{"id":19224,"date":"2024-03-25T15:41:20","date_gmt":"2024-03-25T14:41:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=19224"},"modified":"2026-03-20T14:55:24","modified_gmt":"2026-03-20T13:55:24","slug":"restorativer-abolitionismus-2","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-243\/publikation\/restorativer-abolitionismus-2\/","title":{"rendered":"Restorativer Abolitionismus"},"content":{"rendered":"<p class=\"v-teaser-western\"><em>Ausgehend von der Kriminalisierung neuer sozialer Bewegungen erl\u00e4utert Otmar Hagemann in seinem begriffs- und rechtstheoretischen Beitrag, was Restorative Justice sein kann und tritt f\u00fcr ein breites, inklusives Verst\u00e4ndnis des Begriffs ein. Er erl\u00e4utert, dass Restorative Justice f\u00fcr heilende Gerechtigkeit, sozialen Frieden und eine restorative Gesellschaft steht und daraus ein restorativer Abolitionismus folgt. Ohne eine Utopie zu sein, steht die Idee einer restorativen Gesellschaft und einer transformativen Gerechtigkeit damit, so Hagemann, der hegemonialen sozialen Ordnung einer Politik des Strafens entgegen. Vor allem k\u00f6nnten mit der Restorative Justice Vorschl\u00e4ge und L\u00f6sungen f\u00fcr soziale und \u00f6kologische Probleme selbst diskutiert werden, die in Strafgerichtsverfahren als irrelevant ausgeklammert bleiben.<\/em><\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"einleitung\">Einleitung<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Seit 2022 tritt ein neues Ph\u00e4nomen abweichenden Verhaltens auf: Vorwiegend junge Menschen (organisiert als \u201eLetzte Generation\u201c) kleben sich selbst auf Stra\u00dfen fest, um im Namen k\u00fcnftiger Generationen unter anderem gegen die unzureichende Bek\u00e4mpfung des Klimawandels zu protestieren. Seitdem kommt es in Deutschland wegen solcher Aktionen neben Freispr\u00fcchen auch zu strafrechtlichen Verurteilungen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Solche und andere neue soziale Bewegungen zielen auf eine restorative Gesellschaft. Ich m\u00f6chte <i>Restorative Justice<\/i> (RJ), <i>Transformative Justice<\/i> und einige weitere Str\u00f6mungen nicht gegeneinander ausspielen, sondern die Gemeinsamkeiten betonen und ein integratives Verst\u00e4ndnis propagieren, das \u201eFridays for Future\u201c und \u201eBlack Lives Matter\u201d als Bewegungen der RJ sieht, die auf Heilung, (sozialen) Frieden und eine restorative Gesellschaft ausgerichtet sind. Daf\u00fcr m\u00fcssen die gegenw\u00e4rtigen hegemonialen Systeme erheblich transformiert werden.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Obwohl viele Leser*innen dieser Zeitschrift den Begriff <i>Restorative Justice<\/i> kennen d\u00fcrften, soll hier ein umfassenderes, inklusiveres Verst\u00e4ndnis, als es bisher in deutschsprachigen Texten der Fall ist (vgl. Fr\u00fcchtel\/Halibrand 2016; Matt 2002; Lutz 2002), vorgestellt werden. RJ wird als Gegenentwurf zur <i>hegemonialen<\/i> <i>gesellschaftlichen Ordnung<\/i> verstanden. Sollte es dann nicht besser <i>Transformative Justice<\/i> hei\u00dfen? Transformation ist Kern der RJ neben Heilung, der Herstellung von Gerechtigkeit und sozialem Frieden. So ergibt ein restorativer Abolitionismus Sinn (vgl. Pali\/Pelikan 2014), der die Theorie der RJ auf dem Weg zu einer <i>Restorative Society<\/i> in ein konkretes (kriminal-)politisches Handeln umsetzt, was ich in Anlehnung an den Genderdiskurs als \u201erestoratives Mainstreaming\u201c bezeichne. Beispiele aus dem Umweltschutz (Motupalli 2018; Biffi\/Pali 2019), der B\u00fcrgerrechtsbewegung gegen Rassismus und der Ausgrenzung bestimmter gesellschaftlicher Gruppen (Davis 2019) sowie indigener Denk- und Umgangsweisen mit abweichendem Verhalten und Konflikten (Serrels 2021) stehen f\u00fcr diesen Weg. F\u00fcr Gemeinsamkeiten zwischen Abolitionismus und <i>Restorative Justice<\/i> muss aus Platzgr\u00fcnden auf Hagemann (2023: 304ff.)<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote1sym\" name=\"sdendnote1anc\"><sup>i<\/sup><\/a>, den Diskurs \u00fcber abolitionistische Demokratie (Davis 2022; Ehrmann\/Thompson 2019) sowie andere Beitr\u00e4ge in diesem Heft<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote2sym\" name=\"sdendnote2anc\"><sup>ii<\/sup><\/a> verwiesen werden.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"sprache-und-hegemoniale-macht\">Sprache und hegemoniale Macht<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Da es hier um Kriminalpolitik geht, ergibt sich eine durch hegemoniale Kr\u00e4fte \u2013 das jeweilige Strafrecht \u2013 vorgegebene Engf\u00fchrung. Nach Hanak et al. (1989) werden mindestens 99 Prozent aller kriminalisierbaren \u201eproblematischen Situationen\u201c (Hulsman 1986) von den Betroffenen nicht an das System gemeldet. Hulsman (1988: 117) beschreibt, wie das \u201esoziale Problem\u201c der Kriminalit\u00e4t durch juristische Expert*innen konstituiert wird. Die Hauptfunktion des Strafrechts sei ein \u201eblame allocation system\u201c, denn die von seinen Vertreter*innen kommunizierte Verhaltenskorrekturfunktion lie\u00dfe sich realiter kaum nachweisen (Hulsman 1988: 122). \u00dcbereinstimmend mit Habermas\u2019 (1981) These von der Kolonialisierung der Lebenswelt durch Systeme weist Hulsman (1988: 123f.) darauf hin, dass sich dieses System nicht an der Lebenswelt der Betroffenen orientiert, sondern an abstrakten Gesetzen, f\u00fcr deren Auslegung entsprechende Expert*innen n\u00f6tig sind, die dann beispielsweise den \u201eOpfern\u201c ihre Konflikte stehlen (vgl. Christie 1977). Ankn\u00fcpfend an einen feministischen (und marxistischen) Diskurs zeigt Smaus (2020), dass das Strafrecht vor allem m\u00e4nnlichen Herrschaftsinteressen dient. Auch Iris M. Young (2011), die \u201eSocial Justice\u201c einfordert, muss hier gew\u00fcrdigt werden. Sie vertritt eine intersektionale, feministische, marxistisch inspirierte herrschaftskritische Perspektive und arbeitet sich am US-amerikanischen Rassismus ab.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die Verwendung einer (Fach-)Sprache ist nicht neutral, sondern lenkt das Denken in einen Korridor und verhindert manchmal eine offene und kreative Herangehensweise an Probleme und Herausforderungen. Spreche ich von \u201eT\u00e4ter*innen\u201c oder \u201eDelikten\u201c, bewege ich mich im eng umrissenen (straf-)rechtlichen Kontext und b\u00fc\u00dfe meine Freiheit ein, \u00fcber bestimmte Ph\u00e4nomene restorativ \u2013 jedenfalls anders als der punitive, hegemoniale Diskurs \u2013 nachzudenken. Als Kriminalit\u00e4t oder schweres Delikt wird in einem Land die Gottesl\u00e4sterung angesehen, in einem anderen die Benennung eines Krieges als Krieg, im Dritten vielleicht sexualisierte Gewalt oder Spionage, auch Armut qualifiziert sich f\u00fcr diese Kategorie.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote3sym\" name=\"sdendnote3anc\"><sup>iii<\/sup><\/a> Kriminalit\u00e4t ist also eine soziale Konstruktion, keine ontologische Kategorie.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">In j\u00fcngerer Zeit wurden in Deutschland Klimaaktivist*innen, die sich teils auf Stra\u00dfen festklebten oder \u201eAnschl\u00e4ge\u201c auf Kunstwerke ver\u00fcbten, \u00fcberwiegend zu Geldstrafen verurteilt, zuweilen jedoch auch zu Freiheitsstrafen ohne Bew\u00e4hrung. Ohne Gerichtsverfahren wurde ein einmonatiger Unterbindungsgewahrsam nach dem Bayerischen Polizeiaufgabengesetz verh\u00e4ngt; und wegen der Blockierung des Flugverkehrs Schadensersatzforderungen in Millionenh\u00f6he erhoben. In einer weiteren Eskalationsstufe wurde in Analogie zur RAF sogar der Verdacht der Bildung einer terroristischen Vereinigung postuliert<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote4sym\" name=\"sdendnote4anc\"><sup>iv<\/sup><\/a>, bei der auch Unterst\u00fctzer*innen in den Kreis der Verd\u00e4chtigen gehoben wurden.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote5sym\" name=\"sdendnote5anc\"><sup>v<\/sup><\/a> Dieses Beispiel zeigt, wie das Strafrecht eine sich abzeichnende Spaltung vorantreibt, w\u00e4hrend restorative Umgangsweisen<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote6sym\" name=\"sdendnote6anc\"><sup>vi<\/sup><\/a> dem sozialen Frieden in einer Gesellschaft gerecht w\u00fcrden.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Stellten wir Bed\u00fcrfnisse und die Menschenw\u00fcrde in den Mittelpunkt, erg\u00e4be sich ein anderes Denken (vgl. Bregmann 2022). Grundbed\u00fcrfnisse nach Nahrung, Sicherheit\/Behausung, Zugeh\u00f6rigkeit, Anerkennung und Selbstverwirklichung gelten allgemein. Erst, wenn wir das Konzept <i>Bed\u00fcrfnis<\/i> auf W\u00fcnsche wie nach Markenkleidung, Urlaubsfahrten oder dem Bestrafen anderer Menschen ausdehnen, wird es nicht mehr universell (vgl. Marcuse 1967 mit seiner Analyse \u201efalscher Bed\u00fcrfnisse\u201c). Manche machen sich nichts aus Markenkleidung; andere k\u00f6nnen vielleicht gar keinen Urlaub machen oder streben nicht an ferne Orte; und viele haben kein Bed\u00fcrfnis, anderen Leid zuzuf\u00fcgen (vgl. Kilchling 1995). Der Begriff <i>Bed\u00fcrfnis<\/i> sollte f\u00fcr existenznotwendige und allen Menschen gemeine Aspekte reserviert werden. F\u00fcr den Wunsch, anderen Menschen Leid und Schmerzen zuzuf\u00fcgen, sollte ein anderer Begriff (etwa <i>Straflust<\/i> oder <i>Punitivit\u00e4t<\/i>) genutzt werden. Strang (2002) und andere haben aufgezeigt, dass diese Straflust unter direkt Betroffenen gar nicht so verbreitet ist, wie vom Strafrechtssystem unterstellt wird.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Ist in \u201ewestlichen Gesellschaften\u201c des \u201eglobalen Nordens\u201c von Kriminalpolitik die Rede, geht es um das Strafen. Welche Strafe ist f\u00fcr ein unerw\u00fcnschtes Verhalten die richtige? Strafe ist als staatliche \u00dcbelszuf\u00fcgung definiert. Braithwaite (1999) fragt, warum Strafe \u2013 lies: die justizielle Form der Missbilligung als Freiheitsentzug, Geldbu\u00dfe oder anderer festgelegter Sanktionen \u2013 \u00fcberhaupt eine angemessene Antwort auf Verhaltensformen sein soll, die als Kriminalit\u00e4t definiert werden? Trotz diverser \u201eStraftheorien\u201d wurde darauf bisher keine wissenschaftlich begr\u00fcndete Antwort gefunden.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"ein-inklusives-verstaendnis-von-restorative-justice\">Ein inklusives Verst&auml;ndnis von <i>Restorative Justice<\/i><\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Shapland et al. (2011: 4) sehen RJ pragmatisch \u201eals Strategie oder B\u00fcndel von Strategien mit Anwendungen in zivilen, unternehmerischen, strafrechtlichen und politischen Bereichen [&#8230;], die sich auf die L\u00f6sung von Konflikten und Streitigkeiten zwischen Parteien orientieren\u201c. Die Begriffsgeschichte der <i>Restorative Justice<\/i> geht mit theologischen Wurzeln ins Jahr 1955 (vgl. Schrey et al. 1995) zur\u00fcck. RJ wird hier als relationale Gerechtigkeitstheorie zur Heilung individueller und gesellschaftlicher Wunden verstanden, sprich f\u00fcr die Bearbeitung aller Konflikte und problematischen Situationen. Ein irokesischer indigener Vertreter wies 1977 vor der UN darauf hin, dass zur Gesellschaft auch Millionen anderer auf der Erde lebender Spezies geh\u00f6ren (Serrels 2021: 96). Neben der Heilung sind die soziale Gerechtigkeit und der soziale Friede(n) Gegenstand der RJ-Theorie. Wenn Gletscher auftauen, Tierarten aussterben oder das Klima sich ver\u00e4ndert, ist das ein Problem und st\u00f6rt den sozialen Frieden, zumal Weltregionen unterschiedlich betroffen sind.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">\u201eHeilung\u201c bezieht sich auf individuelle und kollektive (gemeinschaftliche) Heilungserfahrungen \u2013 deshalb heilende Gerechtigkeit oder <i>therapeutical justice<\/i> \u2013, auf Sklaverei und Rassismus, patriarchale Frauenunterdr\u00fcckung und Sexismus, Nazi-Verbrechen, den russischen Angriff gegen die Ukraine, Genozide gegen Indigene sowie auf (kontinuierliche) Kolonialisierung anspielendes historisches Unrecht (inklusive Provenienzforschung).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Llewellyn und Howse (2001 [1998]) betonen die Etablierung sozialer Gerechtigkeit in Beziehungen als zentrales Anliegen der RJ. <i>Restorative Justice<\/i> geht von problematischen Situationen, vom Konflikt als einem Beziehungsereignis aus, in das \u201eT\u00e4ter*innen\u201c, \u201eOpfer\u201c und die Gemeinschaft involviert sind, schaut in die Zukunft und fragt, welches Problem gel\u00f6st werden muss, wer verantwortlich ist und etwas zur L\u00f6sung beitragen kann (vgl. Zehr 2010). RJ ist ohne Streben nach gerechten gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen nicht denkbar, inhaltlich eng mit theoretischen Konzepten wie sozialer Inklusion, Empowerment, Demokratisierung, Lebensweltorientierung, aber auch Bed\u00fcrfnissen und Verantwortung verbunden.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">W\u00e4hrend das Strafverfahren den Rechtsfrieden wiederherstellen soll geht es bei <i>Restorative Justice<\/i> prim\u00e4r um den sozialen Frieden. Sowohl die Position der <i>Restorative Justice<\/i> als auch die der Abolitionist*innen weisen darauf hin, dass seit dem Mittelalter die Staatsgewalt einen retributiven Ansatz f\u00f6rdert. Die Hegemonialmacht des Staates ist zu begrenzen und auf diejenigen zu \u00fcbertragen, die am unmittelbarsten an der Straftat beziehungsweise Opferwerdung beteiligt sind (vgl. Morris und Maxwell 2001: 272).<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote7sym\" name=\"sdendnote7anc\"><sup>vii<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Ein maximalistisches Verst\u00e4ndnis n\u00e4hert sich vom Ergebnis einer Intervention her der RJ-Zielsetzung an und kann sich pragmatisch beispielsweise mit Bestrafung arrangieren, solange eine transformierende und m\u00f6glichst heilende, Sch\u00e4den ausgleichende Wirkung erzielt wird (vgl. Walgrave 2008). Danach solle <i>Restorative Justice<\/i> zwar das bestehende Strafrechtssystem soweit m\u00f6glich ersetzen, k\u00f6nne aber \u00fcbergangsweise mit einem auf Vergeltung basierenden Strafrecht kombiniert werden (vgl. Daly 2000); Duff (2003: 56) spricht gar von \u201erestorative punishment\u201c, Sautner (2010) von \u201eWiedergutmachungsstrafe\u201c. Folglich wurde in England und Belgien mit RJ in Gef\u00e4ngnissen experimentiert (vgl. Edgar\/Newell 2006), aber Leidzuf\u00fcgung und Heilung sind unvereinbar (vgl. Hagemann 2023: 304ff.) und entsprechend fordern Beichner und ich (2022) im abolitionistischen Sinne die Abschaffung zun\u00e4chst von Frauengef\u00e4ngnissen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Llewellyn und Howse (2001 [1998]) sind mit der maximalistischen Position nicht einverstanden und vertreten eine puristische Auffassung, n\u00e4mlich die freiwillige, partizipatorische Bearbeitung von Konflikten ohne Verh\u00e4ngung von Strafen. \u201eNur dort, wo eine solche partizipatorische L\u00f6sung angestrebt wurde und zustande kam, sollte man \u201awirklich\u2018 von Restorative Justice sprechen\u201c (Pelikan\/Kremmel 2018: 14).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Beim Projekt RJ geht es gleichzeitig um die wissenschaftliche Entwicklung einer Theorie und um die praktische Implementierung des entsprechenden Gedankenguts (Werte und Prinzipien) respektive einer restorativen Haltung im Alltag (vgl. Roche 2006). RJ ist die Bezeichnung f\u00fcr praktisches Handeln, das bestimmten Werten gerecht wird (Pranis 2007). Braithwaite (2022) formulierte: \u201eRestorative justice is a social movement and a social science that has something to offer peacemaking\u201c. RJ verbindet Auseinanderdriftendes, schafft Gemeinschaft. Sie f\u00f6rdert soziale Beziehungen, die als gerechte Beziehungen (wieder-)hergestellt werden sollen. Heilung und Wiederherstellung beziehen sich nicht auf den Status, der vor dem Fehlverhalten\/der problematischen Situation bestand (Llewelly\/Howse 2001 [1998]: 18).<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote8sym\" name=\"sdendnote8anc\"><sup>viii<\/sup><\/a> Die Suche nach einer konsensuellen L\u00f6sung, bei der der angerichtete Schaden m\u00f6glichst wiedergutgemacht (vgl. Hagemann\/Magiera 2023) wird, und der Ausblick auf das zuk\u00fcnftige Mit- oder Nebeneinander wirken integrativ.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Praktisch stellt eine restorative Gesellschaft (vgl. Wright 2010) die anzustrebende Vision dar, die gerade in diesen von Bauman (2000) so gut beschriebenen Zeiten der Unsicherheit und Orientierungslosigkeit notwendig ist. Nach Jonathan Boston (2007) ist die <i>Restorative Society<\/i> keine Utopie, sondern ein Orientierungspunkt, von dem schon recht viele konkrete Eigenschaften benannt werden k\u00f6nnen und die auch teilweise praktiziert werden. Die <i>Restorative Society<\/i> geht explizit davon aus, dass Menschen auch in Zukunft Fehler machen, aber vielleicht k\u00f6nnen wir die bereits bekannten etwas seltener wiederholen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">RJ-Theorie und damit verbundene Praktiken werden von transnationalen Organisationen empfohlen und sind weltweit verbreitet, werden aber nur in einem geringen Teil der geeigneten Verfahren angewendet. Vielen B\u00fcrger*innen ist RJ immer noch unbekannt. Hegemoniale Gegenkr\u00e4fte stehen einer Ausweitung entgegen. Malzahn (2022: 19) vermisst in Deutschland \u201eeine B\u00fcrger*innenbewegung, die f\u00fcr den Einsatz von Restorative Justice streitet\u201c. Immerhin gab es die in den Niederlanden (vgl. Blad et al. 2017). Malzahn (2022: 61) zufolge \u201efehlt es auch an radikaler Praxis, die restorative Verfahren herrschaftskritisch hinterfragt und weiterentwickelt, sowie an m\u00fcndigen B\u00fcrger*innen, die die M\u00f6glichkeit eines RJ-Verfahrens selbstbewusst von der Justiz einfordern, wenn sie beschuldigt oder betroffen sind [sogenannte Selbstmelder*innen]. Das alles hemmt eine eigenst\u00e4ndige Fortentwicklung von Restorative Justice.\u201c F\u00fcr ihre Einsch\u00e4tzung spricht, dass <i>Restorative Justice<\/i> in Deutschland vor allem durch Jurist*innen zur Entledigung vieler Bagatellverfahren aufgegriffen wurde. Trotz der herrschaftskritischen Grundhaltung der Sozialen Arbeit (vgl. IFSW) spielt RJ ausgenommen sogenannter Conferencing-Verfahren hier keine Rolle.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Malzahn (2022) stellt in ihrem Buch diverse US-amerikanische und deutsche Praxisprojekte vor, die dem transformativen Anspruch der <i>Restorative Justice<\/i> gerecht werden, sich selbst h\u00e4ufig aber unter <i>Transformative Justice<\/i> verorten (vgl. z. B. Hooker 2016; Brazzell 2018).<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"warum-nicht-transformative-justice\">Warum nicht <i>Trans&shy;for&shy;ma&shy;tive Justice<\/i>?<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Wenn Heilung, Transformation, Gerechtigkeit und sozialer Frieden die Kernelemente darstellen, warum sprechen wir dann nicht von <i>heilender Gerechtigkeit<\/i>, <i>Transformative Justic<\/i>e, <i>Social Justice<\/i> oder <i>Peacemaking<\/i>, sondern von <i>Restorative Justice<\/i>? Unter anderem Howard Zehr (2011) und Llewellyn (2020) haben deutlich gemacht, dass es bei <i>Restorative Justice<\/i> immer um eine Transformation des Bestehenden und nicht um ein Zur\u00fcck zum Alten geht, wie es manche Vertreter*innen einer <i>Transformative Justice<\/i> kritisch formulieren (wie Nagel 2018). So sieht Harris (2006) in der Abkehr vom blo\u00df punktuellen Blick auf ein Ereignis mit individuellen Beteiligten und dem Bewusstsein f\u00fcr strukturelle Ursachen und der Sicherstellung ihrer Ber\u00fccksichtigung in der <i>Transformative Justice<\/i> eine Weiterentwicklung der <i>Restorative Justice<\/i> (vgl. auch Temme 2017). Die kritisierte Position haben RJ-Vertreter*innen wie Llewellyn und Howse (2001 [1998]) aber nie eingenommen. Malzahn (2022: 61) kritisiert an der <i>Transformative Justice<\/i> in Deutschland, dass sie \u201edie machtvolle Begegnung zwischen Betroffenen und Beschuldigten aus dem Blick [verliere und] zudem sehr auf h\u00e4usliche\/partnerschaftliche\/geschlechtsbezogene Gewalt zugeschnitten\u201d sei.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die Sch\u00f6pferin des Begriffs <i>Transformative Justice<\/i> ist Ruth Morris (1994). Sp\u00e4ter haben Wozniak et al. (2008) in einer W\u00fcrdigung von Quinneys Wirken den Begriff <i>Transformative Justice<\/i> wiederverwendet. Entsprechend ist <i>Transformative Justice<\/i> hier synonym verwendet und keine konkurrierende Theorie (vgl. Malzahn 2022, Davis 2021). Zehr (2011) hat sich in seinem Blog 2011 intensiv mit Harris (2006) befasst:<\/p>\n<ol>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Restorative justice und transformative Gerechtigkeit sind zwei v\u00f6llig unterschiedliche Sichtweisen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Der restorative Prozess zielt auf pers\u00f6nliche und zwischenmenschliche Transformation und kann R\u00e4ume f\u00fcr soziale [=strukturelle] Transformation \u00f6ffnen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Restorative Justice befindet sich auf einem Kontinuum zwischen retributiver und transformativer Gerechtigkeit.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">RJ und TJ sind, richtig verstanden, ein und dasselbe. Restorative und transformative Gerechtigkeit zielen sowohl auf zwischenmenschliche als auch auf gr\u00f6\u00dfere gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen ab. (Zehr 2011)<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Er hofft, dass Nummer 4 zutrifft, sieht aber aufgrund praktischer Unzul\u00e4nglichkeiten die Berechtigung f\u00fcr die Positionen 2 und 3 und m\u00f6chte einwirken, um so transformativ wie m\u00f6glich zu sein. Mich \u00fcberzeugt seine Argumentation. Ich verwende den Begriff RJ bereits seit langem, und mich treibt die Sorge um, dass man durch die Verwendung verschiedener Bezeichnungen einen Zusammenhang zerst\u00f6rt, sich wom\u00f6glich nur mit den Vertreter*innen einer anderen Bezeichnung auseinandersetzt, aber die gemeinsame inhaltliche Arbeit zu kurz kommt.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"fazit\">Fazit<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Ausgangspunkt war ein neues, von herrschenden Gruppen und B\u00fcrger*innen als abweichendes Verhalten angesehenes Ph\u00e4nomen, mit dem eine relativ kleine gesellschaftliche Gruppe auf drohende katastrophale Folgen des Klimawandels aufmerksam machen will, um die Gesellschaft zu angepasstem Verhalten zu bewegen und damit k\u00fcnftigen Generationen von Menschen, Tieren und anderen Naturph\u00e4nomenen ein Leben auf diesem Planeten zu erm\u00f6glichen. Es zeichnet sich ab, dass die gew\u00e4hlten Protestformen unter Kriminalit\u00e4t subsumiert werden, der strafrechtliche Umgang jedoch ungeeignet ist, sozialen Frieden herzustellen. Durch dialogische Verfahren der RJ w\u00fcrde die Kriminalisierung vieler junger Menschen, die altruistisch im Sinne heutiger Kinder und k\u00fcnftiger Generationen handeln wollen, vermieden. Vor allem k\u00f6nnten Vorschl\u00e4ge und L\u00f6sungen in der Sache selbst diskutiert werden, die in Strafgerichtsverfahren als irrelevant ausgeklammert bleiben, da vom konkreten Anliegen abstrahiert wird und es nur um die Auslegung bestehender strafbew\u00e4hrter Rechtsvorschriften geht. Durch seine Individualisierung erweist sich das Strafrecht als vollkommen ungeeignet, einen Beitrag zum Umweltschutz, gegen das Artensterben und f\u00fcr die Erhaltung eines akzeptablen Klimas zu sorgen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">RJ k\u00f6nnte die Transformation der Gesellschaft f\u00f6rdern, wie sie bez\u00fcglich des Umwelt- und Naturschutzes als Dekarbonisierung gefasst wird. Das w\u00fcrde durch die RJ, im Sinne der Bed\u00fcrfnisse von Menschen wohl eher als Demokratisierung oder Emanzipation von herrschenden, hegemonialen Machtquellen formuliert werden. In individuellen und gesellschaftlichen Konfliktlagen besteht mittels restorativer Dialoge die M\u00f6glichkeit zur Aufarbeitung. Es gibt keinen Hinweis darauf, warum die Bestrafung\/Freiheitsentziehung von Klimaaktivist*innen irgendwelche Fortschritte in Bezug auf gegenw\u00e4rtige Umweltprobleme oder sonstige gesellschaftliche Fehlentwicklungen bringen sollte.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\"><i>Restorative\/Transformative\/Social etc.-Justic<\/i>e-Vertreter*innen sollten sich nicht auseinanderdividieren lassen, sondern gemeinsam eine Gegenhegemonie als Korrektiv zur bestehenden Herrschaftsstruktur bilden und bei gleichzeitiger Bewusstseinsbildung f\u00fcr wahre Bed\u00fcrfnisse (vgl. Freire 1973) die radikale Entkriminalisierung und Entr\u00fcmpelung des Strafrechts bis zu seiner Abschaffung vorantreiben.<\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">Prof. Dr. Otmar Hagemann<\/strong> ist Professor f\u00fcr Soziologie und Sozialp\u00e4dagogik an der Fachhochschule Kiel. Hauptarbeitsgebiete sind Kriminologie, Viktimologie und Restorative Justice. 2006 initiierte er das erste deutsche Projekt f\u00fcr Gemeinschaftskonferenzen im Strafrecht. Er ist Mitglied verschiedener internationaler Organisationen wie der World Society of Victimology und des European Forum for Restorative Justice. 2023 erschien sein Buch Restorative Justice. Heilung, Transformation, Gerechtigkeit und sozialer Frieden (DBH e. V.: K\u00f6ln)<\/em><\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"literatur\">Literatur<\/span><\/h3>\n<p align=\"justify\">Bauman, Z. 2000: Liquid Modernity, Cambridge.<\/p>\n<p align=\"justify\">Beichner, D.\/Hagemann, O. 2022: Frauengef\u00e4ngnisse abschaffen. Aktuelle internationale Gesichtspunkte., in: Forum Strafvollzug, Jg. 71, H. 1, S. 42-49.<\/p>\n<p align=\"justify\">Bianchi, H. 1988: Alternativen zur Strafjustiz. Biblische Gerechtigkeit. Freist\u00e4tten. T\u00e4ter-Opfer-Ausgleich, M\u00fcnchen\/Mainz [orig. Gerechtigheid als vrijplaats 1988].<\/p>\n<p align=\"justify\">Biffi, E.\/Pali, B. (Hrsg.) 2019: Environmental Justice: Restoring the Future. European Forum for Restorative Justice, Leuven.<\/p>\n<p align=\"justify\">Blad, J. et al. 2017: Voorstel van Wet strekkende tot de invoering van een herstelgerichte afdoening via bemiddeling in strafzaken in het Wetboek van Strafvordering, inclusief Memorie van Toelichting, Nijmegen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Boston, J. 2007: Towards a Restorative Society, in: Maxwell, G.\/Liu, J. H. (Hrsg.): Restorative Justice and Practices in New Zealand: Towards a Restorative Society, Wellington, S. 321-326.<\/p>\n<p align=\"justify\">Braithwaite, J. 1999: A future where punishment is marginalised: realistic or utopian? In: UCLA Law Review, Jg. 46, S.1727-1750.<\/p>\n<p align=\"justify\">Braithwaite, J. 2022: Macrocriminology and Freedom, Canberra.<\/p>\n<p align=\"justify\">Brazzell, M. (Hrsg.) 2018: Was macht uns wirklich sicher? Ein Toolkit zu intersektionaler, transformativer Gerechtigkeit jenseits von Gef\u00e4ngnis und Polizei, M\u00fcnster.<\/p>\n<p align=\"justify\">Bregman, R. 2022: Im Grunde gut &#8211; Eine neue Geschichte der Menschheit, 7. Auflage, Hamburg.<\/p>\n<p align=\"justify\">Christie, N. 1977: Conflicts as Property, in: The British Journal of Criminology, Jg. 17, S. 1-15.<\/p>\n<p align=\"justify\">Daly, K. 2000: Revisiting the relationship between retributive and restorative justice, in: Strang, H.\/ Braithwaite, J. (Hrsg.): Restorative justice: Philosophy to practice. Aldershot, S. 33-54.<\/p>\n<p align=\"justify\">Davis, A. Y. 2022: Abolitionistische Demokratie. Ein Interview mit Eduardo Mendieta (2005), in: Loick, D.\/Thompson, V. E. (Hrsg.): Abolitionismus. Ein Reader, Berlin, S. 59-80.<\/p>\n<p align=\"justify\">Davis, F. E. 2019: The Little Book of Race and Restorative Justice: Black Lives, Healing, and US Social Transformation, Intercourse.<\/p>\n<p align=\"justify\">Duff, A. R. 2003: Restoration and Retribution, in: Hirsch, A. von et al. (Hrsg.): Restorative Justice and Criminal Justice: Competing or reconcilable paradigms? Oxford\/Portland, S. 43-60.<\/p>\n<p align=\"justify\">Edgar, K.\/Newell, T. 2006: Restorative Justice in Prisons. A Guide to Making it Happen, Winchester.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ehrmann, J.\/Thompson, V. E. 2019: Abolitionistische Demokratie: Intersektionale Konzepte und Praktiken der Strafkritik, in: Malzahn, R. (Hrsg.): Strafe und Gef\u00e4ngnis. Theorie, Kritik, Alternativen. Eine Einf\u00fchrung, Stuttgart, S. 161-181.<\/p>\n<p align=\"justify\">Freire, P. 1973: P\u00e4dagogik der Unterdr\u00fcckten. Bildung als Praxis der Freiheit. Reinbek bei Hamburg.<\/p>\n<p align=\"justify\">Fr\u00fcchtel, F.\/Halibrand, A.-M. 2016: Restorative Justice. Theorie und Methode f\u00fcr die Soziale Arbeit, Wiesbaden.<\/p>\n<p align=\"justify\">Habermas, J. 1981: Theorie des kommunikativen Handelns. 2 Bde, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p align=\"justify\">Hagemann, O. 2023: Restorative Justice. Heilung, Transformation, Gerechtigkeit und sozialer Frieden. K\u00f6ln.<\/p>\n<p align=\"justify\">Hagemann, O.\/Magiera, K. 2023: Restorative Justice und Wiedergutmachung: was \u00e4hnlich klingt, ist nicht dasselbe, in: Bartsch, T. J. Et al. (Hrsg.): Resozialisierung, Opferschutz, Restorative Justice. Grundlagen und Rahmenbedingungen, Baden-Baden, S. 57-75.<\/p>\n<p align=\"justify\">Hanak, G.\/Stehr, J.\/Steinert, H. 1989: \u00c4rgernisse und Lebenskatastrophen. \u00dcber den allt\u00e4glichen Umgang mit Kriminalit\u00e4t, Bielefeld.<\/p>\n<p align=\"justify\">Harris, M. K. 2006: Transformative Justice: the transformation of restorative justice, in: Sullivan, D.\/Tifft, L. (Hrsg.): The Handbook of Restorative Justice. A Global Perspective, London\/New York, S. 555 \u2013 565.<\/p>\n<p align=\"justify\">Hooker, D. A. 2016: The Little Book of Transformative Community Conferencing: A Hopeful, Practical Approach to Dialogue (Justice and Peacebuilding), Intercourse.<\/p>\n<p align=\"justify\">Hulsman, L. H. C. 1986: Critical Criminology and the Concept of Crime, in: Contemporary Crisis, Jg. 10, S. 63-80.<\/p>\n<p align=\"justify\">Hulsman, L. H. C. 1988: Widerstand gegen die Hegemonie staatlichen Strafens, in: Deichsel, W. et al.(Hrsg.): Kriminalit\u00e4t, Kriminologie und Herrschaft, Pfaffenweiler, S. 117-128.<\/p>\n<p align=\"justify\">Kilchling, M. 1995: Opferinteressen und Strafverfolgung, Freiburg im Breisgau.<\/p>\n<p align=\"justify\">Llewellyn, J. 2020: Webinar: The 2020 TIJRJ Annual Lecture by Jennifer Llewellyn \u2013 YouTube.<\/p>\n<p align=\"justify\">Llewellyn, J.\/Howse, R. 2001 [1998]: Restorative Justice &#8211; A Conceptual Framework. Prepared for the Law Commission of Canada. <a href=\"http:\/\/dalspace.library.dal.ca\/bitstream\/handle\/10222\/10287\/Howse_Llewellyn%20Research%20Restorative%20Justice%20Framework%20EN.pdf?sequence=1\">http:\/\/dalspace.library.dal.ca\/bitstream\/handle\/10222\/10287\/Howse_Llewellyn%20Research%20Restorative%20Justice%20Framework%20EN.pdf?sequence=1<\/a> (Stand: 09.09.2023).<\/p>\n<p align=\"justify\">Lutz, T. 2002: Restorative Justice \u2013 Vision\u00e4re Alternative oder Version des Alten? M\u00fcnster et al.<\/p>\n<p align=\"justify\">Malzahn, R. 2022: Restorative Justice. Eine radikale Vision, Stuttgart.<\/p>\n<p align=\"justify\">Marcuse, H. 1967: Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft, Neuwied\/Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\">Matt, E. 2002: Verantwortung und (Fehl-) Verhalten. F\u00fcr eine restorative justice, M\u00fcnster.<\/p>\n<p align=\"justify\">Morris, A.\/Maxwell, G. (Hrsg.) 2001: Restorative Justice for Juveniles. Conferencing, Mediation and Circles, Oxford\/Portland.<\/p>\n<p align=\"justify\">Morris, R. 1994: A Practical Path to Transformative Justice, Toronto.<\/p>\n<p align=\"justify\">Motupalli, C. 2018: Intergenerational Justice, Environmental Law, and Restorative Justice, in: Washington Journal of Environmental Law &amp; Policy, Jg. 8, H. 2, S. 333-361.<\/p>\n<p align=\"justify\">Nagel, M. 2018: Ubuntu, Gender and Spirituality: Transformative Justice Considerations, in: Kalagatos Revista de Filosofia, Jg. 15, H. 2, S. 56-70.<\/p>\n<p align=\"justify\">Pali, B.\/Pelikan, C. 2014: Con-texting restorative justice and abolitionism: exploring the potential and limits of restorative justice as an alternative discourse to criminal justice, in: Restorative Justice: An International Journal, Jg. 2, H. 2, S. 142-164.<\/p>\n<p align=\"justify\">Parmentier, S. 2009: To Be or Not To Be a Victim. On the Developing Notion of Victimhood under the European Convention on Human Rights, in: Hagemann, O.\/Sch\u00e4fer, P.\/Schmidt, S. (Hrsg.): Victimology, Victim Assistance and Criminal Justice. Perspectives Shared by International Experts at the Inter-University Centre of Dubrovnik, M\u00f6nchengladbach, S. 43-60.<\/p>\n<p align=\"justify\">Pelikan, Christa\/Kremmel, Kathrin 2018: Zum Problem des staatlichen Gewaltmonopols, in: TOA-Magazin, H. 3, S. 12-15.<\/p>\n<p align=\"justify\">Pranis, K. 2007: Restorative values, in: Johnstone, G.\/Van Ness, D. (Hrsg.): Handbook of restorative justice. Cullompton, S. 59-74.<\/p>\n<p align=\"justify\">Roche, D. 2006: Dimensions of restorative justice, in: Journal of Social Issues. Jg. 62, H. 2, S. 217- 238.<\/p>\n<p align=\"justify\">Sautner, L. 2010: Opferinteressen und Strafrechtstheorien. Zugleich ein Beitrag zum restorativen Umgang mit Straftaten, Innsbruck et al.<\/p>\n<p align=\"justify\">Schrey, H.-H.\/Walz, H. H.\/Whitehouse, W. A. 1955: The Biblical Doctrine of Justice and Law. London.<\/p>\n<p align=\"justify\">Serrels, V. L. 2021: Radical Relationalism. Restorative Justice with the Earth, in: Lewis, T.\/Stauffer, C. (Hrsg.): Listening to the Movement: Essays on New Growth and New Challenges in Restorative Justice, Eugene, S. 95-117.<\/p>\n<p align=\"justify\">Shapland, J.\/Robinson, G.\/Sorsby, A. 2011: Restorative Justice in Practice. Evaluating what works for victims and offenders, London\/New York.<\/p>\n<p align=\"justify\">Smaus, G. 2020: Ich bin ich. Beitr\u00e4ge zur feministischen Kriminologie, hrsg. von Feest, J.\/Pali, B., Wiesbaden.<\/p>\n<p align=\"justify\">Strang, H. 2002: Repair or Revenge: Victims and Restorative Justice, Oxford.<\/p>\n<p align=\"justify\">Temme, G. 2017: Transformative Justice, in: TOA-Magazin, H. 2, S. 25-28.<\/p>\n<p align=\"justify\">Van Garsse, L. 2015: Restorative justice in prisons. \u00bbDo not enter without precautions\u00ab, in: Ljetopis socijalnog rada, Jg. 22, H. 1, S. 15-35.<\/p>\n<p align=\"justify\">Walgrave, L. 2008: Restorative Justice, Self-interest and Responsible Citizenship, Cullompton.<\/p>\n<p align=\"justify\">Wozniak, J. F. et al. (Hrsg.) 2008: Transformative Justice. Critical and Peacemaking Themes Influenced by Richard Quinney, Plymouth.<\/p>\n<p align=\"justify\">Wright, M. 2010: Towards a Restorative Society: a problem-solving response to harm, London.<\/p>\n<p align=\"justify\">Young, I. M. 2011: Justice and the Politics of Difference. Princeton\/Oxford.<\/p>\n<p align=\"justify\">Zehr, H. 2010: Fairs\u00f6hnt. Restaurative Gerechtigkeit. Wie Opfer und T\u00e4ter heil werden k\u00f6nnen, Schwarzenfeld.<\/p>\n<p align=\"justify\">Zehr, H. 2011: Blog Restorative or transformative justice vom 10.3.2011 bezugnehmend auf B. P. Lofton und R. Morris, <a href=\"http:\/\/www.emu.edu\/now\/restorative-justice\/page\/4\/\">www.emu.edu\/now\/restorative-justice\/page\/4\/<\/a> (Stand: 06.09.2023).<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen:<\/span><\/h3>\n<div id=\"sdendnote1\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote1anc\" name=\"sdendnote1sym\">i <\/a>Im Text finden sich nicht gekennzeichnete Selbstzitierungen aus dem k\u00fcrzlich von mir ver\u00f6ffentlichten Buch \u00fcber Restorative Justice (Hagemann 2023).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote2\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote2anc\" name=\"sdendnote2sym\">ii <\/a>Vgl. hierzu insbesondere den Beitrag von Johannes Feest zum Gef\u00e4ngnis-Abolitionismus in diesem Heft.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote3\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote3anc\" name=\"sdendnote3sym\">iii <\/a>Aktuell wird \u00fcber die Entkriminalisierung von Cannabis, das \u201eContainern\u201c (die Rettung weggeworfener Lebensmittel) und \u201eCatcalling\u201c (\u00f6ffentliche beleidigende anz\u00fcgliche Bemerkungen vor allem gegen\u00fcber Frauen) als abzuschaffende oder neue Delikte diskutiert.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote4\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote4anc\" name=\"sdendnote4sym\">iv <\/a>Vgl. die Manipulation an einer \u00d6lpipeline in Brandenburg.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote5\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote5anc\" name=\"sdendnote5sym\">v <\/a>In Bayern wehren sich auch die Verfolgten mit strafrechtlichen Mitteln. Motupalli (2018) zeigt an einem amerikanischen Strafrechtsverfahren, wie Aktivist*innen als \u201esurrogate victims\u201c im Namen k\u00fcnftiger Generationen Ma\u00dfnahmen gegen den Klimawandel einzuklagen versuchen. Auch der EuGH hat zuk\u00fcnftige menschliche Erdbewohner*innen bereits als \u201eOpfer\u201c-Partei akzeptiert (vgl. Parmentier 2009).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote6\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote6anc\" name=\"sdendnote6sym\">vi <\/a>Gysi und diverse B\u00fcrgermeister*innen suchen als Systemrepr\u00e4sentant*innen das Gespr\u00e4ch mit Protestierenden.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote7\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote7anc\" name=\"sdendnote7sym\">vii <\/a>Bianchis (1988) Studie \u00fcber \u201eFreist\u00e4tten\u201c bietet einen Einblick in die Konfliktregelung vor Etablierung des modernen Strafrechts.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote8\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote8anc\" name=\"sdendnote8sym\">viii <\/a>Sie schlagen daher die Umbenennung in \u201erelationale Gerechtigkeit\u201c, \u201etransformative Gerechtigkeit\u201c oder \u201egemeinschaftliche opferorientierte Gerechtigkeit\u201c vor, siehe auch: \u201eHealthy Justice\u201d, \u201eIntergenerational Justice\u201d, \u201eEnvironmental Justice\u201d. Ferner wird \u201ePeacemaking\u201c oder \u201ePeacebuilding\u201c sowie \u201eTranscend\u201c von mir unter <i>Restorative Justice<\/i> subsumiert. Gelegentlich tauchen Begriffe auf wie \u201esocial justice\u201c, \u201ereparative justice\u201c oder \u201etherapeutical justice\u201c. Im wissenschaftlichen Diskurs \u00fcberwiegt der Begriff RJ: Die Suchmaschine Google zeigte am 03. September 2023 circa 330.000 Treffer f\u00fcr \u201eTransformative Justice\u201c gegen\u00fcber circa 11 Millionen Treffern f\u00fcr \u201eRestorative Justice\u201c.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[21,24,16,2977,2957],"tags":[3168,3429,3157,3428],"autoren":[3427],"publikationen":[3419],"class_list":["post-19224","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","category-demokratisierung","category-innere-sicherheit","category-rechtspolitik","category-strafrecht-2","category-strafvollzug","tag-abolitionismus","tag-restorative-gesellschaft","tag-restorative-justice","tag-transformative-justice","autoren-otmar-hagemann","publikationen-vorg-243"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Restorativer Abolitionismus - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-243\/publikation\/restorativer-abolitionismus-2\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Restorativer Abolitionismus - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Ausgehend von der Kriminalisierung neuer sozialer Bewegungen erl\u00e4utert Otmar Hagemann in seinem begriffs- und rechtstheoretischen Beitrag, was Restorative Justice sein kann und tritt f\u00fcr ein breites, inklusives Verst\u00e4ndnis des Begriffs ein. 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