{"id":11777,"date":"2011-06-01T23:30:00","date_gmt":"2011-06-01T21:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/die-zukunft-erinnern-zum-fuenfzigsten-jahrestag-der-gruendung-der-humanistischen-union-am-26-august\/"},"modified":"2011-06-01T12:00:00","modified_gmt":"2011-06-01T10:00:00","slug":"die-zukunft-erinnern-zum-fuenfzigsten-jahrestag-der-gruendung-der-humanistischen-union-am-26-august","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/194-vorgaenge\/publikation\/die-zukunft-erinnern-zum-fuenfzigsten-jahrestag-der-gruendung-der-humanistischen-union-am-26-august\/","title":{"rendered":"Die Zukunft erinnern. Zum f\u00fcnfzigsten Jahrestag der Gr\u00fcndung der Humanistischen Union am 26. August 1961*"},"content":{"rendered":"<p>In: vorg\u00e4nge Nr. 194 (2\/2011), S. 4-15<\/p>\n<p>Wer seinen f\u00fcnfzigsten Jahrestag begeht hat Anlass, \u00fcber seine Zukunft nachzudenken, ungeachtet der Gefahr, dass dabei viel schief gehen kann. Die Verf\u00fchrung zu Pessimismus und Optimismus liegt nahe, wenn die Vergangenheit verkl\u00e4rt und vernebelt wird, der Blick auf die Gegenwart durch fehlerhafte Selbstwahrnehmung getr\u00fcbt ist und die Zukunft bedrohlich, irrlichternd oder verhei\u00dfungsvoll erl\u00f6send erscheint. Derartigen Fehlwahrnehmungen zu entgehen, scheint schwierig zu sein, denn wer nach seiner eigenen Zukunft fragt, fragt nach seiner Existenz. Dass es dennoch geschehen soll, liegt an der Bedr\u00e4ngnis, die f\u00fcr die HU dadurch entsteht, dass ihre Gr\u00fcndungsgeneration nahezu endg\u00fcltig verschwunden ist und die Generation, die die HU \u00fcber die letzten Jahrzehnte getragen hat, absehbar in diesem Jahrzehnt von der gesellschaftlichen B\u00fchne abtreten wird. Verschwindet damit die HU, muss sie neu erfunden werden oder l\u00e4sst sich die Zukunft aus der Vergangenheit erinnern und so durch Neugestaltung in der Gegenwart gewinnen?<\/p>\n<h5><span id=\"unser-umgang-mit-der-132glorreichen147-vergangenheit\">Unser Umgang mit der &#132;glor&shy;rei&shy;chen&#147; Vergan&shy;gen&shy;heit <\/span><\/h5>\n<p>Jeder, der Geschichte erz\u00e4hlt, rekonstruiert bekannterma\u00dfen nicht nur Tats\u00e4chliches, sondern er versucht, durch die Erz\u00e4hlung die Definitionsmacht \u00fcber die historischen Ereignisse zu erlangen. In der allt\u00e4glichen B\u00fcrgerrechtsarbeit der HU findet Erinnern regelm\u00e4\u00dfig nur dann statt, wenn es lohnend erscheint, die eigenen inhaltlichen Thesen als fr\u00fche Erfindungen der HU in der \u00d6ffentlichkeit vorzustellen oder wenn der HU Vergangenes vorgehalten wird und sie sich daf\u00fcr rechtfertigen muss. Ein solcher Umgang mit der Geschichte ist pragmatisch verk\u00fcrzend, weil er Diskussionsinhalte nur sehr eingeschr\u00e4nkt rekonstruiert. Die n\u00e4heren Umst\u00e4nde, insbesondere das Auf und Ab der Diskussionen, die R\u00fcckschl\u00e4ge, die Kontexte in denen die Diskussionen stattgefunden haben und die Personen, die sie gef\u00fchrt haben, bleiben meistens ausgeblendet. Dadurch wird der R\u00fcckgriff auf die Geschichte instrumentell: man benutzt nur das, was man gerade braucht, um die gegenw\u00e4rtigen Forderungen zu legitimieren. Die Vergangenheit erscheint als ein stetiger Aufstieg der eigenen Ideen, die Vereinsgeschichte wird eine &#132;glorreiche&#147; Geschichte.<\/p>\n<p>Die personellen Br\u00fcche, die immer wieder stattgefunden haben, das Verschlafen von wichtigen B\u00fcrgerrechtsthemen oder wie qualvoll es war, im Verein konsentierte Positionen zu finden und wie schwierig, diese Positionen in der \u00d6ffentlichkeit durchzusetzen, werden kaum erw\u00e4hnt, geschweige denn als historischer Vorgang analysiert, um daraus Gewinn zu ziehen. Zwar gibt es einige wenige tiefer gehende Analysen der HU- Geschichte [1], aber selten werden aus derartigen Analysen Schlussfolgerungen f\u00fcr die aktuelle Ausrichtung der B\u00fcrgerrechtsarbeit gezogen. Im g\u00fcnstigsten Fall rekonstruiert eine junge Generation auf der Suche nach dem, was die HU war und ist, die Geschichte ihrer Altvorderen, um dann auch ihrerseits ihre Deutungen des Historischen zur Legitimation ihrer eigenen Forderungen zu nutzen. Beispielhaft verweise ich auf die Beitr\u00e4ge von Nina Helm [2] und Thymian Bussemer [3] anl\u00e4sslich des vierzigsten Jahrestages der Gr\u00fcndung der HU. Zum f\u00fcnfzigsten Jahrestag soll hier nun versucht werden, die eigene Geschichtsdarstellung der HU zu hinterfragen, nicht um ihr die Legitimation abzusprechen, sondern um auch aus den Misserfolgen und Niederlagen etwas f\u00fcr unsere Zukunft zu begreifen.<\/p>\n<p>Am <strike>26<\/strike>28. August 1961** versammelte sich zur Gr\u00fcndungsversammlung der ersten deutschen B\u00fcrgerrechtsorganisation in M\u00fcnchen &#150; so die Erz\u00e4hlung \u00fcber den Anfang &#150; die linksliberale intellektuelle Elite der Republik. Sie sei repr\u00e4sentiert worden vom Vorsitzenden Gerhard Szczesny, damals Abteilungsleiter beim bayerischen Rundfunk, ab 1962 selbst\u00e4ndiger Verleger, dem hessischen Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer sowie den Professoren Dr. Alexander Mitscherlich, Dr. Ren\u00e9 K\u00f6nig und Dr. Walter Fabian. Bereits im Sommer 1962 habe die Humanistische Union Ortsverb\u00e4nde oder St\u00fctzpunkte in Augsburg, Berlin, Dortmund, D\u00fcsseldorf, Essen, Frankfurt, Hamburg, Hannover, L\u00fcbeck, L\u00fcneburg, N\u00fcrnberg, Saarbr\u00fccken, Wuppertal gegr\u00fcndet. Es sei, so Till M\u00fcller-Heidelberg in seinem in den Mitteilungen ver\u00f6ffentlichten Beitrag zum vierzigsten Jahrestag der HU, ein Aufbruch gewesen gegen geistige Bevormundung und f\u00fcr &#132;erstrebte Selbstverantwortung und Selbstverwirklichung des Einzelnen.&#147;, so wie es auch bereits im Gr\u00fcndungsaufruf niedergeschrieben worden sei. [4]<\/p>\n<p>Die HU ist unbestritten Bestandteil des Vor-68er-Aufbruches. Das wird nicht nur durch das Gr\u00fcndungsdatum belegt, sondern vor allem durch die Vorwegnahme wichtiger Themen des Umbruchs der bundesrepublikanischen Gesellschaft durch die 68er. [5] Mit ihren Gr\u00fcndungsthemen, wie der Trennung von Kirche und Staat, der Reform des Sexualstrafrechts und der Reform des Strafvollzuges, hat die HU \u00f6ffentlich auf die ungel\u00f6sten Probleme der neuen Wohlstandsordnung der Bundesrepublik hingewiesen und sie als gesellschaftlichen Skandal ins Blickfeld ger\u00fcckt. Dabei ging es der HU sowohl um die eigene Emanzipation ihrer Mitglieder und deren Interessenvertretung als auch um die Vertretung von Randgruppen, wenn sie sich gegen die autorit\u00e4re Macht des Staates, der Kirchen und anderer &#150; auch wirtschaftlicher &#150; Verb\u00e4nde wandte. [6] Das wird daran deutlich, dass die HU sexuelle Tabus und die Tabuisierung von Ehe- und Beziehungsproblemen genauso aufzubrechen versuchte, wie sie die Probleme des Bildungsnotstandes oder Probleme im Strafvollzug aufzeigte. Die HU wollte, schaut man in den Gr\u00fcndungsaufruf &#132;f\u00fcr die Wahrung oder Wiederherstellung unserer Grundrechte &#8230; sorgen, die gemeinschaftlichen Werte unseres Staates verteidigen, f\u00fcr eine freie und weltoffene Erziehung, Bildung und Forschung&#147; eintreten und alles tun, was geeignet ist, &#132;die wahre Struktur und St\u00e4rke der religi\u00f6sen, philosophischen, weltanschaulichen, k\u00fcnstlerischen und existentiellen Str\u00f6mungen in unsrer Gesellschaft zum Vorschein und zur Geltung zu bringen.&#147;[7]<\/p>\n<p>In dieser inhaltlichen Beschreibung war Mehreres angelegt. In erster Linie ging es um die Fixierung auf die Grundrechte, ohne sich auf bestimmte zu konzentrieren. Vielmehr sollten, wenn es n\u00f6tig werden sollte, alle verteidigt werden. Die, die im Katalog des Grundgesetzes fehlten, sollten erk\u00e4mpft werden. Die freiheitlich demokratische Ordnung des Grundgesetzes wurde als Verhei\u00dfung begriffen, die man nicht etwa bek\u00e4mpfte, sondern einforderte. Ausgehend von der Pluralit\u00e4t der in der Gesellschaft tats\u00e4chlich vorhandenen Anschauungen sollten die gemeinsamen gesellschaftlichen Werte formuliert werden. Das war eine Kampfansage an die damalige autorit\u00e4re christliche Leitkultur der Adenauer\u00e4ra. [8]<\/p>\n<p>Wie konnte die HU mit diesen Themen zur intellektuellen Avantgarde der fr\u00fchen 60er Jahre und zum Sprachrohr gesellschaftlich aufstrebender Minderheiten werden? Ist das tats\u00e4chlich ein Programm f\u00fcr eine B\u00fcrgerrechtsbewegung? Ja!, 1961 war die HU mit ihrem Gr\u00fcndungsaufruf der richtige Verein zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. Die HU hat mit dem B\u00fcndel ihrer Forderungen den Zeitgeist getroffen und wesentliche Forderungen f\u00fcr den kulturellen und politischen Umbruch der Jahre 1968-1971 vorformuliert. Sie konnte bis 1962 bereits 1.500 Mitglieder gewinnen und wurde bis 1969 eine deutlich sichtbare Organisation mit ca. 4.500 M\u00e4nnern und Frauen, eingeschlossen die sehr starke Studentenorganisation. [9]<\/p>\n<p>Die am 12.12.1964 gegr\u00fcndete Humanistische Studentenunion (HSU) agierte schon 1965 in 25 Ortsgruppen. Sie war in diesen Jahren das Lebenselixier des Vereins, welches die HU in die gesellschaftliche Bewegung hinein trug. \u00dcber die HSU fand die Verbindung zwischen der Gr\u00fcndungsgeneration und deren Themen mit den Themen des laufenden kulturellen Umbruchs statt, Themen, gegen die sich Mitglieder der HU zun\u00e4chst durchaus auch wehrten. In diesen fr\u00fchen Jahren ihrer Geschichte lebte die HU auch vom unglaublichen Hunger nach Argumenten. Das bessere Argument geh\u00f6rte zum erfolgreichen Ritual, der nackte Kaiser wurde l\u00e4cherlich gemacht. [10] In dieser Zeit, die bis heute zu Recht als die st\u00e4rkste Zeit der HU angesehen wird, haben sich die Grundmuster ihrer Organisationsstruktur und ihre innerverbandlichen Verfahren herausgebildet. \u00dcber die Studentenorganisation wurde die n\u00e4chste Generation rekrutiert, die Generation, die die HU bis in die Gegenwart getragen hat.<\/p>\n<p>Aber warum ist dieser Blick auf den historischen Anfang heroisierend und verkl\u00e4rend? Weil er ein St\u00fcck weit suggeriert, die HU sei eine treibende Kraft der 68er Bewegung gewesen. Das aber war sie nicht.<\/p>\n<p>Sie war ein Sammelbecken von konsequent antiautorit\u00e4r, aber zugleich auch demokratisch-pragmatisch agierenden Kr\u00e4ften des gesellschaftlich, kulturellen Umbruchs. Sie organisierte den Br\u00fcckenschlag zwischen den Generationen und verhalf den studentischen Forderungen nach Kr\u00e4ften zu einer rechtsstaatlichen Legitimation. So war sie es, die nach der Ermordung Benno Ohnesorgs durch den Polizeibeamten Kurras &#150; trotz des ergangenen Demonstrationsverbotes &#150; die Protestdemonstration in Berlin anmeldete und so wahrscheinlich die offene Revolte verhinderte. [11] Dieses Verhaltensmuster, mitten in einer scheinbar un\u00fcberbr\u00fcckbaren gesellschaftlichen Auseinandersetzungen das Grundgesetz (hier das Demonstrationsrecht) einzufordern, charakterisiert die HU und bezeugt ihren Standpunkt, man m\u00fcsse die vom Grundgesetz verhei\u00dfene Ordnung nur konsequent verwirklichen, dann w\u00fcrden die notwendigen gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen auch m\u00f6glich sein. Den Forderungen der 68er-Bewegung nach grunds\u00e4tzlichen gesellschaftlichen \u00c4nderungen stand sie dementsprechend fremd gegen\u00fcber. Die HU geriet deshalb auch unter den Druck der Forderungen ihrer eigenen Studentenorganisation. Dieser Druck f\u00fchrte nicht nur partiell zur Erweiterung des Forderungskataloges der HU, sondern auch zu Br\u00fcchen. Der R\u00fcckzug des ersten Vorsitzenden Szszesny und anderer aus dem Vorstand war ein solcher Bruch. Die HU war auch in dieser Zeit ihres Aufstiegs eine Organisation f\u00fcr Bewegte aber nicht die Organisation der Bewegung.<\/p>\n<p>Diese Sicht auf die Rolle und die Verdienste der HU in ihrer &#132;glorreichen Zeit&#147;, l\u00e4sst m. E. klarer erkennen, was die HU damals konnte und was nicht. Sie konnte Ideen aufgreifen und sie in rechtspolitische Forderungen umm\u00fcnzen, meist indem sie Grundrechte und andere Verfassungsnormen zeitgem\u00e4\u00df interpretierte und eine entsprechende Anwendung forderte. Dadurch wurde sie zur B\u00fcrgerrechtsorganisation und wirkte in soziale Bewegungen hinein, wurde aber nicht selbst zur B\u00fcrgerrechtsbewegung. Diese Rolle verfehlte sie auch schon an ihrem Anfang. Thymian Bussemer beschreibt die HU deshalb zu recht von ihrer Gr\u00fcndung an als einen Honoratiorenclub mit der F\u00e4higkeit zum gesellschaftlichen Katalysator, der das Protestpotenzial dem gesellschaftlichen Mainstream vermittelte. Bussemer hat sehr wahrscheinlich auch recht, wenn er Szczesnys R\u00fcckzug aus dem Vorstand damit erkl\u00e4rt, dass dieser nie etwas anderes wollte, als einen elit\u00e4ren Zirkel unabh\u00e4ngiger Linksintellektueller zu gr\u00fcnden und &#132;kalte F\u00fc\u00dfe&#147; bekam, als die n\u00e4chste Generation auf grunds\u00e4tzlicheren gesellschaftlichen \u00c4nderungen bestand. [12]<\/p>\n<p>Als die 68er Studentenrevolte die HSU als eines ihrer liberalsten Kinder fra\u00df [13], und die Bewegung insgesamt in der Bildung der sozialliberalen Koalition verebbte, begann f\u00fcr die HU ein stetiger Abschwung. Dieser \u00e4u\u00dferte sich in dem stetigen Verlust von Mitgliedern, durch den die Ressourcen Geld und Zeit f\u00fcr die HU drastisch reduziert wurden und der bereits 1972 zu einem &#132;alarmierenden R\u00fcckgang&#147; in der Effektivit\u00e4t der \u00d6ffentlichkeitsarbeit f\u00fchrte. [14] Von 1969 an bis 1992 sank der Mitgliederbestand wieder auf das Level von 1962. [15] In der Selbstdarstellung der HU wird dieser Abschnitt ihrer Geschichte als ein Weg beschrieben, den sie von einem Verein der antiklerikalen Aufkl\u00e4rung zur B\u00fcrgerrechtsbewegung zur\u00fccklegte. [16] Norbert Reichling spricht sogar davon, dass sich die HU vom Kulturpathos ihrer Gr\u00fcnderzeit trennte und den Weg zu einer rechtspolitischen Kampagnenarbeit fand. [17] Solche Beschreibungen \u00fcbersehen die wiederkehrenden Orientierungsschwierigkeiten [18], die anhaltende Organisationsschw\u00e4che und in den achtziger Jahren die Abwanderung linker B\u00fcrgerrechtler ins Komitee f\u00fcr Grundrechte und Demokratie.<\/p>\n<p>Als Beleg f\u00fcr die gelungene Neuorientierung nach 1968\/69 gelten vor allem die Auseinandersetzungen mit den Terrorbek\u00e4mpfungsgesetzen der siebziger Jahre. Schaut man sich die zwei wichtigsten Dokumente der Endsiebziger Jahre an, scheint die Neuorientierung tats\u00e4chlich gelungen zu sein. Ich beziehe mich zum einen auf das Memorandum der HU zum Sympathisanten-Begriff vom 9. September 1977, unterzeichnet von der Vorsitzenden Dr. Charlotte Maack, ma\u00dfgeblich formuliert von J\u00fcrgen Seifert und zum anderen den Aufruf vom 23. Mai 1978, der \u00fcberschrieben wurde mit &#132;Die Humanistische Union fragt Bundesregierung und Bundestag: Wo beginnt der Kernbereich des Rechtsstaats?&#147; und der von einer Vielzahl linksliberaler Pers\u00f6nlichkeiten von W. Abendroth \u00fcber J\u00fcrgen Habermas, Uta Ranke-Heinemann, Britta Wolf bis Karl Zinn unterzeichnet wurde. Beide Dokumente erwecken den Anschein, als h\u00e4tte sich die HU im kalten Herbst der Bundesrepublik in ihrer B\u00fcrgerrechtsarbeit neu aufgestellt. In den Dokumenten wird auf zentrale Probleme der staatlichen Antiterrorpolitik reagiert. Die HU findet in diesen Dokumenten zu ihren bis heute vertretenen Grundpositionen zur Sicherheitspolitik. So beschreibt sie die entstandene Lage im Memorandum wie folgt:<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"bodytext\">&#132;Seit sechs Jahren wird von der Waagschale der Schutz- und Freiheitsrechte etwas weggenommen und auf die Waagschale der inneren Sicherheit gelegt&#147; <\/p>\n<\/blockquote>\n<p>und ausgehend davon fragt sie:<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"bodytext\">&#147;Wo beginnt der unantastbare Kernbereich der freiheitlichen Rechtsordnung in der Bundesrepublik, und wo darf er auch dann nicht angetastet werden, wenn das Risiko der inneren Sicherheit z.B. durch den Ausbau weiterer politischer Attentat zus\u00e4tzlich belastet wird?&#147; <\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das beste Rezept gegen Terrorismus sei eine offene und zum Dialog f\u00e4hige Gesellschaft. Es m\u00fcsse in der Bundesrepublik m\u00f6glich sein,<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"bodytext\">&#132;ohne Ber\u00fchrungsangst mit m\u00f6glichen Terroristen zu reden, ehe sie zu jenen sto\u00dfen, die Morden f\u00fcr ein Mittel der Politik halten.&#147; <\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das Memorandum geh\u00f6rt im Selbstverst\u00e4ndnis der HU zu ihren gr\u00f6\u00dften Erfolgen. [19] Der damalige Bundespr\u00e4sident Walter Scheel machte es sich weitgehend in seiner Ansprache beim Staatsakt f\u00fcr Hanns-Martin Schleyer am 25. Oktober 1977 zu eigen.<\/p>\n<p>Kritisch ist zu dieser glorifizierenden Betrachtung aber anzumerken, dass das Memorandum nicht das ist, wof\u00fcr es ausgeben wird, n\u00e4mlich der Beleg f\u00fcr die Verwandlung der HU in eine kampagnenf\u00e4hige B\u00fcrgerrechtsorganisation. Vielmehr bleibt sich die HU auch bei diesen Aktionen zur Sicherheitspolitik treu. Auch angesichts terroristischer Bedrohungen stellt sie sich konsequent gegen den Abbau grundrechtlicher Freiheiten. Sie kritisiert und vermittelt, indem sie Briefe schreibt, setzt sich aber nicht an die Spitze einer Kampagne. Die F\u00e4higkeit zur b\u00fcrgerrechtlichen Kritik der Sicherheitspolitik hatte die HU schon 1968 im Kampf gegen die Notstandsgesetzgebung erworben und in den siebziger Jahren wurde anl\u00e4sslich der Terrorgesetzgebung die Auseinandersetzung mit der Sicherheitspolitik durchaus ein starkes Standbein der HU.<\/p>\n<p>Die Kritik an der staatlichen Sicherheitspolitik war nicht das alleinige Thema der HU, auf das sie sich spezialisiert hatte. Die HU behielt vielmehr auch ihre alten Gr\u00fcndungsthemen bei und griff neue auf. [20] Von au\u00dfen betrachtet erscheint das Themenspektrum der HU zwar zunehmend als b\u00fcrgerrechtliches Sammelsurium, gleichzeitig wird das b\u00fcrgerrechtliche Sammelsurium zum Markenzeichen der HU.<\/p>\n<p>Hei\u00dft das, dass die HU sich allen wichtigen Themen der jeweiligen neuen sozialen Bewegungen zuwandte? So war es nicht, es f\u00e4llt vielmehr auf, dass die HU zu gro\u00dfen Themen der siebziger und achtziger Jahre, zu Umwelt- und Naturschutz eher wenig sagte und bei der Antiatomkraftbewegung und der Friedensbewegung kaum in Erscheinung trat. Der Anschluss an diese neuen sozialen Bewegungen gelang ihr, anders als die Einbeziehung von Themen der Studentenbewegung der Jahre 1968\/69, nicht. Lediglich an die Frauenbewegung versucht sie, Anschluss zu halten. So trat die HU k\u00e4mpferisch f\u00fcr die Abschaffung des \u00a7 218 StGB ein und forderte im November 1977 mit einer Brosch\u00fcre ein Antidiskriminierungsgesetz, eine Forderung, die sp\u00e4ter von der Partei DIE GR\u00dcNEN \u00fcbernommen wurde. Aber auch bei diesen von der HU durchaus erfolgreich aufgegriffenen Themen wird wieder das typische Muster der HU erkennbar, soziale Themen in erster Linie als rechtspolitische Forderungen zu formulieren. Das steht einer B\u00fcrgerrechtsorganisation gut zu Gesicht, macht sie freilich noch nicht zu einer gesellschaftlichen Bewegung.<\/p>\n<p>Ein Thema hingegen verpasst sie nicht, da ist sie vielmehr von Anfang mit dabei. Das ist der Datenschutz. Beim Datenschutz wird sie prominent einer der Geburtshelfer des neuen Grundrechts auf informelle Selbstbestimmung. Nachdem Prof. Dr. Wilhelm Steinm\u00fcller [21] im Juli 1971 sein legend\u00e4res Gutachten zu den &#132;Grundfragen des Datenschutzes&#147; angefertigt hat, in dem die grundlegenden Rechtsfragen des Datenschutzes erstmalig systematisch ausgearbeitet werden und die Figur der &#132;informationellen Selbstbestimmung&#147; entworfen wird, die dann 1983 im &#132;Volkz\u00e4hlungsurteil&#147; des Bundesverfassungsgerichts eine zentrale Rolle spielte, organisiert sich die HU schnell um dieses Thema. Warum die HU in dieses Thema von Anfang an eingestiegen ist, in andere Themen nicht, ist schwer zu ergr\u00fcnden. Es w\u00e4re leicht, einfach zu sagen, es hat an ihren Mitgliedern gelegen; es f\u00e4llt aber schwer die soziologische Affinit\u00e4t der Mitglieder zu den von ihnen bearbeiteten Thesen zu beschreiben. Unabh\u00e4ngige b\u00fcrgerliche Liberalit\u00e4t, der sich die Mitglieder nach allgemeinem Eindruck verbunden f\u00fchlen, legt eine Offenheit gegen\u00fcber fast allen Themen nahe. Aber diese Offenheit funktioniert nur begrenzt. Es scheint so, als ob die Begrenzungen durch die konsequente Orientierung am Grundgesetz entstehen und aus den inhaltlichen Begrenzungen des Grundgesetzes herr\u00fchren, auch wenn es der HU punktuell gelingt, Weiterungen der Grundrechte einzufordern. Die HU sicherte sich damit einen festen Platz im B\u00fcrgerrechtsspektrum der Bundesrepublik. Wirkungsgeschichtlich war die HU deutlich erkennbar als linksliberale Organisation, die linker und k\u00e4mpferischer und damit weniger b\u00fcrgerlich wahrgenommen wurde als z. B. die Gustav-Heinemann-Initiative, aber auch deutlich b\u00fcrgerlicher und liberaler als das Komitee f\u00fcr Grundrechte. Auf diesem Platz hat sich die HU in den achtziger und neunziger Jahren dann eingerichtet ohne jemals eine kampagnenf\u00e4hige Organisation zu werden.<\/p>\n<p>Die HU hat sich in diesen Jahren nicht auf Themen spezialisiert wie das andere Organisationen, wie z.B. Pro Asyl, Amnesty u.a., getan haben. Sie hat sich auch nicht internationalisiert. Von gelegentlichen Ausfl\u00fcgen &#150; nach Europa &#150; abgesehen, blieb sie eine nationale, deutsche, in der Bundesrepublik verankerte Organisation. Sie ist auch ein mitgliederbasierter Verein geblieben. Das hei\u00dft, sie hat nicht auf einen hauptamtlichen Apparat gesetzt, sondern ihre Gesch\u00e4ftsstelle ist das geblieben, was sie von Anfang an war &#150; ein Ein-Mann- bzw. ein Ein-Frau-Betrieb. Finanziert wurde die HU in allen f\u00fcnf Jahrzehnten durch ihre Mitglieder und Freunde. So gesehen blieb die HU altmodisch und &#150; wie Norbert Reichling feststellte &#150; &#132;ein sehr z\u00e4her Intelligenzlerverein&#147;. [22] Formuliert man das euphorisch wie <strike>Wolfgang<\/strike>J\u00fcrgen Seifert, leistete die HU wichtige gemeinsame Denkarbeit in kleinerem Kreise. Sieht man es kritisch, entfaltete die HU als B\u00fcrgerrechtsorganisation Anziehungskraft allenfalls auf Intellektuelle, die mit Hilfe des Vereins an den aktuellen politischen Auseinandersetzungen partizipierten.<\/p>\n<h5><span id=\"wer-oder-was-ist-die-hu-gegenwaertig\">Wer oder was ist die HU gegen&shy;w&auml;r&shy;tig? <\/span><\/h5>\n<p>Die hier beschriebene Gegenwart der HU beginnt mit der deutschen Wiedervereinigung. An ihrem Anfang steht das Bem\u00fchen der HU, den Anschluss an die ostdeutsche B\u00fcrgerrechtsbewegung zu finden, das aber &#150; hier wie \u00fcberall im politischen System der Bundesrepublik &#150; fehlschl\u00e4gt. Daran kann auch das engagierte Mitwirken f\u00fcr eine neue gemeinsame deutsche Verfassung im Kuratorium f\u00fcr einen demokratisch verfassten Bund deutscher L\u00e4nder nichts \u00e4ndern. Ostdeutsche Mitglieder sind im Verein bis heute rar und stabile Ortsgruppen in den neuen L\u00e4ndern gibt es nicht. Der Verein ist auch zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung eine westdeutsche Organisation. Schon zum vierzigsten Jahrestag hat deshalb Nina Helm festgestellt, die HU erscheine ihr als ein westdeutsches Auslaufmodell. [23] Aber nicht nur das. Sie formulierte sehr scharf, dass vierzig Jahre HU genug seien; sie sah die HU im selbstverschuldeten Abseits. In der HU werde zu selbstverst\u00e4ndlich \u00fcber viele komplexe Zusammenh\u00e4nge diskutiert und nicht bemerkt, wie abgehoben die Argumentationen verfasst seien und wie wenige Unterst\u00fctzer damit erreicht w\u00fcrden. Aufgrund ihrer Erfahrungen in der HU Arbeit prognostizierte sie, dass die HU nicht in der Lage sein werde, die Probleme der Gegenwart und Zukunft zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hat die HU trotzdem weitergemacht. Sie feierte ihren vierzigsten Jahrestag unmittelbar nach dem 11. September 2001. Nicht weil sich die HU, sondern weil sich mit dem 11. September die Welt und mit ihr die Bundesrepublik \u00e4nderte, gelang es der HU wieder, mehr Gewicht als B\u00fcrgerrechtsorganisation zu entfalten. Sie ist schnell und konsequent gegen die neuen Sicherheitsgesetzte aufgetreten. Gegen die von Schily und Sch\u00e4uble inszenierte neue Antiterrorpolitik setzte die HU ihre in den zur\u00fcckliegenden Jahrzehnten auf diesem Feld erworbene Kompetenz ein und konnte dadurch wieder verst\u00e4rkt neue Mitglieder gewinnen. Mit ihrer alten, lange gewachsenen Kompetenz in der Sicherheitspolitik war die HU eine sichtbare Stimme gegen die mit der Sicherheitsgesetzgebung einhergehenden Irrationalit\u00e4ten. [24] Sie schaffte es sogar, mit Einzelaktionen neue Polizeibefugnisse, wie die Online-Durchsuchung zu verhindern. So gelang es Fredrik Roggan mit seiner Verfassungsbeschwerde das Verfassungsschutzgesetz von Nordrhein-Westfahlen, wo diese Befugnis zum ersten Mal geregelt war, in Karlsruhe f\u00fcr nichtig erkl\u00e4ren zu lassen. Er und die HU mit ihm, wurden damit zum Geburtshelfer des neuen Grundrechts f\u00fcr die Sicherheit und Integrit\u00e4t elektronischer Systeme. Mit ihren Erfolgen entwickelte sich in der HU neues Selbstbewusstsein, aber immer noch keine Kampagnenf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p>Der Versuch des Bundesvorstandes, eine Kampagne aus Anlass der Verabschiedung der gesetzlichen Regelungen zur Patientenverf\u00fcgung zu entwickeln, scheiterte daran, dass die Ortsverb\u00e4nde die Anregung des Bundesvorstandes nicht aufgriffen. Bis heute arbeiten die Ortsverb\u00e4nde unabh\u00e4ngig vom Bundesvorstand. Sie w\u00e4hlen ihre Arbeitsschwerpunkte selbst. Der Bundesvorstand und die Bundesgesch\u00e4ftsstelle unterst\u00fctzen die Ortsverb\u00e4nde auf Anforderung. Eine Abstimmung von Arbeitsprogrammen findet zwischen dem Bundesvorstand und den Ortsverb\u00e4nden nicht statt. Regelm\u00e4\u00dfig besteht \u00fcber die innerverbandliche Zeitung (die Mitteilungen) die M\u00f6glichkeit, voneinander zu erfahren, indem jeder \u00fcber sich berichtet. Als Folge der Selbstst\u00e4ndigkeit der Ortsverb\u00e4nde entsteht regional in der \u00d6ffentlichkeit ein ganz unterschiedliches Bild von der HU. Das ist solange unproblematisch, wie es sich zu einem Gesamtbild b\u00fcrgerrechtlicher Arbeit f\u00fcgt. Arbeits\u00f6konomisch aber ist das nicht, und es beschr\u00e4nkt vor allem die innerverbandliche Willensbildung auf die alle zwei Jahre stattfindende Delegiertenkonferenz und den dazwischen liegenden Verbandstag. Im \u00dcbrigen arbeiten alle Gremien v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von einander, was bis zur wechselseitigen Unkenntnis voneinander f\u00fchrt. Auch im zweiten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends arbeitet die HU ohne sich thematisch zu beschr\u00e4nken. Ab 2006 begann der Bundesvorstand freilich, sich nach Ressorts zu organisieren und Verantwortlichkeiten f\u00fcr die Ressorts durch die Bundesvorstandsmitglieder herzustellen. Seither wird planm\u00e4\u00dfiger, weniger sporadisch und systematischer gearbeitet. Arbeitsergebnisse in den einzelnen Ressorts werden ausgewiesen und \u00fcber so genannte Fachtagungen der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert. Mit diesen Tagungen hat die HU gegenw\u00e4rtig ihr wichtigstes Arbeitsformat gefunden. Sie erarbeitet die Konzeptionen f\u00fcr diese Tagungen entsprechend ihren b\u00fcrgerrechtlichen Vorstellungen, l\u00e4dt Wissenschaftler als Vortragende zu diesen Tagungen ein und dokumentiert deren Ergebnisse. Damit realisiert sie im gegenw\u00e4rtigen Poltikbetrieb ihren Anspruch auf die Katalysatorenfunktion zwischen den gesellschaftlichen Protestpotenzialen und dem Mainstream der gesellschaftlichen Willensbildung. Sie kn\u00fcpft dabei nicht an existierende Protestbewegungen zu B\u00fcrgerrechtsthemen an, schreibt vielmehr ihre historisch gefundenen B\u00fcrgerrechtsthemen im Wesentlichem fort. Am eindrucksvollsten ist dies \u00fcber die Berliner Gespr\u00e4che, dem Forum der HU f\u00fcr die Auseinandersetzung \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Staat und Religionsgemeinschaften, gelungen.<\/p>\n<p>Die Frage nach der Existenz neuer in diesem Jahrtausend entstandener gesellschaftlicher Protestbewegungen, denen die HU sich anschlie\u00dfen k\u00f6nnte, scheint sich bisher nicht zu stellen, weil diese nicht sichtbar sind. Die beiden gegenw\u00e4rtigen revolution\u00e4ren Ver\u00e4nderungen unserer Welt &#150; bewirkt durch die digitale Vernetzung des Einzelnen mit der Welt und den Zugriff des Menschen auf seine eigenen genetischen Grundlagen &#150; scheinen bis heute keine Protestbewegungen au\u00dferhalb des offiziellen Politikbetriebes zu bewirken. Die gr\u00f6\u00dfte sichtbare Aktion zu einem b\u00fcrgerrechtlichen Thema hat es im letzten Jahrzehnt zur Vorratsdatenspeicherung gegeben. Sie wurde organisiert im Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, mit dem die HU eng zusammenarbeitet.<\/p>\n<p>Im Ergebnis der Arbeitsweise der Mitglieder des Bundesvorstandes, sich nach Ressorts zu organisieren, ist die Gesch\u00e4ftsstelle permanent \u00fcberlastet und ger\u00e4t immer wieder unter den Druck der selbst gestellten Anforderungen. Die M\u00f6glichkeiten, die Gesch\u00e4ftsstelle mit den verf\u00fcgbaren finanziellen Mitteln zu erweitern sind dabei vollst\u00e4ndig ausgereizt, auch angesichts leicht steigender Mitgliederzahlen.<\/p>\n<p>2006 gelang es erstmalig seit 1970, das Blatt in Sachen Mitgliederst\u00e4rke zu wenden. Seit 2006 sind mehr Mitglieder ein- als ausgetreten. Urs\u00e4chlich f\u00fcr das Ansteigen der Mitgliederzahlen ist nicht die Arbeit auf einem bestimmten Themenfeld, sondern der Eintritt der HU in die Webkommunikation. 2006 wurde die neue Webseite der HU geschaltet. Seitdem hat die HU Medienkompetenz zur\u00fcckgewonnen und auf dem Weg \u00fcber das Netz auch ihre Mitgliederbasis gest\u00e4rkt. Auch das ist eine Leistung der Gesch\u00e4ftsstelle, deren Fortf\u00fchrung im Zeitalter des Webs 2.0 neue personelle und finanzielle Ressourcen erfordern wird. Nur weil sich die HU den neuen Kommunikationsformen gestellt hat, ist es gelungen, eine neue junge Generation f\u00fcr die B\u00fcrgerrechtsarbeit in der HU zu gewinnen.<\/p>\n<p>Zugleich ist dadurch ein Generationsproblem in der HU entstanden. Die oben geschildert Wahrnehmung der HU von Nina Helm zum vierzigsten Jahrestag wird stark zunehmen und mit ihr die innerverbandlichen Konflikte. Ein Vorgeschmack darauf war die Auseinandersetzung in der so genannten P\u00e4dophilendiskussion [25], in deren Verlauf 2005 der damalige Vorsitzende Polizeidirektor Reinhardt Mokros, und das fr\u00fchere Vorstandsmitglied der Bundesverfassungsrichter a.D. Dr. J\u00fcrgen K\u00fchling aus der HU austraten. In diesem Konflikt hat die HU nicht das vermocht, was sie bis dahin \u00fcber Jahrzehnte pr\u00e4gte und auszeichnete: tolerant und geduldig Konflikte auszudiskutieren.<\/p>\n<p>50 Prozent der Mitglieder sind in den letzten zehn Jahren eingetreten. Das ist eine junge Generation um die 30 Jahre. Der zweite gro\u00dfe Mitgliederblock in der HU besteht aus Mitgliedern, die in den 60er und 70ziger Jahren eingetreten sind. Die dazwischen liegende Mitgliederschicht betr\u00e4gt nur 20 Prozent. Damit ist die HU auch personell stark ver\u00e4ndert und muss sich fragen, ob sie auch in der ver\u00e4nderten Besetzung das fortf\u00fchren kann und will, was sich in Jahrzehnten als Honoratiorenclubs vornehmlich bestehend aus Professoren, Juristen und Journalisten entwickelt hat.<\/p>\n<h5><span id=\"zukunft-als-neuerfindung-oder-kontinuitaet\">Zukunft als Neuer&shy;fin&shy;dung oder Konti&shy;nu&shy;i&shy;t&auml;t? <\/span><\/h5>\n<p>Die Frage, ob die gegenw\u00e4rtige HU ein zukunftstr\u00e4chtiges Profil hat, das nur an die Anforderungen der Zukunft angepasst werden muss, ist zu verneinen. N\u00e4her liegt es, die HU als ein sympathisches \u00fcbrig gebliebenes Fossil aus den sechziger und siebziger Jahren zu sehen, das die notwendigen \u00c4nderungen vers\u00e4umt hat. Dies bedeutet, sie muss die vers\u00e4umten \u00c4nderungen schnell nachholen, will sie eine Zukunft haben. Aber manchmal sind es gerade die Fossilien, die scheinbar alles \u00fcberleben &#8211; wie die Schildkr\u00f6ten, die die eigentliche anthropologische Sensation sind. Sollte das auch f\u00fcr die HU gelten, w\u00e4re Anpassung Selbstaufgabe. Deshalb zun\u00e4chst die Frage nach dem, was die HU ausmacht oder neudeutsch, was die HU als Marke ist.<\/p>\n<p>Die HU ist in Geschichte und Gegenwart ein Verein, der zu einer Vielzahl b\u00fcrgerrechtlicher Themen langfristig Positionen aufgebaut hat, und die F\u00e4higkeit besitzt, diese ins politische System hinein, hin zu den politischen Parteien zu vermitteln. Dies geschieht nicht, indem sie Druck auf der Stra\u00dfe oder medial aufbaut, dazu ist sie zu klein und finanziell zu ohnm\u00e4chtig. Sie kn\u00fcpft vielmehr an die \u00fcber ihre Mitglieder bestehenden Beziehungen in den Universit\u00e4ten und andere Institutionen an. Voraussetzung daf\u00fcr ist ein breites liberales Mitgliederspektrum, \u00fcber dessen Willensbildung die neuen b\u00fcrgerrechtlichen Forderungen gefunden werden. Das macht die HU langsam und gelingt nur, wenn sie innerverbandlich einen toleranten Umgang mit Meinungen und Standpunkten praktiziert. Das Gegenteil davon w\u00e4re eine gro\u00dfe, schnelle, hierarchisch aufgebaute, finanzstarke Organisation, die Themen und Positionen politisch durchsetzt. Ein solches Gebilde ist als Unternehmen denkbar oder aber als Partei, nicht aber als B\u00fcrgerrechtsorganisation. Dies zu sehen, bedeutet nicht, die Frage nach der Zukunft der HU beantworten zu k\u00f6nnen. Alle Trends scheinen vielmehr darauf hinauszulaufen, dass das, was die HU auszeichnet, aufgegeben werden muss. Aber die Geschichte der B\u00fcrgerrechtsbewegung lehrt, dass sich Trends ver\u00e4ndern bzw. kontextabh\u00e4ngig sind. Man kann etwas wollen und w\u00fcnschen, anderes verdammen, die Entwicklung wird von den real existierenden Problemen bestimmt werden.<\/p>\n<p>Es ist immer wieder die Notwendigkeit einer Neuorganisation und einer inhaltlichen Profilierung in der HU diskutiert worden. Dabei gehe es vor allem um die Herstellung von Kampagnenf\u00e4higkeit, f\u00fcr die neben gr\u00f6\u00dferer \u00d6ffentlichkeitswirksamkeit eine inhaltliche Profilierung, verbunden mit der Konzentration auf ein Hauptthema bzw. einige wenige Themen gefordert wird. Daneben wird verlangt, die HU solle sich \u00fcber Deutschland hinaus international vernetzen, um auch international Wirkung zu erzielen.<\/p>\n<h5><span id=\"zur-internationalisierung-der-buergerrechtsarbeit\">Zur Inter&shy;na&shy;ti&shy;o&shy;na&shy;li&shy;sie&shy;rung der B&uuml;rger&shy;rechts&shy;a&shy;r&shy;beit <\/span><\/h5>\n<p>Wenn es um die Zukunftsf\u00e4higkeit der HU geht, wird wiederkehrend ihre Internationalisierung mindestens aber ihre Europ\u00e4isierung gefordert. Das ist nicht zwingend und nur z. T. richtig. Zwar ist der Kompetenzverlust des Nationalstaates und der Kompetenzgewinn der EU nicht zu \u00fcbersehen, aber gleichwohl werden die modernen B\u00fcrgerrechtsthemen nicht auf EU-Ebene oder auf der Ebene internationaler Organisationen entdeckt. Von der EU gehen zwar Grundrechtsbeeintr\u00e4chtigungen aus, aber ihre Bek\u00e4mpfung muss zuerst national organisiert werden, erst wenn das gelingt ist eine internationale Vernetzung zur B\u00fcndelung von Aktivit\u00e4ten m\u00f6glich. Betrachtet man die europ\u00e4ische Grundrechtsentwicklung, vollzieht die EU derzeit noch nach, was sich in den Nationalstaaten herausgebildet hat. Das gilt insbesondere f\u00fcr Deutschland mit seinem hohen Grundrechtsstandard. Notwendige neue Grundrechtsstandards werden derzeit noch in den Nationalstaaten entwickelt, bevor sie internationalisiert werden. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen Grundrechtsprobleme oft, z. B. dann, wenn es um die Geltung von Grundrechten im digitalen Netz geht, nicht mehr nur national gel\u00f6st werden. Oft bedarf es in der Tat vereinheitlichte europ\u00e4ische bzw. internationale Ans\u00e4tze. Diese Ans\u00e4tze werden aber nicht aus den Erfahrungen der EU gewonnen, sondern es bleibt dabei, dass gerade die b\u00fcrgerrechtliche Entwicklung ihren Ausgang im Nationalstaat hat. Das gilt ungeachtet, der Tatsache, dass viele Probleme nur grenz\u00fcberschreitend gel\u00f6st werden k\u00f6nnen. Die internationale Regelungsnotwendigkeit hat bisher noch nicht dazu gef\u00fchrt, dass die daf\u00fcr notwendigen Ideen auch in den internationalen Institutionen entstanden w\u00e4ren, vielmehr kommen sie nach wie vor aus den nationalen Rechtsordnungen.<\/p>\n<h5><span id=\"zur-kampagnenfaehigkeit\">Zur Kampa&shy;gnen&shy;f&auml;&shy;hig&shy;keit <\/span><\/h5>\n<p>Gegenw\u00e4rtig ist die HU zu klein und zu wenig in der \u00d6ffentlichkeit sichtbar, um kampagnenf\u00e4hig zu sein. Ihr Aufbau ist weder hierarchisch noch durch elektronische Vernetzung und hauptamtliche Apparate gepr\u00e4gt. Hierarchische Gliederung und Vernetzung aber w\u00e4ren f\u00fcr die Organisation von Kampagnen Voraussetzungen. Die \u00c4nderung dieses Zustandes scheint gegenw\u00e4rtig nur m\u00f6glich zu sein, wenn die HU zus\u00e4tzliche finanzielle Mittel gewinnt, um einen hauptamtlichen Apparat zu finanzieren und um moderne Netzstrukturen f\u00fcr die elektronische Kommunikation aufzubauen und zu betreiben. Nur dann k\u00f6nnten auch die Presse- und Medienarbeit weiter professionalisiert werden. Damit w\u00fcrde sich aber auch die Themenfindung, Aufarbeitung und Verbreitung von den ehrenamtlich arbeitenden Mitgliedern auf einen hauptamtlichen Apparat verlagern. Abgesehen von den dadurch entstehenden Kosten wird B\u00fcrgerrechtsarbeit damit zur Arbeitsbeschaffungsma\u00dfnahme. Das Bild vieler NGOs ist davon gepr\u00e4gt. Die Katalysatorenfunktion der HU zwischen Protestpotential und gesellschaftlichem Main- stream w\u00fcrde in einem solchen Modell nicht mehr wie bisher \u00fcber das ehrenamtliche Wirken ihrer Mitglieder in den intellektuellen Eliten laufen, sondern \u00fcber eine mediale Aufbereitung und Inszenierung. Einzelpers\u00f6nlichkeiten, m\u00fcssten unter dem Logo der HU medial B\u00fcrgerrechtsinhalte verbreiten und professionelle Lobbyarbeit leisten. Ganz \u00e4hnliche Wirkung h\u00e4tte f\u00fcr die HU eine Konzentration auf ein Kernthema. Geschehe dies, ginge es letztlich nur noch um die Erk\u00e4mpfung der Definitionsmacht im jeweiligen Themengebiet. Auch dieses w\u00e4re nur mit einem hauptamtlichen Apparat zu bewerkstelligen, der seine Wirkung \u00fcber die Medien und in der politischen Lobby entfalten m\u00fcsste. Damit w\u00fcrde die F\u00e4higkeit der HU schwinden, die b\u00fcrgerrechtlichen Grundbedingungen f\u00fcr das Funktionieren einer freiheitlichen Demokratie einzufordern: Die Durchsetzung individueller Selbstbestimmung und die Schaffung der Voraussetzungen daf\u00fcr. Dieses \u00fcberzeichnete Bild macht klar, dass es B\u00fcrgerrechtsarbeit ohne ehrenamtliche B\u00fcrger nicht geben kann.<\/p>\n<p>Aber auch wenn die HU vom ehrenamtlichen Engagement leben muss, wird sie die Organisationsstrukturen \u00e4ndern m\u00fcssen. Mindestens m\u00fcssen sie den ver\u00e4nderten Kommunikationsstrukturen in einer digital vernetzten Welt entsprechen. Daf\u00fcr scheint die Finanzierung professionellen Personals unerl\u00e4sslich. Auch wenn dies unausweichlich ist, bleibt Mitgliedergewinnung die wichtigste Ma\u00dfnahme zur Zukunftssicherung. Dabei d\u00fcrfen und m\u00fcssen neue Mitglieder den Verein auch neu erfinden, wichtig ist nur, sie erlernen und erfahren dabei auch die in der Vergangenheit erarbeiteten Positionen, um sie tats\u00e4chlich erneuern zu k\u00f6nnen. Angesichts ihres Generationsproblems h\u00e4ngt die Zukunft der HU zurzeit davon ab, ob es gelingt, die erarbeiteten Positionen auf den einzelnen Feldern der B\u00fcrgerrechtsarbeit zwischen den Generationen von B\u00fcrgerrechtlern zu vermitteln. Die Tatsache, dass die HU eine Geschichte hat, bedeutet f\u00fcr ihre Zukunft, dass sie mit dieser Geschichte umgehen muss. Das Werben um die neue Generation kann deshalb nicht einfach auf die Themen setzen, die von der neuen Generation eingebracht werden. Wer will, dass es mit der HU weiter geht, muss zun\u00e4chst ausdauernd um die Vermittlung der Themen in der HU ringen, die in der Vergangenheit die Standards in der b\u00fcrgerrechtlichen Diskussion gepr\u00e4gt haben. Die Wege, die in der B\u00fcrgerrechtsarbeit der HU gegangen worden sind, m\u00fcssen sichtbar bleiben. Der heutige Zustand darf nicht einfach als Anfang der Zukunft genommen werden. Wer das tut, ger\u00e4t leicht in Gefahr, zu verkennen, wenn es R\u00fcckschritte gibt. Dies zu wissen, ist aber Voraussetzung daf\u00fcr, dort weiter machen zu k\u00f6nnen, wo die anderen aufgeh\u00f6rt haben.<\/p>\n<p>* Seit 2009 Humanistische Union vereinigt mit der Gustav-Heinemann-Initiative<\/p>\n<p><i>** In der gedruckten Ausgabe war der 28. August 1961 als Gr\u00fcndungsdatum benannt worden. Dies beruht auf einer Verwechslung &#8211; die Gr\u00fcndungsversammlung fand am 26.8.1961 statt. (Online-Redaktion)<\/i><\/p>\n<p>1 Vgl. Hofmann, J\u00fcrgen, Die Humanistische Union, Eine Untersuchung \u00fcber Struktur und Funktion einer neuen politischen Vereinigung, Diss. an der LMU M\u00fcnchen 1967; Roos, Alfred, Nicht parlamentarische Politik und Opposition, Die B\u00fcrgerrechtspolitik der Humanistischen Union, Vorg\u00e4nge Heft 3\/1993, S. 75 &#150; 89; Hemler, Stefan, Wie die 68er-Revolte eines ihrer liberalen Kinder fra\u00df, Eine kurze Geschichte der Humanistischen Studenten-Union erz\u00e4hlt am Beispiel M\u00fcnchens, Vorg\u00e4nge Heft 3\/2001, S. 49 &#150; 61.<\/p>\n<p>2 Helm, Nina, Vierzig Jahre sind genug, Kritische Anmerkungen zu Gegenwart und Zukunft der Humanistischen Union, Vorg\u00e4nge Heft 3\/2001, S. 237 &#150; 241.<\/p>\n<p>3 Bussemer, Thymian, Ein Katalysator aber keine Macht in Vorg\u00e4nge Heft 3\/2001, S. 242 &#150; 247.<\/p>\n<p>4 Vgl. M\u00fcller-Heidelberg, Till, Von der antiklerikalen Aufkl\u00e4rung zur B\u00fcrgerechtsbewegung, Die Humanistische Union, Mitteilung Nr. 162, S. 36 &#150; 39.<\/p>\n<p>5 Dazu ausf\u00fchrlich Hofmann und Ross a.a.O.<\/p>\n<p>6 Vgl. Reichling, Norbert, Zur Gr\u00fcndungsgeschichte der Humanistischen Union und ihrer &#132;Erbschaft&#147;, Thesen zum Vortrag &#132;Ein sehr z\u00e4her Intelligenzler Verein&#147; gehalten auf der Tagung &#132;Motiven und Perspektiven der B\u00fcrgerrechtsarbeit 26. u. 27. November 2005 in Berlin.<\/p>\n<p>7 &#132;Aufruf zur Gr\u00fcndung einer Humanistischen Union&#147; vom 6. Juni 1961, siehe Webseite der HU.<\/p>\n<p>8 In den zwei zentralen Gr\u00fcndungspers\u00f6nlichkeiten Gerhard Szczesny und Fritz Bauer fand dies sowohl eine antirelig\u00f6se wie auch eine christliche Konnotation.<\/p>\n<p>9 Diese Zahl nennt Roos, a.a.O. S. 76.<\/p>\n<p>10 So Reichling, a.a.O.<\/p>\n<p>11 So Bussemer, S. 244.<\/p>\n<p>12 Bussemer S. 243.<\/p>\n<p>13 Hemler a.a.O.<\/p>\n<p>14 So der Gesch\u00e4ftsbericht 1971\/72, S. 13 f.<\/p>\n<p>15 Roos, S. 76.<\/p>\n<p>16 Siehe dazu M\u00fcller Heidelberg, a.a.O.<\/p>\n<p>17 Norbert Reichling , a.a.O.<\/p>\n<p>18 Dazu ausf\u00fchrlich Roos, a.a.O.<\/p>\n<p>19 So T. Bussemer, S. 245 u. T. M\u00fcller-Heidelberg: Ein Leben zwischen Sicherheit und Freiheit, Zum Tod von J\u00fcrgen Seifert Mitteilungen Nr. 190, S. 10-11.<\/p>\n<p>20 Siehe z.B. ihre Stellungnahme zur aktiven Sterbehilfe und zur Patientenverf\u00fcgung.<\/p>\n<p>21 Steinm\u00fcller ist seit 1977 Mitglied der HU und bis heute ihr Beiratsmitglied.<\/p>\n<p>22 Reichling, a.a.O.<\/p>\n<p>23 Helm, a.a.O. S. 37.<\/p>\n<p>24 Siehe GHI\/HU (Hrsg.), Graubuch Innere Sicherheit. Die schleichende Demontage des Rechtsstaates nach dem 11. September 2001, Norderstedt\/Berlin 2009.<\/p>\n<p>25 Die vollst\u00e4ndige im Verband dazu gef\u00fchrte Diskussion ist auf der Webseite der HU einsehbar.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[2525,667],"autoren":[137],"publikationen":[1439],"class_list":["post-11777","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-verband-hu-geschichte","tag-vorgaenge-artikel","autoren-rosemarie-will","publikationen-194-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Zukunft erinnern. Zum f\u00fcnfzigsten Jahrestag der Gr\u00fcndung der Humanistischen Union am 26. 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