{"id":19484,"date":"2024-08-21T13:44:42","date_gmt":"2024-08-21T11:44:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=19484"},"modified":"2024-08-21T13:44:42","modified_gmt":"2024-08-21T11:44:42","slug":"vom-sozialvertraeglichen-fruehableben-der-profit-greift-nach-dem-sozialen","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-245\/publikation\/vom-sozialvertraeglichen-fruehableben-der-profit-greift-nach-dem-sozialen\/","title":{"rendered":"Vom \u201esozialvertr\u00e4glichen Fr\u00fchableben\u201c \u2013 Der Profit greift nach dem Sozialen"},"content":{"rendered":"<p class=\"v-teaser-western\"><em>Das Unwort des Jahres 1998 war \u201eSozialvertr\u00e4gliches Fr\u00fchableben\u201c. Die Gesundheitsreform im ersten Kabinett Schr\u00f6der f\u00fchrten zur selben Zeit zu Einsparungen und Leistungs- und Qualit\u00e4tsk\u00fcrzungen im Gesundheitswesen. Die dem Begriff Sozialvertr\u00e4gliches Fr\u00fchableben innewohnende Kosten-Nutzen-Rechnung hat eine langanhaltende Traditionslinie: Sie reicht von Binding und Hoche \u00fcber den Massenmord an vermeintlich unwertem Leben w\u00e4hrend des Hitlerfaschismus, den australischen Bioethiker Peter Singer bis zum Neofaschisten und AfD-Vorsitzenden Th\u00fcringens Bj\u00f6rn H\u00f6cke. In seiner Kritik am Utilitarismus analysiert Wolfram Grams diese Traditionslinie und kritisiert, wie diese in den vergangenen Jahren wieder vermehrt Einzug in den politischen Diskurs \u2013 im Rahmen der v\u00f6lligen \u00d6konomisierung des Sozialen \u2013 gefunden hat.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Vor circa 25 Jahren befasste ich mich erstmals mit den Auswirkungen einer Vermarktung des Sozialen im Zuge neoliberaler Umbaustrategien (Grams 1998; 2000). Zwischenzeitlich hat der Markt die Care-Arbeit, die Soziale Arbeit und alle T\u00e4tigkeiten erfasst, die am pflegenden, betreuenden oder bildenden Dialog mit Menschen beteiligt sind.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">In diesem Aufsatz verlasse ich den Pfad der fein ziselierten philosophischen Debatten um den Begriff des <i>Utilitarismus<\/i> und reduziere ihn auf seinen Ursprung als N\u00fctzlichkeitsstandpunkt, wie er auch schon in der antiken Ethikdebatte im Eud\u00e4monismus vertreten wurde. Ich gehe einem Utilitarismus nach, der diesen Prozess in Geschichte und Gegenwart befeuert und den Konsequenzen, die daraus f\u00fcr die aktuelle gesellschaftliche und die psychische und soziale Situation der Menschen entstehen. Der hier verwendete Utilitarismusbegriff fu\u00dft auf der Kritik von Karl Marx an Jeremy Bentham, aber auch an Thomas Hobbes und John Locke in der <i>Deutschen Ideologie<\/i>, \u201eda\u00df innerhalb der modernen b\u00fcrgerlichen Gesellschaft alle Verh\u00e4ltnisse unter das Eine abstrakte Geld- und Schacherverh\u00e4ltnis praktisch subsumiert sind\u201c (Marx\/Engels [1845\/46] 1973: 394).<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"sozialvertraegliches-fruehableben\">&bdquo;Sozi&shy;a&shy;l&shy;ver&shy;tr&auml;g&shy;li&shy;ches Fr&uuml;hableben&ldquo;<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Das Unwort des Jahres 1998 war \u201eSozialvertr\u00e4gliches Fr\u00fchableben\u201c. Anl\u00e4sslich der damaligen Gesundheitsreform im ersten Kabinett Schr\u00f6der f\u00fchrten Einsparungen zu Leistungs- und Qualit\u00e4tsk\u00fcrzungen im Gesundheitswesen. Der Bremer Arzt und \u00c4rztekammerpr\u00e4sident Karsten Vilmar verwendete diesen Begriff in einem Interview mit dem Norddeutschen Rundfunk in Bezug auf die Planungen der damaligen Bundesregierung zu Kostenbegrenzungen im Bereich des Sozialen. Vilmar sagte in diesem Interview folgenden Satz: \u201eDann m\u00fcssen die Patienten mit weniger Leistung zufrieden sein, und wir m\u00fcssen insgesamt \u00fcberlegen, ob diese Z\u00e4hlebigkeit anhalten kann, oder ob wir das sozialvertr\u00e4gliche Fr\u00fchableben f\u00f6rdern m\u00fcssen\u201c (Vilmar 1999).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Es blieb ungekl\u00e4rt, ob der \u00c4rztekammerpr\u00e4sident diesen Satz im Sinne einer kritischen Reflexion zynisch formulierte oder ob er Aspekte seines Menschenbildes widerspiegelte. Die diesem Satz innewohnende Kosten-Nutzen-Rechnung, seine utilitaristische Haltung, hat indes eine langanhaltende Traditionslinie. Sie reicht von Binding und Hoche \u00fcber den Massenmord an vermeintlich unwertem Leben w\u00e4hrend des Hitlerfaschismus, den australischen Bioethiker Peter Singer bis zu dem Neofaschisten und AfD-Vorsitzenden Th\u00fcringens Bj\u00f6rn H\u00f6cke.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Der Psychiater Alfred Hoche und der Jurist Karl Binding legten im Jahr 1920 ein Werk mit dem entsetzlichen Titel <i>Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens \u2013 Ihr Ma\u00df und ihre Form<\/i> vor, in dem sie unmissverst\u00e4ndlich zur Ermordung behinderter Menschen aufriefen, \u201eweil dies eine Befreiung von einer Last sei, die [\u2026] nicht den kleinsten Nutzen stiftet\u201c (Binding\/Hoche 1920: 28). Wenige Jahre sp\u00e4ter realisierten die deutschen Faschisten den Massenmord an behinderten und kranken Menschen (Levi 2013).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Eine Renaissance erlebte die Haltung der \u00f6konomisch begr\u00fcndeten T\u00f6tungsaufrufe in den sp\u00e4ten 1970er und 1980er Jahren mit den Publikationen des Bioethikers Peter Singer, der dazu aufrief, das Gl\u00fcck einer Familie mit einem behinderten Kind zu steigern, indem das Kind get\u00f6tet wird. (Singer 1984) Der AfD-Vorsitzende in Th\u00fcringen setzt diese m\u00f6rderische Kontinuit\u00e4tslinie aktuell fort, wenn er in einem Interview davon spricht, dass man sich von einigen Volksteilen, die zu schwach sind, wird trennen m\u00fcssen (Petter 2020: 17:43 Uhr).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Was 100 Jahre zuvor von Bindung und Hoche mit gro\u00dfer Brutalit\u00e4t formuliert und von den Nazis realisiert wurde, formuliert H\u00f6cke (noch) versteckt. Doch es bleibt die Frage, von welchen Volksteilen wir uns trennen m\u00fcssen und welche Methoden genutzt werden sollen, um diese Teile des Volkes \u201eabzutrennen\u201c. Sind es behinderte Menschen, deren Existenz \u00f6konomisch nicht vertretbar sei? Sind es jene, deren \u201eFr\u00fchableben\u201c als \u201esozial vertr\u00e4glich\u201c beschrieben wird, weil sich ihr fr\u00fcher Tod \u201erechnet\u201c? Dem entspricht die Aussage des ehemaligen Pr\u00e4sidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie und sp\u00e4teren AfD-Europaabgeordneten Hans-Olaf Henkel, als er im Jahre 1999 die Computermesse CEBIT in Hannover mit den Worten er\u00f6ffnete: \u201eWir m\u00fcssen endlich aufh\u00f6ren, unser Geld in den Konsum der Gegenwart, zum Beispiel in popul\u00e4re Sozialprogramme zu stecken \u2013 zulasten der Zukunft unserer Kinder\u201c (Henkel 1999). Henkel formulierte diesen Satz zum Zeitpunkt des Versuchs des Kabinetts Schr\u00f6der, neoliberale Strukturen mittels der Agenda 2010 analog zu New Labour auch in Deutschland zu etablieren. Die Computermesse in Hannover war eine politische Plattform, die der Verbreitung neoliberaler Positionen ausgesprochen dienlich war. Ein Vierteljahrhundert sp\u00e4ter sind derartige Positionen bereits weitverbreitet und bleiben vielfach unwidersprochen. Clemens Fuest, Pr\u00e4sident des Wirtschaftsforschungsinstituts IFO, begr\u00fcndete j\u00fcngst in einer popul\u00e4ren Talkshow unwidersprochen den Abbau sozialer Rechte zugunsten der R\u00fcstung: \u201eKanonen und Butter, es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn das ginge, aber das ist Schlaraffenland, das geht nicht\u201c (Shaller 2024). Die N\u00e4he zur Sprache des Unmenschen sei hier vernachl\u00e4ssigt gegen\u00fcber seiner Propaganda f\u00fcr den Sozialabbau. In derselben Sendung offerierte Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP), Sozialleistungen einzufrieren. Den vorsichtigen Protesten, die sich gegen die neoliberale Hegemonie des Sozialabbaus und der Ausgrenzungsversuche gegen\u00fcber behinderten Menschen auftun, wird gerade von Seiten konservativer karitativer Kreise begegnet. So widmet sich Georg Cremer, der amtierende Generalsekret\u00e4r der Caritas Deutschland, in seinem neuen Buch diesen Protesten und versucht, mit Statistiken und Rechenbeispielen den vermeintlichen Populist*innen den Wind aus den Segeln zu nehmen, um dann auf sein zentrales Thema zu kommen: den Sozialstaat. Dieser sei n\u00e4mlich viel besser, als die meisten meinen, wozu durchaus auch Weichenstellungen der vielgescholtenen Gro\u00dfen Koalition beigetragen h\u00e4tten. So verf\u00fcge Deutschland \u00fcber ein Gesundheitswesen mit niedrigen Zugangsh\u00fcrden, M\u00fctterrente und Rente mit 63, einen Rechtsanspruch auf Kitabetreuung, ein auf Selbstbestimmung und Teilhabe ausgerichtetes Behindertenrecht, Baukindergeld zur Wohneigentumsf\u00f6rderung und vieles mehr. (Cremer 2018) Der Autor ignoriert jegliche Befunde, so den verifizierbaren Zusammenhang zwischen der Lebenserwartung der Menschen und ihrem sozialen Status \u2013 gemessen \u00fcber Bildungsabschl\u00fcsse, Berufsstatus oder das Einkommen (Mackenbach 2006). F\u00fcr Deutschland weisen die Analysen auf der Basis des Sozio-oekonomischen Panels je nach H\u00f6he des Einkommens deutliche Unterschiede in der Lebenserwartung aus. So werden armutsgef\u00e4hrdete M\u00e4nner durchschnittlich nur 70 Jahre und Frauen 77 Jahre alt. Im Gegensatz dazu leben M\u00e4nner und Frauen mit hohen Einkommen fast zehn Jahre l\u00e4nger (81 und 85 Jahre). Die Ergebnisse weisen zudem nach, dass der in Gesundheit verbrachte Teil des Lebens abh\u00e4ngig vom Einkommen deutlich variiert (Lampert et al. 2007).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Menschen mit Behinderungen sind h\u00e4ufiger und in eklatanter Weise von Armut betroffen (Bender 2013), besitzt ihre Arbeitskraft doch einen geringeren Marktwert. Ob dessen werden viele von ihnen von gesellschaftlicher Arbeit isoliert und damit einem Selektionsprozess unterworfen. Die UN-Behindertenrechtskonvention findet in den Betrieben aus betriebswirtschaftlichen Erw\u00e4gungen keine Anwendung. Hier bestimmt nach wie vor der Defekt eines Menschen seine Teilhabe \u2013 nicht das ihm durch die UN-Behindertenrechtskonvention verbriefte Recht auf seine Teilhabe (Sierck 2023). \u201eDie antizipierte \u201aArbeitskraft minderer G\u00fcte\u2018 ebenso wie eine der Waren\u00e4sthetik in der Darstellung des eigenen K\u00f6rpers und des Konsums entsprechende \u00c4sthetik des H\u00e4sslichen sind nach wie vor ebenso Grundlage des Ableism wie die Objektivierung der sozialen Isolation auf individualisierte k\u00f6rperliche und psychische Ausdrucksformen\u201c (Jantzen 2018b: 7).<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"das-primat-des-oekonomischen\">Das Primat des &Ouml;kono&shy;mi&shy;schen<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Der Ruf nach \u201esozialvertr\u00e4glichem Fr\u00fchableben\u201c \u2013 die Verk\u00fcrzung menschlichen Lebens durch Sparma\u00dfnahmen in der Pflege, der Medizin und der Sozialen Arbeit insgesamt \u2013 hat sein Fundament in einem vornehmlich hedonistischem Utilitarismus (Marx\/Engels [1845\/46] 1973: 394), der auf der Ausbeutung von allem fu\u00dft, das Profit verspricht. \u201eMit entsprechendem Profit wird Kapital k\u00fchn. Zehn Prozent sicher, und man kann es \u00fcberall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; f\u00fcr 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fu\u00df; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens\u201c (Marx\/Engels [1867] 1973: 788). Bereits in der Homerischen Hymne wird der Gott Hermes als listiger Meisterdieb geschildert. Der G\u00f6tterbote galt als Gott der Kaufleute und der Diebe zugleich. Der Profit bedarf der List und der steten Abw\u00e4gung nach dem N\u00fctzlichkeitsprinzip, wobei n\u00fctzlich ist, was Profit verspricht. In dieser Logik sind die Maximen N\u00e4chstenliebe, Solidarit\u00e4t, Hilfsbereitschaft, Empathie und F\u00fcrsorge l\u00e4sslich.<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201eWei\u00df ich, was ein Mensch ist!<\/p>\n<\/blockquote>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>Wei\u00df ich, wer das wei\u00df!<\/p>\n<\/blockquote>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>Ich wei\u00df nicht, was ein Mensch ist<\/p>\n<\/blockquote>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>Ich kenne nur seinen Preis.\u201c (Brecht 1973: 205)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Jene, die im Produktionsprozess den geringsten Profit zu erwirtschaften in der Lage sind, stellen damit Arbeitskraft \u201eminderer G\u00fcte\u201c dar (Jantzen 1974). Ist ihre Arbeitskraft nicht oder nur mangelhaft verwertbar, fallen sie der Solidargemeinschaft \u201ezur Last\u201c, was es im Sinne eines rein an \u00f6konomischer Nutzenkalkulation orientiertem Verst\u00e4ndnis von Utilitarismus zu vermeiden gilt. In der aktuellen historischen Situation aber werden die Institutionen der Solidargemeinschaft, die sich der Betreuung, Pflege und F\u00fcrsorge dieser Menschengruppen angenommen haben, ebenfalls den Gesetzen des Marktes unterworfen. Sie werden geschleift. Diese Art des \u00d6konomischen hat die Solidargemeinschaft entsolidarisiert und einen gesellschaftlichen Bereich okkupiert, dessen T\u00e4tigkeit bislang dort einsetzte, wo die Auswirkungen des \u00d6konomischen auf die privaten Lebensverh\u00e4ltnisse der Menschen nicht mehr akzeptiert werden k\u00f6nnen und es der unmittelbaren Hilfe bedarf. Es ist dies notwendig eine nicht am Profit und stattdessen am Subjekt orientierte Hilfe, die nicht den Marktgesetzen unterliegen darf.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Trotz seiner utilitaristischen Verortung warnte bereits John Stuart Mill vor einer \u201eVermarktung\u201c des Sozialen. Im letzten Kapitel seines 1848 erschienenen Werkes<i> Principles of Political Economy with Some of Their Applications to Social Philosophy<\/i> pl\u00e4diert er f\u00fcr eine staatliche Armenpflege. Implizit begr\u00fcndet er dies damit, dass die Versorgung Bed\u00fcrftiger anderen Gesetzen unterliege als die Ware-Tausch-Beziehung oder die geldwerte Sachleistung. Die Versorgung Bed\u00fcrftiger und die Bildung der Jugend m\u00fcsse staatlich reguliert vonstattengehen, weil nur aufgekl\u00e4rte B\u00fcrger*innen auch Garant*innen f\u00fcr den Fortschritt einer Gesellschaft sein k\u00f6nnten. Zudem erm\u00f6glichen eine bessere Bildung und Versorgung auch jenen, die nicht qua Geburt \u00f6konomisch beg\u00fcnstigt seien, eigenverantwortliches Handeln. (Mill [1848] 1991) In der fr\u00fchen Phase der Durchsetzung neoliberaler Modelle durch die Regierung Schr\u00f6der in Deutschland und New Labour in Gro\u00dfbritannien warnten politisch Bedachtere wie Lionel Jospin und Johannes Rau (1999) vor der brutalen Durchsetzung eines von \u00f6konomischem N\u00fctzlichkeitsdenken durchdrungenen Menschenbildes. Trotz aller Warnungen und wider historischen Erfahrungen setzte sich in den vergangenen 30 Jahren auch im Bereich der Sozialen Arbeit die Dominanz der Ideologie des Marktes durch. Seine Effizienz wird nicht hinterfragt. \u201eDa\u00df der Markt in Wirklichkeit von Eigent\u00fcmern und Spekulanten kontrolliert wird, deren Aktivit\u00e4ten sich keineswegs mit [&#8230;] einem unabh\u00e4ngigen Ma\u00dfstab des Wohlbefindens decken; und da\u00df seine unkontrollierten Auswirkungen [&#8230;] eine Vergeudung menschlicher Kr\u00e4fte und soziale ebenso wie moralische Verw\u00fcstungen in kontinentalem Ma\u00dfstab hervorgerufen haben [&#8230;]\u201d (Birnbaum 1997: 1447), findet in den Diskurs \u00fcber eine sich rechnende Soziale Arbeit kaum mehr Eingang.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Das Mantra von der \u00dcberlegenheit des Marktes, der Deregulierung genannten Entstaatlichung und damit Entrechtung, scheint hegemonial geworden zu sein. Sie hat auch vor der Versorgung mit Dienstleistungen der Kultur, der Bildung und Erziehung und der Sozialen Arbeit nicht Halt gemacht (vgl. Negt 1997: 20f.; Grams 2023). In der \u00d6ffentlichkeit wird dies beg\u00fcnstigt durch h\u00e4ufig nicht ausreichende \u00f6ffentliche Dienstleistungen \u2013 eine Folge neoliberaler Entstaatlichungspolitik \u2013, die den Glauben best\u00e4rken, es sei besser, \u00f6ffentliche Dienstleistungen zu privatisieren. Neben den auf neoliberale Positionen Eingeschworene hat hier die europ\u00e4ische Sozialdemokratie seit den 1990er Jahren eine Vorreiterrolle \u00fcbernommen. Eine der ersten Amtshandlungen der damaligen Labour-Regierung war der Versuch, in die britischen Schulen und die Soziale Arbeit \u201eKontrolle\u201d und \u201eQualit\u00e4tssicherung\u201d einzuf\u00fchren. Dieser Haltung entsprach das Abweichen Labours von alten sozialdemokratischen bildungspolitischen und p\u00e4dagogischen Traditionen: Anerkannt wurde eine prinzipielle Ungleichheit der Menschen und ihr unterschiedliches Leistungsverm\u00f6gen. In den Schulen habe dies seinen Niederschlag in Leistungsdifferenzierung zu finden \u2013 keine heterogen oder gar integrativ zusammengesetzte Lerngruppen mehr, sondern homogene Leistungsgruppen, die in schneller Zeitfolge effizient ihr Ziel erreichen sollen (vgl. Blair 1997: 6). Neben dieser \u00d6konomisierung der Bildung stand in der bildungspolitischen Diskussion von New Labour der Begriff der <i>Deregulierung<\/i>, vulgo: <i>Privatisierung<\/i>. Zeitgleich fand dies in Deutschland seine Entsprechung im Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 8. Oktober 1997. Hier wird zwar grunds\u00e4tzlich die M\u00f6glichkeit der schulischen Integration behinderter Kinder in Deutschland bejaht, gleichzeitig jedoch betont, die Schulbeh\u00f6rden d\u00fcrften behinderte Kinder an Sonderschulen verweisen, wenn die Integration nicht finanzierbar sei (BVerfG Beschluss des Ersten Senats vom 08.10.1997 &#8211; 1 BvR 9\/97 -, Rn. 1-77). Das nieders\u00e4chsische Kultusministerium lie\u00df sogleich durch seine Staatssekret\u00e4rin verlauten: \u201eUnsere Regelungen im nieders\u00e4chsischen Schulgesetz sind damit best\u00e4tigt worden\u201d (Hannoversche Allgemeine Zeitung 1997: 1). Dort existiere das Recht auf Integration, es sei jedoch immer unter den \u201eFinanzierungsvorbehalt gestellt\u201d. Die Ungeheuerlichkeit dieses Vorganges liegt darin, dass Recht angesichts des Vorbehalts seiner Wirtschaftlichkeit zur Rechtlosigkeit f\u00fchrt. Das darin liegende Unheil hatte Hannah Arendt eindringlich beschrieben. Es ist neben dem Verlust der Rechte besonders \u201eder Verlust einer Gemeinschaft, die gewillt und f\u00e4hig ist, \u00fcberhaupt Rechte [&#8230;] zu garantieren\u201c (Arendt 1981: 159).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Der Zynismus des \u00d6konomischen weist auf die Aufspaltungs- und Ausgliederungstendenzen in den Gesellschaftsordnungen Westeuropas und Nordamerikas. Sie \u201ebestimmen immer sp\u00fcrbarer das raue Klima, die Atmosph\u00e4re eines K\u00e4ltestroms, der durch unsere Gesellschaft geht\u201d (Negt 1997: 17). Der soziale K\u00e4ltestrom gebiert den <i>homo oeconomicus<\/i> und ist zugleich sein Ergebnis. Wenn das Soziale selbst zur <i>res oeconomica<\/i> wird, ist es auch f\u00fcr sie \u201eschwer, nicht den Lehren zu verfallen, die das Leben verabscheuen, die ihm jeden Wert absprechen. Aus der gr\u00f6\u00dften Gefahr f\u00fcr die Zukunft, in Jahrzehnten immer gef\u00e4hrlicher, ist man in eine uns\u00e4glich niedertr\u00e4chtige Gegenwart geraten\u201c (Canetti 1996: 110). Das ist eine Gegenwart, in der das Soziale zunehmend diffamiert wird und von einer Kontinuit\u00e4t des \u201eN\u00fctzlichkeitserw\u00e4gens\u201c gesprochen werden darf, die vom aktuellen Ruf nach dem Abbau sozialer Rechte bis zum Aufruf zur T\u00f6tung behinderter Menschen reicht.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"unsicherheit-wird-endemisch\">Unsicher&shy;heit wird endemisch<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Unter Bedingungen eines notwendig an der Maximierung des Profits orientierten Marktes ist das Verfolgen langfristiger (Lebens-)Ziele eingeschr\u00e4nkt, weil die Menschen im Rahmen einer auf das Kurzfristige ausgerichteten \u00d6konomie leben; Loyalit\u00e4ten und Verpflichtungen in Institutionen sind nur erschwert aufrechtzuerhalten, weil diese Institutionen st\u00e4ndig zerbrechen oder umgestaltet und neu strukturiert werden. Die Moral dieses Daseins k\u00f6nnte sein: Bleib unabh\u00e4ngig, in Bewegung, geh keine Bindung ein, bring keine Opfer! Das Ergebnis w\u00e4re eine Entsolidarisierung.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Hinzu gesellen sich Desorientierungsfaktoren: Die Entwicklung von Wissenschaft und Technik f\u00fchrt zur Ver\u00e4nderung der Arbeitswelt. Das macht Flexibilit\u00e4t notwendig. \u201eFlexibilit\u00e4t meint schlie\u00dflich: \u201aFreue dich, dein Wissen und K\u00f6nnen ist veraltet, und niemand kann dir sagen, was du lernen mu\u00dft, damit du in Zukunft gebraucht wirst\u2018\u201c (Beck 1999: 415). So wird Unsicherheit endemisch. Sie steigt proportional mit den Desorientierungen im konkreten Leben. Das \u00d6konomische okkupiert auch jene gesellschaftlichen Bereiche, in denen die Auswirkungen des \u00d6konomischen auf die privaten Lebensverh\u00e4ltnisse der Menschen nicht mehr akzeptiert werden k\u00f6nnen und es der unmittelbaren \u2013 nun nicht mehr marktgesteuerten \u2013 Hilfe bedarf: Die Sozialarbeit als Profession hat es vornehmlich mit Menschen in schwierigen Lebenslagen zu tun, deren gesellschaftliches Gebraucht-Werden in Frage gestellt ist und die st\u00e4rker als andere gesellschaftliche Gruppen unter Desorientierung leiden. Setzt nun auch die Sozialarbeit diese Menschen durch eine Orientierung der Profession am Markt weiteren Unsicherheiten aus? Sozialarbeit kooperiert mit Menschen im Schnittfeld von sozialen Problemen, Bildung und Sozialisation sowie Menschenrechten und Sozialen Rechten mit dem Ziel, die Handlungsf\u00e4higkeit der Menschen in ihrem sozialen Kontext zu st\u00e4rken, zu erhalten oder wiederherzustellen. (Staub-Bernasconi 2019) Ihre origin\u00e4re Aufgabe ist es, Partizipations- und Antizipationsm\u00f6glichkeiten zu erschlie\u00dfen, die nicht zuletzt durch den Markt verhindert oder verringert wurden.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Vom Marktgeschehen abh\u00e4ngige Menschen stehen vor dem Problem, von der Teilhabe und der Zukunftsorientierung partiell ausgeschlossen zu sein. Das ist f\u00fcr die subjektive Verarbeitung kein erkennbares Problem, solange der eigene Marktwert hoch ist. Mit dem Sinken des eigenen Marktwertes greifen jedoch Isolationsprobleme Raum. Damit schlie\u00dfen sich Partizipation und Antizipation in einem mehrfachen Sinne aus: Es wird die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben eingeschr\u00e4nkt, ebenso die M\u00f6glichkeit, einen individuellen Lebensplan zu entwerfen und die Chance verbaut, kooperativ Widerst\u00e4nde gegen St\u00f6rungen beim Bau des Lebensplanes zu entwickeln, indem die Aneignung und Erkenntnis des eigenen Daseins durch Verdinglichung erschwert oder verunm\u00f6glicht wird. Kulturelle und soziale Isolation verhindern Integration und Dialog. Der Mensch wird seiner W\u00fcrde beraubt. Margalit diskutiert in seiner <i>Politik der W\u00fcrde<\/i>, weshalb sich Menschen gedem\u00fctigt f\u00fchlen k\u00f6nnen und warum es notwendig ist, Menschen Achtung entgegenzubringen. Dem\u00fctigung versteht er als den Ausschluss eines Menschen aus der menschlichen Gesellschaft und die Einschr\u00e4nkung von Kontrollf\u00e4higkeit. Die gegenw\u00e4rtige \u00f6konomische Situation und die ihr immanente Ungleichheit widerspreche der Notwendigkeit individuellen Seins im Sinne von Partizipation, Antizipation und Integration. (Margalit 1997) Das stellt die Soziale Arbeit und angrenzende Arbeitsfelder vor die Aufgabe, solidarisch mit den Betroffenen daran zu wirken, den Erhalt beziehungsweise die Wiederherstellung gemeinsamer Lebens- und Lernumfelder aller Menschen zu sichern. In der Umkehrung dieser \u00dcberlegung tritt nach Jantzen (1982: 280) soziale Benachteiligung und Behinderung dann \u201eein, wenn der Mensch von der M\u00f6glichkeit isoliert wird, sich das kulturelle Erbe anzueignen\u201c. Auf diesem Verallgemeinerungsniveau geht es um alle Menschen, die von der Aneignung ausgeschlossen werden und um den damit verbundenen Verlust von Menschlichkeit nicht nur f\u00fcr die Gruppe der Ausgeschlossenen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Es ist dieser Ausschluss der Menschlichkeit, der durch jene geschieht, die den gesellschaftlichen Ausschluss von Menschen betreiben, den Christa Wolf (2010) zu dem \u00dcbel erkl\u00e4rt, das alle Unbill der Welt verursacht (vgl. auch Arnold 2016).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Menschen unter das Verdikt ihrer N\u00fctzlichkeit zu stellen, geh\u00f6rt zu diesen \u00dcbeln, die den Ausschluss der Menschlichkeit durch den Ausschluss von Menschen herbeif\u00fchrt (Steffens 2022; Grams 2022; El Domiaty et al. 2018).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Dieser Ausschluss \u2013 von der K\u00e4lte des Schleifens sozialer Rechte bis dahin, behinderten Menschen nach dem Leben zu trachten \u2013 ist auf vulg\u00e4re Weise wirtschaftlich bedingt. Er folgt ordin\u00e4ren Interessen. In dieser Logik gilt: \u201e[\u2026] Satan erscheint in allem, was sich der Obrigkeit nicht f\u00fcgt oder qua Natur als satanische Sch\u00f6pfung zu betrachten ist. Dies sind bei Luther ebenso k\u00f6rperlich missgestaltete Kinder, so genannte Wechselb\u00e4lge, wie die Sexualit\u00e4t der Frauen, die aufst\u00e4ndischen Bauern und nat\u00fcrlich, durch ihren Verrat an Jesus, die Juden und dar\u00fcber hinaus jede Art des Denkens und Einforderns von gegen die Obrigkeit gerichteten Menschenrechten\u201c (Jantzen 2018a: 20).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">Dr. <\/strong><strong class=\"western\">Wolfram Grams<\/strong> ist Oberstudiendirektor a. D. Er hat Sozialp\u00e4dagogik, Politik und Philosophie in Hildesheim, Hannover und Marburg studiert und bei Reinhard K\u00fchnl mit einer Arbeit zur Kontinuit\u00e4t nazistischer Eliten im Bildungswesen von BRD und DDR promoviert. Er war langj\u00e4hrig als Lehrbeauftragter an Hochschulen, in der \u00f6ffentlichen Verwaltung und in der gewerkschaftlichen Arbeit. Zahlreiche Ver\u00f6ffentlichungen und Vortr\u00e4ge zur Allgemeinen P\u00e4dagogik, Sozialarbeit, Schule und Bildungspolitik. Langj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit als Direktor beruflicher Schulen mit dem Schwerpunkt Sozialp\u00e4dagogik. Grams ist stellvertretender Vorsitzender der Humanistischen Union und Mitglied der Redaktion der <b>vor<\/b>g\u00e4nge.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"literatur\">Literatur<\/span><\/h3>\n<p align=\"justify\">Arendt, Hannah 1981: Es gibt nur ein einziges Menschenrecht, in: H\u00f6ffe, Otfried\/Kadelbach, Gerd\/Plumpe, Gerhard (Hrsg.): <em>Praktische Philosophie\/Ethik. Reader zum Funk-Kolleg. Originalausgabe<\/em>, Frankfurt am Main, S. 152\u2013162.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Arnold, J\u00f6rg<\/em> 2016: Wohin sind wir unterwegs? Nachdenken \u00fcber Christa Wolfs \u201eStadt der Engel\u201c, in: Pl\u00f6se, Michael et al. (Hrsg.): <em>\u201eWor\u00fcber reden wir eigentlich?\u201c Festgabe f\u00fcr Rosemarie Will.<\/em> Unter Mitarbeit von Rosemarie Will, Berlin, S. 62\u201386.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Beck, Ulrich<\/em> 1999: Die Arbeitsgesellschaft als Risikogesellschaft, in: <em>Gewerkschaftliche Monatshefte<\/em>, H. 7-8, S. 414\u2013418.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bender, Konstantin<\/em> 2013: Zum Zusammenhang von Behinderung und Armut, in: <em>Forum Wissenschaft<\/em>, Jg. 30, H. 1, S. 26\u201327.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Binding, Karl\/Hoche, Alfred<\/em> 1920: Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens. Ihr Ma\u00df und ihre Form, Leipzig.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Birnbaum, Norman<\/em> 1997: Siegt die Marktorthodoxie, stirbt die Demokratie. \u00dcberlegungen am Ende eines zwiesp\u00e4ltigen Jahres, in:<em> Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale Politik<\/em>, H. 12, S. 1443\u20131456.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Brecht, Bertolt<\/em> 1973: Werke in f\u00fcnf B\u00e4nden, Bd. 3: Geschichten, Berlin\/Weimar.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bundesverfassungsgericht<\/em> 1997: Beschluss des Ersten Senats vom 08.10.1997 &#8211; 1 BvR 9\/97 -, Rn. 1-77. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"https:\/\/www.bverfg.de\/e\/rs19971008_1bvr000997.html\">https:\/\/www.bverfg.de\/e\/rs19971008_1bvr000997.html<\/a> Fundstelle(n) BVerfGE 96, 288-315.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Canetti, Elias<\/em> 1996: Aufzeichnungen 1992-1993, M\u00fcnchen. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"http:\/\/bvbr.bib-bvb.de:8991\/exlibris\/aleph\/a24_1\/apache_media\/AYR7NCXK2C1E1V1NLC1VMS5RIYBC8S.pdf\">http:\/\/bvbr.bib-bvb.de:8991\/F?func=service&amp;doc_library=BVB01&amp;doc_number=007289984&amp;line_number=0001 &amp;func_code=DB_RECORDS&amp;service_type=MEDIA<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Cremer, Georg<\/em> 2018: Deutschland ist gerechter, als wir meinen. Eine Bestandsaufnahme, M\u00fcnchen. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"https:\/\/ebookcentral.proquest.com\/lib\/kxp\/detail.action?docID=6990183\">https:\/\/ebookcentral.proquest.com\/lib\/kxp\/detail.action?docID=6990183<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Deutsches \u00c4rzteblatt<\/em> 1999: Vilmar pr\u00e4gt \u201eUnwort des Jahres\u201c, in: <em>Deutsches \u00c4rzteblatt<\/em>, Jg. 20, H. 5, A 256.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>El Domiaty, Amin et al.<\/em> 2018: Der Isolationsbegriff, in: Moser, Vera\/Bauer, Lena\/Jantzen, Wolfgang (Hrsg.): <em>Behindertenp\u00e4dagogik als synthetische Humanwissenschaft. Eine Einf\u00fchrung in das Werk Wolfgang Jantzens<\/em>, Bad Heilbrunn, S. 63\u201376.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Grams, Wolfram<\/em> 1998: \u00d6konomisierung kontra Ethik. Lassen sich ethische Standards der Sozialen Arbeit sichern? Empowerment als Gegenstrategie, in: <em>Bl\u00e4tter der Wohlfahrtspflege: Deutsche Zeitschrift f\u00fcr Soziale Arbeit<\/em>, Jg. 145, H. 11\/12, S. 231\u2013233.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Grams, Wolfram<\/em> 2000: Sozialarbeit als Ware oder: Das Soziale zu Markte tragen, in: Wilken, Udo (Hrsg.): <em>Soziale Arbeit zwischen Ethik und \u00d6konomie<\/em>, Freiburg im Breisgau, S. 77\u201398.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Grams, Wolfram<\/em> 2022: \u201eSich vor niemandem b\u00fccken &#8211; h\u00f6chstens um ihm aufzuhelfen\u201c &#8211; Gedanken zum Menschenbild im Werk von Wolfgang Jantzen, in: Grams, Florian\/Hoffmann, Ilka (Hrsg.): <em>\u201eSich vor niemandem b\u00fccken \u2013 h\u00f6chstens um ihm aufzuhelfen\u201c. Zum Gedenken an Wolfgang Jantzen<\/em>, Berlin, S. 13\u201323.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Grams, Wolfram<\/em> 2023: K\u00e4ufliche Schulen &#8211; Ausverkauf des Rechts auf Bildung, in: <em>vorg\u00e4nge. Zeitschrift f\u00fcr B\u00fcrgerrechte und Gesellschaftspolitik<\/em> Nr. 241 = Jg. 62, H. 1, S. 121\u2013134.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Henkel, Hans-Olaf<\/em> 1999. In: <em>Hannoversche Allgemeine Zeitung<\/em> vom 18.03.1999, S. 9.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Jantzen, Wolfgang<\/em> 1974: Sozialisation und Behinderung. Studien zu sozialwissenschaftlichen Grundfragen der Behindertenp\u00e4dagogik, Gie\u00dfen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Jantzen, Wolfgang<\/em> 1982: Behindertenp\u00e4dagogik gestern, heute und morgen, in: <em>Behindertenp\u00e4dagogik: Vierteljahresschrift f\u00fcr Behindertenp\u00e4dagogik in Praxis, Forschung und Lehre und Integration Behinderter<\/em>, Jg. 21, H. 4, S. 280-293.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Jantzen, Wolfgang<\/em> 2018a: Kolonialit\u00e4t und Psychiatrisierung \u2013 Psychiatrie ist ein Gesellschaftszustand. Vortrag gehalten im Rahmen der Tagung der Luria-Gesellschaft in der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt. Luria Gesellschaft, Darmstadt, 24.03.2018.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Jantzen, Wolfgang<\/em> 2018b: Inklusion und Dekolonisierung als Prinzipien jeglicher P\u00e4dagogik. P\u00e4dagogik bei Geistiger Behinderung \u2013 Professionalit\u00e4t und Professionalisierung im Spannungsfeld zwischen Anspruch und Wirklichkeit. 40. Konferenz der Lehrenden der Geistigbehindertenp\u00e4dagogik an wissenschaftlichen Hochschulen in deutschsprachigen L\u00e4ndern, Universit\u00e4t Rostock, Rostock, 31.05.2018.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Lampert, Thomas\/Kroll, Lars Eric\/Dunkelberg, Annalena<\/em> 2007: Soziale Ungleichheit der Lebenserwartung in Deutschland, in: <em>Aus Politik und Zeitgeschichte<\/em>, H. 42, S. 11\u201318.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Levi, Primo<\/em> 2013: Ist das ein Mensch? Ein autobiographischer Bericht, 4. Auflage, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Mackenbach, Johan P.<\/em> 2006: Health Inequalities: Europe in Profile. University Medical Center Rotterdam, Rotterdam. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/health\/ph_determinants\/socio_economics\/documents\/ev_060302_rd06_en.pdf\">https:\/\/ec.europa.eu\/health\/ph_determinants\/socio_economics\/documents\/ev_060302_rd06_en.pdf<\/a>, zuletzt gepr\u00fcft am 08.05.2024.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Margalit, Avishai<\/em> 1997: Politik der W\u00fcrde. \u00dcber Achtung und Mi\u00dfachtung, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Marx, Karl\/Engels, Friedrich<\/em> [1846\/46] 1973: Werke, Bd. 3, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Marx, Karl\/Engels, Friedrich<\/em> [1867] 1973: Werke, Bd. 23, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Mill, John Stuart<\/em> [1848] 1991: Principles of Political Economy with Some of Their Applications to Social Philosophy, D\u00fcsseldorf.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Negt, Oskar<\/em> 1997: Kindheit und Schule in einer Welt der Umbr\u00fcche, G\u00f6ttingen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Petter, Jan<\/em> 2020: So sprechen \u201eFl\u00fcgel\u201c-Anf\u00fchrer H\u00f6cke und seine Leute, in: <em>Spiegel Online<\/em> vom 12.03.2020. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/rechtsextreme-in-der-afd-so-sprechen-fluegel-anfuehrer-hoecke-und-seine-leute-a-98188c22-71b5-4b56-8d0c-a21f4bcef2e1\">https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/rechtsextreme-in-der-afd-so-sprechen-fluegel-anfuehrer-hoecke-und-seine-leute-a-98188c22-71b5-4b56-8d0c-a21f4bcef2e1<\/a>, zuletzt gepr\u00fcft am 17.05.2024.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Rau, Johannes<\/em> 1999: Antrittsrede von Bundespr\u00e4sident Johannes Rau vom 1. Juli 1999 (Ausz\u00fcge), in: <em>Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale Politik<\/em>, H. 9, S. 1134\u20131135.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Shaller, Caspar<\/em> 2024: Nicht die Butter vom Brot nehmen, in: <em>taz<\/em> vom 26.02.2024. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"https:\/\/taz.de\/Angriff-auf-den-Sozialstaat\/!5991896\/\">https:\/\/taz.de\/Angriff-auf-den-Sozialstaat\/!5991896\/<\/a>, zuletzt aktualisiert am 07.05.2024.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Sierck, Udo<\/em> 2023: Die H\u00fcrden der Inklusion, in: <em>Forum Wissenschaft<\/em>, Jg. 40, H. 4, S. 4\u20137.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Singer, Peter<\/em> 1984: Praktische Ethik, Stuttgart.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Staub-Bernasconi, Silvia<\/em> 2019: Menschenw\u00fcrde \u2013 Menschenrechte \u2013 Soziale Arbeit. Die Menschenrechte vom Kopf auf die F\u00fc\u00dfe stellen, Leverkusen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Steffens, Jan<\/em> 2022: Dialog, De-Institutionalisierung und Dekolonialit\u00e4t aus der Persspektive einer sythetischen Humanwissenschaft, in: Grams, Florian\/Hoffmann, Ilka (Hrsg.): <em>\u201eSich vor niemandem b\u00fccken \u2013 h\u00f6chstens um ihm aufzuhelfen\u201c. Zum Gedenken an Wolfgang Jantzen<\/em>, Berlin, S. 101\u2013111.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Wolf, Christa<\/em> 2010: Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud, Berlin.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":19441,"template":"","categories":[2973,5,2982,7],"tags":[653,3466,3507,3300,680,710,3211,3684,667],"autoren":[1488],"publikationen":[3668],"class_list":["post-19484","publikation","type-publikation","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-armut","category-bildung","category-neonazis","category-sozialpolitik","tag-bildung","tag-faschismus","tag-nationalsozialismus","tag-neoliberalismus","tag-pluralismus","tag-rechtsextremismus","tag-soziale-menschenrechte","tag-utilitarismus","tag-vorgaenge-artikel","autoren-wolfram-grams","publikationen-vorg-245"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Vom \u201esozialvertr\u00e4glichen Fr\u00fchableben\u201c \u2013 Der Profit greift nach dem Sozialen - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-245\/publikation\/vom-sozialvertraeglichen-fruehableben-der-profit-greift-nach-dem-sozialen\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Vom \u201esozialvertr\u00e4glichen Fr\u00fchableben\u201c \u2013 Der Profit greift nach dem Sozialen - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Das Unwort des Jahres 1998 war \u201eSozialvertr\u00e4gliches Fr\u00fchableben\u201c. Die Gesundheitsreform im ersten Kabinett Schr\u00f6der f\u00fchrten zur selben Zeit zu Einsparungen und Leistungs- und Qualit\u00e4tsk\u00fcrzungen im Gesundheitswesen. Die dem Begriff Sozialvertr\u00e4gliches Fr\u00fchableben innewohnende Kosten-Nutzen-Rechnung hat eine langanhaltende Traditionslinie: Sie reicht von Binding und Hoche \u00fcber den Massenmord an vermeintlich unwertem Leben w\u00e4hrend des Hitlerfaschismus, den australischen [weiterlesen]\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-245\/publikation\/vom-sozialvertraeglichen-fruehableben-der-profit-greift-nach-dem-sozialen\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:image\" content=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/vorg245-246_U1_page-0001-2-e1723813247934.jpg\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:width\" content=\"914\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:height\" content=\"792\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:type\" content=\"image\/jpeg\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:site\" content=\"@humunion\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"21\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/vorg-245\\\/publikation\\\/vom-sozialvertraeglichen-fruehableben-der-profit-greift-nach-dem-sozialen\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/vorg-245\\\/publikation\\\/vom-sozialvertraeglichen-fruehableben-der-profit-greift-nach-dem-sozialen\\\/\",\"name\":\"Vom \u201esozialvertr\u00e4glichen Fr\u00fchableben\u201c \u2013 Der Profit greift nach dem Sozialen - 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Die Gesundheitsreform im ersten Kabinett Schr\u00f6der f\u00fchrten zur selben Zeit zu Einsparungen und Leistungs- und Qualit\u00e4tsk\u00fcrzungen im Gesundheitswesen. Die dem Begriff Sozialvertr\u00e4gliches Fr\u00fchableben innewohnende Kosten-Nutzen-Rechnung hat eine langanhaltende Traditionslinie: Sie reicht von Binding und Hoche \u00fcber den Massenmord an vermeintlich unwertem Leben w\u00e4hrend des Hitlerfaschismus, den australischen [weiterlesen]","og_url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-245\/publikation\/vom-sozialvertraeglichen-fruehableben-der-profit-greift-nach-dem-sozialen\/","og_site_name":"Humanistische Union","og_image":[{"width":914,"height":792,"url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/vorg245-246_U1_page-0001-2-e1723813247934.jpg","type":"image\/jpeg"}],"twitter_card":"summary_large_image","twitter_site":"@humunion","twitter_misc":{"Gesch\u00e4tzte Lesezeit":"21\u00a0Minuten"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-245\/publikation\/vom-sozialvertraeglichen-fruehableben-der-profit-greift-nach-dem-sozialen\/","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-245\/publikation\/vom-sozialvertraeglichen-fruehableben-der-profit-greift-nach-dem-sozialen\/","name":"Vom \u201esozialvertr\u00e4glichen Fr\u00fchableben\u201c \u2013 Der Profit greift nach dem Sozialen - 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