{"id":18866,"date":"2023-09-05T14:35:44","date_gmt":"2023-09-05T12:35:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=18866"},"modified":"2023-09-08T10:27:56","modified_gmt":"2023-09-08T08:27:56","slug":"editorial-77","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/249-mitteilungen\/publikation\/editorial-77\/","title":{"rendered":"Editorial"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Mitglieder,<\/p>\n<p>im August und September erinnern wir uns in jedem Jahr an zwei Ereignisse, die Anfang und Ende der vielleicht gr\u00f6\u00dften Katastrophe der Menschheitsgeschichte markieren: Am 1. September 1939 begann mit dem deutschen \u00dcberfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. Am 6. und 9. August 1945 endete er faktisch, als in Hiroshima und Nagasaki hunderttausende Menschen im atomaren Feuer verbrannten. Dazwischen liegen sechs Jahre Krieg mit Millionen Toten, der Vernichtungskrieg der Deutschen Wehrmacht mit unvorstellbaren Verbrechen und der Holocaust an J\u00fcdinnen und Juden und allen Menschen, die nicht in das rassistische oder ideologische Weltbild der nationalsozialistischen Machthaber \u2013 und vieler Deutscher, die ihnen bereitwillig folgten \u2013 passten.<\/p>\n<p>Doch schnell wurde versucht, zur Tagesordnung \u00fcberzugehen; fr\u00fchere Mitglieder von NSDAP und SS bekleideten in der Bundesrepublik wieder h\u00f6chste Staats\u00e4mter. Aber es gibt auch Menschen, die sich gegen das Vergessen und die Straflosigkeit der Verbrechen stellten. Die Auschwitz-Prozesse in den fr\u00fchen 1960er-Jahren, die Studierendenbewegung von 1968, sp\u00e4ter die Fernsehserie <em>Holocaust<\/em> und nicht zuletzt auch die historische Rede des Bundespr\u00e4sidenten Richard von Weizs\u00e4cker 1985 sind Wegmarken der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Schuld, die wir Deutschen auf uns geladen haben.<\/p>\n<p>Mitglieder der Humanistischen Union wissen das selbstverst\u00e4ndlich alles. Und doch m\u00fcssen wir anscheinend immer wieder daran erinnern. Diese Erinnerung darf nicht zum Ritual verkommen \u2013 stets m\u00fcssen wir im Blick behalten, was die Erinnerung und die Erfahrung f\u00fcr heutige Politik bedeuten. Was bedeutet es, wenn wir sagen: \u201eDas darf nie wieder geschehen\u201c?<\/p>\n<p>Eine Konsequenz ist Artikel 87a (2) des Grundgesetzes: \u201eAu\u00dfer zur Verteidigung d\u00fcrfen die Streitkr\u00e4fte nur eingesetzt werden, soweit dieses Grundgesetz es ausdr\u00fccklich zul\u00e4sst.\u201c Das Deutschland der Nachkriegsjahre legte sich gr\u00f6\u00dfte au\u00dfen- und milit\u00e4rpolitische Zur\u00fcckhaltung auf. Doch seit der Jahrtausendwende scheint die Erinnerung zu verblassen. Die Gedenkveranstaltungen finden immer noch statt. Doch die deutsche Verantwortung wird zur Verpflichtung milit\u00e4rischer Intervention umgedeutet. Erste Schritte dahin waren der Auschwitz-Vergleich des damaligen Au\u00dfenministers Joschka Fischer und das Wort des Verteidigungsministers Peter Struck, die Freiheit Deutschlands werde auch am Hindukusch verteidigt \u2013 mit den bekannten Folgen. Heute h\u00e4lt Bundeskanzler Olaf Scholz seine im Bundestag vielumjubelte \u201eZeitenwende\u201c-Rede, (nicht nur) der Bundesverteidigungsminister l\u00e4sst sich vor jedem milit\u00e4rischen Ger\u00e4t ablichten, dessen er habhaft werden kann, T\u00f6tungsmaschinen wie der Kampfpanzer Leopard werden als Pl\u00fcschtier verniedlicht und der Bundeslandwirtschaftsminister (!) posiert stolz im Flecktarn. Nebenbei wird eine gigantische Erh\u00f6hung des Milit\u00e4rhaushalts direkt ins Grundgesetz geschrieben (Artikel 87a (1a) GG).<\/p>\n<p>Vielleicht erfordern besondere Zeiten besondere Ma\u00dfnahmen. Doch das Milit\u00e4r muss stets die <em>Ultima Ratio<\/em> sein. In unserem Schwerpunkt der <strong>vor<\/strong><em>g\u00e4nge<\/em>-Ausgabe Nr. 239\/240 \u2013 <em>Keine Chance f\u00fcr den Frieden?<\/em> \u2013 setzen wir uns differenziert mit dieser Frage angesichts des Kriegs Russlands gegen die Ukraine auseinander.<\/p>\n<p>Gerade ist es auch ein Jahr her, dass der Verfassungsrechtler und langj\u00e4hrige Kollege im Bundesvorstand Martin Kutscha verstorben ist. Ihm zu Ehren richteten wir im Mai ein Symposium aus, das in einer weiteren Ausgabe der <strong>vor<\/strong><em>g\u00e4nge<\/em> dokumentiert ist: <em>Demokratie und Rechtsstaat verteidigen \u2013 ein Heft zu Ehren von Martin Kutscha<\/em> (Nr. 241).<\/p>\n<p>Diese Ausgabe der Mitteilungen enth\u00e4lt die Einladung zur diesj\u00e4hrigen Mitgliederversammlung der Humanistischen Union, die am 14.\/15. Oktober 2023 im Residenzschloss in Rastatt stattfinden wird. Dazu lade ich Sie im Namen des Bundesvorstands herzlich ein. Auf der Mitgliederversammlung sollen auch neue Vorstandsmitglieder gew\u00e4hlt werden, da zwei Personen aus dem Bundesvorstand voraussichtlich zur\u00fccktreten wollen. Sollten Sie kandidieren wollen und dies uns noch nicht mitgeteilt haben, teilen Sie das der Bundesgesch\u00e4ftsstelle bitte vorab mit. Besonders freue ich mich auf die Verleihung des Fritz-Bauer-Preises an Menschen, die auf juristischem Weg entscheidend dazu beigetragen haben, ein wichtiges Zeichen f\u00fcr die Zukunft unseres Planeten und unserer Kinder zu setzen. Auch dabei geht es um B\u00fcrger- und Menschenrechte, f\u00fcr die die Humanistische Union steht. Deswegen zeichnen wir in diesem Jahr die Verfassungsbeschwerdef\u00fchrenden gegen das Klimaschutzgesetz aus. Die Preisverleihung findet am 14. Oktober um 19 Uhr im Residenzschloss Rastatt statt.<\/p>\n<p>In diesem Sinne freue ich mich auf ein Wiedersehen in Rastatt und gr\u00fc\u00dfe Euch und Sie herzlich,<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Stefan H\u00fcgel<\/em><\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[6,2976,2948,2995],"tags":[2546,770],"autoren":[252],"publikationen":[3262],"class_list":["post-18866","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","category-frieden","category-klima","category-verein","category-vereinsnachrichten","tag-publikationen-hu-mitteilungen","tag-verbandsnachrichten","autoren-stefan-huegel","publikationen-249-mitteilungen"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Editorial - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/249-mitteilungen\/publikation\/editorial-77\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Editorial - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Liebe Mitglieder, im August und September erinnern wir uns in jedem Jahr an zwei Ereignisse, die Anfang und Ende der vielleicht gr\u00f6\u00dften Katastrophe der Menschheitsgeschichte markieren: Am 1. 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