{"id":18753,"date":"2023-07-06T14:03:14","date_gmt":"2023-07-06T12:03:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=18753"},"modified":"2023-07-06T14:54:42","modified_gmt":"2023-07-06T12:54:42","slug":"ressortplanung-2022-23-des-bundesvorstandes-der-humanistischen-union","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/mitteilungen-nr-248-mitteilungen\/publikation\/ressortplanung-2022-23-des-bundesvorstandes-der-humanistischen-union\/","title":{"rendered":"Ressortplanung 2022\/23 des Bundesvorstandes der Humanistischen Union"},"content":{"rendered":"<p><em>(Red.) Seit September 2022 ist ein neuer Bundesvorstand der Humanistischen Union im Amt. Seine Mitglieder haben sich die Arbeit nach dem Ressortprinzip aufgeteilt. Die Ressortverantwortlichen sind f\u00fcr die Aktivit\u00e4ten in ihrem Themenbereich verantwortlich und dienen als Ansprechpartner f\u00fcr Anregungen zu diesem Thema.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Vorstand hat die zu erwartenden Schwerpunkte der Ressorts besprochen und zugeteilt. Das Ergebnis stellen wir hiermit vor. Kritische Anmerkungen und Vorschl\u00e4ge zur Erg\u00e4nzung sind herzlich willkommen. Zudem stellt der Vorstand im Folgenden seine inhaltlichen Planungen und Ergebnisse der einzelnen Ressorts vor. Die Zust\u00e4ndigkeit zu folgenden inhaltlichen Themen hat sich der Bundesvorstand aufgeteilt.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<table width=\"463\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"236\">Bildung<\/td>\n<td width=\"227\">Dr. Wolfram Grams<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"236\">Datenschutz<\/td>\n<td width=\"227\">Stefan H\u00fcgel<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"236\">Digitalpolitik<\/td>\n<td width=\"227\">Stefan H\u00fcgel<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"236\">Frauenpolitik<\/td>\n<td width=\"227\">Prof. (. R.) Dr. Marlis D\u00fcrkop-Leptihn<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"236\">Frieden und Milit\u00e4r<\/td>\n<td width=\"227\">Dr. Andrea Zielinski<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"236\">Informationsfreiheit<\/td>\n<td width=\"227\">Stefan H\u00fcgel<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"236\">Innere Sicherheit und Polizei<\/td>\n<td width=\"227\">Prof. (i. R.) Dr. Johannes Feest<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"236\">Kriminalpolitik und Rechtspolitik<\/td>\n<td width=\"227\">Prof. (i. R.) Dr. Johannes Fest<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"236\">K\u00fcnstliche Intelligenz<\/td>\n<td width=\"227\">Stefan H\u00fcgel und Thomas Messerer<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"236\">Medienpolitik<\/td>\n<td width=\"227\">Thomas Messerer<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"236\">Selbstbestimmung<\/td>\n<td width=\"227\">Prof. (i. R.) Dr. Marlis D\u00fcrkop-Leptihn<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"236\">Soziale Grundrechte<\/td>\n<td width=\"227\">Dr. Wolfram Grams<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"236\">Staat und Religion<\/td>\n<td width=\"227\">Dr. Andrea Zielinski<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"johannes-feest-kriminalpolitik-sicherheitspolitik\"><strong>Johannes Feest: Krimi&shy;nal&shy;po&shy;litik, Sicher&shy;heits&shy;po&shy;litik<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><strong>Innere Sicherheit und Polizei<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDas Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen B\u00fcrgerrechten und Polizei besch\u00e4ftigt die Humanistische Union, und damit auch die Zeitschrift <strong>vor<\/strong><em>g\u00e4nge<\/em> seit ihrer Gr\u00fcndung\u201c, hei\u00dft es in einem Editorial von Hartmut Aden und Sven L\u00fcders (<strong>vor<\/strong><em>g\u00e4nge<\/em> Nr. 227\/ 2019).<\/p>\n<p>Das begann mit der Forderung nach Polizeikennzeichnung (1968) und nach Einrichtung unabh\u00e4ngiger Beschwerdestellen, beides in engem Zusammenhang mit politischen Demonstrationen. Diese Forderungen haben im Laufe der Jahre sp\u00fcrbare Ver\u00e4nderungen in einzelnen Bundesl\u00e4ndern bewirkt. Sie haben jetzt auch Niederschlag im Koalitionsvertrag gefunden, wo es hei\u00dft:<\/p>\n<p>\u201eWir f\u00fchren eine unabh\u00e4ngige Polizeibeauftragte bzw. einen unabh\u00e4ngigen Polizeibeauftragten f\u00fcr die Polizei des Bundes als Anlaufstelle beim Deutschen Bundestag mit Akteneinsichts-und Zutrittsrechten ein. Wir f\u00fchren die pseudonyme Kennzeichnung von Polizistinnen und Polizisten ein\u201c.<\/p>\n<p>Die Umsetzung dieser Pl\u00e4ne muss von uns weiter beobachtet und gegen R\u00fcckschritte verteidigt werden. Auch die Ungleichheiten bei der Aus\u00fcbung der polizeilichen Definitionsmacht sind seit langem Gegenstand der rechtspolitischen Arbeit der HU. Neuerdings muss diese Kritik am Beispiel des Racial Profiling erneuert werden.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren hat sich die HU verst\u00e4rkt Fragen der Sicherheitstechnologie zugewandt (Lauschangriff; Vorratsdatenspeicherung; Predictive Policing u. \u00e4.). Dabei haben rechtliche Fragen zunehmend an Bedeutung gewonnen und diese sind in Form von Musterprozessen von der HU erfolgreich bis zum Bundesverfassungsgericht verfolgt worden. Die gesetzgeberische Umsetzung solcher juristischer \u201eSiege\u201c m\u00fcssen wir kritisch pr\u00fcfen und notfalls erneut den Rechtsweg beschreiten.<\/p>\n<p>Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Auseinandersetzung mit der (un-)heimlichen Staatsgewalt des Verfassungsschutzes, die in der Forderung \u201eDer Verfassungsschutz muss weg!\u201c gipfelte. Von der Erf\u00fcllung solcher weitreichenden Forderungen sind wir jedoch noch weit entfernt. Es wird darum gehen, diese Diskussion am Leben zu erhalten und sie in umfassendere Fragen der Sicherheitspolitik einzubetten.<\/p>\n<p>In einem Aufsatz, der bis heute Ma\u00dfst\u00e4be gesetzt hat, argumentierte Winfried Hassemer, dass es bisher \u201ekeine progressive Vorstellung von Innerer Sicherheit\u201c gebe (<strong>vor<\/strong><em>g\u00e4nge<\/em> Nr. 124\/1993, 54 ff.). Allzu oft folge man konservativen Deutungen des Handlungsbedarfs und beschr\u00e4nke sich auf \u201eGesten des Bestreitens und Warnens\u201c. Er hat dazu Ans\u00e4tze vorgelegt, die weiterentwickelt werden m\u00fcssten: Sicherheitspolitik d\u00fcrfe nicht auf Polizeipolitik verengt werden. Sicherheitspolitik ohne R\u00fccksicht auf Jugend, Arbeit, Wohnen, Soziales, Bildung sei \u201eeine auf Dauer hoffnungslose Veranstaltung\u201c und k\u00f6nne nur als \u201eTeil einer abgestimmten Innenpolitik sinnvoll sein\u201c. F\u00fcr eine langfristig angelegt Kriminal- und Sicherheitspolitik k\u00e4me es auf dasselbe Ziel an: \u201enormstabilisierende, solidarisierende Prozesse zu initiieren und zu beg\u00fcnstigen\u201c.<\/p>\n<p>Konservative Politik fordert st\u00e4ndig eine Erweiterung der polizeilichen Kapazit\u00e4ten. Demgegen\u00fcber fragt eine progressive Polizeikritik, wieviel Polizei unsere Gesellschaft wirklich braucht. \u201eGibt es tragf\u00e4hige Alternativen zur Polizei oder wenigstens M\u00f6glichkeiten, ihre negativen Effekte einzud\u00e4mmen?\u201c (Daniel Loick, Hrsg., Kritik der Polizei, 2018). Die HU sollte sich an diesen Diskussionen aktiv beteiligen. Eine erhebliche Entkriminalisierung im Bereich der Massenkriminalit\u00e4t, einschlie\u00dflich der Drogenkriminalit\u00e4t w\u00fcrde die M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnen, einen erheblichen Teil des Polizeibudgets anderen Gemeinschaftsaufgaben (Gesundheit, Bildung etc.) zuzuf\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Kriminalpolitik<\/strong><\/p>\n<p>Auch die Kriminalpolitik hat in der Arbeit der Humanistischen Union seit ihren Anf\u00e4ngen eine bedeutende Rolle gespielt. Das zeigt sich allein schon an der gro\u00dfen Zahl von Tr\u00e4gern des Fritz-Bauer-Preises, die diesem Bereich zugeordnet werden k\u00f6nnen. Diese Tradition gilt es fortzusetzen und im Sinne einer skeptischen Kriminalpolitik weiter zu entwickeln. Dazu ist ein Schwerpunktheft (<strong>vor<\/strong><em>g\u00e4nge<\/em> Nr. 3 oder 4\/2023) geplant.<\/p>\n<p>Im Koalitionsvertrag ist der Kriminalpolitik kein eigener Abschnitt gewidmet. Die kriminalpolitischen Vorhaben der Ampel finden sich verstreut unter dem Titel \u201eInnere Sicherheit, B\u00fcrgerrechte, Justiz, Verbraucherschutz, Sport\u201c. Die zugrundeliegende kriminalpolitische Konzeption wird in einem Absatz wie folgt zusammengefasst:<\/p>\n<p>\u201eDas Strafrecht ist immer nur Ultima Ratio. Unsere Kriminalpolitik orientiert sich an Evidenz und der Evaluation bisheriger Gesetzgebung im Austausch mit Wissenschaft und Praxis. Wir \u00fcberpr\u00fcfen das Strafrecht systematisch auf Handhabbarkeit, Berechtigung und Wertungswiderspr\u00fcche und legen den Fokus auf historisch \u00fcberholte Straftatbest\u00e4nde, die Modernisierung des Strafrechts und die schnelle Entlastung der Justiz. Das Sanktionensystem einschlie\u00dflich Ersatzfreiheitsstrafen, Ma\u00dfregelvollzug und Bew\u00e4hrungsauflagen \u00fcberarbeiten wir mit dem Ziel von Pr\u00e4vention und Resozialisierung\u201c.<\/p>\n<p>Vom Ansatz her ist dagegen nur wenig einzuwenden. Allerdings fehlen unter den Beispielen gro\u00dfe Bereiche, die nach diesem Ma\u00dfstab einer gr\u00fcndlichen Revision, wenn nicht gar der Abschaffung bed\u00fcrfen. Unter diesem Gesichtspunkt werden wir als HU den jetzt anlaufenden Prozess der Gesetzgebung kritisch begleiten. Einige Beispiele daf\u00fcr, was damit gemeint ist.<\/p>\n<p><strong>Entr\u00fcmpelung des Strafrechts<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst gilt es einige offensichtlich veralteten Z\u00f6pfe abzuschneiden. Unser Strafrecht stellt \u00fcber weite Strecken ein Sammelsurium der Gefahr- und Moralvorstellungen fr\u00fcherer Epochen dar. In jeder neuen Epoche wird etwas hinzugef\u00fcgt, w\u00e4hrend nur selten etwas aus dem Bereich des Strafbaren entfernt wird. Gustav Heinemann hat als Justizminister damit begonnen, \u00dcberholtes zu entfernen (z.B. die Strafbarkeit des Ehebruchs und der Kuppelei). Dieses gute Werk w\u00e4re jedoch st\u00e4ndig und sogar verst\u00e4rkt fortzusetzen, wenn das Strafrecht tats\u00e4chlich das letzte Mittel sein soll. Vielfach w\u00fcrde das Zivilrecht ausreichen, wenn es darum geht, sozialwidriges Verhalten zu sanktionieren. \u201eFahren ohne Fahrschein\u201c und \u201eLadendiebstahl\u201c sind herausragende Beispiele daf\u00fcr, wie Unternehmer und Gesch\u00e4ftsinhaber sich ihrer Kontrollaufgaben entledigt haben und sich des Strafrechts als einer billigen Entlastung bedienen. Zugleich sind es traurige Beispiele einer Verfolgung von Armut (\u201eNeue Klassenjustiz\u201c). Diese Entwicklung umzukehren, w\u00fcrde die Strafjustiz ernsthaft entlasten. Der vom Bundesjustizministerium gegenw\u00e4rtig verfolgte Plan einer Umwandlung derartiger Straftatbest\u00e4nde in Ordnungswidrigkeiten w\u00fcrde diesen Effekt nicht haben, sondern nur den Namen der Bestrafung austauschen.<\/p>\n<p><strong>Strafbefehl <\/strong><\/p>\n<p>Kein ganz alter Zopf, aber doch einer, der dringend unter das Messer kommen sollte, ist das Strafbefehlsverfahren (\u00a7 407 ff. StPO). Es wurde eingef\u00fchrt, um F\u00e4lle minder schwerer Kriminalit\u00e4t schnell und effektiv auf schriftlichem Wege zu bearbeiten. Je nach Region sind dies bis zu 90 % der Geldstrafen. Der Strafbefehl wird per Post zugestellt. Verurteilte k\u00f6nnen binnen zwei Wochen Einspruch einlegen und damit eine Hauptverhandlung erwirken. Jedoch erfassen das die Wenigsten \u2013 viele Betroffene sind von dem schriftlichen Verfahren und der ungewohnten Rechtssprache \u00fcberfordert und begreifen weder die Strafe noch deren drohenden Vollstreckung, Diese soziale Ungerechtigkeit versch\u00e4rft sich, wenn bildungsferne Angeklagte auf einen Einspruch verzichten. Bei Nicht-Zahlung wird aus einer Geldstrafe quasi-automatisch eine Ersatzfreiheitsstrafe. Im Ergebnis dient das Strafbefehlsverfahren zwar einer gewissen Entlastung der Strafgerichtsbarkeit, zugleich tr\u00e4gt es jedoch erheblich zur \u201eneuen Klassenjustiz\u201c bei. Konsequenz m\u00fcsste die v\u00f6llige Beseitigung dieses rechtsstaatswidrigen Verfahrens sein. Leider wird dar\u00fcber offiziell noch nicht einmal mehr nachgedacht. Bei Beibehaltung des Strafbefehlsverfahrens m\u00fcsste mindestens gefordert werden, dass der\/die Beschuldigte, nach kompetenter Rechtsberatung, dieser Art der Bestrafung zustimmt.<\/p>\n<p><strong>Bet\u00e4ubungsmittelkriminalit\u00e4t <\/strong><\/p>\n<p>Die Repression gegen Drogenkonsumierende hat in den letzten Jahren ein Rekordniveau erreicht.\u00a0 Zwei Drittel davon betrifft Cannabis, zumeist den Konsum. Zwanzig Prozent aller Strafgefangenen sitzen wegen Drogendelikten ein, hinzu kommt eine gro\u00dfe Zahl, die wegen Beschaffungskriminalit\u00e4t, zumeist Diebstahl verurteilt wurden. Die zur Abwehr von Drogenkonsum in Justizvollzugsanstalten ergriffenen Ma\u00dfnahmen verursachen zudem drastische Einschr\u00e4nkungen bei den Haftbedingungen der \u00fcbrigen Gefangenen. Neue Formen der Pr\u00e4vention, Therapie und Schadensminderung werden erst m\u00f6glich, wenn die Repression einer konstruktiven Regulierung weicht und im Gegensatz zum heute g\u00fcltigen Abstinenzdogma ein vornehmlich gesundheits-politischer Ansatz mit akzeptanz-\/problemorientiertem Schwerpunkt zum Tragen kommt. Ziel w\u00e4re eine Regulierung illegaler Substanzen, d. h. ein Abbau repressiver Strukturen zugunsten gesundheitlicher Unterst\u00fctzungen und Hilfen. Ein erster Schritt w\u00e4re die seit langem \u00fcberf\u00e4llige Entkriminalisierung von Erwerb, Besitz und Verkauf von Cannabis. Diese w\u00e4re wissenschaftlich zu evaluieren und k\u00f6nnte sich als Modell f\u00fcr die Legalisierung anderer, bisher illegaler Drogen erweisen. Die gegenw\u00e4rtigen Pl\u00e4ne der einschl\u00e4gigen Ministerien (Cannabis Clubs u. \u00e4.) sind halbherzig und zur L\u00f6sung der erw\u00e4hnten Probleme ungeeignet.<\/p>\n<p><strong>Politisches Strafrecht<\/strong><\/p>\n<p>Weitgehend obsolet ist auch das politische Strafrecht. Althergebrachte Straftatbest\u00e4nde wie Hochverrat und Landesverrat werden in der Praxis kaum noch angewendet. Der mindestens symbolisch sinnvolle \u201eFriedensverrat\u201c war 1968 eingef\u00fchrt, aber schon 2016 wieder abgeschafft worden. Dagegen spielt der, Ende der 19.Jahrhunderts gegen die Sozialdemokratie eingef\u00fchrte, Straftatbestand der \u201ekriminellen Vereinigung\u201c (\u00a7 129 StGB) neuerdings erneut eine fatale Rolle bei der Verfolgung gewaltloser Protestbewegungen. Er gestattet eine Ausweitung des Strafrechts durch Vorverlagerung der Strafbarkeit und der Strafverfolgung. Der Straftatbestand m\u00fcsste wenigstens ausdr\u00fccklich auf die durch Erwerbsinteresse motivierte organisierte Kriminalit\u00e4t beschr\u00e4nkt werden. Nachgedacht werden sollte auch \u00fcber die ausufernde Strafverfolgung wegen \u00a7 86a StGB (Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen).<\/p>\n<p><strong>Strafvollzug<\/strong><\/p>\n<p>Fritz Bauer war ein Champion des \u201eFreig\u00e4ngertums\u201c. Aber der in der Folge eingef\u00fchrte Freigang als M\u00f6glichkeit, au\u00dferhalb der Anstalt einer Ausbildung oder Berufst\u00e4tigkeit nachzugehen, steht zwar in den Gesetzen, hat aber nur geringe Bedeutung erlangt. Auch der \u201eoffene Vollzug\u201c, urspr\u00fcnglich als Regelvollzugsform gedacht, k\u00fcmmert unterhalb von zwanzig Prozent dahin. Der geschlossene Strafvollzug erf\u00fcllt weder seine \u00fcberkommenen Abschreckungsziele, noch die neuerdings proklamierten Resozialisierungshoffnungen. Er bedeutet Zwangsarbeit, Zwangsarmut, Zwangsz\u00f6libat, und verst\u00f6\u00dft daher gegen grundlegende Menschenrechte. Unter humanistischen Gesichtspunkten spricht daher alles f\u00fcr einen Verzicht auf diese Institution. Gerade weil dies nur ein langfristiges Projekt sein kann, m\u00fcssen Zwischenziele ernsthaft angestrebt werden. Sofort abgeschafft werden sollte die Ersatzfreiheitsstrafe, ein weiteres Beispiel f\u00fcr die unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige Bestrafung von Armut. Dem wird durch die Pl\u00e4ne des Bundesjustizministeriums, die nur eine Halbierung der Strafl\u00e4nge vorsehen, nicht abgeholfen (vgl. Grundrechtereport 2023). Nachgedacht werden muss jedoch weiterhin auch \u00fcber die Abschaffung der lebenslangen Freiheitsstrafe. Die Inhumanit\u00e4t und Sinnlosigkeit dieser Strafe wurde im Rahmen der Humanistischen Union zuletzt in einem Tagungsbericht von Charlotte Maack thematisiert (<strong>vor<\/strong><em>g\u00e4nge<\/em> 26\/1977). Es w\u00e4re an der Zeit, darauf wieder zur\u00fcck zu kommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"stefan-huegel-digitalpolitik\"><a name=\"_Toc139538291\"><\/a><a name=\"_Toc139373543\"><\/a><a name=\"_Toc139294636\"><\/a><strong>Stefan H&uuml;gel: Digital&shy;po&shy;litik<\/strong><\/span><\/h3>\n<p>Digitalpolitik ist inzwischen eine feste Gr\u00f6\u00dfe in der B\u00fcrger- und Menschenrechtsarbeit. Die Humanistische Union arbeitet bereits lange zu den Themen des <strong>Datenschutzes<\/strong>, der <strong>Informationsfreiheit<\/strong> und der <strong>\u00dcberwachung<\/strong>.<\/p>\n<p>Seit einigen Jahren gewinnen Verfahren der <strong>K\u00fcnstlichen Intelligenz<\/strong> an Bedeutung, so dass auch sie verst\u00e4rkt der b\u00fcrgerrechtlichen Begleitung bedarf.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc139538292\"><\/a><a name=\"_Toc139373544\"><\/a><a name=\"_Toc139294637\"><\/a><strong>Datenschutz und Informationsfreiheit<\/strong><\/p>\n<p>Die heutige Gesellschaft ist durch ein starkes Machtgef\u00e4lle gekennzeichnet, das sich vor allem zwischen Einzelpersonen und (gro\u00dfen) staatlichen und wirtschaftlichen Institutionen zeigt. Institutionen \u00fcben i.\u00a0d.\u00a0R. durch Informationen Macht \u00fcber Einzelpersonen aus. Dabei sind zwei Klassen von Informationen zu unterscheiden:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Personenbezogene Informationen<\/strong>, die Personen charakterisieren und weitgehendes Wissen \u00fcber die Person selbst, ihre Lebensumst\u00e4nde oder ihre Beziehungen enthalten k\u00f6nnen. Werden solche Informationen preisgegeben, k\u00f6nnen sie zur Aus\u00fcbung von Macht genutzt werden. Neben der Sicherheit, dass solche Informationen nicht preisgegeben werden, muss auch stets bekannt sein, welche personenbezogenen Informationen preisgegeben wurden (Grundlage der grundrechtlich gesch\u00fctzten informationellen Selbstbestimmung). Den Schutz der Menschen gegen die Preisgabe dieser personenbezogenen Informationen besorgt der <strong>Datenschutz<\/strong>.<\/li>\n<li><strong>\u00d6ffentliche Informationen<\/strong> sind die Voraussetzung f\u00fcr eine aktive Teilhabe am \u00f6ffentlichen Leben und damit f\u00fcr die Demokratie. \u00d6ffentliche Institutionen kontrollieren das \u00f6ffentliche Leben mit Hilfe dieser Informationen. Au\u00dferhalb eines eng bemessenen Bereichs, bei dem \u2013 beispielsweise zur Aufrechterhaltung der \u00f6ffentlichen Sicherheit \u2013 eine Geheimhaltung unbedingt erforderlich ist, sollten solche Informationen \u00f6ffentlich verf\u00fcgbar sein \u2013 dies regelt die <strong>Informationsfreiheit<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Datenschutz und Informationsfreiheit sind damit zwei Seiten derselben Medaille und wirken zusammen: Sie sch\u00fctzen die einzelne Person gegen \u00fcberm\u00e4\u00dfige Machtaus\u00fcbung durch staatliche oder wirtschaftliche Institutionen. Sie sind nicht nur formale Rechte, sondern sie sind Voraussetzung f\u00fcr eine funktionierende demokratische Gesellschaft.<\/p>\n<p>Der Datenschutz ist u. a. durch verschiedene Entwicklungen bedroht:<\/p>\n<ul>\n<li>Zunehmende staatliche \u00dcberwachung und Datennutzung durch staatliche Beh\u00f6rden, insbesondere Sicherheitsbeh\u00f6rden,<\/li>\n<li>Datennutzung durch Wirtschaftsunternehmen, z. B. zur optimierten Kundenansprache,<\/li>\n<li>Datennutzung durch politische Parteien, z. B. zur gezielten Beeinflussung der W\u00e4hlerschaft.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Besonderes Augenmerk erfordert die Verarbeitung von gro\u00dfen Datenmengen durch Maschinelles Lernen und K\u00fcnstliche Intelligenz, bei denen neue Erkenntnisse durch die massenhafte Verarbeitung und Strukturierung von Daten gewonnen werden (siehe unten).<\/p>\n<p>Die Humanistische Union setzt sich politisch, juristisch und technisch f\u00fcr einen wirksamen Datenschutz ein. Dies umfasst die Einhaltung der einschl\u00e4gigen rechtlichen Vorschriften, insbesondere der europ\u00e4ischen Datenschutz-Grundverordnung und des damit im Zusammenhang stehenden Bundesdatenschutzgesetztes und der Landesdatenschutzgesetze. Spiegelbildlich umfasst es auch die Gesetzgebung zur Informationsfreiheit. Dar\u00fcber hinaus setzt sich die Humanistische Union politisch f\u00fcr eine Weiterentwicklung im Sinne eines besseren Schutzes der Menschen ein.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc139538293\"><\/a><a name=\"_Toc139373545\"><\/a><a name=\"_Toc139294638\"><\/a><strong>K\u00fcnstliche Intelligenz<\/strong><\/p>\n<p>K\u00fcnstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen bezeichnen Verfahren der Informatik, bei denen die Funktionalit\u00e4t von Programmsystemen, anders als bei \u201eherk\u00f6mmlicher\u201c Informatik, nicht explizit algorithmisch programmiert werden, sondern ihr Verhalten anhand von komplexen Datenbeispielen durch schrittweises \u201eLernen\u201c entwickelt. Diese Verfahren, die es im Grundsatz bereits seit den 1950er-Jahren gibt, wurden in den letzten Jahren deutlich verbessert und durch die Weiterentwicklung der Leistungsf\u00e4higkeit der Hardware praktisch nutzbar gemacht. In einzelnen, jeweils eng begrenzten Bereichen ist es gelungen, menschliche Denkleistung nachzubilden oder punktuell zu \u00fcbertreffen. Solche Large Language Models (LLM) arbeiten auf Basis von Wahrscheinlichkeiten, ohne \u201eechtes\u201c semantisches \u201eWissen\u201c \u00fcber den Gegenstandsbereich ihrer Ergebnisse. Aktuell ist das LLM ChatGPT in den Schlagzeilen, das auf der Wissensbasis des World Wide Web erstaunliche \u201eWissens-\u201c Leistungen vollbringt \u2013 bei ungen\u00fcgender Datenbasis aber auch stark irref\u00fchrende Antworten produziert. Wie jeder Computer arbeiten solche Modelle im Kern ebenfalls algorithmisch; die Ergebnisse werden aber durch die Daten bestimmt, die durch einen \u201euniversellen\u201c Lernalgorithmus verarbeitet werden.<\/p>\n<p>Maschinelles Lernen kann in mehreren Bereichen genutzt werden, die beispielsweise zu b\u00fcrgerrechtlichen Problemen f\u00fchren k\u00f6nnen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Verarbeitung von Daten \u00fcber einzelne Personen kann zu sehr differenzierten Charakterisierungen dieser Personen f\u00fchren, die z.\u00a0B. f\u00fcr gezielte politische Ansprache genutzt werden k\u00f6nnen (Targeted Advertising) und die Person damit gezielt beeinflussen und manipulieren.<\/li>\n<li>Verfahren des Maschinellen Lernens k\u00f6nnen zur Bildmanipulation eingesetzt werden (Deep Fake). Damit k\u00f6nnen gef\u00e4lschte Bilder oder Filme gezielt zur Verbreitung gef\u00e4lschter politischer Botschaften genutzt und die \u00d6ffentlichkeit damit get\u00e4uscht werden.<\/li>\n<li>Verfahren des Maschinellen Lernens k\u00f6nnen zur Steuerung autonomer Waffensysteme genutzt werden, die ohne menschliche Kontrolle \u2013 und damit ohne bzw. auf Basis nicht vorhersehbarer ethischer Prinzipien \u2013 agieren.<\/li>\n<li>Die Nutzung von Large Language Models im Bildungsbereich muss beobachtet werden. Es gibt bereits Beispiele, in denen solche Modelle Pr\u00fcfungsleistungen erfolgreich absolviert haben. Es muss untersucht werden, wie die Modelle in die Lehre integriert und ein Missbrauch verhindert werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Transport von Stereotypen und systematische Verzerrungen in der Datengrundlage des Maschinellen Lernens, die zu Diskriminierungen f\u00fchren (z.\u00a0B. sog. \u201eprogrammierter Rassismus\u201c).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Humanistische Union sieht in der K\u00fcnstlichen Intelligenz eine Chance, den Menschen in einzelnen Bereichen zu unterst\u00fctzen und zu Verbesserungen beizutragen, etwa dann, wenn erhebliche Datenmengen zur Modellierung komplexer Sachverhalte genutzt werden \u2013 beispielsweise bei Klimamodellen. Wir sehen aber auch erhebliche Risiken aufgrund der gro\u00dfen verarbeiteten Datenmengen und der fehlenden Nachvollziehbarkeit der Verarbeitung, einschlie\u00dflich der mangelnden \u00dcberpr\u00fcfbarkeit der Validit\u00e4t der Ergebnisse. Trotz erstaunlicher Ergebnisse in Einzelbereichen erwarten wir, dass die universelle Denkleistung des Menschen durch Maschinelles Lernen absehbar nicht nachgebildet werden kann.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc139538294\"><\/a><a name=\"_Toc139373546\"><\/a><a name=\"_Toc139294639\"><\/a><strong>\u00dcberwachung<\/strong><\/p>\n<p>2023 j\u00e4hren sich die Enth\u00fcllungen von Edward Snowden zum zehnten Mal. Durch diese Enth\u00fcllungen wurde deutlich, in welchem Umfang Massen\u00fcberwachung der Telekommunikation stattfindet. Dies wurde durch Erkenntnisse eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Seither wurde die Massen\u00fcberwachung nicht reduziert, sondern nimmt kontinuierlich zu. Beispielhaft daf\u00fcr stehen die von Sicherheitspolitikerinnen und -politikern immer wieder propagierte Vorratsdatenspeicherung von Metadaten der Kommunikation und in j\u00fcngerer Zeit die \u00dcberwachung von Kommunikationsinhalten unter Vorwand des Kinderschutzes (Chatkontrolle). Hier werden auch verst\u00e4rkt Verfahren der K\u00fcnstlichen Intelligenz eingesetzt, was eine gemeinsame Behandlung der beiden Themenbereiche nahelegt.<\/p>\n<p>Dies schlie\u00dft eine anlassbezogene \u00dcberwachung der Kommunikation zur Strafverfolgung \u2013 unter entsprechenden rechtlichen Vorbehalten \u2013 nicht aus. Die Humanistische Union wendet sich jedoch gegen jede anlasslose Massen\u00fcberwachung.<\/p>\n<p>Neben staatlicher \u00dcberwachung wenden wir uns auch gegen die zunehmende Sammlung von Daten durch Wirtschaftsunternehmen, beispielsweise zur Optimierung der Ansprache der Kundschaft. Mit Sorge betrachten wir die Machtkonzentration in H\u00e4nden weniger weltweit operierender Unternehmen (\u201eGAFAM\u201c). Auch hier werden zunehmend Verfahren der K\u00fcnstlichen Intelligenz eingesetzt.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc139538295\"><\/a><a name=\"_Toc139373547\"><\/a><a name=\"_Toc139294640\"><\/a><strong>Unsere Vorhaben:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Wir werden die aktuellen Entwicklungen, Chancen und Risiken im Bereich des Datenschutzes und der Informationsfreiheit, der K\u00fcnstlichen Intelligenz und der \u00dcberwachung auf der politischen Ebene beobachten und dazu Stellung nehmen \u2013 beispielsweise bei der Diskussion und Weiterentwicklung des Artificial Intelligence Act oder der Ausweitung von \u00dcberwachungsbefugnissen staatlicher Beh\u00f6rden durch die Erweiterung von Sicherheitsgesetzen.<\/li>\n<li>Dies schlie\u00dft Stellungnahmen in parlamentarischen Anh\u00f6rungen ebenso ein wie Pressemitteilungen zu aktuellen Entwicklungen und Beitr\u00e4ge in den <strong>vor<\/strong><em>g\u00e4ngen<\/em>, den <em>Mitteilungen<\/em> und ggf weiteren einschl\u00e4gigen Publikation (z.\u00a0B. Grundrechte-Report im Rahmen der Mitarbeit in der Redaktion).<\/li>\n<li>Wir behandeln das Thema K\u00fcnstliche Intelligenz in einer Schwerpunktausgabe der <strong>vor<\/strong><em>g\u00e4nge<\/em>.<\/li>\n<li>Wir planen regelm\u00e4\u00dfige virtuelle Veranstaltungen und Podcasts, bei denen wir u.\u00a0a. diese Themen behandeln wollen.<\/li>\n<li>Wir beteiligen uns an Veranstaltungen, z.B. dem Chaos Communication Congress (voraussichtlich im Dezember 2023 in Hamburg), der FIfF-Konferenz (voraus. im November 2023 in Berlin) und weiteren; z.B. durch Informationsst\u00e4nde.<\/li>\n<li>Wir beteiligen uns an Arbeitskreisen und kooperieren mit Organisationen, die zur Digitalpolitik arbeiten (z.\u00a0B. Amnesty International, FIfF).<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"wolfram-grams-paedagogik-und-bildungspolitik\"><strong>Wolfram Grams: P&auml;dagogik und Bildungs&shy;po&shy;litik<\/strong><\/span><\/h3>\n<p>Die Geschichte der Humanistischen Union belegt ihre Verbundenheit mit p\u00e4dagogischen und bildungspolitischen Fragen. Trotzdem gerieten Bildungseinrichtungen und das Recht auf Bildung aus ihrem b\u00fcrgerrechtlichen Blick, wie dies zeitgleich bei vielen Organisationen der Fall war. Das geschah parallel zu einem gesellschaftlichen Prozess der Reduktion des Bildungsbegriffs auf verwertbare Qualifikation. Zunehmend werden die Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr Bildungsqualit\u00e4t durch Metriken ersetzt, die sich daran orientieren, welche Rendite aus der gewonnenen Qualifikation in Form lukrativer Stellen und Einkommenssteigerung abgeleitet werden kann.<\/p>\n<p>Diese Tendenz wird durch eine immer weiter auseinanderklaffende Schere beim Zugang zur Bildung versch\u00e4rft. Armut erschwert diesen Zugang, Reichtum beg\u00fcnstigt ihn. Die soziale Selektion setzt sich weiterhin durch: Unver\u00e4ndert sind an den deutschen Hochschulen und Universit\u00e4ten vornehmlich die Kinder von Akademiker*innen anzutreffen. Auf der anderen Seite der Schere steht eine zunehmende Zahl von Analphabeten*innen, wie von Jugendlichen, die die Schulen ohne jeden Abschluss verlassen. Diese Probleme kumulieren seit mehreren Jahrzehnten.<\/p>\n<p>Bildungseinrichtungen in Deutschland sind dem Verfall preisgegeben. Allein der im Bereich der Schulen eingetretene Investitionsstau ist eklatant. Desastr\u00f6s jedoch ist der sich versch\u00e4rfende Personalmangel in allen Bildungseinrichtungen. Obwohl dieses Problem wegen der erkennbaren demographischen Entwicklung seit Jahren offenkundig ist, wurde seitens der Kultusb\u00fcrokratien nicht gegengesteuert.<\/p>\n<p>All das steht im Kontrast zu A<strong>rtikel 26 der Allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte.<\/strong> Er beinhaltet den Anspruch auf freien Zugang aller zu Bildungseinrichtungen. Das bedeutet, dass dies f\u00fcr alle Menschen gleicherma\u00dfen gilt, unabh\u00e4ngig von ihrer Hautfarbe, ihrer kulturellen, sozialen und ethnischen Herkunft, ihrer Sprache, ihrem Alter, ihrer Religion, ihres sozialen Status und auch ihres Verm\u00f6gens. Zudem hat die Bundesregierung die UN-Behindertenrechtskonvention gezeichnet und damit das Recht auf die Inklusion aller Kinder in das \u00f6ffentliche Bildungssystem festgeschrieben. Das Recht der Teilhabe behinderter Kinder am Regelunterricht erh\u00e4lt damit den Status eines Menschenrechts.<\/p>\n<p>Den damit vorhandenen Anforderungen k\u00f6nnen Bildungseinrichtungen gegenw\u00e4rtig nicht nachkommen. Das deutsche Bildungswesen befindet sich in einer tiefen Krise. Dem Recht auf Bildung kann es nur noch bedingt gerecht werden.<\/p>\n<p>Bildung wird damit erneut zu einem B\u00fcrgerrecht, das erk\u00e4mpft werden muss. Das gilt besonders f\u00fcr die immer gr\u00f6\u00dfer werdenden benachteiligten Gruppen.<\/p>\n<ul>\n<li>Zu diesem Zweck arbeitet die Humanistische Union gegenw\u00e4rtig in dem B\u00fcndnis \u201eSchule muss anders\u201c mit und beteiligt sich an der Vorbereitung des bundesweiten Aktionstages am 23. September 2023. Die Humanistische Union ist eine der aufrufenden Organisationen des B\u00fcndnisses.<\/li>\n<li>Kontinuierlich erscheinen in den <strong>vor<\/strong><em>g\u00e4ngen<\/em> wieder Artikel zu den Themenbereichen Bildung, Erziehung und Bildungspolitik.<\/li>\n<li>Etabliert werden soll eine Arbeitsgemeinschaft \u201eBildung &amp; Erziehung\u201c f\u00fcr Mitglieder der Humanistischen Union und Interessierte.<\/li>\n<li>Das Ressort \u201eP\u00e4dagogik und Bildungspolitik\u201c muss verkn\u00fcpft werden mit dem Aufgabenfeld \u201eSoziale Rechte\u201c.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"andrea-zielinski-staat-und-kirche-religionen-und-wertegemeinschaften\"><strong>Andrea Zielinski: Staat und Kirche, Religionen und Werte&shy;ge&shy;mein&shy;schaften<\/strong><\/span><\/h3>\n<p>\u201eReligionsfreiheit \u2244 Freiheit von Religion\u201c habe ich meinen Artikel zur 1848er Revolution genannt (GEE Journal (2023), Nr. 1, S. 16ff., <a href=\"https:\/\/gee-online.de\/journal-archiv).\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/gee-online.de\/journal-archiv).<\/a> Darum gebeten wurde ich in meiner Funktion als Vorstand und Ansprechpartnerin der Humanistischen Union, angefragt hat eine \u2013 <em>die<\/em> \u2013 religionsp\u00e4dagogische evangelische Zeitschrift. Selbstverst\u00e4ndlich war ich froh, dass die HU auf Augenh\u00f6he wahrgenommen wurde. Nun liegt also eine kleine humanistische Stimme in B\u00fccherf\u00e4chern der Lehrerzimmer der Republik.<\/p>\n<p>So etwas geh\u00f6rte auch zu meinen Aufgaben. Aber Religion ist f\u00fcr mich als Kultur- und Sozialanthropologin und Psychologin eine politische und soziale Tatsache, die es zu beobachten gilt und deren Handlungsspielr\u00e4ume immer wieder kritisch gew\u00fcrdigt werden m\u00fcssen. Die in unserem Grundgesetz verbriefte Trennung von Staat und Kirche wartet noch auf Umsetzung. Die gew\u00e4hrten Freiheiten der Religionsaus\u00fcbungen und der Schutz unterschiedlicher Traditionsgemeinschaften werden hierarchisch vergeben.<\/p>\n<p>Die Privilegierung der Kirchen durch Bund und L\u00e4nder durch die Staatkirchenvertr\u00e4ge wurden dar\u00fcber hinaus von Johann-Albrecht Haupt kritisiert. Er hat j\u00e4hrlich die Staatsleistungen der L\u00e4nder an die Kirchen aufgez\u00e4hlt und ist federf\u00fchrend bei der Forderung der Abl\u00f6sung der Staatskirchenleistungen. Ihm und Kirsten Wiese danke ich herzlich f\u00fcr ihr Engagement im Bereich \u201eStaat und Kirche\u201c.<\/p>\n<p>Und, ob es eine Freiheit von Religion in sensiblen Bereichen unserer Gesellschaft, wie zum Beispiel in der Notfallseelsorge, geben wird, liegt auch an uns.<\/p>\n<p>Der Schwerpunkt \u201eReligionen und Wertegemeinschaften\u201c wurde von mir breit aufgefasst. Wir erlebten eine kurze und heftige Diskussion in der HU anl\u00e4sslich der positiven Pressemitteilung des Landesverbands Berlin-Brandenburg zum so genannten Kopftuchurteil des Bundesverfassungsgerichtes. Diese Debatte sollten wir auf der Mitgliederversammlung weiterf\u00fchren. Zudem plane ich, f\u00fcr den <em>Grundrechte-Report<\/em> einen Artikel zur \u201eWittenberger Judensau\u201c zu schreiben.<\/p>\n<p>Ich lasse mein Amt im Vorstand der HU seit 11. April 2023 ruhen und werde wieder in einem wissenschaftlichen Rahmen das eine oder andere genannte Thema aufnehmen. Daher gibt es von meiner Seite auch derzeit keine weiteren Planungen f\u00fcr das Ressort \u201eStaat und Kirche\u201c.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":18245,"template":"","categories":[5,12,24,2952,16,3,2977,2957,2995,3003],"tags":[653,662,3072,3204,672,2546,681,656,3205],"autoren":[267],"publikationen":[3203],"class_list":["post-18753","publikation","type-publikation","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-bildung","category-datenschutz","category-innere-sicherheit","category-kuenstliche-intelligenz","category-rechtspolitik","category-staat-religion-weltanschauung","category-strafrecht-2","category-strafvollzug","category-vereinsnachrichten","category-verfassungsschutz","tag-bildung","tag-datenschutz","tag-inklusion","tag-kuenstliche-intelligenz","tag-polizei","tag-publikationen-hu-mitteilungen","tag-rechtspolitik","tag-religion","tag-ueberwachung","autoren-bundesvorstand-der-humanistischen-union","publikationen-mitteilungen-nr-248-mitteilungen"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Ressortplanung 2022\/23 des Bundesvorstandes der Humanistischen Union - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/mitteilungen-nr-248-mitteilungen\/publikation\/ressortplanung-2022-23-des-bundesvorstandes-der-humanistischen-union\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Ressortplanung 2022\/23 des Bundesvorstandes der Humanistischen Union - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"(Red.) 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