{"id":11977,"date":"2005-03-01T12:00:00","date_gmt":"2005-03-01T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/gustav-heinemann-logik-eines-lebens\/"},"modified":"2005-03-01T12:00:00","modified_gmt":"2005-03-01T11:00:00","slug":"gustav-heinemann-logik-eines-lebens","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/169-vorgaenge\/publikation\/gustav-heinemann-logik-eines-lebens\/","title":{"rendered":"Gustav Heinemann \u0097 Logik eines Lebens"},"content":{"rendered":"<p>aus: Vorg\u00e4nge Nr. 169 (Heft 1\/2005), S. 108-125<\/p>\n<p><i>Rechtsanwalt wolle er werden. Das erkl\u00e4rte der Gymnasiast Gustav Heinemann seinen Lehrern sehr entschieden, wie es damals schon seine Art war. Sein Vater sei kein Anwalt, und er kenne auch keinen Anwalt. &#132;Ich stelle mir aber vor, dass ich dann selbstst\u00e4ndig sein werde, und dass ich dann auch etwas ausfechten kann.&#148; Doch die Selbstst\u00e4ndigkeit und den Kampf, den er suchte, fand er schlie\u00dflich auf zwei anderen Gebieten, f\u00fcr die er sich als junger Mann nur peripher interessiert hatte: Kirche und Politik.<\/i><\/p>\n<p>In seinem Elternhaus in Schwelm, wo er am 23. Juli 1899 geboren wurde, und sp\u00e4ter in Essen, wo sein Vater, Otto Heinemann, bei Krupp Karriere machte, pflegte man keine Beziehungen zur Kirche. Die Eltern legten auf den Besuch von Gottesdiensten und den Kontakt zu Gemeindepfarrern keinen Wert. Der Vater hielt es nicht einmal f\u00fcr n\u00f6tig, bei der Konfirmation seines Erstgeborenen anwesend zu sein.<\/p>\n<p>Diesem Geist entsprach es, dass Gustav Heinemann in seinen Studienjahren sogar dem Monistenbund beitrat, einer Vereinigung, die Ende des 19. Jahrhunderts Bedeutung gewann und der auch sein Vater angeh\u00f6rt hatte. Gr\u00fcn-der war der Naturwissenschaftler Ernst Haekkel. Er setzte wissenschaftliche Prinzipien an die Stelle der Heilslehre. Die Mitglieder des Monistenbundes waren haupts\u00e4chlich Republikaner und Freidenker. Tats\u00e4chlich stand Gustav Heinemann in jenen Jahren dem Christentum uninteressiert gegen\u00fcber. Es bedeutete ihm einfach nichts. Dennoch versicherte er ohne Z\u00f6gern seinem Schwiegervater, den diese Einstellung besorgt machte, dass er seine zuk\u00fcnftige Frau nicht am Kirchgang hindern werde.<\/p>\n<h5><span id=\"fruehe-politische-gesinnung\">Fr&uuml;he politische Gesinnung<\/span><\/h5>\n<p>\u00c4hnlich hielt es die Familie Heinemann mit der Politik, obwohl man bei diesem Thema doch wohl so eine Art Verpflichtung empfand. Nicht zuf\u00e4llig hatte man dem Sohn die Vornamen Gustav Walter gegeben. Es war gewiss Ausdruck der Verehrung f\u00fcr den Schwiegervater von Otto Heinemann. Gustav Walter war Dachdeckermeister in Barmen und Mitglied der Freisinnigen Demokraten gewesen, einer Partei mit liberalen und sozialreformerischen Ideen, die gegen den Einfluss der Kirche und f\u00fcr die Abschaffung der Monarchie k\u00e4mpfte. Jener Gro\u00dfvater von Gustav Heinemann setzte damit eine Tradition fort. Sein Vater, Jakob Walter, war zusammen mit seinen Br\u00fcdern Carl und Friedrich f\u00fcr die Ideen der Revolution von 1848 auf die Barrikaden gestiegen. Carl erhielt im Gefecht einen Beinschuss und starb bald darauf. Friedrich konnte dem Erschie\u00dfungskommando entkommen und floh als Schiffsjunge nach Amerika.<\/p>\n<p>Otto Heinemann mag sich bei so viel Engagement der Vorfahren der Familie bem\u00fc\u00dfigt gef\u00fchlt haben, sich wenigstens in der praktischen Politik zu engagieren. Als Stadtverordneter von Essen-R\u00fcttenscheid trat er f\u00fcr die Gleichberechtigung aller Menschen ein und forderte die Abschaffung der Monarchie. Doch er war lange nicht so fortschrittlich in seinen Forderungen wie sein Schwiegervater Gustav Walter. Dessen Enkel, Gustav Heinemann, sprach fast ein Jahrhundert sp\u00e4ter im Gedenken an seine revolution\u00e4ren Vorfahren von &#132;meiner 48er Gesinnung&#148;. In seinem Tagebuch notierte er 1919: &#132;Besonders gern besch\u00e4ftige ich mich mit der 48er Revolution&#148;. An seine Vorfahren gerichtet, schrieb er: &#132;F\u00fcr Frieden und Freiheit, f\u00fcr Republik und Demokratie &#150; ich werde an Euch denken!&#148;<\/p>\n<p>Diese dem Studenten Gustav Heinemann sozusagen vererbte Gesinnung mag ihn der Deutschen Demokratischen Partei, die in den Tagen der Revolution von 1918 entstanden war, zugef\u00fchrt haben, einer Partei, die in allen ihren Forderungen als linksliberal einzustufen war. Zu dieser Zeit hatte Heinemann seine politische Sturm- und Drangperiode l\u00e4ngst hinter sich. Als F\u00fcnfzehnj\u00e4hriger verherrlichte er den Ersten Weltkrieg und h\u00e4tte nichts lieber getan, als dem Kaiser als Soldat zu dienen. Er dr\u00fcckte seine Gef\u00fchle in einem Gedicht aus: &#132;Lasst auch mich zum Manne geraten. Vater! Warum darf ich nicht? W\u00e4hrend meine Br\u00fcder streiten, tapfer Schmerz und Tod erleiden. Kaum lass&#8216; ich mich hier noch halten, m\u00f6cht&#8216; auch ich den Feind zerspalten!&#148; Dies war wohl die Folge der damaligen schulischen Erziehung, die Kinder zu gehorsamen Untertanen machen wollte und eigenes Denken nicht f\u00f6rderte. Mit 17 Jahren machte Heinemann sein Not-Abitur. Doch aus gesundheitlichen Gr\u00fcn-den taugte er nicht zum Richtkanonier, zu dem ihn das Heer hatte ausbilden lassen. Laz und Langeweile machten aus ihm eher ein passionierten Skatspieler f\u00fcrs Leben.<\/p>\n<h5><span id=\"in-den-kaempfen-der-weimarer-reput\">In den K&auml;mpfen der Weimarer Reput<\/span><\/h5>\n<p>Die politischen Ereignisse der unruhigen Nachkriegszeit verfolgte Heinemann doch er konzentrierte sich zu jener Zeit nehmlich auf seine Studien. Wie geplant,legte er Staats- und Rechtswissenschaften der Universit\u00e4t M\u00fcnster und aus nicht kannten Gr\u00fcnden ein Kolleg \u00fcber den Ko Da er in diesem Fach der einzige St\u00fcck \u00a0blieb, kam das Kolleg nicht \u00fcber ein Seme hinaus. Schlie\u00dflich f\u00fcgte er seinen St\u00fcck noch Volkswirtschaft hinzu, die ihm ein schnelleren Zugang zu einem Beruf verspr, als Jura es konnte. Tats\u00e4chlich promoviert schon 1921 an der Universit\u00e4t Marburg Dr. rer. pol.<\/p>\n<p>Trotz der Intensit\u00e4t seiner Studien entging ihm nicht, dass der jungen Demokratie Deutschland Gefahr von rechts drohte. Zeit des Putsches des Reaktion\u00e4rs Wolfg Kapp im M\u00e4rz 1920 bezog er Stellung, schloss sich der Deutschen Demokratische Studentengruppe an. In einer von ihnen gegr\u00fcndeten sogenannten Volkskompanie diente 1 nemann als Kurier. Bei einer Nachtfahrt Marburg nach Kassel fiel er Offizieren Putschisten Kapp in die H\u00e4nde, die ihn einen Tag lang gefangen hielten. Den ihm gegebenen Geheimauftrag soll er trotzdem ausgef\u00fchrt haben. Heinemann wechselte ab und zu Universit\u00e4ten. So kam er wenige Monate nach dem gescheiterten Kapp-Putsch nach M\u00fcnchen. Am 19. Mai 1920 besuchte er eine \\ Sammlung der NSDAP, in der Adolf Hitler Diskussionsredner auftrat. Voller Emp\u00f6rung notierte der junge Heinemann danach in seinem Tagebuch: &#132;Ein nahezu uferloser Antisemitismus. An allem und jedem sind nur Juden schuld: Rathenaus Wirtschaftsplan, Friedensresolution des Reichstages stamme von einer j\u00fcdischen Gro\u00dfloge in Paris hat die Arbeiterbewegung nur deshalb entfesselt, um die j\u00fcdische Weltherrschaft des B\u00f6rsenkapitals zu bringen. Die Arbeiterbewegung ist nur ein Vortrupp der Juden. Solche Dinge nimmt eine Versammlung gl\u00e4ubig und beifallsfreudig hin!! Ein trauriges Bild der Geistesverfassung und der politischen Unbildung unseres Volkes,&#8220; kommentierte Heinemann. Als er versuchte, seinem Zorn durch einen Zwischenruf Luft zu machen, ergriffen ihn zwei Ordner und warfen ihn aus dem Saal. Das Erlebnis eines 21j\u00e4hrigen, das sicherlich seine sp\u00e4tere Einstellung zum Nationalsozialismus begr\u00fcndete. Er erkl\u00e4rte sp\u00e4ter, dass er bei den letzten Reichstagswahlen im M\u00e4rz 1933 der Sozialdemokratischen Partei seine Stimme gegeben habe, &#132;die allein als Gegenwehr gegen die braune Flut noch m\u00f6glich erschien.&#148; Die b\u00fcrgerlichen Parteien seien schon ohne Widerstandskraft oder gar Komplizen der NSDAP gewesen. &#132;Mir gen\u00fcgte schon, was ich 1920 in M\u00fcnchen mit Adolf Hitler erlebt hatte.&#148; Im gleichen Jahr kommentierte er Arbeiterunruhen in Th\u00fcringen und l\u00e4sst sozialistisches Gedankengut erkennen, das ihm erst drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit wird. Er schrieb: &#132;Die in der Tiefe der Arbeitermassen lebenden Forderungen und Ideale m\u00fcssen noch ganz anders als bisher beachtet und soweit wie m\u00f6glich erf\u00fcllt werden.&#148; Und er nannte: &#132;Demokratisierung der Verwaltungen und Sozialismus! Mit den Gedanken der Revolution muss jetzt Ernst gemacht werden.&#148;<\/p>\n<p>Von gro\u00dfer Bedeutung wurde das Jahr 1926 f\u00fcr Heinemanns berufliche Laufbahn wie auch f\u00fcr seine pers\u00f6nliche Zukunft. Er hatte gerade die gro\u00dfe juristische Staatspr\u00fcfung bestanden, als er bereits zwei Angebote f\u00fcr seine berufliche Karriere in der Tasche hatte. Der damals in Essen bekannte Strafverteidiger Dr. Victor Niemeyer, der Heinemann w\u00e4hrend seiner Referendarzeit kennen gelernt hatte, bot ihm an, als Sozius in seine Kanzlei einzutreten. Die staatlichen Justizbeh\u00f6rden wollten ihn, der seine Pr\u00fcfung mit Gut bestanden hatte, zum Richter oder zum Staatsanwalt ausbilden lassen. Doch Heinemann blieb seinem Entschluss, Anwalt zu werden, treu. 1929 promovierte er zum Dr, jur., sein zweiter Doktortitel. Den Rheinischen Stahlwerken war der begabte junge Mann nicht entgangen. Sie boten ihm den Posten eines Prokuristen und Justiziars ihrer Werke an. Heinemann nahm auch diese Aufgabe an, zus\u00e4tzlich zu seiner T\u00e4tigkeit im Anwaltsb\u00fcro Niemeyer. Seine Karriere schien nunmehr nicht nur vorgezeichnet, sondern auch gesichert.<\/p>\n<h5><span id=\"die-hinwendung-zum-christentum\">Die Hinwendung zum Christentum<\/span><\/h5>\n<p>Im gleichen Jahr 1926 heiratete er. Er hatte Hilda Ordamann w\u00e4hrend seiner Studienzeit in Marburg kennen gelernt. Sie studierte dort unter anderem evangelische Theologie und war eine gl\u00e4ubige Protestantin, im Gegensatz zu ihrem Ehemann. Mag sein, dass sie ihres Mannes Ablehnung des Christentums nicht so ohne weiteres hatte hinnehmen wollen. So m\u00f6gen Gespr\u00e4che zwischen den jungen Eheleuten zu diesem Thema dazu beigetragen haben, dass schlie\u00dflich aus dem ungl\u00e4ubigen Monisten ein gl\u00e4ubiger Christ wurde. Dennoch soll es noch einige Jahre gedauert haben, bis Heinemann seine Frau zur Kirche begleitete. Ob die Frage seiner \u00e4ltesten Tochter &#132;Gehen eigentlich nur M\u00fctter in die Kirche?&#148; das bewirkte, bleibt unbekannt.<\/p>\n<p>Doch den wohl gr\u00f6\u00dften Einfluss auf Heinemanns Hinwendung zum Christentum hatte Pfarrer Dr. Friedrich Graeber, Pastor der evangelisch reformierten Gemeinde in Essen-Altstadt, zu der die Familie Heinemann geh\u00f6rte. Dieser Pfarrer war nicht der \u00fcbliche Sonntagsprediger oder nur ein religi\u00f6ser Seelsorger, sondern ein Mann, der mit seiner Gemeinde lebte, ihre Mitglieder st\u00fctzte, ihre Sorgen kannte, ihnen half. Er tat dies sachlich und, wenn er es n\u00f6tig fand, auch mit energischer Deutlichkeit. &#132;Graeber interpretierte das Christentum so realistisch, dass es seinen Zuh\u00f6rern nicht schwerfiel, ihre eigene Situation darin zu erkennen,&#148; so Heinemann \u00fcber Graeber.<\/p>\n<p>Nichts war dem Pfarrer zu schwer oder zu schmutzig, wenn es n\u00f6tig war, die Ernte ein-zubringen oder beim Schweineschlachten zu helfen. Er k\u00fcmmerte sich auch um Obdachlose, fand f\u00fcr sie eine Bleibe und Arbeit in einer Art Landkommune. Diese Art des Christentums, wie der Pfarrer es vorlebte, beeindruckte Heinemann. Er suchte die Freundschaft dieses Mannes, die bald sehr eng wurde. Durch ihn lernte Heinemann das Gemeindeleben kennen, des Pfarrers Arbeit zu verstehen und sah seine M\u00f6glichkeiten, in dieser Gemeinschaft mitzuwirken. Er beschloss, es dem Vorbild gleich-zutun, und ein solcher Christ in der weltlichen Bedeutung dieses Wortes zu werden. Das Christentum sollte fortan die Basis seines Denkens und Handelns sein. &#132;Ich war damals allm\u00e4hlich dahintergekommen, dass das Evangelium Wahrheit und Realit\u00e4t ist&#148;, so beschreibt Heinemann seine Wandlung.<\/p>\n<h5><span id=\"wendepunkt-1933\">Wendepunkt 1933<\/span><\/h5>\n<p>Was er damals noch nicht ahnte, war, dass sich ihm nun die M\u00f6glichkeit bieten w\u00fcrde, die er als Jugendlicher f\u00fcr sein Berufsleben ersehnt hatte &#8211; etwas auszufechten. Allerdings musste er in seinen ersten Berufsjahren nach der Regierungs\u00fcbernahme durch die Nazis feststellen, dass die Interpretation des Rechts nicht mehr dem glich, was er gelernt hatte. Das Naziregime regierte mit diktatorischen Mitteln, bediente sich des Unrechts und der Gewalt, wenn es seinen Zwecken diente. Die Menschenrechte hatten keine Basis mehr in Deutschland.<\/p>\n<p>So glitt er hinein in den Kampf, f\u00fcr den seine wissenschaftlichen Studien nur noch diesem Zweck dienten. Die Orientierung seines Lebens \u00e4nderte sich mit dem Jahr 1933 drastisch und schlagartig. Kirche und Politik gewannen die Oberhand.<\/p>\n<p>Wie das Vorspiel zu einer Trag\u00f6die, die die Menschen in Deutschland ihrer Rechte beraubte, empfand es Heinemann, mit welcher Schnelligkeit, ja Dringlichkeit sich Institutionen, Vereine, Menschen in verantwortungsvollen Positionen dem neuen Kurs anpasste Am 3. Mai 1933, also knapp drei Monate nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reich Kanzler, lud der Essener Anwaltsverein sein Mitglieder zu einer Versammlung ein mit de einzigen Tagesordnungspunkt: &#132;Ausschluss; der Anw\u00e4lte j\u00fcdischen Glaubens aus der Vereinigung.&#148; 43 Anw\u00e4lte stimmten f\u00fcr den Ausschluss, nur f\u00fcnf dagegen, sieben enthielte sich der Stimme. Unter den f\u00fcnf Neinsager war Gustav Heinemann. Obwohl es Heinemann nicht entgangen war, wie rigoros die Nazis in der Durchsetzung ihrer Politik vorgingen, mit welcher Grausamkeit und H\u00e4rte sie ihre Gegner aus Politik und Kirche verfolgtet glaubte er offenbar Ende des Jahres 1933 noch an die Wirksamkeit geltenden Rechts. S schrieb er einen Brief an den &#132;Sehr verehrte Herrn Reichskanzler&#148;, um ihn auf Repressalie: gegen Geistliche der Bekennenden Kirche aufmerksam zu machen, und er dr\u00fcckte die Hoffnung aus, dass sie abgestellt w\u00fcrden.<\/p>\n<h5><span id=\"im-einsatz-fuer-die-bekennende-kirche\">Im Einsatz f&uuml;r die Bekennende Kirche<\/span><\/h5>\n<p>Die Nazis hatten erkannt, dass sie zur Festigung ihrer Macht die Kirche f\u00fcr sich gewinnen m\u00fcssten. Mit den Katholiken hatten sie leichtes Spiel. Ein &#132;Konkordat&#148; regelte sehr bald die Beziehungen zwischen den deutschen Katholiken und dem Vatikan.<\/p>\n<p>Eine vergleichbare Regelung mit den evangelischen Christen gestaltete sich schwieriger. Die Nazis hatten 1932 die Deutschen Christen gegr\u00fcndet, eine Vereinigung, deren Mitglieder das Hakenkreuz an ihrem Revers trugen. An ihrer Spitze stand der von den Nazis ernannte Reichsbischof Ludwig M\u00fcller. Seine Aufgabe war es, eine einheitliche Reichskirche evangelischer Christen zu schaffen. Als erstes wurde der 1922 gebildete evangelische Kirchenbund in eine zentral gelenkte evangelische Kirche, die &#132;Deutsche Evangelische Kirche&#148;, umgewandelt. Mit Hilfe der Deutschen Christen sollte die &#132;Deutsche Evangelische Kirche&#148; direkten Einfluss auf die einzelnen Kirchengemeinden nehmen. Die Bekennende Kirche widersetzte sich diesem Versuch, sie mundtot zu machen, und unter Berufung auf das Glaubensbekenntnis lehnte sie staatliche Eingriffe in das Gemeindeleben und damit eine Gleichschaltung mit dem Nationalsozialismus ab. Nun versuchten die Nazis den Widerstand der Mitglieder der Bekennenden Kirche zu brechen. Sie bedr\u00e4ngten einzelne Mitglieder, nahmen das bei ihnen \u00fcbliche Spitzelsystem zu Hilfe, verfolgten aktive Mitglieder bis hin zur Verhaftung, hinderten protestantische Geistliche an der Aus\u00fcbung ihres Amtes. &#132;Diese ungeheuerlichen \u00dcbergriffe auf die Grundlagen des Christentums und der Evangelischen Kirche,&#148; schrieb Heinemann an den Reichskanzler, &#132;haben eine gro\u00dfe Erregung in den hiesigen Kirchengemeinden hervorgerufen.&#148; Diese Erregung steigere sich t\u00e4glich. Er bezog sich au\u00dferdem auf eine Massenkundgebung der Deutschen Christen im Berliner Sportpalast am 13. November 1933. Dort war u.a. gefordert worden: &#132;die Befreiung von allem Undeutschen im Gottesdienst und im Bekenntnis, besonders vom Alten Testament und seiner j\u00fcdischen Lohnmoral,&#148; und es wurde &#132;einer heldischen Jesusgestalt als Grundlage artm\u00e4\u00dfigen Christentums&#148; das Wort geredet. Heinemann versuchte zu beweisen, dass nicht die Deutschen Christen, wie sie im Berliner Sportpalast aufgetreten waren, sondern die Gl\u00e4ubigen der Bekennenden Kirche Repr\u00e4sentanten der evangelischen Kirche seien. Es w\u00e4re h\u00f6chste Zeit, schreibt Heinemann, dass die eigentlichen Tr\u00e4ger kirchlichen Lebens in unserer Gemeinde bei den amtlichen Stellen Geh\u00f6r f\u00e4nden, &#132;wenn der neue Staat nach den erhebenden Wahlen nicht schwere R\u00fcckschl\u00e4ge auf die Herzen treuester Anh\u00e4nger erleiden soll&#148;. Die einzige Reaktion auf diesen Brief war die Best\u00e4tigung des Eingangs und der Hinweis dar-auf, dass er entsprechenden Stellen im Innenministerium zugeleitet worden sei.<\/p>\n<h5><span id=\"die-erste-kraftprobe-zwischen-deutschen-christen-und-bekennender-kirche-war-schon\">Die erste Kraftprobe zwischen Deutschen Christen und Bekennender Kirche war schon<\/span><\/h5>\n<p>Mitte des Jahres 1933 ausgetragen worden. Wahlen hatten beweisen sollen, dass die Deutschen Christen die Mehrheit der evangelischen Christen hinter sich hatten. Dabei hatten die Deutschen Christen die volle und wortreiche Unterst\u00fctzung der staatlichen Propaganda. Pfarrer Graeber als Vertreter der Liste Evangelium und Kirche konnte lediglich eine Kampfschrift herausbringen. Darin prangerte er die regimetreuen Widersacher im kirchlichen Lager an: diejenigen, die das Hakenkreuz als Symbol von zwei Autorit\u00e4ten &#150; von Partei und Gottes Wort &#150; an ihrem Revers trugen. &#132;Ungeheuerlich&#148; nannte er dieses &#132;Nebeneinander&#148; und bezeichnete es als &#132;Schmach&#148;, dass die Kirche sich dies bieten lie\u00dfe.<\/p>\n<p>Gustav Heinemann wurde bei diesen Wahlen zum Presbyter gew\u00e4hlt. Und das war nicht zu-f\u00e4llig. Voller Bewunderung hatte er die Standhaftigkeit der Mitglieder in der Verteidigung ihrer Kirche und ihre Solidarit\u00e4t zueinander in diesem Kampf beobachtet. F\u00fcr Heinemann war es eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, diese Haltung zu unterst\u00fctzen. Zur weiteren Durchf\u00fchrung von Aktivit\u00e4ten der Bekennenden Kirche er\u00f6ffnete er ein Spendenkonto. Daraus wurde ein Flugblatt finanziert, in dem Pfarrer Graeber forderte: &#132;Hinweg mit dem Terror! Wir werden ein Versailles der Kirche niemals unterschreiben, unter keine Drohung, unter kein Versprechen!&#148; Nach der dritten Auflage beschlagnahmte die Gestapo das Flugblatt. Pfarrer Graeber wurde zwei Tage in Haft genommen und durfte sein Amt mehrere Wochen lang nicht aus\u00fcben. Repressalien gegen als aktiv bekannte Mitglieder der Bekennenden Kirche folgten, waren schlie\u00dflich an der Tagesordnung. Es wurde eine der wichtigsten Aufgaben Heinemanns, Geistliche, die am Sonntag von der Kanzel weg verhaftet worden waren, zu verteidigen. &#132;Meist holte er sie am Montag morgen vom Polizeipr\u00e4sidium wieder ab,&#148; so der Bericht von Dr. Posser, einem Sozius der Kanzlei Heinemann. Die Folge: Die Richter erlie\u00dfen nie einen Haftbefehl.<\/p>\n<p>Die Mitglieder der Bekennenden Kirche kannten keine Feigheit, so sah es Gustav Heinemann. Sie lehnten sich auch gegen die Funktion\u00e4re der Kirche auf, die sich der Kirchenleitung unter dem Reichsbischof M\u00fcller anzupassen suchten.<\/p>\n<p>Heinemann geh\u00f6rte einer Abordnung von f\u00fcnf Kirchenm\u00e4nnern an, die dem zust\u00e4ndigen Generalsuperintendenten in Koblenz ihre Emp\u00f6rung \u00fcber die Bereitschaft der Kirchenleitung aussprechen wollte, die von M\u00fcller geforderte Unterordnung der kirchlichen Jugend unter die Hitler-Jugend zuzulassen. Als der Generalsuperintendent seine Hilflosigkeit in dieser Angelegenheit zu verstehen gab, schlug Heinemann ihm vor: &#132;Wenn Sie f\u00fcr jeden Pfarrer, jedes Gemeindemitglied, welches in Haft gesetzt wird, das Gel\u00e4ut der Kirchenglocken in der Rheinprovinz anordnen, ist uns schon geholfen.&#148;<\/p>\n<p>Gustav Heinemann war nun aus dem Kampf der Bekennenden Kirche nicht mehr wegzudenken. Als Reichsbischof M\u00fcller die Bekennende Kirche unter seine Aufsicht zu stellen beabsichtigte, begegnete ihm energischer Widerstand. &#132;Gott ist mehr zu gehorchen als dem Reichsbischof&#148;, hie\u00df es in einer Erkl\u00e4rung. Graeber und Heinemann beschlossen daraufhin den Austritt ihrer Gemeinde aus dem Kirchenverbund, um auf diese Weise als selbstst\u00e4ndige Organisation die st\u00e4ndigen Verbote f\u00fcr oppositionelle Pfarrer, ihre Kirche zu betreten und Gottesdienste abzuhalten, zu umgehen. Heinemann pachtete von der Stadtverwaltung im Haus der Technik den B\u00f6rsensaal. Das Gehalt f\u00fcr Pfarrer Graeber und seine Mitarbeiter sollte aus Spenden finanziert werden. 800 St\u00fchle, eine Kanzel und ein Harmonium wurden angeschafft, um dem Gottesdienst eine w\u00fcrdige Atmosph\u00e4re zu geben.<\/p>\n<h5><span id=\"konspirativ-gegen-das-regime\">Konspirativ gegen das Regime<\/span><\/h5>\n<p>Das Haus der Heinemanns in Essen, Schinkelstrasse 34, stand Mitarbeitern der Bekennenden Kirche und ihren Aktivit\u00e4ten, den geheimen und den offiziellen, stets offen. Helmut Gollwitzer, einer der f\u00fchrenden M\u00e4nner der Bekennenden Kirche, verbrachte einige Tage unter falschem Namen bei den Heinemanns, weil es Gr\u00fcnde daf\u00fcr gab, ihn dem Blickfeld der Gestapo in Berlin f\u00fcr eine Weile zu entziehen. Eine Zeitlang wurden im Keller des Hauses Heinemann illegale Schriften vervielf\u00e4ltigt und versandfertig gemacht. Die Herstellung von Informationsschriften der Bekennenden Kirche war verboten werden. Diese Verordnung betraf aber nicht Mitteilungen f\u00fcr eingeschriebene Mitglieder.<\/p>\n<p>Diese Briefe zur Lage, oder auch Gr\u00fcne Bl\u00e4tter genannt, der Farbe ihres Papiers wegen, waren der Gestapo ein Dorn im Auge. Haussuchungen und Vernehmungen der Redakteure f\u00fchrten dazu, dass die Arbeit an den Gr\u00fcnen Bl\u00e4ttern zu einer Art konspirativer Aufgabe wurde. Man war darum gezwungen, den Herstellungsort des \u00f6fteren zu wechseln. So landeten sie eines Tages im Keller des Hauses Heinemann. Diese R\u00e4ume dienten tags\u00fcber den Kindern als Spielzimmer. Einmal die Woche traf sich dort zum Spielen und Singen eine BDM-Gruppe, der eine der T\u00f6chter Heinemanns angeh\u00f6rte. Der Vervielf\u00e4ltigungsapparat war in einem Schrank versteckt, zu dem nur der Hausherr den Schl\u00fcssel hatte. Wollten die Hersteller der Bl\u00e4tter den Apparat benutzen, stellten sie am Telefon eine unverf\u00e4ngliche Frage, etwa, ob sie vielleicht am Abend bei Heinemanns ein bisschen Klavier-spielen d\u00fcrften. Eine Zeit lang funktionierte dies reibungslos. Doch eines Tages fragte eines der Kinder, was sich eigentlich am Abend im Keller zutr\u00fcge. Eine Schulfreundin habe ihr erz\u00e4hlt, dass ihr Vater, ein Funktion\u00e4r der NSDAP, im Begriff sei, herauszufinden, was im Hause Heinemann vor sich ginge. Der Vervielf\u00e4ltigungsapparat wurde schnellstens an einen anderen Ort gebracht.<\/p>\n<h5><span id=\"resignation-1938\">Resignation 1938<\/span><\/h5>\n<p>Dann geschah etwas g\u00e4nzlich Unerwartetes. Gustav Heinemann legte im Jahr 1938 alle seine \u00c4mter in der Bekennenden Kirche nieder. Er habe lange \u00fcber die Frage nachgedacht, &#132;ob wir die Verteidigung der evangelischen Kirche seit 1933 recht gef\u00fchrt haben oder nicht. Und ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass dies nicht der Fall ist.&#148; Der kirchliche Widerstand habe eine st\u00e4ndige Herausforderung f\u00fcr jeden einzelnen bedeutet. Alle Aktionen h\u00e4tten viel Kraft gekostet und oft zu Verfolgungen und Verhaftungen gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Deutschen Christen aufgrund der politischen Konstellation gest\u00e4rkt aus dem Kampf hervorgegangen sind, musste die Kirche eine Niederlage nach der anderen hinnehmen. Doch die Deutschen Christen seien nur eine Attrappe des Regimes und darum die falsche Front, analysierte Heinemann. Der Einsatz h\u00e4tte nicht kirchlichem Dogma entsprechen, sondern politischer Natur sein m\u00fcssen. &#132;Solange der einzelne Pfarrer seinen Kampf nach dem bisherigen Schema f\u00fchre, ohne eine unabh\u00e4ngige Gemeinde hinter sich zu haben, ist er f\u00fcr den Gegner wahrhaftig harmlos,&#148; so Heinemann. Doch den Kurs der Widerstandsarbeit zu \u00e4ndern, h\u00e4tte nur dann einen Sinn, wenn die politische Lage Anzeichen f\u00fcr eine Ver\u00e4nderung erkennen lie\u00dfe.<\/p>\n<p>Dies sei im Deutschland des Jahres 1938, da die Nazis noch fest im Sattel sitzen und die westlichen Demokratien ihnen ihre Unterst\u00fctzung nicht versagen, nicht anzunehmen. Er glaube jedoch an die Vorsehung Gottes, die Menschheit letztendlich zu einem rechten Ende zu f\u00fchren. Doch zun\u00e4chst, so sagte er voraus, w\u00fcrden die Verwirrungen der Menschheit noch verh\u00e4ngnisvollere Z\u00fcge annehmen. Ein Kurswechsel sei seiner Meinung nach zur Zeit nicht zu bewirken. Darum w\u00fcrde er den weiteren Ablauf der Entwicklung nunmehr von au\u00dfen beobachten. Er werde weiterhin f\u00fcr die Bekennende Kirche t\u00e4tig sein , doch nicht in vorderster Front.<\/p>\n<p>Derartige \u00dcberlegungen \u00fcber den Sinn von Widerstandsarbeit sind oft Ursache von Gewissenskonflikten eines Widerstandsk\u00e4mpfers. Menschen wie Heinemann ohne fr\u00fchere feste politische Bindung resignieren h\u00e4ufig, wenn ihnen der Preis f\u00fcr den Kampf zu hoch und der Erfolg zu unbedeutend erscheint. Auch die anderen, die sich aus langj\u00e4hriger politischer \u00dcberzeugung dem Widerstand anschlossen, sind nicht frei von Zweifeln und Verzweiflungen \u00fcber die Wirkungslosigkeit ihrer gefahrvollen T\u00e4tigkeit. Dennoch f\u00fchren sie in der Regel den Kampf fort. Sie geben selten die Hoffnung auf, dass sie innerhalb der Organisation auf den Kurs der Widerstandsarbeit Einfluss nehmen k\u00f6nnten, dass es irgendwann Anzeichen f\u00fcr eine politische \u00c4nderung geben w\u00fcrde, die neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr ihre Arbeit zulie\u00dfe. Dazu kam die Gemeinschaft, die dem einzelnen Widerstandsk\u00e4mpfer Halt gab. Ein K\u00e4mpfer, der aus einer solchen Gemeinschaft austrat, wurde nicht selten von dem Vorwurf des Verrats an den Kameraden geplagt und hatte Schwierigkeiten, vor sich selbst zu bestehen.<\/p>\n<p>Heinemanns Entscheidung war klar und direkt und einzig und allein vom realistischen Denken diktiert. Es fehlte darin jeder Aus-druck von Hoffnung &#150; au\u00dfer dem Vertrauen auf Gott &#150; und von Visionen, wie sie einem in der Politik geschulten Menschen eigen ist.<\/p>\n<h5><span id=\"hilfe-fuer-verfolgte-juden\">Hilfe f&uuml;r verfolgte Juden<\/span><\/h5>\n<p>Die Bekennende Kirche hat in den Jahren ihres Kampfes seit 1933 niemals eine Erkl\u00e4rung oder einen Protest herausgegeben, der sich gegen die Diskriminierung und Verfolgung von Juden wandte. Obgleich zwei f\u00fchrende M\u00e4nner der Bekennenden Kirche als Antisemiten bekannt waren &#150; Martin Niem\u00f6ller und Otto Dibelius &#150; hat es dem Vernehmen nach innerhalb der Organisation keine antisemitischen Str\u00f6mungen oder Auslassungen gegeben.<\/p>\n<p>Gustav Heinemann sah es als seine Pflicht an, sich um die in Essen verbliebenen Juden zu k\u00fcmmern. Nach dem Pogrom vom 9. November 1938, so erz\u00e4hlt seine \u00e4lteste Tochter, sei er mit ihr, der Zehnj\u00e4hrigen, zu zwei Lehrerinnen gegangen. Sie waren als getaufte Juden Mitglieder der Evangelischen Kirche, doch f\u00fcr die Nazis weiterhin Juden. Heinemann sorgte sich um ihre Sicherheit. Er geh\u00f6rte auch zu den wenigen nichtj\u00fcdischen Freunden von Landgerichtsdirektor Dr. Hermann Ferse, der den Kontakt zu ihm aufrechterhielt. Als ehemaliger Frontsoldat durfte Ferse nach 1933 noch zwei Jahre seine richterliche T\u00e4tigkeit fortsetzen, wurde allerdings ans Amtsgericht Essen versetzt. Das Ehepaar Ferse konnte sich nicht dazu entschlie\u00dfen, Deutschland zu verlassen. Von einem Besuch in Israel im Jahr 1938 kehrten sie nach Essen zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Anfang November 1941 erhielten sie den Bescheid \u00fcber ihre bevorstehende Deportation. Ferse war Mitglied des Vorstands der J\u00fcdischen Gemeinde Essen. Er hatte sich freiwillig zu diesem Transport gemeldet, da befohlen war, dass ein jeder Transport von einem Vorstandsmitglied begleitet werden musste. Ungeachtet der Gefahr suchte Heinemann das Ehepaar Ferse am Vorabend ihres Transportes im Judenhaus Pettenkoferstr. 38 auf. In einem Interview, das mir der Justizminister Heinemann im Jahr 1968 gab, sprach er das erste Mal \u00fcber diese letzten Stunden bei seinem Freund Ferse. Dieser bat ihn, sich um seine ihm zustehenden Pensionszahlungen bis zu seiner R\u00fcckkehr, von der er fest \u00fcberzeugt war, zu k\u00fcmmern. Au\u00dferdem bat er Heinemann um eine Dynamo-Taschenlampe. Der Transport, in dem sich Herr und Frau Ferse befanden, ging in die wei\u00dfrussische Hauptstadt Minsk. Es ist zu vermuten, dass das Ehepaar Ferse zu den Opfern einer der Massenerschie\u00dfungen geh\u00f6rte, wie sie deutsche und lettische SS-M\u00e4nner dort mit gr\u00f6\u00dfter Brutalit\u00e4t durchzuf\u00fchren pflegten.<\/p>\n<p>In dem gleichen Interview berichtete mir Gustav Heinemann von seiner Mithilfe bei der Rettung von 50 bis 60 Menschen j\u00fcdischer Abstammung. Auf die Bitte um n\u00e4here Einzelheiten sagte er nur, er habe sich haupts\u00e4chlich an der Beschaffung von Lebensmitteln f\u00fcr versteckte Juden beteiligt. Im April 1949 schrieb er an den Vorsitzenden der J\u00fcdischen Gemein-de Essen, Siegfried Levy, er habe &#132;in jenen b\u00f6sen Jahren manchem Ihrer Gemeindemitglieder, insbesondere auch solchen, die an Schluss der Nazizeit unterirdisch und illegal hier in Essen gelebt haben, mannigfach geholfen.&#148; Am 17. September 1944 sollte der letzte Transport von Menschen j\u00fcdischer Abstammung aus Essen abgehen. Es handelte sich irr wesentlichen um Juden, die mit Nichtjuden verheiratet waren und vielfach der christlicher. Kirche angeh\u00f6rten, Halbjuden und Juden, die zum Christentum \u00fcbergetreten waren. An Sonntagmittag wurde ihnen mitgeteilt, dass sie sich am Abend zum Abtransport einzufinden h\u00e4tten. Angeblich waren sie zu einem Kriegseinsatz in einem Lager im Weserbergland vorgesehen, zum Errichten von Abwehrstellungen und zur Waffenproduktion. Mitglieder der Bekennenden Kirche boten ihnen Zuflucht an, Heinemann schilderte das so: &#132;Im September 1944 kam die Zeit, da man die letzten Mitb\u00fcrger j\u00fcdischer Abstammung hier wegholte. Auch die Allerletzten. Damals sind etwa f\u00fcnfzig bis sechzig von ihnen hier geblieben, und, wie es damals hie\u00df, untergetaucht in Kellern ausgebombter H\u00e4user.&#148; Unter den Tr\u00fcmmern der R\u00fcttenscheider Kirche und, als diese zerst\u00f6rt war, im Heizungskeller des Pfarrhauses ohne Licht und Wasser. Kurzum, &#132;sie haben sich einfach dem Zugriff entzogen. Aber nun entstand die Frage: wer ern\u00e4hrt sie? Das war ja nicht eine Frage des Geldes, sondern der Lebensmittelkarten. Die Rationen waren ohnehin \u00e4u\u00dferst knapp am Ende des Krieges. Wie konnten nun f\u00fcnfzig oder sechzig Menschen ern\u00e4hrt werden ohne jede Lebensmittelkarte?&#148;<\/p>\n<p>Berichten zufolge haben Pfarrer in der Kirche um Lebensmittelspenden gebeten &#132;f\u00fcr bed\u00fcrftige Gemeindemitglieder&#148;. Mitglieder der<br \/>Bekennenden Kirche wurden aufgefordert, etwas von ihren Karten abzuzweigen. Sonderrationen, die nach schweren Luftangriffen aus-gegeben wurden, wurden wie selbstverst\u00e4ndlich den versteckten Juden gespendet.<\/p>\n<p>Im Dunkel der Nacht verteilten Pfarrer die gesammelten Lebensmittel. Keiner, weder die Helfer noch die Versteckten, hatte angenommen, dass sie sieben Monate auf die Befreiung w\u00fcrden warten m\u00fcssen. Und dennoch gab es zu keiner Zeit, trotz der Parolen der Nazis \u00fcber ihren Endsieg, bei keinem der Beteiligten Zweifel am Ausgang des Krieges und dem Ende ihrer Not. Von Gustav Heinemann ist bekannt, dass er einen Orden ablehnte, mit dem die Nazi-Dienststellen f\u00fchrende Mitarbeiter der Rheinischen Stahlwerke ehren wollten. Er tat dies mit den Worten &#132;Den nehme ich erst nach dem Endsieg.&#148; Aufgrund seiner T\u00e4tigkeit in den Rheinischen Stahlwerken wurde Heinemann nicht zum Dienst an der Front eingezogen. Seine Familie zog f\u00fcr die Zeit der Bombardierungen und der letzten Kriegswirren nach Winterberg im Sauerland. Er blieb allein in Essen zur\u00fcck.<\/p>\n<h5><span id=\"neuanfang-1945\">Neuanfang 1945<\/span><\/h5>\n<p>In einem Kriegstagebuch, in dem er das Ende der K\u00e4mpfe und den Einzug der Amerikaner in Essen beschrieb, notierte er am 18. April 1945: &#132;\u00dcberall werden Pers\u00f6nlichkeiten gesucht, die ohne nationalsozialistische Vorbelastungen sind. Da ich in dieser Hinsicht ,sehr gro\u00df&#8216; dastehe, will man mich von vielen Seiten einspannen. Aber ich denke nicht daran, etwas anderes anzufassen, als was mit Gemeinde und Kirche zusammenh\u00e4ngt.&#148;<\/p>\n<p>Doch an diesem Grundsatz hielt Heinemann nicht lange fest. Sein Gef\u00fchl f\u00fcr Verpflichtung und Verantwortung, das seine Pers\u00f6nlichkeit gepr\u00e4gt hat, f\u00fchrte diese und \u00e4hnliche Entscheidungen herbei. Er konnte der Politik nicht mehr ausweichen. Die Britische Besatzungsmacht berief ihn u.a. in einen &#132;beratenden Stadtrat&#148;, der die Vorstufe war f\u00fcr die kommunale Selbstverwaltung, wie die Briten sie verstanden. An der Spitze sollte ein vom Parlament der Stadt gew\u00e4hlter B\u00fcrgermeister stehen. Schon im Oktober 1945 ernannten sie den Kommunisten Heinz Renner zum Oberb\u00fcrgermeister von Essen und Gustav Heinemann zu seinem Stellvertreter. Ein Jahr sp\u00e4ter, im Oktober 1946, ging Gustav Heinemann als Sieger aus den Kommunalwahlen hervor und war bis Herbst 1949 Oberb\u00fcrgermeister der Stadt.<\/p>\n<p>In seinen Ansprachen und Reden hob er immer wieder die Notwendigkeit der Schaffung einer demokratischen Ordnung hervor. &#132;F\u00fcr die kommunale Arbeit [&#8230;] sehe ich, dass wir eine demokratische Ordnung der Stadt und eine Heilung ihrer tausendfachen Wunden an-streben. Wir wollen eine vom Volk bestimmte und eine dem Volk dienende Stadtverwaltung sein.&#148; Heinemann wusste aus der Geschichte der Weimarer Republik, dass die Basis einer Republik eine festgef\u00fcgte Demokratie sein muss mit gleichen Rechten und Pflichten f\u00fcr alle B\u00fcrger. Die Erfahrung mit dem Nationalsozialismus, dem es gelungen war, die Demokratie zu demontieren und eine verbrecherische Diktatur an seine Stelle zu setzen, hatte dieses Denken in ihm noch gefestigt. Darum, so meinte er, m\u00fcssten die demokratischen Kr\u00e4fte zur Abwehr \u00e4hnlicher Entwicklungen zusammenstehen. Die Logik dieses Denkens war die Gr\u00fcndung politischer Parteien als Eckpfeiler dieser von ihm geforderten demokratischen Ordnung. Dieses Denken f\u00fchrte ihn unweigerlich in die Parteipolitik. Es fiel ihm nicht schwer, sich f\u00fcr eine der zwei gro\u00dfen Parteien zu entscheiden. F\u00fcr ihn, den gl\u00e4ubigen Christen, kam nur die Christlich-Demokratische Union in Frage, an deren Gr\u00fcndung er sich in Essen beteiligte.<\/p>\n<h5><span id=\"engagement-fuer-die-cdu-und-die-evangelische-kirche\">Engagement f&uuml;r die CDU und die evange&shy;li&shy;sche Kirche<\/span><\/h5>\n<p>Von dieser Partei erwartete er, dass sie in ihrer politischen Arbeit die kirchlichen Interessen nicht au\u00dfer acht lassen w\u00fcrde. Das ,C` in ihrem Namen schien ihm daf\u00fcr zu b\u00fcrgen. \u00dcberdies war diese Union aus den Erkenntnissen des Dritten Reichs geboren worden. Sie wollte in ihrer politischen Arbeit die Trennung der christlichen Konfessionen beenden, wie sie in der Weimarer Zeit \u00fcblich und im politischen Sinne sch\u00e4dlich gewesen war. Er warnte aber auch: Die Bibel sei kein &#132;politisches Rezeptbuch, keine Dienstanweisung f\u00fcr Politiker, und die Bergpredigt kann nicht einfach in die praktische Politik \u00fcbersetzt werden.&#148;<\/p>\n<p>F\u00fcr die Sozialdemokratische Partei hatte er zu der Zeit nicht viel \u00fcbrig. Sie hatte ihr klassenk\u00e4mpferisches Profil noch nicht abgelegt, meinte er, und verneine noch immer die Kirche und das Christentum. Im \u00fcbrigen sei er f\u00fcr eine marktwirtschaftliche Ordnung, lehnte Planwirtschaft und Verstaatlichung von Grundstoffindustrien ab.<\/p>\n<p>Heinemanns Wunsch, sich auf ein politisches Amt konzentrieren zu k\u00f6nnen, ging nicht auf. Die CDU stellte ihn als Kandidaten f\u00fcr den Landtag von Nordrhein-Westfalen in einem Essener Bezirk f\u00fcr die Wahlen von 1947 auf. Das Resultat: er zog nun auch in den Landtag ein. Da der Posten des Justizministers aus formellen Gr\u00fcnden nicht mit dem daf\u00fcr vorgesehenen Kandidaten besetzt werden konnte, musste Heinemann in die Bresche springen. Nach einem Jahr wurde er erl\u00f6st und erkl\u00e4rte, er werde kein anderes Ressort mehr \u00fcbernehmen. In einem Brief an seine Mutter schrieb er: &#132;Sicherlich ist die Arbeit sehr interessant. Aber ich m\u00f6chte doch lieber in den Essener Bereich zur\u00fcckkehren und nicht in der Politik untergehen.&#148; Dann erteilte er auch Kanzler Adenauer eine Absage. Dieser hatte ihn dringend gebeten, bei den Wahlen von 1949 f\u00fcr den Bundestag zu kandidieren. Der Arbeit im Essener Rathaus h\u00e4tte sein Aus-scheiden aus der Regierung von Nordrhein-Westfalen gegolten, erkl\u00e4rte Heinemann dem Kanzler. &#132;Unsere hiesigen Freunde sind mit mir darin einig, dass ich es im Vergleich zu einem Bundestagsmandat als vordringliche Aufgabe anzusehen habe.&#148;<\/p>\n<p>Im Oktober 1945, knapp f\u00fcnf Monate nach Kriegsende, gab die Evangelische Kirche, unter der aktiven Mitwirkung von Gustav Heinemann, die Stuttgarter Schulderkl\u00e4rung heraus. Darin hie\u00df es u.a. &#132;Mit gro\u00dfem Schmerz sagen wir, durch uns ist unendlich viel Leid \u00fcber viele L\u00e4nder und V\u00f6lker gebracht worden [&#8230;]. Wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fr\u00f6hlich geglaubt und nicht brennender geliebt hab [..,].&#148; Es war dies die erste Selbstanklage, der eine gro\u00dfe deutsche Institution sich\u00a0 kannte. In einem Vortrag in der Johanneskirche in Bern im Jahr 1950 begr\u00fcndete dies Heinemann: &#132;Diese Erkl\u00e4rung sollte die Grundlage f\u00fcr die Neuordnung unserer Kirche nach der nationalsozialistischen Zerst\u00f6rung sein. S sollte der Schaffung einer neuen \u00f6konomischen Gemeinschaft dienen und zugleich eine St\u00fctze sein f\u00fcr die Besinnung des deutsch Volkes \u00fcber seinen Weg in den vergangen zw\u00f6lf Jahren.&#148; Und dann gestand Heinemann mit der ihm eigenen Offenheit: &#132;Unser Volk hat uns diese Erkl\u00e4rung nicht abgenommen Es war noch nicht bereit, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. &#132;Deshalb stehen wir im Grunde genommen heute noch vor der Aufgabe, unsern Weg durch die vergangenen Jahre und unsere Lage heute&#8216; er einmal im Lichte des Wortes Gottes zu sehe und zu begreifen, ehe wir weitergehen k\u00f6nnen.&#148;<\/p>\n<h5><span id=\"innenminister-im-ersten-kabinett-adenauer-194950\">Innen&shy;mi&shy;nister im ersten Kabinett Adenauer 1949\/50<\/span><\/h5>\n<p>Und dann verstie\u00df er wieder gegen seine eigenen Prinzipien. 1949 gab er seinen Posten al Oberb\u00fcrgermeister von Essen auf. Die erst Bundestagswahl von 1949 f\u00fchrte in Bonn z einer Koalitionsregierung von Christliche Demokraten, Freien Demokraten, und Deut scher Partei. In dieser Koalition sa\u00df nur : Protestant, Wirtschaftsminister Professor Ludwig Erhard. Dies entsprach nicht den Vorsatz der neu geschaffenen CDU, die Trennung der Konfessionen zu \u00fcberwinden. Darum suchte und fand man den Oberb\u00fcrgermeister von Essen, Gustav Heinemann, der als zweite Protestant und als Innenminister eingesetzt werden konnte. In seinen Aufzeichnungen schrieb Heinemann dazu: &#132;Damit geriet ich\u00a0 unter ungew\u00f6hnlichen Druck, mich aus Esser zu l\u00f6sen&#148; Sein Verantwortungsgef\u00fchl, den wir immer wieder begegnen, sagte ihm, dass er nicht ablehnen k\u00f6nne. Als &#132;Innenminister wider Willen&#148; bezeichnete ein Biograph den Innenminister dieser ersten Koalition. Wie Heinemann selbst sp\u00e4ter feststellte, begann mit seinem Eintritt in die Regierung Adenauer die wichtigste Phase seines Lebens. Sie legte die Grundlage f\u00fcr sein politisches Credo, dem er bis zu seinem Lebensende treu blieb.<\/p>\n<p>Am 20. September 1949 wurde Heinemann als Innenminister vereidigt. Genau ein Jahr sp\u00e4ter, im Oktober 1950, trat er von diesem Posten zur\u00fcck. &#132;Das mache ich nicht mit!&#148;: Mit diesen Worten protestierte Heinemann gegen die eilfertige Bereitschaft Adenauers, zur Zeit des Korea-Krieges Kontingente deutscher Soldaten f\u00fcr eine zu bildende westeurop\u00e4ische Verteidigungsstreitmacht zur Verf\u00fcgung zu stellen. Adenauer legte dies in einem Memorandum nieder, das er dem amerikanischen Hochkommissar McCloy zukommen lie\u00df, ohne sein Kabinett zuvor zu informieren und sein Einverst\u00e4ndnis einzuholen. F\u00fcr Heinemann war der Gedanke an eine deutsche Wiederbewaffnung unertr\u00e4glich. Sie werde eine Wiedervereinigung Deutschlands in weite Ferne r\u00fccken, warnte er. Denn eine solche Wiederbewaffnung im Westen w\u00fcrde den Osten Deutschlands noch fester in den kommunistischen Block einbinden.<\/p>\n<p>F\u00fcr Heinemann war dies auch eine Gewissensfrage, &#132;Wir stehen auf einem tiefen Untergrund von Schuld, den wir nicht damit aus-r\u00e4umen, dass wir ihn vergessen&#148;, mahnte er. &#132;Von ihm aus haben wir uns zu fragen, ob wir unser Vertrauen schon wieder auf Waffen setzen d\u00fcrfen, nachdem sie uns um dessentwillen, was wir mit den Waffen angerichtet haben, uns zum zweiten Mal aus der Hand geschlagen wurden.&#148; Heinemanns Schritt und seine Argumente fanden wenig Beachtung. Die wenigen, die im Kabinett Sympathien f\u00fcr seine Argumente hatten, schwiegen.<\/p>\n<p>Die Mehrheit der Westdeutschen glaubte damals an die Unfehlbarkeit der amerikanischen Politik und f\u00fchlte sich von ihr beh\u00fctet.<br \/>Doch auch wenn sie Zweifel hatten, wagten sie nicht, sie zu \u00e4u\u00dfern. Schlie\u00dflich wussten sie um die Abh\u00e4ngigkeit der jungen westdeutschen Republik von den Vereinigten Staaten. \u00dcberdies hatte Adenauer &#150; die Person und der Politiker &#150; ein solch hohes Ansehen im Volk, dass eine abweichende Meinung dem Versuch eines Meuchelmordes gleichkam.<\/p>\n<p>Heinemann handelte so, wie es sein Gewissen ihm eingab. Und er handelte \u00e4hnlich wie 1938, als er pl\u00f6tzlich und ohne den Versuch zu machen, Zustimmung zu finden, von den f\u00fchrenden Positionen der Bekennenden Kirche zur\u00fccktrat. Was die Mehrheit der Deutschen 1950 \u00fcber ihn und seine Argumente dachte, nahm er nicht zur Kenntnis &#150; eben anders als die meisten Politiker, die in ihren Taten und Worten stets ihre Karriere im Blick behalten. Es mag auch sein, dass ihm das Gesp\u00fcr f\u00fcr die Gef\u00fchle und Gedanken des Volkes fehlte. In den Wochen nach Heinemanns R\u00fccktritt gab es noch einige erfolglose Vermittlungsversuche. Heinemann selbst erkl\u00e4rte sich bereit, mit dem Aufbau einer Bundespolizei als Gegengewicht zur kasernierten Volkspolizei der DDR einverstanden zu sein, ein Vorschlag, den Adenauer nicht annehmen konnte, ohne sein Gesicht zu verlieren. Seine politische Linie war festgelegt. Sie hie\u00df Wiederbewaffnung und Integration in die westliche Gemeinschaft. Er lie\u00df Heinemanns Vorschlag, der an ihn adressiert war, unbeantwortet. Die Frage muss offen bleiben, ob Heinemann glaubte, Adenauer mit seinem Vorschlag irritieren und damit von seinen Pl\u00e4nen abbringen zu k\u00f6nnen, oder ob es der Heinemann war, der seine Gedanken und Meinungen stets ehrlich und offen aussprach, ohne \u00fcber die Reaktion des anderen nachzudenken.<\/p>\n<h5><span id=\"nach-dem-ruecktritt-der-weg-in-die-opposition\">Nach dem R&uuml;cktritt der Weg in die Opposition<\/span><\/h5>\n<p>In seiner Partei, der CDU, war Heinemann nun gewisserma\u00dfen ge\u00e4chtet. Die Essener CDU bot ihm zwar noch ein Mandat f\u00fcr den Stadtrat an, allerdings mit der Auflage, sich jeder Kritik an Adenauer zu enthalten. Heinemann lehnte dankend ab. Den Kampf gegen die Wiederaufr\u00fcstung, der ihm Herzenssache war, gab er noch nicht auf. Er gr\u00fcndete mit einigen Gleichgesinnten im November 1951 die Notgemeinschaft f\u00fcr den Frieden Europas. Sie war \u00fcberparteilich und zog Mitglieder aus allen Parteien an, unter ihnen auch viele ehemalige Mitglieder der Bekennenden Kirche. Auf der Gr\u00fcndungsversammlung wiederholte Heinemann, dass er die Au\u00dfenpolitik der Regierung Adenauer f\u00fcr eine Gef\u00e4hrdung des Friedens halte und er darin keinen Weg zur Herstellung der deutschen Einheit sehen k\u00f6nne. Doch die Notgemeinschaft konnte den Kurs der Bundesregierung nicht \u00e4ndern. Dennoch brachte es diese kleine au\u00dferparlamentarische Bewegung mit ihren Argumenten fertig, die Verfechter der Regierungspolitik zu deutlichen Aussagen zu zwingen. Jahre sp\u00e4ter nannte Heinemann diese Zeit seine &#132;APO-Jahre&#148;, in Anlehnung an die gleichnamige Studentenbewegung der 1960er und 1970er Jahre.<\/p>\n<p>Im Anwaltsb\u00fcro in der Reichsbankstrasse 14, 3. Obergeschoss, das Heinemann 1951 mit seinem Sozius und Freund Diether Posser gegr\u00fcndet hatte, wurde mehr politisch gearbeitet, als Gerichtsverfahren er\u00f6ffnet. Heinemann er-hielt viele Aufforderungen zu Vortr\u00e4gen, auch ermutigende Briefe; gr\u00f6\u00dfer aber war die Zahl der Beleidigungen, Verleumdungen und Diffamierungen. Heinemann sei ein verkappter Stalinist, er werde von Ost-Berlin finanziert oder er sei ein Spion von Moskaus Gnaden. Andere taten ihn als Spinner ab, Mahatma Gandhi vergleichbar. Dies alles best\u00e4rkte in ihm das Gef\u00fchl, dass er vielleicht mit einer eigenst\u00e4ndigen Partei gr\u00f6\u00dferen Einfluss auf die Meinung der Menschen und die Politik im allgemeinen nehmen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Dabei spielte zweifellos die Note aus Moskau im M\u00e4rz 1952 eine Rolle, in der der Kreml die Wiedervereinigung in Aussicht stellt unter der Bedingung, dass das k\u00fcnftige Deutschland neutral bliebe. Diese Note blieb in Bonn unbeachtet und unbeantwortet. Adenauer lie\u00df nicht pr\u00fcfen, ob dies ein ernsthaftes Angebot oder nur der Versuch war, die deutsche Beteiligung an der geplanten Europ\u00e4ischen Verteidigung[5] Gemeinschaft zu verhindern, f\u00fcr die der Vertrag bereits unterschriftsreif war. Heinemann und seine Freunde hingegen hielten jede M\u00f6glichkeit eines Gespr\u00e4chs mit Moskau, zu der die Note h\u00e4tte f\u00fchren k\u00f6nnen, f\u00fcr wichtig.<\/p>\n<h5><span id=\"aktiv-fuer-die-gesamtdeutsche-volkspartei\">Aktiv f&uuml;r die Gesamt&shy;deut&shy;sche Volkspartei<\/span><\/h5>\n<p>Heinemann, den nun nichts mehr mit seine Partei verband, trat im Oktober 1952 aus de CDU aus. Einen Monat sp\u00e4ter gr\u00fcndete er mit einigen Freunden die Gesamtdeutsche Volkspartei. Helene Wessel, Vorsitzende Zentrumspartei, stand ihm zur Seite. Andere Politiker, die sich in sp\u00e4teren Jahren in \u00a0der Bundesrepublik einen Namen machten unter ihnen Erhard Eppler, Johannes Rat Adolf Scheu, Diether Posser, gesellten sich zu ihnen.<\/p>\n<p>Die neue Partei hatte knapp ein Jahr Zeit um sich auf die Bundestagswahlen von 1958 vorzubereiten, viel zu wenig, um eine neue Partei einzuf\u00fchren und W\u00e4hlerstimmen f\u00fcr sie zu gewinnen. Heinemann muss wohl geglaubt haben, dass nach der in Bonn nicht beachtete Note aus Moskau mit den \u00fcberraschende Vorschl\u00e4gen zur Wiedervereinigung die W\u00e4hler nun f\u00fcr seine Ideen reif seien. Er fuhr lange auf, landab, sprach, schrieb, diskutierte. Doch die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung wie viel zu vage und die Gefahr schien zu gro\u00df, die eine Absage an die westliche Gemeinschaft f\u00fcr Wohlstand und Sicherheit bedeuten k\u00f6nnten um die deutschen W\u00e4hler zu einer \u00c4nderung ihrer politischen Entscheidung zu \u00fcberreden Und so folgte die Mehrheit der Deutsche wiederum der CDU, die mit dem Slogan Keine Experimente angetreten war.<\/p>\n<p>Ihr gaben 45,97 Prozent der W\u00e4hler ihre Stimmen. Die SPD erreichte 28,8 Prozent, und die GVP bekam magere 1,2 Prozent der abgegebenen Stimmen. Dieses Ergebnis war eine klare Absage an die Parteien, f\u00fcr die die Forderung nach der Wiedervereinigung Vorrang vor einseitigen B\u00fcndnissen der Bundesrepublik hatte. F\u00fcr die GVP war es eine vernichtende Niederlage. Heinemann und seine Freunde mussten zugeben, dass 1,2 Prozent der W\u00e4hlerstimmen nicht ausreichten, um auch nur den geringsten Einfluss auf die Politik des Landes nehmen zu k\u00f6nnen. Eine realistische Einsch\u00e4tzung vorab h\u00e4tte ein solches Ergebnis erwarten lassen.<\/p>\n<p>Pfarrer Helmut Gollwitzer schilderte Heinemanns Lage nach der Niederlage seiner Partei mit den Worten: &#132;Es nahm niemand mehr ein St\u00fcck Brot von ihm.&#148; Aus dem bekannten Minister, dem angesehenen Direktor eines Industrieunternehmens, dem f\u00fchrenden Kirchenmann, war f\u00fcr viele ein politischer St\u00f6renfried geworden. Selbst die Kirche, mit der ihn so viel in den Jahren der Nazi-Diktatur verbunden hatte, wandte sich von ihm ab. Heinemann schrieb an seinen Freund Gollwitzer: &#132;Hier ist es das erste Mal ekelhaft geworden. Ekelhaft um des willen, weil dieses Erlebnis tief in den Kreis derer hineingreift, die die Bruderschaft in Christo proklamieren und Kirchentage machen. Das stecke ich nicht in die Tasche wie das Benehmen von Bergbau, Stadtverwaltung und Christliche Demokraten.&#148; Im Fr\u00fchjahr des Jahres 1955 lief seine Amtsperiode als Pr\u00e4ses der Synode der evangelischen Kirche in Deutschland aus. Die stetig wachsende Zahl seiner Gegner wartete nur auf eine Gelegenheit, ihn aus seinen \u00c4mtern zu Jagen. Die ergab sich im Januar 1955, als die \u00fcberparteiliche Paulskirchenbewegung mit Pers\u00f6nlichkeiten aus Staat und Kirche das Beharren der Bundesregierung auf Wiederbewaffnung und Integration in die westliche Welt in ihrem Deutschen Manifest verurteilte und Vorrang f\u00fcr die Wiedervereinigung forderte. Gustav Heinemann f\u00fcgte in der Zeremonie in der Frankfurter Paulskirche hinzu: &#132;Sieht man wirklich nicht, dass die dominierende Weltanschauung unter uns aus drei S\u00e4tzen besteht: ,viel verdienen, Soldaten, die das verteidigen, und die Kirche, die beides segnet. &#8220; Dieser Ausspruch f\u00fchrte zu Emp\u00f6rung nicht nur in der Kirche. Er belegt die Bitterkeit, die Heinemann nach den diversen Niederlagen erf\u00fcllte. Zugleich beweist es, dass er sich trotz aller Erfahrungen nicht zu einem Politiker gewandelt hatte, der ausschlie\u00dflich von k\u00fchlen \u00dcberlegungen geleitet wird. In all seinen Handlungen und Erkl\u00e4rungen blieb er der aufrechte, ehrliche Mensch, der meinte, was er sagte.<\/p>\n<h5><span id=\"anwalt-im-kalten-krieg\">Anwalt im Kalten Krieg<\/span><\/h5>\n<p>Im Anwaltsb\u00fcro in der Reichsbankstrasse waltete in der Zeit, in der Heinemann im politischen Kampf stand, Diether Posser. Er wehrte Verleumdungskampagnen gegen die GVP, und Heinemann im besonderen, vor Gericht ab. Es folgten Prozesse politischer Natur, die sich aus dem Kalten Krieg ergaben. Der Disput zwischen Ost und West f\u00fchrte zu absurden Situationen. In der Bundesrepublik stand schon das Lesen des Neuen Deutschlands und anderer Publikationen der DDR unter Strafe. Gew\u00e4hlte Mandatstr\u00e4ger der KPD, die in der Bundesrepublik seit August 1956 verboten war, mussten sich vor Gericht daf\u00fcr verantworten, dass sie der Wahl entsprechend ihr Mandat weiter aus\u00fcbten. Reisende in die DDR, die sich nicht allein auf den Besuch von Familienangeh\u00f6rigen beschr\u00e4nkt hatten, wurden beobachtet und waren ebenso verd\u00e4chtig wie ehemalige KPD-Mitglieder, die in der Bundesrepublik wohnhaft waren. Heinemann stand einem Anwalt zur Seite, der wegen seiner T\u00e4tigkeit f\u00fcr die KPD vor dem Verbot, also r\u00fcckwirkend, vor Gericht gestellt werden sollte. Nach langwierigen Verhandlungen erkl\u00e4rte das Bundesverfassungsgericht die entsprechende Strafvorschrift f\u00fcr verfassungswidrig &#150; ein Erfolg f\u00fcr das B\u00fcro Heinemann\/Posser. Kein Wunder, dass das Essener Anwaltsb\u00fcro offiziellen Dienststellen der DDR als vertrauensw\u00fcrdig erschien. Dies nutzten Heinemann und Posser, um Hunderte von B\u00fcrgern aus Zuchth\u00e4usern der DDR zu befreien. Verhaftungen erfolgten dort damals h\u00e4ufig aus nichtigen Gr\u00fcnden. Mal handelte es sich um das \u00dcberbringen von Druckschriften aus dem Westen, die in der DDR verboten waren, mal um finanzielle Hilfeleistungen, meist f\u00fcr Familienangeh\u00f6rige in der DDR. Unter denen, die das B\u00fcro Heinemann aus langj\u00e4hriger Haft befreite, war der aus West-Berlin verschleppte Redakteur der Gewerkschaftszeitung Metall, Heinz Brandt, ein Fall, der gro\u00dfes Aufsehen erregt hatte. Die Anw\u00e4lte Heinemann und Posser nahmen sich auch Marokkanern und Algeriern an, die von der franz\u00f6sischen Kolonialmacht aus politischen Gr\u00fcnden verfolgt worden waren.<\/p>\n<h5><span id=\"der-weg-in-die-spd\">Der Weg in die SPD<\/span><\/h5>\n<p>Der Kampf der GVP gegen Adenauers Politik war zu Ende. Adenauer hatte alles erreicht, wogegen die GVP jahrelang gek\u00e4mpft hatte. Die Teilung Deutschlands schien zementiert. Die GVP hatte keine Existenzberechtigung mehr. So sahen es die meisten ihrer Mitglieder. Einige erkl\u00e4rten Heinemann, dass sie in die SPD \u00fcberwechseln w\u00fcrden. Heinemann dr\u00fcckte in Publikationen seine Zufriedenheit dar\u00fcber aus, dass sich die SPD in einem Prozess der Wandlung befand und dabei war, ihre Haltung zu Kirche und Wirtschaft entscheidend zu \u00e4ndern &#150; zwei Themen, die Heinemanns Entschluss 1945, der CDU beizutreten, herbeigef\u00fchrt hatten.<\/p>\n<p>Den Sozialdemokraten entging das nicht. &#132;Wir sind interessiert, daran, dass Sie bei uns mitmachen,&#148; hie\u00df es in einem Brief des Vorsitzenden Erich 011enhauer und seines Stellvertreters Wilhelm Mellies. Sie boten Heinemann den dritten Platz auf der Landesliste von Niedersachsen f\u00fcr die Bundestagswahlen von 1957 an. Als Bedingung daf\u00fcr forderten sie die Aufl\u00f6sung der GVP. Diese wurde am 19. Mai 1957 auf einem au\u00dferordentlichen Parteitag beschlossen, nur f\u00fcnf Jahre nach ihrer Gr\u00fcndung. Eine Woche danach \u00fcbersandte der erste Vorsitzende Gustav Heinemann das Mitgliedsbuch der SPD.<\/p>\n<p>Gleich nach dem \u00dcbertritt st\u00fcrzten sich die\u00a0 neuen Mitglieder an der Seite ihrer SPD-Genossen in den Wahlkampf. Doch auch die Wahlen von 1957 f\u00fchrten keine Ver\u00e4nderungen herbei. Die CDU erreichte die absolute Mehrheit der Zweitstimmen und damit die breiten Unterst\u00fctzung f\u00fcr Adenauers Politik. Heinemann wurde, dank seiner guten Platzierung bei der Landesliste Niedersachsens Mitglied des \u00a0Deutschen Bundestages. Dort bot sich Heinemann die M\u00f6glichkeit, von einer bedeutende Plattform aus mit Bundeskanzler Adenau~ abzurechnen. In einer der gro\u00dfen Debatten des Bundestages griff Heinemann Adenauer Deutschlandpolitik an, von der er sagte,\u00a0er habe nichts erbracht. Die DDR habe durch seine Politik nur noch gr\u00f6\u00dfere Anerkennung in der Welt erfahren. \u00c4hnlich sei es mit der Sowjetunion, die durch die Zementierung die\u00a0 \u00a0Teilung Deutschlands ihren kommunistische Block noch habe st\u00e4rken k\u00f6nnen. Einen H\u00f6hepunkt erreichte seine Rede, als er die Wortwahl der CDU-Propaganda anprangerte, in der man vom ,Untier im Osten&#8216; und vom ,Antichristen&#8216; sprach, den es aufzuhalten gelte. A die evangelischen Mitglieder der CDU appellierte er: &#132;Sorgen Sie doch daf\u00fcr, dass solch Kl\u00e4nge endlich verschwinden. Es geht nicht um Christentum gegen Marxismus.&#148; &#132;Sondern sondern?&#148; t\u00f6nte es von den Parlamentarier der CDU. Heinemann antwortete: &#132;Es geht die Erkenntnis, dass Christus nicht gegen Karl Marx gestorben ist, sondern f\u00fcr uns alle.&#148; Diese Rede machte ihn zu einem der herausragen den Sozialdemokraten, der in mancher Hinsicht eine bis dahin unbekannte Diktion in die politische Debatte eingef\u00fchrt hatte.<\/p>\n<p>Es ist verst\u00e4ndlich, dass der SPD-Parteitag von 1958 Heinemann in den Parteivorstand w\u00e4hlte, obwohl er nur ein Jahr Mitglied de Partei war. Normalerweise muss sich bekanntlich ein Mitglied in der Partei ,hocharbeiten` bevor er zur Wahl f\u00fcr das h\u00f6chste Gremium aufgestellt wird. Dieser rasche Aufstieg hatte nat\u00fcrlich mit der Neuorientierung der Partei zu tun, an der Heinemann schon ma\u00dfgeblich mit-gewirkt hatte. Sie gipfelte in der Abfassung des Godesberger Programms von 1959, das der SPD den Charakter einer Volkspartei verlieh, Schluss machte mit der Idee des Klassenkampfes und der Ablehnung von Kirche und Christentum.<\/p>\n<h5><span id=\"wirken-fuer-die-sozialdemokratie\">Wirken f&uuml;r die Sozial&shy;de&shy;mo&shy;kratie<\/span><\/h5>\n<p>Heinemann war nun Mitglied einer Partei, die den anderen, denen er zuvor angeh\u00f6rt hatte, nicht glich. Die CDU war von Adenauer geleitet und gepr\u00e4gt worden. Dabei war der Einfluss der katholischen Kirche erheblich gewesen. Adenauer hatte es auch geschehen lassen, dass alte Nazis neu geschaffene Staatsorgane leiteten, vielfach ungeachtet ihrer Anteile an Nazi-Verbrechen. Anders als in der SPD waren politische Diskussionen innerhalb der CDU weit weniger intensiv. Die von Heinemann gegr\u00fcndete GVP war eine Art politischer Klub gewesen, der sich aus Mitgliedern des protestantisch liberalen B\u00fcrgertums rekrutierte. Ihr politischer Kampf galt der Wiedervereinigung und einer darauf basierenden gesamtdeutschen Politik sowie einer Au\u00dfenpolitik frei von jeder Blockbildung. Die SPD war eine Massenpartei mit unterschiedlichen politischen Fl\u00fcgeln, mit Menschen aus allen Schichten, von denen viele noch aus der Weimarer Zeit mit ihr verwachsen waren, darunter Verfolgte des Naziregimes, die f\u00fcr die Politik ihrer Partei gelitten hatten.<\/p>\n<p>F\u00fcr Heinemann war die Mitgliedschaft in der SPD eine neue Erfahrung. In politischer Hinsicht gab es keine Verst\u00e4ndigungsschwierigkeiten. Anders war es mit den menschlichen Beziehungen. Die in der SPD \u00fcbliche Anrede &#132;Genosse&#148; kam ihm nie \u00fcber die Lippen. Sie war f\u00fcr ihn ein alter Zopf aus der Zeit des Klassenkampfes. Alte Sozialdemokraten erinnern sich noch heute, wie schwer es ihnen fiel, Heinemann, der so offensichtlich b\u00fcrgerlicher Herkunft war, mit ,Du` anzureden. Und doch achteten sie diesen Mann, seine Haltung in der Nazizeit, seine strikte Ablehnung der Politik Adenauers, sein Eingreifen f\u00fcr politisch Verfolgte und seine uneigenn\u00fctzige Mitarbeit in der Partei. Dennoch: Er blieb ein Fremder f\u00fcr die meisten Genossen. Dem Anschein nach bem\u00fchte er sich, akzeptiert zu werden, dazuzugeh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Er pflegte freie Abende in Bonn in der seiner Wohnung nahen Kneipe Rheinlust zu verbringen. Dort traf er mit Sozialdemokraten zusammen, die sich &#132;Kanalarbeiter&#148; nannten und die haupts\u00e4chlich dorthin kamen, um zu politisieren: Viele von ihnen waren Hinterb\u00e4nkler im Parlament und standen meist auf der konservativen Seite der Partei. Sie waren eine ernstzunehmende Gruppe &#150; zwischen 80 und 100 Personen &#150;, die Entscheidungen in der Partei und auch im Parlament beeinflussen konnten. Heinemanns Anwesenheit bei den &#132;Kanalarbeitern&#148; galt wohl weniger einem Wunsch nach politischer Aussprache: Dort hatte er Gelegenheit, Skat zu spielen, eine Leidenschaft von Jugend an. Er pflegte auch an den von den &#132;Kanalarbeitern&#148; organisierten Dampferfahrten auf dem Rhein teilzunehmen, sehr zur Verwunderung der Genossen. Die ehemalige Abgeordnete Luise Herklotz konnte sich nicht daran erinnern, dass er sie jemals in ihrer politischen Entscheidung zu beeinflussen suchte. Nur einmal, 1968, als es um die umstrittenen und vornehmlich von der Studentenbewegung bek\u00e4mpften Notstandsgesetze ging, riet er ihr, ihre Stimme ruhig f\u00fcr die Gesetze abzugeben: Diese seien doch nur eine stinken-de Leiche, nach der Abstimmung w\u00fcrde kein Mensch mehr \u00fcber sie reden.<\/p>\n<h5><span id=\"gegen-die-atombewaffnung\">Gegen die Atombewaff&shy;nung<\/span><\/h5>\n<p>Heinemann erwies sich als brillanter Redner im Parlament; vor allem, wenn es um Gewissensentscheidungen ging. An der Aufrichtigkeit seiner Argumente wagten selbst die politischen Gegner nicht zu zweifeln. Die CDU f\u00fcrchtete ihn. Zu gut kannte er sie aus der gemeinsamen Vergangenheit, ihre Denkweise, ihre Argumente. Im M\u00e4rz 1958 lag dem Parlament eine Entschlie\u00dfung vor, nach der &#132;angesichts der Aufr\u00fcstung des m\u00f6glichen Gegners&#148; die Bundeswehr mit modernsten Waffen &#150; sprich Atomwaffen &#150; ausger\u00fcstet werden sollte. Dies sollte im Rahmen der NATO geschehen. F\u00fcr Heinemann gab es zu diesem Thema nur ein striktes Nein. In einer viel beachteten Rede stellte Heinemann die Frage an eine &#132;sich christlich nennende Partei&#148;, welcher Ma\u00dfstab es ihr erlaube, den Einsatz von Massenvernichtungswaffen zu bef\u00fcrworten. Nie zuvor hatte es ein Politiker der Opposition im Parlament gewagt, Zweifel an der christlichen Verantwortung der f\u00fchrenden Regierungspartei auszusprechen.<\/p>\n<p>Es war das Jahr 1961, Wahlen standen bevor. Das Thema &#132;Atomwaffen f\u00fcr die Bundeswehr&#148; spielte im Wahlkampf eine Rolle. In der SPD differierten die Ansichten. Willy Brandt, Vorsitzender der SPD und Regierender B\u00fcrgermeister von West-Berlin, geh\u00f6rte zu denen, die sich in dieser Frage nicht festlegen wollten. Heinemann schlug vor, die unterschiedlichen Auffassungen zur Atompolitik sollten nebeneinander existieren. Keine der Gruppen d\u00fcrfte die Partei im ganzen auf ihren Standpunkt festlegen. Und so geschah es auch. Als logische Konsequenz stimmte Heinemann dem Vorschlag zu, dass sein Name auf der Liste der Regierungsmannschaft, die die SPD dem Wahlvolk pr\u00e4sentieren wollte, nicht auf-gef\u00fchrt wurde. In diesem Falle erwies er sich zum ersten Mal als Parteipolitiker, der Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr aufbrachte, dass sein Name die Partei in dieser Frage kompromittieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Das Thema war bald vom Tisch, als John F. Kennedy zum Pr\u00e4sidenten der Vereinigten Staaten gew\u00e4hlt worden war. An Stelle der Konfrontation der Bl\u00f6cke sollten nun Versuche der Kooperation stehen. Eine mit Atomwaffen ger\u00fcstete Bundeswehr passte nicht in diese Politik der Entspannung.<\/p>\n<h5><span id=\"justizminister-in-der-grossen-koalition\">Justiz&shy;mi&shy;nister in der Gro&szlig;en Koalition<\/span><\/h5>\n<p>&#132;Bist Du bereit&#148;? Mit diesen Worten f\u00fcr Willy Brandt 1966 bei Heinemann an, ob den Posten des Justizministers \u00fcbernehmen w\u00fcrde. Die SPD hatte der Bildung einer ( gro\u00dfen Koalition mit der CDU zugestimmt.<\/p>\n<p>uns entf\u00e4llt unter anderem das Justizministerium,&#8220; erkl\u00e4rte Brandt, Vizekanzler und Au\u00dfenminister in dieser Koalition, die nach Wahlen von 1965 zustande gekommen war diesen Wahlen hatte die CDU gro\u00dfe Verluste hinnehmen m\u00fcssen. Die Fortsetzung der Koalition mit der FDP h\u00e4tte keine absolute Mehrheit zustande gebracht. Eine Koalition der S mit der FDP h\u00e4tte ebenfalls nur mit einer\u00a0 Mehrheit regieren k\u00f6nnen. In einer gro\u00dfen Koalition sahen die Sozialdemokraten erste Mal eine M\u00f6glichkeit, ihre Regierungsf\u00e4higkeit unter Beweis zu stellen. Sie nahm sogar einen Bundeskanzler Kiesinger in der Mitglied der NSDAP gewesen war. Es war klar, dass diese Regierung, der eine kleine Opposition gegen\u00fcberstand, nur eine \u00dcbergangsregierung sein w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Am 1. Dezember 1966 \u00fcberreichte Bundespr\u00e4sident Heinrich L\u00fcbke Gustav Heinemann die Ernennungsurkunde. Dieser bemerkte zu: &#132;Bei diesem Regierungswechsel verlief Professor Erhard und Hans Christoph S -ohm als letzte der noch aus der Adenauer Regierung von 1949 verbliebenen Mitglied die Regierungsbank. Ich, der ich die Adenauers Regierung als erster verlie\u00df, nehme wieder darauf Platz.&#148;<br \/>&#132;Darf ich mich vorstellen, ich bin Gustav&#8216; der Neunte,&#148; so f\u00fchrte sich Gustav Heinemann auf seiner ersten Pressekonferenz als neuer Amtsinhaber ein. Er bewies sofort, dass er seinen Vorg\u00e4ngern nicht glich. Er begann mit Reformen der Rechtsprechung, die seiner Meinung nach \u00fcberf\u00e4llig waren. &#132;Er war nur Monate im Amt, eine kurze Zeitspanne, aber die reichte aus, um die rechtspolitische Szene in der Bundesrepublik von Grund auf zu ver\u00e4ndern.&#148; So Rudolf Wassermann, sein Presssprecher zu jener Zeit. Der Eifer, mit dem er ans Werk ging, zeigte, dass er in seinem Element war. Er war selbstst\u00e4ndig und konnte et-was ausfechten &#151; so wie er es sich als junger Mensch f\u00fcr seinen Beruf ausgemalt hatte. Seine juristischen Kenntnisse und Erfahrungen bildeten die Grundlage f\u00fcr sein Ziel, den Menschen ein Leben mit mehr Rechten und mehr Gerechtigkeit zu schaffen. Die Hauptaufgabe sah Heinemann in der Reform des Strafgesetzbuches, dessen Bestimmungen zu einem gro\u00dfen Teil noch auf das Jahr 1871 zur\u00fcckgingen. Das politische Strafrecht, das 1951 unter dem Eindruck des Kalten Krieges versch\u00e4rft worden war, wurde wesentlich eingeschr\u00e4nkt. Die Unrechtm\u00e4\u00dfigkeiten dieser Strafen waren Heinemann aus seiner Anwaltspraxis bekannt. Eine Amnestie f\u00fcr jene, die unter dieser Gesetzgebung verurteilt worden waren, folgte. F\u00fcr die Aufhebung der Verj\u00e4hrung von NS-Verbrechen, um die seit 1965 im Parlament gerungen worden war, setzte sich Heinemann mit besonderem Nachdruck ein, wohl in Erinnerung an die Juden von Essen, denen Heinemann und seine Freunde in ihrer Not zur Seite gestanden hatten. Strafvorschriften f\u00fcr Gottesl\u00e4sterung, Ehebruch, Homosexualit\u00e4t unter Erwachsenen und Sodomie wurden ab-geschafft. Es blieb nicht aus, dass er angegriffen wurde, gerade von jenen, mit denen er religi\u00f6se Ansichten, was Ehebruch oder Sexualit\u00e4t betraf, teilte. Seine Reaktion darauf wurde zu einem Standardsatz von gro\u00dfer Akzeptanz: &#132;Nicht alles, was sittlich unerlaubt ist, muss in der freiheitlichen Demokratie bestraft werden.&#148; Insgesamt legte er dem Parlament 37 Gesetzesvorlagen vor, die drastische Ver\u00e4nderungen des Strafrechts bewirken sollten. Zwanzig davon sind bis zu seinem R\u00fccktritt in Kraft getreten. Einige Reformen scheiterten am Widerstand des Koalitionspartners, der CDU. Gustav Heinemann war der bisher erfolgreichste Justizminister der Bundesrepublik. &#132;Bundesjustizminister bin ich wirklich gern gewesen&#148; &#151; so lautete Heinemanns Kommentar.<br \/>Kr\u00f6nung eines Lebenswegs: Bundespr\u00e4sident 1969-1974<\/p>\n<p>Zweifellos haben die drastischen Reformen, die Heinemann in der Rechtsprechung ein-f\u00fchrte, mitgeholfen, die Atmosph\u00e4re in Deutschland von einer streng konservativen Ausrichtung zu einer fortschrittlicheren, lockeren Gesellschaft zu wandeln. In seine Zeit fielen die Studentenunruhen, die von der Mehrheit der Bev\u00f6lkerung mit Emp\u00f6rung beobachtet wurden. Als es schlie\u00dflich zum Attentat auf den Anf\u00fchrer der Studenten, Rudi Dutschke, im April 1968 kam, war es Heinemann, der in einer Fernsehansprache auf die Ursachen des Unmuts der Studenten hinwies: &#132;Wer mit dem Zeigefinger [..,] auf den oder die vermeintlichen Anstifter oder Drahtzieher zeigt, sollte daran denken, dass in der Hand mit dem aus-gestreckten Zeigefinger zugleich drei andere Finger auf ihn selber zur\u00fcckweisen.&#148; Und er fragte die \u00e4ltere Generation, ob sie nicht l\u00e4ngst den Kontakt zu den Jungen verloren habe. Er bat sie um Selbstbeherrschung. Den Studenten wiederum sollten verstehen, dass Ausschreitungen und Gewalttaten nur das Gegenteil von dem erreichen, was sie erreichen wollten.<\/p>\n<p>Auch die Frage, die Willy Brandt nur zwei Jahre nach Heinemanns Ernennung zum Justizminister an ihn richtete, verneinte er nicht. Er sagte unumwunden &#132;Ja&#148; zur Kandidatur f\u00fcr das Amt des Bundespr\u00e4sidenten. Er war zu dieser Zeit siebzig Jahre alt. Ob er wohl bei seiner Zustimmung seinen Lebenslauf \u00fcberdacht hatte und zu der Erkenntnis kam, dass die Position des Bundespr\u00e4sidenten der logische Schlusspunkt seines Lebens w\u00fcrde? Ein Bundespr\u00e4sident hat kein Recht, sich in die Politik einzumischen, wohl aber seine pers\u00f6nliche Meinung zu sagen, zu mahnen und zu warnen. Heinemann war eigentlich kein Politiker, der sich dieser Zunft verschrieben hatte. Eher war er ein politischer Mensch, f\u00fcr den Politik christliche Verantwortung war im Sinne von ethischer Moral, zu der er sich Zeit seines Lebens bekannt hatte. Dazu geh\u00f6rte, dass er am \u00f6ffentlichen Leben Anteil nahm und dabei sein Wissen \u00fcber die Wirtschaft, die Wissenschaft, die Kirche und die Politik und sein breites Allgemeinwissen einbrachte. Seine Eignung zum Bundespr\u00e4sidenten k\u00f6nnte nicht vollkommener gewesen sein.<\/p>\n<p>Doch bevor es dazu kommen konnte, er-lebte Heinemann die damalige deutsche Wirklichkeit. Die CDU, aus der er vor 17 Jahren ausgetreten war, versuchte alles, um ihn als Kandidaten f\u00fcr den Bundespr\u00e4sidenten zu disqualifizieren: Er habe zu oft das &#132;politische Hemd&#148; gewechselt, um ein Vorbild zu sein. Erst 1945 habe er die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit wieder angenommen (was eine faustdicke L\u00fcge war). Sein Eintreten f\u00fcr eine Neutralit\u00e4tspolitik, sein Kampf gegen einen Wehrbeitrag der Bundesrepublik und ihren Eintritt in die Europ\u00e4ische Gemeinschaft empfehlten ihn nicht zum ersten Mann des Staates, so die CDU. Die SPD h\u00e4tte allen Grund gehabt, den Kandidaten der CDU f\u00fcr den Posten des Bundespr\u00e4sidenten anzugreifen: Gerhard Schr\u00f6der war Mitglied der SA gewesen. \u00dcber-dies wollte die CDU seine Kandidatur mit den 22 Stimmen der neonazistischen NPD durch-bringen. Ohne sie und einige Stimmen der FDP, die in ihrer Mehrheit Heinemann w\u00e4hlen wollte, h\u00e4tte Schr\u00f6der keine Chance gehabt. Am 5. M\u00e4rz 1969 waren drei Wahlg\u00e4nge zur Entscheidung n\u00f6tig: Gustav Heinemann wurde schlie\u00dflich zum Bundespr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt &#151; der zweite Sozialdemokrat in Deutschland nach Friedrich Ebert.<\/p>\n<p>Am 1. Juli 1969 sprach Heinemann zum ersten Mal zu seinem Volk. &#132;Ich sehe es als erste Verpflichtung, dem Frieden zu dienen. Nicht der Krieg ist der Ernstfall, in dem der Mensch sich zu bew\u00e4hren habe, wie meine Generation in der kaiserlichen Zeit auf den Schulb\u00e4nken lernte, sondern der Frieden ist der Ernstfall, in dem wir alle uns zu bew\u00e4hren haben.&#148; Erkl\u00e4rend f\u00fcgte er hinzu: &#132;Es gibt schwierige Vaterl\u00e4nder. Eines davon ist Deutschland. Aber es ist unser Vaterland. Hier leben und arbeiten wir. Darum sollen wir unseren Beitrag f\u00fcr die eine Menschheit mit diesem und durch die; unser Land leisten.&#148;<\/p>\n<p>Die Mehrheit der Deutschen nahm ihn bewunderte ihn, achtete ihn, verehrte ihn &#151; c menschliche W\u00e4rme, die\u00a0 trotz seiner spr\u00f6den, herben Erscheinung, d Ungek\u00fcnstelte seiner Sprache und vor alle auch seinen trocknen Humor. Als Umfrage 1970 ergaben, 92 Prozent der Deutschen waren der Meinung, Heinemann mache seine Sache sehr gut, reagierte er mit seinem unsichtbaren Schmunzeln: &#132;Ich stehe jetzt vor der peinlichen Frage, wie ich die restlichen acht Prozent schaffen soll.&#148;<\/p>\n<p>Auch das Ausland akzeptierte ihn, wie noch keinen deutschen Bundespr\u00e4sidenten vor ihm angenommen hatte. Er war der erste Bundespr\u00e4sident, der nach dem Zweiten Weltkrieg in die skandinavischen L\u00e4nder, nach Belgien Holland und Luxemburg eingeladen wurde Als er mit dem d\u00e4nischen K\u00f6nig einen Bauernhof besuchte, beschmutzte ihn eine Kuh] &#132;Ein antideutsches Rindvieh&#148;, lachte er; ein Wort, das in D\u00e4nemark lange unvergessen blieb. Der damalige Kronprinz von Spanische Juan Carlos, bat ihn einmal um den Rat &#132;einweisen Mannes&#148;. Dieser Rat bezog sich auf die Frage, wie er zur Festigung der Demokratie beitragen k\u00f6nne. Heinemann antwortete &#132;H\u00f6re Sie auf die Arbeiterschaft, auf die Gewerkschaften und nicht so sehr auf die Adligen Ihre Landes und schon gar nicht auf die Faschisten.&#8216;<\/p>\n<p>Eine zweite Amtsperiode lehnte Heinemann ab. Er wolle nicht w\u00e4hrend seiner Pr\u00e4sidentschaft sterben. Die Verwechslung zweier St\u00e4dtenamen anl\u00e4sslich eines Staatsbesuch best\u00e4tigten ihm, dass es Zeit war zu gehen 1974 trat er ab. Zwei Jahre sp\u00e4ter starb er. Eine Nierentransplantation, die ihm das Lebe] vielleicht verl\u00e4ngert h\u00e4tte, lehnte er ab. De Satz, der ihn charakterisierte, seine Offenheit seinen Humor und vor allem seine Menschlichkeit, ist bei vielen Deutschen in Erinnerung; geblieben: Auf die Frage eines Reporters, ob er den Staat liebe, antwortete er: &#132;Ach was, ich liebe keinen Staat, ich liebe meine Frau.&#148;<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[2525,667],"autoren":[2290],"publikationen":[2813],"class_list":["post-11977","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-verband-hu-geschichte","tag-vorgaenge-artikel","autoren-inge-deutschkron","publikationen-169-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Gustav Heinemann \u0097 Logik eines Lebens - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/169-vorgaenge\/publikation\/gustav-heinemann-logik-eines-lebens\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Gustav Heinemann \u0097 Logik eines Lebens - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"aus: Vorg\u00e4nge Nr. 169 (Heft 1\/2005), S. 108-125 Rechtsanwalt wolle er werden. 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