{"id":19094,"date":"2024-01-22T11:59:21","date_gmt":"2024-01-22T10:59:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=19094"},"modified":"2026-03-20T14:50:40","modified_gmt":"2026-03-20T13:50:40","slug":"kuenstliche-intelligenz-im-dienst-des-militaers","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorgaenge-nr-242-kuenstliche-intelligenz-und-menschenrechte\/publikation\/kuenstliche-intelligenz-im-dienst-des-militaers\/","title":{"rendered":"K\u00fcnstliche Intelligenz im Dienst des Milit\u00e4rs"},"content":{"rendered":"<p class=\"v-teaser-western\"><em>Hans-J\u00f6rg Kreowski und Aaron Lye skizzieren in diesem Artikel die milit\u00e4rischen Entwicklungen in Sachen K\u00fcnstliche Intelligenz der vergangenen 40 Jahre. Mit Hilfe von KI ist ein breites Arsenal an neuen und weiterentwickelten Waffensystemen sowie an milit\u00e4rischen Informations- und Kommunikationssystemen hervorgebracht worden. W\u00e4hrend Wirtschaft und Politik sich weltweit von KI die Sicherung zuk\u00fcnftiger Wertsch\u00f6pfung versprechen, erw\u00e4gen Milit\u00e4rs weltweit den Einsatz fortgeschrittener KI in milit\u00e4rischen Systemen.<\/em><\/p>\n<p class=\"v-teaser-western\"><em>Neue Kriegssysteme werden mit oder ohne KI entwickelt und eingesetzt, sobald sich die Milit\u00e4rs Vorteile und \u00dcberlegenheit versprechen. So bedeutet Drohnenkrieg nicht, dass nun Krieg nur noch mit Drohnen gef\u00fchrt wird, sondern dass die Drohnen zu all den Kriegsger\u00e4ten, die sonst schon Tod und Zerst\u00f6rung bringen, als neues Element dazukommen und allenfalls mittelfristig andere Waffensysteme ersetzen. So werden bereits Bef\u00fcrchtungen laut, dass beispielsweise neuartige Bio- und Chemiewaffen m\u00f6glich werden.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"einleitung\">Einleitung<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die Anf\u00e4nge der Computertechnik in Deutschland, Gro\u00dfbritannien und dann vor allem in den USA am Ende des Zweiten Weltkriegs und in den ersten Jahren danach waren stark bestimmt von den W\u00fcnschen und vom Geld des milit\u00e4rischen Komplexes. Die ersten Jahre der K\u00fcnstlichen Intelligenz (KI) waren dagegen eher zivil gepr\u00e4gt. 1956 trafen sich zw\u00f6lf junge aufstrebende Wissenschaftler um John McCarthy f\u00fcr einige Wochen im Dartmouth College in New Hampshire zu einem von der Rockefeller-Stiftung gef\u00f6rderten Workshop und begr\u00fcndeten das Fachgebiet der K\u00fcnstlichen Intelligenz (vgl. McCarthy et al. 1955).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Erkl\u00e4rtes Ziel war, kognitive F\u00e4higkeiten wie Sehen und Erkennen, H\u00f6ren und Verstehen, Planen und Entscheiden, Lernen sowie Probleml\u00f6sen mit Hilfe von Computerprogrammen zu simulieren \u2013 seit damals kaum ver\u00e4ndert. Im gesamten Antrag findet sich kein Bezug zu R\u00fcstung und Krieg. Bis in die 1980er Jahre hinein bleibt die KI zivil ausgerichtet. Nachdem die ersten Versuche, einen <i>General Problem Solver<\/i> zu kreieren, gescheitert waren, lag der KI-Fokus lange auf der Entwicklung von Expertensystemen, die f\u00fcr spezielle Anwendungen das Wissen von Fachleuten nutzbar machen sollten \u2013 teils auch mit Erfolg.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Nachdem Japan mit dem <i>Fifth-Generation-Projekt<\/i> Anfang der 1980er Jahre einen gro\u00dfangelegten Versuch gestartet hatte, durch geeignete Computertechnik und Programmiersprachen KI anwendbar zu machen, haben die USA mit der <i>Strategic Computing Initiative<\/i> (SCI) geantwortet, um die technologische Vormachtstellung zu sichern. SCI war gleichzeitig der Einstieg in die milit\u00e4rische Nutzung von KI und soll deshalb im n\u00e4chsten Abschnitt ausf\u00fchrlicher dargestellt werden. Ein zentrales Projekt von SCI war die Entwicklung autonomer Roboterfahrzeuge. Da solche Systeme \u2013 oft Drohnen genannt \u2013 bis heute in der weltweiten R\u00fcstung eine prominente Rolle spielen und ihre Entwicklung noch lange nicht ihren H\u00f6hepunkt erreicht hat, wird die Thematik in einem eigenen Abschnitt vertieft. Mehr in die Zukunft gerichtet, gehen wir auf die neuesten Entwicklungspl\u00e4ne Deutschlands, Frankreichs und Spaniens f\u00fcr ein Kampfflugzeug ein, bei denen KI insgesamt und Kriegsdrohnen speziell eine \u00fcbergeordnete Rolle spielen sollen. Der \u00f6ffentlichen Aufmerksamkeit meist verborgen, aber milit\u00e4risch mindestens ebenso relevant wie Drohnen sind die Entwicklungen bei Schlachtenmanagementsystemen, die wir als letztes Thema ausf\u00fchrlich behandeln. Der Artikel endet mit einem Ausblick, in dem auch verschiedene Punkte angesprochen werden, die nicht ausgef\u00fchrt werden konnten.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"strategic-computing-initiative\">Strategic Computing Initiative<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Bis in die 1980er-Jahre hinein verlief die Entwicklung der KI anders als andere Teilgebiete der Informatik vergleichsweise zivil. Das \u00e4nderte sich fundamental, nachdem Japan 1982 das <i>Fifth Generation Computer Systems (FGCS) Project<\/i> ins Leben gerufen hat, um eine F\u00fchrungsrolle im IT-Sektor zu erreichen (vgl. z.B. Shapiro 1983 und Odagiri et al. 1997). Das Projekt war auf zehn Jahre angelegt mit dem Ziel, eine neuartige Computertechnologie zu entwickeln, die massive Parallelit\u00e4t mit logischer Programmierung verbindet und als Plattform f\u00fcr zuk\u00fcnftige KI-Anwendungen dienen sollte. Datenverarbeitung sollte mit Hilfe logischen Schlie\u00dfens als Programmierparadigma zu Wissensverarbeitung werden. Um die Benutzungsfreundlichkeit zu steigern, sollten Ein- und Ausgabe \u00fcber Alltagssprache, Graphiken, Bilder und Dokumente m\u00f6glich sein. Als Grundlagenforschung war das Projekt ein Erfolg, kommerziell ist es eher gescheitert, weil sich die hohen Anspr\u00fcche zu der Zeit technisch nur bedingt umsetzen lie\u00dfen<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">In den USA wurde das japanische FGCS-Projekt als Angriff auf die eigene technologische Vormachtstellung empfunden und mit der <i>Strategic Computing Initiative<\/i> (SCI) beantwortet (siehe z.B. Roland &amp; Shiman 2002). W\u00e4hrend FGCS zivil angelegt war, gilt f\u00fcr SCI das genaue Gegenteil: Es war durch und durch milit\u00e4risch ausgerichtet. Das US-Verteidigungsministerium setzte auf das milit\u00e4rische Potenzial der KI und startete 1983 SCI, wobei drei Aufgaben im Zentrum standen: ein Sprachassistent f\u00fcr die Piloten der Luftwaffe, ein Schlachtenmanagementsystem f\u00fcr die Marine und autonome Landfahrzeuge f\u00fcr das Heer. SCI war auf zehn Jahre angelegt und hatte einen f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse gigantischen Finanzrahmen von fast einer halbe Milliarde US-Dollar. Da sich keine schnellen Erfolge abzeichneten, wurde das Programm noch vor dem Ende gek\u00fcrzt. Dennoch muss SCI wohl als Ausgangspunkt einer beispiellosen Entwicklung der KI gesehen werden.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Da die drei Aufgabenstellungen von SCI sowohl von der Art der Anwendungen als auch von den intendierten kognitiven und intelligenten Leistungen her bis heute typische Entwicklungen im milit\u00e4rischen \u2013 aber auch zivilen Kontext \u2013 darstellen, soll darauf etwas n\u00e4her eingegangen werden.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">SCI war als generisches Forschungsprojekt mit den Schwerpunkten auf Bildverstehen, Spracherkennen und -verstehen sowie Expertensystemen konzipiert. Ziel des Bildverstehens war, Ver\u00e4nderungen in Bildszenen in Echtzeit zu erkennen, Objekte und Ereignisse in Szenen zu identifizieren und graphisch oder mit Hilfe nat\u00fcrlicher Sprache zu charakterisieren. Auf der Basis neuer Chip-Designs, paralleler Rechnerarchitekturen und Algorithmen sollte ein wissensbasiertes Sehen zur Erkennung von Landmarken, Vermeidung von Hindernissen, Gel\u00e4ndeverfolgung, Gel\u00e4nde- und Objektmodellierung und zur Zielfindung realisiert werden. Ziel des Spracherkennens und -verstehens war, das gesprochene Wort als Computereingabe zu erm\u00f6glichen, wobei Sprache in Telefonqualit\u00e4t selbst in ger\u00e4uschvoller Umgebung wissensbasiert mit hoher Genauigkeit verstanden werden sollte. Umgekehrt sollte auch nat\u00fcrlichsprachliche Maschinenausgabe in eingeschr\u00e4nkten Kontexten realisiert werden. Als technische Herausforderungen galten die Wissensakquisition, das Textverstehen, die Sprachgeneration, den Redekontext einzuordnen sowie die Entwicklung paralleler Algorithmen f\u00fcr diese Anwendungen. Was die Technologie der Expertensysteme angeht, wurde das Ziel einer neuen Generation zur Unterst\u00fctzung der Schlachtenmanagementsysteme f\u00fcr das US-Verteidigungsministerium ausgegeben. Dabei sollten m\u00e4chtige Schluss-, Kontroll- und Erkl\u00e4rungsmechanismen zur Verf\u00fcgung gestellt, automatische Wissensakquisition und Unsicherheit einbezogen sowie Informationen aus verschiedenen Quellen fusioniert werden. Als computertechnische Basis waren fortgeschrittene LISP-Maschinen vorgesehen, die wesentlich mehr Regeln zu verarbeiten erlauben sollten, als bis dahin machbar war.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Methodisch und technisch unterscheidet sich dieser Ansatz nicht vom damaligen Stand der Entwicklung im zivilen Bereich. Das \u00fcbergeordnete Ziel und die drei Anwendungsprojekte waren dagegen ganz auf milit\u00e4rische Bed\u00fcrfnisse zugeschnitten. Angestrebt wurde die Entwicklung einer breiten Basis an Maschinenintelligenztechnologien, um die nationale Sicherheit zu verbessern. Die Sprachassistenz f\u00fcr Kampfpiloten setzte vor allem auf H\u00f6ren, Verstehen und Sprechen auf, wobei die Verarbeitung nat\u00fcrlicher Sprache mit Hilfe von Expertensystemen bewerkstelligt werden sollte. Das Schlachtenmanagementsystem f\u00fcr die Marine hatte die Expertensystemtechnologie als Mittelpunkt, die regelbasiert f\u00fcr das Datensammeln, Schlie\u00dfen und Planen zust\u00e4ndig waren. Essenziell f\u00fcr die autonomen Roboterfahrzeuge sind Sensoren wie Kameras, 3D-Scanner und Sonare, Bildverarbeitung und -verstehen sowie die Fusion mit anderen Sensordaten, ohne die Navigation in unbekanntem und unwegsamem Gel\u00e4nde, Landmarkenerkennung, Routenplanung, Hindernisvermeidung, visuelle Aufkl\u00e4rung und Zielfindung unm\u00f6glich sind. F\u00fcr die Datenverarbeitung selbst waren wieder Expertensysteme gedacht, wobei mit rund 5000 Regeln gerechnet wurde, die hundertmal schneller ausgef\u00fchrt werden sollten, als bis dahin m\u00f6glich.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Am Ende der 1980er Jahre blieb man noch weit hinter dem Erreichen dieser Ziele zur\u00fcck. Inzwischen hat die Verarbeitung von Sprache und Text ein hohes Niveau erreicht, genauso wie die Verarbeitung von Bildern, wie sie insbesondere f\u00fcr das eigenst\u00e4ndige Navigieren von Fahrzeugen ben\u00f6tigt wird. Und Managementsysteme sind inzwischen weit verbreitet. Dabei ist festzuhalten, dass sich die Ziele und auch die Methoden seit den Anf\u00e4ngen der KI gar nicht allzu sehr ver\u00e4ndert haben, aber der heute verf\u00fcgbare Speicherplatz und die Rechengeschwindigkeit erlauben solche Anwendungen. So beruht der Erfolg von Sprachverarbeitungssystemen und Bildverarbeitungssystemen auf maschinellem Lernen mit Hilfe neuronaler Netze, die wahrscheinlichkeitstheoretische Verfahren unter Verwendung riesiger Datenmengen nutzen. Die Idee stammt aus den 1940er Jahren und wurde in vielen Entwicklungsschritten zu heutiger Reife vorangetrieben. SCI war ein Zwischenschritt, aber von gro\u00dfer Schubkraft.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"militaerische-drohnen\">Milit&auml;&shy;ri&shy;sche Drohnen<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die Idee unbemannter Fahr- und Flugzeuge f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke reicht weit zur\u00fcck. Schon vor dem und im Zweiten Weltkrieg gab es mehrere derartige Entwicklungen mit sehr begrenzter Wirkung. Das SCI-Projekt zum Bau autonomer Robotervehikel in Form unbemannter Landfahrzeuge hat dagegen eine breite, bis heute fortgesetzte Entwicklung von Drohnen aller Art eingel\u00e4utet. Die USA planen einen erheblichen Teil ihrer Bewaffnung auf unbemannte Systeme umzustellen, wie es in der <i>Unmanned Systems Integrated Roadmap<\/i> (Department of Defense 2018) dargestellt wird. Andere Nationen folgen diesem Weg.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Im Folgenden soll die Entwicklung unbemannter fliegender Vehikel skizziert werden. Die Entwicklungen bei unbemannten Fahrzeugen, Booten und U-Booten ist etwas anders, darauf wird aber aus Platzgr\u00fcnden verzichtet.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Unbemannte fliegende Systeme sind bereits seit 20 Jahren im Einsatz. Angefangen hat es mit Aufkl\u00e4rungsdrohnen, die feindliches Gebiet \u00fcberfliegen und ausspionieren k\u00f6nnen. Es hat dann nicht lange gedauert, bis solche Drohnen mit Raketen ausgestattet wurden. Vorreiter waren Israel mit Eins\u00e4tzen in Gaza und vor allem auch die USA mit kriegsv\u00f6lkerrechtswidrigen Eins\u00e4tzen in Afghanistan, Pakistan, Jemen, Somalia und im Irak im \u201eKrieg gegen den Terror\u201c. Seit einigen Jahren werden Drohnen zunehmend auch in herk\u00f6mmlichen Kriegen eingesetzt.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Inzwischen sind Aufkl\u00e4rungs- und Killerdrohnen weit verbreitet, und es gibt sie in einer breiten Palette von klein bis gro\u00df und von billig bis teuer. Die USA haben ihre Gro\u00dfdrohnen mit erheblicher Reichweite, schwerer Bewaffnung und mit St\u00fcckpreis von ein- und zweistelligen Millionenbetr\u00e4gen nur an Gro\u00dfbritannien und Frankreich verkauft. Deutschland hat eine kleine Zahl von Israel geleast. Zu den Herstellerstaaten geh\u00f6ren inzwischen auch unter anderem China, Iran, Russland und die T\u00fcrkei. Mehrere Dutzend Staaten haben diese Waffen angeschafft und setzen sie teilweise auch bereits ein. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine zeigt, dass bewaffnete Drohnen auch eine Rolle spielen, wenn zwei Armeen gegeneinander k\u00e4mpfen (Kreowski 2022 und Marischka 2022). Da bewaffnete Drohnen langsam und niedrig fliegen, sind sie relativ gut mit Luftabwehr zu bek\u00e4mpfen. Greift eine Partei allerdings mit einer gr\u00f6\u00dferen Zahl an Drohnen gleichzeitig an, ist die Gefahr gro\u00df, dass einzelne Drohnen ihr Ziel erreichen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Aufkl\u00e4rungs- und Killerdrohnen sind Waffensysteme, die es ohne KI nicht g\u00e4be. Die aktuelle Entwicklung belegt, dass eine gewaltige R\u00fcstungsspirale eingesetzt hat mit einem erheblichen Proliferationsproblem. Es gibt inzwischen ein weitgef\u00e4chertes Arsenal an Aufkl\u00e4rungs- und Killerdrohnen, das von der Riesendrohne <i>Global Hawk<\/i> bis zu den nur wenige tausend Dollar teuren tragbaren <i>Switchblades<\/i> reicht. Kleine (teils umgebaute kommerzielle) Drohnen mit Sprengs\u00e4tzen und Kampfdrohnen als einfacher Bausatz stellen Waffen dar, die sich jeder Kontrolle entziehen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Der n\u00e4chste Entwicklungsschritt, an dem intensiv gearbeitet wird, ist die vollst\u00e4ndige Autonomie, bei der dann die Bordsysteme auch \u00fcber den Waffeneinsatz entscheiden. Technisch handelt es sich um ein Software-Update, das m\u00f6glicherweise l\u00e4ngst in diverse unbemannte Systeme eingebaut ist, aber bisher nicht (oder nur in Einzelf\u00e4llen) aktiviert wurde. In Politik und Milit\u00e4r sind autonome Waffen aus ethischer und kriegsv\u00f6lkerrechtlicher Sicht nicht unumstritten, weil die mit dem Waffeneinsatz verbundene Entscheidung \u00fcber Leben und Tod nicht mehr direkt von Menschen getroffen wird, sondern indirekt schon bei der Programmierung (Williams &amp; Scharre 2015). Ein Verbot ist dennoch nicht absehbar; entsprechende Verhandlungen im Rahmen der <i>Group of Governmental Experts on Emerging Technologies in the Area of Lethal Autonomous Weapons Systems<\/i> der Vereinten Nationen scheitern bisher am \u201eNein\u201c Russlands, der USA und vieler anderer Staaten.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Einige autonome KI-Systeme sind seit Jahrzehnten im Einsatz. Die meisten autonomen Systeme, die derzeit von den NATO-Streitkr\u00e4ften eingesetzt werden, sind regelbasierte Expertensysteme, darunter autonome vorprogrammierte Fahrzeuge, Luft- und Raketenabwehrsysteme und autonome Flugk\u00f6rper. So verf\u00fcgen beispielsweise sowohl das amerikanische Patriot-Luftabwehrraketensystem als auch das <i>Aegis<\/i>-Verteidigungssystem, die seit den 1980er beziehungsweise 1990er Jahren im Einsatz sind, \u00fcber halbautonome und vollautonome Modi, die es Computern erm\u00f6glichen, ankommende Bedrohungen ohne menschliche Zustimmung zu erkennen, anzuvisieren und anzugreifen. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen eine Reihe unbemannter Luftfahrzeuge, darunter die israelische Drohne <i>Harop<\/i> und die amerikanische <i>RQ-11 Raven<\/i>, die seit Anfang der 2000er-Jahre im Einsatz sind, autonom fliegen, wobei sie sich oft auf vorprogrammierte Flugrouten und Ziele verlassen (Gray &amp; Ertan 2021).<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"ki-automatisierung-des-luftkampfs\">KI-Au&shy;to&shy;ma&shy;ti&shy;sie&shy;rung des Luftkampfs<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Flugkampfassistenzsysteme werden kontinuierlich weiterentwickelt und die \u00dcberlegungen, die diesbez\u00fcglich in der SCI entstanden, sind weitestgehend \u00fcberholt. Mehrere aktuelle Flugzeugsysteme enthalten KI-Komponenten. Die <i>F-35 Lightning II<\/i> von Lockheed Martin hat beispielsweise Systeme zur Entscheidungsunterst\u00fctzung und Datenanalysesysteme (vgl. Osborn 2017a). In \u00e4hnlicher Weise werden zwei europ\u00e4ische Flugzeugprojekte der n\u00e4chsten Generation, der <i>Next Generation Fighter<\/i> (NGF) des <i>Future Combat Air System<\/i> (FCAS) und Tempest von BAE, KI-Komponenten enthalten. <i>BAE Tempest<\/i> wird \u00fcber ein KI-gest\u00fctztes autonomes Flugsystem verf\u00fcgen (vgl. Adams 2018). Das Flugkampfassistenzsystem des FCAS-Projekts wird unter dem Acronym ASTARTES entwickelt. ASTARTES steht f\u00fcr <i>Air Superiority Tactical Assistance Real Time Execution System<\/i>. Die Beschreibung des Ziels f\u00fcr diese Komponente bleibt abstrakt. Bisher ist lediglich die Rede davon, menschliche Erfahrungen zu digitalisieren, um die Operator*innen in Taktik zu unterst\u00fctzen. Aus anderen KI-unterst\u00fctzten Feuerkampfsystemen l\u00e4sst sich aber das eine oder andere als wahrscheinliche Konkretisierung ableiten. Durch das von Rheinmetall entwickelte System Attac, welches f\u00fcr zuk\u00fcnftige Gefechtsfahrzeuge entwickelt wird, soll die \u201eFahrzeugbesatzung im Bereich der Beobachtung und Zielerfassung sowie in der Entscheidungsfindung und Wirkung entlastet werden\u201c, indem die Fahrzeuge \u201edie F\u00e4higkeit (erlangen) selbstst\u00e4ndig aufzukl\u00e4ren, erkannte Objekte zu klassifizieren und in die Bedrohungslage in Echtzeit einzuordnen\u201c (Marischka 2023).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Allerdings ist derzeit sogar nicht einmal ausgeschlossen, dass der NGF unbemannt sein k\u00f6nnte. Die Wahrscheinlichkeit daf\u00fcr ist gar nicht so klein. Das zeigen j\u00fcngste Entwicklungen: Im August 2020 hat in einer Virtual-Reality-Simulation eines F-16-Luftkampfwettbewerbs eine von <i>DeepMind<\/i> (Google) entwickelte KI einen menschlichen Piloten mit f\u00fcnf zu null besiegt (Knight 2020). Nachfolgend wurden in weniger als drei Jahren die KI-Algorithmen, die im Rahmen des <i>Air Combat Evolution-Programms<\/i> (ACE) der DARPA entwickelt wurden, von der Steuerung simulierter F-16, die Luftk\u00e4mpfe auf Computerbildschirmen fliegen, zur Steuerung einer tats\u00e4chlichen F-16 im Flug weiterentwickelt (DARPA 2023).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Bei FCAS wird mit dem <i>Next Generation Weapon<\/i> <i>System<\/i> noch weiter gedacht. Beim FCAS handelt es sich um ein gigantomanisches europ\u00e4isches R\u00fcstungsprojekt, das seit der Unterzeichnung eines gemeinsamen Investitionsplans im September 2021 von Deutschland, Frankreich und Spanien auf den Weg gebracht wird und dessen Kosten voraussichtlich im dreistelligen Milliardenbereich liegen werden. Das FCAS soll ein Verbundsystem mehrerer Luftkampfeinheiten werden, bei dem die KI eine zentrale Rolle spielen soll. Das FCAS gilt als wichtiger Schritt zur KI-Automatisierung des Krieges (Kreowski\/Lye 2022). Die Hauptkomponente des FCAS ist das in Teilen schon oben beschriebene Kampfflugzeug (NGF). Das Projekt umfasst aber weit mehr. Es soll ein System von Systemen werden, ein sogenanntes <i>Next Generation Weapon System<\/i> bei dem Kampfjets zusammen mit Schw\u00e4rmen von autonomen Lenkflugk\u00f6rpern und bewaffneten und unbewaffneten Drohnenschw\u00e4rmen in einer Weise eingesetzt werden sollen, die Europa dem Plan gem\u00e4\u00df in allen Teilen der Welt die \u00dcberlegenheit im Luftkampf sichern soll (Renn 2021).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die Interaktion von Soldat*innen mit Robotern und unbemannten Systemen w\u00e4hrend des Kampfgeschehens wird als <i>Manned-Unmanned-Teaming<\/i> (MUM-T) bezeichnet (Department of Defense 2013: 139; Pletsch 2020). Airbus demonstrierte im Jahr 2018 die M\u00f6glichkeiten des MUM-T mit f\u00fcnf von dem Unternehmen gebauten Drohnen des Typs Do-DT 25, die autonom agierten und von einem Piloten befehligt wurden, der sich in einem bemannten F\u00fchrungsflugzeug (Learjet) in der Luft befand (Airbus 2018). Die Tests beinhalteten Formationsfl\u00fcge, das Ausweichen vor einer simulierten Bedrohung, simulierte Aufkl\u00e4rung und die Kompensation einer im Flug ausgefallenen Drohne. Autonom handelnde bewaffnete Drohnen sollen sich als Schw\u00e4rme formieren und gemeinsam operieren k\u00f6nnen. Letzteres wird als <i>Swarming<\/i> bezeichnet. Um <i>Teaming<\/i> und <i>Swarming<\/i> zu realisieren, sind mehrere F\u00e4higkeiten und Techniken erforderlich, so unter anderem <i>Teaming-\/Swarming<\/i>-Algorithmen, neue Sensoren oder Missionsmanagementsysteme f\u00fcr die F\u00fchrungsunterst\u00fctzung durch die Besatzung des bemannten Flugzeugs. Das von Airbus bisher entwickelte Flugmanagementsystem f\u00fcr unbemannte Luftfahrzeuge kombiniert schon heute vollautomatische Lenkung und Navigation mit Schwarmf\u00e4higkeiten.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">In Zukunft wird die F-35 wahrscheinlich auch KI einsetzen, um unbemannte Drohnen zu steuern, die Waffen tragen, \u00dcberwachung und Aufkl\u00e4rung betreiben oder feindliche Luftabwehr testen k\u00f6nnen (Osborn 2017b). Gleiches gilt f\u00fcr FCAS.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Es deutet sich eine Transformation zu neuen milit\u00e4rischen Taktiken an, die zum einen auf kooperativem Kampf vieler einzelner autonomer Systeme und zum anderen auf dem Einsatz von T\u00e4uschung und zahlenm\u00e4\u00dfiger \u00dcberlegenheit beruhen. Ziel scheint es hier zu sein, den Gegner m\u00f6glichst gro\u00dffl\u00e4chig zu st\u00f6ren oder durch zahlenm\u00e4\u00dfige \u00dcbermacht zu \u00fcberw\u00e4ltigen. Wenn die Planungen in die Realit\u00e4t umgesetzt werden, versprechen sie dem Milit\u00e4r vor allem auch eine verbesserte Effizienz, indem sichergestellt wird, dass die f\u00fcr einen bestimmten Einsatz erforderliche Mischung der F\u00e4higkeiten auch zielgenau zur Verf\u00fcgung steht. Zudem k\u00f6nnte das System die Risiken f\u00fcr den Einsatz menschlicher Kampfeinheiten reduzieren, da die bemannten Einheiten in sicherer Entfernung bleiben k\u00f6nnten, w\u00e4hrend die Drohnen konkret die Front bilden (Airbus 2020a). In welche Richtung gedacht wird, zeigt das Positionspapier zur Anwendung K\u00fcnstlicher Intelligenz in den Landstreitkr\u00e4ften der Bundeswehr (Amt f\u00fcr Heeresentwicklung 2019). In einem geschilderten Zukunftsszenario wird eine Situation erdacht, in der bis zu 15.000 autonome unbemannte Luftfahrzeuge unterschiedlicher Bauart und Gr\u00f6\u00dfe sich zu Schw\u00e4rmen formieren, um verschiedene Aufgaben auszuf\u00fchren.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"schlachtenmanagement-und-combat-clouds\">Schlach&shy;ten&shy;ma&shy;na&shy;ge&shy;ment und Combat Clouds<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Das in der SCI vorgeschlagene Schlachtenmanagementsystem bestand aus unterschiedlichen Expertensystemen (Roland\/Shiman 2002: 194f). Das <i>Force Requirements Expert System<\/i> (FRESH) w\u00fcrde die Einsatzbereitschaft der Flotte \u00fcberwachen und bei der Aufteilung der Kr\u00e4fte entsprechend den F\u00e4higkeiten und dem Status der einzelnen Schiffe helfen. Das <i>Capabilities Assessment Expert System<\/i> (CASES) w\u00fcrde die relative St\u00e4rke der US-amerikanischen und der feindlichen Streitkr\u00e4fte vergleichen. Das <i>Campaign Simulation Expert System<\/i> (CAMPSIM) w\u00fcrde das Ergebnis verschiedener Handlungsoptionen simulieren und entsprechende Empfehlungen benennen. Das <i>Operations Plan Generation Expert System<\/i> (OPGEN) w\u00fcrde Operationspl\u00e4ne nach vorgegebenen Strategien entwickeln. Das <i>Strategy Generation and Evaluation Expert System<\/i> (STRATUS) schlie\u00dflich w\u00fcrde bei der Entwicklung von Pl\u00e4nen f\u00fcr die Strategie auf der Ebene des Einsatzgebietes helfen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Grunds\u00e4tzlich hat sich an dieser Ratio bis heute wenig ge\u00e4ndert und auch prinzi-piell sind die Anforderungen an die Systeme auf andere klassische Milit\u00e4rdom\u00e4nen \u00fcbertragbar. Aber es gibt auch wesentliche Weiterentwicklungen. Mittlerweile sind bei vielen Milit\u00e4rs die Systeme, Sensoren und Wirkmittel miteinander in (nahezu) Echtzeit vernetzt. In gro\u00dfangelegten Projekten wird dies aber immer noch weiter vorangetrieben. Ein Projekt der Bundeswehr ist die <i>Digitalisierung landbasierter Operationen<\/i> (D-LBO) durch das perspektivisch \u201ebis zu 25.000 Fahrzeuge und 155.000 Soldaten\u201c untereinander vernetzt agieren k\u00f6nnen sollen (Marischka 2023). Wesentlich hierf\u00fcr sind Informationsverb\u00fcnde, f\u00fcr die sich der Begriff <i>Combat Clouds<\/i> etabliert hat. Die Erfassung von Daten von einem Luftfahrzeug und aus dem Weltraum aus ist wesentlich f\u00fcr milit\u00e4rische Aufkl\u00e4rung und Entscheidungsprozesse. Das FCAS-Projekt umfasst daher die Entwicklung einer vernetzten und verteilten Architektur von Sensoren, den Entwurf zuk\u00fcnftiger Sensorarchitekturen und die Entwicklung der zugeh\u00f6rigen Sensortechnologien. Beim FCAS soll die sogenannte <i>Air Combat Cloud<\/i> alle Flugsysteme verbinden, um die Verarbeitung und Verteilung von Informationen und Instruktionen nahezu in Echtzeit zu erm\u00f6glichen (Airbus 2020b). Die daf\u00fcr wesentliche Infrastruktur stellen Satelliten im Weltraum dar \u2013 insbesondere Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn, welche die Hochgeschwindigkeitsdaten\u00fcbertragung zwischen den Systemen erm\u00f6glichen. Des Weiteren wird in den Planungsunterlagen f\u00fcr FCAS der Zugang zu satellitengest\u00fctztem Bildmaterial nahezu in Echtzeit f\u00fcr die Lageeinsch\u00e4tzung als Ziel benannt. Dazu passt auch die geplante neue Satellitengeneration f\u00fcr Informationserfassung, Satellitenaufnahmen und Kommunikations\u00fcbertragung.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Eine andere Entwicklung ist ebenfalls bemerkenswert. Sie l\u00e4sst sich allerdings vor allem in den USA nachzeichnen. Seit einer Dekade findet eine gravierende Verlagerung geheimdienstlicher und milit\u00e4rischer Daten in die Cloud kommerzieller Anbieter statt (Schelling 2019; Lye 2021). Die Beziehungen von Big-Tech zu Geheimdiensten und Pentagon wurden \u00fcber Jahrzehnte aufgebaut. Nachdem sich vor allem der Marktf\u00fchrer Amazon Web Services im Aufbau, dem Umzug und der Etablierung positioniert hatte, ist jetzt eine deutliche Diversifizierung bemerkbar, sodass mittlerweile alle gro\u00dfen KI- und Clouddiensteprovider entsprechende Vertr\u00e4ge haben. Die Projekte stellen nicht einfach nur weitere und neue Kommunikations- und Infrastrukturprojekte der Geheimdienste und des Pentagons dar. Stattdessen zeigen sie auf, dass die Gro\u00dfkonzerne des Silicon Valley eine wesentliche Rolle in der Kriegsf\u00fchrung spielen. KI-gest\u00fctzte Kriegsf\u00fchrung von der Auswertung immer mehr Sensordaten, um milit\u00e4rische Gesamtsituationen zu erfassen, logistische und taktische Optimierung sowie automatisierte Entscheidungen von Truppenbewegungen und Angriffen werden forciert und machbar.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"ausblick\">Ausblick<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">In diesem Artikel haben wir ausgehend von SCI die milit\u00e4rischen KI-Entwicklungen in den vergangenen 40 Jahren skizziert. In der Artikelsammlung <i>K\u00fcnstliche Intelligenz zieht in den Krieg<\/i> (Kreowski\/Lye 2021b) sind diverse Einzelaspekte diskutiert, die wir hier nicht ausf\u00fchren konnten. Mit Hilfe von KI ist ein breites Arsenal an neuen und weiterentwickelten Waffensystemen sowie an milit\u00e4rischen Informations- und Kommunikationssystemen f\u00fcr Aufkl\u00e4rung, Kommando, Steuerung und Management hervorgebracht worden. Wie Wirtschaft und Politik sich weltweit von KI die Sicherung zuk\u00fcnftiger Wertsch\u00f6pfung versprechen, so erw\u00e4gen Milit\u00e4rs auf der ganzen Welt den Einsatz fortgeschrittener KI in milit\u00e4rischen Systemen und haben begonnen, fortgeschrittenere KI-F\u00e4higkeiten zu entwickeln. Mehrere L\u00e4nder haben milit\u00e4rische KI-Strategien ver\u00f6ffentlicht, in denen sie darlegen, wie KI in ihren milit\u00e4rischen Systemen genutzt werden soll, und haben dar\u00fcber hinaus milit\u00e4rische KI-Forschungszentren eingerichtet (Gray\/Ertan 2021). Es ist manchmal die Rede davon, dass der Einsatz von KI im Krieg dazu zwingt, Krieg neu zu denken. Tats\u00e4chlich aber werden neue Kriegssysteme mit oder ohne KI entwickelt und eingesetzt, sobald sich die Milit\u00e4rs Vorteile und \u00dcberlegenheit versprechen. So bedeutet Drohnenkrieg nicht, dass nun Krieg nur noch mit Drohnen gef\u00fchrt wird, sondern dass die Drohnen zu all den Kriegsger\u00e4ten, die sonst schon Tod und Zerst\u00f6rung bringen, als neues Element dazukommen und allenfalls mittelfristig andere Waffensysteme ersetzen. Es ist noch nicht abzusch\u00e4tzen, was die j\u00fcngsten aufsehenerregenden Entwicklungen bei generativen Sprachmodellen und Systemen wie ChatGPT f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke bringen werden. Googles <i>DeepMind<\/i>, welches in einigen Strategiespielen, wie Schach, Go, Starcraft II menschliche Expert*innen besiegte, l\u00f6ste auch ein 50 Jahre offenes Problem der Biologie (Jumper 2020). Es werden bereits Bef\u00fcrchtungen laut, dass beispielsweise neuartige Bio- und Chemiewaffen m\u00f6glich werden. Auf jeden Fall bleibt die milit\u00e4rische Seite der KI ein Thema, dass man nicht aus den Augen verlieren darf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">Prof. Dr. Hans-J\u00f6rg Kreowski<\/strong> ist Professor (i.R.) f\u00fcr theoretische Informatik an der Universit\u00e4t Bremen und Mitglied im Vorstand des Forums InformatikerInnen f\u00fcr Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF) und der Zeitschrift Wissenschaft und Frieden.<\/em><\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">Dr. Aaron Lye<\/strong> ist Informatiker und Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universit\u00e4t Bremen. Seit 2013 ist er Mitglied im Forum InformatikerInnen f\u00fcr Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF).<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"literatur\"><span style=\"font-family: Agfa Rotis Sans Serif, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Literatur<\/span><\/span><\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Adams, Eric<\/i> 2018: Meet The UK\u2019s New, Very British Fighter Jet, in: <i>Wired<\/i> vom 6 August 2018.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Airbus<\/i> 2018: Airbus demonstrates manned-unmanned teaming for future air combat systems. Website vom 2.Oktober 2018.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Airbus<\/i> 2020a: Manned-Unmanned Teaming and Remote Carriers: transcending individual assets&#8216; capabilities. Website vom 08. Oktober 2020.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Airbus<\/i> 2020b: Airbus and Thales join forces to develop the Air Combat Cloud for Future Combat Air System. Website vom 19. Februar 2020.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Amt f\u00fcr Heeresentwicklung<\/i> 2019: K\u00fcnstliche Intelligenz in den Landstreitkr\u00e4ften: Ein Positionspapier des Amts f\u00fcr Heeresentwicklung.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>DARPA<\/i> 2023: ACE Program\u2019s AI Agents Transition from Simulation to Live Flight: DARPA completes first flight tests of air combat algorithms on specialized F-16 fighter jet DARPA vom 13 Februar 2023.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Department of Defense<\/i> 2018: Unmanned Systems Integrated Roadmap. FY2017-2042<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Gray, Maggie\/Ertan, Amy<\/i> 2021: Artificial Intelligence and Autonomy in the Military: An Overview of NATO Member States\u2019 Strategies and Deployment. NATO CCDCEO.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Jumper, John et al.<\/i> 2020: High Accuracy Protein Structure Prediction Using Deep Learning, in: <i>Fourteenth Critical Assessment of Techniques for Protein Structure Prediction.<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Knight, Will<\/i> 2020: A Dogfight Renews Concerns About AI\u2019s Lethal Potential, in: <i>Wired<\/i> vom 25 August 2020.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Kreowski, Hans-J\u00f6rg <\/i>2022: Drohnenkrieg in der Ukraine: Fakten und erste Folgenabsch\u00e4tzung, in: <i>Wissenschaft und Frieden<\/i>, H. 3, S. 15-17.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Kreowski, Hans-J\u00f6rg\/Lye, Aaron<\/i> 2021a: Future Combat Air System: K\u00fcnstliche Intelligenz fliegt und k\u00e4mpft mit, in: Wissenschaft und Frieden Dossier Nr. 93.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Kreowski, Hans-J\u00f6rg\/Lye, Aaron<\/i> 2021b: K\u00fcnstliche Intelligenz zieht in den Krieg, in: <i>FifF-Kommunikation, <\/i>H. 4, S. 28-30.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Lye, Aaron<\/i> 2021: Transformation geheimdienstlicher und milit\u00e4rischer Serverinfrastruktur in den USA durch kommerzielle Cloud-Provider am Beispiel Amazon, in: <i>FifF-Kommunikation<\/i>, H. 4, S. 39-42.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Marischka, Christoph<\/i> 2022: Drohnen im Ukraine-Krieg: Technologietransfer als Gamechanger \u2013 und Kriegsgrund? In: <i>IMI-Studie<\/i>, H. 3.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Marischka, Christoph<\/i> 2023: Noch schreibt KI f\u00fcr uns Texte \u2013 bald wird sie Kriege f\u00fchren, in: <i>Telepolis<\/i> vom 29. Mai 2023.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>McCarthy, J. et al.<\/i> 1955: A Proposal for the Dartmouth Summer Research Project on Artificial Intelligence. 31. August 1955, <a href=\"http:\/\/jmc.stanford.edu\/articles\/dartmouth\/dartmouth.pdf\">http:\/\/jmc.stanford.edu\/articles\/dartmouth\/dartmouth.pdf<\/a>.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Odagiri, Hiroyuki et al.<\/i> 1997: Research consortia as a vehicle for basic research: The case of a fifth generation computer project in Japan, in: <i>Research Policy<\/i>, Jg. 26, H. 2, S. 191\u2013207. doi:10.1016\/S0048-7333(97)00008-5.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Osborn, Kris<\/i> 2017a: ,Air Force Chief Scientist Confirms F-35 Will Include Artificial Intelligence\u2019, Defense Systems, 20. Januar 2017.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Osborn, Kris<\/i> 2017b: ,The F-35 Will Soon Be Equipped with Artificial Intelligence to Control Drone Wingmen&#8216;, in: <i>Business Insider<\/i> vom 20. Januar 2017.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Pletsch, Marius<\/i> 2020: Mensch-Maschine: EU Gro\u00dfprojekte zum Manned-Unmanned-Teaming. IMI-Analyse 2020\/11, in: <i>IMI-AUSDRUCK<\/i> (M\u00e4rz 2020) vom 16. M\u00e4rz 2020.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Renn, U<\/i><i>lrich<\/i> 2021: Unbemannte Helfer: Zur Bedeutung der Remote Carrier im Future Combat Air System, in: <i>Europ\u00e4ische Sicherheit und Technik<\/i>, H. 4, S. 38-42.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Roland, Alex\/Shiman, Ph<\/i><i>i<\/i><i>lip<\/i> 2002: Strategic Computing \u2013 DARPA and the Quest for Machine Intelligence, 1983-1993, Cambridge.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Schelling, Arkadi<\/i> 2019: K\u00fcnstliche Intelligenz als Cloud Service: Folgen f\u00fcr Gesellschaft, Geheimdienst und Milit\u00e4r, in: <i>IMI-Analyse<\/i>, H. 16.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Shapiro, Ehud Y.<\/i> 1983: The fifth generation project \u2013 a trip report, in: <i>Communications of the ACM,<\/i> Jg. 26, H. 9, S. 637\u2013641. doi:10.1145\/358172.358179. S2CID\u00a05955109.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Trakimavi\u010dius, Lukas<\/i> 2021: The Future Role of Nuclear Propulsion in the Military, in: <i>NATO Energy Security Centre of Excellence<\/i>, Nr. 10.<\/span><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i>Williams, Andrew P.\/Scharre, Paul D.<\/i><\/span><span style=\"font-size: xx-small;\"> (<\/span><span style=\"font-size: xx-small;\">Hrsg.<\/span><span style=\"font-size: xx-small;\">) 2015: Autonomous Systems \u2013 Issues for Defence Policymakers. NATO Headquarters Supreme Allied Commander, Transformation, Norfolk <\/span><span style=\"font-size: xx-small;\">(VA)<\/span><span style=\"font-size: xx-small;\">,<a href=\"https:\/\/apps.dtic.mil\/sti\/citations\/AD1010077\"> https:\/\/apps.dtic.mil\/sti\/citations\/AD1010077<\/a>.<\/span><\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[6,2952],"tags":[678,3358,3277,3278,667],"autoren":[1495],"publikationen":[3345],"class_list":["post-19094","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","category-frieden","category-kuenstliche-intelligenz","tag-frieden","tag-kuenstliche-intellligenz","tag-militaer","tag-militarisierung","tag-vorgaenge-artikel","autoren-hans-joerg-kreowski-und-aaron-lye","publikationen-vorgaenge-nr-242-kuenstliche-intelligenz-und-menschenrechte"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>K\u00fcnstliche Intelligenz im Dienst des Milit\u00e4rs - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorgaenge-nr-242-kuenstliche-intelligenz-und-menschenrechte\/publikation\/kuenstliche-intelligenz-im-dienst-des-militaers\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"K\u00fcnstliche Intelligenz im Dienst des Milit\u00e4rs - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Hans-J\u00f6rg Kreowski und Aaron Lye skizzieren in diesem Artikel die milit\u00e4rischen Entwicklungen in Sachen K\u00fcnstliche Intelligenz der vergangenen 40 Jahre. 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