{"id":12282,"date":"1986-01-31T22:00:00","date_gmt":"1986-01-31T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/2-aktionswoche-der-schreibenden-frauen-in-baden-wuerttemberg\/"},"modified":"1986-01-31T12:00:00","modified_gmt":"1986-01-31T11:00:00","slug":"2-aktionswoche-der-schreibenden-frauen-in-baden-wuerttemberg","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/79-vorgaenge\/publikation\/2-aktionswoche-der-schreibenden-frauen-in-baden-wuerttemberg\/","title":{"rendered":"Frauen-Litera-Tour"},"content":{"rendered":"<p>2. Aktionswoche der Schreibenden Frauen in Baden-W\u00fcrttemberg<\/p>\n<p>aus: vorg\u00e4nge Nr. 79 (Heft 1\/1986), S.10-12<\/p>\n<p>Die Initiative \u00bbSchreibende Frauen in BW\u00ab wurde im Jahr 1980 gegr\u00fcndet als bei den Landeskunstwochen in Biberach unter 16 Autoren und Autorinnen die sieben teilnehmenden Frauen von der ausschlie\u00dflich aus M\u00e4nnern bestehenden Jury auf die hinteren Pl\u00e4tze verwiesen und von der Presse v\u00f6llig ignoriert wurden. Der herrschende Unmut hier\u00fcber f\u00fchrte zur Gr\u00fcndung einer eigenen Initiative, die sich zum Ziel setzte f\u00fcr Autorinnen in\u00a0jeder nur m\u00f6glichen Weise mehr \u00d6ffentlichkeit herzustellen, So wurde im Oktober 1982 die erste Aktionswoche in Form eines Treffens der schreibenden Frauen organisiert. Vom 17.-26. September 1982 stellten sich 20 Autorinnen in Karlsruhe mit ihren Texten vor. Die Konzeption des Treffens verfolgte dabei das Ziel bekannte und unbekannte Autorinnen zusammenzubringen.<\/p>\n<p>Von Anfang an beabsichtigte die Initiative, auch unbekannte Autorinnen und Anf\u00e4ngerinnen zu ermuntern und zu f\u00f6rdern. Die Erfahrung zeigte, da\u00df die kulturellen Einrichtungen gro\u00dfes Interesse zeigten und bereit waren, die Initiative auch finanziell zu f\u00f6rdern Volkshochschulen, K\u00fcnstlerhaus Landesbibliothek, Literarische Gesellschaft und K\u00fcnstlerhaus, um nur einige der wichtigsten Einrichtungen in Karlsruhe zu nennen, unterst\u00fctzten die Initiative, indem sie ihre R\u00e4ume zur Verf\u00fcgung stellten und bei der Finanzierung der Lesehonorare mithalfen.<\/p>\n<p>Die Initiative brachte begleitend zu dieser Veranstaltungsreihe eine Anthologie heraus, in der alle lesenden Autorinnen mit Texten vertreten waren. Das Interesse von Presse Funk und Fernsehen an der Veranstaltung war \u00fcberraschend gro\u00df und ermunterte die Initiative, ihre Arbeit f\u00fcr die schreibenden Frauen fortzusetzen.<\/p>\n<p>Es stellte sich nun die Frage, ob die zweite Aktionswoche der schreibenden Frauen in \u00e4hnlicher Form als Treffen in einer anderen Stadt ablaufen sollte.<\/p>\n<p>Da das erste Treffen viele Kontakte der Frauen untereinander m\u00f6glich gemacht hatte, war es nicht weit zu der Idee, sich nicht nur eine Vorstellung der literarischen M\u00f6glichkeiten schreibender Frauen in einer Stadt, sondern im ganzen Land vorzunehmen. Die Rolle der Initiative, die im harten Kern immer noch aus nur drei Frauen bestand, hatte sich damit ge\u00e4ndert. Die Vorbereitung der Einzellesung und damit die Verhandlungen mit den \u00f6rtlichen Institutionen (Volkshochschule Bibliotheken etc.), oblag den Autorinnen vor Ort, die Gesamtorganisation (allgemeine Information der Autorinnen Vorbereitung der begleitenden Anthologie etc.) blieb der Initiative.<\/p>\n<p>Auf diese Weise erweiterte sich das Vorbereitungsteam, und die Vorbereitung konnte arbeitsteilig organisiert werden, ohne da\u00df es zu den sonst \u00fcblichen hierarchischen Rangordnungsk\u00e4mpfen kommen mu\u00dfte. Wer wann wo lesen konnte wurde gemeinsam mit den vor Ort organisierenden Frauen abgesprochen.<\/p>\n<p>Da sich alle \u00fcber das Konzept einig waren, da\u00df den Frauen die M\u00f6glichkeit geboten werden sollte m\u00f6glichst au\u00dferhalb des eigenen \u00bbReviers\u00ab, in dem sie als einigerma\u00dfen bekannt angesehen werden konnten, zu lesen, lie\u00df sich immer ein Kompromi\u00df finden.<\/p>\n<p>Und so kam es, da\u00df im Rahmen der Aktionswoche der Initiative \u00bbSchreibende Frauen in BW\u00ab zum ersten Mal in 15 St\u00e4dten des Landes gleichzeitig Veranstaltungen stattfanden.<\/p>\n<p>Von Konstanz bis Eppelheim st\u00fcrmten Autorinnen die Podien in Rath\u00e4usern Bibliotheken und Kulturheiligt\u00fcmern. Insgesamt konnten 45 Lesungen vermittelt werden. Jede Lesung wurde mit 300,- DM honoriert. Finanziell wurde das Projekt von \u00f6ffentlichen Institutio-nen (Stadt, Land), der Sozialistischen Fraktion im Europ\u00e4ischen Parlament und kulturell engagierten Vereinigungen getragen.<\/p>\n<p>Bei den Lesungen 1985 und auch bei den in der begleitenden Anthologie erscheinenden Texten (Jahrbuch schreibender Frauen 2, von Loeper Verlag Karlsruhe) wurde deutlich was sich schon m Biberach 1982 angedeutet und beim ersten Treffen in Karlsruhe 1982 abgezeichnet hatte, da\u00df sich n\u00e4mlich schreibende Frauen keineswegs auf die sogenannten \u00bbfrauenspezifischen Themen\u00ab festlegen lassen. Ganz im Gegenteil. Das Spannende dieser Texte hegt gerade darin, in welcher formalen und inhaltlichen Breite und Differenzierung sich Frauen mit ihren eigenen Erfahrungen in dieser Gesellschaft befassen. Da gibt es Themenkreise in denen sich Autorinnen mit der gesellschaftlich politischen Realit\u00e4t auseinandersetzen manchmal polemisch, ironisch-satirisch, aber auch einf\u00fchlsam und behutsam. So wird weder das Thema Gewalt (Regine Kress-Fricke), noch das Thema Umwelt (Eva Vargas) ausgeklammert, wobei die jeweils ganz andere literarische Gestaltung ins Auge f\u00e4llt. Krieg, Kriegsangst und Kriegsfolgen nehmen einen thematisch breiten Raum ein (Margarete Hannsmann, Anne Birk, Anne-Marie Salome Brenner, Helga Levend, Leona Siebensch\u00f6n). Die jeweils ganz unterschiedliche formale Gestaltung als Erz\u00e4hlung, Essay, Lyrik oder experimentelle Prosa wird besonders deutlich. Auf der anderen Seite stehen Texte von Frauen zu \u00e4sthetischen Grundfragen, ebenso vielseitig und vielschichtig (Christa Metchinger, Zsuzannah Gahse, Eva Maria Berg, Eva Christina Zeller). So vermittelt die Anthologie in ihrer Textauswahl tats\u00e4chlich ein breites Spektrum und stellt nicht nur einzelne schreibende Frauen vor, sondern macht deutlich, womit sich Frauen heute schreibend auseinandersetzen.<\/p>\n<p>Bemerkenswert an dieser Aktionswoche war au\u00dferdem, da\u00df auch Dramatikerinnen Gelegenheit geboten wurde, ihre St\u00fccke in Szene setzen zu lassen. Das noch immer gel\u00e4ufige Vorurteil, Frauen h\u00e4tten kein Talent f\u00fcr diese literarische Gattung, wurde dabei \u00fcberzeugend widerlegt. Im Theater \u00bbDie Insel\u00ab in Karlsruhe fanden die St\u00fccke von Antonia Anna Weiss und Anne Birk starke Resonanz bei Publikum und Kritik.<\/p>\n<p>Der Besuch der Lesungen war unterschiedlich. In Pforzheim beispielsweise fand die Lesung von Elisabeth Alexander, Susanne Levin Ali und Sigrid Schuster-Schinah das Interesse von ca. 200 Zuh\u00f6rern. Dagegen wurde die Lesung mit Eva Zeller, Sybille von Bremen und Karin Volgt in der Landesbibliothek in Karlsruhe, obwohl sehr sorgf\u00e4ltig vorbereitet, nur von ca. 25 G\u00e4sten besucht.<\/p>\n<p>Bei Auswertung der Besucherzahlen zeigte sich da\u00df die Frauen-Litera-Tour in der \u00bbsogenannten\u00ab Provinz besonders stark beachtet wurde. In Eppelheim wurde die Lesung von Marion Daiber-Hammers und Irene Fischer-Nagel in vier Zeitungen kommentiert. Aber auch an so tratitionsreichen Orten wie dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach oder im H\u00f6lderlinturm in T\u00fcbingen gab es ein aufgeschlossenes Publikum.<\/p>\n<p>Parallel zu den Lesungen fanden Ausstellungen bildender K\u00fcnstlerinnen statt. So hatte Irene Fischer-Nagel Gelegenheit ihre Bilder im Rathaus Eppelheim auszustellen. Anl\u00e4\u00dflich der Lesung von Anne-Marie Salome Brenner wurde die Lyrikerin eingeladen, auch ihr bildnerisches Werk den Schorndorfern zug\u00e4nglich zu machen. Eva Vargas lud in Heidelberg zu Ihrer Ausstellung \u00bbParadies von morgen\u00ab (Rest-Art) ein und in Karlsruhe schlossen sich elf Malerinnen und Bildhauerinnen unter Leitung von Angela Junk-Eichhorn zu einer gemeinsamen Ausstellung in der Literarischen Gesellschaft zusammen.<\/p>\n<p>Das Konzept der Initiative erwies sich als tragf\u00e4hig. Zu Unrecht vom Literaturbetrieb vernachl\u00e4ssigte Autorinnen, aber auch junge Autorinnen mit wenig Erfahrung konnten ihr literarisches K\u00f6nnen unter Beweis stellen. Andererseits waren bekannte Autorinnen vertretene. Die dritte Aktionswoche soll 1988 bundesweit\u00a0 stattfinden. Erste europ\u00e4ische Kontakte gab es bereits im vergangenen Jahr. Die Italienerin Birgid Rauen und die franz\u00f6sische Liedermacherin Eliza Roulet nahmen an Veranstaltungen in Reutlingen und Karlsruhe teil.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[2424,2425,2426],"publikationen":[1271],"class_list":["post-12282","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-anne-birk","autoren-birgit-heiderich","autoren-regine-kress-fricke","publikationen-79-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Frauen-Litera-Tour - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/79-vorgaenge\/publikation\/2-aktionswoche-der-schreibenden-frauen-in-baden-wuerttemberg\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Frauen-Litera-Tour - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"2. 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