{"id":11574,"date":"2015-04-19T09:20:00","date_gmt":"2015-04-19T07:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/bremen-klage-auf-einsicht-in-behoerdlichen-fragebogen-zu-scheinehen\/"},"modified":"2021-10-28T18:47:08","modified_gmt":"2021-10-28T16:47:08","slug":"bremen-klage-auf-einsicht-in-behoerdlichen-fragebogen-zu-scheinehen","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/208\/publikation\/bremen-klage-auf-einsicht-in-behoerdlichen-fragebogen-zu-scheinehen\/","title":{"rendered":"Bremen: Klage auf Einsicht in beh\u00f6rdlichen Fragebogen zu Scheinehen"},"content":{"rendered":"<p>aus: vorg&auml;nge Nr. 208 (Heft 4\/2014), S. 202-203<\/p>\n<p>(SL) Die Humanistische Union Bremen (HU) hat angek&uuml;ndigt, ihre Musterklage gegen die Offenlegung von Frageb&ouml;gen der Bremer Ausl&auml;nderbeh&ouml;rde fortzusetzen. Die HU begehrt seit zwei Jahren die Offenlegung von zwei Frageb&ouml;gen, die die Ausl&auml;nderbeh&ouml;rde bei der getrennten Befragung von Ehepartnern beim Verdacht auf eine sog. &#8222;Scheinehe&#8220; fr&uuml;her bzw. heute einsetzt. Die Beh&ouml;rde hatte ihren urspr&uuml;nglichen Fragebogen 2011 nach einer Intervention der Datenschutzbeauftragten ge&auml;ndert, die in mehreren Fragen unzul&auml;ssige Eingriffe in die Pers&ouml;nlichkeitsrechte der Betroffenen erkannte. Mit der Offenlegung der Frageb&ouml;gen wollte die HU zugleich auf den aus ihrer Sicht schikan&ouml;sen Umgang der Beh&ouml;rde von Ehen mit Ausl&auml;nder_innen aufmerksam machen.<\/p>\n<p>Nachdem die zust&auml;ndige Senatsverwaltung die Einsichtnahme in die Frageb&ouml;gen ablehnte bzw. auf die Einsichtsnahmeantr&auml;ge nicht reagierte, zog die HU vor Gericht. Das Verwaltungsgericht Bremen entschied mit Urteil vom 25.&nbsp;Juli 2014 (Az.&nbsp;4 K&nbsp;1984\/13), dass der Senat nur verpflichtet sei, die Teile des fr&uuml;heren Fragebogens offen zu legen, die heute nicht mehr verwendet werden; den aktuellen Fragebogen nahm das Gericht dagegen von der Offenlegungspflicht aus. Zur Begr&uuml;ndung verwies das Gericht auf &sect;&nbsp;4 Abs.&nbsp;1 Bremer IFG, wonach die Einsichtnahme in <i>&#8222;Entw&uuml;rfe zu Entscheidungen sowie Arbeiten und Beschl&uuml;sse zu ihrer unmittelbaren Vorbereitung&#8220;<\/i> ausgeschlossen sei, &#8222;soweit und solange durch die vorzeitige Bekanntgabe der Informationen der Erfolg der Entscheidung oder bevorstehender beh&ouml;rdlicher Ma&szlig;nahmen vereitelt w&uuml;rde.&#8220; Zweck der Ausnahmeklausel sei es, sicher zu stellen, dass Verwaltungsverfahren ordnungsgem&auml;&szlig; durchgef&uuml;hrt werden k&ouml;nnen und nicht durch die Informationsgew&auml;hrung behindert w&uuml;rden. Deshalb sei der Versagungsgrund dahingehend auszulegen, dass er auch zuk&uuml;nftige Verwaltungsentscheidungen umfasst, in denen auf den Fragebogen zur&uuml;ckgegriffen werden soll. &#8222;&sect;&nbsp;4 Abs.&nbsp;1 BremIFG ist &#8230; darauf gerichtet, zuk&uuml;nftiges beh&ouml;rdliches Handeln vor negativen Einfl&uuml;ssen durch die Informationsgew&auml;hrung zu sch&uuml;tzen. Entsprechend dieses Schutzzwecks ist es nicht erforderlich, dass das beh&ouml;rdliche Verfahren bereits begonnen hat.&#8220; (Urteilsbegr&uuml;ndung, S.&nbsp;9) F&uuml;r jene Fragen des &auml;lteren Fragebogens, die derzeit nicht mehr von der Beh&ouml;rde gestellt werden, gelte dagegen der ablehnende Grund aus &sect;&nbsp;4 Abs.&nbsp;1 BremIFG nicht mehr. Sie sind deshalb offen zu legen.<\/p>\n<p>Die klagende HU hat gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts die Zulassung der Berufung beantragt, da die Frage nach der Reichweite der Ausnahmeregelung in &sect;&nbsp;4 Abs.&nbsp;1 BremIFG grunds&auml;tzliche Bedeutung f&uuml;r den Umfang des Akteneinsichtsrechts habe. Es gehe hierbei um die Frage, inwiefern ein Ausnahmetatbestand (der eng auszulegen sei) breiter interpretiert werden d&uuml;rfe, als im Gesetz explizit formuliert, denn es sei offenkundig, so die HU, &#8222;dass es sich bei einem Fragebogenkatalog nicht um einen Entwurf zu einer Entscheidung handelt. Denn unter dem Begriff des Entwurfes versteht man im Allgemeinen fr&uuml;here Fassungen eines sp&auml;teren Produkts, welche noch nicht endg&uuml;ltig abgeschlossen und &Auml;nderungen erfahren kann.&#8220; (Antragsbegr&uuml;ndung, S.&nbsp;14) Ebenso wenig handle es sich bei dem strittigen Fragebogen um <i>&#8222;Arbeiten zur unmittelbaren Vorbereitung einer Entscheidung&#8220;. <\/i>Der Fragebogen sei vielmehr ein mehrfach eingesetztes Instrument zur Sachverhaltsermittlung, das mit der beh&ouml;rdlichen Entscheidung selbst nicht direkt verbunden sei. Soweit der Fragebogen nicht als Verschlusssache deklariert sei, m&uuml;sse er nach dem Informationsfreiheitsgesetz zug&auml;nglich sein. Sinn und Zweck der Ausnahmebestimmung in &sect;&nbsp;4 Abs.&nbsp;1 BremIFG sei es n&auml;mlich nicht, das Verwaltungshandeln pauschal zu sch&uuml;tzen.<\/p>\n<p>In ihrer Erwiderung auf das VG-Urteil meldet die HU zugleich erhebliche Zweifel daran an, ob die inquisitorischen Fragen nach dem Eheleben und damit der Fragebogen &uuml;berhaupt zul&auml;ssig sind oder nicht vielmehr gegen den Schutz von Ehe und Familie versto&szlig;en.<br \/>F&uuml;r die Fortsetzung des Verfahrens bittet die HU Bremen um Spenden.<\/p>\n<p><i>VG Bremen, Pressemitteilung vom 4.8.2014 und Wortlaut der Entscheidung Az.&nbsp;4 K&nbsp;1984\/13, unter <\/i><a href=\"http:\/\/www.verwaltungsgericht.bremen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>http:\/\/www.verwaltungsgericht.bremen.de\/<\/i><\/a><i> sixcms\/media.php\/13\/Pr-erkl_14_08_04.pdf.<\/i><\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[700,684,667],"autoren":[139],"publikationen":[1092],"class_list":["post-11574","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-ifg-bremen","tag-musterklagen","tag-vorgaenge-artikel","autoren-sven-lueders","publikationen-1092"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Bremen: Klage auf Einsicht in beh\u00f6rdlichen Fragebogen zu Scheinehen - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/208\/publikation\/bremen-klage-auf-einsicht-in-behoerdlichen-fragebogen-zu-scheinehen\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Bremen: Klage auf Einsicht in beh\u00f6rdlichen Fragebogen zu Scheinehen - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"aus: vorg&auml;nge Nr. 208 (Heft 4\/2014), S. 202-203 (SL) Die Humanistische Union Bremen (HU) hat angek&uuml;ndigt, ihre Musterklage gegen die Offenlegung von Frageb&ouml;gen der Bremer Ausl&auml;nderbeh&ouml;rde fortzusetzen. 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