{"id":12208,"date":"1997-01-01T15:09:00","date_gmt":"1997-01-01T14:09:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/die-ombudsfrau-des-deutschen-strafvollzugs\/"},"modified":"1997-01-01T12:00:00","modified_gmt":"1997-01-01T11:00:00","slug":"die-ombudsfrau-des-deutschen-strafvollzugs","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/137\/publikation\/die-ombudsfrau-des-deutschen-strafvollzugs\/","title":{"rendered":"Die Ombudsfrau des deutschen Strafvollzugs"},"content":{"rendered":"<p>Laudatio zur Verleihung des Courage-Preises an Birgitta Wolf<\/p>\n<p>Aus: vorg\u00e4nge Nr. 137( Heft \/1997),Seite 132-138<\/p>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Birgitta,<\/p>\n<p>den Courage-Preis sollst Du heute erhalten. Einen Preis f\u00fcr den Mut, mit dem Du Dich in Deinem Leben immer wieder f\u00fcr Menschen in Not eingesetzt hast. Da frage ich mich als erstes: Wie bist Du eigentlich eine derart mutige Person geworden? Hat man Dir diese Tugend in Deiner Familie beigebracht? Oder hast Du es in der Schule gelernt, couragiert zu sein &#151; so, wie man dort den Bauchaufschwung am Reck erlernt? \u00dcben, \u00fcben, \u00fcben, und irgendwann kann man es? Nein! Ich denke, die Entwicklung zum Mutig sein verl\u00e4uft ganz anders. Vergegenw\u00e4rtigen wir uns doch alle einmal, wie eine Gruppe von kleinen Kindern agiert &#151; etwa in einer Kinderkrippe oder einem Kindergarten, der nicht autorit\u00e4r gef\u00fchrt wird. <br \/>Das Faszinierende an diesen kleinen Menschen ist doch immer wieder ihre unb\u00e4ndige Lebensfreude, ihre Vitalit\u00e4t und ihr Mut, sich auf alle m\u00f6glichen, ihnen noch weitgehend unbekannten Risiken des Lebens einzulassen. Aber dann gibt es da all diese Erziehungspersonen, die einem beibringen, wie man sich einf\u00fcgt in diese Gesellschaft, da\u00df man Autorit\u00e4ten zu respektieren hat, da\u00df Disziplin und Anpassung notwendig sind, da\u00df man gehorchen mu\u00df. Manches an diesen Sozialisationsvorg\u00e4ngen mag ja notwendig sein, damit wir uns in dieser Gesellschaft zurechtfinden und das Zusammenleben von Millionen von Menschen einigerma\u00dfen geordnet abl\u00e4uft. <br \/>Aber eines ist auch klar: Zum Untertanen wird man nicht geboren. Dazu wird man gemacht.<br \/>Eine derartige Abrichtung zum Gehorsam hast Du, Birgitta, offenkundig nicht erlebt. <br \/>Du bist in einem m\u00e4rchenhaften Schloss in Schweden aufgewachsen, umgeben von den kleinen Holzh\u00e4usern der Arbeiter, deren viele Kinder Deine liebsten Spielkameraden waren. Dein Vater, Graf von Rosen, war zwar nach Deinen Schilderungen ein Patriarch von altem Schrot und Korn &#151; also durchaus schon mal j\u00e4hzornig aufbrausend, wenn ihm seine sechs Kinder gar zu sehr auf den Geist gingen. Aber Dich als viertes Kind hat das nicht mehr so hart getroffen. Im Gegenteil: Er hat Dich immer ermutigt, es ihm deutlich zu sagen, wenn er aus Deiner Sicht ungerecht und b\u00f6se gewesen war. So hast Du eine Art Pippi Langstrumpf-Kindheit gehabt &#151; gepr\u00e4gt von gro\u00dfen Freir\u00e4umen, viel Liebe und wenig \u00c4ngsten.<br \/>Als ungez\u00e4hmte, wilde kleine Schwester hast Du offenbar auf einen Deiner Br\u00fcder, den Graf Bj\u00f6rn von Rosen, einen tiefen Eindruck hinterlassen. Er, ein Schriftsteller, hat Dich jedenfalls in einem Kinderbuch verewigt, das den sch\u00f6nen Titel tr\u00e4gt &#132;Das M\u00e4rchen von der ungehorsamen Adeli-Sofi und ihrer furchtbaren Begegnung mit dem Wassermann&#148;. Du hast dieses Kinderbuch Anfang der 40er Jahre ins Deutsche \u00fcbersetzt. Gleich nach seinem Erscheinen wurde es dann jedoch im Jahr 1944 als entartete Kunst eingestuft und verboten. Was war daran so gef\u00e4hrlich f\u00fcr die Nazis? Das war offenkundig die Beschreibung eines kleinen M\u00e4dchens, das lustvoll ungehorsam ist. Ich zitiere: &#132;Wir m\u00f6chten auch mal was Verbotenes tun, nur Ungezogensein macht richtig froh.&#148;<br \/>Gewisserma\u00dfen zur Strafe daf\u00fcr, da\u00df Adeli-Sofi sich diesem Grundsatz gem\u00e4\u00df verh\u00e4lt, wird sie vom m\u00e4chtigen Wassermann in die Tiefen des Meeres entf\u00fchrt. Aber gl\u00fccklich wird er mit<br \/>ihr nicht. Alles Drohen, Umwerben und Flehen hat keine Wirkung. Sie schweigt. Und dann &#150; ich zitiere: &#132;Da sprach sie endlich &#150; doch das Wort war: Nein! Sie \u00f6ffnete den Mund und schrie und schrie, und Schreien konnte Adeli-Sofi! Sie hatte es schon oft ge\u00fcbt zu Haus und brachte jetzt die h\u00f6chsten T\u00f6ne raus.<br \/>Und wie geht es weiter? Der Wassermann gibt entnervt auf und bringt Adeli-Sofi ans Ufer zur\u00fcck. Und die Moral von der Geschicht&#8216;? Sie steht in den letzten beiden Zeilen: &#132;Wenn man nur gen\u00fcgend schreien kann, setzt man sich durch &#150; auch bei dem Wassermann.&#148;<br \/>Klar, da\u00df die Nazis diese Geschichte des erfolgreichen Widerstands eines Kindes nicht geliebt haben.<br \/>Ich denke, das M\u00e4rchen ist symbolisch f\u00fcr das Leben von Birgitta Wolf. Sie hat immer dann laut aufgeschrien, wenn ihr sinnloses Leiden begegnet ist, das andere Menschen absichtlich verursacht haben. Immer dann, wenn sie auf himmelschreiendes Unrecht gesto\u00dfen ist, hat sie sich gerade nicht damit begn\u00fcgt, in einer stillen F\u00fcrbitte den Himmel anzurufen. Sie hat die \u00d6ffentlichkeit alarmiert. Und sie hat mit dem Schreien erst dann aufgeh\u00f6rt, wenn die <br \/>Beh\u00f6rden, die Ministerien oder die verantwortlichen Mitmenschen endlich reagiert und dem jeweiligen Mi\u00dfstand abgeholfen haben.<br \/>Damit w\u00e4re ich eigentlich in meiner Laudatio schon bei der Birgitta angelangt, von der Sie, verehrte Zuh\u00f6rer, heute viel h\u00f6ren wollen. Aber ich bitte um etwas Geduld. Noch einmal will ich zu Birgittas Jugend zur\u00fcckkehren, weil in ihr so viel von dem angelegt wurde, was sie sp\u00e4ter in ihrem Leben getan hat.<br \/>Ich habe es schon erw\u00e4hnt &#150; am liebsten spielt sie mit den Arbeiterkindern in den W\u00e4ldern rund um den geliebten See. Und weil sie im Bogenschie\u00dfen, im Segeln und im Raufen bestens mit den Jungs mithalten kann &#150; beispielsweise wird sie 1929 schwedische Jugendmeisterin im Bogenschie\u00dfen &#150; w\u00e4hlt ihre Gruppe sie zu ihrer gro\u00dfen Freude zum R\u00e4uberhauptmann. <br \/>So wird sie zu einem weiblichen Robin Hood, der sich schon in dieser Zeit f\u00fcr diejenigen einsetzt, die am Rande der Gesellschaft stehen. Dazu ein Beispiel: Am 23. April 1929 l\u00e4dt sie als damals 16j\u00e4hrige im Arbeiterviertel ihres St\u00e4dtchens f\u00fcr 19.00 Uhr in das sogenannte Haus des Volkes zu ihrem ersten \u00f6ffentlichen Vortrag ein. Das Thema lautet &#132;Vorschlag zur Bildung eines Kameradenclubs in Starreholm&#148;. Sie will eine Art Freizeitverein f\u00fcr all diejenigen gr\u00fcnden, die nirgends so richtig dazugeh\u00f6ren und als Habenichtse zum Herumlungern und Zuschauen verurteilt scheinen. Und weil Birgitta davon ausgeht, da\u00df der Saal zu klein sein w\u00fcrde f\u00fcr die vielen Jugendlichen und Erwachsenen, die ihr zuh\u00f6ren wollen, hat sie auf dem Plakat angek\u00fcndigt, da\u00df sie am selben Tag um 20.30 Uhr den Vortrag noch einmal halten werde. An Sendungsbewu\u00dftsein und Selbstvertrauen hat es ihr wahrlich nie gefehlt.<br \/>Ein weiteres Beispiel f\u00fcr ihre au\u00dfergew\u00f6hnliche Courage bietet sie ihren Familienangeh\u00f6rigen und Freunden ein Jahr sp\u00e4ter als 17j\u00e4hrige. Damals ist sie zu Besuch in der Schweiz und reist mit dem Zug von Genf nach Luzern. Unterwegs h\u00e4lt der Zug. Auf dem Nachbargleis schaut ein attraktiver junger Mann aus dem Fenster eines Zuges, der gerade aus der Gegenrichtung eingef\u00e4hrt. Als er Birgitta erblickt &#150; eine hinrei\u00dfende nordische Sch\u00f6nheit, die ihn herzlich anl\u00e4chelt &#150; ist es um ihn geschehen. Er springt aus dem Zug, wechselt hin\u00fcber und nimmt gegen\u00fcber Birgitta Platz. Der Schaffner, der kurze Zeit sp\u00e4ter seinen Fahrschein kontrolliert, meint zwar noch &#132;Junger Mann, Sie sind im falschen Zug&#148;. Aber die beiden jungen Leute sind da offenkundig ganz anderer Ansicht. Einige Stationen sp\u00e4ter &#150; dort, wo der junge Mann zuvor sein Auto geparkt hat &#150; steigen sie beide aus und starten in dem Zweisitzer ihre Reise in ein gemeinsames Leben. Drei Jahre sp\u00e4ter heiraten sie. Und weil er Deutscher ist, landet Birgitta auf diese Weise im Jahr 1933 im Schwarzwald. Hier in unserem Land verkehrt sie alsbald im Kreis der m\u00e4chtigsten Nazi-Gr\u00f6\u00dfen.<\/p>\n<p>Als Verwandte Hermann G\u00f6rings &#150; er hat die j\u00fcngere Schwester ihrer Mutter geheiratet &#150; ist sie oft bei ihm, aber auch bei G\u00f6bbels, bei Speer und sogar bei Hitler zu Gast. Das verf\u00fchrt sie jedoch nicht. Sie bleibt, wie wir gleich sehen werden, ganz die alte.<br \/>Die ersten Jahre in Deutschland ist Birgitta Wolf noch prim\u00e4r damit besch\u00e4ftigt, verliebt zu sein, Kinder in die Welt zu setzen und ihr Familienleben zu gestalten. Doch das \u00e4ndert sich schlagartig, als 1936 die Frau eines Arbeiters, Robert Haist, zu ihr kommt und um Rat und Hilfe bittet. Sie erz\u00e4hlt ihr, da\u00df ihr Mann sozialistische Flugbl\u00e4tter mit der Aufforderung zum Widerstand gegen Hitler verteilt hat. Er sei dabei verhaftet worden und sei seitdem verschwunden. Die Frau bef\u00fcrchtet, da\u00df die Gestapo ihn in ein KZ-Lager abgeschoben hat und dort umbringen w\u00fcrde. Birgitta Wolff z\u00f6gert nicht lange. In einem Gemisch von Naivit\u00e4t und Emp\u00f6rung schreibt sie einen ziemlich impertinenten Brief an den damaligen Leiter des Sicherheitsdienstes des Reichsf\u00fchrers der SS, Reinhold Heydrich, schildert die Situation und ihr v\u00f6lliges Unverst\u00e4ndnis f\u00fcr die Handhabung dieses Falles. Sie fordert, da\u00df der Mann, falls er sich strafbar gemacht habe, einem ordentlichen Gericht zugef\u00fchrt werde und da\u00df man seine Adresse der Ehefrau mitteilt. Und das Wunder geschieht. Man entspricht ihrem Vorschlag. Der Mann wird verurteilt, sitzt noch einige Zeit im Gef\u00e4ngnis und \u00fcberlebt die Nazi-Zeit.<br \/>Seit dieser Geschichte hat Birgitta ihre Augen offen. Mehr und mehr begreift sie, was wirklich in Deutschland abl\u00e4uft. Und sie engagiert sich. Dazu nur drei Beispiele:<\/p>\n<p>&#151;\u00a01938, der Vormittag nach der Reichskristallnacht. Birgitta hat Besuch von ihrer Mutter und ihrem Bruder. Zu dritt protestieren sie \u00f6ffentlich gegen die Ausschreitungen auf der Stra\u00dfe. Alle drei werden von SS-Leuten in ein kleines, f\u00fcr solche F\u00e4lle bereitgestelltes Lokal abgef\u00fchrt. Als man anhand der Personalien feststellt, da\u00df es sich um Verwandte von G\u00f6ring handelt, werden alle drei wieder freigelassen.<br \/>&#151;\u00a0Fr\u00fchjahr 1945: Birgitta Wolf versucht, \u00fcber Hermann G\u00f6ring eine Besuchserlaubnis f\u00fcr das KZ-Au\u00dfenlager Dachau zu bekommen. Sie will dort eine mit ihr verwandte holl\u00e4ndische Widerstandsk\u00e4mpferin besuchen, von der sie wei\u00df, da\u00df diese psychisch in einer sehr bedrohlichen Lage ist. G\u00f6ring telegrafiert und schreibt ihr brieflich, da\u00df ein Besuch v\u00f6llig ausgeschlossen sei. Daraufhin schmuggelt sich Birgitta mit falschen Angaben in das KZ. Es gelingt ihr, die zum Tode verurteilte und danach zu lebenslanger Haft begnadigte Frau zu sprechen und ihr auf schwedisch ermutigende Nachrichten aus der Heimat und zur Kriegslage mitzuteilen.<br \/>&#151; Ebenfalls Fr\u00fchjahr 1945: Die Tochter Birgittas findet im Wald drei v\u00f6llig entkr\u00e4ftete J\u00fcdinnen, die bei einem Transport hatten fliehen k\u00f6nnen. Birgitta versteckt die drei in dem von ihr gemieteten Haus in Grainau bei Garmisch-Partenkirchen, bis das Kriegsende endlich auch das Ende der Nazi-Herrschaft bringt.<br \/>Damit sind bereits in den Jahren von 1936 bis 1945 die drei Elemente der sp\u00e4teren Arbeit von Birgitta Wolf erkennbar, die ab Mitte der 50er Jahre ihren Alltag pr\u00e4gen: <br \/>Die Gefangenenf\u00fcrsorge, die Notaufnahme in ihrem Haus und der \u00f6ffentliche Protest gegen eine inhumane Behandlung von Au\u00dfenseitern dieser Gesellschaft. Zu diesen drei Arbeitsschwerpunkten m\u00f6chte ich jetzt etwas mehr und Genaueres sagen.<br \/>Zun\u00e4chst zur Gefangenenf\u00fcrsorge: Birgitta Wolf k\u00fcmmert sich auch nach 1945 pers\u00f6nlich um Menschen, die sich in Notlagen befinden &#151; vor allem um Gefangene, denen sie Briefe schreibt, die sie in ihren Gef\u00e4ngnissen besucht, denen sie Mut macht, sich pers\u00f6nlich nie aufzugeben, und f\u00fcr deren Belange sie sich gegen\u00fcber den staatlichen Beh\u00f6rden einsetzt. Im Laufe ihres Lebens hat sie von knapp 9.000 Gefangenen ca. 60.000 Briefe erhalten, die sich mit der Bitte um Hilfe oder Rat an sie gewandt haben. <br \/>Diese in Europa wohl einmalige Dokumentation des Erlebens von Strafvollzug durch die Betroffenen hat sie in ihrem Keller ordentlich archiviert. Sp\u00e4ter einmal sollen die Briefe in dem von Jan Philipp Reemtsma gegr\u00fcndeten Hamburger Sozialforschungsinstitut wissenschaftlich ausgewertet werden.<br \/>Auch bei diesem Teil von Birgitta Wolfs Arbeit f\u00e4llt auf, da\u00df sie keine Scheuklappen kennt. Sie versucht jedem zu helfen, der sich in seiner Not an sie wendet. Das gilt selbst f\u00fcr den Henker von Buchenwald, Gerhard Sommer, oder den ebenfalls zu lebenslanger Haft verurteilten Heinrich Baab, der f\u00fcr die Konzentrationslager Judentransporte zusammengestellt hat. Beide haben mehr als 20 Jahre Gef\u00e4ngnis hinter sich, als sie Birgitta schreiben. Beide sind unheilbar krank. Beide sind bereit, sich mit ihren Taten auseinanderzusetzen. Da organisiert Birgitta Wolf, da\u00df ein j\u00fcdischer Wissenschaftler, Prof. Steiner, der selber Auschwitz nur knapp \u00fcberlebt hat und dort seine Mutter verloren hat, mit beiden stundenlang sprechen kann. Danach beantragt er &#150; unterst\u00fctzt von Birgitta Wolf &#150; die Begnadigung der beiden &#150; im Fall von Heinrich Baab mit Erfolg. F\u00fcr Gerhard Sommer gibt es zumindest eine Haftunterbrechung. Er stirbt wenig sp\u00e4ter in den Rummelsberger Anstalten.<br \/>Ein anderes Beispiel: Birgitta Wolf k\u00fcmmert sich auch um Mitglieder der Baader Meinhof-Gruppe bzw. der RAF. Mit insgesamt 17 von ihnen hat sie Briefkontakt. Bei den lebensbedrohlichen Hungerstreiks wird sie als Vermittlerin eingeschaltet. Sie tr\u00e4gt wesentlich dazu bei, da\u00df einige sich von der Gewalt lossagen. Mit mehreren von ihnen wie etwa Horst Mahler entsteht ein intensiver Briefdialog, dem Besuche in der Haft folgen. In dem Fall einer zu lebenslanger Freiheitsstrafe Verurteilten engagiert sich Birgitta nach 12 Jahren Haftverb\u00fc\u00dfung mit gro\u00dfem Einsatz f\u00fcr die Begnadigung durch den Bundespr\u00e4sidenten von Weizs\u00e4cker. Er entspricht ihrem Vorschlag &#150; und er wird daf\u00fcr in der \u00d6ffentlichkeit heftig angegriffen.<br \/>Und die Strafvollzugsbeh\u00f6rden &#8211; wie haben sie auf diese von den Gefangenen erw\u00e4hlte Ombudsfrau reagiert? Viele zun\u00e4chst mit Mi\u00dftrauen und Abwehr. Vom Justizministerium Nordrhein-Westfalen erh\u00e4lt Birgitta Wolf zeitweise sogar ein Hausverbot und Kontaktverbot f\u00fcr alle Anstalten, weil sie in Schweden die Zust\u00e4nde in der Anstalt Werl deutlich kritisiert hat. Nach einem pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch hebt der Minister Neuberger die Anordnung dann jedoch wieder auf. Und manchmal geschieht sogar das Gegenteil. 1976 erh\u00e4ngen sich zwei Gefangene in der Hamburger Anstalt Fuhlsb\u00fcttel. Eine Gefangenenmeuterei steht unmittelbar bevor. Da bittet der Anstaltsleiter Stark Birgitta Wolf telefonisch, eiligst nach Hamburg zu kommen. Im Kirchenraum der Anstalt darf sie allein, ohne Beisein von Bediensteten, zu etwa 300 Gefangenen sprechen. Und es gelingt ihr tats\u00e4chlich, die Situation zu entsch\u00e4rfen.<br \/>Das war vor 20 Jahren. Damit Sie nicht glauben, Birgitta Wolf h\u00e4tte jetzt im h\u00f6heren Alter die H\u00e4nde in den Scho\u00df gelegt, nachfolgend in Stichworten ihr letzter Fall aus diesem Jahr: <br \/>Ein Strafgefangener \u00fcberlebt mit knapper Not seinen dritten Herzinfarkt. Nun ist eine komplizierte Herzoperation angesagt &#150; vier Byp\u00e4sse sollen gelegt werden. Er und Birgitta Wolf bef\u00fcrchten, da\u00df er wie bei fr\u00fcheren Krankenhausaufenthalten wieder gefesselt wird, wenn er von der Intensivstation in das Mehrbettzimmer verlegt wird. Das geschieht dieses Mal aufgrund ihres Protests zwar nicht. Aber h\u00f6ren Sie, was statt dessen ablief. Der schwer herzkranke Mann wird am Tag vor der Operation zur Durchf\u00fchrung der notwendigen Voruntersuchungen von seiner Vollzugsanstalt in das ca. 60 km entfernte Krankenhaus hin und wieder zur\u00fccktransportiert. Dann am n\u00e4chsten Morgen wieder vom Gef\u00e4ngnis ins Krankenhaus. Am gleichen Tag folgt die Operation mit anschlie\u00dfend drei Tagen Intensivstation. Und danach geht es trotz seines sehr angegriffenen Gesundheitszustandes sofort zur\u00fcck in das Gef\u00e4ngnis. Am n\u00e4chsten Tag erleidet er dort einen Schlaganfall. <br \/>Vier Wochen sp\u00e4ter stirbt er. Sie k\u00f6nnen sich denken, da\u00df Birgitta Wolf da nicht passiv bleibt.<br \/>Zweiter Arbeitsschwerpunkt Notaufnahme: Seit Ende des Krieges beherbergt Birgitta Wolf in ihrem jeweiligen Haus &#150; zuerst in Grainau, dann in Murnau &#150; Menschen, die vor\u00fcbergehend ein Dach \u00fcber dem Kopf brauchen, die Zuwendung suchen und einfach nicht wissen, wo sie sich sonst hinwenden sollen. Manche kommen aus einer pers\u00f6nlichen Notlage zu ihr &#150; andere direkt aus dem Gef\u00e4ngnis. So liest Birgitta Wolf 1954 eine Zeitungsnotiz \u00fcber eine 15j\u00e4hrige Kriegswaise, die auf der Stra\u00dfe gefunden worden war. Sie hatte wahrheitswidrig angegeben, da\u00df ein Auto sie angefahren h\u00e4tte. In Wirklichkeit war sie nur ersch\u00f6pft. Ein Krankenhaus bedeutet ein Bett, W\u00e4rme, Essen und Zuwendung. Aber der Schwindel kommt raus. Kurzerhand steckt man sie ins Gef\u00e4ngnis. Als Birgitta Wolf das in der Zeitung liest, nimmt sie ein Fahrrad, f\u00e4hrt zum Amtsrichter und erreicht, da\u00df man ihr das M\u00e4dchen mitgibt.<br \/>Die 15j\u00e4hrige Gerda wird so die erste in einer langen Kette von Menschen, die bei Birgitta nach einem Gef\u00e4ngnisaufenthalt Zuflucht finden. Und es sind durchaus auch ganz andere darunter wie etwa der \u00fcber 60j\u00e4hrige Mann, der 37 Jahre lang wegen Vergewaltigung und mehrfachen Totschlags gesessen hat und der dann bei Birgitta Wolf m\u00fchsam lernt, im Alltag einer fremd gewordenen Welt au\u00dferhalb des Gef\u00e4ngnisses zurechtzukommen. Viele sind Urlauber aus der Haft, die sonst niemand haben, der sie aufnehmen will. Das hat ihr beileibe nicht nur die Dankbarkeit der Betroffenen eingebracht. Weil sie auch sog. &#132;Verbrecher&#148; bei sich leben l\u00e4\u00dft, wird sie immer wieder angefeindet, mit anonymen Schm\u00e4hbriefen bedacht und erh\u00e4lt Drohanrufe.<br \/>Zum dritten Arbeitsschwerpunkt &#151; dem \u00f6ffentlichen Protest: Die Erfahrungen und Einblicke, die bei Birgitta Wolf im Laufe der Jahre durch die Briefkommunikation mit Tausenden von Gefangenen und ihre vielen Anstaltsbesuche entstehen, f\u00fchren bei ihr bereits in den 60er Jahren zu einer sehr kritischen Analyse des deutschen Strafvollzugs. So ist es nur konsequent, da\u00df sie Reformvorschl\u00e4ge ausarbeitet, dar\u00fcber Vortr\u00e4ge h\u00e4lt, B\u00fccher und Aufs\u00e4tze zum <br \/>Strafvollzug publiziert und in Radio und Fernsehsendungen auf die von ihr wahrgenommenen Mi\u00dfst\u00e4nde hinweist. In Fachkreisen der Wissenschaft und Praxis bringt ihr das viel Anerkennung ein. Ausdruck daf\u00fcr ist beispielsweise, da\u00df ihr die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Kriminologie im Jahr 1966 die Beccaria -Medaille verleiht.<br \/>Aber an den damals wirklich skandal\u00f6sen Zust\u00e4nden in den deutschen Gef\u00e4ngnissen \u00e4ndert sich deswegen nichts. Nach wie vor gibt es Anfang der 70er Jahre den versch\u00e4rften Arrest in der isolierten Einzelzelle, ohne Schreiberlaubnis und Lesestoff, bei dem die Gefangenen zum Teil wochen- und monatelang auf einem schlichten Brett ohne Matratze schlafen m\u00fcssen, tagelang nur Wasser und Brot erhalten und so psychisch und physisch gequ\u00e4lt werden. Und dies in einem Land, dessen Verfassung den staatlichen Organen verbietet, die k\u00f6rperliche Unversehrtheit und die Menschenw\u00fcrde seiner B\u00fcrger zu verletzen. Nach wie vor werden z.B. Reihenuntersuchungen und Darmkontrolle im nackten Zustand vor den Augen von Bediensteten und Mitgefangenen durchgef\u00fchrt. Nach wie vor gibt es f\u00fcr die vielf\u00e4ltigen Grundrechtseinschr\u00e4nkungen, die den Gefangenen im Vollzugsalltag auferlegt werden, keine gesetzliche Grundlage. Birgitta Wolf entscheidet sich deshalb f\u00fcr eine andere Form des Protestes. Sie schreibt 1970 einen offenen Brief an den Bundesjustizminister, in dem sie diese Mi\u00dfst\u00e4nde anprangert. Ich zitiere daraus einen Satz: &#132;Die Freiheitsstrafe darf nur im Entzug der Freiheit bestehen, nicht in zus\u00e4tzlichen Schikanen und Dem\u00fctigungen.&#148; Sie organisiert eine Unterschriftenaktion, die vor allem bei Strafrechtswissenschaftlern, Kriminologen und kritischen Praktikern gro\u00dfen Anklang findet. Und sie erreicht, da\u00df der offene Brief von fast allen gro\u00dfen Tageszeitungen auszugsweise abgedruckt und in Fachzeitschriften ungek\u00fcrzt ver\u00f6ffentlicht wird.<br \/>Die Resonanz, die sie damit erzielt, ist beachtlich. Der Bundesjustizminister und fast alle Landesjustizministerien reagieren brieflich und setzen sich mit ihren Argumenten auseinander. Das Bundesjustizministerium teilt ihr dar\u00fcber hinaus mit, da\u00df der Kabinettsentwurf eines Strafvollzugsgesetzes im Gegensatz zur Vorlage der Strafvollzugskommission die M\u00f6glichkeit des versch\u00e4rften Arrestes nicht mehr vorsieht.<br \/>Trotz dieses ermutigenden Zwischenresultats \u00e4ndert sich dann jedoch \u00fcber Jahre hinweg an der Praxis des Strafvollzugs wenig. Im Gegenteil. Im Zuge der Strafverfolgung von <br \/>RAF-Mitgliedern ergeben sich teilweise sogar Versch\u00e4rfungen. Das gilt insbesondere in bezug auf die strenge Isolationshaft, in der solche Gefangene gehalten werden, die als politische Terroristen angesehen werden. Und da ist es mit der Geduld von Birgitta Wolf zu Ende. Zwischen dem 21. Oktober und dem 17. November 1974 tritt sie f\u00fcr 27 Tage in den Hungerstreik, um so ihre Solidarit\u00e4t mit 35 Gefangenen zu bekunden, die Mitte September 1974 mit einem Hungerstreik gegen die Verh\u00e4ltnisse im Strafvollzug protestieren. Dieses Mal ist die Resonanz in den Medien noch breiter als vier Jahre zuvor. Und Birgitta Wolf erh\u00e4lt erneut viel Unterst\u00fctzung durch Wissenschaftler, Studenten und kritische B\u00fcrger.<br \/>Damit habe ich nur eine kurze Zeitspanne des an Protest und \u00d6ffentlichkeitsaktionen reichen Lebens von Birgitta Wolf ausgeleuchtet. Bis heute hat sie immer wieder Anla\u00df gesehen, sich f\u00fcr die faire Behandlung von Gefangenen einzusetzen &#151; in den letzten beiden Jahren <br \/>beispielsweise daf\u00fcr, da\u00df mittellose Untersuchungsgefangene und Asylbewerber in Abschiebehaft ein monatliches Taschengeld von 50 bis 80 DM als Sozialhilfeleistung erhalten. Zu diesem Arbeitsschwerpunkt und der damit verbundenen \u00d6ffentlichkeitsarbeit will ich abschlie\u00dfend noch ein paar Zahlen nennen: In den letzten 40 Jahren hat Birgitta Wolf ca. 400 Vortr\u00e4ge gehalten und an etwa 100 Rundfunksendungen und \u00fcber 60 Fernsehsendungen mitgewirkt. Sie hat zehn B\u00fccher ver\u00f6ffentlicht, und in weiteren 35 B\u00fcchern sind Beitr\u00e4ge von ihr erschienen.<br \/>Das, was Birgitta Wolf in diesen drei Arbeitsschwerpunkten geleistet hat, ist jedenfalls in Deutschland einmalig. In unserem Land gibt es keine zweite Person, die sich in den letzten vier Jahrzehnten derart bedingungslos, engagiert und wirkungsvoll f\u00fcr Gefangene eingesetzt hat. Da\u00df Birgitta Wolf deswegen immer wieder angefeindet worden ist &#151; und dies meist anonym, habe ich bereits berichtet. Erw\u00e4hnung verdient dann aber auch das hohe Ma\u00df an Unterst\u00fctzung und Anerkennung, das sie erfahren hat. Unterst\u00fctzung hat sie zun\u00e4chst in ihrem unmittelbaren Umfeld bekommen &#151; am Anfang von einzelnen Personen, dann durch Initiative von Erika Sprenger-Steinm\u00fcller in Form des von ihr initiierten gemeinn\u00fctzigen Vereins Nothilfe Birgitta Wolf e.V. Die engagierten Freunde und Helfer, die sich in diesem Verein zusammenfinden, leisten nun schon seit 27 Jahren gro\u00dfartige Arbeit und sind f\u00fcr Birgitta unverzichtbare Partner, Ratgeber und Kraftquelle. Und Mut gemacht hat ihr sicherlich auch, da\u00df sie immer wieder \u00f6ffentlich f\u00fcr ihr Engagement geehrt worden ist. Die 1966 verliehene Beccaria -Medaille habe ich bereits erw\u00e4hnt. 1971 hat sie ferner den Fritz-Bauer-Preis f\u00fcr Anregungen in bezug auf Reformen im Strafrecht und Strafvollzug erhalten. <br \/>1985 hat sie Carl Gustav K\u00f6nig von Schweden mit der goldenen Serafimer -Medaille f\u00fcr humanit\u00e4ren Einsatz in Europa geehrt. Und ebenfalls 1985 wurde ihr von Bundespr\u00e4sident Dr. Richard von Weizs\u00e4cker das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse verliehen. Heute erh\u00e4lt sie nun den Courage-Preis.<br \/>Ich denke, wohl jeder hier im Saal wird zustimmen, da\u00df die Fraktion der Gr\u00fcnen im Bayerischen Landtag damit im doppelten Sinne richtig entschieden hat. Zum einen darf ich Sie zu Ihrer Entscheidung begl\u00fcckw\u00fcnschen, erstmals einen Courage-Preis zu verleihen. <br \/>Und zum zweiten freue ich mich sehr dar\u00fcber, da\u00df Ihre Wahl auf Birgitta Wolf gefallen ist. Gestatten Sie mir aber doch im letzten Abschnitt meiner Laudatio eine Nachfrage &#151; oder besser gesagt ein lautes Nachdenken \u00fcber derartige Auszeichnungen. Warum tun Sie das eigentlich? Warum verleihen wir solche Preise?<br \/>Ist es prim\u00e4r der Wunsch, die geehrte Person zu ermutigen und sie anzuspornen, in ihrem Engagement auch in Zukunft ja nicht nachzulassen? Also Birgitta, nun mit neuem Schwung ran an die n\u00e4chsten 10.000 Gefangenenbriefe! Auf in den n\u00e4chsten Hungerstreik! Nein, w\u00fcrden Sie da sicherlich antworten. Wir wollen mit dem Preis doch nur unseren Respekt bekunden, unsere gro\u00dfe Anerkennung f\u00fcr diese Frau, die stets ihren aufrechten Gang beibehalten und Gro\u00dfartiges geleistet hat. Gut, das akzeptiere und verstehe ich doch, w\u00fcrde ich in unserem fiktiven Gespr\u00e4ch fortsetzen und weiterfragen: Aber hat Birgitta Wolf das noch n\u00f6tig &#151; bei den vielen Ehrungen, die sie schon erhalten hat? <br \/>Und jetzt gebe ich selber meine Antwort:<br \/>Wir verleihen solche Preise vor allem, weil wir sie dringend brauchen. Es gibt so wenig Menschen in unserer Gesellschaft, die wirklich Zivilcourage zeigen, die sich einmischen, die laut aufschreien, wenn Au\u00dfenseitern Unrecht geschieht. Wenn wir derartigen Protest gut finden, schauen wir ihnen bei ihrem engagierten Tun gerne zu. Wir applaudieren so wie heute. Nur meistens lassen wir es dabei bewenden. Wir lassen uns nicht davon abbringen, uns weiterhin emsig um uns selbst im Kreise zu drehen und uns um unsere so wichtigen Arbeitsschwerpunkte zu k\u00fcmmern. So betrachtet ist der Courage-Preis auch Ausdruck unseres schlechten Gewissens. Eigentlich sollte man ja so viel f\u00fcr Menschen in Not tun. Aber zum Gl\u00fcck gibt es da ja Pers\u00f6nlichkeiten wie Birgitta Wolf. Die nehmen uns das ab. Hurra! Wir preisen sie.<br \/>Ja, ich wei\u00df, jetzt argumentiere ich einseitig und bin ein bi\u00dfchen ungerecht mit Ihnen, den Gr\u00fcnen. Denn gerade in Ihren Kreisen finden sich viele mutige Querdenker und Unangepasste. Und nat\u00fcrlich verleihen Sie den Preis auch, weil Sie damit an die B\u00fcrger appellieren wollen, aktiv zu werden. Damit w\u00e4ren wir dann bei der zentralen Frage angelangt. Wie mu\u00df unsere Gesellschaft beschaffen sein, damit es in Zukunft mehr solche Menschen wie Birgitta Wolf gibt? Mir f\u00e4llt da nur die Antwort ein, die ich am Anfang dieser Rede zu geben versucht habe. Entscheidend ist, wie wir mit unseren Kindern umgehen. Wenn wir ihnen &#151; bayerisch gesagt &#151; die Schneid fr\u00fchzeitig abkaufen, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn wir unter den B\u00fcrgern des Landes zu viele passive Duckm\u00e4user haben. Also Mut zu einem Umgang mit Kindern, der von Freir\u00e4umen, von Liebe und viel Auseinandersetzung \u00fcber das richtige Leben gepr\u00e4gt ist. Und f\u00fcr letzteres brauchen wir freilich auch Vorbilder &#150; die couragierte Birgitta Wolf zum Beispiel.<br \/>Damit komme ich zum Schluss meiner Laudatio. Aus Zeitgr\u00fcnden habe ich bisher nur Bilder von der Birgitta Wolf nachgezeichnet, in denen sie mutig und k\u00e4mpferisch ist. Dabei ist zwangsl\u00e4ufig zu kurz gekommen, da\u00df es da manchmal auch eine ganz andere Birgitta gibt, eine, die verzagt und mutlos ist, der die Kraft zu schwinden droht. Sie hat selber von dieser Birgitta geschrieben &#8211; und davon, da\u00df es dann zum Gl\u00fcck f\u00fcr sie in ihrer N\u00e4he immer wieder Menschen gegeben hat und immer wieder gibt, die sie in den Arm nehmen, die ihr Mut zusprechen und sie st\u00fctzen. Mich hat beides sehr beruhigt &#150; da\u00df sie sich erlaubt, manchmal schwach zu sein und da\u00df sie dann verl\u00e4ssliche Freunde hat.<br \/>Und da gibt es noch eine Birgitta, die heute zu kurz gekommen ist &#150; eine, die in ihrer Muttersprache Gedichte schreibt und sie in Schweden ver\u00f6ffentlicht. Gelegentlich schreibt sie freilich auch in deutscher Sprache. Eines will ich Ihnen vorlesen und damit meine Laudatio beschlie\u00dfen. Ver\u00f6ffentlicht hat es Pater Drutmar Cremer, ein M\u00f6nch des Klosters Maria-Laach. <br \/>Er hatte bei ihr angefragt, ob sie bereit sei, f\u00fcr einen Gebetsband mit dem Titel &#132;Wohin Herr?&#148; einen Text zu verfassen. Hier nun ihre Antwort:<\/p>\n<p>Herr (wenn es Dich gibt) ich kann nicht beten,<br \/>denn ich habe zu viele Gebete geh\u00f6rt,<br \/>die nur Worte waren,<br \/>und sie machten mein Herz krank<br \/>vor Traurigkeit.<\/p>\n<p>Herr (wenn es Dich gibt), ich kann nicht danken, denn:<br \/>wenn ich Dir danke, weil ich satt bin,<br \/>mu\u00df ich Dir zum Vorwurf machen,<br \/>da\u00df Millionen hungern, wenn ich Dir danke,<br \/>da\u00df ich gesund bin,<br \/>mu\u00df ich Dir zum Vorwurf machen, da\u00df Millionen siechen,<br \/>wenn ich Dir danke,<br \/>da\u00df ich g\u00fccklich bin,<br \/>mu\u00df ich Dir zum Vorwurf machen, da\u00df Millionen an Dir verzweifeln, denn Du bist allm\u00e4chtig,<br \/>hei\u00dft es<br \/>in den B\u00fcchern.<\/p>\n<p>Herr (wenn es Dich gibt), ich kann nicht beten,<br \/>ich kann nicht danken, ich kann nicht glauben.<\/p>\n<p>Ich kann nur versuchen,<br \/>jedem menschlichen Gesch\u00f6pf, das mich braucht,<br \/>meine Liebe zu zeigen<br \/>und nach Wahrheit und Gerechtigkeit zu suchen<br \/>das ist mein Gebet.<\/p>\n<p>Ich kann nur versuchen,<br \/>neben meinem Bruder,<br \/>die Menschen verachten,<br \/>zu stehen,<br \/>um mit ihm verachtet zu werden das ist mein Dank.<\/p>\n<p>Ich kann nur unerm\u00fcdlich weitersuchen<br \/>nach der versch\u00fctteten Seele unter den Tr\u00fcmmern dessen,<br \/>was Dein Abbild h\u00e4tte sein sollen das ist mein Glaube<\/p>\n<p>Herr (wenn es Dich gibt),<br \/>gib mir Kraft, so zu beten, zu danken, zu glauben!<\/p>\n<p>Der Courage-Preis wurde am 11.10.1996 von der Fraktion der Gr\u00fcnen im Bayerischen Landtag verliehen.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[1915],"publikationen":[1046],"class_list":["post-12208","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-christian-pfeiffer","publikationen-1046"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Ombudsfrau des deutschen Strafvollzugs - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/137\/publikation\/die-ombudsfrau-des-deutschen-strafvollzugs\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die Ombudsfrau des deutschen Strafvollzugs - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Laudatio zur Verleihung des Courage-Preises an Birgitta Wolf Aus: vorg\u00e4nge Nr. 137( Heft \/1997),Seite 132-138 Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Birgitta, den Courage-Preis sollst Du heute erhalten. 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