{"id":11912,"date":"2006-03-01T10:40:00","date_gmt":"2006-03-01T09:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/ein-unsterbliches-chamaeleon\/"},"modified":"2021-08-24T21:49:03","modified_gmt":"2021-08-24T19:49:03","slug":"ein-unsterbliches-chamaeleon","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/173-vorgaenge\/publikation\/ein-unsterbliches-chamaeleon\/","title":{"rendered":"Ein unsterbliches Cham\u00e4leon?"},"content":{"rendered":"<p>Religion zwischen S\u00e4kularisierung und Sakralisierung,<\/p>\n<p>aus: vorg\u00e4nge Nr. 173 (Heft 1\/2006), S. 21-29<\/p>\n<p><b>Sichtet man die sozialwissenschaftlichen Diskurse der vergangenen Jahre, so kann man den Eindruck gewinnen, dass eines ihrer Hauptbesch\u00e4ftigungen darin besteht, den Abschied oder die Wiederkehr bestimmter Kategorien bzw. Themen anzuzeigen. Vom Ende der Geschichte, der Stadt und der Politik war ebenso die Rede wie von der Wiederkehr des K\u00f6rpers, des Raums und der Klasse. Und nun also die R\u00fcckkehr der Religion. Religion ist insofern ein besonders zentraler Kandidat, weil die These von der abnehmenden Bedeutung der Religion der Soziologie geradezu eingeschrieben ist &#8211; vergleichbar nur noch mit der Kategorie des Raums, der in den klassischen Theorien der Moderne ebenfalls ein baldiges Ende prophezeit wurde (vgl. Schroer 2006). Es geh\u00f6rt zu den Grundannahmen der Theorien der Moderne, dass die Einflusssph\u00e4re der Religion mehr und mehr zur\u00fcckgehen wird. Damit war freilich nicht gesagt, dass sie eines Tages g\u00e4nzlich von der Bildfl\u00e4che verschwinden w\u00fcrde. Vielmehr lautet die \u00fcbereinstimmende Diagnose der soziologischen Klassiker (also von Emile Durkheim, Georg Simmel und Max Weber), dass die Religion ihre einstige Vormachtstellung einb\u00fc\u00dft und nunmehr nur noch ein Bereich unter anderen darstellt. Von einer Wiederkehr der Religion l\u00e4sst sich sinnvoll nur dann sprechen, wenn man die von den Klassikern thematisierte Einflussbeschneidung der religi\u00f6sen Sph\u00e4re insgeheim mit ihrem Verschwinden gleichgesetzt, die urspr\u00fcngliche These also gewisserma\u00dfen unter der Hand radikalisiert hat. Gut m\u00f6glich, dass in diese \u00dcbertreibung die Vorstellung eingeflossen ist, dass Religion, wenn sie nur mehr als Teilbereich funktioniert, gar nicht mehr funktioniert, sie die Beschneidung ihrer Zust\u00e4ndigkeitsbereiche gewisserma\u00dfen nicht \u00fcberleben w\u00fcrde. Gedeckt ist diese Annahme durch die Einsch\u00e4tzung der Klassiker aber keineswegs. Die Religion als historisch \u00fcberlebt zu betrachten, ist eher ein Produkt der 1960er Jahre. Die Klassiker dagegen haben bereits im Blick, dass sich Religion in anderer als gewohnter Form pr\u00e4sentiert und damit gerade nicht verschwindet. Nicht das Ende, sondern der Wandel der Religion steht im Mittelpunkt ihrer \u00dcberlegungen. Damit war die Soziologie bereits fr\u00fch auf die These Thomas Luckmanns eingestimmt, nach der Religion mehr und mehr au\u00dferhalb der institutionalisierten Bereiche vorzufinden sei, sich in verwandelter Form zeige, neue Aufgaben \u00fcbern\u00e4hme und deshalb zunehmend &#8222;unsichtbar&#8220; bleibe (vgl. Luckmann 1991). Der Soziologie wuchs damit die Aufgabe zu, mit wachsamen Blick Religion gerade dort aufzusp\u00fcren, wo sie gleichsam getarnt agiert und deshalb unerkannt f\u00fcr Sozialforscher bleibt, die Religion auf Kirchliches reduzieren. Gut zwanzig Jahre nach dieser Weichenstellung will Ulrich Beck einen \u00e4hnlichen Perspektivenwechsel hinsichtlich der Politik bzw. des Politischen herbeif\u00fchren. Statt von einem Ende der Politik zu reden, wirbt er daf\u00fcr, das Politische gerade au\u00dferhalb seiner angestammten Formen und Orte aufzusuchen, so dass wir es nicht mit einem Ende der Politik, sondern mit einer permanenten Entdeckung des Politischen zu tun bekommen (vgl. Beck 1993). <br \/>Was im einen Fall zur Erweiterung der Politik durch das Politische (Subpolitik) f\u00fchrt, f\u00fchrt im zweiten zur Erweiterung der Religion durch das Religi\u00f6se (was man Subreligion nennen k\u00f6nnte). Es spricht viel f\u00fcr die Vorschl\u00e4ge, den Bedeutungsr\u00fcckgang einer bestimmten institutionellen Form von Religion bzw. Politik nicht mit dem R\u00fcckgang von Religion bzw. Politik insgesamt gleichzusetzen. Beide Vorschl\u00e4ge f\u00fchren allerdings zum Problem eines allzu ausufernden Verst\u00e4ndnisses des Gegenstandbereichs, zu wenig trennscharfen Begriffen, die Zeitdiagnosen erm\u00f6glichen, denen zufolge &#8222;alles politisch&#8220; bzw. religi\u00f6s ist. W\u00e4hrend ein enger Religions- und Politikbegriff die Rede vom Ende der Politik oder dem Verschwinden der Religion geradezu erzwingt, sobald sich Form und Inhalte substantiell ver\u00e4ndern, legt eine weite Begriffsdefinition den Verdacht nahe, dass unter allen Umst\u00e4nden und \u00fcber alle Wandlungen hinweg erhalten bleiben soll, was als unersetzlich f\u00fcr das gesellschaftliche Funktionieren und Zusammenleben gehalten wird. Damit wird Religion gleichsam zu einem unsterblichen Cham\u00e4leon, das \u00fcber alle Wandlungen hinweg doch immer noch als mit sich identisch erkannt werden kann. Gerade vor dem Hintergrund eines solchen Religionsverst\u00e4ndnisses erscheint die These einer R\u00fcckkehr der Religion als besonders fragw\u00fcrdig, denn bei einem so weiten Religionsbegriff wie dem Luckmann`schen kann von einer Wiederkehr der Religion schlicht deshalb keine Rede sein, weil sie qua definitionem immer vorhanden war und bleiben wird. Mit der These von einer Wiederkehr der Religion muss insofern mehr gemeint sein. Schlie\u00dflich ist ja nicht von der Entdeckung eines subreligi\u00f6sen Bereichs die Rede oder von der Wiederkehr des Religi\u00f6sen, sondern von der Wiederkehr der Religion. Und das kann nur hei\u00dfen, dass Religion in ihrer institutionalisierten Form wieder eine weit gr\u00f6\u00dfere Rolle spielt, als dies in den klassischen Annahmen immer wieder unterstellt worden ist. Wenn mit S\u00e4kularisierung der R\u00fcckzug der Religion aus zahlreichen Bereichen des modernen Lebens gemeint war, dann kann von einer &#8222;posts\u00e4kularen Gesellschaft&#8220; (Habermas 2001: 13) eigentlich nur die Rede sein, wenn der Wiedereintritt der Religion in eben diese Bereiche belegbar w\u00e4re. Es stellt sich daher die Frage: L\u00e4sst sich ein solcher Prozess tats\u00e4chlich beobachten?\u00a0 <\/b><\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"neue-religioese-unuebersichtlichkeiten-das-event-der-papstwahl-und-der-neid-der-kanzlerin\">Neue religi&ouml;se Un&uuml;ber&shy;sicht&shy;lich&shy;keiten : das Event der Papstwahl und der Neid der Kanzlerin<\/span><\/h2>\n<p>Welche Indikatoren sprechen f\u00fcr die These einer R\u00fcckkehr der Religion? Haben wir es mit einer R\u00fcckkehr der Religion zu tun, weil Abermillionen von Menschen das Sterben des Papstes am Fernsehen verfolgt haben? Ist die Tatsache, dass Angela Merkel bei ihrer Vereidigung als Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland die Schlussformel &#8222;So wahr mir Gott helfe&#8220; mitsprach, auf die ihr Amtsvorg\u00e4nger und die meisten seiner Kabinettsmitglieder verzichtet hatten, als ein Zeichen f\u00fcr die R\u00fcckkehr der Religion zu bewerten? Zeichnet sich im leichten R\u00fcckgang der Kirchenaustritte eine R\u00fcckkehr der Religion an? Ist der Zulauf, den religi\u00f6se Bewegungen verzeichnen k\u00f6nnen, als R\u00fcckkehr der Religion zu bewerten? Man kann aus diesen Befunden in der Tat die Tendenz einer wieder zunehmenden Bedeutung der Religion herauslesen. Sie als \u00fcberzeugenden Beleg f\u00fcr ein Wiedererstarken der Religion auf breiter Basis zu interpretieren, scheint dagegen \u00fcbertrieben. Schlie\u00dflich lassen sich die Befunde auch anders deuten: Der erste Vorgang l\u00e4sst sich auch als Ann\u00e4herung der Religion an die Medien verstehen, die andere soziale Felder l\u00e4ngst vollzogen haben. Weil auch sie gemerkt hat, dass sie nicht mehr mit einer selbstverst\u00e4ndlich gegebenen Aufmerksamkeit rechnen kann, sondern selbst aktiv auf sich aufmerksam machen muss, werden wir Zeuge der medialen Inszenierung und Eventisierung kirchlich-religi\u00f6ser Ereignisse, die sich von anderen Events kaum mehr unterscheiden lassen. <br \/>Dabei k\u00e4me es allerdings einem Kurzschluss gleich, die Events der Kirchen als plumpe Nachahmungen der Popkultur zu interpretieren. Eher verh\u00e4lt es sich umgekehrt. Popkulturelle Inszenierungen haben aus der \u00fcber Jahrhunderte angesammelten Erfahrung der Kirchen mit der Inszenierung von Ereignissen gelernt. Den zweiten Fall wird man als R\u00fcckkehr zu einem Ritual ansehen k\u00f6nnen, die bei einer christdemokratisch gepr\u00e4gten Regierung nicht \u00fcberraschen d\u00fcrfte. Entscheidender als die R\u00fcckkehr zu besagter Schlussformel ist, dass der Passus ebenso gut h\u00e4tte weggelassen werden k\u00f6nnen, ohne das dies eine Welle der Emp\u00f6rung nach sich gezogen h\u00e4tte. Ob die derzeitige Stagnation der Kirchenaustritte als Indiz f\u00fcr die R\u00fcckkehr der Religion angesehen werden kann, h\u00e4ngt nicht nur davon ab, ob sich dieser Trend verstetigt oder gar zunimmt. Denn selbst wenn dies der Fall w\u00e4re, sagt die Kirchenmitgliedschaft f\u00fcr sich genommen nicht viel aus, kann doch der Eintritt in die Kirche aus vielen Gr\u00fcnden erfolgen. Der vierte Fall schlie\u00dflich kann als Beleg daf\u00fcr gelten, dass die offiziellen Kirchen Konkurrenz durch sich immer wieder konstituierende religi\u00f6se Bewegungen, esoterische Angebote und Sekten zuw\u00e4chst. Das aber ist nicht eben neu, sondern geh\u00f6rt zum festen Bestandteil der Erforschung von Religion bzw. religi\u00f6ser Ph\u00e4nomene und Surrogate, die sich neben der institutionalisierten Fassung der Religion eben auch f\u00fcr die Subreligionen und das Subreligi\u00f6se interessiert. Insofern lie\u00dfe sich von einem latent stets vorhandenen Bodensatz an diffus religi\u00f6sen Ph\u00e4nomenen sprechen, die sich in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden manifestieren. <br \/>Die These einer Wiederkehr der Religion kann damit nicht gest\u00fctzt werden, denn wir haben es mit kontinuierlich zu beobachtenden und nicht mit pl\u00f6tzlich auftauchenden Aktivit\u00e4ten zu tun. Entscheidend ist dabei vor allem, dass wir zumindest f\u00fcr den europ\u00e4ischen Raum keine Bedeutungszunahme der Religion in der Weise feststellen k\u00f6nnen, dass die Mitgliedschaft in einer bestimmten religi\u00f6sen Vereinigung zur Bedingung der Teilhabe an anderen sozialen Feldern wird. Nach wie vor kann man Bundeskanzler werden, Gesch\u00e4fte betreiben, Kunst kaufen, Recht erhalten, ja sogar: heiraten, Kinder bekommen und aufziehen, ohne religi\u00f6s aktiv zu sein oder auch nur einer Kirche anzugeh\u00f6ren. Glaube ist Privatsache und kann sich auf die verschiedensten Objekte richten &#8211; mit Religion im traditionellen Sinne muss das keineswegs immer etwas zu tun haben. Die im Alltag vorherrschende unleidenschaftliche Haltung zur Religion resultiert gerade daraus, dass der einzelne kaum in Situationen ger\u00e4t, in der das Bekenntnis zu einer Religion eine gro\u00dfe Rolle spielen w\u00fcrde. Die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Religion wirft zudem keinerlei Privilegien ab, anders als dies bei Clubs, Parteien und Vereinen der Fall sein kann. W\u00fcrde die Vergabe von Eintrittskarten zu Spielen der kommenden Fu\u00dfballweltmeisterschaft dagegen an Religionszugeh\u00f6rigkeit gekn\u00fcpft, so w\u00e4ren Wiedereintritte in die Kirche gewiss zu verzeichnen. So aber bleibt die Religionszugeh\u00f6rigkeit ebenso wie die Religionsunzugeh\u00f6rigkeit in signifikanter Weise folgenlos. [1]<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"der-mythos-vom-postsaekularen-zeitalter\">Der Mythos vom posts&auml;&shy;ku&shy;laren Zeitalter<\/span><\/h2>\n<p>Das Bild \u00e4ndert sich erst &#8211; und dies scheint \u00fcberhaupt der entscheidende Ansto\u00df f\u00fcr eine Diskussion \u00fcber eine R\u00fcckkehr der Religion zu sein &#8211; wenn der Blick \u00fcber den nationalen bzw. europ\u00e4ischen Tellerrand hinausweist. Dann wird deutlich, dass es sich bei dem lange Zeit f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich geltenden Prozess der S\u00e4kularisierung offenbar vor allem um eine genuin europ\u00e4ische Perspektive handelt, die schon auf Nordamerika, erst recht aber auf S\u00fcdamerika, Afrika und Asien, Zentral- und S\u00fcdostasien, \u00c4gypten, dem Iran und dem Nahen Osten nur bedingt angewendet werden kann. Selbst f\u00fchrende Vertreter der S\u00e4kularisierungstheorie kommen deshalb um das Eingest\u00e4ndnis nicht herum, dass Ausma\u00df und Unausweichlichkeit der S\u00e4kularisierung \u00fcbersch\u00e4tzt zu haben (vgl. Berger 1991). Statt eines zunehmenden Bedeutungsverlusts der Religion ist all diesen L\u00e4ndern ganz im Gegenteil eine gro\u00dfe religi\u00f6se Vitalit\u00e4t zu bescheinigen. Sowohl Katholizismus und Protestantismus als auch der Islamismus erfreuen sich eines regen Zulaufs. Wohl allzu lange sind die starken Bindungen an Religion in diesen L\u00e4ndern als durch nachholende Modernisierungssch\u00fcbe \u00fcberwindbare Atavismen angesehen worden. <br \/>Dabei ist das Gegenteil der Fall. Nicht mit traditionellen \u00dcberbleibseln haben wir es zu tun, sondern mit modernen Varianten und Mischungen althergebrachter Glaubensrichtungen. So ist etwa auff\u00e4llig, dass es in Lateinamerika zur Abkehr vom traditionellen Katholizismus zugunsten charismatischer Gruppen und in Afrika zu Mischungen aus Stammesreligion und Christentum kommt, so dass insgesamt von einer Pluralisierung und Hybridisierung des Religi\u00f6sen auszugehen ist, die vor allem daf\u00fcr sprechen, nicht \u00fcber das Ende und die Wiederkehr der Religionen zu spekulieren, sondern sich f\u00fcr den permanent stattfindenden Wandel der Religionen zu interessieren. Was sich dabei ebenfalls beobachten l\u00e4sst, ist die R\u00fcckkehr der Religion auf die internationale politische B\u00fchne, vor allem in Gestalt des Fundamentalismus, der in der \u00f6ffentlichen Debatte zu Unrecht f\u00fcr eine islamische Spezialit\u00e4t gehalten wird. Besondere Sprengkraft entsteht gerade aus der Konfrontation des wachsenden christlichen Fundamentalismus der USA auf der einen und des islamischen Fundamentalismus auf der anderen Seite.<br \/>Doch diese globale Pr\u00e4senz der Religion bringt den Prozess der S\u00e4kularisierung so wenig zum Stillstand, wie die mangelnde Pr\u00e4senz der Religion als Zeichen f\u00fcr eine durchgesetzte S\u00e4kularisierung gelesen werden kann. Dass jedoch gerade J\u00fcrgen Habermas das posts\u00e4kulare Zeitalter einl\u00e4utet, zeigt, dass das unvollendete Projekt der Moderne und damit der nicht abgeschlossene Prozess der S\u00e4kularisierung vor\u00fcbergehend offenbar durchaus als vollendbar und abschlie\u00dfbar gedacht wurden. Doch inzwischen bekommt man es mit der Wiederkehr des Verdr\u00e4ngten zu tun: Die als \u00fcberwindbar gedachten Kategorien der Rasse, der Ethnie, des K\u00f6rpers und des Raums stehen ebenso wieder auf der Tagesordnung wie Gewalt, Krieg und Religion. Die These vom posts\u00e4kularen Zeitalter \u00fcbersch\u00e4tzt allerdings die aktuelle Bedeutung der Religion und untersch\u00e4tzt die Bedeutung, die die Religion einmal gehabt hat. Damit begeht sie gleich zwei Fehler auf einmal. Zum einen unterstellt sie ein durchgesetztes s\u00e4kulares Zeitalter, das nun durch ein posts\u00e4kulares abgel\u00f6st wird. [2] Zum anderen legt sie nahe, dass wir es mittlerweile mit einem Bedeutungszuwachs der Religion zu tun haben, der an Zeiten vor dem einsetzenden Prozess der S\u00e4kularisierung erinnert. Obwohl man sich vor der Gefahr h\u00fcten sollte, die Bindekraft der Religion f\u00fcr jedes einzelne Mitglied der Gesellschaft in der R\u00fcckschau zu \u00fcbersch\u00e4tzen, so kann doch kein Zweifel daran bestehen, dass der Einfluss der Religion in der Vormoderne ungleich h\u00f6her war als heute &#8211; wenn man von gegenw\u00e4rtigen Theokratien einmal absieht. <br \/>Eine gewisse Plausibilit\u00e4t scheint die These von der R\u00fcckkehr der Religion also dadurch zu erhalten, dass sich auf der internationalen politischen B\u00fchne religi\u00f6s eingef\u00e4rbte Konflikte in den Vordergrund geschoben haben. Es ist allerdings eine durchaus offene Frage, ob wir es dabei wirklich mit religi\u00f6s motivieren Konflikten zu tun haben oder doch eher mit politischen Konflikten, in denen Religion zwischen den Konfliktpartnern f\u00fcr ihre jeweiligen Interessen eingesetzt wird. Bei der Bewertung dieser Entwicklung stehen wir jedoch vor einem Dilemma: W\u00e4hrend der Hinweis auf die Instrumentalisierung religi\u00f6ser Gr\u00fcnde f\u00fcr politische Ziele der Religion wom\u00f6glich zu wenig Bedeutung zuerkennt, gesteht eine eindeutige Identifizierung der Konflikte als religi\u00f6s ihr wom\u00f6glich zu viel Bedeutung zu. Nicht zu leugnen aber ist, dass sich religi\u00f6se und politische Motive bis zur Unkenntlichkeit miteinander vermischen. Wenn man dies als R\u00fcckkehr der Religion zu interpretieren bereit ist, ist man der oftmals nur religi\u00f6s verkleideten politischen Motive der terroristischen Anschl\u00e4ge aber vielleicht schon auf den Leim gegangen. Die kalkulierte mediale Offensive der Terroristen ist jedenfalls erfolgreich genug gewesen, um als Zeichen f\u00fcr eine Wiederkehr der Religion gelesen zu werden. Das Deutungsangebot des Religionskrieges wurde geradezu dankbar aufgegriffen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"sakralisierung-privatisierung-und-gemeinschaft\">Sakra&shy;li&shy;sie&shy;rung, Priva&shy;ti&shy;sie&shy;rung und Gemein&shy;schaft<\/span><\/h2>\n<p>Neben dieser neuen globalen Pr\u00e4senz der Religion haben wir es auf der anderen Seite mit den privatisierten und individualisierten Formen des Religi\u00f6sen zu tun, die zwar nicht g\u00e4nzlich unsichtbar sind, sich dem Blick aber auch nicht gerade aufdr\u00e4ngen. Um sie zu entdecken, muss man sich schon auf die &#8222;Suche nach Religion&#8220; (Krech 2003) begeben, denn aus dem allt\u00e4glichen \u00f6ffentlichen Leben hat sich Religion weitgehend zur\u00fcckgezogen. Nimmt man etwa die Auswahl von Zeitschriften einer beliebigen Bahnhofsbuchhandlung als Indiz f\u00fcr die Bedeutung bestimmter Ph\u00e4nomene in der heutigen Gesellschaft, st\u00f6\u00dft man auf\u00a0\u00a0 Wirtschafts- , Politik- und Kunstmagazine, auf Sport-, Reise- und Computerjournale, Architektur-, Wohn- und Musikzeitschriften, auf Esoterisches und Kulinarisches. Auf Religion dagegen trifft man nicht. Es gibt kein Religionsmagazin, das es sich zur Aufgabe gemacht h\u00e4tte, \u00fcber alle religi\u00f6sen Aktivit\u00e4ten und Entwicklungen zu berichten, die sich auf diesem Planeten beobachten lassen. Warum ist das so? Gibt es nicht gen\u00fcgend Leser, die sich \u00fcber ihre eigene Konfessionszugeh\u00f6rigkeit hinaus f\u00fcr den Bereich Religion im Allgemeinen interessieren? Ist Religion noch immer derart von Geheimwissen gepr\u00e4gt, dass eine journalistische Berichterstattung sich ausschlie\u00dft? Bedarf Religion einer solchen thematischen B\u00fcndelung nicht, weil sie von anderen Magazinen immer schon mitbehandelt wird, sobald etwas Spektakul\u00e4res zu berichten ist? Wie auch immer man diese Frage beantworten mag: <br \/>F\u00fcr die Einsch\u00e4tzung der Bedeutung der Religion ist die Tatsache nicht unerheblich, dass sie zwar selbst nicht \u00fcber ein eigenes Magazin verf\u00fcgt, alle genannten Bereiche sich aber gleichwohl religi\u00f6s aufladen lassen. Insofern haben wir es nicht mit einer R\u00fcckkehr der Religion, sondern mit einer religi\u00f6sen Einf\u00e4rbung, besser: Sakralisierung der verschiedensten Lebensbereiche zu tun. Das l\u00e4sst sich allein schon an zahlreichen Begriffen ablesen, die aus dem religi\u00f6sen Kontext herausgel\u00f6st in anderen Bereichen fortleben: Autoausstellungen werden zu Automessen, Fu\u00dfballstadien zu Fu\u00dfballtempeln und Shopping Malls zu Kathedralen des Konsums. Weitere Indizien lassen sich anf\u00fchren: So k\u00f6nnen politische \u00dcberzeugungen ebenso zur Religion werden wie das Bekenntnis (!) zu einem bestimmten Fu\u00dfballverein. <br \/>Was von Haus aus nichtreligi\u00f6se Aktivit\u00e4ten zu religi\u00f6sen macht, ist der unbedingte Glaube an etwas, das man nicht bereit ist in Frage zu stellen. Zwar kann man die Leistungen eines Fu\u00dfballvereins im Rahmen gleichgesinnter Fans schonungslos diskutieren, eine von Au\u00dfen artikulierte Kritik dagegen wird als nicht hinzunehmender \u00dcbergriff erlebt. Ein bestimmter Bereich des Lebens wird damit als sakrosankt deklariert. Doch ob es sich nun um den Glauben an eine politische Idee oder an einen Fu\u00dfballverein handelt: Entscheidend ist in jedem Fall, dass man den Glauben mit anderen teilen kann. Die Frage nach Religion ist insofern auch immer eine Frage nach Kollektiven. Es hat eben nicht jeder seine eigene kleine Privatreligion. Vielmehr erlaubt eine wie immer definierte Religion Gesellschaft als Gemeinschaft von Gl\u00e4ubigen zu erleben &#8211; wie klein die Gemeinschaft auch immer sein mag.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"oeffnung-als-risiko-fuer-religion\">&Ouml;ffnung als Risiko f&uuml;r Religion?<\/span><\/h2>\n<p>Auf diese Weise \u00fcberlebt Religion gleichsam im Verborgenen. Die offizielle Religion steht dagegen vor dem Problem, sich entweder auf ihr traditionelles Terrain zur\u00fcckzuziehen und damit nur mehr ein Nischendasein zu fristen oder aber in die Gesellschaft hineinzudiffundieren, dabei aber an Identit\u00e4t und Authentizit\u00e4t zu verlieren. Die Kirchenvertreter selbst scheinen hinsichtlich dieser Frage in &#8222;Fundis&#8220; und &#8222;Realos&#8220; gespalten zu sein. Galt bisher als ausgemacht, dass Kirchen in dem Ma\u00dfe an Bedeutung verlieren, in dem sie sich nicht dem zunehmend privatisierten, individualisierten und urbanisierten Leben stellen, so k\u00f6nnte man inzwischen auch umgekehrt fragen, ob die vergleichsweise geringe Bedeutung der Kirchen gerade mit ihrer \u00d6ffnung hin zu weltlichen Belangen und der \u00dcbernahme auch nichtreligi\u00f6ser Funktionen zu tun hat. Denn je verwissenschaftlichter Religion selbst daher kommt, indem sie ihre Zweifel offen legt, Unsicherheiten nicht verbirgt und Letztbegr\u00fcndungen ablehnt, desto eher ist f\u00fcr den Konsumenten von Sinnangeboten kaum mehr ein Unterschied zu anderen Institutionen erkennbar. <br \/>Was die Menschen aus der Kirche heraustreibt, w\u00e4re dann folglich nicht mehr ihre Regressivit\u00e4t und Repressivit\u00e4t, sondern ihre Liberalit\u00e4t und Offenheit, die sie vom Rest der Gesellschaft kaum mehr unterscheidbar macht. Wenn ich auch beim Kirchgang eher mit einer politischen Rede als mit einer religi\u00f6sen Predigt rechnen muss, schalte ich vielleicht doch gleich lieber den Politiktalk daheim im Fernsehen ein. Dies ist nun keineswegs als Pl\u00e4doyer f\u00fcr die R\u00fcckkehr der Kirchen zu alter Strenge und traditionellem Dogmatismus zu verstehen. Es geht vielmehr darum, dass sich Religion fragen muss, ob sie mit einer zunehmenden Verw\u00e4sserung ihrer Botschaften und einer grenzenlosen \u00d6ffnung gegen\u00fcber allen an sie herangetragenen Erwartungen nicht an ihrem eigenen Untergang mitarbeitet. Vielleicht stehen die Kirchen ja vor einem \u00e4hnlichen Problem wie die deutsche Sozialdemokratie: Entweder man entt\u00e4uscht die Traditionalisten, indem man den Weg der Liberalisierung und \u00d6ffnung beschreitet, oder aber man verprellt die Reformisten, weil man sich auf die eigene Identit\u00e4t und Tradition besinnt. W\u00fcrden Kirchenmitglieder in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden zur Wahl gebeten, um \u00fcber den jeweils eingeschlagenen Kurs der Kirchenoberh\u00e4upter abzustimmen, lie\u00dfen sich wom\u00f6glich \u00e4hnliche Turbulenzen wie auf dem derzeitigen Politikmarkt beobachten. So aber bleibt den Kirchen unzufriedenen nur das f\u00fcr Partei zugeh\u00f6rige allerletzte Mittel des Austritts, um ihrem Missfallen Ausdruck zu verleihen. Wie auch immer die Kirchen diese Konflikte f\u00fcr sich l\u00f6sen m\u00f6gen, gewiss scheint, dass der ehemals durch Religion gestiftete Sinn und die von ihr gelieferten Gewissheiten auch weiterhin nachgefragt werden. Wenn die Kirchen diesen Bedarf nicht mehr l\u00e4nger befriedigen k\u00f6nnen oder wollen (gewisserma\u00dfen gehandicapt durch die wissenschaftlich verb\u00fcrgte Einsicht in die unhintergehbare Ungewissheit in der modernen Welt), dann wird diese Aufgabe von anderen Institutionen \u00fcbernommen werden &#8211; was ja auch l\u00e4ngst im gro\u00dfen Stil geschieht. <br \/>Der permanent wachsende Markt an esoterischer Literatur, astrologischen Zeitschriften und pseudotherapeutischen Ratgebern ist in geradezu hemmungsloser Weise bereit, den Bedarf an Gewissheiten in einer von Ungewissheit gepr\u00e4gten Welt zu stillen. Hier werden f\u00fcr jede Lebenslage und jedes Lebensereignis nicht nur Ratschl\u00e4ge erteilt und L\u00f6sungen vorgegeben, hier werden auch bis ins Detail Tipps unterbreitet, was im einzelnen zu tun ist, um ein gl\u00fccklicher und erfolgreicher Mensch zu werden, was zumeist als identisch angesehen wird.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"glaubensmix-und-glaubensorte-raum-und-religion\">Glaubensmix und Glauben&shy;s&shy;orte &ndash; Raum und Religion<\/span><\/h2>\n<p>Dass die Kirche gegen\u00fcber diesen Angeboten \u00fcberhaupt weiterhin bestehen kann, hat einerseits sicher damit zu tun, dass die Wahrnehmung dieser Angebote und die Kirchenzugeh\u00f6rigkeit vom einzelnen gar nicht als Widerspruch empfunden werden. Die Zusammensetzung eines religi\u00f6sen Glaubens aus den verschiedensten Versatzst\u00fccken unterschiedlicher Religionen zu wahren Patchworkreligionen scheint als Folge des Individualisierungsprozesses durchaus gang und g\u00e4be zu sein. Insofern l\u00e4sst sich schwer beurteilen,\u00a0 ob &#8222;die&#8220; Menschen Religion brauchen (vgl. Joas 2004). Vielmehr l\u00e4sst sich beobachten, dass es offenbar einen nicht unerheblichen Bedarf an Deutungsangeboten und Sinnstiftungen gibt, der unter anderem von den vorhandenen Religionen zu befriedigen versucht wird. Wenn dies nicht mehr in \u00fcberzeugender Weise gelingt, so erleben wir das Aufkommen neuer Religionen und Religionsformen, die zum Teil eine Mischung aus den etablierten Religionen darstellen oder aber in Form von subreligi\u00f6sen Unternehmungen auftreten. <br \/>Das angesichts dieser durchaus angespannten Konkurrenzlage dennoch komfortable Dasein der institutionalisierten Religionen resultiert vor allem aus ihrer organisatorischen Struktur als Kirchen, die ihr eine sowohl zeitliche als auch r\u00e4umliche Kontinuit\u00e4t verschafft. Gegen\u00fcber den subreligi\u00f6sen Formen haben die Kirchen den unsch\u00e4tzbaren Vorteil r\u00e4umlicher Manifestationen. Gerade weil sie unabh\u00e4ngig vom jeweiligen Zulauf \u00fcber eine kaum geringer werdende Pr\u00e4senz an &#8222;Gottesh\u00e4usern&#8220; verf\u00fcgt, verschafft sie sich eine f\u00fcr jedermann sichtbare Stabilit\u00e4t. Den Kirchengeb\u00e4uden ist von Au\u00dfen nicht anzusehen, ob sie regelm\u00e4\u00dfig von vielen Kirchg\u00e4ngern frequentiert werden oder ob sie die meiste Zeit \u00fcber leer stehen. Und anders als bei anderen Geb\u00e4uden wird ein relativer &#8222;Leerstand&#8220; von niemandem als Abrissgrund ins Feld gef\u00fchrt. So gesehen ist es vielleicht doch kein Zufall, dass Raum und Religion gemeinsam wieder auf der Agenda auftauchen. F\u00fcr die Funktion von Religion ist es keineswegs unerheblich, dass sie \u00fcber R\u00e4ume verf\u00fcgt, die f\u00fcr diejenigen zur Fluchtst\u00e4tte werden k\u00f6nnen, die aus anderen R\u00e4umen regelm\u00e4\u00dfig vertrieben werden. Nicht umsonst h\u00e4lt Niklas Luhmann Religion f\u00fcr einen der wenigen Kandidaten, die den Sog von sich aneinander reihenden Exklusionen aufzuhalten verm\u00f6gen, indem sie vorbehaltlose Inklusion praktizieren (vgl. Luhmann 2000). <br \/>All dies spricht f\u00fcr das hartn\u00e4ckige \u00dcberleben religi\u00f6ser Angebote in einer Welt, die daneben \u00fcber eine F\u00fclle anderer Angebote verf\u00fcgt, gegen die sie sich behaupten muss. F\u00fcr die R\u00fcckkehr der Religion im Sinne einer generellen Bedeutungszunahme spricht es nicht. <br \/>\u00a0<br \/>\u00a0<br \/>1\u00a0\u00a0Allerdings verf\u00fcgen kirchlich gebundene Institutionen als Arbeitgeber mit der Kirchenzugeh\u00f6rigkeit \u00fcber ein Selektionsmittel bei der\u00a0 Auswahl der Bewerber um eine Stelle, das viele Arbeitsuchende vor dem Kirchenaustritt zur\u00fcckschrecken l\u00e4sst.\u00a0\u00a0\u00a0 <br \/>2\u00a0\u00a0Bedenkt man die enge Verbindung von Moderne und S\u00e4kularisierung, beschert uns ausgerechnet Habermas mit seiner These von der posts\u00e4kularen Gesellschaft im Grunde eine neue Variante der Postmoderne &#8211; Diskussion.<\/p>\n<p><b>Literatur\u00a0<\/b>\u00a0<\/p>\n<p>Beck, Ulrich 1993: Die Erfindung des Politischen, Frankfurt\/Main<br \/>Berger, Peter L. 1991: Auf den Spuren der Engel. Die moderne Gesellschaft und die Wiederentdeckung der Transzendenz, Freiburg<br \/>Habermas, J\u00fcrgen 2001: Glaube und Wissen, Frankfurt\/Main<br \/>Joas, Hans 2004: Braucht der Mensch Religion? \u00dcber Erfahrungen der Selbsttranszendenz, Freiburg<br \/>Krech, Volkhard 2003: G\u00f6tterd\u00e4mmerung. Auf der Suche nach Religion, Bielefeld<br \/>Luckmann, Thomas 1991 [1967]: Die unsichtbare Religion, Frankfurt\/Main<br \/>Luhmann, Niklas 2000: Religion der Gesellschaft, Frankfurt\/Main<br \/>Schroer, Markus 2006: R\u00e4ume, Orte, Grenzen. Auf dem Weg zu einer Soziologie des Raums, Frankfurt\/Main<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[2248],"publikationen":[1082],"class_list":["post-11912","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-markus-schroer","publikationen-173-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Ein unsterbliches Cham\u00e4leon? - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/173-vorgaenge\/publikation\/ein-unsterbliches-chamaeleon\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Ein unsterbliches Cham\u00e4leon? - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Religion zwischen S\u00e4kularisierung und Sakralisierung, aus: vorg\u00e4nge Nr. 173 (Heft 1\/2006), S. 21-29 Sichtet man die sozialwissenschaftlichen Diskurse der vergangenen Jahre, so kann man den Eindruck gewinnen, dass eines ihrer Hauptbesch\u00e4ftigungen darin besteht, den Abschied oder die Wiederkehr bestimmter Kategorien bzw. 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