{"id":11490,"date":"2016-01-04T12:17:00","date_gmt":"2016-01-04T11:17:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/europaeisierung-des-strafrechts\/"},"modified":"2016-01-04T12:00:00","modified_gmt":"2016-01-04T11:00:00","slug":"europaeisierung-des-strafrechts","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/212-vorgaenge\/publikation\/europaeisierung-des-strafrechts\/","title":{"rendered":"Europ\u00e4isierung des Strafrechts"},"content":{"rendered":"<p>In: vorg\u00e4nge 212 (4\/2015), S. 130-131<\/p>\n<p>Hecker, Bernd, Europ\u00e4isches Strafrecht, 5.\u00a0Auflage, Berlin &#038; Heidelberg: Springer 2015, 542\u00a0Seiten, 29,99\u00a0&#128; [ISBN 978-3-662-47368-9]<\/p>\n<p>Aksungur, Canan, Europ\u00e4ische Strafrechtsetzungskompetenzen. Neue Entwicklungen durch EuGH-Rechtsprechung und den Vertrag von Lissabon, Baden-Baden: Nomos 2015, 541\u00a0Seiten, 119,-\u00a0&#128; [ISBN 978-3-8487-1882-5]<\/p>\n<p>Hochmayr, Gudrun (Hrsg.), &#132;Ne bis in idem&#147; in Europa. Praxis, Probleme und Perspektiven des Doppelbestrafungsverbots, Baden-Baden: Nomos 2015, 193 Seiten, 52,-\u00a0&#128; [ISBN 978-3-8487-1887-0]<\/p>\n<p>Der Trend zur Europ\u00e4isierung des Strafrechts1 hat in den letzten Jahren zu einer umfangreichen wissenschaftlichen Diskussion gef\u00fchrt. Inzwischen liegt hierzu reichlich ver\u00f6ffentlichtes Material vor &#150; vom Lehrbuch \u00fcber Sammelb\u00e4nde mit Tagungsbeitr\u00e4gen bis zu wissenschaftlichen Qualifikationsarbeiten. Je eine neue Publikation dieser drei Gattungen soll hier vorgestellt werden.<br \/>Das zuerst 2005 erschienene Lehrbuch von Bernd Hecker, Professor an der Universit\u00e4t Trier, \u00fcber &#132;Europ\u00e4isches Strafrecht&#147; ist 2015 bereits in f\u00fcnfter Auflage erschienen. Dies unterstreicht die Dynamik dieses Themenfeldes. Der Titel kann allerdings in die Irre f\u00fchren &#150; denn ein europ\u00e4isches Strafrecht im Sinne von europaweit einheitlichen Strafandrohungen f\u00fcr bestimmte Verhaltensweisen gibt es bislang allenfalls in Ans\u00e4tzen. Das Buch behandelt das &#132;europ\u00e4ische&#147; Strafrecht in einem sehr weiten Sinn. Im Mittelpunkt stehen die Entwicklungen aufgrund von einschl\u00e4gigen Aktivit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Union und des Europarats mit ihren zahlreichen rechtlichen Aspekten einschlie\u00dflich der hierzu ergangenen Rechtsprechung. Daneben werden v\u00f6lkerrechtliche Themen einbezogen, u.\u00a0a. in einem Abschnitt zum V\u00f6lkerstrafrecht (S.\u00a064\u00a0ff.). Der Lehrbuchcharakter kommt in der breit angelegten Struktur des Buches zum Ausdruck, die es den Leser_innen erleichtert, sich einen \u00dcberblick \u00fcber die Materie zu verschaffen. Dar\u00fcber hinaus sind auch immer wieder \u00dcbungsf\u00e4lle in das Buch eingestreut, die auch Nichtjurist_innen das Verst\u00e4ndnis der Materie erleichtern k\u00f6nnen. F\u00fcr Interessierte, die sich n\u00e4her \u00fcber die Europ\u00e4isierung des Strafrechts informieren m\u00f6chten, bietet das Buch eine breite Informationsgrundlage zum Einstieg.<\/p>\n<p>Canan Aksungur hat an der Universit\u00e4t Bonn eine umfangreiche Dissertation zum Thema Europ\u00e4ische Strafrechtsetzungskompetenzen vorgelegt. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die Entwicklungen in der Europ\u00e4ischen Union, klammert also den Europarat und andere Foren der Europ\u00e4isierung des Strafrechts aus. Einer europarechtlich versierten Leserschaft d\u00fcrften manche Teile des Buches etwas umst\u00e4ndlich vorkommen, da die Verfasserin im Einf\u00fchrungsteil (Kapitel 3) zun\u00e4chst sehr ausf\u00fchrlich weithin bekannte Informationen zur Rechtsetzung der EU ausbreitet. F\u00fcr Leser_innen, die sich nicht regelm\u00e4\u00dfig mit dem EU-Recht besch\u00e4ftigen, m\u00f6gen diese Informationen aber hilfreich sein. <br \/>Wesentlich interessanter wird das Buch in den folgenden Kapiteln, in denen die Verfasserin im Anschluss an ebenfalls ausf\u00fchrliche Begriffsdefinitionen sehr gr\u00fcndlich die Entwicklung der EU zu einem in manchen Bereichen inzwischen wichtigen Akteur der Strafgesetzgebung nachzeichnet (beginnend mit Teil 2, ab S.\u00a0127). Hier analysiert die Verfasserin die Rechtsetzungspraxis mit Strafrechtsbez\u00fcgen und die hierzu ergangene Rechtsprechung des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs (seit dem Inkrafttreten des Vertrages von Lissabon Ende 2009 als Gerichtshof der EU bezeichnet). Die sukzessive Darstellung der verschiedenen Phasen der Prim\u00e4rrechtsentwicklung vor und seit dem Vertrag von Lissabon erm\u00f6glicht eine anschauliche Analyse der Abh\u00e4ngigkeit zwischen dem jeweiligen prim\u00e4rrechtlichen Rahmen und der politischen Praxis bei der Entwicklung strafrechtsbezogener Initiativen der EU und ihrer Vorg\u00e4ngerinstitutionen. So wird in diesem Buch deutlich herausgearbeitet und detailliert belegt, wie europ\u00e4ische Institutionen, insbesondere Kommission, Parlament und Gerichtshof, in den letzten Jahrzehnten beharrlich auf die Europ\u00e4isierung strafrechtlicher Standards hinarbeiteten. Ebenso deutlich wird der Sprung, den diese Bestrebungen mit dem Vertrag von Lissabon und den nun etablierten vertraglichen Grundlagen f\u00fcr eine weitere Europ\u00e4isierung des Strafrechts gemacht haben.<\/p>\n<p>Das von Gudrun Hochmayr, Professorin an der Europa-Universit\u00e4t Viadrina in Frankfurt\/Oder, herausgegebene Buch zum Doppelbestrafungsverbot (&#132;ne bis in idem&#147;) dokumentiert die Beitr\u00e4ge einer Tagung im Juni 2014. Beitragende sind \u00f6sterreichische und deutsche Fachleute zu dieser Thematik. Die Beitr\u00e4ge verdeutlichen die vielf\u00e4ltigen neuen Herausforderungen, die aus der Europ\u00e4isierung des Strafrechts f\u00fcr das Doppelbestrafungsverbot folgen. Dieses Verbot mit Grundrechtscharakter ist heute in zahlreichen nationalen, europ\u00e4ischen und internationalen Regelwerken verankert &#150; der Beitrag von Wolfgang Schomburg fasst diese Normen anschaulich zusammen. Weitere Beitr\u00e4ge des Bandes liefern gr\u00fcndliche Analysen der Rechtsprechung des Gerichtshofs der EU und des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs f\u00fcr Menschenrechte, die in den letzten Jahren zu den verschiedenen normativen Auspr\u00e4gungen des Doppelbestrafungsverbots in der EU-Grundrechtecharta, im Schengener Durchf\u00fchrungs\u00fcbereinkommen bzw. in der Europ\u00e4ischen Menschenrechtskonvention ergangen ist.<br \/>Mit diesen und anderen Ver\u00f6ffentlichungen der letzten Jahre liegt eine breite Materialbasis vor, an die auch die b\u00fcrgerrechtliche Diskussion zu den Auswirkungen der Europ\u00e4isierung des Strafrechts ankn\u00fcpfen kann.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[791,667],"autoren":[138],"publikationen":[1085],"class_list":["post-11490","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-rezension","tag-vorgaenge-artikel","autoren-hartmut-aden","publikationen-212-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Europ\u00e4isierung des Strafrechts - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/212-vorgaenge\/publikation\/europaeisierung-des-strafrechts\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Europ\u00e4isierung des Strafrechts - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"In: vorg\u00e4nge 212 (4\/2015), S. 130-131 Hecker, Bernd, Europ\u00e4isches Strafrecht, 5.\u00a0Auflage, Berlin &#038; Heidelberg: Springer 2015, 542\u00a0Seiten, 29,99\u00a0&#128; [ISBN 978-3-662-47368-9] Aksungur, Canan, Europ\u00e4ische Strafrechtsetzungskompetenzen. 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