{"id":12104,"date":"1975-11-16T12:20:00","date_gmt":"1975-11-16T11:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/das-unterentwickelte-demokratieverstaendnis-im-deutschen-protestantismus\/"},"modified":"1975-11-16T12:00:00","modified_gmt":"1975-11-16T11:00:00","slug":"das-unterentwickelte-demokratieverstaendnis-im-deutschen-protestantismus","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/16\/publikation\/das-unterentwickelte-demokratieverstaendnis-im-deutschen-protestantismus\/","title":{"rendered":"Das unterentwickelte Demokratieverst\u00e4ndnis im deutschen Protestantismus"},"content":{"rendered":"<p>aus: vorg\u00e4nge Nr. 16 (Heft 4\/1975), S. 78-81<\/p>\n<p>I.<\/p>\n<p>In seiner Vorlesung anl\u00e4\u00dflich der Verleihung der W\u00fcrde eines Ehrendoktors der Theologie durch die Evangelisch-theologische Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Bonn sagte Gustav Heinemann: &#132;Der Durchbruch zur Demokratie im Jahre 1918 hatte sich nicht nur ohne christliche Beteiligung vollzogen, sondern geradezu gegen den Willen vor allem der evangelischen Kirchen&#148; [1]. Ein antidemokratischer Konservativismus deutschnationaler und v\u00f6lkischer Pr\u00e4gung bestimmte viele evangelische Christen in der Weimarer Republik. Wohl wurde diese Verquickung der nationalen Ideenwelt mit dem Protestantismus u a durch die Theologie Karl Barths nachdr\u00fccklich in Frage gestellt, aber \u00fcberwunden wurde sie nicht &#150; auch nicht durch den Kirchenkampf. Es ist erschreckend, wie nahezu ungebrochen diese traditionelle Haltung evangelischer Christen die Jahre der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft \u00fcberstanden hat. Das wurde in der Reaktion kirchlicher Kreise auf die &#132;Stuttgarter Erkl\u00e4rung&#148; des Rates der EKD von 1945 und das &#132;Darmst\u00e4dter Wort&#148; des Bruderrates der Bekennenden Kirchen von 1947 sichtbar.<br \/>Am Schlusse seiner Abhandlung Evangelische Kirche und politische Neuorientierung in Deutschland 1945 schreibt Werner Jochmann darum mit Recht: &#132;Mit ihrer starken Traditionsgebundenheit hat die evangelische Kirche sehr entscheidend die vielen fruchtbaren Ans\u00e4tze zu einer geistigen und politischen Neuorientierung des deutschen Volkes zunichte gemacht. Da die Kirche im Jahre 1945 und weit dar\u00fcber hinaus eine starke und einflu\u00dfreiche Position im Leben der drei westlichen Besatzungszonen besa\u00df, hat sie damit sehr wesentlich die Voraussetzungen f\u00fcr die Restauration in der Bundesrepublik schaffen helfen. Die Reformer drangen nicht durch&#8220; [2].<br \/>Noch 1956 konnte der G\u00f6ttinger lutherische Theologe Wolfgang Trillhaas sagen, da\u00df f\u00fcr die lutherische Theologie im Problemkreis der politischen Ethik die Demokratie das eigentlich unbew\u00e4ltigte Thema darstelle [3]. Der Beirat f\u00fcr politische Fragen des Zentralkomitees der deutschen Katholiken verabschiedete 1971 &#132;Thesen gegen den Mi\u00dfbrauch der Demokratie&#148;, die im Beirat selbst, aber auch in der katholischen Kirche auf heftige Kritik stie\u00dfen &#150; bis hin zu Urteilen wie &#132;Thesen gegen die Demokratie&#148; und &#132;R\u00fcckfall in Positionen des Katholizismus aus der vorkonziliaren Zeit&#8220; [4]. Man mu\u00df also die Frage stellen, ob die christlichen Kirchen das Thema Demokratie wirklich ausdiskutiert haben oder ob ihr Verh\u00e4ltnis zur Demokratie immer noch in erster Linie formaler, aber nicht inhaltlicher Art ist. Unbeschadet einer grunds\u00e4tzlichen Unterscheidung des kirchlichen und des staatlich-gesellschaftlichen Ansatzes ist Walter Dirks zuzustimmen, wenn er sagt: &#132;Soll ein demokratischer Staat als solcher funktionieren, so wird die Gesellschaft, in der er sich artikuliert und wirkt, in hohem Ma\u00dfe demokratisch sein m\u00fcssen &#8230; auch in anderen Teilstrukturen der Gesellschaft&#8220; [5]. Da\u00df das n\u00f6tig und m\u00f6glich ist, haben vor allem die Angelsachsen \u00fcberzeugend praktiziert. Es ist also entscheidend, da\u00df die geistigen Grundlagen der Demokratie auch inhaltlich akzeptiert und verwirklicht werden.<br \/>In der theologischen Diskussion wie in den kirchenpolitischen und politischen Auseinandersetzungen der 60er und 70er Jahre haben evangelische Theologen und Juristen die anhaltende Aktualit\u00e4t des Problems deutlich gemacht und \u00dcberlegungen zu seiner Weiterf\u00fchrung vorgetragen. Zu nennen sind u a Ulrich Scheuner: &#132;Die rechtsstaatliche Ordnung des Grundgesetzes&#148; und &#132;Kirchen im demokratischen Rechtsstaat&#8220; [6]; Ernst Wolf:&#132;Die rechtsstaatliche Ordnung als theologisches Problem&#8220; [7]; Gustav Heinemann: &#132;Der demokratische Rechtsstaat als theologisches Problem&#8220; [8]; Eduard Lohse: &#132;Die evangelische Kirche und der demokratische Rechtsstaat&#8220; [9]. Der Protestantismus ist in anhaltender Auseinandersetzung um die \u00dcberwindung traditionalistischer Anschauungen und die Herausl\u00f6sung aus \u00fcberkommenen gesellschaftlichen Bindungen begriffen. Die derzeitige &#132;Tendenzwende&#148; &#151; von Kurt Sontheimer als Resignation und Reaktion charakterisiert [10] &#151; sollte man eine Gegenreformation nennen, die die Auseinandersetzungen versch\u00e4rft und die Bem\u00fchungen erschwert, die Frage nach dem Verh\u00e4ltnis des deutschen Protestantismus zur Demokratie endlich eindeutig und positiv zu beantworten.<br \/>Von der gegenw\u00e4rtigen Lage der Demokratie zeichnet Karl Loewenstein ein sehr d\u00fcsteres Bild. Er schreibt in seiner Verfassungslehre: &#132;Eine geschriebene Verfassung umkleidet jedes Regime immer mit einer gewissen Respektabilit\u00e4t. Die J\u00fcnger Maehiavells haben entdeckt, da\u00df das demokratische Credo das Aush\u00e4ngeschild ist, unter dem sie ihrem finsteren Gewerbe nachgehen k\u00f6nnen. Die geschriebene Verfassung ist somit zur Tarn-und Narrenkappe f\u00fcr die nackte Gewalt geworden&#148; [11]. Auf diesem Hintergrund wird die Warnung von Heinrich Albertz verst\u00e4ndlich, der vor der akuten Gefahr eines Obrigkeitsstaates warnt und ein Eintreten der Kirche daf\u00fcr fordert, da\u00df die demokratische Substanz sich laufend weiterentwickelt und tragf\u00e4hig wird; es geh\u00f6re zum besonderen Auftrag der Kirche, Freiheit und Menschlichkeit in der Gesellschaft zu erhalten [12]. Wenn Loewensteins Analyse stimmt, hat die Warnung von Albertz f\u00fcr die Kirche das Gewicht einer dr\u00e4ngenden Aktualit\u00e4t.<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Unter dem Titel <i>Auf einem Auge blind &#151; Unterwanderung der evangelischen Kirche von rechts? <\/i>haben Klaus Ahlheim und Klaus Wiesinger (Studentenpfarrer in Frankfurt und Gemeindepfarrer in Berlin) eine Sammlung von Materialien herausgegeben und interpretiert, die Beachtung verdient [13]. Darstellung und Analyse k\u00f6nnen zum Verst\u00e4ndnis der gegenw\u00e4rtigen kirchlichen und gesellschaftlichen Situation beitragen. Es ist, wie Helmut Gollwitzer im Geleitwort sagt, notwendigerweise eine polemische Schrift, die aber der &#132;Selbstkritik und dem Gespr\u00e4ch und also dem wahren Frieden in der Kirche&#148; [14] dienen soll.<br \/>Sieht man allerdings das in dieser Schrift vorgelegte Material durch und erg\u00e4nzt es noch aus pers\u00f6nlichen Erfahrungen, so wird man nur noch m\u00fchsam die Zuversicht aufbringen, da\u00df das gelingt. Voraussetzung daf\u00fcr w\u00e4re, da\u00df zun\u00e4chst einmal das arge Wort von einer &#132;linken Unterwanderung&#148; der evangelischen Kirche f\u00e4llt. (Die Verfasser der Schrift lehnen diese Formel &#132;Unterwanderung&#148; grunds\u00e4tzlich ab und haben sie eindeutig im &#132;umgekehrten&#148; und &#132;ironischen&#148; Sinne \u00fcbernommen.) Hinter der Behauptung von einer &#132;Unterwanderung&#148; wird ein Denken im &#132;Freund-Feind-Schema&#148; sichtbar, wie es 1932. von Carl Schmitt in seiner Arbeit Der Begriff des Politischen entfaltet wurde und bis heute eine verh\u00e4ngnisvolle Rolle spielt. Wer in diesem Schema denkt und redet, kann sich nur noch mi\u00dfbr\u00e4uchlich auf Bibel und Kirche berufen. Zum anderen schlie\u00dft dieses Denken das Gespr\u00e4ch &#151; das klassische Mittel der Auseinandersetzung in der Demokratie &#151; aus; denn es liegt in seiner Konsequenz, nicht die Kommunikation mit dem Andersdenkenden (auch wenn er irren sollte), sondern seine Ausschaltung und Ausgliederung zu suchen. Es geh\u00f6rt zum Bedr\u00fcckenden an der gegenw\u00e4rtigen Situation in Kirche und Gesellschaft, da\u00df das Gespr\u00e4ch nahezu verstummt ist.<br \/>Diese Haltung schl\u00e4gt sich bei den in dieser Schrift dargestellten Gruppen und Einzelpersonen auch in der geradezu militanten Art nieder, mit der Motive und Handlungen Andersdenkender apostrophiert und teilweise diffamiert werden. Der Gesamteindruck ist: man wei\u00df sich in der Position eines Verteidigers, der Angriffe abzuwehren hat auf einen Besitz kirchlicher Normen und gesellschaftlicher Anschauungen, vorwiegend traditionell national-b\u00fcrgerlicher Art, deren absolute Verbindung zu kirchlichen Normen behauptet wird. Das Bild ist vielf\u00e4ltig, im einzelnen ist zu differenzieren. Im Grunde sind aber theologisch-kirchliche und politische Aussagen bei allen Gruppen so eng aufeinander bezogen und so eng miteinander verbunden, da\u00df der Vorwurf einer Politisierung der Kirche durch den &#132;Linksprotestantismus&#148; grotesk erscheinen mu\u00df. Vorwerfen k\u00f6nnte man dem Linksprotestantismus allenfalls, da\u00df er theologisch und politisch andere Positionen einnimmt, z B hinsichtlich der Verbindung von christlichem Glauben und vaterl\u00e4ndischer Gesinnung.<br \/>Ich meine freilich, da\u00df man nicht von einem Abfall der evangelischen Kirche vom Vaterland sprechen darf. Das Vaterland hat aber, u a nach den Erfahrungen zweier Weltkriege, einen anderen Stellenwert erhalten. Es wird nicht bestritten, da\u00df es ein Wert ist, aber dieser Wert wird nicht mehr aus einer g\u00f6ttlichen Sch\u00f6pfungsordnung begr\u00fcndet. H\u00e4lt man jedoch an dieser Begr\u00fcndung fest, dann mu\u00df notwendigerweise jede Aussage zum Vaterland absoluten Charakter tragen und jede andere Meinung konsequent bek\u00e4mpft werden.<br \/>In diesen Zusammenhang geh\u00f6ren auch Aussagen zum sogenannten &#132;westlichen Denken&#148;, dessen Wurzeln, so scheint es mitunter, vorwiegend in der Franz\u00f6sischen Revolution gesehen werden. Sicher ist als Folge u a der Napoleonischen Kriege und des 1. Weltkrieges das Verh\u00e4ltnis vor allem des deutschen B\u00fcrgertums zum westlichen Denken beeintr\u00e4chtigt worden. Es ist darum, so scheint mir, positiv zu bewerten, da\u00df als Folge des 2. Weltkrieges endlich die breite \u00d6ffnung zum Westen erfolgt ist und da\u00df &#132;westliches Denken&#148; die Barriere der Distanz in Deutschland \u00fcberwunden hat. Darum k\u00f6nnen zB die Attacken auf den sogenannten &#132;Intellektualismus&#148; (j\u00fcngst wieder Schelsky und Steinbuch) nur noch anachronistisch und peinlich wirken. Weiter fallen abwertende S\u00e4tze \u00fcber die sogenannte &#132;Demokratisierung&#148; auf. Selbst wenn in diesem Proze\u00df \u00dcberbordungen festzustellen w\u00e4ren, k\u00f6nnte das nur Anla\u00df zu verst\u00e4rkter Mitarbeit, nicht aber zu einer Abwertung sein. Sind doch unter Demokratisierung alle Bem\u00fchungen zu verstehen, die &#132;demokratische Substanz weiter zu entwickeln und tragf\u00e4hig&#148; zu machen. Die damit des \u00f6fteren verbundene Behauptung, da\u00df eine &#132;Demokratisierung&#148; der Kirche dem Wesen der Kirche widerspr\u00e4che, m\u00fc\u00dfte zumindest eine Antwort versuchen auf die Frage, wie es denn um die Schriftgem\u00e4\u00dfheit demokratisch verfa\u00dfter Kirchen z B in den angels\u00e4chsischen L\u00e4ndern bestellt ist. Im \u00fcbrigen w\u00e4re nach reformatorischem Verst\u00e4ndnis ein hierarchisches Prinzip ohne biblische Grundlage. Man ist wirklich versucht, die Frage nach dem demokratischen Bewu\u00dftsein einiger Kirchenpolitiker und Publizisten zu stellen! Wird hier nicht das traditionelle Mi\u00dftrauen gegen &#132;westliches Denken&#148; wieder sichtbar?<br \/>Bei den Angriffen auf die &#132;Linksprotestanten&#148; spielen Marxismus und Kommunismus eine entscheidende Rolle. Auffallend ist die Ma\u00dflosigkeit der Angriffe und die gef\u00e4hrliche Vereinfachung der Probleme. Eine 1967 anonym ver\u00f6ffentlichte Schrift &#151; man kann die Verfasser nur ahnen &#151; mit dem Titel Politik in der Kirche. Schwarmgeisterei oder fremde Machtpolitik? soll beweisen, da\u00df die &#132;Linksprotestanten&#148; von Moskau aus ferngesteuert werden. &#132;Es mu\u00df mit aller Deutlichkeit ausgesprochen werden, da\u00df die kommunistische Propaganda in der Evangelischen Kirche ein dank-bares Objekt f\u00fcr ihre offenen und versteckten Subversions- und Infiltrationsbem\u00fchungen gefunden hat&#148; [15]. Es ist schon mehr als infam, wenn diese Schrift vorwiegend an Industrielle versandt wurde &#151; mit dem Hinweis, da\u00df nach kommunistischer Auffassung der Kapitalismus in raschem Verfallsproze\u00df sei, wobei der heutige Protestantismus eine zentrale Rolle spiele. Gleichzeitig wurde um Spenden (gegen Spendenbest\u00e4tigung) gebeten. Bemerkenswert ist an diesem Vorgang auch &#151; man kann das auch sonst beobachten &#151; die R\u00fccksichtslosigkeit, mit der die Kirche als Kirche in Verruf gebracht wird, wenn es sich als n\u00fctzlich erweist. Was hat das mit Christentum und Kirche zu tun? Hier dominieren politische und wahrscheinlich auch wirtschaftliche Interessen! Wer schiebt hier eigentlich prinzipielle Einsichten des Neuen Testaments beiseite und beschreitet auf dem Felde der politischen Ethik falsche Wege? Das Wort Heuchelei d\u00fcrfte zu schwach sein, diesen Vorgang angemessen zu charakterisieren.<br \/>Es ist zu begr\u00fc\u00dfen, da\u00df die Schrift von Ahlheim und Wiesinger die &#147;Linksprotestanten&#8220;rede von Kai-Uwe v. Hassel aus dem Jahre 1965 in wesentlichen Teilen wiedergibt und sie damit einer breiteren \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich macht. \u00dcber die Analyse der \u00e4u\u00dferen und inneren Probleme h\u00e4tte in dieser Rede sorgf\u00e4ltiger und differenzierter gesprochen werden m\u00fcssen. Aber da\u00df von Christen, die sich \u00fcber den Kommunismus und Marxismus Gedanken machen, was die Kirchen leider jahrzehntelang vers\u00e4umt haben, gesagt wird, sie seien Ignoranten, die die Wirklichkeit und die Situation der Kirche im Kommunismus nicht sehen oder wahrhaben wollten und dienten einem Totalitarismus, der Freiheit, W\u00fcrde und Recht des Menschen zerst\u00f6rt und ihr Gotteshaus in Traktorenstationen verwandelt: das verr\u00e4t eine Haltung im Umgang mit Andersdenkenden, die schwerlich Kirche und Christentum f\u00fcr sich in Anspruch nehmen kann. Und das alles unter der Ideologie des Antichristen &#8230; Auch hier f\u00e4llt auf, da\u00df es eine R\u00fccksichtnahme auf die Kirche als Kirche unter bestimmten Voraussetzungen offenbar nicht gibt. Damit wird naturgem\u00e4\u00df die Glaubw\u00fcrdigkeit dieser Aussagen in ihrer kirchlichen Begr\u00fcndung fragw\u00fcrdig.<br \/>Dasselbe gilt f\u00fcr die Rolle, die das Mitglied der Synode und des Berliner Abgeordnetenhauses und Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises Ursula Besser in der konzertierten Aktion gegen Kurt Scharf, die Heinrich B\u00f6ll mit Recht eine Christenverfolgung genannt hat, u a auch publizistisch gespielt hat.<br \/>Aus dem umfassenden Material der Schrift k\u00f6nnen hier nur einige Punkte herausgegriffen werden. Die einzelnen Gruppierungen und Organisationen, die umfassend beschrieben werden &#151; genannt seien &#132;Die evangelische Notgemeinschaft in Deutschland&#148; und &#132;Der Gelbe Kreis&#148;, aber auch der &#132;Evangelische Arbeitskreis der CD U\/ CSU&#147; &#151; stehen untereinander in Verbindung, teils organisatorisch, teils durch einzelne Personen, lockerer oder enger. Sie werden von der Publizistik unterst\u00fctzt, zu der intensive Verbindungen bestehen. Der Name H. G. v. Studnitz ist u a bekannt durch anma\u00dfende Angriffe in seinem Buch Ist Gott Mitl\u00e4ufer?, der Name Motschmann findet sich u a in Leserbriefen der Springer-Presse, Petersmann ist bekannt durch seinen Kampf gegen die &#132;Ostdenkschrift&#148; und seine Bundestagskandidatur auf der Liste der NPD.<br \/>Die Ereignisse der letzten Jahre, etwa die Angriffe auf Eduard Lohse 1972 und Kurt Scharf 1974\/75, haben gezeigt, da\u00df die Arbeit dieser Gruppen und ihrer publizistischen Helfer nicht ohne Wirkung geblieben ist. Pauschale Angriffe gegen die Evangelischen Studentengemeinden &#151; 1961 durch v. Hassel eingeleitet &#151; und ihr publizistisches Echo haben mindestens die Folge gehabt, da\u00df die ohnehin wenig positive Einstellung gegen-\u00fcber kritischen jungen Menschen in der Bundesrepublik noch negativer geworden ist.<br \/>Das Antirassismusprogramm und die &#132;Politische Disziplinierung von Pfarrern&#148; werden in dem Buch von Ahlheim und Wiesinger ausf\u00fchrlich behandelt. Das politische und kirchliche Klima ist zweifellos negativ beeinflu\u00dft worden.<\/p>\n<p>Die vorliegende Schrift ist von beachtlichem Informationswert und gibt durch ihre Analysen Anla\u00df zu kritischen \u00dcberlegungen \u00fcber die Situation in Kirche und Gesellschaft. Sie macht deutlich, da\u00df die Absolutsetzung eigener Anschauungen, die<br \/>Verweigerung des Gespr\u00e4ches und die Verketzerung Andersdenkender Situationen heraufbeschw\u00f6rt, die die Kirche wie die demokratische Gesellschaft an der Wurzel treffen. Christen werden hier bedingungslos f\u00fcr eine \u00c4nderung zu k\u00e4mpfen haben. Damit gehen sie ihren eigenen Weg, den sie durchhalten m\u00fcssen, auch wenn &#132;Der Griff nach der Kirche&#148; aus politischen und wirtschaftlichen Interessen st\u00e4rker wird. Die \u00c4u\u00dferungen von Kurt Biedenkopf, da\u00df in Zukunft die Partei bestimmen werde, was in der Politik christlich sei [16], werden zu harten Auseinandersetzungen f\u00fchren. Da\u00df aber Kirche Kirche bleiben mu\u00df, gilt nicht zuletzt f\u00fcr die Gruppen und Personen, mit denen diese Zeilen sich besch\u00e4ftigt haben!<\/p>\n<p>Verweise:<\/p>\n<p>1 Bulletin, 1967, Nr 152, S 1278. <br \/>2 Geiss\/Wendt: Deutschland in der Weltpolitik des 19, und 20. Jahrhunderts. Fritz Fischer zum 65. Geburstag. 1973. S. 562.<br \/>3 DomboislWilkens: Beitr\u00e4ge zur lutherischen Staatslehre der Gegenwart. 1956. S. 26.<br \/>4 Katholische Landjugend: 2. Ferienseminar des Cusanuswerkes. Zitiert in &#132;Stimme der Gemeinde&#148;, 1973, Nr 19, S. 291.<br \/>5 Frankfurter Hefte, 1969, S. 469 ff und 637 ff.<br \/>6 Theologische Existenz heute, 1964, Nr 119, S ll.; Lutherische Monatshefte, 1973, Nr 2, S. 76.<br \/>7 Theol Existenz heute, 1964, Nr 119, S. 28.<br \/>8 Bulletin, 1967, Nr 152, S. 1277.<br \/>9 Luth Monatshefte, 1975, Nr 4, S. 218.<br \/>10 Deutsche Zeitung, 26.4.1974.<br \/>11 Verfassungslehre, 1956, S. 148f.<br \/>12 Ev Pressedienst, Zentralausgabe, 1974, Nr 234.<br \/>13 Peter Hammer Verlag, Wuppertal, 1975.<br \/>14 S. 9.<br \/>15 S. 49, dort auch die Quellenangabe.<br \/>16 Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt, 31.3. u. 21.4.1974; s auch Erhard Eppler in: DAS, 28. 4.1974.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[2359],"publikationen":[856],"class_list":["post-12104","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-joachim-ziegenruecker","publikationen-856"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Das unterentwickelte Demokratieverst\u00e4ndnis im deutschen Protestantismus - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/16\/publikation\/das-unterentwickelte-demokratieverstaendnis-im-deutschen-protestantismus\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Das unterentwickelte Demokratieverst\u00e4ndnis im deutschen Protestantismus - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"aus: vorg\u00e4nge Nr. 16 (Heft 4\/1975), S. 78-81 I. 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