{"id":11814,"date":"2010-12-01T16:30:00","date_gmt":"2010-12-01T15:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/die-neue-klassengesellschaft\/"},"modified":"2010-12-01T12:00:00","modified_gmt":"2010-12-01T11:00:00","slug":"die-neue-klassengesellschaft","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/192-vorgaenge\/publikation\/die-neue-klassengesellschaft\/","title":{"rendered":"Die neue Klassengesellschaft"},"content":{"rendered":"<p>aus: Vorg\u00e4nge 192 ( Heft 4\/2010), S.113-124<\/p>\n<h5><span id=\"1-einleitung\">1. Einleitung<\/span><\/h5>\n<p>Die meisten Begriffe und Bilder, mit denen die Gesellschaft sich zu beschreiben ver sucht, stammen unmittelbar aus dem R\u00fcstzeug der Soziologie, allem voran demjeniger der Ungleichheits- und Sozialstrukturforschung. Diese wusste bereits mit ihren fr\u00fcher. Beitr\u00e4gen zur &#132;Klassengesellschaft&#148; und sp\u00e4ter dann zur &#132;nivellierten Mittelstandsgesellschaft&#148; (Helmut Schelsky) soziale Deutungsbed\u00fcrfnisse breitenwirksam zu befriedigen. Zum Ausgang des 20. Jahrhunderts monopolisierten dann die Individualisierungs. theorie Ulrich Becks und in ihrem Gefolge zahlreiche Studien zur &#132;Erlebnis&#148;- und &#132;Lebensstilgesellschaft&#148; den zeitdiagnostischen Blick auf die Gesellschaft.<\/p>\n<p>L\u00e4sst man die letzten Jahre Revue passieren, so sind frappierende Ver\u00e4nderungen in der Selbstbeschreibung der Gesellschaft und ihrem sozialstrukturellen Leitvokabulai festzustellen. In der politischen und medialen Semantik erfahren Fragen zu Unterschichi und Unterklasse, Reichtum und Armut, Ausgrenzung und Spaltung, Ungleichheit und Ungerechtigkeit eine neue und zugleich ungeahnte Konjunktur. Und erst recht in dez Soziologie hat die soziale Frage gegenw\u00e4rtig eine Dringlichkeit und eine Relevanz, wie sie seit Jahrzehnten nicht zu beobachten war. Der Fokus hat sich, vereinfacht gesagt. von der Lebensstil- zur Klassengesellschaft verschoben. Mein Anliegen ist es, dieserr radikalen Perspektivenschwenk in drei Schritten nachzugehen.<\/p>\n<p>Zuerst gilt es in aller K\u00fcrze die wesentlichen Spezifika des &#132;lebensstilgesellschaftlichen Paradigmas&#148; zu rekonstruieren. Vor dessen Hintergrund sollen im zweiten Schritt kontrastierend wichtige Konzepte und Befunde skizziert werden, die den derzeitigen soziologischen Ungleichheitsszenarien zu Grunde liegen. Dabei geht es nicht in erster Linie darum, den sozialen Wandel anhand objektiver Indikatoren nachzuzeichnen, sondern die radikalen Verschiebungen in den rezenten soziologischen Ungleichheitssemantiken und -diskursen auszuloten. Im dritten Schritt werde ich schlie\u00dflich den Richtungswechsel in den hegemonialen Beschreibungsmodellen der Ungleichheitsordnung zum Anfang des 21. Jahrhunderts als Wiederkehr allgemeiner Interpretationsmuster beschreiben, die dem Bedeutungshof des klassengesellschaftlichen Denkens entstammen.<\/p>\n<h5><span id=\"ii-das-paradigma-der-lebensstilgesellschaft\">II. Das Paradigma der Lebens&shy;stil&shy;ge&shy;sell&shy;schaft<\/span><\/h5>\n<p>In der Fachgeschichtsschreibung ist es mittlerweile \u00fcblich geworden, die vorherrschen-den Sozialstrukturmodelle und Ungleichheitsanalysen der 1980er und fr\u00fchen 1990er Jahre als \u00c4ra anzusehen, die sich von den Denkfiguren einer Klassengesellschaft, das hei\u00dft von einer prim\u00e4r an Berufs- und Einkommenshierarchien ausgerichteten, von oben nach unten verlaufenden Struktur der modernen Gesellschaft verabschiedet. Dieser Bruch kann als so radikal beschrieben werden, dass es angemessen erscheint, hier von einer &#132;Paradigmenrevolution&#148; (Rainer Gei\u00dfler) zu sprechen. Vorbereitet durch Schelskys bereits erw\u00e4hntes Bild einer konfliktenthobenen, nivellierten Mittelstandsgesellschaft und beeindruckt von den Modernisierungssch\u00fcben der sp\u00e4ten 1960er und 1970er Jahre interpretierten zentrale Vertreter der Disziplin den &#132;\u00dcbergang von Knappheits- zu Reichtumsungleichheiten&#148; als Epochenbruch. Das Mehr an Geld, Bildung, Wohlstand, Mobilit\u00e4t, Freizeit und sozialer Sicherheit, so die bekannte Argumentation, habe nicht nur die Sozialstruktur ver\u00e4ndert, sondern mit der &#132;Erlebnis&#8220;-, &#132;Kultur&#8220;-, &#132;Multioptions&#148;- oder &#132;Lebensstilgesellschaft&#148; regelrecht einen neuen Typus von Gesellschaft hervorgebracht. In ihr dominieren nicht die objektiven Zw\u00e4nge und Restriktionen, sondern, um es mit Gerhard Schulze (1993), einem der Wortf\u00fchrer des Perspektivenschwenks zu sagen, die autonomen Gestaltungs- und Symbolisierungsleistungen moderner &#132;Menue-Kompositeure&#148;, &#132;M\u00f6glichkeitsmanager&#148;, und &#132;Katalogbl\u00e4tterer&#148;. Die durch die Lebensstilsoziologie ausgel\u00f6ste Z\u00e4sur fand aber auch in der Entfernung von dem, was man die normative Kernsubstanz der klassischen, von Karl Marx \u00fcber Theodor Geiger bis Pierre Bourdieu reichenden Sozialstrukturforschung nennen k\u00f6nnte, ihre Widerspiegelung. W\u00e4hrend dort der kritische Blick auf die Gesellschaft, ihre Probleme und Missst\u00e4nde gang und g\u00e4be war, stellten die Paradigmenrevolution\u00e4re, die neu gewonnenen Freir\u00e4ume des Handelns und der postmodernen Vielfalt der Lebensformen und Lebensstile ins Zentrum ihres Schaffens.<\/p>\n<h5><span id=\"iii-neue-beschreibungsmuster-sozialer-ungleichheit\">III. Neue Beschrei&shy;bungs&shy;muster sozialer Ungleich&shy;heit<\/span><\/h5>\n<p>Das Paradigma der Lebensstilgesellschaft und der ihr zu Grunde liegende Traum einer harmonisch befriedeten &#132;Gesellschaft des breiten, mittleren Wohlstands ohne allzu gro\u00dfe Ausschl\u00e4ge nach oben und unten&#148; (Lessenich\/Nullmeier 2006, 10) geh\u00f6rt einstweilen der Vergangenheit an. Sp\u00e4testen seit Beginn der 1990er Jahre konstatieren prominente soziologische Gegenwartsdiagnostiker wie Ralf Dahrendorf, Richard Sennett und Pierre Bourdieu, dass sich die Lebenschancen f\u00fcr einen stetig wachsenden Teil der Bev\u00f6lkerung westlich-moderner Gesellschaften kontinuierlich verschlechtern und die Wohlstandsschere immer weiter auseinanderklafft. Mit besonderer Radikalit\u00e4t unter-wirft Bourdieu die Folgeprobleme des von Margaret Thatcher und Ronald Reagan initiierten &#132;neoliberalen&#148; Produktionsregimes und die angebotsorientierte Wende hin zu einem &#132;\u00f6konomischen Laisser-faire-Modell&#148; in den 90er Jahren einer kritischen Analyse. In der Invasion eines hegemonial gewordenen Neoliberalismus erkennt er eine Ideologie, die die Strukturdynamik der westlichen Gesellschaften zunehmend bestimmt. Drastisch charakterisiert er den globalen, auf kurzfristige Gewinne zentrierten Gegenwartskapitalismus &#132;als fleischgewordene H\u00f6llenmaschine&#148; (1998, 114), die die Ungleichheil wachsen l\u00e4sst, den Wohlfahrtsstaat zur\u00fcckf\u00e4hrt, dauerhafte Unsicherheiten hervorbringt und auf kollektiven Mentalit\u00e4ten der &#132;precarite&#148; gr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Diesen Impulsen folgend sind Fragen zur sozialen Ungleichheit seit geraumer Zeii auch hierzulande wieder zu einem erstrangigen Feld der Forschung geworden. Allerdings f\u00e4llt es nicht leicht, die verschlungenen Wege auszuloten, die nach der erneuten Weichenstellung in Deutschland eingeschlagen wurden, um sich den ver\u00e4nderten Ungleichheitsverh\u00e4ltnissen in der un\u00fcbersichtlichen Vielgestaltigkeit ihrer Indizien, Szenarien und Bilder anzun\u00e4hern. Um zu einer vereinfachenden \u00dcbersicht zu gelangen, m\u00f6chte ich nachfolgend vier Debatten unterscheiden: den Unterschichten- und Prelcarit\u00e4tsdiskurs, den Exklusionsdiskurs, den Diskurs \u00fcber die Mittelschichten und schlie\u00dflich denjenigen \u00fcber Gerechtigkeitsfragen.<\/p>\n<h5><span id=\"iii1-der-unterschichten-und-prekarisierungsdiskurs\">III.1. Der Unter&shy;schich&shy;ten- und Preka&shy;ri&shy;sie&shy;rungs&shy;dis&shy;kurs<\/span><\/h5>\n<p>Der Begriff der Unterschicht geh\u00f6rt zum klassischen Arsenal der Sozialstrulcturforschung. Auch wenn Franz M\u00fcntefering, ehemaliger Vorsitzender der SPD, dieses Konzept aus allzu durchsichtigen Beweggr\u00fcnden noch vor wenigen Jahren &#132;lebensfremden Soziologen&#148; anlastete, ist dessen kategorialer Stellenwert unumstritten. Bereits Kinder und Jugendliche lernen im Sozialkundeunterricht etwa anhand des popul\u00e4ren &#132;Zwiebel&#148;- (Karl-Martin Bolte) oder &#132;Hausmodells&#148; (Rainer Gei\u00dfler), dass die bundesdeutsche Gesellschaft neben einer breiten Mittelschicht nicht nur \u00fcber eine schmale Ober-und eine nicht ganz so schmale Unterschicht verf\u00fcgt, sondern in der Regel auch, dass alle uns bekannten neuzeitlichen Gesellschaften \u00fcber stratifizierte Sozialstrukturen verf\u00fcgen. Zudem sind gerade in den letzten Jahren die empirischen Befunde immer zahlreicher geworden, die etwa anhand der Einkommensverteilung, des Verm\u00f6gens, der Bildungschancen, der Gesundheitsrisiken oder der Lebenserwartung den streng geschichteten Charakter der bundesdeutschen Gesellschaft belegen und dabei auch solche Gruppen ausweisen, die durch systematische Benachteilungen gekennzeichnet sind. Streiten kann man sich insofern nicht \u00fcber den Tatbestand, sondern bestenfalls noch dar\u00fcber, wie gro\u00df die Anteile derjenigen Schichten genau sind, die im Kellergeschoss der Gesellschaft existieren.<\/p>\n<p><i>Unterschichtenkultur<\/i><\/p>\n<p>Dennoch erscheint es \u00fcberraschend, in welchem Ausma\u00df Fragen zu den ungeliebten Unterschichten seit einiger Zeit eine Konjunktur erfahren. Einen ersten Ansto\u00df hierzu gaben die Arbeiten des renommierten Berliner Historiker Paul Nolte, die in ihren zentralen Ergebnissen Eingang in die mediale Berichterstattung von <i>Stern <\/i>(2004\/52)<i> Die Zeit <\/i>(2005\/11), Geo-Wissen (2005, H. 35) und<i> Spiegel <\/i>(2005\/35) fanden und dort regelrecht inszeniert und dramatisiert wurden. Nach Noltes Analysen des &#132;neuen Kapitalismus&#148; ist die Langzeitutopie eines kollektiven Aufstiegs der Unterschichten und einer daraus resultierenden relativ homogenen Mittelschichtengesellschaft gescheitert. Stattdessen diagnostiziert er eine wachsende &#132;neue Unterschicht&#148;, die in der Krise des Normalarbeitsverh\u00e4ltnisses wurzelt. Das Interesse der kulturalistischen Klassenanalyse Noltes richtet sich jedoch weniger auf die Welt der Arbeit, sondern auf die Welt der (Massen-)Kultur, der Lebensweisen, der Werte und des Konsums. Ungeachtet aller Individualisierungsannahmen registriert er ein kulturelles Auseinanderdriften von Mittelschichten und Unterschichten, denen er eine zunehmende Verwahrlosung und Abschottung, Bildungsarmut, Fehlern\u00e4hrung, Bewegungsdefizite und nicht zuletzt einen fragw\u00fcrdigen Medienkonsum attestiert (Nolte 2006).<\/p>\n<p>Ein zweiter wichtiger Ansto\u00df zur Unterschichtendebatte erfolgte im Herbst 2006 durch die im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung ver\u00f6ffentlichte und viel zitierte Untersuchung &#132;Gesellschaft im Reformprozess&#148;. Auf der Basis einer repr\u00e4sentativen Befragung der Wahlbev\u00f6lkerung in Deutschland wurden in der Studie neun Sozialmilieus ermittelt, welche sich auf kulturelle Einstellungen, Wertorientierungen und Selbsteinsch\u00e4tzungen st\u00fctzen. Besondere Aufmerksamkeit fand der Befund, dass laut Selbsteinsch\u00e4tzung 8 Prozent der wahlberechtigten Bev\u00f6lkerung als Unterschicht bzw. als &#132;sozial abgeh\u00e4ngtes Prekariat&#148; gelten k\u00f6nnen. Weiterhin sehen sich noch nahezu doppelt so viele der Befragten &#132;gesellschaftlich ins Abseits geschoben&#148; und in jeder Hinsicht als &#132;Verlierer der gesellschaftlichen Entwicklung&#148;. Kennzeichnend f\u00fcr diese Sozialmilieus sei eine Kumulation von Lebensproblemen, allen voran denjenigen der Arbeitslosigkeit und Niedrigeinkommen. Hinzu kommen h\u00e4ufig Verschuldung und Krankheit, schwierige Wohn- und Familienverh\u00e4ltnisse, die sich mental h\u00e4ufig auch in Resignation und einer Distanz zu Demokratie, Politik und Parteien niederschlagen.<\/p>\n<p><i>Prek\u00e4re Lebenslagen<\/i><\/p>\n<p>Die Notlage der Arbeiter, das Elend ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen, ihr Heraus-fallen aus der b\u00fcrgerlich-modernen Gesellschaft bildete in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts den Kern der sozialen Frage. Vor diesem Hintergrund ist es \u00fcberraschend, welch vergleichsweise periphere Stellenwert der &#132;Arbeiterfrage&#148; bei der gegenw\u00e4rtigen Diskussion der &#132;neuen sozialen Frage&#148; zukommt. Es sind andere Blickwinkel unter denen die Ungleichheitsordnung ins Rampenlicht ger\u00fcckt wird; etwa dem des wachsenden Niedriglohnsektors in der Industrie und des Dienstleistungsbereichs, der, angefeuert durch die Diskussion \u00fcber abnehmende Tarifbindung und Mindestlohn, eine bis heute anhaltende Beachtung erf\u00e4hrt. Diese Er\u00f6rterung \u00fcberlappt sich mit den Debatten zur Krise des durch Vollzeit, Entfristung und soziale Sicherheit gekennzeichneten Normalarbeitsverh\u00e4ltnisses und der Zunahme atypischer Besch\u00e4ftigungsformen (Minijobs, Leiharbeit, befristete Arbeit, Teilzeit- und Mehrfachbesch\u00e4ftigung, &#132;Neue Selbstst\u00e4ndigkeit&#8220;).<\/p>\n<p><i>Bildungsarme Jugendliche<\/i><\/p>\n<p>Eine wichtige Facette im Diskurs zur Unterschichten- und Prekarisierungsproblematik bildet die Gruppe der Heranwachsenden ohne abgeschlossene Berufsausbildung, die sog. Verlierer der Globalisierung, die sich ganz \u00fcberwiegend aus m\u00e4nnlichen Haupt-und Sondersch\u00fclern aus niedrigen sozialen Schichten und bestimmten Migrantenmilieus zusammensetzen.<\/p>\n<p>Obwohl die Benachteiligung von bildungs- und qualifikationsarmen Jugendlichen kein neues Ph\u00e4nomen darstellt, kommt ihr unter dem viel zitierten Schlagwort der &#132;Bildungsarmut&#148; derzeit eine gro\u00dfe Aufmerksamkeit zu. Angesichts des erheblichen Lehrstellenmangels der letzten Jahre und des R\u00fcckgangs von Einfacharbeit und Fertigberufen in der Industrie hat sich der \u00dcbergang zwischen Schule und Ausbildung f\u00fcr viele Jugendliche zu einer eigenst\u00e4ndigen prek\u00e4re Lebensphase verselbst\u00e4ndigt. Denn in d&#8217;em Ma\u00dfe, in dem ein mittlerer Schulabschluss und eine abgeschlossene Ausbildung als Standard f\u00fcr den Zugang zum Arbeitsmarkt fungieren und sich das erwartete Vorbildungsniveau nach oben verschiebt, setzt ein verst\u00e4rkter Verdr\u00e4ngungswettbewerb ein und die Nachfrage nach gering Qualifizierten verringert sich. Im Zusammenspiel mit Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt stellt zudem noch die Verschlechterung der Heiratschancen bzw. der Aufschub von Partnerschaft und Familie ein folgenreiches Problem der Ausbildungslosigkeit dar.<\/p>\n<h5><span id=\"iii2-exklusionsdiskurs\">III.2. Exklu&shy;si&shy;ons&shy;dis&shy;kurs<\/span><\/h5>\n<p>Die Frage nach dem Ausma\u00df, der Gestalt und der Kultur der Unterschichten f\u00e4llt nun auch hierzulande mit einer Diskussion des Exklusionsbegriffs, wie sie in anderen L\u00e4ndern Europas schon seit fast zwei Jahrzehnten zu beobachten ist, zusammen. Ich beschr\u00e4nke mich darauf, nur einige der wichtigsten Gesichtspunkte aufzulisten, durch die sich dieses neue Konzept zur Analyse sozialer Ungleichheit auszeichnet.<\/p>\n<ul>\n<li>Das Exklusionskonzept hebt die zentrale &#150; und durch den s\u00e4kularen Anstieg der Erwerbsquote von Frauen &#150; noch forcierte Rolle der Erwerbsarbeit als Motor der Inklusion hervor. Sie gilt als der Ort, der materielle Sicherheit bietet, den Platz im sozialstaatlichen Leistungssystem anweist, Teilhabechancen am Konsum erm\u00f6glicht, langfristige biografische Lebensplanungen sichert und soziale Identit\u00e4t stiftet.<\/li>\n<li>Dementsprechend setzt es sich im Gegenzug in besonderer Weise mit dauerhaft prek\u00e4ren Lebenslagen vor allem im Zusammenhang mit anhaltender Massen- und Langzeitarbeitslosigkeit sowie Armut auseinander.<br \/>\u00a0Das Konzept darf allerdings nicht als reine Randgruppentheorie missverstanden werden. Ausgehend von der Frage nach den Konstitutionsbedingungen sozialer Ungleichheit dr\u00e4ngt es vielmehr desweiteren darauf, vom Rand her ins gesellschaftliche Zentrum vorzudringen.<\/li>\n<li>Das Konzept der Exklusion hebt sich ab von traditionellen Modellen eines Weniger und Mehr im Sinne eines offenen Ungleichheitskontinuums, wie es die Schichtungssoziologie befolgt. Dagegen wird die systematische Ausschlie\u00dfung und Ausgrenzung bestimmter Bev\u00f6lkerungsteile akzentuiert. Es sind folglich die Schwellen und Br\u00fcche, weniger aber die graduelle Differenzen, denen das zentrale Erkenntnisinteresse gilt.<\/li>\n<li>Hierzulande haben sich daher anstelle des Begriffs der &#132;Exkludierten&#148; die Begriffe der &#132;Entbehrlichen&#148; und &#132;\u00dcberfl\u00fcssigen&#148; eingeb\u00fcrgert. Wichtig ist, sie nicht mit den &#132;Verlierern&#148; zu verwechseln (Offe 1996, 274). Denn w\u00e4hrend <br \/>Letztere immerhin noch am Spiel teilnehmen, sind die \u00dcberfl\u00fcssigen von der Teilnahme ganz ausgeschlossen; sie haben nicht einmal mehr die Chance, zu den Verlierern zu geh\u00f6ren.<\/li>\n<li>Die Ausgeschlossenen bleiben ungeachtet der begrifflichen Innen-Au\u00dfen-Semantik &#132;Teil der Gesellschaft&#148;, allerdings mit stark beschr\u00e4nkten Teilhabechancen. Es geht daher genauer besehen um Ausgrenzung in der Gesellschaft, um die Gleichzeitigkeit von Drinnen und Drau\u00dfen.<\/li>\n<li>Die Ungleichheitsproblematik wird im Kontext des Exklusionsbegriffs auf Fragen der sozialen Anerkennung und Zugeh\u00f6rigkeit ausgeweitet. Denn jenseits der Gefahren materieller Deprivation droht den Exkludierten vor allem auch der Entzug von sozialer Aufmerksamkeit und Geltung. Sie f\u00fchlen sich als &#132;Entbehrliche&#148; und haben den Eindruck, nicht mehr gebraucht zu werden. Da-her werden Probleme mangelnder Einbindung in die Solidarit\u00e4tsbande sozialer und nicht zuletzt familialer Netzwerke besonders hervorgehoben.<\/li>\n<\/ul>\n<h5><span id=\"iii3-der-mittelschichtendiskurs-von-der-prosperitaet-zur-prekaritaet\">III.3. Der Mittel&shy;schich&shy;ten&shy;dis&shy;kurs &ndash; von der Prosperit&auml;t zur Prekarit&auml;t<\/span><\/h5>\n<p>Die im Fr\u00fchjahr 2008 vom Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung in Berlin publizierten Befunde \u00fcber das Schmelzen der Mittelschicht haben die fachwissenschaftliche Diskussion \u00fcber die Krise der gesellschaftlichen Mitte in die breitere \u00d6ffentlichkeit getragen und bilden gleichsam die Kehrseite des Unterschichtendiskurses. Da das Bild der Mittelschicht als tragende S\u00e4ule der Gesellschaft das kulturelle Selbstverst\u00e4ndnis der Bundesrepublik \u00fcber Jahrzehnte bestimmte, kann das bis heute anhaltende Echo dieser Krisendebatte kaum \u00fcbelraschen. Nach den Ergebnissen des DIW sank der Anteil der Durchschnittsverdiener von 2000 bis 2006 von fast zwei Dritteln auf nahezu die H\u00e4lfte. Wobei sich der Schrumpfungsprozess nur zum kleineren Teil durch Aufstiegsprozesse erkl\u00e4ren l\u00e4sst. Viel durchschlagender sind den Ergebnissen des Instituts zufolge, die Abstiegsprozesse nach unten, die vor allem klassische Familienhaushalte betreffen. Die Diskurse \u00fcber die gesellschaftliche Mitte und damit auch \u00fcber das gesellschaftliche Oben und Unten bringen freilich nicht allein das Problem einer quantitativ ver\u00e4nderten Schichtungsordnung mit sich. Stellt man sich au\u00dferdem die Frage nach den im Hintergrund stehenden gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen, so gilt es gesondert die Umbr\u00fcche in der Erwerbswelt und in der wohlfahrtsstaatlichen Politik hervorzuheben.<\/p>\n<p><i>Zum Wandel des wohlf\u00e4hrtsstaatlicheArrangements<\/i><\/p>\n<p>So unstrittig es inzwischen ist, den Sozialstaat als eine &#132;Errungenschaft der Moderne&#148; zu begreifen, so verbreitet ist es, seinen Gestaltwandel, der sich seit geraumer Zeit voll-zieht, \u00fcberwiegend kritisch zu kommentieren. Von Bourdieu wird er als &#132;R\u00fcckkehr zu einer Art Raubtierkapitalismus&#148; (1998, 44) gegei\u00dfelt. Mittlerweile herrscht common sense dar\u00fcber, die Neuausrichtung der Sozialpolitik in den Kontext wirtschaftlicher Globalisierungsprozesse zu r\u00fccken. Danach versch\u00e4rft die durch die Internationalisierung der M\u00e4rkte ausgel\u00f6ste Konkurrenz zwischen L\u00e4ndern mit unterschiedlichen Lohn-und Produktivit\u00e4tsniveaus den zwischenstaatlichen Standortwettbewerb und l\u00e4sst die strukturelle und fiskalische Basis des ehemals so interventionsfreudigen Wohlfahrtsstaates schmelzen. Den auf diese Weise eingeleiteten sozialpolitischen Modellwechsel beschreibt die j\u00fcngere Sozialpolitikforschung schlagwortartig als eine Umstellung des Systems der sozialen Sicherung vom Typus des &#132;versorgenden&#148; zum &#132;aktivierenden&#148; oder auch &#132;gew\u00e4hrleistenden&#148; Sozialstaat (Vogel 2007). W\u00e4hrend das alte Modell des &#132;sorgenden Staates&#148; (Abram de Swaan) noch eine weit reichende D\u00e4mpfung von Wohlstandsunterschieden, den Ausbau von Arbeitnehmerrechten und die Minimierung sozialer Risiken vorgesehen hatte, sind die Vorzeichen inzwischen radikal ver\u00e4ndert. Das bisherige Prinzip des Statuserhalts und der Lebensstandardsicherung wurde durch das Prinzip der Gew\u00e4hrleistung einer Grundversorgung abgel\u00f6st. Anders gesagt: Mit dem R\u00fcckzug des Staates aus der Daseinsvorsorge wird das f\u00fcr den Wohlfahrtsstaat konstitutive und fundamentale Versprechen auf die Herstellung und Gew\u00e4hrleistung sozialer Sicherheit ebenso br\u00fcchig wie die Erwartung, dass wirtschaftliche Wertzuw\u00e4chse selbstverst\u00e4ndlich der gesellschaftlichen Wohlfahrtsproduktion zugute kommen.<\/p>\n<p><i>Umbr\u00fcche in der Erwerbswelt und wachsende Gef\u00fchle sozialer Unsicherheit<\/i><\/p>\n<p>Neben den schon angedeuteten Motoren des arbeitsgesellschaftlichen Wandels (R\u00fcck-gang der industriellen und Anstieg der Dienstleistungsbesch\u00e4ftigung, drastische Entwertung un- und angelernter Industriearbeit) tr\u00e4gt die anhaltende Arbeitsmarktkrise, aber auch der durch die Finanzkrise ausgel\u00f6ste Verlust des Vertrauens in die Funktionsf\u00e4higkeit des Marktes und in die Glaubw\u00fcrdigkeit ihrer Akteure zu einem in dieser Form bislang unbekannten Klima sozialer Verunsicherung bei. Es sind namentlich die Flexibilisierungsstrategien zur variableren Gestaltung von Arbeitsvertr\u00e4gen, Arbeitszeiten, Arbeitsordnungen und Arbeitseinkommen, die zusammen mit den Schwankungen des Arbeitsmarktes die Arbeitnehmer verst\u00e4rkt mit Besch\u00e4ftigungs-, Einkommens- und Gesundheitsrisiken konfrontieren. Bewegliche Arbeitszeiten, projektf\u00f6rmige Strukturen und Leistungsvereinbarungen erh\u00f6hen einerseits die Erwartung, sich innerhalb des Unternehmens als eigenverantwortliches und wettbewerbsorientiertes Marktsubjekt zu verstehen und entziehen andererseits der Kalkulierbarkeit und Erwartbarkeit beruflicher Karrieren den Boden.<\/p>\n<p>Aber nicht nur das; Prekarisierungs\u00e4ngste und die Drohung des Arbeitsplatzverlustes lassen die Maxime um sich greifen, dass jede, selbst schlecht bezahlte und sozial ungesch\u00fctzte Arbeit, die kein individuelles Auskommen erm\u00f6glicht, besser ist als \u00fcberhaupt keine Arbeit. Passend hierzu unternehmen Besch\u00e4ftigte, die ihre Erwerbslage als prek\u00e4r bewerten, oftmals Anstrengungen und vorbehaltlose Anpassungsleistungen, um sich ger\u00e4uschlos in den Betriebsalltag einzuf\u00fcgen. Hier l\u00e4sst sich auch von einer Variante &#132;symbolischer Gewalt&#148; sprechen, die zur Unterwerfung und unmerklichen Akzeptanz der Ausbeutung zwingt, in dem sich die subjektive Angst in die K\u00f6pfe und K\u00f6rper der Betroffenen einschreibt.<\/p>\n<p>Bislang war es unbekannt, dass sich mit der Abkehr vom Normalarbeitsverh\u00e4ltnis die Unsicherheiten nicht mehr nur auf die unteren R\u00e4nge der Statushierarchie konzentrieren. Jetzt nisten sich die prek\u00e4ren Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse mit ihren verst\u00e4rkten \u00c4ngsten vor Degradierung und Arbeitslosigkeit freilich auch in die h\u00f6heren Etagen der Berufshierarchien ein. Um es in den viel zitierten Worten Bourdieus zu sagen, &#132;Prekarit\u00e4t ist \u00fcberall&#148;. Dieser Einsch\u00e4tzung entspricht ein Diskursstrang, der sich seit geraumer Zeit der neuen &#132;Verwundbarkeit&#148; (Robert Castel) und Wohlstandsgef\u00e4hrdung der Mittelschichten zuwendet. Das verlorene Lebensgef\u00fchl der Sorglosigkeit, das sich aus langfristiger Berechenbarkeit speiste, schl\u00e4gt sich in Forschungsbefunden nieder, nach welchen sich die \u00f6konomischen Probleme und materiellen Sorgen um die Kinder mit verst\u00e4rkten \u00c4ngsten vor Degradierung und Arbeitslosigkeit verbinden (B\u00f6hnke 2005).<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass die Zw\u00e4nge des demonstrativen Konsums (Thorstein Veblen) und der symbolischen Ausgestaltung der Haushaltsf\u00fchrung das Leben f\u00fcr immer gr\u00f6\u00dfere Teile der Bev\u00f6lkerung zu einem Balanceakt werden lassen. Die hohe und noch im Steigen begriffene Zahl \u00fcberschuldeter Haushalte zeigt, wie weit viele gehen, um ihre Rolle als aktive Konsumenten im Waren- und Dienstleistungskreislauf der Gesellschaft aufrecht erhalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h5><span id=\"iii4-gerechtigkeitsdiskurs\">III.4. Gerech&shy;tig&shy;keits&shy;dis&shy;kurs<\/span><\/h5>\n<p>Nicht erst durch die Wirtschafts- und Finanzkrise ist &#132;Gerechtigkeit&#148; zu einem der Leitbegriffe der wissenschaftlichen und au\u00dferwissenschaftlichen Auseinandersetzungen avanciert. Bereits im Gefolge der wachsenden Ungleichheiten durch die deutsch-deutsche Vereinigung, der anhaltenden Massenarbeitslosigkeit und der Krise der sozialen Sicherungssysteme wurden die Zweifel am Gesellschaftssystem und seinen wohlfahrtsstaatlichen Versprechen auf Aufstieg, Sicherheit und Fairness lauter. Eine F\u00fclle von Umfragen best\u00e4tigen diesen Trend: Die Mehrheit der B\u00fcrger nehmen ihre Gesellschaft sowohl hinsichtlich der Kluft zwischen arm und reich, als auch was die Verteilung von Einkommen, L\u00f6hnen, Verm\u00f6gen und Teilhabechancen angeht, als immer ungerechter wahr. Und auch das Gef\u00fchl, auf Grund der Herkunft benachteiligt zu sein, nimmt zu.<\/p>\n<p>Das paradoxe Bild einer reicher und zugleich \u00e4rmer werdenden Gesellschaft spiegelt sich in den Zahlen der Einkommens- und Verm\u00f6gensstatistik deutlich wider. Danach sind nicht nur die Einkommen an der Spitze der bundesdeutschen Einkommenshierarchie beachtlich gestiegen, sondern zugleich haben sich auch die Armutsquoten erh\u00f6ht. Und mehr noch als bei den Einkommen haben auf dem Feld des Geld-, Immobilien- und Produktivverm\u00f6gens die Schieflagen zugenommen.<\/p>\n<p><i>Die meritokratische Illusion<\/i><\/p>\n<p>Die Hinweise auf eine Erosion der middle class society werden aber nicht nur im \u00f6konomischen, sondern fernerhin im normativen Bereich ersichtlich. Sie betreffen insbesondere das zu den Errungenschaften demokratisch-moderner Gesellschaften z\u00e4hlende Prinzip der Leistungsgerechtigkeit, nach dem nicht die Herkunft, sondern allein individuelle Anstrengungen den sozialen Status zu begr\u00fcnden verm\u00f6gen.<\/p>\n<p>Die Leitidee der Leistungsgerechtigkeit findet in der so genannten meritokratischen Triade, die Bildung, Beruf und Einkommen miteinander verkn\u00fcpft, ihren Ausdruck. Nach diesem Modell haben ungleiche Einkommens- und Berufschancen allein in bildungs- und berufsbezogenen Leistungen und Anstrengungen ihre legitime Grundlage. Umgekehrt gelten jene Ungleichheiten, die sich nicht auf Leistung zur\u00fcckf\u00fchren lassen, als illegitim. Dieser Sichtweise entspricht es, die Verteilung der Bildungschancen immer wieder in den Fokus der Forschung zu r\u00fccken, zumal der Bildung als Zuteilungsmechanismus gesellschaftlicher Lebenschancen in der postindustriellen Wissensgesellschaft ein wachsender Stellenwert zugeschrieben wird. Einstweilen ist es allseits bekannt, dass von Leistungsgerechtigkeit im hiesigen Bildungssystem kaum die Rede sein kann, sondern von einer meritokratischen Illusion gesprochen werden muss. Nicht zuletzt die international vergleichende PISA-Studie legte einer breiteren \u00d6ffentlichkeit schonungslos offen, dass gerade auch das deutsche Bildungssystem zum Nachteil vor allem der Heranwachsenden mit niedriger sozialer Herkunft und mit Migrationshintergrund hochgradig sozial selektiv verf\u00e4hrt Diese hinl\u00e4nglich bekannte Problematik braucht hier nicht weiter ausgef\u00fchrt zu werden. Es gen\u00fcgt festzuhalten: Was die Entwicklung der Chancengleichheit angeht, hinken hierzulande die Schulen hinter denen anderer westlicher Demokratien her.<\/p>\n<p><i>Leistungsgerechtigkeit &#150; zur Krise einer, fundamentalen Wertidee<\/i><\/p>\n<p>Die These, dass mit der Erosion der Leistungsgerechtigkeit eine f\u00fcr die Ungleichheitsordnung entscheidende Wertidee zur Debatte steht, findet in den j\u00fcngeren Arbeiten Sighard Neckels (2008) einen pr\u00e4gnanten Niederschlag. Die Kernbotschaft seiner Diagnose lautet: Im Zeitalter des globalen Marktkapitalismus sind es zunehmend Erfolgskriterien, die an die Stelle traditioneller Leistungskriterien treten. In der Erfolgsgesellschaft trete nicht mehr der Markt als meritokratische Institution, welche Leistungen honoriert, in Erscheinung. Statt nach den Prinzipien der Leistungsgerechtigkeit verteile er nach den g\u00fcnstigsten Angeboten, der st\u00e4rksten Nachfrage und den besten Preisen. In anderen Worten: M\u00e4rkte seien vor allem anderen an den \u00f6konomischen Resultaten orientiert, gegen\u00fcber der Art und Weise ihrer Entstehung sind sie dagegen gleichsam &#132;blind&#148; und &#132;neutral&#148;. Das hei\u00dft aber, wenn Leistungen sich haupts\u00e4chlich im Markterfolg realisieren, und Markterfolge sich auch leistungsfrei einstellen k\u00f6nnen, bietet eine Gesellschaft des Marktes keine Gew\u00e4hr, dass materielle Erfolge den Leistungsnormen entsprechen, die sie doch legitimieren sollen. Soziale Ungleichheit, die sich an den Ma\u00dfst\u00e4ben des Markterfolges orientiert, l\u00e4sst sich nach dieser Argumentation nicht mehr im Deutungshorizont des Leistungsprinzips rechtfertigen. Mit der Hegemonie des Marktmechanismus werde das traditionelle arbeitsgesellschaftliche Grundsatz, der den Status an die Er-tr\u00e4ge von Beruf und somit Leistung bindet, ausgeh\u00f6hlt. Der Stellenwert der leistungsbezogenen Wertsch\u00f6pfung durch Arbeit verliere zudem dadurch an Geltung, dass die Verwertungschancen von Kapitaleins\u00e4tzen mittlerweile soweit angestiegen sei-en, dass Besitz und Verm\u00f6gen zu eigenst\u00e4ndigen Prinzipien der privaten Reproduktion durchaus breiter Bev\u00f6lkerungsschichten geworden seien. Die neue &#132;Kulturbedeutung des Erfolgs&#148; manifestiere sich daran, wie es in Anlehnung an die klassischen Vorarbeiten von Thorsten Veblen hei\u00dft, dass Reichtum, der einst nur als Symbol eigener Anstrengung und T\u00fcchtigkeit Anerkennung fand, nunmehr eine vom Leistungsethos unabh\u00e4ngige Geltung erfahre. Sein Wert strahle auch dann auf seine Besitzer aus, wenn er sich dem Zufall g\u00fcnstiger Umst\u00e4nde verdanke. Pr\u00e4gnante Anschauungsfelder der Erfolgsgesellschaft und ihrer &#132;Wirtschaftskultur der Zuf\u00e4lligkeit&#148; bilden f\u00fcr Neckel zus\u00e4tzlich noch die Gelegenheitsm\u00e4rkte&#8220; des B\u00f6rsen- und Investmenthandels, da sie historisch unbekannte Chancenstrukturen m\u00f6glich machen. Die Summen, die hier zumeist im Spiel sind, f\u00fchren die Norm, Aufwand und Ertrag in ein &#132;gerechtes&#148; Verh\u00e4ltnis zu setzten, ad absurdum.<\/p>\n<p>Als weitere Indikatoren moderner Marktgesellschaften fungiere ferner die popul\u00e4re Erfolgswelt der Medien-, Mode- und Popkultur, deren &#132;Laufsteg- und Aufmerksamkeits\u00f6konomie&#148; eine Vielzahl von M\u00f6glichkeiten des Einkommens- und Statuserwerbs jenseits aller Leistungskategorien er\u00f6ffnet. Als Beispiel &#132;unverdienten&#148; Erfolgs l\u00e4sst sich laut Neckel schlie\u00dflich noch die zu beobachtenden Erbschaftswelle anf\u00fchren, die im Sinne eines st\u00e4ndischen Ungleichheitsprinzips auf der einen Seite die Gruppe der &#132;geborenen Gewinner&#148; und auf der anderen Seite diejenige der &#132;geborenen Verlierer&#148; hervorbringt.<\/p>\n<h5><span id=\"iv-resuemee-von-der-lebensstil-zur-neuen-klassengesellschaft\">IV. Res&uuml;mee: Von der Lebensstil- zur neuen Klassen&shy;ge&shy;sell&shy;schaft?<\/span><\/h5>\n<p>Wie l\u00e4sst sich das skizzierte und alles andere als geordnete Bild sozialer Ungleichheit einer \u00fcbergreifenden Deutung zuf\u00fchren? Wie k\u00f6nnen die Diskurse und Befunde zusammenfassend interpretiert werden? Soviel d\u00fcrfte nach meinem Problemaufriss fest-stehen: Der mit gef\u00e4lligen Individualisierungstheorien versehene Entwurf einer wohlstandsgewissen Lebensstilgesellschaft hat ebenso wie derjenige einer offenen Aufstiegsgesellschaft seine Deutungsplausibilit\u00e4t und -hoheit eingeb\u00fc\u00dft. Der Traum vom Ende einer vertikalen Gesellschaftsschichtung ist ausgetr\u00e4umt, die soziale Frage wird wieder als gesellschaftliches Kardinalproblem wahrgenommen und der lange ins Abseits geratene Begriff des Kapitalismus ist dabei, wieder salonf\u00e4hig zu werden. Allerdings lassen die in den verschiedenen Diskursfeldern zu Tage tretenden Zugriffsweisen eine begrifflich stringente und theoretisch schl\u00fcssige Argumentation vermissen. Den-noch l\u00e4sst sich auf einer abstrakten Ebene des &#132;klassengesellschaftlichen Denkens&#148;, wie ich abschlie\u00dfend behaupten m\u00f6chte, so etwas wie ein gemeinsames Band ausfindig machen.<\/p>\n<p>Um keine Missverst\u00e4ndnisse aufkommen zu lassen: Es wird hier nicht eine Renaissance der ldee der Klassengesellschaft im alten Gewand mit fest umrissenen Klassen, verstanden als reale Gro\u00dfgruppen mit je eigener Klassenkultur und Klasseninteressen unterstellt. Heute dient die \u00fcberkommene Rede von der Klassengesellschaft bestenfalls noch als schrille Chiffre, der ein enormes Skandalisier&#149;ungs- und Moralisierungspotential innewohnt. Ansonsten wurde sie zu Recht schon l\u00e4nger in die Asservatenkammer sozialwissenschaftlichen Denkens bef\u00f6rdert. Was ich jedoch sagen m\u00f6chte ist, dass klassengesellschaftlich eingef\u00e4rbte Interpretationsmuster gleichsam den kleinsten (abstrakten) Nenner der verschiedenen Ungleichheitsdiskurse bilden. Es sind also nicht die Intentionen einer pomp\u00f6sen Etikettierung, die dem diskursiven Erfolge des klassengesellschaftlichen Denkens zu Grunde liegen. Vielmehr sind es in meinen Augen die folgenden sechs Aspekte, die gleichsam als konzeptionelle und empirische Ankerpunkte f\u00fcr die aktuelle zeitdiagnostische Faszination klassengesellschaftlicher Deutungstheoreme ausgemacht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><i>Erstens<\/i>: Als gleichsam &#132;nat\u00fcrlicher&#148; und nicht zu hintergehender Referenzrahmen des klassengesellschaftlichen Diagnosemodells fungiert die Kapitalismustheorie. In ih-ren aktuellen Varianten legt sie nahe, die Gegenwart etwa als &#132;neuen&#148;, &#132;flexiblen&#148;, &#132;finanzmarktgetriebenen&#148;, &#132;neoliberal-postfordistischen&#148; oder &#132;globalen&#148; Kapitalismus zu beschreiben.<\/p>\n<p><i>Zweitens<\/i>: Im Sog des entfesselten Kapitalismus ist die Gesellschaft dann vor allem auch als Markt- und Erwerbsgesellschaft anzusehen. Die Globalisierung, der Arbeitsmarkt, Erwerbsarbeit und Erwerbslosigkeit erscheinen als die entscheidenden Drehscheiben der ungleichen Zuteilung von Lebenschancen, wo zentrale Konflikte der Gesellschaft ausgetragen werden. Zugleich wird, getreu dem Denkmodell de~ &#132;sozialstaatlichen Kapitalismus&#148;, die soziale Ungleichheit vom Wandel der Arbeitswelt, aber auch von den Ver\u00e4nderungen des wohlfahrtsstaatlichen Arrangements her analysiert.<\/p>\n<p><i>Drittens<\/i>: Das Denkmodell der neuen Klassengesellschaft geht mit dem gegenw\u00e4rtig wieder st\u00e4rker favorisierten Bild einer vertikal-hierarchisch gegliederten Sozialstruktur einher, in der sich Bildung, Einkommen, Verm\u00f6gen und Lebenserwartung systematisch ungleich verteilen. Im Zusammenspiel mit den Paradoxien des &#132;Markterfolgs&#148; stellt sich zudem die Frage nach der br\u00f6ckelnden Geltung des Leistungsethos als einem f\u00fcr da5 normative Selbstverst\u00e4ndnis der Gesellschaft tragenden Legitimationsprinzip.<\/p>\n<p><i>Viertens<\/i>: Mit den wiederbelebten klassengesellschaftlichen Deutungsmustern korrespondieren die dichotomen Bilder einer &#132;polarisierten&#148; und &#132;gespaltenen Gesellschaft&#148;, wie sie in der bin\u00e4ren Oben-Unten-, Arm-Reich-, Gewinner-Verlierer- oder (exklusionstheoretischen) Drinnen-Drau\u00dfen-Schematik, aber auch in der Neubetonung der strukturellen Asymmetrie in den Machtverh\u00e4ltnissen zwischen Kapital und Arbeit zur Anwendung kommen. Die Perspektive der Spaltung reflektiert sich zus\u00e4tzlich in dem Begriff der &#132;sozialen Verwundbarkeit&#148;, der auf die Trennung von gesicherten und prek\u00e4ren Wohlstandspositionen als neuer Ausdrucksform der Zweiklassengesellschaft aufmerksam macht.<\/p>\n<p><i>F\u00fcnftens<\/i>: Es entspricht den Vorgaben der klassischen Schichtungs- und Klassenforschung, wenn Gleichheit und Gerechtigkeit nach den Phasen postmoderner Beliebigkeit in der Ungleichheitsforschung als normative Bezugspunkte wieder st\u00e4rker in Erscheinung treten. Dieser Ausrichtung folgen die verst\u00e4rkt auf prek\u00e4re Lebenslagen, spezifische Migrantenmilieus, die neuen Unterschichten, die Exkludierten oder das abgeh\u00e4ngte Prekariat gerichteten Ungleichheitsanalysen, aber auch die gegenw\u00e4rtigen sozialtheoretischen Debatten zu Fragen sozialer Gerechtigkeit und Teilhabe.<\/p>\n<p><i>Sechstens<\/i>: Im R\u00fcckgriff auf Traditionen der Marxschen Ideologielcritik werden in der Sozialstrukturforschung die Widerspr\u00fcche zwischen Normativit\u00e4t und Realit\u00e4t, gesellschaftlichen Werten und gesellschaftlicher Wirklichkeit wieder vermehrt gebrandmarkt. Neben der materiellen Ungleichheit, den ungleichen Bildungschancen, der neuen Armut und der Versch\u00e4rfung sozialer Abstiegsrisiken sind es besonders die mit zeitgeistigen Vokabeln wie Flexibilit\u00e4t, Verschlankung, Aktivierung, Eigenverantwortung und Deregulierung verbundenen &#132;neoliberalen&#148; Legitimationsdiskurse und Machtdispositive, die ins Kreuzfeuer der Kritik geraten.<\/p>\n<p><i>Ausblick<\/i>: Ob der Erdrutsch in der Selbstbeschreibung, wie er sich in der klassengesellschaftlichen Radikalisierung der Ungleichheitsdebatte ank\u00fcndigt, eine Zukunft hat, wird sich erweisen. Deutlich d\u00fcrfte geworden sein, dass dieser neuerliche Perspektivenschwenk sich keinesfalls nur als Folge rein diskursiver Prozesse begreifen l\u00e4sst. Viel-mehr spiegeln sich hierin die faktischen Transformationen der Lebensverh\u00e4ltnisse, die das Ungleichheitsgef\u00fcge nach unten \u00f6ffnen und Gef\u00fchlslagen der Verwundbarkeit hervorbringen. Wie auch immer die zuk\u00fcnftigen theoretischen Zugriffsweisen ausfallen werden; angesichts der komplizierten \u00dcberlagerung der Ungleichheits-, Spaltungs- und Spannungslinien, die die Dynamik des sp\u00e4tmodernen Kapitalismus kennzeichnet, wird die Herausforderung, diese analytisch aufzuschlie\u00dfen und kritisch zu durchdringen, so schnell nichts an ihrer Aktualit\u00e4t einb\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p><b>Literatur<\/b><\/p>\n<p>Bourdieu, Piei-re (1998): Gegenfeuer. Wortmeldungen im Dienste des Widerstands gegen die neoliberale Invasion, Konstanz.<br \/>B\u00f6hnke, Petra (2005): Teilhabechancen und Ausgrenzungsrisiken in Deutschland. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 37, 31-36.<br \/>Lessenich, Stephan\/Frank Nullnzeier (2006): Einleitung: Deutschland zwischen Einheit und Spaltung.<br \/>In: Dies (Hg.): Deutschland. Eine gespaltene Gesellschaft, Frankfurt a. M.\/New York, 7-27. Neckel, Sighard (2008): Flucht nach vorn. Die Erfolgskultur der Marktgesellschaft, Frankfurt a. M. Nolte, Paul (2006): Riskante Moderne. Die Deutschen und der neue Kapitalismus, Bonn.<br \/>Schulze, Gerhard (1993): Entgrenzung und Innenorientierung. Eine Einf\u00fchrung in die Theorie der Er-<br \/>lebnisgesellschaft, in: Gegenwartskunde 42, H. 4, 405 -419.<br \/>Offe, Claus (1996): Moderne Barbarei: Der Naturzustand im Kleinformat? In: Miller, Max\/Soeffner, Hans-Georg (Hrsg.): Modernit\u00e4t und Barbarei, Frankfurt a. M., 258-289.<br \/>Vogel, Berthold (2007): Die Staatsbed\u00fcrftigkeit der Gesellschaft, Hamburg.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[2188],"publikationen":[2827],"class_list":["post-11814","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-thomas-meyer","publikationen-192-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die neue Klassengesellschaft - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/192-vorgaenge\/publikation\/die-neue-klassengesellschaft\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die neue Klassengesellschaft - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"aus: Vorg\u00e4nge 192 ( Heft 4\/2010), S.113-124 1. Einleitung Die meisten Begriffe und Bilder, mit denen die Gesellschaft sich zu beschreiben ver sucht, stammen unmittelbar aus dem R\u00fcstzeug der Soziologie, allem voran demjeniger der Ungleichheits- und Sozialstrukturforschung. Diese wusste bereits mit ihren fr\u00fcher. Beitr\u00e4gen zur &#132;Klassengesellschaft&#148; und sp\u00e4ter dann zur &#132;nivellierten Mittelstandsgesellschaft&#148; (Helmut Schelsky) soziale [weiterlesen]\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/192-vorgaenge\/publikation\/die-neue-klassengesellschaft\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Humanistische Union\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:site\" content=\"@humunion\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"23\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/192-vorgaenge\\\/publikation\\\/die-neue-klassengesellschaft\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/192-vorgaenge\\\/publikation\\\/die-neue-klassengesellschaft\\\/\",\"name\":\"Die neue Klassengesellschaft - Humanistische Union\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#website\"},\"datePublished\":\"2010-12-01T15:30:00+00:00\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/192-vorgaenge\\\/publikation\\\/die-neue-klassengesellschaft\\\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/192-vorgaenge\\\/publikation\\\/die-neue-klassengesellschaft\\\/\"]}]},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/192-vorgaenge\\\/publikation\\\/die-neue-klassengesellschaft\\\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Publikationen\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"vorg\u00e4nge\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":3,\"name\":\"vorg\u00e4nge Nr. 192: Wandel der \u00d6ffentlichkeit\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/192-vorgaenge\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":4,\"name\":\"Die neue Klassengesellschaft\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#website\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/\",\"name\":\"Humanistische Union\",\"description\":\"\",\"publisher\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#organization\"},\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":{\"@type\":\"PropertyValueSpecification\",\"valueRequired\":true,\"valueName\":\"search_term_string\"}}],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":\"Organization\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#organization\",\"name\":\"Humanistische Union e.V.\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/\",\"logo\":{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"de\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2023\\\/09\\\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg\",\"contentUrl\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2023\\\/09\\\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg\",\"width\":1000,\"height\":536,\"caption\":\"Humanistische Union e.V.\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\"},\"sameAs\":[\"https:\\\/\\\/x.com\\\/humunion\",\"https:\\\/\\\/mastodon.social\\\/@humunion\",\"https:\\\/\\\/bsky.app\\\/profile\\\/humanistischeunion.bsky.social\"]}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Die neue Klassengesellschaft - Humanistische Union","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/192-vorgaenge\/publikation\/die-neue-klassengesellschaft\/","og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"Die neue Klassengesellschaft - Humanistische Union","og_description":"aus: Vorg\u00e4nge 192 ( Heft 4\/2010), S.113-124 1. Einleitung Die meisten Begriffe und Bilder, mit denen die Gesellschaft sich zu beschreiben ver sucht, stammen unmittelbar aus dem R\u00fcstzeug der Soziologie, allem voran demjeniger der Ungleichheits- und Sozialstrukturforschung. Diese wusste bereits mit ihren fr\u00fcher. Beitr\u00e4gen zur &#132;Klassengesellschaft&#148; und sp\u00e4ter dann zur &#132;nivellierten Mittelstandsgesellschaft&#148; (Helmut Schelsky) soziale [weiterlesen]","og_url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/192-vorgaenge\/publikation\/die-neue-klassengesellschaft\/","og_site_name":"Humanistische Union","twitter_card":"summary_large_image","twitter_site":"@humunion","twitter_misc":{"Gesch\u00e4tzte Lesezeit":"23\u00a0Minuten"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/192-vorgaenge\/publikation\/die-neue-klassengesellschaft\/","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/192-vorgaenge\/publikation\/die-neue-klassengesellschaft\/","name":"Die neue Klassengesellschaft - Humanistische Union","isPartOf":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#website"},"datePublished":"2010-12-01T15:30:00+00:00","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/192-vorgaenge\/publikation\/die-neue-klassengesellschaft\/#breadcrumb"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/192-vorgaenge\/publikation\/die-neue-klassengesellschaft\/"]}]},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/192-vorgaenge\/publikation\/die-neue-klassengesellschaft\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Publikationen","item":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"vorg\u00e4nge","item":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/"},{"@type":"ListItem","position":3,"name":"vorg\u00e4nge Nr. 192: Wandel der \u00d6ffentlichkeit","item":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/192-vorgaenge\/"},{"@type":"ListItem","position":4,"name":"Die neue Klassengesellschaft"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#website","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/","name":"Humanistische Union","description":"","publisher":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#organization"},"potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?s={search_term_string}"},"query-input":{"@type":"PropertyValueSpecification","valueRequired":true,"valueName":"search_term_string"}}],"inLanguage":"de"},{"@type":"Organization","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#organization","name":"Humanistische Union e.V.","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/","logo":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#\/schema\/logo\/image\/","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg","contentUrl":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg","width":1000,"height":536,"caption":"Humanistische Union e.V."},"image":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#\/schema\/logo\/image\/"},"sameAs":["https:\/\/x.com\/humunion","https:\/\/mastodon.social\/@humunion","https:\/\/bsky.app\/profile\/humanistischeunion.bsky.social"]}]}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/custom-json\/wp\/v2\/publikation\/11814","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/custom-json\/wp\/v2\/publikation"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/custom-json\/wp\/v2\/types\/publikation"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/custom-json\/wp\/v2\/media?parent=11814"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/custom-json\/wp\/v2\/categories?post=11814"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/custom-json\/wp\/v2\/tags?post=11814"},{"taxonomy":"autoren","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/custom-json\/wp\/v2\/autoren?post=11814"},{"taxonomy":"publikationen","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/custom-json\/wp\/v2\/publikationen?post=11814"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}