{"id":18545,"date":"2023-04-25T13:47:31","date_gmt":"2023-04-25T11:47:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=18545"},"modified":"2023-04-25T13:47:31","modified_gmt":"2023-04-25T11:47:31","slug":"rezensionen-ein-mann-seiner-klasse","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/237-238-vorgaenge\/publikation\/rezensionen-ein-mann-seiner-klasse\/","title":{"rendered":"Rezensionen &#8211; Ein Mann seiner Klasse"},"content":{"rendered":"<p class=\"v-zwischen\u00fcberschrift-1-western\" lang=\"zxx\"><em><span style=\"color: #000000;\">\u201e<span style=\"font-family: Andika;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">Ein Mann seiner Klasse\u201c. <\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Andika;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">Hannoveraner Theaterst\u00fcck beim Berliner Theatertreffen 2022 nach Christian Barons <\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Andika;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">gleichnamigen <\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Andika;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">Buch <\/span><\/span><\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\"><em>Staatstheater Hannover<\/em><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\"><em>REGIE: Lukas Holzhausen<\/em><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\"><em>B\u00dcHNE UND KOST\u00dcME: Katja Ha\u00df<\/em><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\"><em>MUSIK UND VIDEO: Robert Pawliczek<\/em><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\"><em>DRAMATURGIE: Annika Henrich<\/em><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\"><em>mit Nikolai Gemel, Stella Hilb u.v.a.m.<\/em><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Das kann doch nicht wahr sein. Wirklich nicht: Da pr\u00fcgelt ein permanent besoffener Vater seine Frau, tritt ihr sogar in der Schwangerschaft in den Bauch, nachts h\u00f6ren die ver\u00e4ngstigten Kinder das Wimmern der Mutter, oft genug sind auch sie Opfer dieses gewaltt\u00e4tigen Familienoberhaupts.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Dennoch h\u00e4lt einer der S\u00f6hne am Sterbebett dessen Hand und gibt ihm zu verstehen: \u201e<i>Ich verzeihe Dir. Ich hab Dich lieb.<\/i>\u201c Und der andere Sohn sagt als Erwachsener nach einem Besuch am Grab des Vaters, er werde mit all seinem Zorn, Gl\u00fcck, Schmerz, Scham und Stolz, mit all seiner Angst und Liebe, mit all seiner Hoffnung und Zweifeln \u201e<i>kurz vor meinem Tod dieses eine Wort aussprechen, das mein Vater sein Leben lang nie von mir zu h\u00f6ren bekam: Papa.<\/i>\u201c<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Was geschehen ist zwischen dieser brutalen Kindheitserfahrung in den 1990er Jahren in Kaiserslautern und der zugleich liebevollen Zuwendung zu diesem Monster, das hat das Schauspiel Hannover im Oktober 2021 nach dem autobiographischen szenischen Roman von Christian Baron auf die B\u00fchne gebracht. In der Bearbeitung von Lukas Holzhausen und Annika Henrich erregte das St\u00fcck die Aufmerksamkeit der Berliner und wurde unter den zehn Besten zum Theatertreffen im Mai 2022 nach Berlin eingeladen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Im Programm gibt es eine sogenannte Triggerwarnung: \u201e<i>Die Inszenierung thematisiert h\u00e4usliche Gewalt und Depressionen. Diese Inhalte k\u00f6nnen bei betroffenen Personen negative Reaktionen ausl\u00f6sen.<\/i>\u201c F\u00fcrwahr, zumindest f\u00fcr ein zartbesaitetes b\u00fcrgerliches Publikum. Was sich da in den 90er Jahren in einem der sozialen Brennpunkte Kaiserslauterns abspielt, bringt das Schauspiel Hannover in verst\u00f6render Weise auf die B\u00fchne. Krasseste Armut und Gewaltt\u00e4tigkeit sind pl\u00f6tzlich Themen einer Inszenierung, die mit der gro\u00dfartigen Stella Hilb, die sowohl die Mutter als auch die Tante Juli in einer Doppelrolle spielt, und einem genialen B\u00fchnenbild die autobiografische Buchvorlage gekonnt verdichtet. Mit dieser Inszenierung ist das Schauspiel Hannover zu Recht als eine der besten Theaterauff\u00fchrungen des Jahres 2021 ausgew\u00e4hlt worden.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Der Vater, ein ungelernter muskul\u00f6ser M\u00f6belpacker bei der Firma Schulz &amp; Kuhnert, die f\u00fcr die zahlreichen US-Soldaten in und um Kaiserslautern die Umz\u00fcge erledigt, umbaut w\u00e4hrend der ganzen Auff\u00fchrung, den Elektroschrauber in der Hand, mit Holzrahmen und Platten die Wohnung, W\u00e4hrenddessen erz\u00e4hlen die Mutter bzw. Tante und die beiden S\u00f6hne Christian und Benny ihre Leidensgeschichte. Nur ab und zu unterbricht der Vater (Michael \u201eMinna\u201c Sebastian) aus dem Audio-Off. Nach und nach wird der Raum immer mehr zugebaut \u2013 Sinnbild f\u00fcr die Abgeschlossenheit, mit der die Familie unter allen Umst\u00e4nden versucht, ihre Armut vor den Mitmenschen zu verbergen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Dramaturgisch beeindruckend ist es, dass die Rolle des eigentlich \u00e4lteren Bruders Benny ein kleiner Junge spielt, dessen Fragilit\u00e4t uns die Pr\u00fcgeleien des Vaters in seinem verbrecherischen Ausma\u00df umso schrecklicher erkennen l\u00e4sst. Christian ist auf der B\u00fchne der schon junge Student.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"armutsdarstellungen-in-film-literatur-und-theater\">Armuts&shy;dar&shy;stel&shy;lungen in Film, Literatur und Theater<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Wir kennen die von sozialem \u00dcberlebenskampf in England gepr\u00e4gten proletarischen und kleinb\u00fcrgerlichen Geschichten aus den humanen Filmen von Ken Loach, den der Autor von \u201e<i>Ein Mann seiner Klasse<\/i>\u201c, Christian Baron, besonders sch\u00e4tzt. Und in der franz\u00f6sischen und amerikanischen Literatur konnten wir in der Vergangenheit bereits Einblick in die Welten der Armut nehmen. So heisst es im Klappentext der \u201e<i>Hillbilly Elegie<\/i>\u201c (2016): \u201e<i>J.D. Vance erz\u00e4hlt die Geschichte seiner Familie \u2013 eine Geschichte vom gescheiterten Aufstieg und der Resignation einer ganzen Bev\u00f6lkerungsschicht. Sein Buch bewegte Millionen von Lesern in den USA und erkl\u00e4rt nicht zuletzt den Wahltriumph eines Donald Trump.<\/i>\u201c<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Aus Frankreich hat uns Didier Eribon mit \u201e<i>R\u00fcckkehr nach Reims<\/i>\u201c (2009 in Frankreich erschienen als \u201e<i>Retour \u00e0 Reims<\/i>\u201c) seine Armuts- und Aufstiegsgeschichte zum weithin bekannten Geisteswissenschaftler erz\u00e4hlt. Allerdings mit einem Unterschied zu Barons Kindheit: Deribon ist schwul. Das hat insofern Bedeutung, als man sich heutzutage in einer relativ liberalen Gesellschaft offen bekennen und auch einen sozialen bzw. emotionalen Kokon unter seinesgleichen finden kann. Anders verh\u00e4lt es sich mit der Armut. Die Scham, von ganz unten zu kommen, bleibt lebenslang und verwandelt sich vielleicht mit dem Outen der eigenen Herkunft, wie dies Didier Eribon getan hat.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">In einem Interview mit dem Deutschlandfunk am 24. Juli 2022 spricht der Autor Baron dar\u00fcber, weshalb die Armut in Deutschland auf den Theaterb\u00fchnen eher selten bis gar nicht vorkommt: Er vermutet, dass es mit der meist akademischen Herkunft der Theaterleute zu tun hat, die die Welt der Armut in diesem Land des \u201e<i>Wohlstands f\u00fcr Alle<\/i>\u201c (Ludwig Erhard) einfach nicht kennen. Das hat gewiss auch damit zu tun, dass die diskursive Herrschaft des Neoliberalismus der vergangenen Jahre den Klassenkonflikt in etwas umbog, das man meinte, sozialtechnologisch bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen. Die realen Lebenswelten der unteren Schichten waren in der \u00f6ffentlichen Diskussion eher marginal oder wurden \u2013 in bestimmten Medien \u2013 dem Gesp\u00f6tt der Privilegierten preisgegeben, mit Hinweis auf die geschmacklose Kleidung, das \u00dcbergewicht oder auch die Ausdrucksweise dieser Leute.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"parallelwelt-kneipe\">Paral&shy;lel&shy;welt Kneipe<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">In der von Alkohol und Pr\u00fcgel bestimmten Kindheit des Autors Baron gibt es immer wieder Momente von Freude und Leichtigkeit. Der hart arbeitende Vater, dessen Chef, so wundert sich der kleine Christian, ihn einfach nicht genug verdienen l\u00e4sst, um die Familie zu ern\u00e4hren, l\u00e4sst ab und an etwas mitgehen aus den Umzugskartons der amerikanischen Soldaten. Ein Nintendo Game Boy, der \u201e<i>vom Laster gefallen ist<\/i>\u201c, macht Vater und S\u00f6hne zu gl\u00fccklichen Dauerzockern. Das sind Dinge, die sich die Familie niemals leisten konnte. \u201e<i>Es ist nicht recht, aber gerecht<\/i>\u201c, sagt der Vater. Als der M\u00f6belpacker einen zweiten Videorekorder (\u201e<i>vom Laster gefallen<\/i>\u201c) anschleppt, fragt Tante Juli: \u201e<i>Was willste denn domit, mir habbe doch schon eenen?<\/i>\u201c Erkl\u00e4rung: Jetzt konnte die Familie von allen geliehenen Videofilmen Raubkopien machen. Christian: \u201e<i>Ich war im Himmel.<\/i>\u201c<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Nur einmal ist der M\u00f6belpacker unvorsichtig, wird beim Klauen erwischt und fristlos gek\u00fcndigt. Der arbeitslose Vater geht tags\u00fcber nicht aus dem Haus, damit die Nachbarn nicht mitkriegen, was los ist, und streicht nachts um die Abfalleimer auf der Suche nach Essbarem. Er sei zu stolz gewesen, die ihm zustehende damals noch Sozialhilfe genannte staatliche Unterst\u00fctzung zu beantragen. Zu stolz? Oder zu schwach, um diesen Weg zu gehen? Er ist gefangen in seiner Vorstellung, nur die \u201eKanaken\u201c schnorrten den Staat an, da will er sich nicht einreihen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Auf der B\u00fchne wird die Szene gezeigt, wie der j\u00fcngere Sohn Christian vor lauter Hunger, nachdem die letzte Ravioli-Dose leer ist, den Schimmel an der Kinderzimmerwand unterhalb des Fensters essen will, weil man doch Pilze essen kann. Sein gr\u00f6sserer Bruder schreit entsetzt: \u201e<i>Tu<\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Gentium Book Basic;\"><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\"><i>\u2019<\/i><\/span><\/span><\/span><\/span><i>s nich, davon kannste sterben.<\/i>\u201c Nach einigen Wochen wird der M\u00f6belpacker bei derselben Firma wieder angestellt.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Viel zu jung stirbt die Mutter an Krebs. Tante Juli nimmt die Kinder, die beiden Br\u00fcder und deren zwei Schwestern, zu sich. Der Alte l\u00e4sst sich nicht mehr blicken. Wenn Sohn Christian durch Kaiserslautern geht, denkt er, irgendwo muss mein Vater doch hier rumlaufen. Der Vater soll da sein, das ist sein tiefer Wunsch: \u201e<i>Ich wollte immer, dass er bleibt.<\/i>\u201c Christian hat als Asthmatiker einmal so viel Blut gespuckt, dass die \u00c4rzte um sein Leben k\u00e4mpfen mussten. Und der Vater ist da, k\u00fcsst ihn gar auf die Stirn und rettet ihn davor, dass die \u201e<i>Gestalten in Wei<\/i><i>\u00df<\/i><i> mich in den Himmel schickten<\/i>\u201c. Er sieht ihn dann im Gerichtssaal, wo die Richterin der Tante Juli das Sorgerecht f\u00fcr alle Kinder zuspricht und der Vater danach mit seiner neuen Freundin abzieht.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Musik spielt eine lebenswichtige Rolle in der Familie. Vater hatte einen echt guten Musikgeschmack, hei\u00dft es. Er liebt Freddy Mercury von Queen und hat einen \u00e4hnlich roten Schn\u00e4uzer wie dieser. Es kommt zu Szenen, wo die ganze Familie ausgelassen tanzt \u2013 f\u00fcr Christian Oasen des Gl\u00fccks. Die Geschichten der oft coolen Typen in den Songtexten sind ihm Vorbilder.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die Kneipe \u201eSchnorres\u201c ist die Parallelwelt zur Familie, in der sich der M\u00f6belpacker voll laufen l\u00e4sst und der K\u00f6nig ist. Sohn Christian wird manchmal mitgenommen und erlebt, dass sein Vater dort eine gro\u00dfe Nummer ist. Als der Junge sein erstes Bier trinken soll, stellt ihm die Wirtin eine Sinalco hin und die Welt ist in diesem Augenblick an der Seite des Vaters f\u00fcr den Kleinen in Ordnung.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Was sonst unter Sozialkitsch laufen w\u00fcrde, ist f\u00fcr Christian \u00fcberlebenswichtig. Als Tante Juli den brutalsten Satz sagt, den Christian je geh\u00f6rt hat \u2013 \u201e<i>Eure Mutter ist tot<\/i>\u201c \u2013, kann er absolut nichts sagen, wortlos verstockt kann er nur singen. Und er singt \u201e<i>unser Lied<\/i>\u201c, Heintjes: \u201e<i>Aber Heidschi bumbeidschi, schlaf lange.\/ Und ist auch Dein\u2018 Mutter gegangen.\/ Und ist die gegangen und kehrt nicht mehr heim.\/ Und l\u00e4sst ihr klein\u2019s B\u00fcbchen so ganz allein.\/ Aber Hei<\/i><i>d<\/i><i>schi bumbeidschi bum, bum.\/ Aber Heidschi bumbeidschi bum, bum.<\/i>\u201c<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"impulse-fuer-den-aufstieg-gibt-das-umfeld\">Impulse f&uuml;r den Aufstieg gibt das Umfeld<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Auch nach dem fr\u00fchen Krebstod der Mutter, die Gedichte geschrieben hat und deren Liebe er bei all ihren Depressionen sp\u00fcren konnte, sind es vor allem Frauen, die Christian die Impulse geben, ohne die er niemals aus diesem Milieu rausgekommen w\u00e4re, wie er sp\u00e4ter sagt. Viel zu sp\u00e4t, aber doch noch findet eine Lehrerin zu Christian nach Hause und verhilft, schockiert vom Blick hinter die Kulissen der Familie, durch eine Gymnasiumsempfehlung Christian zum Bildungsaufstieg. Allerdings musste Tante Juli wie eine L\u00f6win beim Jugendamt gegen erhebliche Widerst\u00e4nde k\u00e4mpfen, damit der Junge in die integrierte Gesamtschule aufgenommen wird.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die b\u00fcrgerlich lebende andere Tante, die Christian mit in die Oper und zu Autorenlesungen nimmt und wo er die andere Lebenswelt das erste Mal mitbekommt, meint, er k\u00f6nne bestimmt mal ein guter Journalist werden, weil er sich selber Spielberichte des FC Kaiserslautern ausgedacht und aufgeschrieben hat. Als Tante Juli, bei der die Kinder leben, das erf\u00e4hrt, greift sie sich das Impressum der Rheinpfalz, ruft den Sportchef an und erkl\u00e4rt ihm, was f\u00fcr ein begnadeter Sportreporter ihr Sohn sei. Das Lachen am Ende der Leitung konnte Christian mith\u00f6ren. Tante Juli l\u00e4sst nicht locker und meint, er k\u00f6nne dem Jungen doch mal einen Auftrag f\u00fcr eine Reportage geben. Und schiebt nach: \u201e<i>Oder sind Sie zu feige, dem jungen Mann eine Chance zu geben?<\/i>\u201c. Der Junge bekommt den Auftrag und hat damit seinen Einstieg in eine Journalismus- und Schriftstellerkarriere geschafft.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"anekdoten-zeigen-strukturen\">Anekdoten zeigen Strukturen<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Ebenso wie in der Autobiographie reflektiert auch das Theaterst\u00fcck nicht explizit die strukturellen Faktoren, die ein Leben in Armut bestimmen. Vielmehr kann man sie sich durch die erz\u00e4hlten Anekdoten erschlie\u00dfen. Nur im Schauspiel wird es konkreter, wenn am Schluss ein Ausschnitt aus einem TV-Beitrag die verheerenden Folgen von Hartz IV mit Niedriglohnsektor und Konkurrenz der ohnehin schon Benachteiligten anklagt. Baron nennt sich Sozialist. Mit Blick auf das geplante und bessere B\u00fcrgergeld anstelle von Hartz IV meint er, es gehe nicht darum, die Armen besser zu behandeln, sondern darum, die Armut in diesem reichen Land abzuschaffen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Der Titel von Theaterst\u00fcck und Buch \u201e<i>Ein Mann seiner Klasse<\/i>\u201c zielt auf den Vater, l\u00e4sst aber auch an den Sohn denken, der trotz akademisch-intellektueller Karriere den (Scham-)Gef\u00fchlen seiner Herkunft verhaftet bleibt. Dass Armut von Generation zu Generation perpetuiert werden kann, zeigt Baron in seinem j\u00fcngst erschienenen Roman \u201e<i>Sch\u00f6n ist die Nacht<\/i>\u201c. Darin schildert er die Proletariergeschichte der Freundschaft zwischen den Grossv\u00e4tern von Christian. Beide leben in sogenannten prek\u00e4ren Verh\u00e4ltnissen. W\u00e4hrend Willy versucht, anst\u00e4ndig durchs Leben zu kommen, sucht Horst, der Vater des M\u00f6belpackers, als gewaltt\u00e4tiger Tricksermit allen Mitteln seinen Vorteil. Und so umrei\u00dft Christian Baron die Vor- und Leidensgeschichte seiner Familie: \u201e<i>Unser Vater war ein Mann seiner Klasse. Ein Mann, der kaum eine Wahl hatte, weil er wegen seines gewaltt\u00e4tigen Vaters und einer ihn nicht auffangenden Gesellschaft zu dem werden musste, der er nun einmal war. Das entschuldigt nichts, aber es erkl\u00e4rt alles.<\/i>\u201c<\/p>\n<p class=\"v-unterschrift-western\">Werner Koep-Kerstin<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[2973,5,18,7],"tags":[3093,815,3102,3094,3100,3095,3099,3055,3063,3097,3077,3101,791,3098,3096,3128,667],"autoren":[133],"publikationen":[3030],"class_list":["post-18545","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","category-armut","category-bildung","category-hartz-iv","category-sozialpolitik","tag-alkoholismus","tag-armut","tag-autobiographie","tag-christian-baron","tag-depression","tag-ein-mann-seiner-klasse","tag-gewalt","tag-gewalt-gegen-frauen","tag-hartz-iv","tag-kaiserslautern","tag-kapitalismus","tag-literatur","tag-rezension","tag-staatstheater-hannover","tag-theater","tag-ungleichheit","tag-vorgaenge-artikel","autoren-werner-koep-kerstin","publikationen-237-238-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Rezensionen - Ein Mann seiner Klasse - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/237-238-vorgaenge\/publikation\/rezensionen-ein-mann-seiner-klasse\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Rezensionen - Ein Mann seiner Klasse - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"\u201eEin Mann seiner Klasse\u201c. Hannoveraner Theaterst\u00fcck beim Berliner Theatertreffen 2022 nach Christian Barons gleichnamigen Buch Staatstheater Hannover REGIE: Lukas Holzhausen B\u00dcHNE UND KOST\u00dcME: Katja Ha\u00df MUSIK UND VIDEO: Robert Pawliczek DRAMATURGIE: Annika Henrich mit Nikolai Gemel, Stella Hilb u.v.a.m. Das kann doch nicht wahr sein. Wirklich nicht: Da pr\u00fcgelt ein permanent besoffener Vater seine Frau, [weiterlesen]\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/237-238-vorgaenge\/publikation\/rezensionen-ein-mann-seiner-klasse\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Humanistische Union\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:site\" content=\"@humunion\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"11\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/237-238-vorgaenge\\\/publikation\\\/rezensionen-ein-mann-seiner-klasse\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/237-238-vorgaenge\\\/publikation\\\/rezensionen-ein-mann-seiner-klasse\\\/\",\"name\":\"Rezensionen - Ein Mann seiner Klasse - Humanistische Union\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#website\"},\"datePublished\":\"2023-04-25T11:47:31+00:00\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/237-238-vorgaenge\\\/publikation\\\/rezensionen-ein-mann-seiner-klasse\\\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/237-238-vorgaenge\\\/publikation\\\/rezensionen-ein-mann-seiner-klasse\\\/\"]}]},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/237-238-vorgaenge\\\/publikation\\\/rezensionen-ein-mann-seiner-klasse\\\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Publikationen\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"vorg\u00e4nge\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":3,\"name\":\"vorg\u00e4nge Nr. 237\\\/238: Diskriminierende Realit\u00e4ten\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/237-238-vorgaenge\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":4,\"name\":\"Rezensionen &#8211; Ein Mann seiner Klasse\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#website\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/\",\"name\":\"Humanistische Union\",\"description\":\"\",\"publisher\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#organization\"},\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":{\"@type\":\"PropertyValueSpecification\",\"valueRequired\":true,\"valueName\":\"search_term_string\"}}],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":\"Organization\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#organization\",\"name\":\"Humanistische Union e.V.\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/\",\"logo\":{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"de\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2023\\\/09\\\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg\",\"contentUrl\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2023\\\/09\\\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg\",\"width\":1000,\"height\":536,\"caption\":\"Humanistische Union e.V.\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\"},\"sameAs\":[\"https:\\\/\\\/x.com\\\/humunion\",\"https:\\\/\\\/mastodon.social\\\/@humunion\",\"https:\\\/\\\/bsky.app\\\/profile\\\/humanistischeunion.bsky.social\"]}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Rezensionen - Ein Mann seiner Klasse - Humanistische Union","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/237-238-vorgaenge\/publikation\/rezensionen-ein-mann-seiner-klasse\/","og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"Rezensionen - Ein Mann seiner Klasse - Humanistische Union","og_description":"\u201eEin Mann seiner Klasse\u201c. Hannoveraner Theaterst\u00fcck beim Berliner Theatertreffen 2022 nach Christian Barons gleichnamigen Buch Staatstheater Hannover REGIE: Lukas Holzhausen B\u00dcHNE UND KOST\u00dcME: Katja Ha\u00df MUSIK UND VIDEO: Robert Pawliczek DRAMATURGIE: Annika Henrich mit Nikolai Gemel, Stella Hilb u.v.a.m. Das kann doch nicht wahr sein. Wirklich nicht: Da pr\u00fcgelt ein permanent besoffener Vater seine Frau, [weiterlesen]","og_url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/237-238-vorgaenge\/publikation\/rezensionen-ein-mann-seiner-klasse\/","og_site_name":"Humanistische Union","twitter_card":"summary_large_image","twitter_site":"@humunion","twitter_misc":{"Gesch\u00e4tzte Lesezeit":"11\u00a0Minuten"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/237-238-vorgaenge\/publikation\/rezensionen-ein-mann-seiner-klasse\/","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/237-238-vorgaenge\/publikation\/rezensionen-ein-mann-seiner-klasse\/","name":"Rezensionen - Ein Mann seiner Klasse - Humanistische Union","isPartOf":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#website"},"datePublished":"2023-04-25T11:47:31+00:00","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/237-238-vorgaenge\/publikation\/rezensionen-ein-mann-seiner-klasse\/#breadcrumb"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/237-238-vorgaenge\/publikation\/rezensionen-ein-mann-seiner-klasse\/"]}]},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/237-238-vorgaenge\/publikation\/rezensionen-ein-mann-seiner-klasse\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Publikationen","item":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"vorg\u00e4nge","item":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/"},{"@type":"ListItem","position":3,"name":"vorg\u00e4nge Nr. 237\/238: Diskriminierende Realit\u00e4ten","item":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/237-238-vorgaenge\/"},{"@type":"ListItem","position":4,"name":"Rezensionen &#8211; Ein Mann seiner Klasse"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#website","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/","name":"Humanistische Union","description":"","publisher":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#organization"},"potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?s={search_term_string}"},"query-input":{"@type":"PropertyValueSpecification","valueRequired":true,"valueName":"search_term_string"}}],"inLanguage":"de"},{"@type":"Organization","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#organization","name":"Humanistische Union e.V.","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/","logo":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#\/schema\/logo\/image\/","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg","contentUrl":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg","width":1000,"height":536,"caption":"Humanistische Union e.V."},"image":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#\/schema\/logo\/image\/"},"sameAs":["https:\/\/x.com\/humunion","https:\/\/mastodon.social\/@humunion","https:\/\/bsky.app\/profile\/humanistischeunion.bsky.social"]}]}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/custom-json\/wp\/v2\/publikation\/18545","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/custom-json\/wp\/v2\/publikation"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/custom-json\/wp\/v2\/types\/publikation"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/custom-json\/wp\/v2\/media?parent=18545"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/custom-json\/wp\/v2\/categories?post=18545"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/custom-json\/wp\/v2\/tags?post=18545"},{"taxonomy":"autoren","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/custom-json\/wp\/v2\/autoren?post=18545"},{"taxonomy":"publikationen","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/custom-json\/wp\/v2\/publikationen?post=18545"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}