, die zusammen mit weiteren B&uuml;rgerrechtsorganisationen, der Gewerkschaft ver.di sowie zahlreichen Politiker-, Schriftsteller- und K&uuml;nstler.innen mehrfach gegen seine geheimdienstliche &Uuml;berwachung protestiert hatte: goessner@uni-bremen.de<\/p>\n<p>Hintergrund zur 38j&auml;hrigen &Uuml;berwachungsgeschichte<\/p>\n<p>und zum 15j&auml;hrigen Verwaltungsgerichtsverfahren<\/p>\n<p>Dr. Rolf G&ouml;ssner .\/. Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz<\/p>\n<p>Rolf G&ouml;ssner ist seit 1970 vier Jahrzehnte lang ununterbrochen vom Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz geheimdienstlich beobachtet und ausgeforscht worden &#8211; schon als Jurastudent, dann als Gerichtsreferendar und seitdem ein Arbeitsleben lang in allen seinen beruflichen und ehrenamtlichen Funktionen als Publizist, Rechtsanwalt, parlamentarischer Berater, sp&auml;ter auch als Pr&auml;sident der Internationalen Liga f&uuml;r Menschenrechte und seit 2007 zudem als stellvertretender Richter am Staatsgerichtshof der Freien Hansestadt Bremen. Es d&uuml;rfte die l&auml;ng&not;ste Dauerbeobachtung einer unabh&auml;ngigen, parteilosen Einzelperson durch den Bundesinlandsgeheimdienst &bdquo;Verfassungsschutz&ldquo; sein, die bislang dokumentiert werden konnte.<\/p>\n<p>Anschuldigungen: Das Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz legt meinem Mandanten zur Last, berufliche und ehrenamtliche Kontakte zu angeblich &bdquo;linksextremistischen&ldquo; und &bdquo;linksextremistisch beeinflussten&ldquo; Gruppen und Veranstaltern unterhalten zu haben, bei denen er referierte und diskutierte, aber auch zu bestimmten Presseorganen, in denen er &#8211; neben vielen anderen Medien &ndash; ver&ouml;ffentlichte, denen er Interviews gab oder in denen &uuml;ber seine B&uuml;rgerrechtsaktivit&auml;ten berichtet wurde. Mit seinen Kontakten, publizistischen Beitr&auml;gen, Vortr&auml;gen und Diskussionen soll er, so die Unterstellung, besagte &#8211; nicht verbotene &#8211; Gruppen und Organe &bdquo;nachdr&uuml;cklich unterst&uuml;tzt&ldquo; haben; er soll sie &ndash; so w&ouml;rtlich &ndash; als &bdquo;prominenter Jurist&ldquo; aufgewertet und gesellschaftsf&auml;hig gemacht haben. Aus vollkommen legalen und legitimen Berufskontakten hat der &bdquo;Verfassungsschutz&ldquo; also eine Art von &sbquo;Kontaktschuld&rsquo; konstruiert.<\/p>\n<p>Neue Vorw&uuml;rfe im Gerichtsverfahren: Im Laufe des Verwaltungsgerichtsverfahrens, das mein Mandant 2006 gegen das Bundesamt vor dem Verwaltungsgericht K&ouml;ln angestrengt hatte, schob der &bdquo;Verfassungsschutz&ldquo; dann neue Vorw&uuml;rfe gegen ihn nach &#8211; Vorw&uuml;rfe, die zuvor keinerlei Rolle gespielt hatten, die aber nun nachtr&auml;glich die unglaubliche &Uuml;berwachungsgeschichte zus&auml;tzlich rechtfertigen sollten: Jetzt zog der &bdquo;Verfassungsschutz&ldquo; auch seine B&uuml;cher, Schriften und Interviews in Misskredit und setzte seine inhaltliche und begr&uuml;ndete Kritik an bundesdeutscher Sicherheits- und Antiterrorpolitik sowie an den Sicherheitsorganen, insbesondere den Geheimdiensten, einem Extremismusverdacht aus. Wie sich nach den NSU-, NSA- und Vertuschungsskandalen deutlich zeigte, war seine Kritik mehr als berechtigt. Dennoch versteigt sich das Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz nach wie vor zu der verschw&ouml;rerisch anmutenden These, der Kl&auml;ger wolle mit seiner Staats-, Polizei- und Geheimdienstkritik den Staat letztlich wehrlos machen gegen seine Feinde.<\/p>\n<p>Geschw&auml;rzte Personenakte\/In-camera-Verfahren: Das Verwaltungsgericht K&ouml;ln hatte das Bundesamt in erster Instanz gerichtlich dazu verpflichtet, die gesamte Personenakte &uuml;ber meinen Mandaten vorzulegen. Dies ist auch geschehen &#8211; aber nur sehr eingeschr&auml;nkt: Im Laufe der Jahrzehnte war eine Akte zu seiner Person von weit &uuml;ber 2.000 Seiten entstanden. Die erst nach Monaten vorgelegte Akte besteht aufgrund einer Sperrerkl&auml;rung des Bundesinnenministeriums &uuml;berwiegend aus entnommenen Seiten und Seiten mit geschw&auml;rzten Textstellen. Um die Akte ganz freizubekommen haben wir ein Parallelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht anstrengen m&uuml;ssen, ein sog. In-Camera-Verfahren, also ein rechtsstaatlich zweifelhafter Geheimprozess, auf den der Kl&auml;ger keinerlei Einfluss hatte. Entsprechend fiel das Urteil aus: Alle gesperrten Aktenteile m&uuml;ssen weiterhin geheim bleiben &ndash; und zwar aus Gr&uuml;nden des Quellenschutzes (Informanten, V-Leute, Agenten), der Ausforschungsgefahr und des Staatswohls! Die fatale Folge: Nur auf dieser eingeschr&auml;nkten Beweislage konnten Verwaltungsgericht K&ouml;ln und OVG NRW &uuml;ber die Rechtswidrigkeit der &Uuml;berwachung urteilen. Weitere &uuml;ber den Kl&auml;ger erfasste und gespeicherte Informationen hatte das Bundesamt erst gar nicht der gerichtlichen Kontrolle unterwerfen wollen. Inzwischen sind die manipulierten und geschw&auml;rzten Teile aus der VS-Akte im Museum f&uuml;r Kommunikation in Frankfurt\/M. und Berlin ausgestellt worden.<\/p>\n<p>Berufsgeheimnisse\/Urteil 1. Instanz: Die gesamte &Uuml;berwachungsgeschichte, der Prozess und der Ausgang des Verfahrens haben &uuml;ber den Einzelfall hinaus grunds&auml;tzliche Bedeutung &#8211; besonders auch f&uuml;r andere Publizisten, Anw&auml;lte und Menschenrechtler: Denn Berufsgeheimnisse wie Mandatsgeheimnis und Informantenschutz sind unter den Bedingungen der &Uuml;berwachung nicht mehr zu gew&auml;hrleisten, die verfassungsrechtlich gesch&uuml;tzten Vertrauensverh&auml;ltnisse zwischen Anwalt und Mandant sowie zwi&not;schen Journalist und Informant waren ersch&uuml;ttert, die Berufsfreiheit und berufliche Praxis damit mehr als beeintr&auml;chtigt. So sah es auch das Verwaltungsgericht K&ouml;ln in seinem Urteil von 2011: Die Sammlung von Daten zu seiner Person im Hinblick auf seine journalistische Arbeit, aber auch seine rechtsberatende T&auml;tigkeit im parlamentarischen Raum sei &bdquo;als schwerwiegender Eingriff in verfassungsrechtlich gesch&uuml;tzte Positionen zu bewerten&#8220;. Als erschwerend komme hinzu, dass vor allem bei Recherchen in seinem Hauptt&auml;tigkeitsfeld &#8218;Innere Sicherheit&#8216; eine &bdquo;besondere Vertrauensbasis zu Auskunftspersonen n&ouml;tig ist, die durch eine Beobachtung seitens des Verfassungsschutzes erheblich tangiert wird&#8220;. Das Gericht bescheinigte dem Bundesamt ingesamt, vier Jahrzehnte lang ununterbrochen unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig und grundrechtswidrig gehandelt und dabei auch Berufsgeheimnisse verletzt zu haben. Es billigte dem Kl&auml;ger daher ein &#8222;Rehabilitierungsinteresse&#8220; zu (VG-Urteil v. 3.2.2011; Az. 20 K 2331\/08).<\/p>\n<p>Berufung\/Urteil 2. Instanz: Bundesregierung und Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz stellten daraufhin Antrag auf Zulassung der Berufung, dem das Oberverwaltungsgericht (OVG) Nordrhein-Westfalen nach fast f&uuml;nf Jahren stattgab. Nach &uuml;ber vierst&uuml;ndiger m&uuml;ndlicher Verhandlung hat das OVG mit Berufungsurteil vom 13. M&auml;rz 2018 ebenfalls entschieden, dass die &uuml;ber 38j&auml;hrige geheimdienstliche &Uuml;berwachung des B&uuml;rgerrechtlers unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig und rechtswidrig war. Damit hat das OVG die Berufung insgesamt zur&uuml;ckgewiesen und das erstinstanzliche Urteil des Verwaltungsgerichts K&ouml;ln von 2011 vollst&auml;ndig best&auml;tigt. Beide Gerichte haben mit ihren Entscheidungen nach insgesamt &uuml;ber zw&ouml;lf Jahren Verfahrensdauer dem beklagten Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz einen jahrzehntelangen Versto&szlig; gegen den Verfassungsgrundsatz der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit und gegen essentielle Grundrechte des Kl&auml;gers und Betroffenen bescheinigt (Urteil des OVG NRW vom 13.03.2018; Az. 16 A 906\/11).<\/p>\n<p>Das OVG hat u.a. ausgef&uuml;hrt, dass es in Bezug auf den Kl&auml;ger im gesamten Beobachtungszeitraum keinerlei &bdquo;tats&auml;chliche Anhaltspunkte&ldquo; f&uuml;r verfassungsfeindliche Bestrebungen gegeben habe. Es fehle auch an solchen Anhaltspunkten daf&uuml;r, dass er &bdquo;linksextremi&not;stische&ldquo; Organisationen als solche bzw. deren verfassungsfeindliche Ziele nachdr&uuml;cklich unterst&uuml;tzt habe. Dar&uuml;ber hinaus sei die Beobachtung angesichts der mit ihr einher gehenden Eingriffe in Grund-, Berufs- und Freiheitsrechte auch unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig gewesen. Revision hat das OVG wegen &bdquo;grunds&auml;tzlicher Bedeutung&ldquo; der Rechtssache zugelassen.<\/p>\n<p>Revision\/rechtskr&auml;ftiges Urteil 3. Instanz: Gegen dieses Berufungsurteil legte die beklagte Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz (K&ouml;ln), 2018 Revision ein. Am 14. Dezember 2020 hat das Bundesverwaltungsgericht in 3. Instanz die Revision zur&uuml;ckgewiesen und damit das OVG-Urteil 2. Instanz vollumf&auml;nglich best&auml;tigt (BVerwG 6 C 11.18). Damit ist das Verwaltungsgerichtsverfahren nach 15 Jahren mitsamt diesem &Uuml;berwachungsfall nach insgesamt &uuml;ber 55 Jahren endlich rechtskr&auml;ftig und damit endg&uuml;ltig zugunsten des Kl&auml;gers entschieden.<\/p>\n<p>Dokumente zum Revisionsverfahren (Auswahl)<\/p>\n<p>Pressemitteilung des OVG zum Urteil vom 13.03.2018:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ovg.nrw.de\/behoerde\/presse\/pressemitteilungen\/11_180313\/index.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.ovg.nrw.de\/behoerde\/presse\/pressemitteilungen\/11_180313\/index.php<\/a><\/p>\n<p>Pers&ouml;nliche Stellungnahme von Rolf G&ouml;ssner w&auml;hrend der m&uuml;ndlichen Verhandlung (2018) vor dem Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen (M&uuml;nster):<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ilmr.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/OVG-G%C3%B6ssnerPersErkl%C3%A4rg-LF13-03-2018.pdf\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/ilmr.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/OVG-G%C3%B6ssnerPersErkl%C3%A4rg-LF13-03-2018.pdf<\/a><\/p>\n<p>Interview mit Rolf G&ouml;ssner, in: taz am Wochenende 14\/15.04.2018: www.taz.de\/!5495874\/<\/p>\n<p>Zur Zulassung der Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht<\/p>\n<p>Eckhard Stengel, Menschenrechtler: Im Auge des Staatsschutzes. Der Rechtsstreit mit dem Menschenrechtler Rolf G&ouml;ssner geht in n&auml;chste Instanz, in: Frankfurter Rundschau v. 12.06.2018:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.fr.de\/politik\/menschenrechtler-im-auge-des-staatsschutzes-a-1523653\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.fr.de\/politik\/menschenrechtler-im-auge-des-staatsschutzes-a-1523653<\/a><\/p>\n<p>Markus Bernhardt, Staat l&auml;sst nicht locker. &raquo;Rolf G&ouml;ssner gegen die Bundesrepublik Deutschland&laquo; geht in die dritte Runde, in: Junge Welt v. 13.06.2018: <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/334042.staat-l%C3%A4sst-nicht-locker.html\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/334042.staat-l%C3%A4sst-nicht-locker.html<\/a><\/p>\n<p>Noch immer keine Rechtssicherheit im Verfahren Dr. Rolf G&ouml;ssner .\/. Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz. Nach mehr als zw&ouml;lf Jahren in die dritte Runde, humanistischer pressedienst (hpd) 13.06.2018: <a href=\"https:\/\/hpd.de\/artikel\/nach-mehr-zwoelf-jahren-dritte-runde-\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/hpd.de\/artikel\/nach-mehr-zwoelf-jahren-dritte-runde-<\/a> 15693<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach 15 Jahren endlich Rechtssicherheit im Rechtsstreit Dr. Rolf G&ouml;ssner . \/. Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz Nach vier Jahrzehnten geheimdienstlicher &Uuml;berwachung und 15 Jahren Verfahrensdauer hat das Bundesverwaltungsgericht Leipzig am 14. Dezember 2020 die Revision der beklagten Bundesrepublik Deutschland zur&uuml;ckgewiesen (BVerwG 6 C 11.18). 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