{"id":18912,"date":"2023-09-07T21:42:28","date_gmt":"2023-09-07T19:42:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=18912"},"modified":"2023-09-11T12:45:54","modified_gmt":"2023-09-11T10:45:54","slug":"it-in-schulen-erziehung-zu-autonomie-oder-konformitaet-oder-warum-man-datenverarbeitung-nicht-mit-paedagogik-verwechseln-darf","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-241\/publikation\/it-in-schulen-erziehung-zu-autonomie-oder-konformitaet-oder-warum-man-datenverarbeitung-nicht-mit-paedagogik-verwechseln-darf\/","title":{"rendered":"IT in Schulen: Erziehung zu Autonomie oder Konformit\u00e4t? Oder: Warum man Datenverarbeitung nicht mit P\u00e4dagogik verwechseln darf"},"content":{"rendered":"<p><em>Seit mehr als 40 Jahren wiederholen sich Diskussionen und Kontroversen \u00fcber Sinn und Unsinn von Informationstechnik (IT) in Bildungseinrichtungen. Wurde bislang \u00fcber das Arbeiten an und mit PC, Laptop oder Tablet debattiert, drehen sich aktuelle Diskussionen verst\u00e4rkt um netzbasierte Anwendungen mit R\u00fcckkanal f\u00fcr Sch\u00fclerdaten. Das Sch\u00fcler*innenverhalten wird per Software ausgewertet, um Lehrinhalte automatisiert und \u201eindividualisiert\u201c anzupassen. Erg\u00e4nzt werden solche Lernprogramme um Anwendungen der sogenannten \u201eK\u00fcnstliche Intelligenz\u201c (KI), die als \u201eLernbegleiter\u201c fungieren und zumindest perspektivisch fehlende Lehrkr\u00e4fte ersetzen (sollen). Damit werden technische Systeme in Schulen etabliert, von denen nicht einmal mehr die Entwickler wissen, was diese Algorithmen genau tun.<\/em><\/p>\n<p><em>Das erfordert einen kritisch-reflektierenden Diskurs. Daf\u00fcr vertritt Ralf Lankau im vorliegenden Aufsatz die These, dass essenzielle Elemente der Bildung, wie die Erziehung zu Selbstbewusstsein, Reflexion und einer kritischen B\u00fcrgerschaft, mit solchen Lernprogrammen verloren gehen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"das-deja-vu-der-lernmaschinen\">Das D&eacute;j&agrave;-vu der Lernma&shy;schinen<\/span><\/h3>\n<p>Diskussionen \u00fcber den Einsatz von Medien mit dem Ziel der Automatisierung von Lehr- und Lernprozessen haben eine lange Vorgeschichte. Den Anfang machte der P\u00e4dagoge Johann Amos Comenius mit seinem Bilderbuch Orbis sensualium pictus (Die sichtbare Welt, 1658). Dieses zweisprachige lateinisch-deutsche B\u00fcchlein sollte durch die Gegen\u00fcberstellung der deutschen und lateinischen Worte, erg\u00e4nzt um illustrierende Holzschnitte, das Lernen vereinfachen. Bezeichnenderweise wurde zugleich behauptet, bei Einsatz dieses Lehrmittels k\u00f6nne man Lehrkr\u00e4fte durch Hilfslehrer ersetzen. Diese m\u00fcssten ja nicht mehr unterrichten, sondern nur das korrekte Abschreiben der Vokabeln und auf richtige gegebene Antworten \u00fcberpr\u00fcfen (H\u00fcbner 2005). In heutiger Diktion hie\u00dfe das Lernbegleiter und \u201eselbstorganisiertes Lernen\u201c (SOL). Das illustrierte Buch wird heute durch interaktive Lernsoftware mit automatisiertem Feedback und\/oder Avatar ersetzt. Die zugrundeliegenden Schemata der Medialisierung mit dem Ziel der Standardisierung von Lerninhalten und Pr\u00fcfungen bei gleichzeitiger Dequalifizierung der Lehrenden zieht sich als Konstante durch die Geschichte der Unterrichtsmedien.<\/p>\n<p>Claus Pias beschreibt den Einsatz von Unterrichtsmaschinen und der die dahinterstehenden Theorien im 20. Jh. und referiert die technisch determinierten Phrasen wie \u201eLerngutprogrammierung\u201c, \u201eLehrstoffdarbietungsger\u00e4te\u201c und \u201eRobbimaten\u201c. \u201eDie Idee, Lehre lie\u00dfe sich automatisieren, um sparsamer, effektiver und sachgem\u00e4\u00dfer zu unterrichten, sei viel \u00e4lter als das Internet\u201c (Pias 2013). Der Unterschied: Im 21. Jahrhundert sind es keine P\u00e4dagog*innen mehr wie Comenius im 17. Jahrhundert, die sich f\u00fcr den Einsatz technischer Medien einsetzen, sondern Psycholog*innen. Der Fokus liegt nicht auf der Vermittlung von Sachverhalten mit dem Ziel des Verstehens, sondern auf der automatisierten Pr\u00fcfbarkeit von Lernleistungen. Pias zitiert unter anderem den Psychologen Pressey, der bereits 1926 beklagte, Erziehung habe den geringsten Wirkungsgrad aller denkbaren Unternehmungen, daher m\u00fcsse der Lehrbetrieb arbeitswissenschaftlich optimiert werden. \u201eIm Klartext: Wie bekommt man mit m\u00f6glichst wenig Ressourcen m\u00f6glichst viel Stoff m\u00f6glichst schnell in die K\u00f6pfe?\u201c (Pias 2013)<\/p>\n<p>Aus Lehren und Lernen mit dem Ziel, Wissen und K\u00f6nnen zu vermitteln respektive sich anzueignen, um sich selbstbestimmt in einer komplexen Umwelt orientieren und agieren zu k\u00f6nnen, wird ein medienbasiertes \u201eteaching to the test\u201c, das gerne als Lernbulimie bezeichnet wird. Nicht mehr das Verstehen von Zusammenh\u00e4ngen ist gefragt, sondern Repetitionswissen und Pr\u00fcfbarkeit. Parameter der produzierenden Industrie (Effizienzsteigerung, Kostenreduktion, Prozessoptimierung) werden auf Lernprozesse \u00fcbertragen. Lernen wird zur Selbstoptimierung nach externen Vorgaben. Das sind keine p\u00e4dagogischen, es sind betriebswirtschaftliche Modelle der Chicago School of Economics von Gary Becker, Milton Friedman und anderen. Das Ziel ist Humankapital mit gepr\u00fcften Kompetenzen. Diese \u00f6konomistischen Ans\u00e4tze sind f\u00fcr menschliches Sozialverhalten (Lernen ist ein individueller und sozialer Prozess, Verstehen l\u00e4sst sich nicht standardisieren) unterkomplex, wie es der Philosoph und Wirtschaftsnobelpreistr\u00e4ger Amartya Sen (2020) aufzeigt. Aber Technizist*innen sind eine starke Fraktion im Bildungsdiskurs. Sie setzen Medien(-technik) flexibel ein, B\u00fccher werden integriert wie Funk, TV oder Computer. Im Grundverst\u00e4ndnis aber fr\u00f6nen sie einem mechanistischen Lernverst\u00e4ndnis der Input-Output-Schemata. Aus dem N\u00fcrnberger Trichter wird heute ein Erkl\u00e4rvideo, eine Animation oder ein Computerspiel; man selbst wird als Gamer zum Akteur in virtuellen Welten. Aber es bleibt ein Regelkreislauf der Kybernetik (siehe unten). Denn Software zeichnet sich dadurch aus, dass alle nur denkbaren Aktionen vorab festgelegt sein m\u00fcssen, da andernfalls der Systemabsturz (\u201eBlue Screen\u201c, eingefrorenes System) droht.<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"psychologen-statt-paedagogen\">Psychologen statt P&auml;dagogen<\/span><\/h3>\n<p>Impulsgeber der Berechenbarkeit von Lernprozessen waren Vordenker der Allgemeinen Psychologie wie William Stern, der bereits im Jahr 1900 die \u201ePsychologisierung des gesamten menschlichen Lebens\u201c prognostizierte. Stern und Kollegen wie Hugo M\u00fcnsterberg propagierten seit 1912 als psychotechnische Maxime: \u201eAlles muss messbar sein\u201c (M\u00fcnsterberg 1914). Daf\u00fcr wurden immer ausgefeiltere und kleinteiligere Aufgabenstellungen (beim Einsatz von digitalen Medien \u201eLernsettings\u201c) und Messmethoden zur Stimulation und Manipulation der Probanden entwickelt. Die Messung wird zur Leitdisziplin des \u201ePsycho-Ingenieurs\u201c<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\"><strong>[1]<\/strong><\/a>. Diese technizistische Sicht auf den Menschen und seine (ebenso mechanistisch verstandene) Psyche war die Voraussetzung daf\u00fcr, dass Vertreter*innen wie der Psychologe David McClelland glaubten, daraus das \u201ep\u00e4dagogische Versprechen einer umfassenden Formbarkeit des Menschen\u201c ableiten zu k\u00f6nnen (zit. nach Gelhard 2011: 120). Psycholog*innen sind nicht mehr Analytiker*innen und Diagnostiker*innen, sie werden zu Konstrukteur*innen. Erziehen und Unterrichten wird nicht als dialogischer und im Idealfall ergebnisoffener Prozess zwischen P\u00e4dagog*innen und Heranwachsenden verstanden, sondern als ein Zurichten nach extern definierten Vorgaben. Aus Erziehung wird Drill, wenn auch teilweise als (Computer)Spiel (Stichwort: Gamification) kaschiert. Entscheidend ist nicht (mehr), wer jemand ist und welche Pers\u00f6nlichkeit sich durch Erziehung und Unterricht entwickeln k\u00f6nnte, sondern wer daraus geformt werden soll. Digitale Medien sind, wie in China zu sehen, die ideale technische Infrastruktur f\u00fcr autorit\u00e4re Erziehungs- und Normierungsmethoden.<\/p>\n<p>Selbst Emotionen sind nach diesem Verst\u00e4ndnis Kompetenzen<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\"><strong>[2]<\/strong><\/a>, die man trainieren und zur Selbstoptimierung ver\u00e4ndern k\u00f6nne. Das wird in den 1930er Jahren als <em>\u201eBig Five\u201c-Modell der Pers\u00f6nlichkeitspsychologie systematisiert und nach den Anfangsbuchstaben der englischen Begriffe als OCEAN-Modell publiziert<\/em><a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\"><strong>[3]<\/strong><\/a>. Mit Hilfe von <em>f\u00fcnf Dimensionen und deren Auspr\u00e4gung auf einer Skala von \u201eschwach bis stark ausgepr\u00e4gt\u201c<\/em> k\u00f6nne man die Pers\u00f6nlichkeit der Probanden erfassen kann \u2013 und mit entsprechenden Methoden beeinflussen und sogar umformen (affective computing)<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\"><strong>[4]<\/strong><\/a>.<\/p>\n<p>Wer dabei an den libert\u00e4ren Paternalismus von Nudging denkt \u2013 das mehr oder weniger direkte Beeinflussen von Verhalten durch das \u201eAnstupsen\u201c der Nutzer*innen oder an persuasive (verhaltens\u00e4ndernde) Techniken, die heute bei der Gestaltung von graphischen Oberfl\u00e4chen (Graphics User Interfaces, GUI) eingesetzt werden \u2013, liegt richtig. Durch die entsprechende Gestaltung l\u00e4sst sich bei digitalen und interaktiven Bildschirmmedien steuern, auf was Nutzer*innen re-agieren. Um die Wirkm\u00e4chtigkeit dieser Kombination aus Wahrnehmungs- und Verhaltenssteuerung etwa durch Apps zu verdeutlichen, sei der israelische Historiker Yuval Noah Harari zitiert, der durch B\u00fccher wie Homo Deus als Technik-Apologet bekannt wurde. Er wurde vom Chefredakteur des Handelsblatts, Sebastian Matthes, im Interview zum Jahreswechsel 2021\/22 gefragt, warum er kein Smartphone habe. Die Antwort dieses Wissenschaftlers, der sich dezidiert mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf menschliches Verhalten befasst, ist erhellend. Er sei nicht naiv und wisse, dass er in einer zunehmend smarten Umwelt auch ohne Smartphone verfolgt werden k\u00f6nne. Es gehe um mehr:<\/p>\n<p><em>\u201eDer Hauptpunkt ist, Ablenkungen fernzuhalten. Ich wei\u00df, wie schwierig es ist, den Geist zu kontrollieren, konzentriert zu bleiben. Und au\u00dferdem: Die Menschen auf der anderen Seite des Smartphones \u2013 die kl\u00fcgsten Menschen der Welt \u2013 haben in den vergangenen 20 Jahren gelernt, wie man das menschliche Gehirn durch das Smartphone hacken kann. Denen bin ich nicht gewachsen. Wenn ich gegen die antreten muss, werden sie gewinnen. Also gebe ich ihnen nicht meinen Bildschirm, gew\u00e4hre ihnen keinen direkten Zugang zu meinem Gehirn\u201c (Matthes 2021).<\/em><\/p>\n<p>Das Gehirn wurde gehackt (Finsterbusch 2018). Forscher*innen schlugen Alarm, IT-Konzerne selbst wollten ihre Nutzer*innen vor der Sucht bewahren, hie\u00df es. Bislang ohne Konsequenzen. Der Funktionsumfang der digitalen Endger\u00e4te und die Bildschirmzeiten steigen weiter kontinuierlich. Smart steht dabei nicht f\u00fcr intelligent, sondern f\u00fcr digital gesteuert. Ob Smart Home, Smart Work oder Smart City: Immer mehr Sensoren, Kameras und Mikrofone werden installiert, immer mehr Apps zeichnen permanent Nutzerdaten auf und senden sie in die \u201eCloud\u201c (zentrale Rechenzentren von Amazon, Google und Microsoft), in denen sie ausgewertet werden, um beliebige Ger\u00e4te \u2013 oder Menschen \u00fcber das Netz zu beeinflussen und, wenn m\u00f6glich, gar zu steuern.<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"begriffsklaerung-was-bedeutet-digital-und-digitalisieren\">Begriffs&shy;kl&auml;&shy;rung: Was bedeutet digital und digita&shy;li&shy;sie&shy;ren?<\/span><\/h3>\n<p>Auf den 177 Seiten des Koalitionsvertrags der Ampel-Regierung vom Dezember 2021 steht der Begriff \u201edigital\u201c fast 270-mal, in allen m\u00f6glichen Varianten. Vom \u201edigitalen Aufbruch\u201c \u00fcber \u201edigitale Bildung\u201c, \u201edigitale B\u00fcrgerrechte\u201c und \u201edigitale Teilhabe\u201c findet sich ein bunter Reigen an Wortkombinationen bis zum pauschalisierenden Ausdruck des sogenannten \u201edigitalen Zeitalters\u201c. Egal, ob Gesundheitssystem, Wirtschaftsf\u00f6rderung oder Umweltschutz: Alles m\u00fcsse vollst\u00e4ndig, vor allem schneller digitalisiert werden. Digitalisierung ist das Mantra und die L\u00f6sung zugleich? Sinnvoller ist, Begriffe zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Das englische \u201edigit\u201c ist die Zahl oder Ziffer. Als Adjektiv bedeutet digital: \u201ein Ziffern dargestellt oder auf Digitaltechnik oder -verfahren beruhend\u201c. Als Verb bedeutet \u201eetwas zu digitalisieren\u201c, ein beliebiges in ein digitales Signal umzuwandeln und\/oder Informationen in maschinenlesbare Daten umzuwandeln, sprich: von Maschinen lesbar zu machen. Ob Text oder Bild, Mimik oder Gestik, Raumtemperatur oder Luftfeuchtigkeit: Alles wird durch entsprechende Sensoren, Kameras oder Mikrofone aufgezeichnet und technisch zu Daten, Dateien und Datens\u00e4tzen konvertiert. Diese Digitalisate werden anschlie\u00dfend nach der Logik von Datenverarbeitungssystemen \u2013 alle Rechner sind Datenverarbeitungssysteme \u2013 mit Hilfe entsprechender Programme und Algorithmen be- und verarbeitet. Letztere sind Handlungsanweisungen (Operationsbefehle), wie Rechner Daten verarbeiten (sollen). Spricht man von Digitalisierung im Kontext von Sozialsystemen, bedeutet Digitalisierung, dass Daten \u00fcber menschliches Verhalten, die Psyche und Emotionen aufgezeichnet, maschinenlesbar gemacht und maschinell ausgewertet werden. Offen ist, wer was mit diesen Daten machen darf und kann.<\/p>\n<p>Digitale Transformation bezeichnet die Forderung von IT- und Wirtschaftsverb\u00e4nden, zunehmend alle menschlichen Lebensbereiche nach den Parametern und Anforderungen von Datenverarbeitungssystemen und der Daten\u00f6konomie umzustrukturieren und somit der Logik von Algorithmen und Berechenbarkeit anzupassen. Die Konsequenz: Es z\u00e4hlt nur noch, was als Daten erfasst (datafiziert), algorithmisch berechnet und gesteuert werden kann. Der Dreisatz der Digitaltechnik lautet: Automatisieren, Digitalisieren, Kontrollieren (Zuboff 1988). Nicht mehr der Mensch mit seinen Bed\u00fcrfnissen steht im Mittelpunkt technischer Anwendungen, sondern die Effizienz und Optimierung der Datenverarbeitungssysteme. Das f\u00fchrt letztlich zum \u00dcberwachungskapitalismus (Zuboff 2018) oder \u2013 wie im Falle von Schulen \u2013 zur \u00dcberwachungsp\u00e4dagogik (Burchardt\/Lankau 2020). Der Leitbegriff der Digitalist*innen daf\u00fcr ist \u201eBig Data\u201c oder \u2013 da Big Data sehr nach Big Brother klingt \u2013 die vermeintlich objektivierenden \u201eData Sciences\u201c. Die Konsequenzen der Datafizierung f\u00fcr Bildungseinrichtung beschreibt Sigrid Hartong (siehe unten).<\/p>\n<p>Der relativ neue Begriff \u201eDigitalit\u00e4t\u201c soll die digital codierte Verbindung von Mensch zu Mensch, zwischen Menschen und Objekten und zwischen Menschen und den Objekten des \u201eInternet of Things\u201c (IoT) umfassen. Statt der eher technischen Definitionen der Digitalisierung sollen mit dem Kunstbegriff der Digitalit\u00e4t soziale und kulturelle Praktiken beschrieben werden, \u00e4hnlich dem (ebenso ungenauen) \u201edigital lifestyle\u201c. Dieser Begriff beschreibt die Akzeptanz der Allgegenwart von Datenerfassungssystemen und die Dominanz netzbasierter Dienste der Big Five der IT<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\"><strong>[5]<\/strong><\/a>. Die Kultur der Digitalit\u00e4t (Stalder) legitimiert die permanente Interaktion von Menschen mit digitalen Endger\u00e4ten, ohne Folgen und Reichweite zu reflektieren, obwohl ein Blick nach China oder die Lekt\u00fcre der von der ehemaligen Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen geleakten \u201eFacebook-Files\u201c reichen w\u00fcrde, um die Gefahren der Digitalit\u00e4t wahrzunehmen (Lankau 2021b; Reuter 2021; WJS o.J.). Dabei geht es bekannterma\u00dfen um viel mehr als um Daten: Die Datafizierung menschlichen Verhaltens und seiner Lebensr\u00e4ume wird zur Heilslehre und Religion. Harari beschreibt in Homo Deus die Vision aus Allgegenwart und Allmacht technischer Systeme, in denen Menschen nurmehr Datenspender und Systemoptimierer sind:<\/p>\n<p><em>\u201eMenschen sind lediglich Instrumente, um das Internet der Dinge zu schaffen, das sich letztlich vom Planeten Erde aus auf die gesamte Galaxie und sogar das gesamte Universum ausbreiten k\u00f6nnte. Dieses kosmische Datenverarbeitungssystem w\u00e4re dann wie Gott\u201c (Harari 2017: 515).<\/em><\/p>\n<p>Auf die Idee, Datenverarbeitungssysteme als die neuen G\u00f6tter zu vermarkten, k\u00f6nnen nur Digital-Adventist*innen kommen. Dabei kommt der Begriff \u201eK\u00fcnstliche Intelligenz\u201c aus der Mathematik und Elektrotechnik und hat dabei nichts mit Intelligenz im menschlichen Sinne zu tun. Was als \u201eArtificial Intelligence\u201c (AI) oder deutsch KI bezeichnet wird, ist eine zum Teil hochkomplexe und mittlerweile extrem leistungsstarke automatisierte Datenverarbeitung. Letztlich bleiben es jedoch Rechenoperationen. Die Microsoft-Deutschland-Chefin Sabine Bendiek pr\u00e4zisierte in einem FAZ-Interview: \u201eEine KI kann viele Dinge ganz toll, aber letztlich rechnet sie auf Basis von gro\u00dfen Datenmengen.\u201c (Armbruster 2019) \u201eEs denkt nicht\u201c hei\u00dft das empfehlenswerte Buch von Rudolf Seising dazu, in dem er die vergessene Geschichte der KI (genauer: der Kybernetik) beschreibt und \u201eArtificial Intelligence\u201c als Marketingphrase identifiziert.<\/p>\n<p>Datenverarbeitende Systeme sind ideal bei der Normierung und Standardisierung sowie der automatisierten Kontrolle und Steuerung von Prozessen mit definierten Ergebnissen. Werden Prinzipien der informationstechnischen Systeme \u2013 hier das Aufzeichnen und Verdaten von menschlichem (Sozial-)Verhalten mit dem Ziel der Verhaltenssteuerung \u2013 auf Bildungseinrichtungen und Lehr- und Lernsituationen \u00fcbertragen, prallen gegens\u00e4tzliche Logiken aufeinander. P\u00e4dagogische Arbeit mit Bildungsanspruch hat das reflektierende und selbstverantwortlich und bewusst handelnde Individuum zum Ziel, das sich als eigenst\u00e4ndige Pers\u00f6nlichkeit in die Sozialgemeinschaft integrieren und ein selbstbestimmtes Leben f\u00fchren kann. Das eigentliche Ideal der P\u00e4dagogik ist die Vielfalt der Pers\u00f6nlichkeiten und Lebensentw\u00fcrfe aus freier Entscheidung und gerade keine Standardisierung und Messbarkeit. Wer \u00fcber Digitalisierung und die \u201eK\u00fcnstliche Intelligenz\u201c spricht, sollte daher immer darauf verweisen (m\u00fcssen), dass es um das Sammeln und Auswerten von (Nutzer*innen-)Daten geht, um diese maschinenlesbar zu machen oder kurz: Digitalisierung ist kein p\u00e4dagogisches Konzept.<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"kybernetik-und-behaviorismus-als-matrix\">Kybernetik und Behavi&shy;o&shy;rismus als Matrix<\/span><\/h3>\n<p>Seit den 1950er Jahren befassen sich neben der Psychologie zwei weitere wissenschaftliche Disziplinen mit Steuerungsm\u00f6glichkeiten von Menschen: Kybernetik und\u00a0 Verhaltensforschung. Kybernetik<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\"><strong>[6]<\/strong><\/a> bedeutet Steuermannskunst, bei Homer in der urspr\u00fcnglichen Wortbedeutung \u201eSteuermann\u201c. Der Namensgeber der heutigen Kybernetik, Norbert Wiener, benutze Kybernetik im \u00fcbergeordneten Sinn von Regelungstechnik und Nachrichten\u00fcbertragung f\u00fcr technische Systeme. Er beanspruchte deren G\u00fcltigkeit allerdings ebenso f\u00fcr Lebewesen (Organismen) und Sozialgemeinschaften. Das ist die Br\u00fccke zur Biologie und der behavioristischen Verhaltensforschung.<\/p>\n<p>Wiener war Mathematiker und kooperierte mit mathematischen Behavioristen wie B. F. Skinner, der mit (verhaltens-)biologischen Modellen arbeitete. Gemeinsam ist beiden Ans\u00e4tzen die Behauptung der Steuerbarkeit von Lebewesen mit berechenbaren Ergebnissen. In der Kybernetik ist das Grundmodell ein Regelkreislauf wie beim Thermostat (Temperaturmessung und automatisches \u00d6ffnen oder Schlie\u00dfen des Ventils bei Abweichung vom definierten Messwert). In der Biologie dienen daf\u00fcr Input-Output-Modelle, die mittlerweile selbst f\u00fcr den Reflex des Pawlowschen Hundes widerlegt sind. Kybernetik wird heute unter dem Label der \u201eK\u00fcnstliche Intelligenz\u201c propagiert, obwohl es ausschlie\u00dflich mathematische Modelle (Mustererkennung, Wahrscheinlichkeitsrechnung, Statistik) sind. Der korrekte und von den damals beteiligten Wissenschaftlern vorgeschlagene Begriff w\u00e4re \u201ecomplex information processing\u201c (komplexe Informationsverarbeitung). Dieser technisch korrekte Terminus konnte auf der Konferenz 1956 am Dartmouth College in Hanover, New Hampshire (USA) nicht durchgesetzt werden. Stattdessen gelang es John McCarthy, den Begriff \u201eArtificial intelligence\u201c (K\u00fcnstliche Intelligenz) zu etablieren, den er bereits bei Forschungsantr\u00e4gen werbewirksam benutzt hatte (Seising 2021: 118). Gemeinsam ist Kybernetiker*innen und Behaviorist*innen der Glaube, Menschen als mathematisches respektive biologisches Regelsystem definieren und mit Hilfe entsprechender Parameter steuern zu k\u00f6nnen: messen, steuern, regeln als mathematisch-technisch, programmiertes Lernen als biologische Variante.<\/p>\n<p>Beide Ans\u00e4tze sind bereits in den 1970er Jahren gescheitert. Kybernetik-Lehrst\u00fchle wurden nicht mehr besetzt (der sogenannte KI-Winter), das programmierte Lernen (samt Sprachlaboren) verworfen. Der deutsche Informatik-Pionier Joseph Weizenbaum verspottete denn auch diese \u201eartificial intelligentsia\u201c und warf ihnen fehlgeleitetes technokratisches Denken vor (Konrad 1998: 288). Beide Theorien erleben heute eine Renaissance. Behauptet wird, dass nur die mangelnde Leistungsf\u00e4higkeit der damaligen Rechnersysteme Ursache des Scheiterns gewesen w\u00e4ren. Heute werden Psychotechniken aus der Wahrnehmungspsychologie und Verhaltensforschung in sogenannten Social Media-Anwendungen eingesetzt, um Nutzer*innen m\u00f6glichst lange am Bildschirm zu halten. Das \u201eprogrammierte Lernen\u201c wird heute in der Variante des \u201eselbstorganisierten Lernens\u201c (SOL) mit Hilfe von Lernsoftware und Learning Analytics vermarktet, erg\u00e4nzt um einen Avatar als \u201eLernpartner\u201c- und den st\u00e4ndigen R\u00fcckkanal f\u00fcr Nutzerdaten. Denn Daten sind das Kapital der Daten\u00f6konomie, personalisierte Verhaltensdaten der Nutzer*innen der Goldstandard.<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"logik-der-datafizierung\">Logik der Datafi&shy;zie&shy;rung<\/span><\/h3>\n<p>Sigrid Hartong hat in ihrem Aufsatz Wir brauchen Daten, noch mehr Daten, bessere Daten! (2018) diese Grundpr\u00e4missen der datengest\u00fctzten Schulentwicklung ebenso kritisiert wie die absehbaren Folgen (Hartong 2019). Wer datenbasiert entscheiden will, muss Daten generieren und verschiebt den Fokus p\u00e4dagogischer Arbeit in Richtung Metrik, nebst Optimierung der Datenerhebung und Auswertung. Statt Lehrkr\u00e4fte werden von den Schultr\u00e4gern Test- und Qualit\u00e4tsmanager*innen, Data Stewards (zur Kontrolle der Dateneingabe), Expert*innen f\u00fcr Error Management und \u00e4hnliches eingestellt. Der Aufbau einer IT-Infrastruktur zum Vermessen von Lernverhalten generiert vor allem Stellen f\u00fcr System-Administrator*innen und Programmierer*innen. Der Stellenbedarf berechnet sich nach Anzahl der eingesetzten Endger\u00e4te. Bei aktuell knapp 11 Millionen Sch\u00fcler*innen und einem Schl\u00fcssel von einer Systembetreuerstelle pro 400 Endger\u00e4ten kommt man auf einen Bedarf von 27.500 IT-Stellen in Schulen. Bei einer Support-Stelle f\u00fcr 300 Endger\u00e4te \u2013 als Betreuungsschl\u00fcssel f\u00fcr Schulen w\u00e4re das realistischer \u2013 sind es mehr als 36.600 Stellen. Diese Fachkr\u00e4fte fehlen auf dem Arbeitsmarkt. \u201eDer nicht hinl\u00e4nglich sichergestellte IT-Support k\u00f6nnte sich als Achillesferse des Digitalpakts erweisen\u201c, so eine GEW-Studie (2019). Denn selbst wenn es qualifizierte Fachkr\u00e4fte auf dem Arbeitsmarkt g\u00e4be, w\u00fcrden sie sich kaum an Schulen bewerben. Industrie und Privatwirtschaft zahlen deutlich besser.<\/p>\n<p>Die Kosten f\u00fcr IT-Systembetreuer*innen sind das eine. Es fehlen Lehrer*innen f\u00fcr alle Schulformen (derzeit circa 14.000 Stellen<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\"><strong>[7]<\/strong><\/a>, prognostiziert sind bis zu 40.000), es fehlen Schulsozialarbeiter*innen, Schulpsycholog*innen, Mentor*innen und Betreuer*innen. Dazu kommen ungekl\u00e4rte Fragen zum Datenschutz, der nicht Daten, sondern Grundrechte wie das informationelle Selbstbestimmungsrecht und die Privatsph\u00e4re sch\u00fctzt und nicht au\u00dfer Kraft gesetzt werden kann. Entscheidend ist vor allem, dass gerade die Pandemie gezeigt hat, dass nicht Technik und Endger\u00e4te den Lernerfolg sichern k\u00f6nnen, sondern ausschlie\u00dflich qualifizierte Lehrpersonen (Lankau 2023).<\/p>\n<p>\u201eDer Mensch wird am Du zum Ich\u201c schrieb schon Martin Buber und wird von Meta-Studien wie denen von John Hattie best\u00e4tigt (Zierer 2020). Zum selbst\u00e4ndigen und kritischen <em>Denken lernen<\/em> als Ziel von Lehre und Unterricht brauchen wir ein menschliches Gegen\u00fcber, den direkten Dialog. So beschreibt es Immanuel Kant im Text <em>Was hei\u00dft: sich im Denken orientieren?<\/em> (1786). Sonst bek\u00e4men wir nur leere K\u00f6pfe, die zwar das Repetieren trainieren, aber nicht selbst\u00e4ndig denken und Fragen stellen k\u00f6nnten. Damit steht die Basisfrage dieses Beitrags zur Diskussion: Sind digitale Medien, wie sie heute in Schulen eingesetzt werden, ein Werkzeug zur Emanzipation und F\u00f6rderung der Autonomie des Menschen, oder dienen IT-Systeme und Algorithmen dazu, Menschen zu steuern?<\/p>\n<p>Technisch l\u00e4sst sich heute vieles von dem realisieren, was in den 1950er und 1960er Jahren noch Theorie und Fiktion war, etwa sprechende Computer wie HAL aus Stanley Kubricks Film Odyssee 2000. Nur hat sich der Mensch vor dem Bildschirm in den letzten 60 Jahren in seiner Physis, Psyche und mentalen Leistungsf\u00e4higkeit nicht ann\u00e4hernd so fundamental ver\u00e4ndert wie die technischen Systeme. Vor allem folgt die anthropologische Ontogenese des Menschen weiterhin den naturgegebenen Entwicklungsstufen und l\u00e4sst sich weder analog noch digital beschleunigen. Aber wer behauptet, eine \u201ebessere Welt\u201c zu programmieren, wie der Standardspruch der StartUps aus dem Silicon Valley lautet, oder wer den Menschen die Unsterblichkeit verspricht wie die Transhumanist*innen, indem die Behauptung aufgestellt wird, dass der menschliche K\u00f6rper zwar sterblich sei, man aber das menschliche Bewusstsein in die Computercloud transferieren und damit ewiges Leben gew\u00e4hrleisten k\u00f6nne, hat den Boden der Wissenschaft und Vernunft ohnehin verlassen und sich der Transzendenz und hypothetischen Erl\u00f6sungsversprechen \u00fcberantwortet.<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"kommerz-statt-bildung\">Kommerz statt Bildung<\/span><\/h3>\n<p>Diese Diskussion ist nicht neu. So hatten Mitarbeiter von Facebook und Google bereits 2018 ein \u201eZentrum f\u00fcr menschenfreundliche Technik\u201c gegr\u00fcndet. Die US-Gesellschaft sei von Technologie gekapert, damit verbundene Verhaltensweisen zerfresse die Grundpfeiler der Gesellschaft, beeintr\u00e4chtige die mentale Gesundheit der Kinder, zerst\u00f6re soziale Beziehungen und die Demokratie. Produkte wie Facebook, Twitter, Instagram und Google seien nicht neutral, sondern \u201eTeil eines Systems, dessen Ziel es ist, uns abh\u00e4ngig zu machen\u201c<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\"><strong>[8]<\/strong><\/a>. Exemplarisch zitiert sei ein TED-Talk von Tristan Harris, ehemals Mitarbeiter bei Apple und Google, mit dem Titel: \u201eWie eine Handvoll Technologieunternehmen jeden Tag Milliarden von K\u00f6pfen kontrolliert\u201c (Harris 2017). Mit seiner Kritik steht er nicht alleine. Das prim\u00e4re Ziel kommerzieller Plattformen formulierte die ehemalige Produktmanagerin bei Facebook, Francis Haugen. Sie hatte das Unternehmen im Herbst 2021 verlassen, nachdem mehrere interne Interventionen zum Schutz von Kindern abgelehnt wurden. Sie erhob daraufhin schwerwiegende Vorw\u00fcrfe gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber und \u00fcbergab nicht f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit bestimmte Dokumente (die \u201eFacebook Files\u201c) an die amerikanische B\u00f6rsenaufsichtsbeh\u00f6rde SEC und die Zeitung \u201eThe Wall Street Journal\u201c. Der Kern der Anschuldigungen: Der Profit sei Facebook wichtiger als das Wohl der Nutzer*innen.<\/p>\n<p>Diese Diskussionen m\u00fcssen heute vor dem Hintergrund gef\u00fchrt werden, dass immer neue Anwendungen der \u201eK\u00fcnstlichen Intelligenz\u201c auf den Markt kommen und unreflektiert von Sch\u00fcler*innen benutzt werden. ChatGPT etwa ist ein Bot, der beliebige Texte, von der Hausarbeit \u00fcber Gedichte bis zu Programmcode generieren kann. Anders als beim (von Google finanzierten) Online-Lexikon Wikipedia werden die Texte nicht von Menschen geschrieben und redigiert, sondern aus Datenbanken und Textbausteinen rekombiniert. Man chattet mit dieser KI per Texteingabe im Prinzip wie schon mit dem ersten Robot Eliza, den Joseph Weizenbaum 1966 am MIT programmierte (siehe unten). Nur wei\u00df man weder, auf welchen Datenbestand die Software zur\u00fcckgreift (es sind Milliarden digitalisierte Texte), noch kennt man die Algorithmen und Mechanismen, nach denen diese Textbausteine ausgew\u00e4hlt und rekombiniert werden. Im Hintergrund steht die bislang gr\u00f6\u00dfte Textmenge zur Auswertung bereit, nur wei\u00df niemand, wie das Programm arbeitet. F\u00fcr die Nutzer*innen bleibt ChatGPT ein Arkanum. Entscheidend ist daher sich zu vergegenw\u00e4rtigen, dass eine KI eine Software ist, die weder \u201edenkt\u201c noch \u201ewei\u00df\u201c, welche Daten zu welchem Zweck verarbeitet werden. Software hat kein Bewusstsein. Es ist eine Rechenmaschine.<\/p>\n<p>Da aktuelle KI-Systeme nach dem Prinzip des \u201emaschinellen Lernens\u201c ohne menschlichen Eingriff sich quasi selbst modifizieren beziehungsweise Regeln automatisch erg\u00e4nzt werden, wissen nicht einmal die Entwickler*innen, was genau nach welchen Kriterien berechnet wird und wie ChatGPT Ergebnisse zusammenstellt. Bekannt ist, dass bei ChatGPT derzeit 1,7 Milliarden Parameter hinterlegt sind. Das ist f\u00fcr Menschen nicht mehr fassbar. Nutzer*innen vor dem Bildschirm werden zum Stichwortgeber \u2013 und d\u00fcrfen sich \u00fcberraschen lassen. Diese Form der KI funktioniert dabei nach dem Matth\u00e4us-Prinzip: Wer (Wissen) hat, dem wird gegeben. Die Qualit\u00e4t der Fragen oder Stichworte (Prompts) bestimmt die Qualit\u00e4t der Antworten. Und nur wer Vorkenntnisse, Fachwissen und relevante Beurteilungskriterien hat, kann erkennen, ob ein ausgegebener Text \u00fcberhaupt relevant, richtig oder falsch, faktenbasiert oder frei erfunden ist. Andernfalls muss man blind an die \u201eWeisheit der Maschine\u201c glauben<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\"><strong>[9]<\/strong><\/a>. Das Spiel mit solchen Werkzeugen ist durchaus spannend als Unterrichtsgegenstand, als Lehrmittel hingegen irrelevant. Sch\u00fcler*innen m\u00fcssen sich darauf verlassen k\u00f6nnen, dass das Unterrichtete sachlich korrekt ist. In 13 Bundesl\u00e4ndern werden daher nur vom Kultusministerium gepr\u00fcfte und zugelassene Lehrmittel in Schulen eingesetzt. Fakten m\u00fcssen stimmen, die Interpretation ist Unterrichtsgegenstand.<\/p>\n<p>Der entscheidende Aspekt bei der Diskussion \u00fcber GPT-Software (Generative Pretrained Transformer) wie ChatGPT oder das Gegenst\u00fcck von Google \u201eSwitch Transformer\u201c ist der Wandel beim Erstellen von Inhalten. Programme wurden urspr\u00fcnglich von Softwareentwickler*innen geschrieben. Auch Inhalte werden von Menschen geschrieben und lektoriert. Beides kann nun eine Software \u00fcbernehmen. Der Zauberlehrling hat die Kontrolle \u00fcber seine Systeme verloren und l\u00e4sst sich blenden: \u201eBeredtheit beeindruckt \u2013 bei Chatbots wie auch beim Menschen. In beiden F\u00e4llen kann Beredtheit aber auch leicht \u00fcber Halbwissen und Unwissen hinwegt\u00e4uschen, und genau darin liegt eine Gefahr im breiten Einsatz von Systemen wie ChatGPT\u201c so Holger Hoos, KI-Professor an der RWTH Aachen (zit. n. Astheimer et al.: 2013). Es wiederholt sich, wenn auch auf technisch h\u00f6herem Niveau, was Weizenbaum schon 1976 formulierte, als er die Reaktionen des Publikums auf sein Sprachprogramm Eliza beschrieb, das zwar nur Smalltalk und ein paar Phrasen beherrschte, aber als \u201eKommunikationspartner\u201c gesehen wurde und aus Kostengr\u00fcnden (!) als Therapeut eingesetzt werden sollte. \u201eDiese Reaktionen auf Eliza haben mir deutlicher als alles bis dahin Erlebte gezeigt, welch enorm \u00fcbertriebenen Eigenschaften selbst ein gebildetes Publikum einer Technologie zuschreiben kann oder sogar will, von der es nichts versteht\u201c (Weizenbaum 1976: 20).<\/p>\n<p>Wiener hat solche Fehlentwicklung (Manipulation und Steuerbarkeit des Menschen durch automatisierte technische Systeme) bereits in seinem Buch The Human Use of Human Beings von 1950 kritisiert und einen humanen, nicht berechneten Umgang mit Menschen eingefordert. Aber die Behauptung der Automatisierung und Medialisierung von Lernprozessen sind Basis und Versprechen der milliardenschweren globalen Bildungsindustrie (Global Education Industries, kurz: GEI) und ihrer digitalen Lehrmedien, die zunehmend netzbasiert als autonom agierende Systeme angeboten werden. Es ist, getarnt als Fortschritt, die Zustimmung zur Selbstentm\u00fcndigung, wenn \u201eKI-basierte Avatare als empathische Lernbegleiter\u201c vermarktet (Herkersdorf 2020) oder digitale Endger\u00e4te von Schulleiter*innen (!) zu \u201eLernbegleiter*innen\u201c geadelt werden, um Lehrkr\u00e4fte zu sparen (Lebert 2021). Dabei hat die Corona-Pandemie gezeigt, wie entscheidend Pr\u00e4senzunterricht in der Klassengemeinschaft und die Lehrpers\u00f6nlichkeit f\u00fcr den Lernerfolg ist (Engzell et al. 2020; Maldonado 2020; Zierer 2020; Zierer 2021).<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"was-tun\">Was tun?<\/span><\/h3>\n<p>\u201eProbleme kann man niemals mit derselben Denkweise l\u00f6sen, mit der sie entstanden sind\u201c, soll Albert Einstein formuliert haben. Das bedeutet, dass weder neoliberal \u00f6konomistische noch informatische oder psychologische Modelle und Methoden das Unterrichten bestimmen d\u00fcrfen. Gefragt ist P\u00e4dagogik. Der Mensch muss wieder als m\u00fcndiges Subjekt (nicht Muster), mit seinen konkreten Bed\u00fcrfnissen und seinem individuellen Anspruch auf Bildung und Einbindung in die Sozialgemeinschaft im Mittelpunkt stehen (B\u00fcndnis 2017; Lankau 2021a). Konkrete p\u00e4dagogische und praxisrelevante technische Forderungen zu IT in Schulen sind anderweitig ausformuliert (Lankau 2020). \u00dcbergeordnet ist die Forderung einer p\u00e4dagogischen Wende zugunsten des Lehrens und Lernens in Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Fachdidaktiker*innen m\u00fcssen das Lehrmaterial erstellen, Fachkolleg*innen gegenpr\u00fcfen, qualifizierte Lehrkr\u00e4fte den Pr\u00e4senzunterricht strukturieren und bei Bedarf analoge wie digitale Medien altersad\u00e4quat einsetzen. Andernfalls gibt es wom\u00f6glich ein unsanftes Erwachen, wie es Harari zwar zu Covid-19 formulierte, was aber gleicherma\u00dfen auf die IT-Infrastruktur passt, die derzeit fl\u00e4chendeckend installiert wird:<\/p>\n<p><em>\u201eIn 50 Jahren werden sich die Menschen gar nicht so sehr an die Epidemie selbst erinnern. Stattdessen werden sie sagen: Dies war der Moment, an dem die digitale Revolution Wirklichkeit wurde. (\u2026) Im schlimmsten Fall werden sich die Menschen in 50 Jahren daran erinnern, dass im Jahr 2020 mithilfe der Digitalisierung die allgegenw\u00e4rtige \u00dcberwachung durch den Staat begann\u201c (L\u00fcpke\/Harms 2020).<\/em><\/p>\n<p>Erforderlich ist die notwendige (R\u00fcck-)Besinnung auf das Erziehen und Unterrichten als Kernaufgabe p\u00e4dagogischer Arbeit. Statt Bildungseinrichtungen an externen Partikularinteressen der Wirtschaft auszurichten, m\u00fcssen der Sozialort Schule und das Lernen in der Gemeinschaft wieder zum Mittelpunkt von Bildungseinrichtungen werden. Dieser Beitrag schlie\u00dft mit zwei Zitaten, die Einstein zugeschrieben werden: \u201eDie Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.\u201c Wir werden unsere Probleme nicht mit derselben Denkweise l\u00f6sen, mit der wir sie geschaffen haben. Wenn weiterhin \u00d6konom*innen und Wirtschaftsverb\u00e4nde \u00fcber Lehrinhalte bestimmen, kann die empirische Bildungsforschung zwar bis in die Nachkommastellen belegen, was Kinder und Jugendliche alles nicht mehr k\u00f6nnen und wie viel Grundsch\u00fcler nicht einmal die Mindeststandards in Schreiben, Rechnen und Zuh\u00f6ren erreichen (IQB-Bericht, KMK 2022). Aber dadurch lernt kein Kind irgendetwas.<\/p>\n<p>Wer gegensteuern m\u00f6chte, sollte sich stattdessen mit denjenigen an einen Tisch setzen, die \u201eVerstehen Lehren\u201c als ihre Profession begreifen (Gruschka 2011) und bekannte wie bew\u00e4hrte Konzepte (Reformp\u00e4dagogik, Laborschule u.a.) in die Praxis umsetzen. Der ganze Mensch mit Sinnlichkeit und Verstand ist Adressat von Erziehung und Unterricht. Neben den elementaren Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen m\u00fcssen kreative, kommunikative und soziale F\u00e4higkeiten, Wissen und K\u00f6nnen vermittelt und praktiziert werden. Dazu geh\u00f6rt es, den F\u00e4cherkanon um elementare \u00e4sthetische F\u00e4cher zu erg\u00e4nzen: Kunst, Musik und Werken werden ebenso Bestandteil der Basislehre wie Sport und Gemeinschaftsaktionen wie Theater-AGs, das Anlegen von Schulg\u00e4rten und vieles mehr. Ein ebenfalls Einstein zugeschriebenes Zitat lautet: \u201eWenn Sie wollen, dass Ihre Kinder intelligent sind, lesen Sie ihnen M\u00e4rchen vor. Wenn Sie wollen, dass sie intelligenter werden, lesen Sie ihnen mehr M\u00e4rchen vor.\u201c Diese Kinder entwickeln Fantasie und Vorstellungskraft, sind neugierig und offen f\u00fcr Unbekanntes. Im Idealfall werden es mutige Menschen, die sich etwas zutrauen, weil man ihnen Freir\u00e4ume im Denken und Handeln gelassen hat, wenn sie etwa M\u00e4rchen nachspielen oder sich eigene ausdenken und bei neuen Aufgaben sagen: \u201eDas habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich v\u00f6llig sicher, dass ich es schaffe.\u201c (Pippi Langstrumpf)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Prof. Dr. Ralf Lankau\u00a0\u00a0 ist Grafiker, Philologe und promovierter Kunstp\u00e4dagoge. Seit 2002 lehrt er als Professor f\u00fcr Digitaldesign, Mediengestaltung und Ethik an der HS Offenburg. Er publiziert zu Digitaltechnik und (Medien-) P\u00e4dagogik unter anderem auf der Website futur-iii.de (Web: <a href=\"https:\/\/futur-iii.de\">https:\/\/futur-iii.de<\/a>) und im Projekt \u201eDie p\u00e4dagogische Wende\u201c (<a href=\"https:\/\/die-paedagogische-wende.de\">https:\/\/die-paedagogische-wende.de<\/a>)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"literatur\">Literatur<\/span><\/h3>\n<p><em>Armbruster, Alexander<\/em> 2019: Nicht jeder muss ein Informatiker sein, Interview mit Microsoft-Deutschland-Chefin Sabine Bendiek, in: <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung<\/em> vom 01.04.2019, <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/diginomics\/microsoft-deutschland-chefin-sabine-bendiek-im-interview-16117321.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/diginomics\/microsoft-deutschland-chefin-sabine-bendiek-im-interview-16117321.html<\/a>.<\/p>\n<p><em>Astheimer, Sven \/ Armbruster, Alexander \/ Lindner, Roland<\/em> 2023: Die digitale Allzweckwaffe, in: <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung<\/em> vom 21.01.2023, S. 21; <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/digitec\/die-digitale-allzweckwaffe-chatgpt-18618030.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/digitec\/die-digitale-allzweckwaffe-chatgpt-18618030.html<\/a>.<\/p>\n<p><em>Bernard, Andreas<\/em> 2023: Wie Gef\u00fchle zu Buchstaben werden. Die k\u00fcnstliche Intelligenz Chat\u200aGPT verfasst bessere Seminararbeiten als mancher Proseminarteilnehmer. Was hei\u00dft das f\u00fcr die Zukunft des Studierens und Schreibens?, in: <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em> vom 16.1.2023, S. 9.<\/p>\n<p><em>B\u00fcndnis f\u00fcr humane Bildung<\/em> 2017: Sieben Forderungen f\u00fcr eine neue Bildungspolitik \u2013 \u201eDer Mensch ist des Menschen Lehrer\u201c, <a href=\"https:\/\/www.aufwach-s-en.de\/2017\/10\/sieben-forderungen-fuer-eine-neue-bildungspolitik-der-mensch-ist-des-menschen-lehrer\/\">https:\/\/www.aufwach-s-en.de\/2017\/10\/sieben-forderungen-fuer-eine-neue-bildungspolitik-der-mensch-ist-des-menschen-lehrer\/<\/a>.<\/p>\n<p><em>Burchardt, Matthias \/ Lankau, Ralf<\/em> 2020: Aufruf zur Besinnung: Humane Bildung statt Metrik und Technik, in: <em>bildungsklick<\/em> v. 3.7.2020; <a href=\"https:\/\/bildungsklick.de\/schule\/detail\/aufruf-zur-besinnung-humane-bildung-statt-metrik-und-technik\">https:\/\/bildungsklick.de\/schule\/detail\/aufruf-zur-besinnung-humane-bildung-statt-metrik-und-technik<\/a>.<\/p>\n<p><em>Engzell, P. \/ Frey, A. \/ Verhagen, M. D<\/em>. 2020: Learning Inequality During the Covid-19 Pandemic, <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.31235\/osf.io\/ve4z7\">https:\/\/doi.org\/10.31235\/osf.io\/ve4z7<\/a>.<\/p>\n<p><em>Gelhard, Andreas<\/em> 2011: Kritik der Kompetenz, Z\u00fcrich.<\/p>\n<p><em>GEW-Studie<\/em> 2019: Digitale Mindestausstattung aller Schulen kostet rund 21 Milliarden Euro, <a href=\"https:\/\/www.gew.de\/fileadmin\/media\/publikationen\/hv\/Digitale-Medienbildung\/BWd\u2014DigitAusstOffensiveBB-A4-2019-web2.pdf\">https:\/\/www.gew.de\/fileadmin\/media\/publikationen\/hv\/Digitale-Medienbildung\/BWd\u2014DigitAusstOffensiveBB-A4-2019-web2.pdf<\/a>.<\/p>\n<p><em>Gruschka, Andreas<\/em> 2011: Verstehen lehren. Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr guten Unterricht, Ditzingen.<\/p>\n<p><em>Harari, Yuval Noah<\/em> 2017: Homo Deus, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p><em>Harris, Tristan<\/em> 2017: How a handful of Tech Companies control billions of minds every day (Wie eine Handvoll Technologieunternehmen jeden Tag Milliarden von K\u00f6pfen kontrolliert), <a href=\"https:\/\/www.ted.com\/talks\/tristan_harris_how_a_handful_of_tech_\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/www.ted.com\/talks\/tristan_harris_how_a_handful_of_tech_<\/a> companies_control_billions_of_minds_every_day.<\/p>\n<p><em>Hartong, Sigrid<\/em> 2019: Learning Analytics und Big Data in der Bildung. Zur notwendigen Entwicklung eines datenpolitischen Alternativprogramms Dokumentation zur Veranstaltung; hrsg. GEW Frankfurt, Frankfurt am Main<\/p>\n<p><em>Hartong, Sigrid<\/em> 2018: \u201eWir brauchen Daten, noch mehr Daten, bessere Daten!\u201c Kritische \u00dcberlegungen zur Expansionsdynamik des Bildungsmonitorings, in: <em>P\u00e4dagogische Korrespondenz<\/em>, H. 58, S. 15-30.<\/p>\n<p><em>Herkersdorf, Markus<\/em> 2020: KI-basierte Avatare als empathische Lernbegleiter, in: <em>eLearning-Journal<\/em>, <a href=\"https:\/\/www.elearning-journal.com\/2020\/05\/14\/empathische-lernbegleiter\/\">https:\/\/www.elearning-journal.com\/2020\/05\/14\/empathische-lernbegleiter\/<\/a>.<\/p>\n<p><em>H\u00fcbner, Edwin<\/em> 2005: Anthropologische Medienerziehung. Grundlagen und Gesichtspunkte, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p><em>Kaeser, Eduard<\/em> 2022: Chat GPT: Der Roboter schreibt nicht, er schwafelt. Neun Missverst\u00e4ndnisse um die K\u00fcnstliche Intelligenz, in: <em>Neue Z\u00fcricher Zeitung<\/em> vom 26.12.22; <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/technologie\/chat-gpt-der-roboter-schreibt-nicht-er-schwafelt-ld.1717513\">https:\/\/www.nzz.ch\/technologie\/chat-gpt-der-roboter-schreibt-nicht-er-schwafelt-ld.1717513<\/a>.<\/p>\n<p><em>Kant, Immanuel<\/em> 1977 [1786]: Was hei\u00dft: sich im Denken orientieren? in: Immanuel Kant: <em>Werke in zw\u00f6lf B\u00e4nden, Bd. 5<\/em>, Frankfurt am Main, S. 304-330.<\/p>\n<p><em>Konrad, Erhard<\/em> 1998: Zur Geschichte der K\u00fcnstlichen Intelligenz in der Bundesrepublik Deutschland, in: Siefkes, D. (Hrsg.): <em>Spezialgeschichte der Informatik<\/em>, Wiesbaden, S. 287-296.<\/p>\n<p><em>Kreye, Andrian<\/em> 2023: Mensch, wie geht es Dir?, in: <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em> vom 21.\/22.01.2023, S. 11-13.<\/p>\n<p><em>Kultusministerkonferenz<\/em> 2022: Bericht der KMK: Erste Ergebnisse zum IQB-Bildungstrend 2021: Geringere Leistungen in Deutsch und Mathematik in schulisch herausfordernden Zeiten, <a href=\"https:\/\/www.kmk.org\/aktuelles\/artikelansicht\/erste-ergebnisse-zum-iqb-bildungstrend-2021-geringere-leistungen-in-deutsch-und-mathematik-in-schul.html\">https:\/\/www.kmk.org\/aktuelles\/artikelansicht\/erste-ergebnisse-zum-iqb-bildungstrend-2021-geringere-leistungen-in-deutsch-und-mathematik-in-schul.html<\/a>.<\/p>\n<p><em>Ladenthin, Volker<\/em> 2021: Zur Begr\u00fcndung von Lernzielen in Konzepten der Kompetenzorientierung; <a href=\"https:\/\/bildung-wissen.eu\/fachbeitraege\/zur-begruendung-von-lernzielen-in-konzepten-der-kompetenzorientierung.html\">https:\/\/bildung-wissen.eu\/fachbeitraege\/zur-begruendung-von-lernzielen-in-konzepten-der-kompetenzorientierung.html<\/a> (20.1.2023).<\/p>\n<p><em>Ladenthin, Volker<\/em> 2010: Kompetenzorientierung als Indiz p\u00e4dagogischer Orientierungslosigkeit, in: <em>Vierteljahrsschrift f\u00fcr wissenschaftliche P\u00e4dagogik<\/em>, Jg. 86, H. 3, S. 346-358 (Nachdruck in: Profil: <a href=\"https:\/\/bildung-wissen.eu\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/ladenthin-kompetenz.pdf\">https:\/\/bildung-wissen.eu\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/ladenthin-kompetenz.pdf<\/a>).<\/p>\n<p><em>Lankau, Ralf<\/em> (Hrsg.) 2023: Unterricht in Pr\u00e4senz und Distanz. Lehren aus der Pandemie. Weinheim.<\/p>\n<p><em>Lankau, Ralf<\/em> 2021a: Werkzeug im Unterricht statt Allheilmittel. Alternative IT Konzepte f\u00fcr Schulen, in: Lankau, Ralf (Hrsg.): <em>Autonom und m\u00fcndig am Touchscreen. F\u00fcr eine konstruktive Medienarbeit in der Schule<\/em>, Weinheim, S. 169-184.<\/p>\n<p><em>Lankau, Ralf<\/em> 2021b: Sch\u00fclerverhalten \u00fcberwachen, kontrollieren und analysieren 2.0; in: <em>P\u00e4dagogik<\/em>, H. 1, S. 52-56 (Serie \u201eDigitalisierung aus p\u00e4dagogischer Perspektive, Folge 7).<\/p>\n<p><em>Lankau, Ralf<\/em> 2020: Alternative IT-Infrastruktur f\u00fcr Schule und Unterricht. Wie man digitale Medientechnik zur Emanzipation und F\u00f6rderung der Autonomie des Menschen einsetzt, statt sich von IT-Systemen und Algorithmen steuern zu lassen. GBW-Flugschrift 2: <a href=\"https:\/\/bildung-wissen.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/krautz_flugschrift_digitalisierung.pdf.\">https:\/\/bildung-wissen.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/krautz_flugschrift_digitalisierung.pdf.<\/a><\/p>\n<p><em>Lankau, Ralf<\/em> 2014: Gestalten als Form des Erkennens. Kreativit\u00e4t und (Digital-)Technik in Kunstp\u00e4dagogik und Mediengestaltung, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p><em>Lebert, Achim<\/em> 2021: Digitale Endger\u00e4te werden zu Lernbegleitern, in: <em>Schulverwaltung Spezial<\/em>, H. 1, S. 36\u201339.<\/p>\n<p><em>Luepke, M.\/Harms, F.<\/em> 2020: Interview mit dem Historiker Harari, in: <em>T-Online<\/em> v. 23.10.2020, <a href=\"https:\/\/www.t-online.de\/nachrichten\/wissen\/geschichte\/id_88582030\/harari-zur-pandemie-corona-hat-das-potential-die-welt-besser-zu-machen-.hhtml\">https:\/\/www.t-online.de\/nachrichten\/wissen\/geschichte\/id_88582030\/harari-zur-pandemie-corona-hat-das-potential-die-welt-besser-zu-machen-.hhtml<\/a>.<\/p>\n<p><em>Maldonado, Joana\/De Witte, Kristof<\/em> 2020: The effect of school closures on standardised student test outcomes, <a href=\"https:\/\/bera-journals.onlinelibrary.wiley.com\/doi\/abs\/10.1002\/berj.3754\">https:\/\/bera-journals.onlinelibrary.wiley.com\/doi\/abs\/10.1002\/berj.3754<\/a>.<\/p>\n<p><em>Matthes, Sebastian<\/em> 2021: Sie haben gelernt, unser Gehirn zu hacken, Interview mit dem Historiker Yuval Noah Harari; in: <em>Handelsblatt<\/em> vom 30.12.2021-02.01.2022, S. 16-18,\u00a0 <a href=\"https:\/\/futur-iii.de\/2022\/01\/sie-haben-gelernt-unser-gehirn-zu-hacken\/\">https:\/\/futur-iii.de\/2022\/01\/sie-haben-gelernt-unser-gehirn-zu-hacken\/<\/a>.<\/p>\n<p><em>M\u00fcnsterberg, Hugo<\/em> 1914: Grundz\u00fcge der Psychotechnik. Leipzig.<\/p>\n<p><em>Pias, Claus<\/em> 2013: Eine kurze Geschichte der Unterrichtsmaschinen, in: <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung<\/em> vom 10.12.2013; <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/forschung-und-lehre\/automatisierung-der-lehre-eine-kurze-geschichte-der-unterrichtsmaschinen-12692010.html\">www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/forschung-und-lehre\/automatisierung-der-lehre-eine-kurze-geschichte-der-unterrichtsmaschinen-12692010.html<\/a>.<\/p>\n<p><em>Reuter, Markus<\/em> 2021: Facebook Files: Facebook wusste, was alles schiefl\u00e4uft, in: <em>netzpolizitik.org<\/em> v. 25.10.29021; <a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2021\/facebook-files-facebook-wusste-was-alles-schieflaeuft\/\">https:\/\/netzpolitik.org\/2021\/facebook-files-facebook-wusste-was-alles-schieflaeuft\/<\/a>.<\/p>\n<p><em>Seising, Rudolf<\/em> 2021: Es denkt nicht. Die vergessene Geschichte der KI, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p><em>Sen, Amartya<\/em> 2020, [1977]: Rationale Dummk\u00f6pfe. Eine Kritik der Verhaltensgrundlagen der \u00d6konomischen Theorie (= Was bedeutet das alles?), Stuttgart.<\/p>\n<p><em>Stalder, Felix<\/em> 2016: Kultur der Digitalit\u00e4t, Berin.<\/p>\n<p><em>Weizenbaum, Joseph<\/em> 1976: Die Macht der Computer ist die Ohnmacht der Vernunft, Frankfurt am Main<\/p>\n<p><em>Wiener, Norbert<\/em> 1985 [1948]: Cybernetics. Or Control and Communication in the Animal and the Machine. Cambridge.<\/p>\n<p><em>Wiener, Norbert<\/em> 1950: The Human Use of Human Beings, Boston.<\/p>\n<p><em>Wilhelm, Katharina<\/em> 2022: Whistleblowerin Frances Haugen: \u201eFacebook hat Blut an den H\u00e4nden\u201c, in: <em>ARD-Studio Los Angeles<\/em>, <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/unternehmen\/frances-haugen-facebook-meta-101.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/unternehmen\/frances-haugen-facebook-meta-101.html<\/a>.<\/p>\n<p><em>WJS<\/em> o.J.: The Facebook-Files. A Wall Street Journal Investigation; <a href=\"https:\/\/www.\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/www.<\/a> wsj.com\/articles\/the-facebook-files-11631713039.<\/p>\n<p><em>Zierer Klaus<\/em> 2022: Der sokratische Eid. Eine zeitgem\u00e4\u00dfe Interpretation. M\u00fcnster\/Wien.<\/p>\n<p><em>Zierer Klaus<\/em> 2021: Zwischen Dichtung und Wahrheit: M\u00f6glichkeiten und Grenzen von digitalen Medien im Bildungssystem, in: <em>P\u00e4dagogische Rundschau<\/em>, Jg. 75., S. 377-392, <a href=\"https:\/\/www.ingentaconnect.com\/contentone\/plg\/pr\/2021\/00000075\/00000004\/art00001?crawler=true&amp;mimetype=application\/pdf\">https:\/\/www.ingentaconnect.com\/contentone\/plg\/pr\/2021\/00000075\/00000004\/art00001?crawler=true&amp;mimetype=application\/pdf<\/a>.<\/p>\n<p><em>Zierer, Klaus<\/em> 2020: Visible Learning 2020: Zur Weiterentwicklung und Aktualit\u00e4t der Forschungen von John Hattie, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung e. V., <a href=\"https:\/\/www.kas.de\/documents\/252038\/7442725\/Visible+Learning+2020.pdf\/e664fc77-2b6e-bc9d-f6a1-9b8075268a50\">https:\/\/www.kas.de\/documents\/252038\/7442725\/Visible+Learning+2020.pdf\/e664fc77-2b6e-bc9d-f6a1-9b8075268a50<\/a>.<\/p>\n<p><em>Zuboff, Shoshanna<\/em> 2018: Das Zeitalter des \u00dcberwachungskapitalismus, Frankfurt am Main\/New York.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen:<\/span><\/h3>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1] <\/a>William Stern pr\u00e4gte den Begriff \u201ePsychotechnik\u201c, der vor allem durch die Monographie <em>Grundz\u00fcge der Psychotechnik<\/em> (1914) von Hugo M\u00fcnsterbergs verbreitet wurde.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2] <\/a>Zur kritisch-reflektierten Analyse des Kompetenzbegriffs siehe Ladenthin 2010 und 2021.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3] <\/a>Englisch: Openess, Conscientiousness, Extraversion, Agreeableness, Neuroticism, auf deutsch: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Vertr\u00e4glichkeit und Neurotizismus.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4] <\/a>Affective Computing (auch Emotions-KI oder Gesinnungsanalyse): Computer sollen durch die Analyse von Mimik, Gestik und (K\u00f6rper-)Sprache menschliche Affekte und Emotionen messen, um sie zu beeinflussen. Zugrundeliegende Modelle sind allerdings falsch. Der Psychologe Paul Ekman hat sie Ende der 1960er Jahre entwickelt und behauptet, dass \u201eEmotionen und ihre Ausdrucksformen im Gesicht eine universelle und vor allem messbare Qualit\u00e4t haben. Das ist l\u00e4ngst widerlegt, es macht es aber einfacher, Emotionen in Daten zu verwandeln, wenn man davon ausgeht, dass alle Menschen gleich dreinschauen, wenn sie traurig, fr\u00f6hlich oder zornig sind.\u201c (Kreye 2013: 13) Fehlerhafte Modelle generieren fehlerbehaftete \u201eErgebnisse\u201c und sind unbrauchbar.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5] <\/a>Das sind: Alphabet\/Google, Amazon, Apple, Facebook\/Meta, Microsoft.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6] <\/a>Bis in die 1970er Jahre hie\u00dfen einige Informatik-Fachbereiche an Universit\u00e4ten noch Fachbereich Kybernetik, so z.B. an der TU Berlin (Konrad 1998: 288).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7] <\/a>Laut Umfrage des Umfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland unter den Kultusministerien sind es 14.000 Stellen, laut Lehrerverband zwischen 32.000 und 40.000 Stellen (<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/bildung-schulen-lehrermangel-101.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/bildung-schulen-lehrermangel-101.html<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.news4teachers.de\/2022\/08\/lehrermangel-bis-zu-40-000-freie-stellen-koennen-nicht-mehr-besetzt-werden\/\">https:\/\/www.news4teachers.de\/2022\/08\/lehrermangel-bis-zu-40-000-freie-stellen-koennen-nicht-mehr-besetzt-werden\/<\/a> (Stand: 25.01.2023)).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8] <\/a><a href=\"https:\/\/humanetech.com\/\">https:\/\/humanetech.com\/<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9] <\/a>Es gibt vergleichbare Programme wie Stable Diffusion oder DaLL-E2 f\u00fcr das automatisierte Generieren von Bildern und Grafiken im Stil bestimmter Maler oder Epochen. Das Grundproblem aber bleibt bei allen automatisierten Ausgaben gleich: Nur wer sich mit einem Thema auskennt, kann die Qualit\u00e4t (und Fehler) der Texte, Bilder oder Grafiken erkennen.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[5],"tags":[],"autoren":[3302],"publikationen":[3269],"class_list":["post-18912","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","category-bildung","autoren-ralf-lankau","publikationen-vorg-241"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>IT in Schulen: Erziehung zu Autonomie oder Konformit\u00e4t? 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