{"id":19460,"date":"2024-08-21T11:30:24","date_gmt":"2024-08-21T09:30:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=19460"},"modified":"2024-08-21T11:30:24","modified_gmt":"2024-08-21T09:30:24","slug":"in-der-hitzefalle-klimaungerechtigkeit-und-die-vision-eines-oekologischen-sozialstaats","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-245\/publikation\/in-der-hitzefalle-klimaungerechtigkeit-und-die-vision-eines-oekologischen-sozialstaats\/","title":{"rendered":"In der Hitzefalle: Klimaungerechtigkeit und die Vision eines \u00f6kologischen Sozialstaats"},"content":{"rendered":"<p class=\"v-teaser-western\"><em>In Deutschland wirkt soziale Ungleichheit als gewaltiger Bremsklotz f\u00fcr die Verwirklichung \u00f6kologischer Nachhaltigkeitsziele. Das l\u00e4sst sich nur \u00e4ndern, so Klaus D\u00f6rre, Oskar Butting, Nora F\u00fcl\u00f6p und Anna Mehlis in ihrem Beitrag, wenn angemessene Sicherungssysteme Transformationskonflikte und -folgen sozial abfedern: mit einem \u00f6kologischen Sozialstaat. Denn der Kampf gegen die Erderhitzung ist zwingend auch ein Kampf gegen Armut und Ungleichheit. Ein \u00f6kologischer Sozialstaat k\u00f6nne daher einen entscheidenden Beitrag leisten, um \u00f6kologische und soziale Nachhaltigkeitsziele in eine f\u00fcr gesellschaftliche Mehrheiten akzeptable Balance zu bringen. Dies begr\u00fcnden die Autor*innen anhand eigener empirischer Forschungen zu ausgew\u00e4hlten Transformationskonflikten, um danach ihre Vision eines \u00f6kologischen Sozialstaats vorzustellen.<\/em><\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"1-in-the-heat-of-the-night\">1. In the Heat of the Night<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\"><i>In the heat of the night<\/i> ist ein Blockbuster mit einem fantastischen Sidney Poitier in der Hauptrolle. Was im Film nur ein Randaspekt ist \u2013 alle schwitzen jederzeit und auch bei Nacht \u2013 k\u00f6nnte sich dem Halbzeitbericht zur Umsetzung der 17 Sustainable Development Goals (in Folgenden SDGs) der Vereinten Nationen (Sachs et al. 2023) zufolge k\u00fcnftig f\u00fcr einen erheblichen Teil der Menschheit als Dauerzustand erweisen. Das Ziel, \u201e[u]mgehend Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen [zu] ergreifen\u201c, um die durchschnittliche Erderhitzung zumindest unter zwei, m\u00f6glichst aber unter 1,5 Grad zu halten (United Nations 2015), ger\u00e4t zusehends au\u00dfer Reichweite. Laut Synthesebericht des Weltklimarates (IPCC 2023) steuert die Welt bei Umsetzung aller bereits vereinbarten Ma\u00dfnahmen bestenfalls auf ein 2,8-Grad-Szenario zu. Schon eine globale Erw\u00e4rmung auf etwa 2,7 Grad bis zum Jahrhundertende k\u00f6nnte ein Drittel der Weltbev\u00f6lkerung aus den angestammten Klima-Nischen vertreiben (Lenton 2023).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die Halbzeitbilanz der SDGs f\u00e4llt jedoch nicht nur in Sachen Klimawandel ern\u00fcchternd aus. Die meisten Ziele, die sich die Vereinten Nationen f\u00fcr 2030 vorgenommen hatten, k\u00f6nnen kaum noch erreicht werden. Bei Kernzielen wie der Beseitigung von Armut und Hunger sowie der Reduzierung sozialer Ungleichheiten gibt es in vielen Weltregionen gar R\u00fcckschritte. Das Ziel, extreme Formen von Armut in einem globalen Ma\u00dfstab bis 2030 zu \u00fcberwinden, scheint v\u00f6llig au\u00dfer Reichweite. Aufgrund der pandemiebedingten Rezession rutschten allein 2020 etwa 124 Millionen Menschen zus\u00e4tzlich unter die Einkommensschwelle von 1,90 US-Dollar pro Tag und gilt damit global als arm. Die Erwerbsarmut trifft haupts\u00e4chlich Frauen und Jugendliche (United Nations 2022: 26). Mit extremer Armut nimmt auch der Hunger wieder zu. 2020 litten bis zu 811 Millionen Menschen unter Nahrungsknappheit, das waren 161 Millionen mehr als ein Jahr zuvor (United Nations 2022: 26).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Wie ist diese dramatische Fehlentwicklung zu erkl\u00e4ren? Nach unserer Auffassung resultiert eine wichtige Ursache aus dem Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen \u00f6kologischen und sozialen Nachhaltigkeitszielen. Lange Zeit operierte die \u00f6kologische Aufkl\u00e4rung in der Annahme, das Wissen um die demokratische Allbetroffenheit durch \u00f6kologische Gro\u00dfgefahren werde gen\u00fcgen, um gesellschaftliche Mehrheiten f\u00fcr den Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft zu gewinnen. Die griffige Formel, Not sei hierarchisch, Smog indessen demokratisch, die einen zunehmenden Bedeutungsverlust sozialer Verteilungsk\u00e4mpfe signalisieren sollte (Beck 1986), hat sich jedoch als gravierende Fehldiagnose erwiesen (Otto 2023). Zwar betreffen \u00f6kologische Gro\u00dfgefahren wie der Klimawandel alle, aber eben nicht in gleicher Weise und sie ebnen soziale Unterschiede keineswegs ein. Im Gegenteil, der Kampf gegen die Erderhitzung ist zwingend auch ein Kampf gegen Armut und Ungleichheit. Das gilt f\u00fcr L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens ebenso wie f\u00fcr die vergleichsweise reichen Gesellschaften des Nordens.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Auch in Deutschland \u2013 einem Land, das beim Klimaschutz eigentlich eine F\u00fchrungsrolle einnehmen m\u00fcsste \u2013 wirkt soziale Ungleichheit als gewaltiger Bremsklotz f\u00fcr die Verwirklichung \u00f6kologischer Nachhaltigkeitsziele. Das l\u00e4sst sich nur \u00e4ndern, so unsere These, wenn angemessene Sicherungssysteme Transformationskonflikte und -folgen sozial abfedern. Ein \u00f6kologischer Sozialstaat (zur Diskussion vgl. Nullmeier 2023; Barth\/Lessenich 2022) w\u00e4re ein Gro\u00dfprojekt, das, obgleich mit geh\u00f6rigem utopischem \u00dcberschuss ausgestattet, doch realit\u00e4tstauglich genug w\u00e4re, um gesellschaftliche Mehrheiten zu gewinnen. Nachfolgend begr\u00fcnden wir diese Auffassung anhand eigener empirischer Forschungen. Zun\u00e4chst skizzieren wir den methodischen und theoretischen Rahmen der Ausf\u00fchrungen (2), analysieren sodann ausgew\u00e4hlte Transformationskonflikte (3) und stellen abschlie\u00dfend einige \u00dcberlegungen zur Vision eines \u00f6kologischen Sozialstaats an (4).<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"2-transformationskonflikte-ein-untersuchungsdesign\">2. Trans&shy;for&shy;ma&shy;ti&shy;ons&shy;kon&shy;flikte &ndash; ein Unter&shy;su&shy;chungs&shy;de&shy;sign<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Um unsere These zu pr\u00fcfen, richten wir unser Augenmerk haupts\u00e4chlich auf Transformationskonflikte in der Arbeitswelt. Dabei gehen wir davon aus, dass die soziale (Klassen-)Achse und die Achse des \u00f6kologischen Gesellschaftskonflikts einander zwar \u00fcberlappen, sich aber durch je eigene Dynamiken auszeichnen.<\/p>\n<h4 class=\"\"><span id=\"21-methodik-sample\">2.1 Methodik, Sample<\/span><\/h4>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Wie Transformationskonflikte verlaufen, l\u00e4sst sich nur empirisch kl\u00e4ren. Wir greifen deshalb auf verschiedene Datens\u00e4tze zur\u00fcck, die wir methodisch qua Daten- und Forscher*innen-Triangulation (Flick 2008; Denzin 1989) aufeinander beziehen k\u00f6nnen. Dem quantitativen Datensatz, auf den wir uns beziehen, liegt eine Bev\u00f6lkerungsbefragung aus dem Fr\u00fchjahr 2022 zugrunde. Im Rahmen eines vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) gef\u00f6rderten Vorhabens (h2well) wurden zwischen dem 1. M\u00e4rz und dem 15. April 2022 1118 Erwachsene (1109 ausgewertete F\u00e4lle) bundesweit telefonisch befragt.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote1sym\" name=\"sdendnote1anc\"><sup>i<\/sup><\/a> Dabei ging es auch um das Umweltbewusstsein und die Gesellschaftsbilder der Befragten. Wir nutzen den Datensatz, um eine Klassenheuristik zu pr\u00fcfen, die wir zuvor aufgrund theoretischer \u00dcberlegungen gebildet und anhand eines Datensatzes mit knapp 20.000 Befragten (n = 19.381) erstmals modelliert hatten (vgl. D\u00f6rre et al. 2024).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die quantitativen Daten verbinden wir mit einem qualitativen Datensatz, der im Rahmen des DFG-Projekts \u201eEigentum, Ungleichheit und Klassenbildung in sozial-\u00f6kologischen Transformationskonflikten\u201c des Sonderforschungbereichs 294 erhoben wurde.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote2sym\" name=\"sdendnote2anc\"><sup>ii<\/sup><\/a> Er umfasst, eine Vorstudie eingeschlossen, mehr als 300 Befragte. Untersucht wurden Transformationskonflikte im Braunkohlerevier der Lausitz, beim Logistikkonzern Deutsche Post\/DHL, im \u00d6ffentlichen Personennahverkehr, in der Auto- und Zulieferindustrie sowie am Beispiel von Erwerbslosen und Nutzer*innen des Tafel-Angebots. Das Spektrum der Befragten reicht von den Werks- und Standortleitungen \u00fcber mittlere F\u00fchrungskr\u00e4fte und Spezialist*innen, Arbeiter*innen und Auszubildenden bis hin zu prek\u00e4r Besch\u00e4ftigten und Langzeiterwerbslosen. Als Erhebungsinstrument dienten problemzentrierte Interviews und Expertenbefragungen, deren Leitf\u00e4den auf betriebliche Statusgruppen zugeschnitten waren (Witzel 2000). Alle Interviews wurden protokolliert, teilweise auch vollst\u00e4ndig transkribiert. Im Anschluss an die Codierung erfolgte eine inhaltsanalytische Auswertung des Materials (Kelle\/Kluge 2010: 43f.).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Hervorzuheben ist, dass jede befragte Person einer Position in einem von uns eigens entwickelten Klassenmodell zugeordnet werden kann. Die theoretisch konstruierten Klassen dienen uns als Zellen, die mittels <i>theoretical sampling<\/i> (Glaser\/Strauss 1998: 51ff.) zu besetzen sind. Gefragt haben wir zumeist in Einzel-, in geringer Zahl auch in Gruppengespr\u00e4chen. Themen waren Bildungs- und Berufswege, die aktuelle Arbeitssituation, das Erleben sozial-\u00f6kologischer Transformation, Einsch\u00e4tzungen zu betrieblichen Interessenvertretungen und Gewerkschaften, Haltungen zu Klimawandel und Klimaprotesten sowie Gesellschaftsbilder einschlie\u00dflich der Selbstverortung im sozialen Gef\u00fcge der Bundesrepublik. Im Anschluss an die Interviews wurde den Befragten ein standardisierter Fragebogen vorgelegt, der neben soziodemographischen Daten zus\u00e4tzlich Einstellungen zur Gesellschaft, zu sozialen Ungleichheiten und Transformationskonflikten erfasst.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Als heuristischer Rahmen unserer empirischen Untersuchungen dient ein Klassenmodell, das wir in Anlehnung an Erik Olin Wrights synthetisierende Klassentheorie entwickelt haben. Unter Klassen verstehen wir \u201eaus bestimmten Strukturbedingungen hervorgegangene Interessengruppierungen, die als solche in soziale Konflikte eingreifen und zum Wandel sozialer Strukturen beitragen\u201c (Dahrendorf 1957: VIIIf.). Im Unterschied zum deskriptiven Ordnungsbegriff <i>Schicht <\/i>ist<i> Klasse<\/i> \u201eeine analytische Kategorie, die nur im Zusammenhang einer Klassentheorie sinnvoll sein kann\u201c (Dahrendorf 1957: IX). Klassen f\u00fchren einen Kampf um das gesellschaftlich erzeugte Mehrprodukt \u2013 eine Auseinandersetzung, die aufgrund von Inflation, realen oder antizipierten Wohlfahrtsverlusten gegenw\u00e4rtig wieder an Fahrt aufnimmt. Klassentheorien interpretieren Verteilungsk\u00e4mpfe allerdings in besonderer Weise. Sie operieren mit Kausalit\u00e4tsvermutungen nach dem Muster \u201aDer Reichtum der Reichen bedingt die Armut der Armen\u2018. Dabei beruhen Klassen stets auf Klassifikationen und den ihnen zugrunde liegenden Bewertungen.<\/p>\n<h4 class=\"\"><span id=\"22-klassen-und-klassenkonflikte\">2.2 Klassen und Klassen&shy;kon&shy;flikte<\/span><\/h4>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Im Anschluss an Erik Olin Wright (2015: 12) lassen sich drei Gruppen klassenkonstitutiver sozialer Mechanismen unterscheiden. Auf der Mikroebene individueller Lebensf\u00fchrung erwerben Personen klassenrelevante Eigenschaften; Distinktion wirkt als ein Kausalmechanismus, der Klassenindividuen zueinander in Beziehung setzt. Hier sind Ans\u00e4tze zu verorten, die mit der Kapital- und Klassentheorie Pierre Bourdieus operieren. Auf der Mesoebene lassen sich Positionen und Chancen innerhalb von Marktbeziehungen analysieren, die durch soziale Schlie\u00dfung, positive oder negative Privilegierung aufeinander bezogen werden. Dies ist die Ebene weberianischer Kausalit\u00e4tsvermutungen. Makrosozial geht es um Positionierungen innerhalb von Herrschafts- und Ausbeutungsverh\u00e4ltnissen sowie die mit ihnen verbundenen Auseinandersetzungen vor allem innerhalb der Produktion (Wright 2015: 13). Das ist die Ebene marxianischer (\u201emarxian\u201c) Theorie. Beherrschung (<i>domination<\/i>) thematisiert die F\u00e4higkeit, die Aktivit\u00e4ten anderer zu kontrollieren. Ausbeutung (<i>exploitation<\/i>) beinhaltet die Generierung \u00f6konomischer Vorteile aus der Arbeitst\u00e4tigkeit derjenigen, die beherrscht werden. Jede Ausbeutung impliziert daher eine Art von Beherrschung, aber nicht jede Beherrschung bringt Ausbeutung mit sich (Wright 2015: 9).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Wrights klassentheoretische \u00dcberlegungen sind f\u00fcr uns anregend; um sie auf Transformationskonflikte zu beziehen, m\u00fcssen wir sie indes erheblich modifizieren. Ein wesentlicher Unterschied zu Wright ist, dass wir das Sozialeigentum von Lohnabh\u00e4ngigen als klassenkonstitutiven Mechanismus betrachten. Sozialeigentum ist nach Robert Castel (2005: 41) eine Eigentumsform, die Lohnabh\u00e4ngigen aufgrund beruflicher F\u00e4higkeiten, sozialer Rechte, tariflicher Normen, Mitbestimmungs- und Partizipationsm\u00f6glichkeiten etwas erm\u00f6glicht, was zuvor ausschlie\u00dflich an privaten Besitz gekoppelt war \u2013 die Chance zu einer l\u00e4ngerfristigen Lebensplanung. Soziales Eigentum fungiert daher als Gegenbegriff zum kapitalistischen Besitz. Anhand der Kriterien (a) Verf\u00fcgung \u00fcber Produktionsmittel, (b) der in Wirtschaftsorganisationen ausge\u00fcbten oder staatlich gew\u00e4hrten Kontrollmacht \u00fcber Personen sowie (c) dem angeeigneten Sozialeigentum differenziert unser Modell vier Erwerbsklassen \u2013 die Selbstst\u00e4ndige und Lohnabh\u00e4ngige Mittelklasse (SMK, LMK) sowie die Neue und die Konventionelle Arbeiterklasse (NAK, KAK). Alle genannten Klassen bringen je eigene Exklusionsbereiche hervor, in denen die Besch\u00e4ftigungs-, Arbeits- und Einkommensstandards der Grundklassen deutlich unterboten werden. Dies geschieht aufgrund sexistischer oder rassistischer Abwertungen oder auch wegen institutionalisierter Ungleichbehandlung und defizit\u00e4rem Sozialeigentum. Es handelt sich um Bereiche, die von \u00dcberausbeutung und ungleichem Tausch gepr\u00e4gt werden. Gemeinsam bilden sie einen Exklusionssektor. Die Nichterwerbst\u00e4tigen (NE) sind sozial heterogen und bilden keine Erwerbsklasse. Deshalb bleiben sie in der nachfolgenden Darstellung unber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Aufgrund geringer Fallzahlen werden sowohl die Herrschende Klasse (HK) als auch die Untere Klasse (UK) lediglich \u00fcber den qualitativen Datensatz erfasst. Die HK zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht nur den Besitz an und\/oder die Verf\u00fcgung \u00fcber Produktionsmittel weitgehend monopolisiert, sondern auch \u00fcber erhebliche Kontrollmacht in Produktionsprozessen verf\u00fcgt. Die UK ist hingegen selbst von Ausbeutung in bezahlter Erwerbsarbeit vollst\u00e4ndig ausgeschlossen. Ihre Klassenpositionen befinden sich unterhalb einer Schwelle der Respektabilit\u00e4t, die signalisiert, dass die Reproduktion des eigenen Lebens nicht aus eigener Kraft gesichert werden kann.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Auf der Basis unserer Bev\u00f6lkerungsbefragung ergibt sich folgende Klasseneinteilung (Abb. 1):<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"41%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\"><i><b>Klasse<\/b><\/i><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"29%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\"><i><b>Insgesamt<\/b><\/i><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"30%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\"><i><b>Nach Grundklasse und Exlusionsbereich getrennt<\/b><\/i><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"41%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\"><b>Selbstst\u00e4ndige Mittelklasse<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"29%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"right\">6,7 %<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"30%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"right\">5,1 %<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"41%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Exklusionsbereich<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"29%\"><\/td>\n<td width=\"30%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"right\">1,6 %<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"41%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\"><b>Lohnabh\u00e4ngige Mittelklasse<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"29%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"right\">13,1 %<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"30%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"right\">9,5 %<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"41%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Exklusionsbereich<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"29%\"><\/td>\n<td width=\"30%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"right\">3,6 %<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"41%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\"><b>Neue Arbeiterklasse<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"29%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"right\">8,9 %<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"30%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"right\">6,1 %<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"41%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Exklusionsbereich<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"29%\"><\/td>\n<td width=\"30%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"right\">2,8 %<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"41%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\"><b>Konventionelle Arbeiterklasse<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"29%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"right\">28,3 %<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"30%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"right\">14,9 %<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"41%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Exklusionsbereich<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"29%\"><\/td>\n<td width=\"30%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"right\">13,4 %<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"41%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\"><b>Nicht Erwerbst\u00e4tige<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"29%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"right\">43 %<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"30%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"right\">43 %<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\"><i>Abb. 1: Klasseneinteilung n = 1109 ausgewertete F\u00e4lle (h2-well-Datensatz).<\/i><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\"><i>Die Klassen\/Gro\u00dfgruppen wurden anhand folgender Kriterien gebildet.<\/i><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\"><i>Selbstst\u00e4ndige Mittelklasse (SMK): Personen mit dem beruflichen Status Selbstst\u00e4ndig, Freie Mitarbeiter*innen, Freiberuflich oder Landwirt.<\/i><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\"><i>Lohnabh\u00e4ngige Mittelklasse (LMK): Personen mit dem beruflichen Status Arbeiter*in, Angestellte oder Beamte, die eine F\u00fchrungsposition innehaben.<\/i><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\"><i>Neue Arbeiterklasse: Personen mit dem beruflichen Status Arbeiter*in, Angestellte oder Beamte, die einen akademischen oder einen vergleichbaren Abschluss, aber keine F\u00fchrungsposition innehaben.<\/i><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\"><i>Konventionelle Arbeiterklasse: Personen mit dem beruflichen Status Arbeiter*in, Angestellte oder Beamte, die keinen akademischen Abschluss und keine F\u00fchrungsposition innehaben.<\/i><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\"><i>Nicht Erwerbst\u00e4tige: Personen, die nicht in Voll- oder Teilzeit erwerbst\u00e4tig sind.<\/i><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\"><i>Exklusionsbereiche: Personen, die sich in einem befristeten Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnis befinden, in Teilzeit arbeiten oder ein prek\u00e4res monatliches Nettoeinkommen (weniger als zwei Drittel des Medians) beziehen.<\/i><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Unsere Gesellschaftsbild-Batterie vermittelt einen Eindruck hinsichtlich der subjektiven Relevanz wahrgenommener Ungerechtigkeit (Abb. 2). Gro\u00dfe Mehrheiten sind \u00fcberzeugt, dass sich der gesellschaftliche Reichtum gerechter verteilen lie\u00dfe (89 Prozent der Befragten stimmen der Aussage eher oder voll und ganz zu). Man sorgt sich wegen verbreiteter Ellbogenmentalit\u00e4t (78 Prozent) und tendiert mit knapper Mehrheit zu einem dichotomischen Gesellschaftsbild, das nur noch oben und unten kennt (52 Prozent). Mehrheitlich glaubt man, dass das heutige Wirtschaftssystem auf Dauer nicht \u00fcberlebensf\u00e4hig ist (69 Prozent). Immerhin 46 Prozent der Befragten sind aber auch der Meinung, die Kritik am kapitalistischen System f\u00fchre nicht weiter. Die Aussage, das eigene Leben sei ein st\u00e4ndiger Kampf, wird mehrheitlich abgelehnt (72 Prozent), und 73 Prozent der Befragten zeigen sich \u00fcberzeugt, den eigenen Lebensstandard zumindest halten oder gar verbessern zu k\u00f6nnen. Die Erhebung erfolgte allerdings zu einem Zeitpunkt, als die inflation\u00e4re Entwicklung erst eingesetzt hatte.<\/p>\n<h4><span id=\"23-die-oekologische-konfliktachse\">2.3 Die &ouml;kologische Konflik&shy;tachse<\/span><\/h4>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Wie lassen sich die klassenanalytischen \u00dcberlegungen auf den \u00f6kologischen Gesellschaftskonflikt und die Auseinandersetzungen um den anthropogenen Klimawandel beziehen? Trotz schlechter Datenlage vermittelt eine Studie des \u00d6konomen Lucas Chancel (2022) einen Eindruck, wie der individuelle Klimafu\u00dfabdruck mit der jeweiligen Klassenposition variiert. So sind die klimasch\u00e4dlichen Emissionen in Europa und Nordamerika zwischen 1990 und 2019 um mehr als ein Viertel zur\u00fcckgegangen, w\u00e4hrend sie in den (semi-)peripheren L\u00e4ndern im gleichen Ausma\u00df zugenommen haben. Die untere H\u00e4lfte der Einkommensgruppen \u2013 unter ihnen viele Angeh\u00f6rige der Konventionellen Arbeiterklasse \u2013 hat in Europa und Nordamerika Werte erreicht, die sich denen der Pariser Klimaziele f\u00fcr 2030 mit einer j\u00e4hrlichen Pro-Kopf-Emissionslast von etwa zehn Tonnen in den USA und ungef\u00e4hr f\u00fcnf Tonnen in europ\u00e4ischen L\u00e4ndern ann\u00e4hern oder diese gar erreichen. Das wohlhabendste ein Prozent emittierte 2019 hingegen 26 Prozent mehr als vor 30 Jahren, die reichsten 0,01 Prozent legten gar um 80 Prozent zu. Hauptursache f\u00fcr die steigende Emissionslast sind Investitionen, nicht der individuelle Konsum. So resultierten 2019 \u00fcber 70 Prozent der Emissionen des reichsten ein Prozent aus Investitionen. Parallel zum Anstieg der Ungleichheit und zur Konzentration der Verm\u00f6gen hat der Anteil der Investitionen am Pro-Kopf-Fu\u00dfabdruck der kapitalistischen Eliten seit den 1990er Jahren best\u00e4ndig zugenommen (vgl. Chancel 2022: 931\u2013938).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Es w\u00e4re dennoch grob fahrl\u00e4ssig, wollte man annehmen, Lohnabh\u00e4ngige, die auf soziale Gerechtigkeit pochen, seien unweigerlich auch Vorreiter*innen \u00f6kologischer Nachhaltigkeit. Die Sorge um Arbeitspl\u00e4tze, sozialen Status, die Zukunft der Kinder und der Heimatregion kann das Gegenteil bewirken. Das h\u00e4ngt vor allem mit der eigensinnigen Dynamik zusammen, die der \u00f6kologische Gesellschaftskonflikt entfaltet. Diese Dynamik darf weder auf Klassenkampf reduziert werden, noch ist sie mit ihm identisch. Wie Jason Moore (2020) begr\u00fcndet, erzeugen die Auseinandersetzungen um die Aneignung \u201ebilliger Naturen\u201c eigene Konfliktdynamiken. Das auch, weil die aneignenden Gruppen Techniken anwenden, mit deren Hilfe sie sich \u201edie F\u00e4higkeit besagter Naturen zunutze\u201c machen, \u201eunentgeltlich zu arbeiten\u201c (Moore 2020: 114).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"1145\" class=\"aligncenter size-full wp-image-19461\" src=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/doerre-1-e1724232262612.png\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\"><i>Abb. 2: Gesellschaftsbild-Batterie<\/i><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die Arbeit der Natur ist etwas anderes als Lohnarbeit. Ihr n\u00e4hert man sich, wenn Arbeit \u00fcber die Erwerbst\u00e4tigkeit hinaus als \u201elebensspendender Prozess\u201c (Foster et al. 2011: 381) begriffen wird.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Entscheidend ist, dass die \u00f6kologische Konfliktachse auch innerhalb sozialer Klassen spaltet. Sie trennt die Gewinner*innen sozial-\u00f6kologischer Transformation von den Verlierer*innen. F\u00fcr Konflikte auf der Naturachse gilt deshalb, dass sie eigendynamisch verlaufen, aber mehr oder minder gro\u00dfe \u00dcberlappungen mit der Kapital-Arbeit-Achse aufweisen. Marktzentrierte Klimapolitiken sind ein markantes Beispiel, denn die wichtigsten klimapolitischen Instrumente wie Kohlenstoffsteuern haben, so Chancel, wenig dazu beigetragen, die enormen Ungleichheiten bei den Kohlenstoff-Fu\u00dfabdr\u00fccken zu beseitigen. Klimapolitiken, die soziale Nachhaltigkeit missachten, sind daher hochgradig konflikttr\u00e4chtig, und das obwohl \u00f6kologische und Klimaziele klassen\u00fcbergreifend auf gro\u00dfe Zustimmung sto\u00dfen (Abb. 3).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Deutliche Mehrheiten der von uns Befragten sind der Ansicht, der Klimaschutz in Deutschland gehe zu langsam voran (84 Prozent); fast alle halten den Ausbau erneuerbarer Energien f\u00fcr sehr wichtig (98 Prozent) und drei Viertel meinen, die Politik solle der Wirtschaft strenge Vorgaben zum Schutz des Klimas machen. Eine deutliche Mehrheit ist gar bereit dazu, mehr Geld f\u00fcr den Schutz des Klimas auszugeben (75 Prozent). Doch Mehrheiten der Befragten (58 Prozent) meinen auch, der Klimaschutz d\u00fcrfe das Wirtschaftswachstum nicht beeintr\u00e4chtigen und vertreten die Ansicht, die Kosten f\u00fcr den Klimaschutz belasteten Menschen mit geringen Einkommen zu stark (60 Prozent \u201evoll und ganz\u201c, 24 Prozent \u201eeher\u201c).<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"3-transformationskonflikte\">3. Trans&shy;for&shy;ma&shy;ti&shy;ons&shy;kon&shy;flikte<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">In den Daten deutet sich die Explosivit\u00e4t an, die Konflikten um \u00f6kologische und soziale Nachhaltigkeit innewohnt. Das Ziel, die klimasch\u00e4dlichen Emissionen in Deutschland bis 2045, in der EU bis sp\u00e4testens 2050 auf netto Null zu reduzieren, bedeutet f\u00fcr alle Wirtschaftsbereiche, insbesondere aber f\u00fcr die industriellen Karbonbranchen, eine konflikttr\u00e4chtige Z\u00e4sur. Denn es wirkt ein Kausalnexus, der sich in Anlehnung an Wrights Klassentheorie anhand von drei Prinzipien beschreiben l\u00e4sst. (1) Das umgekehrt interdependente Wohlfahrtsprinzip: Der auf fossiler Basis angeeignete Wohlstand herrschender Klassen mit gro\u00dfem Klimafu\u00dfabdruck verh\u00e4lt sich in umgekehrter Abh\u00e4ngigkeit zum Wohlstand beherrschter Klassen, die eine geringe Emissionslast verursachen. (2) Das Ausschlussprinzip: Die umgekehrte Interdependenz beruht darauf, dass beherrschte Klassen von Entscheidungen \u00fcber Investitionen und Innovationen ausgeschlossen sind. (3) Das Aneignungsprinzip: Der Ausschluss verschafft Klassen mit gro\u00dfer Entscheidungsmacht einen materiellen Vorteil, weil er ihnen erm\u00f6glicht, sich \u201ebillige Naturen\u201c auf Kosten beherrschter Klassen anzueignen. Dieser Kausalmechanismus entfaltet sich in komplexen Mikro-Makrodynamiken. Auf der Mikroebene von Arbeitsweise und individueller Lebensf\u00fchrung geht es um Spielr\u00e4ume f\u00fcr ein gutes Leben, die der Fremdbestimmung abgetrotzt werden. Auf der Mesoebene dreht sich die Auseinandersetzung um das Ausma\u00df von Kontrolle und Beherrschung in der Transformation. Makrosozial wird wiederum um Entscheidungen gerungen, die \u00fcber das Was, das Wie und das Wozu der Produktion befinden. Nachfolgend abstrahieren wir von branchenspezifischen Besonderheiten und konzentrieren uns auf einige fall\u00fcbergreifende Gemeinsamkeiten von Transformationskonflikten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"1046\" class=\"aligncenter size-full wp-image-19462\" src=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/doerre-2-e1724232345510.png\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\"><i>Abb. 3: Einstellungen zum Klimaschutz<\/i><\/p>\n<h4 class=\"\"><span id=\"31-die-mikroebene-konflikte-um-symbolische-auf-und-abwertung\">3.1 Die Mikroebene: Konflikte um symbolische Auf- und Abwertung<\/span><\/h4>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Beginnen wir mit der oftmals ungesehenen Mikroebene. Wie gezeigt, sind Klima- und \u00f6kologische Nachhaltigkeitsziele klassen\u00fcbergreifend subjektiv stark pr\u00e4sent. Deren lebenspraktische Relevanz variiert jedoch mit der individuellen Klassenposition. So finden Ma\u00dfnahmen zum Klimaschutz in der Neuen Arbeiterklasse, der Lohnabh\u00e4ngigen Mittelklasse, mitunter aber auch bei Personen, die wir der Herrschenden Klasse zurechnen, starke Zustimmung. Teilweise sympathisieren diese Befragten gar mit der Klimabewegung. In der Regel handelt es sich allerdings um Personen in Klassenpositionen, die mit besonders hohen Emissionswerten verbunden sind. Die Reduktion des pers\u00f6nlichen Klimafu\u00dfabdrucks betrachten Mitglieder der Herrschenden Klasse durchaus als anstrebenswertes Ziel:<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201eIch will, dass die Gelder in die Rettung des Klimas und in die Rettung unserer Welt gehen. Ich wei\u00df, dass ich nur ganz, ganz wenig dazu selbst beitragen kann, aber das sind meine pers\u00f6nlichen Ziele. Ich w\u00fcrde gern irgendwas in der Richtung Photovoltaik, regenerative Energien machen, um meinen \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck noch ein bisschen optimieren zu k\u00f6nnen f\u00fcr den Rest meines Lebens. Das ist wirklich mein Ziel.\u201c (Top-Manager Automobil, HK)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Das \u00e4ndert aber nichts daran, dass viele Befragte in \u00e4hnlichen Klassenpositionen aufwendige Hobbys betreiben, die denkbar ungeeignet sind, den Klimafu\u00dfabdruck zu reduzieren:<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201eAlso ich habe als Hobby ein Porsche Cabrio [\u2026] und habe noch einen gro\u00dfen Schlepper. Das ist auch so ein kleines Hobby. Den nutze ich, um Erdbewegungen zu machen, weil ich gerne H\u00e4user baue. Meine Kollegen lachen schon und \u00e4rgern mich damit: \u201aNa, wieder ein Haus gebaut?\u2018 Ist nicht so, dass ich hier Gro\u00dfgrundbesitzer bin, ich bin einfach ein engagierter Mensch, der dabei auch Erf\u00fcllung findet, noch was richtig zu tun, auch k\u00f6rperlich.\u201c (Top-Manager Automobil, HK)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die Sympathie f\u00fcr Klimaziele korrespondiert im konkreten Fall mit einem Lebensstil, der gesellschaftlich zwar hoch geachtet wird, strukturell aber nicht nachhaltig ist. Der Befragte d\u00fcrfte zweifellos zu jenen einkommensst\u00e4rksten zehn Prozent der Haushalte von vier L\u00e4ndern (Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien) geh\u00f6ren, die insgesamt mehr emittieren als die gesamte Bev\u00f6lkerung von 16 \u00e4rmeren EU-Mitgliedsstaaten (Ivanova\/Wood 2020). Betrachtet man das untere Ende der Hierarchie, ergibt sich eine umgekehrte Kausalit\u00e4t. Auch viele der von uns befragten armen Erwerbslosen und Tafel-Nutzenden wissen um die Bedeutung des Klimawandels. Doch \u00f6kologische Klima- und Nachhaltigkeitsziele haben f\u00fcr sie kaum lebenspraktische Relevanz \u2013 zumal unter Inflationsbedingungen andere Probleme dr\u00e4ngen:<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201eDie Menschen haben Angst um ihre Zukunft, das ist hier das brisante Thema: Wie geht das mit den Preisen weiter, Strom, Essen\u2026? [\u2026] Die Leute gehen f\u00fcr s\u00e4mtliche Schei\u00dfe auf die Stra\u00dfe demonstrieren. Geht mal einer wegen den Preisen auf die Stra\u00dfe, sagt \u201aSo geht\u2019s nicht weiter mit dem Sprit\u2018? Oder mit den Nahrungsmitteln? Was ist denn mit den Deutschen los? [\u2026] Viele Deutsche sollten langsam mal ihre rosarote Brille absetzen.\u201c (Tafel-Nutzer, im Ehrenamt t\u00e4tig, UK)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Ihre Klassenposition, die sie vom Zugang zu regul\u00e4rer Erwerbsarbeit faktisch ausschlie\u00dft, zwingt Befragte, die wir der Unteren Klasse zurechnen, zu einem Lebensstil, der ihnen ein \u00dcberleben trotz Mangels an lebenswichtigen G\u00fctern erlaubt. Je nahtloser die Anpassung an Mangel und Knappheit gelingt, desto st\u00e4rker unterscheiden sich die Befragten vom Rest der Gesellschaft. Und je mehr sie sich von \u201enormalen Menschen\u201c abheben, desto gr\u00f6\u00dfer ist die Gefahr sozialer Stigmatisierung. Das gilt, obwohl die Mitglieder der Unteren Klasse mit gr\u00f6\u00dfter Wahrscheinlichkeit zu jenen f\u00fcnf Prozent der EU-Haushalte z\u00e4hlen, die sich innerhalb des Korridors der Pariser Klimaziele bewegen (Ivanova\/Wood 2020).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">In der Gesamtschau ergibt sich eine paradox anmutende Konstellation. Diejenigen Lebensstile, die aufgrund gro\u00dfer materieller und kultureller Knappheit den geringsten Klimafu\u00dfabdruck verursachen, werden gesellschaftlich verachtet und wirken abschreckend. Umgekehrt zeugen Lebensentw\u00fcrfe, die mit einem besonders gro\u00dfen Emissionsaussto\u00df verbunden sind, von einer respektablen Klassenposition, die mit hoher gesellschaftlicher Wertsch\u00e4tzung verbunden ist. Personen, die der Konventionellen Arbeiterklasse zugerechnet werden k\u00f6nnen, bewegen sich zwischen diesen Polen. Einerseits f\u00fcrchten sie nichts mehr, als in den Exklusionssektor oder gar in die Untere Klasse und damit unter die Schwelle sozialer Respektabilit\u00e4t abzurutschen. Andererseits nehmen sie die Klimaungerechtigkeit und die mit ihr verbundenen doppelten Standards besonders sensibel wahr.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Je geringer die Aufstiegschancen und je gr\u00f6\u00dfer die Gefahr des sozialen Abstiegs ist, desto wertvoller wird das verf\u00fcgbare Sozialeigentum, das eine feste Arbeitsstelle, die Zugeh\u00f6rigkeit zur Stammbelegschaft und eine gute Ausstattung mit sozialen Schutz- und Partizipationsrechten garantieren. So nimmt ein befragter Arbeiter, der sich selbst als \u201eAutonarr\u201c bezeichnet, die mit Band- und Schichtarbeit verbundenen Zw\u00e4nge vor allem deshalb in Kauf, weil er w\u00e4hrend seiner Freizeit wirklich frei sein m\u00f6chte. Wie er lebt, was er nach der Arbeit macht, will er sich unter keinen Umst\u00e4nden vorschreiben lassen. Und das schon gar nicht von Leuten mit privilegiertem Klassenstatus, die von \u201eBandarbeit nichts wissen\u201c, sich aber moralisch \u00fcberlegen f\u00fchlen. Weil er solch absch\u00e4tzige Haltungen bei \u201egr\u00fcner Regierung\u201c und Klimabewegung wahrzunehmen glaubt, betrachtet der gewerkschaftliche Vertrauensmann beide als Gegner.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Besonders harsch f\u00e4llt die Kritik an den sogenannten \u201eKlimaklebern\u201c aus. Die aggressive Ablehnung erfolgt auch, weil Aktionen zivilen Ungehorsams, wie sie Mitglieder der \u201eLetzten Generation\u201c insbesondere 2023 praktiziert haben, an jenen Arrangements r\u00fctteln, die ein fremdbestimmtes Leben einigerma\u00dfen lebenswert erscheinen lassen. Notgedrungen f\u00fcgt man sich einem System des \u201eImmer mehr und nie genug!\u201c, das f\u00fcr den Klimawandel hauptverantwortlich zeichnet. Die Klimaproteste treffen, so die Deutung, aber nicht dieses expansive System, sondern den \u201ekleinen Mann\u201c, dem die Anpassung an die Zumutungen der Lohnarbeit ohnehin viel abverlangt. Die \u201egr\u00fcne Regierung\u201c mache das Autofahren<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201eeinfach so teuer, dass es sich der normale Mensch nicht mehr leisten kann. Und dann kommen wir wieder bei der Ungerechtigkeit an. Ich darf als einfacher Arbeiter mein Hobby nicht ausleben. Und der, der die Millionen auf\u2018m Konto hat, der kauft sich trotzdem einen Porsche.\u201c (Montage-Arbeiter, KAK)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Erscheinen die Aussichten gering, an dieser wahrgenommenen Ungerechtigkeit etwas zu ver\u00e4ndern, schlagen erlebte Kr\u00e4nkungen leicht in Distinktionsk\u00e4mpfe um. Man selbst w\u00e4re durchaus bereit, f\u00fcr einen wirksamen Klimaschutz auf manches zu verzichten. Auf die Frage, wie man reagieren w\u00fcrde, wenn jemand sage \u201eWegen des Klimawandels m\u00fcssen wir auf dies, dies und dies verzichten\u201c, antworten selbst Brief- und Paketzusteller*innen in Teilzeitbesch\u00e4ftigung mit S\u00e4tzen wie \u201eIch habe damit kein Problem\u201c. Die Bedingung ist jedoch, dass Leistungsgerechtigkeit auch \u201enach unten\u201c hergestellt wird. Damit ist gemeint, dass der Abstand gegen\u00fcber Erwerbslosen im B\u00fcrgergeld-Bezug gewahrt bleiben muss. H\u00f6here L\u00f6hne f\u00fcr die eigene Statusgruppe, aber auch Leistungsk\u00fcrzungen f\u00fcr Langzeiterwerbslose k\u00f6nnen subjektiv pr\u00e4ferierte Konsequenzen sein. Im letzteren Fall wird die Konkurrenz vor allem in der sozialen Nachbarschaft verortet. Als Kausalmechanismus wirkt hier kulturelle Distinktion. Man selbst m\u00f6chte sich um jeden Preis von jenen abgrenzen, die als Mitglieder des Exklusionssektors oder gar der Unteren Klasse allenfalls als \u201eHalbb\u00fcrger*innen\u201c mit minderem sozialen Status gelten.<\/p>\n<h4 class=\"\"><span id=\"32-die-mesoebene-konflikte-um-chancenhortung-und-de-privilegierung\">3.2 Die Mesoebene: Konflikte um Chancen&shy;hor&shy;tung und (De-)Privi&shy;le&shy;gie&shy;rung<\/span><\/h4>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Distinktionsk\u00e4mpfe korrespondieren auf der Mesoebene mit Konflikten, die aus sozialer Schlie\u00dfung und Chancenhortung (\u201eopportunity-hoarding\u201c, Wright 2015: 3) resultieren. Hier entscheidet b\u00fcrokratische Kontrollmacht mittels positiver oder negativer Privilegierung, welche Deutungen des \u00f6kologischen Gesellschaftskonflikts sich durchsetzen. F\u00fchrungskr\u00e4fte in mittleren Positionen haben selbst Vorgaben umzusetzen, sie sind aber auch in der Lage, unterstellten Personen unternehmenskompatible Vorstellungen von \u00f6kologisch akzeptablen Arbeits- und Lebensweisen aufzuoktroyieren. Da die Mittelklassenperspektive h\u00e4ufig eine ist, die \u00f6kologische Nachhaltigkeit ohne soziale Gerechtigkeit denkt, sto\u00dfen entsprechende Deutungsschemata besonders in der Arbeiterschaft, aber auch bei unteren und mittleren Angestelltengruppen auf Skepsis oder gar auf offene Ablehnung.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Aufschlussreich sind in diesem Kontext die sozialen Selbstverortungen von Arbeiter*innen und vergleichbaren Angestelltengruppen, die zur Konventionellen Arbeiterklasse z\u00e4hlen. Mit Symbolen zur Beschreibung ihres Gesellschaftsbilds (Pyramide, Sanduhr, Zwiebel) konfrontiert, w\u00e4hlen Befragte, die wir solchen Klassenpositionen zurechnen, mehrheitlich die Pyramide; die Wahl der Sanduhr erfolgt mit der Betonung einer schrumpfenden sozialen Mitte und der Erwartung einer zunehmenden Polarisierung der Gesellschaft. Daraus spricht die Furcht vor Wohlstandsverlusten:<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201eAlso ich w\u00fcrde sagen, pers\u00f6nliche Meinung, gesellschaftstechnisch, die Gesellschaft geht den Bach runter. Weil einfach alles viel, viel zu teuer wird. Und die Politik, die wir momentan in Deutschland treiben, die f\u00e4hrt alles an die Wand. Das ist meine pers\u00f6nliche Meinung.\u201c (Briefzustellerin, KAK)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Sich selbst sehen die meisten Befragten aus der Konventionellen Arbeiterklasse in der gesellschaftlichen Mitte. Diese Selbstverortung entspricht bis zu einem gewissen Grad Realerfahrungen. Viele Befragte erleben, dass prek\u00e4r Besch\u00e4ftigte die gleiche Arbeit zu deutlich ung\u00fcnstigeren Konditionen machen. Man selbst verk\u00f6rpert, sofern zur Stammbelegschaft z\u00e4hlend, eher die gesch\u00fctzte \u201eOberschicht\u201c (Dahrendorf 1957: 144) der Konventionellen Arbeiterklasse. Zwar ist das Bild einer dichotomischen, in \u201eoben\u201c und \u201eunten\u201c gespaltenen Gesellschaft bei vielen Befragten pr\u00e4sent. Anders als in den klassischen Arbeiterbewusstseinsstudien aus den sp\u00e4ten 1950er Jahren Westdeutschlands nachgewiesen, ist es jedoch nicht mit einer kollektiven Aufstiegshoffnung verbunden. Das aus Mittelklassenpositionen st\u00e4ndig artikulierte Streben nach individueller Besonderheit und Unverwechselbarkeit wird in der Konventionellen Arbeiterklasse mehrheitlich als auferlegte Norm erlebt, der man sowohl im Beruf als auch in der arbeitsfreien Zeit nur selten zu entsprechen vermag. Man sieht sich dem hegemonialen Leitbild eines Marketing-Charakters ausgesetzt, f\u00fcrchtet aber, diesem Leitbild nicht entsprechen zu k\u00f6nnen. Die Leitvorstellung des Marketing-Charakters zeichnet sich durch ihre radikale Fokussierung auf die Marktg\u00e4ngigkeit von Produkten und Personen aus (Funk 2007: 151). Selbst Facharbeiter*innen in halbwegs gesch\u00fctzter Besch\u00e4ftigung und Spezialist*innen mit akademischer Bildung betrachten sich jedoch \u00fcberwiegend als blo\u00dfe Objekte einer marktgetriebenen Flexibilisierung. F\u00fcr sie sind Festanstellung und selbst die Bandarbeit in der industriellen Fertigung zu einer st\u00e4ndigen Bew\u00e4hrungsprobe geworden. Nur um den Preis des sozialen Todes scheint es den Betreffenden m\u00f6glich, sich dem Zwang zu permanenter Mobilit\u00e4t, zu st\u00e4ndiger Anpassung und Umschulung zu entziehen. Gef\u00e4hrdet ist nicht unbedingt der Job, wohl aber die halbwegs attraktive T\u00e4tigkeit, der Arbeitsplatz am Standort, im Stammbetrieb oder in der erw\u00fcnschten Abteilung und dem favorisierten Team. Oftmals gehen Ver\u00e4nderungen mit Leistungsintensivierung und k\u00f6rperlichen wie psychischen Belastungen einher, die in der medial inszenierten Job-Wunder-Welt selten \u00f6ffentlich werden.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">\u201eNormal zu sein\u201c, ist demgegen\u00fcber ein Bekenntnis, das die permanenten Appelle an Einzigartigkeit und Selbstvermarktungsf\u00e4higkeit aus einer sozial erw\u00fcnschten Mehrheitsperspektive heraus attackiert. Daraus erw\u00e4chst eine konservierende Grundhaltung, die sich nicht ausschlie\u00dflich, aber doch vorzugsweise bei Angeh\u00f6rigen der Konventionellen Arbeiterklasse findet. Diese Arbeiter*innen haben im Gro\u00dfen und Ganzen bereits erreicht, was sie mit ihrer Bildung und ihren beruflichen F\u00e4higkeiten erreichen k\u00f6nnen. Deshalb setzen sie alles daran, ihren sozialen Status und das mit ihm verbundene Sozialeigentum zu bewahren. Transformationspostulaten aus dem Management oder seitens politischer Eliten begegnen sie hingegen mit geh\u00f6rigem Misstrauen. Das Interesse an Statuserhalt kann sich unter Inflationsbedingungen in einer k\u00e4mpferischen Grundhaltung und hoher Streikbereitschaft niederschlagen. \u201eDie Deutsche Post soll uns einfach 15 Prozent mehr Lohn zahlen und alles ist gut\u201c, l\u00e4sst uns ein Paketzusteller (KAK) wissen. Damit spricht er vielen Befragten, die zur Konventionellen Arbeiterklasse z\u00e4hlen, aus der Seele. Wenn Top-Manager*innen indes hohe Lohnforderungen mit dem Argument ablehnen, dies verunm\u00f6gliche dringend ben\u00f6tigte Investitionen in \u00f6kologische Nachhaltigkeit, werden die allseits vernehmbaren Appelle zugunsten eines \u201egr\u00fcnen Wachstums\u201c im Modus ideologisch-b\u00fcrokratischer Beherrschung erlebt. Eine Verst\u00e4rkung kritischer Haltungen zum sozial-\u00f6kologischen Umbau kann die Folge sein.<\/p>\n<h4 class=\"\"><span id=\"33-die-makroebene-asymmetrisch-verteilte-entscheidungsmacht\">3.3 Die Makroebene: Asymme&shy;trisch verteilte Entschei&shy;dungs&shy;macht<\/span><\/h4>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Das gilt umso mehr, als das Gros der Befragten fall- und branchen\u00fcbergreifend von Entscheidungen \u00fcber Gesch\u00e4ftsmodelle und Investitionen ausgeschlossen ist. In der Privatwirtschaft sind es winzige Gruppen innerhalb der Herrschenden Klasse, die solche Entscheidungen treffen. Ihre Entscheidungsmacht beruht auf kapitalistischem Eigentum und der Verf\u00fcgung \u00fcber Produktionsmittel; dementsprechend ist sie h\u00f6chst ungleich verteilt. Mit diesem Faktum sind wir beim eigentlichen Gravitationszentrum arbeitsweltlicher Transformationskonflikte angelangt. Befragte Spitzenmanager*innen der untersuchten Fahrzeughersteller betrachten es beispielsweise als gro\u00dfe Leistung der Autoindustrie, im PKW-Luxussegment eine F\u00fchrungsposition zu behaupten, diese Strategie sichere \u201eEinkommen und Arbeitspl\u00e4tze\u201c (F\u00fchrungskraft Stab, HK). Angeh\u00f6rige der beherrschten Klassen sind hingegen von Produktionsentscheidungen und deren stofflicher Implikationen weitgehend ausgeschlossen. Aus dem Ausschluss der Arbeitenden k\u00f6nnen diejenigen, deren Gesch\u00e4ftsmodelle auf \u201egr\u00fcnes Wachstum\u201c zielen, materielle, aber auch symbolische Vorteile ziehen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Wie die Beispiele aus der Autoindustrie, den Niederlassungen des Logistikkonzerns Deutsche Post\/DHL oder dem Braunkohlerevier in der Lausitz belegen, haben selbst starke Betriebsr\u00e4te in gewerkschaftlich gut organisierten Unternehmen nur begrenzte M\u00f6glichkeiten, die asymmetrisch verteilte Entscheidungsmacht zu korrigieren. Mittelbar Einfluss nehmen k\u00f6nnen sie allenfalls \u00fcber die erwartbaren Folgen der Transformation und im Rahmen jener M\u00f6glichkeiten, welche ihnen die betriebliche und die Unternehmensmitbestimmung bieten. Ausschlaggebend ist aber nicht der formale Rahmen von Mitbestimmungsregeln, sondern die Haltung, die Betriebsr\u00e4te zur sozial-\u00f6kologischen Transformation beziehen. In der Lausitz agierten Gesch\u00e4ftsleitung des regionalen Braunkohlef\u00f6rderers und -verstromers LEAG, Betriebsrat und Gewerkschaft lange Zeit als gro\u00dfe Partei f\u00fcr Bergbau und Arbeit, die alles daran setzte, den Kohleausstieg so lange wie m\u00f6glich hinauszuz\u00f6gern. Diese konservierende Haltung beginnt sich erst in der j\u00fcngeren Vergangenheit zu \u00e4ndern. Bei der Post\/DHL ist die \u00d6kologisierung der Logistik und der Fahrzeugflotte in erster Linie ein Managementprojekt, das die Betriebsr\u00e4te in den untersuchten Niederlassungen noch kaum zu ihrem Thema machen. Lediglich im Bereich des \u00d6PNV arbeiten Gewerkschaften und Klimabewegungen in einer Weise zusammen, die Transformationskonflikte in Richtung sowohl \u00f6kologischer als auch sozialer Nachhaltigkeitsziele treibt.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die untersuchten F\u00e4lle in der Auto- und Zulieferindustrie bewegen sich zwischen konservierenden und transformierenden Konfliktdynamiken. Deutlich wird aber, was eine zumindest punktuelle Beeinflussung von Gesch\u00e4ftsmodellen und Investitionen durch organisierte Arbeitsinteressen voraussetzt. M\u00f6glich wird eine solche Korrektur ausschlie\u00dflich in einer spieltheoretisch modellierbaren Konstellation, in welcher gewerkschaftliche Organisationsmacht und Konfliktf\u00e4higkeit der Belegschaft stark genug sind, um ein hohes Ma\u00df an korporatistischer Ordnung zwischen Arbeit und Kapital zu erzeugen, ohne aber so stark zu sein, dass sie grundlegende kapitalistische Eigentumsrechte bedrohen k\u00f6nnten (Wright 2015: 221). Nur ein solches Kompromissgleichgewicht erm\u00f6glich es unter marktwirtschaftlich-kapitalistischen Bedingungen, Konflikte transformativ zu gestalten. Der Klassenkampf wird dabei gelegentlich zum \u201equasi-demokratischen Streitgespr\u00e4ch\u201c (Dahrendorf 1956: 257).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Wichtig bleibt aber, dass Betriebsrat und Gewerkschaft, wie im untersuchten VW-Komponentenwerk Kassel-Baunatal, ein eigenes, klar erkennbares Profil entwickeln. W\u00e4hrend das Management des Konzerns an einem Gesch\u00e4ftsmodell festh\u00e4lt, das Gewinn haupts\u00e4chlich mit <i>financial services<\/i> und im Segment hochpreisiger Luxuslimousinen und SUVs erm\u00f6glicht, dr\u00e4ngen Betriebsratsspitze und IG Metall-Fraktion auf eine nachhaltige Mobilit\u00e4tswende, die eine Verringerung des individuellen PKW-Verkehrs einschlie\u00dft:<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201eDas Argument, dass ein elektrobetriebenes Auto am Ende weniger Energie verbraucht als ein Verbrenner, das stimmt, weil der prim\u00e4re Energieaufwand deutlich geringer ist, um ein Drittel. Aber wenn es darum geht, das Klima zu beeinflussen: Wie viel CO2 produziere ich, bevor es \u00fcberhaupt den ersten Kilometer gefahren ist, um Strom zu sparen oder Energie zu sparen? Dann haben die 20 Tonnen CO2. Und wenn ich dann 100.000 Kilometer fahren muss, bevor es sich rechnet, dann frage ich mich, was ist das f\u00fcr ein Quatsch?\u201c (Betriebsrat, LMK)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Betriebsr\u00e4te, die so argumentieren, werden in Baunatal nicht <i>wegen<\/i>, sondern zumindest von Teilen der Belegschaft <i>trotz<\/i> ihrer Position zur Mobilit\u00e4tswende mit \u00fcber 90 Prozent der Stimmen aller Gewerkschaftsmitglieder gew\u00e4hlt. F\u00fcr die Arbeiterschaft des Werks z\u00e4hlen vor allem Fachkompetenz und Glaubw\u00fcrdigkeit der Interessenvertretung. Hinzu kommen langfristige Besch\u00e4ftigungsgarantien des Unternehmens, die selbst bei einem drohenden Verlust von mehr als 6000 Arbeitspl\u00e4tzen keine Angst vor Arbeitslosigkeit ausl\u00f6sen. VW-Kassel-Baunatal ist indes ein Sonderfall, den es so selbst im eigenen Konzern kein zweites Mal gibt. Im Kleinen illustriert er jedoch, was ein \u00f6kologischer Sozialstaat zu leisten h\u00e4tte.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western  \" align=\"left\"><span id=\"4-die-vision-eines-oekologischen-sozialstaats\">4. Die Vision eines &ouml;kolo&shy;gi&shy;schen Sozial&shy;staats<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">F\u00fcr einen \u00f6kologischen Sozialstaat, der Transformationskonflikte demokratisch einhegen k\u00f6nnte, halten wir vier \u00dcberlegungen f\u00fcr zentral. Auf der Mikroebene muss es darum gehen, Distinktionsk\u00e4mpfen um eine angemessene Lebensf\u00fchrung die spaltende Wucht zu nehmen. Das ist nur m\u00f6glich, wenn deutlich wird, dass der sozial-\u00f6kologische Umbau ein besseres Leben f\u00fcr alle erm\u00f6glicht. Die Bereitschaft, die eigene Arbeits- und Lebensweise an Nachhaltigkeitsgebote anzupassen, ist selbst in den beherrschten Klassen gro\u00df. Man scheut nicht einmal vor h\u00f6heren Kosten zur\u00fcck, die Klimaschutz und \u00f6kologisch nachhaltige Lebensstile verursachen w\u00fcrden. Dabei gibt es deutliche geschlechter- und generationenspezifische Unterschiede. So sind Auszubildende in der Autoindustrie durchaus dazu bereit, auf einen eigenen PKW zu verzichten, wenn sie ihren Mobilit\u00e4tsbedarf auf andere Weise befriedigen k\u00f6nnen. Und weibliche Post-Besch\u00e4ftigte k\u00f6nnen h\u00f6heren Preisen f\u00fcr Lebensmittel aus regionalem Anbau durchaus etwas abgewinnen, weil das zu sorgsamem Umgang mit Nahrung animiert und den Umfang weggeworfener Lebensmittel deutlich verringert. Die Bereitschaft, Mehrkosten zu tragen, nimmt jedoch in dem Ma\u00dfe ab, wie Klimaungerechtigkeit und \u00f6kologisch motivierte Abwertung der eigenen Lebensstile den unmittelbaren Erfahrungshorizont pr\u00e4gen. \u00c4ndern l\u00e4sst sich das nur, sofern sozialstaatliche Leistungen statt, wie jetzt auf den blo\u00dfen Erwerb k\u00fcnftig auf \u201eArbeit als lebensspendenden Prozess\u201c bezogen werden. Auch (unbezahlte) Sorget\u00e4tigkeiten und die Arbeit an der Demokratie sind f\u00f6rderungsw\u00fcrdige Leistungen, zumal, wenn sie von jenen ausge\u00fcbt werden, denen der Zugang zu regul\u00e4rer Erwerbsarbeit versperrt bleibt. Dies angemessen zu ber\u00fccksichtigen, w\u00fcrde Druck von den Schw\u00e4chsten der Gesellschaft nehmen und so die zersetzende Dynamik symbolischer Distinktionsk\u00e4mpfe, die den Gegner prim\u00e4r im sozialen Nahbereich suchen, zumindest abschw\u00e4chen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Auf der Mesoebene k\u00f6nnte dazu beitragen, dass das Wechselspiel von positiver und negativer Privilegierung, das Abschottung und soziale Schlie\u00dfung bewirkt, durch institutionelle Anreize f\u00fcr sinnvolle \u2013 weil \u00f6kologisch und sozial nachhaltige \u2013 Arbeit grundlegend korrigiert wird. Statusgarantien f\u00fcr Besch\u00e4ftigte, die in den Karbonbranchen ihre Arbeitspl\u00e4tze verlieren, geh\u00f6ren ebenso zu den erforderlichen Ma\u00dfnahmen wie die materielle und kulturelle Aufwertung aller sorgenden, pflegenden, bildenden und erziehenden T\u00e4tigkeiten, die in der Gegenwart vorwiegend von Frauen und immer h\u00e4ufiger von migrantischen Arbeitskr\u00e4ften ausge\u00fcbt werden. Nicht minder wichtig ist in diesem Zusammenhang ein \u201ebarrierefreies\u201c Bildungs- und Ausbildungswesen. Es h\u00e4tte den Zugang zu den privilegierten beruflichen Positionen der Lohnabh\u00e4ngigen Mittelklasse wie auch der Neuen Arbeiterklasse f\u00fcr eine Arbeiterschaft zu \u00f6ffnen, der solche M\u00f6glichkeiten gegenw\u00e4rtig verwehrt bleiben. Eine Karenzzeit nach \u00f6sterreichischem Vorbild, die zuvor Berufst\u00e4tigen den Einstieg in ein Studium auf der Grundlage von mindestens 60 Prozent des letzten Nettolohns im ersten Studienjahr garantiert, w\u00e4re hier ein erster wichtiger Schritt.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Das alles ist nur finanzierbar, wenn Wohlhabende gem\u00e4\u00df ihres \u00f6kologischen und Klimafu\u00dfabdrucks an den Kosten der sozial-\u00f6kologischen Transformation beteiligt werden. Grunds\u00e4tzlich hat f\u00fcr die Makroebene der Verteilung zu gelten: Je gr\u00f6\u00dfer der Klimafu\u00dfabdruck, desto umfangreicher muss auch der Beitrag sein, der einen \u00f6kologischen Sozialstaat finanziert. Nur so l\u00e4sst sich korrigieren, was Forschungen zum Verh\u00e4ltnis von sozialer Ungleichheit und klimasch\u00e4dlichen Emissionen belegen \u2013 der unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hohe Emissionsaussto\u00df kapitalistischer Eliten, der vor allem zulasten der \u00e4rmeren Bev\u00f6lkerung geht.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Allerdings geht es nicht allein um die Kosten der Transformation. Der Ausschluss der eigentlichen Produzent*innen von Produktionsentscheidungen bewirkt relative Gleichg\u00fcltigkeit der Arbeitenden gegen\u00fcber den von ihnen erzeugten G\u00fctern. Die Trennung von Produktion und Gewissen ist die eine wesentliche Ursache f\u00fcr \u201eApokalypsenblindheit\u201c (Anders 2018 [1956]: 311). Dies gilt es zu ver\u00e4ndern, wenn die Vision eines \u00f6kologischen Sozialstaats schnelle Beine bekommen soll. Dazu muss politisch erm\u00f6glicht werden, was kritische Betriebsr\u00e4te, Gewerkschaftsaktive und Teile der Klimabewegungen einklagen: eine radikale Demokratisierung eigentumsbasierter Entscheidungsmacht.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">In einem \u00f6kologischen Sozialstaat h\u00e4tte sich Wirtschaftsdemokratie auf die potenzielle Weigerung der Arbeitenden zu gr\u00fcnden, Produkte, die \u00f6kologisch unverantwortbare Effekte nach sich ziehen, \u00fcberhaupt erst herzustellen. Wie sich dergleichen praktisch bewerkstelligen lie\u00dfe, hat Luka Mesec unl\u00e4ngst in einem bemerkenswerten Interview verdeutlicht. Der slowenische Arbeitsminister pl\u00e4diert f\u00fcr Belegschaftseigentum und Besch\u00e4ftigtenkontrolle. Dabei bezieht er sich positiv auf den Employee Stock Ownership Plan (ESOP) in den USA. Dort existieren bereits 7.000 Betriebe mit etwa 30 Millionen Besch\u00e4ftigten, in denen die Belegschaften bereits die Kontrolle \u00fcbernommen haben. In der EU finden j\u00e4hrlich bis zu 600.000 Betriebe keine Nachfolger*innen, auch hier k\u00f6nnte ein solches Modell greifen (Mesec 2023).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Das Prinzip des Belegschaftseigentums lie\u00dfe sich auch auf Gro\u00dfunternehmen ausweiten. Subventionen, die in die Privatwirtschaft flie\u00dfen, k\u00f6nnten in Belegschaftseigentum \u00fcberf\u00fchrt werden, das gesellschaftliche Fonds verwalten. Ein solcher Ansatz w\u00fcrde jenem Plan \u00e4hneln, den der \u00d6konom Rudolf Meidner seinerzeit f\u00fcr die schwedischen Gewerkschaften entworfen hatte (Hedborg\/Meidner 1984; Erixson 2011). Die St\u00e4rkung des \u00f6ffentlichen Sektors, etwa durch R\u00fcckf\u00fchrung von Post, Kliniken, Telekommunikation etc. in, wenn nicht staatlichen, so gemeinschaftlich-genossenschaftlichen Besitz, w\u00e4re ein weiterer Ansatzpunkt, um kollektive Entscheidungen zugunsten sozialer und \u00f6kologischer Nachhaltigkeit zu bef\u00f6rdern.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"5-fazit\">5. Fazit<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Halten wir fest: Es hat schon immer einen Unterschied gemacht, ob man Hitze in der Villa eines Gro\u00dfgrundbesitzers oder als Baumwollpfl\u00fcckerin auf einer Plantage \u00fcberstehen muss. Dieses Missverh\u00e4ltnis zu korrigieren, ist in der Gegenwart allerdings von existenzieller Bedeutung. Ein \u00f6kologischer Sozialstaat, der wirtschaftliche Entscheidungsmacht demokratisiert, k\u00f6nnte einen wichtigen Beitrag leisten, um \u00f6kologische und soziale Nachhaltigkeitsziele in eine f\u00fcr gesellschaftliche Mehrheiten akzeptable Balance zu bringen. Weil er dies f\u00fcr transnationale G\u00fcter und Produktionsketten zu leisten h\u00e4tte, m\u00fcsste er zugleich ein Inter-Nationalstaat sein (Piketty 2022: 256ff.). In seinem Bem\u00fchen, die planetarischen \u201eBewohnbarkeitsbedingungen\u201c (Latour\/Schultz 2022: 26) zu bewahren, w\u00fcrde er ein konservatives Grundmotiv aufnehmen. Zugleich tr\u00e4te er das Erbe libert\u00e4rer Ideen an, denn wirklich frei sein k\u00f6nnen wir nur, sofern wir Verantwortung \u201eauch f\u00fcr das \u00fcbernehmen, was wir erzeugen\u201c (Anders 1982: 369). Ein \u00f6kologischer Sozialstaat w\u00fcrde die Trennung von Produktion und Gewissen nicht g\u00e4nzlich beseitigen. Die schrittweise Verwirklichung dieser Vision w\u00e4re jedoch ein Meilenstein auf einem Weg, der die zerst\u00f6rerische \u201eApokalypsenblindheit\u201c endlich zu \u00fcberwinden erlaubt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">Prof. Dr. <\/strong><strong class=\"western\">Klaus D\u00f6rre<\/strong> ist Professor f\u00fcr Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie an der Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t Jena (FSU). Letzte Ver\u00f6ffentlichung: Rethinking Socialism. Compass for a Sustainability Revolution, Cheltenham: Edward Elgar 2024.<\/em><\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">Oskar Butting<\/strong> ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentrum Digitale Transformation Th\u00fcringen (ZeTT) an der FSU Jena. Dort ist er f\u00fcr die Konzeption und Auswertung quantitativer Datens\u00e4tze verantwortlich.<\/em><\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">Nora F\u00fcl\u00f6p<\/strong> promoviert als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bereich Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie der FSU Jena. Sie forscht zum Autoritarismus in Ungarn. Au\u00dferdem ist sie im ZeTT t\u00e4tig.<\/em><\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">Anna Mehlis<\/strong> promoviert als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bereich Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie. Zudem engagiert sie sich in einem Forschungsvorhaben, das sich mit dem Markthub einer gr\u00fcnen Wasserstoffwirtschaft besch\u00e4ftigt.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"literatur\">Literatur<\/span><\/h3>\n<p align=\"justify\"><em>Anders, G. 2018<\/em> [1956]: Die Antiquiertheit des Menschen, Bd. 1: \u00dcber die Seele im Zeitalter der zweiten industriellen Revolution, 4. Auflage, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Barth, T.\/Lessenich, S.<\/em> 2022: Nachhaltige Arbeits- und Sozialpolitik: De-Formation des Wohlfahrtsstaats in der sozial-\u00f6kologischen Transformation? In: Betzelt, S.\/Fehmel, T. (Hrsg.): <em>Deformation oder Transformation?<\/em> Wiesbaden, S. 297\u2013316.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Beck, U. <\/em>1986: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Castel, R. <\/em>2005: Die St\u00e4rkung des Sozialen. Leben im neuen Wohlfahrtsstaat, Hamburg.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Chancel, L.<\/em> 2022: Global carbon inequality over 1990-2019, in: Nature Sustainability, Jg. 5, H. 11, S. 931\u2013 938.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Dahrendorf, R.<\/em> 1957: Soziale Klassen und Klassenkonflikt in der industriellen Gesellschaft, Stuttgart.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Denzin, N. K.<\/em> 1989: The research act: A theoretical introduction to sociological methods, New Jersey.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>D\u00f6rre, K. et al.<\/em> 2023: Klasse gegen Klima? Transformationskonflikte in der Autoindustrie, in: <em>Berliner Journal f\u00fcr Soziologie<\/em>, Jg. 34, H. 9, S. 9\u201346, <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/s11609-023-00514-z.\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/s11609-023-00514-z.<\/a><\/p>\n<p align=\"justify\">Erixon, L. 2011: A social innovation or a product of its time? The Rehn\u2013Meidner model&#8217;s relation to contemporary economics and the Stockholm school, in: <em>The European Journal of the History of Economic Thought<\/em>, Jg. 18. H. 1, S. 85\u2013123.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Flick, U.<\/em> 2008: Qualitative Forschung. Ein Handbuch, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Foster, J. B.\/Clark, B.\/York, R.<\/em> 2011: Der \u00f6kologische Bruch. Der Krieg des Kapitals gegen den Planeten, New York.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Funk, R.<\/em> 2007: Das Leben selbst ist eine Kunst. Einf\u00fchrung in das Leben und Werk von Erich Fromm, Freiburg.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Glaser, B. G.\/Strauss, A. L.<\/em> 1998: Grounded Theory. Strategien qualitativer Forschung, Bern.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Gowan, S.<\/em> 2022: Rudolf Meidner: Der radikale Reformer, in: <em>Jacobin <\/em>vom 23.06.2022, <a href=\"https:\/\/jacobin.de\/artikel\/rudolf-meidner-der-radikale-reformer-sozialdemokratie-meidner-plan-olof-palme\">https:\/\/jacobin.de\/artikel\/rudolf-meidner-der-radikale-reformer-sozialdemokratie-meidner-plan-olof-palme<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Hedborg, A.\/Meidner, R.<\/em> 1984: Modell Schweden. Erfahrungen einer Wohlfahrtsgesellschaft, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Ivanova, D.\/Wood, R.<\/em> 2020: The unequal distribution of household carbon footprints in Europe and its link to sustainability, in: <em>Global Sustainability<\/em>, Jg. 3, S. 1\u201312.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>IPCC <\/em>2023: Weltklimabericht 2023. Sachstandsberichte der IPCC, <a href=\"https:\/\/www.lpb-bw.de\/ipcc\">https:\/\/www.lpb-bw.de\/ipcc<\/a> (Stand: 31.08.2023).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Kelle, U.\/Kluge, S. <\/em>2010: Vom Einzelfall zum Typus. Fallvergleich und Fallkontrastierung in der qualitativen Sozialforschung, 2. Auflage, Wiesbaden.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Latour, B.\/Schultz, N.<\/em> 2022: Zur Entstehung einer \u00f6kologischen Klasse. Ein Memorandum, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Lenton Timothy M. et al. <\/em>2023: Quantifying the human cost of global warming, in: <em>Nature Sustainability<\/em>, Jg. 6, H. 10, S. 1237-1247.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Mesec, L<\/em>.\u00a02023: \u201eDie Belegschaft soll die Kontrolle \u00fcbernehmen\u201c. Ein Interview von Stephan Kaufmann, in: <em>Frankfurter Rundschau<\/em> vom 27.11.2023.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Moore, J. W. <\/em>2020: Kapitalismus im Lebensnetz. \u00d6kologie und die Akkumulation des Kapitals, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Nullmeier, F.<\/em> 2023: Brauchen wie eine \u00d6kosozialversicherung? In: <em>spw Heft<\/em>, Nr. 257, S. 23-27.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Otto, F.<\/em> 2023: Klimaungerechtigkeit. Was die Klimakatastrophe mit Kapitalismus, Rassismus und Sexismus zu tun hat, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Piketty, T.<\/em> 2022: Eine kurze Geschichte der Gleichheit, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Sachs, J. D. et al.<\/em> 2023: Implementing the SDG Stimulus. Sustainable Development Report 2023, Paris\/Dublin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>United Nations<\/em> 2015: Transforming our World: The 2030 Agenda for Sustainable Development, <a href=\"https:\/\/sdgs.un.org\/2030agenda\">https:\/\/sdgs.un.org\/2030agenda<\/a> (Stand: 25.01.2023).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>United Nations<\/em> 2022: Ziele f\u00fcr nachhaltige Entwicklung. Bericht 2021, <a href=\"https:\/\/www.un.org\/depts\/german\/millennium\/SDG%20Bericht%202021.pdf\">https:\/\/www.un.org\/depts\/german\/millennium\/SDG%20Bericht%202021.pdf<\/a> (Stand: 31. 08. 2023).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Witzel, A.<\/em> 2000: Das problemzentrierte Interview, in: F<em>orum Qualitative Sozialforschung\/Forum qualitative Social Research<\/em>, Jg. 1, H. 1, <a href=\"http:\/\/www.qualitative-research.net\/index.php\/fqs\/article\/view\/1132\/2519\">http:\/\/www.qualitative-research.net\/index.php\/fqs\/article\/view\/1132\/2519<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Wright, Erik O. <\/em>2015: Understanding Class, London.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"anmerkungen\"><strong>Anmerkungen:<\/strong><\/span><\/h3>\n<div id=\"sdendnote1\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote1anc\" name=\"sdendnote1sym\">i <\/a>An der Konzeption und Datenerhebung waren Jasmin Bobka und Anna Mehlis federf\u00fchrend beteiligt.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote2\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote2anc\" name=\"sdendnote2sym\">ii <\/a>Federf\u00fchrend beteiligt waren Steffen Liebig und Kim Lucht. Die Erhebung wurde u.a. von Johanna Sittel und einer studentischen Lehrforschung unterst\u00fctzt. Als assoziierte Wissenschaftlerin war Nicole Gonzalez\/Universit\u00e4t Syracuse beteiligt.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":19441,"template":"","categories":[2973,2976,7],"tags":[3689,3687,3670,3385,3688,816,667],"autoren":[3686],"publikationen":[3668],"class_list":["post-19460","publikation","type-publikation","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-armut","category-klima","category-sozialpolitik","tag-arbeiterklasse","tag-klimagerechtiggkeit","tag-klimaungerechtigkeit","tag-nachhaltigkeit","tag-oekologischer-sozialstaat","tag-sozialstaat","tag-vorgaenge-artikel","autoren-klaus-doerre-oskar-butting-nora-fueloep-anna-mehlis","publikationen-vorg-245"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>In der Hitzefalle: Klimaungerechtigkeit und die Vision eines \u00f6kologischen Sozialstaats - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-245\/publikation\/in-der-hitzefalle-klimaungerechtigkeit-und-die-vision-eines-oekologischen-sozialstaats\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"In der Hitzefalle: Klimaungerechtigkeit und die Vision eines \u00f6kologischen Sozialstaats - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"In Deutschland wirkt soziale Ungleichheit als gewaltiger Bremsklotz f\u00fcr die Verwirklichung \u00f6kologischer Nachhaltigkeitsziele. 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