{"id":11087,"date":"2007-09-01T23:30:00","date_gmt":"2007-09-01T21:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/institutionelle-positionierung-der-globalen-umweltpolitik\/"},"modified":"2021-08-30T15:40:03","modified_gmt":"2021-08-30T13:40:03","slug":"institutionelle-positionierung-der-globalen-umweltpolitik","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/179-vorgaenge\/publikation\/institutionelle-positionierung-der-globalen-umweltpolitik\/","title":{"rendered":"Institutionelle Positionierung der globalen Umweltpolitik"},"content":{"rendered":"<p>Zur Errichtung einer Welt-Umweltorganisation<\/p>\n<p>aus vorg&auml;nge Heft3\/2007,S.55-61<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"aufschlag\">Aufschlag<\/span><\/h2>\n<p>Auf der Konferenz &uuml;ber globale &ouml;kologische Politik &#8222;Citizens of the Earth&#8220; am 3. Februar 2007 in Paris wurde eine aus neun Punkten bestehende Resolution vereinbart. Unter Punkt 1 hei&szlig;t es: &#8222;Today, we know that humans are destroying, at an alarming rate, resources and balances that have enabled them to evolve and are determining their future&#8230;. We must realise that we have reached a point of no return, and have caused irreparable damage&#8220;. Punkt 2 der Resolution sagt dann: &#8222;In Rio, Johannesburg, Montreal and Kyoto, the international community has moved forward on these issues. But we need to go further&#8230;.&#8220; Und unter Punkt 7 kommt die Schlussfolgerung: &#8222;We call for the transformation of the United Nations Environment Programme into a fully-fledged international Organisation that is genuinely universal. Modelled on the World Health Organisation, the United Nations Environment Organisation will be a strong voice with global recognition. It will be the instrument to assess environmental damage and understand how to repair that damage; an effective instrument to promote technologies and behaviours that respect ecosystems; a way to Support the implementation of environmental decisions all over the planet&#8220; <i>(Paris Call for Action).<\/i><\/p>\n<p>Weite Passagen dieser Resolution erinnern an eine Formel, die Anne und Paul Ehrlich bereits vor langer Zeit aufgestellt hatten: I = P x A x T. Die globalen Umweltprobleme (I) sind eine Funktion dreier zentraler Triebkr&auml;fte: des Bev&ouml;lkerungswachstum (P), der Zunahme des Verbrauchs an G&uuml;tern und Diensten (A) und der etablierten, umweltsch&auml;digenden Technologie (Ehrlich &amp; Ehrlich 1971, Neuauflage 1990). Die beiden Ehrlichs haben erst sp&auml;ter bemerkt, dass sie auf der rechten Seite der Gleichung eine andere wichtige Triebkraft vergessen hatten: die Institutionen, die Umweltprobleme hervorrufen oder aber lindern helfen.<\/p>\n<p>Fairerweise muss man sagen, dass diese Formel nicht zur Grundlage globaler Politik geworden ist: Im strikten Sinne des Wortes gibt es ja weder Weltbev&ouml;lkerungspolitik, noch Weltwachstumspolitik und Welttechnologiepolitik. Doch gibt es wichtige Institutionen, die sich der Lenkung dieser Triebkr&auml;fte widmen. Insbesondere sind die &ouml;konomischen Interessen &uuml;ber die Zeit hin verst&auml;rkt formiert und positioniert worden &#8211; mit Weltbank und Internationalem W&auml;hrungsfonds (IMF), mit Welthandelsorganisation (WTO) und Internationaler Energieagentur (IEA). Wie steht es dagegen um die Formierung und Positionierung der &ouml;kologischen Interessen? H&auml;tte es nicht angesichts des Raubbaus an Ressourcen, des Klimawandels, des Verlusts an Biodiversit&auml;t und anderer globaler Umweltprobleme l&auml;ngst zur Errichtung einer Weltumweltorganisation kommen sollen? Parit&auml;t von &Ouml;konomie und &Ouml;kologie m&uuml;sste schlie&szlig;lich erstes Prinzip sein, wenn der Aufruf von Paris die kritische Lage der Welt richtig beschreibt.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"die-debatte\">Die Debatte<\/span><\/h2>\n<p>Seit gut 35 Jahren hat es seitens der Regierungen immer wieder mal Versuche gegeben, die Bem&uuml;hungen zum Schutz der globalen &Ouml;kologie zu koordinieren, durch internationales Recht, multilaterale Diplomatie und internationale Organisationen. Mehr als 500 Vertr&auml;ge zu etwa 25 verschiedenen Umweltproblemen wurden unterzeichnet, mindestens 18 bestehende internationale Organisationen haben ihre Aktivit&auml;ten um die Aufgabe Umweltschutz erweitert. Der gr&ouml;&szlig;te Teil globaler Umweltpolitik bestand dabei in der Aushandlung multilateraler Kooperationsabkommen zum Schutz der Umwelt und nat&uuml;rlicher Ressourcen, in so genannten Umweltregimen. Dieses zentrale Konzept der globalen Umweltpolitik wird verstanden als System von Prinzipien, Normen, Regeln und Verfahrensweisen, die die Akteure von Politik aufstellen oder akzeptieren, um Handlungen im Feld internationaler Beziehungen zu regulieren und zu koordinieren. Wichtige Akteure auf der internationalen Umweltb&uuml;hne sind neben den Nationalstaaten, internationale Organisationen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und internationale Konzerne, die gelegentlich in die gleiche Richtung, zumeist aber gegenl&auml;ufig agieren.<\/p>\n<p>Die Zahl der umfassend angelegten, wichtigen globalen Umweltregime schwankt, je nach Sichtweise und Priorit&auml;tensetzung des jeweiligen Autors zwischen sechs und zw&ouml;lf &#8211; abh&auml;ngig von der Unterscheidung in globale oder ubiquit&auml;r auftretende Umweltprobleme. Das &#8222;Handbuch Globale Umweltpolitik&#8220; analysiert zum Beispiel den Verhandlungsstand und die Verhandlungsergebnisse der folgenden zehn Umweltregime: Grenz&uuml;berschreitende Luftverschmutzung, Ozonabbau, Klimawandel, gef&auml;hrliche Chemikalien und Abf&auml;lle, bedrohte Arten, Walfang, Verlust an Biodiversit&auml;t, Desertifikation, W&auml;lder und Fischerei (Chasek et a1.2006). Einige Autoren sind der Meinung, dass inzwischen fast alle menschlichen Aktivit&auml;ten in irgendeiner Form von internationalen Umweltregimen erfasst w&uuml;rden (Haas 2007: 1). Ob solche Regime aber auch erfolgreich sind, h&auml;ngt von einer Reihe von Faktoren ab &#8211; nicht zuletzt vom Prozess der Umsetzung selbst. Wer aber ist zust&auml;ndig f&uuml;r die Konsistenz dieses Patchworks unterschiedlichster, eigenst&auml;ndiger Umweltregime? Wer ist zust&auml;ndig f&uuml;r deren Effektivit&auml;t &#8211; wer sorgt f&uuml;r die n&ouml;tige Koordination, Kooperation und Integration?<\/p>\n<p>Hier setzt die Diskussion um die grundlegende institutionelle Positionierung der globalen Umweltpolitik an, die seit Beginn der 1970er Jahre eine Reihe von H&ouml;hepunkten erlebt hat, die eng mit &ouml;kologischen Krisenf&auml;llen und umweltpolitischen Gro&szlig;ereignissen, aber auch mit einzelnen Pers&ouml;nlichkeiten verkn&uuml;pft sind. Die Geschichte der globalen Umweltpolitik ist zwar noch nicht geschrieben, doch in einzelnen Werken lassen sich viele taktisch und strategisch relevante Details finden (vgl. z.B. Simonis 1999) &#8211; und aus laufenden Forschungsprojekten sind weitere zu erwarten (besonders aus dem Global Environmental Governance-Projekt &#8211;<i> <\/i><a href=\"http:\/\/www.glogov.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>www.glogov.org<\/i><\/a><i>).<\/i><\/p>\n<p>Die erste gro&szlig;e institutionell-organisatorische Innovation folgte der ersten Konferenz der Vereinten Nationen &uuml;ber die menschliche Umwelt in Stockholm 1972, mit Gr&uuml;ndung des Umweltprogramms <i>(United Nations Environment Programme &#8211; UNEP)<\/i>. Dies war jedoch ein Beschluss auf kleinstem gemeinsamen Nenner, der die umweltpolitische Schw&auml;che der Vereinten Nationen bis heute pr&auml;gt. UNEP ist &#8211; anders als viele meinen &#8211; keine Sonderorganisation im Sinne der UN-Charta mit eigener Rechtspers&ouml;nlichkeit und Mitgliedschaft, wie Weltbank oder Weltgesundheitsorganisation; UNEP ist keine Beh&ouml;rde mit Kontrollmacht und Sanktionsgewalt gegen Fehlverhalten, sondern lediglich ein Programm (Nebenorgan) der UN-Generalversammlung mit Berichtspflicht gegen&uuml;ber dem Wirtschafts- und Sozialrat <i>(ECOSOC). <\/i>Es ist zwar das zentrale UN-Gremium im Bereich der Umweltpolitik, ist aber f&uuml;r diese Aufgabe nur unzureichend strukturiert und finanziell und personell nur schwach ausgestattet. UNEP hat einen aus Vertretern von 58 Staaten bestehenden Verwaltungsrat, der nach einem festgelegten Regionalschl&uuml;ssel f&uuml;r vier Jahre von der UN-Generalversammlung gew&auml;hlt wird, ist aber in diesem und den anderen Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen nicht lokal verankert &#8211; wie das zum Beispiel bei UNICEF der Fall ist, das sich in Deutschland auf 130 lokale Gruppen mit etwa 8.000 Aktivisten st&uuml;tzen kann. Kein Wunder also, dass UNICEF sehr bekannt und beliebt ist, w&auml;hrend man UNEP bestenfalls wegen seiner nunmehr bereits zwei deutschen Direktoren kennt.<\/p>\n<p>Die zweite zentrale Innovation der UN-Umweltpolitik kam mit der Kommission f&uuml;r Nachhaltige Entwicklung <i>(UN Commission on Sustainable Development &#8211; CSD)<\/i>, die im Anschluss an die UN-Konferenz &uuml;ber Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 unter Bezugnahme auf Art. 68 der UN-Charta gegr&uuml;ndet wurde. Der Breite des in Rio beschlossenen Aktionsprogramms &#8222;Agenda 21&#8220; entspricht die Breite der Aufgaben der CSD. Ihre vertraglich definierte Bestimmung ist es, im Sinne einer Querschnittsaufgabe den Folgeprozess der Rio-Konferenz sicherzustellen, die Integration von Umwelt- und Entwicklungspolitik voranzutreiben und die Umsetzung der &#8222;Agenda 21&#8220; zu gew&auml;hrleisten. Die Vertreter (im Ministerrang) von 53 nach einem Regionalschl&uuml;ssel gew&auml;hlten Mitgliedstaaten der Kommission treffen sich j&auml;hrlich zu vorher bestimmten Schwerpunktthemen. Die CSD ist also &#8211; im Rahmen der Vereinten Nationen &#8211; demokratisch legitimiert. Theoretisch k&ouml;nnte daraus eine G 53 &#8211; eine funktionsf&auml;hige Weltregierung der Premierminister &#8211; werden, zumal sie das zentrale Zukunftsthema &#8222;sustainable development&#8220; zur Hauptaufgabe hat. Im Anschluss an das Treffen der demokratisch nicht legitimierten G 8 in Heiligendamm 2007 ist &uuml;ber eine Ausweitung auf eine G 12 beziehungsweise G 20 spekuliert worden; doch diese viel n&auml;her liegende Alternative einer repr&auml;sentativen Formierung der globalen &ouml;konomischen und &ouml;kologischen Interessen &#8211; die G 53 &#8211; ist bisher nicht entdeckt und diskutiert worden.<\/p>\n<p>Neben UNEP und CSD sowie verschiedenen relevanten Sonderorganisationen, wie insbesondere FAO, IMO, UNESCO, WMO und WHO, befassen sich auch mehrere Spezialorgane der Vereinten Nationen mit umweltpolitischen Fragen, zumindest dergestalt, dass bei deren Projekten die Auswirkungen auf die Umwelt ber&uuml;cksichtigt werden. Hier sind insbesondere die Handels- und Entwicklungskonferenz (UNCTAD) und das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) zu nennen. Auch die UN-Regionalkommissionen haben inzwischen Umweltfragen in ihre Arbeit integriert, allerdings weniger mit globalem Fokus (zu den Aufgaben der Vereinten Nationen insgesamt siehe Gareis &amp; Varwick 2006).<\/p>\n<p>Was die Finanzierung der globalen Umweltpolitik angeht, ist die 1990 gegr&uuml;ndete Globale Umweltfazilit&auml;t (<i>Global Environment Facility &#8211; GEF<\/i>) von zentraler Bedeutung. Die Weltbank verwaltet diese Einrichtung gemeinsam mit UNDP und UNEP. Aufgabe der GEF ist der Schutz globaler Umweltg&uuml;ter: des Klimas, der Ozonschicht, der internationalen Gew&auml;sser, der Biodiversit&auml;t sowie der B&ouml;den in den Trockengebieten. 1994 erfolgte eine strukturelle Reform dieser Einrichtung. Die GEF II ist nunmehr eine eigenst&auml;ndige K&ouml;rperschaft mit Vollversammlung, Rat und Sekretariat. Von den 32 Sitzen im Rat werden 16 von Entwicklungsl&auml;ndern, 2 von Transformationsl&auml;ndern und 14 von OECD-L&auml;ndern eingenommen, welche zugleich 60 Prozent der Gesamtzahl der GEF-Teilnehmer und 60 Prozent der gesamten Beitragszahlungen einschlie&szlig;en muss (sog. doppeltes Veto). Die Entwicklungsl&auml;nder k&ouml;nnten deshalb Entscheidungen der GEF blockieren, allerdings nicht, wie etwa in der UN-Generalversammlung, selbst durchsetzen.<\/p>\n<p>Die dritte sich bietende historische Chance der grundlegenden Positionierung der globalen Umweltpolitik wurde dagegen verpasst: Die UN-Konferenz von Johannesburg 2002 hatte zwar einen anspruchsvollen und viel versprechenden Titel (<i>UN Conference on Sustainable Development<\/i>), doch zu einer institutionellen Innovation im Sinne einer Globalen Umweltorganisation (<i>Global Environment Organisation &#8211; GEO<\/i>) beziehungsweise einer Weltorganisation f&uuml;r Umwelt und Entwicklung (<i>World Environment and Development Organisation &#8211; WEDO<\/i>) kam es nicht. In Johannesburg wurden bedeutende Fortschritte in Richtung einer globalen Umwelt- und Entwicklungspolitik gemacht &#8211; man denke vor allem an die Best&auml;tigung der von den Staats- und Regierungschefs im Jahre 2000 formulierten Millenniumsziele (<i>Millennium Development Goals &#8211; MDGs<\/i>) und die konkreten Beschl&uuml;sse zur weltweiten Verbesserung der Wasserversorgung &#8211; doch zu einer durchgreifenden Reform des Systems der Vereinten Nationen sah man sich trotz verschiedener Vorarbeiten (vgl. Annan 2002) nicht in der Lage &#8211; auch nicht im Bereich der Umweltpolitik. Woran kann das liegen?<\/p>\n<p>Wenn das Naheliegende nicht geschieht, ist man zuerst und zumeist geneigt, Politikern die Schuld daf&uuml;r zuzuschieben. Auf der B&uuml;hne der internationalen Umweltpolitik sind aber nicht nur Politiker als Akteure anzutreffen. Es gibt da auch noch andere, die internationalen Konzerne, die internationalen Organisationen, die Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Zu all diesen Akteuren w&auml;re etwas zu sagen, wenn es um die Frage geht, was globale institutionelle Innovationen zum Schutz der Umwelt verhindert oder erschwert. Ich will dagegen hier an dieser Stelle auf einen anderen Akteur zu sprechen kommen &#8211; die Wissenschaft. Man erwartet von ihr ja ganz generell, sie m&uuml;sse doch Teil der L&ouml;sung eines Problems sein. Es ist aber &#8211; f&uuml;r unseren Fall &#8211; nicht auszuschlie&szlig;en, dass sie auch Teil des Problems ist.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"der-streit-um-loesungen\">Der Streit um L&ouml;sungen<\/span><\/h2>\n<p>Die aktuelle Frage lautet: Was tun mit UNEP? Wie sollte die St&auml;rkung und Aufwertung des UN-Umweltprogramms erfolgen? Hierzu sind mehrere, h&ouml;chst unterschiedliche Vorschl&auml;ge unterbreitet worden, die kein stimmiges sondern ein eher diffuses Bild ergeben. Mit einem gewissen Rigorismus lassen sich allerdings drei Modelltypen herauskristallisieren, die jeweils unterschiedlichen Reformbedarf signalisieren beziehungsweise erfordern (vgl. Biermann &amp; Simonis 1998; WBGU 2001; Rechkemmer 2005; Biermann &amp; Bauer 2005).<\/p>\n<p>Der erste Modelltyp sieht eine Aufwertung von UNEP zu einer UN-Sonderorganisation vor. Was die Funktionsweise (Mitgliedschaft, Stakeholder, Entscheidungsmechanismen) angeht, gelten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beziehungsweise die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) als empfehlenswerte Muster. In diesem Fall w&uuml;rden die anderen umweltrelevanten Institutionen weiter bestehen, aber nicht integriert werden. Die zus&auml;tzliche juridische und politische Macht und Kompetenz ergibt sich allein aus dem Status einer Sonderorganisation gem&auml;&szlig; UN-Charta. Diese L&ouml;sung l&auml;sst universelle Mitgliedschaft zu und macht umweltpolitische Entscheidungen und Regulierungen auf Basis qualifizierter Mehrheiten m&ouml;glich, die f&uuml;r alle Mitgliedstaaten verbindlich w&auml;ren; Verwaltungsorgan w&auml;re eine Vollversammlung mit gleichem Stimmrecht aller Mitgliedsstaaten.<\/p>\n<p>Der zweite Modelltyp geht einen Schritt weiter. Mit Hinweis auf die Vielzahl der multilateralen Vereinbarungen und UN-Konventionen, die zu vielf&auml;ltigen &Uuml;berlappungen im T&auml;tigkeitsbereich f&uuml;hren, wird eine Integration bestehender Einrichtungen und Programme vorgeschlagen &#8211; hin zu einer umfassenden Weltumweltorganisation (<i>Global Environment Organisation &#8211; GEO<\/i>). Als Muster k&ouml;nnte hier die aus dem GATT entstandene Welthandelsorganisation (WTO) gelten, die viele fr&uuml;here handelspolitische Vereinbarungen zusammengef&uuml;hrt und effektive interne Entscheidungs- und Umsetzungsmechanismen entwickelt hat.<\/p>\n<p>Der dritte Modelltyp besteht in einer hierarchischen internationalen Organisation auf Basis des Prinzips von Mehrheitsentscheidungen und Durchsetzungsmacht gegen&uuml;ber Staaten, die die Vereinbarungen und laufenden Beschl&uuml;sse nicht erf&uuml;llen. Eine solche Organisation mit Sanktionsgewalt gilt als einzig wahre Garantie f&uuml;r die &Uuml;berwindung des immer wieder beobachteten Trittbrettfahrerverhaltens in der internationalen Umweltpolitik. Neben der Europ&auml;ischen Union gibt es auch im System der Vereinten Nationen ein Beispiel einer solchen quasi supra-nationalen Organisation &#8211; n&auml;mlich den UN-Sicherheitsrat.<\/p>\n<p>Die pers&ouml;nliche Pr&auml;ferenz des Autors gilt einer auf das Konzept strikter Nachhaltigkeit (<i>strong sustainability<\/i>) fokussierenden Variante des dritten Modelltyps, deren Organisationsstruktur in <i>Abbildung 1<\/i> skizziert ist.<\/p>\n<p>Im Rahmen der wissenschaftlichen Diskussion um die Reform der globalen Umweltpolitik, die seit nunmehr rund zehn Jahren anh&auml;lt, hat es eine Reihe von Ausdifferenzierungen gegeben, die sich zum Teil als Zwischenmodelle zu den oben genannten drei Modelltypen charakterisieren und zum Teil als pragmatische Anpassung an die jeweilige Realisierungschance verstehen lassen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" border=\"1\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/vorg179_s60-1.jpg\" width=\"380\" height=\"267\"><\/p>\n<p>Hierbei spielten mehrere Fragen eine zentrale Rolle: Ob bessere Kooperation beziehungsweise Koordination schon bestehender Einrichtungen nicht deren Integration vorzuziehen sei? Ob verschiedene, bisher separate Handlungsfelder nicht zusammengelegt werden m&uuml;ssten? Wie die Interessen von Industrie- und Entwicklungsl&auml;ndern, von Nord und S&uuml;d, so ber&uuml;cksichtigt werden k&ouml;nnten, dass Widerst&auml;nde gegen die Umsetzung von Reformen reduziert werden? Wie die Weltgesellschaft besser in die Funktionsweisen und Entscheidungen der Vereinten Nationen eingebunden werden k&ouml;nne? Ob Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung nicht doch verschiedene Dinge seien, u. a. m.<\/p>\n<p>W&auml;hrend es den Einen um die (durchaus berechtigte) Frage ging, ob die Form einer globalen Institution nicht deren erst noch zu bestimmenden Funktionen folgen m&uuml;sse (<i>form follows function<\/i>), ging es Anderen um massive (und teils unlautere) Kritik an jeder Art von Reform. Es geht nicht immer nur um bessere Erkenntnis &uuml;ber den Schutz der globalen &Ouml;kologie, sondern gelegentlich auch um ein ganz anderes Interesse. Wissenschaftler verstanden sich dabei oft selber als Politiker. Anstatt Politikern sorgf&auml;ltig abgestimmte und inhaltlich &uuml;berzeugende Modelle zu pr&auml;sentieren und sie dadurch zum H&auml;ndeln zu bringen, zementierten Wissenschaftler so &#8211; wissentlich oder unwissentlich &#8211; den Status quo.<\/p>\n<p>Dem aber steht angesichts des Zustandes der Welt und der anhaltenden Belastung und Zerst&ouml;rung der Umwelt der &ouml;kologische Imperativ entgegen, der erneut angemahnt werden muss und der in starker Formulierung in Punkt 1 des <i>Paris Call for Action <\/i>zum Ausdruck kommt: &#8222;The time has come for lucidity&#8230;.We must admit to ourselves that we can no longer afford to be idle and that the risks and dangers are exacerbated with each passing day&#8220;.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"literatur\">Literatur<\/span><\/h2>\n<p><i>Annan,Kofi <\/i>2002: Strengthening of the United Nations. An Agenda for Further Change, New York.<\/p>\n<p><i>Biermann, Frank &amp; Udo E. Simonis<\/i> 1998: Eine Weltorganisation f&uuml;r Umwelt und Entwicklung. Funktionen, Chancen, Probleme, Bonn.<br \/><i><\/i><\/p>\n<p><i>Biermann, Frank &amp; Steffen Bauer (eds.)<\/i> 2005: A World Environment Organization. Solution or Threat for Effective International Environmental Governance?, Aldershot.<br \/><i><\/i><\/p>\n<p><i>Chasek, Pamela S., David L. Downie &amp; Janet Welsh Brown<\/i> 2006: Handbuch Globale Umweltpolitik, Berlin.<br \/><i><\/i><\/p>\n<p><i>Ehrlich, Anne H. &amp; Paul R. Ehrlich<\/i> 1971 (1990): The Population Explosion, London, Sydney.<\/p>\n<p><i>Gareis, Sven Bernhard &amp; Johannes Varwick<\/i> 2006: Die Vereinten Nationen. Aufgaben, Instrumente und Reformen, 4. Auflage, Opladen, Farmington Hills.<\/p>\n<p><i>Haas, Peter M. <\/i>2007: Turning Up the Heat on Global Environmental Governance, in: The Forum, Vol. 5, Issue 2, S. 1-5.<br \/><i><\/i><\/p>\n<p><i>Paris Call for Action<\/i> 2007: <a href=\"http:\/\/www.citoyensdelaterre.fr\/conference\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>www.citoyensdelaterre.fr\/conference\/<\/i><\/a><i>.<br \/><\/i><\/p>\n<p><i>Rechkemmer, Andreas<\/i> (ed.) 2005: UNEO &#8211; Towards an International Environment Organisation, Baden-Baden.<\/p>\n<p><i>Simonis, Udo E. <\/i>(Hg.) 1999: Weltumweltpolitik. Grundriss und Bausteine eines neuen Politikfeldes, 2. Auflage, Berlin.<br \/><i><\/i><\/p>\n<p><i>Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltver&auml;nderungen (WBGU) <\/i>2001: Welt im Wandel. Neue Strukturen globaler Umweltpolitik, Berlin, Heidelberg.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":15009,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[1964],"publikationen":[1222],"class_list":["post-11087","publikation","type-publikation","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-udo-e-simonis","publikationen-179-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Institutionelle Positionierung der globalen Umweltpolitik - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/179-vorgaenge\/publikation\/institutionelle-positionierung-der-globalen-umweltpolitik\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Institutionelle Positionierung der globalen Umweltpolitik - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Zur Errichtung einer Welt-Umweltorganisation aus vorg&auml;nge Heft3\/2007,S.55-61 Aufschlag Auf der Konferenz &uuml;ber globale &ouml;kologische Politik &#8222;Citizens of the Earth&#8220; am 3. 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