{"id":19831,"date":"2025-02-25T17:13:51","date_gmt":"2025-02-25T16:13:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=19831"},"modified":"2025-02-25T17:18:08","modified_gmt":"2025-02-25T16:18:08","slug":"der-aufhaltsame-aufstieg-der-afd-und-die-demokratie","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-247-248\/publikation\/der-aufhaltsame-aufstieg-der-afd-und-die-demokratie\/","title":{"rendered":"Der aufhaltsame Aufstieg der AfD und die Demokratie"},"content":{"rendered":"<p class=\"v-teaser-western\"><em>Bei den vergangenen Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Th\u00fcringen konnte die AfD starke Gewinne erzielen. Was f\u00fcr Konsequenzen hat das f\u00fcr die deutsche Demokratie? Dieter Segert geht in seinem Beitrag dieser Frage nach. Ihm zufolge ist die AfD eine konservativ-nationale und rechtspopulistische, aber keine faschistische Partei. Dennoch ist sie eine Bedrohung der Demokratie. Dazu untersucht Segert das Grundsatzprogramm der AfD und ihre W\u00e4hlerschaft in den drei Bundesl\u00e4ndern. Die Bedrohung k\u00f6nne nur abgewendet werden, indem die anderen Parteien einige der bisher vernachl\u00e4ssigten Sorgen und Interessen dieser W\u00e4hlergruppen, wie eine ungerechte sozial- und wirtschaftspolitische Ordnung, aufgreifen und in eine wirksame Politik umsetzen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die AfD ist die gr\u00f6\u00dfte Gewinnerin der drei Landtagswahlen in Th\u00fcringen, Sachsen und Brandenburg. Am meisten, \u00fcber neun Prozent, hat sie dabei in Th\u00fcringen dazu gewonnen, das hei\u00dft in der Landespartei mit dem ausgewiesenen \u201eFaschisten\u201c H\u00f6cke an der Spitze. Aber auch in Sachsen und Brandenburg hat sie ihre zweitst\u00e4rkste Position aus den vorangegangenen Wahlen verteidigen k\u00f6nnen. In allen drei L\u00e4ndern erhielt sie bei angestiegener Wahlbeteiligung circa ein Drittel der abgegebenen g\u00fcltigen W\u00e4hlerstimmen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Aber was bedeutet das f\u00fcr die anderen politischen Kr\u00e4fte und f\u00fcr die Demokratie in unserem Land? Stehen wir in einer \u00e4hnlichen Situation wie Deutschland am Ende der Weimarer Republik, als die NSDAP in den Wahlen ab 1932 zwischen einem Drittel und \u00fcber 40 Prozent der W\u00e4hlerstimmen f\u00fcr sich rekrutieren konnte \u2013 also am Vorabend einer Regierungsbeteiligung von Faschisten? Der Autor dieses Beitrags ist nicht dieser Meinung und wird das nachfolgend begr\u00fcnden. Sorgen m\u00fcssen wir uns trotzdem.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"die-afd-eine-konservativ-nationale-rechtspopulistische-aber-keine-faschistische-partei\">Die AfD &ndash; eine konser&shy;va&shy;ti&shy;v-na&shy;ti&shy;o&shy;nale, rechts&shy;po&shy;pu&shy;lis&shy;ti&shy;sche, aber keine faschis&shy;ti&shy;sche Partei<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Zuerst eine Einsch\u00e4tzung der Partei selbst, danach meine Analyse der politischen Situation heute im Vergleich mit der in der betreffenden Phase der Weimarer Republik.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">In der F\u00fchrungsmannschaft der AfD gibt es Personen, die bewusst sowohl nationale als auch sozial-populistische Positionen \u00e4u\u00dfern. Der th\u00fcringische Landesvorsitzende Bj\u00f6rn H\u00f6cke wurde von einem Gericht f\u00fcr die wiederholte Nutzung einer Parole der SA zu einer Geldstrafe verurteilt. Der Soziologe und Aktivist Andreas Kemper hat H\u00f6cke in einem Interview mit dem WDR folgenderma\u00dfen eingesch\u00e4tzt: \u201eVor der AfD hat H\u00f6cke unter Pseudonym in Neo-Nazi-Organen Texte ver\u00f6ffentlicht und war bei einer Neo-Nazi-Demo mittendrin und hat dort mitskandiert. Jetzt mit der AfD sieht er seine Mission darin, die vermeintliche Sprachherrschaft der Linken zu durchbrechen\u201c (WDR\/Kemper 2024). Die Losung, f\u00fcr die er verurteilt wurde, sieht Kemper im selben Interview nahe an der Naziformel \u201eDu bist nichts, dein Volk ist alles\u201c.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Der Verfassungsschutz sch\u00e4tzte zwei Landesverb\u00e4nde der AfD als \u201egesichert rechtsextrem\u201c ein. Das hei\u00dft zun\u00e4chst einmal, dass der Verfassungsschutz geheimdienstliche Mittel bei der Beobachtung der Partei anwenden darf, also etwa mit V-Leuten arbeiten. Es sagt aber noch nichts dar\u00fcber aus, ob die beobachtete Partei tats\u00e4chlich aktiv daran arbeitet, die demokratische Ordnung umzust\u00fcrzen, also verboten werden m\u00fcsste. (Illner 2024)<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die Grundlage der folgenden Analyse ist das Programm der AfD von 2016. Dabei stelle ich nicht die dort entwickelten Grundthesen dar, sondern versuche eine Interpretation dieses Dokuments, um das Selbstverst\u00e4ndnis dieser politischen Formation zu verstehen. In Abschnitt 1 wird mehr direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild versprochen, dann folgt eine Kritik des Euro, danach Aussagen zur inneren Sicherheit sowie ein vierter Abschnitt zur Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik. Erst danach kommen Abschnitte zu Arbeitsmarkt und Sozialpolitik, drei Abschnitte zu Familie, Sprache und Kultur, sowie Bildung und Hochschulbildung. Den inhaltlichen H\u00f6hepunkt stellt der Abschnitt zur Zuwanderung und Integration dar. Hier wird sehr detailliert ausgef\u00fchrt, welche Forderungen die Partei an die Regierung erhebt. Seit 2016 haben die Regierung wie auch die wichtigste Oppositionspartei CDU diese Forderungen weitgehend \u00fcbernommen \u2013 von der vollst\u00e4ndigen Schlie\u00dfung der EU-Au\u00dfengrenzen, der Verhinderung illegaler Grenz\u00fcbertritte durch strengere Personenkontrollen, die striktere Durchsetzung der Ausreisepflicht bis hin zur (zumindest geforderten) Einrichtung von \u201eSchutz- und Asylzentren in sicheren Staaten\u201c (AfD 2016: 12). Das Programm schlie\u00dft ab mit f\u00fcnf Abschnitten, die sich wie ein Einsammeln sonstiger Positionen lesen, unter anderem zur Wirtschaft und zu Natur und Umwelt.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Aus dem Programm geht hervor, dass die AfD f\u00fcr eine st\u00e4rkere Betonung der deutschen Identit\u00e4t eintritt, indem sie gegen \u201eMultikulturalismus\u201c sowie dagegen Stellung nimmt, dass der Islam zu Deutschland geh\u00f6rt, sie betrachtet die Nation als \u201ekulturelle Einheit\u201c und die deutsche Sprache als \u201eZentrum unserer Identit\u00e4t\u201c (AfD 2016: 10). Sie betont auch die Notwendigkeit einer erinnerungspolitischen Wende, die die Erinnerung an den Nationalsozialismus (und seine Verbrechen) keinen prominenten Platz mehr einr\u00e4umt. Das erinnert an die \u00c4u\u00dferung des damaligen Partei- und Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland, Hitler und die Nazis seien nur ein \u201eVogelschiss in \u00fcber 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte\u201c (Wiederwald 2018). Mit diesen Bestimmungen wird die deutsche Nation ethnisch definiert, allerdings nicht ausdr\u00fccklich \u00fcber Vererbung oder gar als besondere \u201eRasse\u201c.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Das Programm vertritt konservative Vorstellungen \u00fcber Familie und Geschlechterbeziehungen. Die \u201etraditionelle Familie\u201c ist das Leitbild. F\u00fcr die Behebung des Mangels an Arbeitskr\u00e4ften wird anstelle von Masseneinwanderung eine h\u00f6here einheimische Geburtenrate durch eine \u201eaktivierende Familienpolitik\u201c angestrebt. Die unterstellte \u201eDiskriminierung von Vollzeitm\u00fcttern\u201c (also der Hausfrauenrolle der Frauen) wird kritisiert. Es wird eine kritische Position gegen Abtreibungen eingenommen. Gendersprache und andere verordnete, \u201epolitisch korrekte\u201c Sprachvorgaben werden abgelehnt. (AfD 2016: 9f.)<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Diese Orientierung auf konservative Werte zusammen mit einer restriktiven Innenpolitik (\u201estarker Staat\u201c) und die Betonung der Nation ist die Grundlage f\u00fcr meine Einsch\u00e4tzung, dass die AfD eine national-konservative Partei ist.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Au\u00dferdem f\u00e4llt ein populistischer Sprachstil auf. \u00dcberall gibt es S\u00e4tze, die die Ressentiments des Alltagsdiskurses best\u00e4tigen. Einige direkte Zitate daf\u00fcr:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">\u201eW\u00e4hrend Steuerhinterziehung auch bei vergleichsweise kleinen Betr\u00e4gen in Deutschland verfolgt und bestraft wird, bleibt die ebenso das Gemeinwohl sch\u00e4digende Steuerverschwendung straffrei\u201c (AfD 2016: 4).<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">\u201eDie Zwangsfinanzierung des \u00f6ffentlichen Rundfunks ist umgehend abzuschaffen und in ein Bezahlfernsehen umzuwandeln\u201c (AfD 2016: 6).<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">\u201eJeder Einwanderer hat eine unabdingbare Bringschuld, sich zu integrieren; er muss sich seiner neuen Heimat anpassen, nicht umgekehrt\u201c (AfD 2016: 12).<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">\u201eSteuern und Abgaben sollen in Zukunft nicht mehr beliebig erh\u00f6ht werden k\u00f6nnen\u201c (AfD 2016: 14).<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">\u201eDas derzeit niedrige Zinsniveau gef\u00e4hrdet die Alterssicherung weiter Teile der Bev\u00f6lkerung und kann deshalb auf Dauer nicht aufrecht erhalten werden\u201c (AfD 2016: 14).<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Das Klima wandelt sich, solange die Erde existiert. Die Klimaschutzpolitik der Bundesregierung beruht auf bisher unbewiesenen hypothetischen Klimamodellen (AfD 2016: 15).<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">\u201eDie AfD ist strikt gegen verkehrspolitische Schikanen \u2026 Die Autofahrer werden auf Deutschlands Stra\u00dfen durch immer mehr Geschwindigkeitsbeschr\u00e4nkungen behindert\u201c (AfD 2016: 17).<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Hier werden negativ konnotierte Begriffe des Alltagsdiskurses (\u201eSchikanen\u201c) verwendet, um \u00f6kologische Ziele zu diskreditieren. Gesicherte Erkenntnisse werden zu blo\u00dfen Hypothesen zur\u00fcckgestuft. F\u00fcr niedrige Zinsen wird wahrheitswidrig die Regierung verantwortlich gemacht. Immer wird Emp\u00f6rung angeheizt. Es handelt sich um eine Politik, die mit Emotionen und vereinfachten Deutungen komplexer Sachverhalte arbeitet.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Im politischen Koordinatensystem verortet sind die Positionen des AfD-Programms national-konservativ, aber nicht offen undemokratisch oder gar \u201efaschistisch\u201c. Dar\u00fcber hinausgehend gibt es \u00f6ffentlich wirksame Meinungs\u00e4u\u00dferungen von Politiker*innen wie H\u00f6cke, aber diese sind nicht identisch mit der Position der AfD insgesamt. Vor allem sind das nicht die wichtigsten Gr\u00fcnde, warum diese Partei gew\u00e4hlt wird. Dazu aber weiter unten.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Vorher noch kurz zur Frage, ob uns der Vergleich mit dem Ende der Weimarer Republik und den fr\u00fchen 1930er Jahren weiterhilft. Steht unsere Uhr kurz vor 1932?<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Wodurch ist es den Nationalsozialisten damals gelungen, an die Macht zu kommen?<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote1sym\" name=\"sdendnote1anc\"><sup>i<\/sup><\/a> Sie nutzten das Gef\u00fchl der Dem\u00fctigung durch die Siegerm\u00e4chte des Ersten Weltkrieges aus, welches in Teilen der Bev\u00f6lkerung entstanden war. Die Erfolge der NSDAP beruhten unter anderem auf der antibolschewistischen Stimmung in der deutschen politischen Elite, der verbreiteten Furcht vor einer proletarischen Revolution.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote2sym\" name=\"sdendnote2anc\"><sup>ii<\/sup><\/a> In den sp\u00e4ter 1920er Jahren wurden seitens der NSDAP-F\u00fchrung und Vertretern der deutschen Gro\u00dfindustrie wie Thyssen, Schacht, V\u00f6gler ein B\u00fcndnis hergestellt. Der Keppler-Kreis spielte eine wichtige Rolle in diesem Verh\u00e4ltnis zwischen Industrie, Banken und Hitler (vgl. Piper 2018: 117ff.; Zilkenat 2012.)<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote3sym\" name=\"sdendnote3anc\"><sup>iii<\/sup><\/a> Die erste Regierung unter Reichskanzler Hitler im Januar 1933 war eine Koalition mit der b\u00fcrgerlichen Deutschnationalen Volkspartei DVNP, mit der man schon seit der Harzburger Front 1931 kooperierte. Der Weg zur absoluten Macht wurde geebnet durch das Verbot linker Parteien sowie die freiwillige Selbstaufl\u00f6sung b\u00fcrgerlicher Parteien im Sommer 1933.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Es gibt ausgehend von dieser Analyse der sp\u00e4ten Weimarer Verh\u00e4ltnisse keine analoge, pr\u00e4faschistische Situation im heutigen Deutschland. Zwar stagniert die deutsche Wirtschaft, die gerade aufgel\u00f6ste Regierung war extrem unbeliebt und das Parteiensystem wandelt sich, aber es gibt keine bewaffneten Milizen und der Rechtsstaat ist stabil. Gro\u00dfspenden \u00fcber 35.000 Euro werden vom Bundestag ver\u00f6ffentlicht \u2013 in der ersten Jahresh\u00e4lfte 2024, also vor den drei hier in Rede stehenden ostdeutschen Landtagswahlen, erhielt die AfD keine solcher Spenden.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote4sym\" name=\"sdendnote4anc\"><sup>iv<\/sup><\/a> Unternehmen sehen ein Erstarken der AfD eher kritisch.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote5sym\" name=\"sdendnote5anc\"><sup>v<\/sup><\/a> Uns drohen heute andere politische Gefahren als am Beginn der 1930er Jahre. Es w\u00e4re angebracht, sich auf die L\u00f6sung dieser heutigen Probleme zu konzentrieren \u2013 auf die Kriegsgefahr, die zunehmende soziale Ungleichheit in unserer Gesellschaft oder die ausbleibende sozial-\u00f6kologische Transformation \u2013, anstatt uns davon durch eine nur phantasierte Wiederkehr fr\u00fcherer Katastrophen ablenken zu lassen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Eine Gefahr f\u00fcr die Demokratie in Deutschland ist die AfD trotzdem. Sie verschafft verst\u00e4rkt den Unmut, ohne dessen Ursachen beseitigen zu wollen. Um ihren weiteren Aufstieg zu verhindern, ist es erforderlich, sich damit zu besch\u00e4ftigen, warum sie gew\u00e4hlt wird. Die W\u00e4hler*innen, nicht die Mitglieder und Funktion\u00e4re der AfD, sollten diejenigen besonders interessieren, die den Einfluss jener Partei reduzieren wollen. Die nachfolgende Analyse der W\u00e4hlerschaft wertet soziologische Umfragen zu den drei ostdeutschen Landtagswahlen im September dieses Jahres aus.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote6sym\" name=\"sdendnote6anc\"><sup>vi<\/sup><\/a><\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"analyse-der-waehlerschaft-der-afdvii\">Analyse der W&auml;hler&shy;schaft der AfD<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote7sym\" name=\"sdendnote7anc\"><sup>vii<\/sup><\/a><\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Zum einen zeigt die um bis zu zehn Prozent gestiegene Wahlbeteiligung auf 73 bis 74 Prozent in den drei Landtagswahlen, dass es eine hohe Mobilisierung der W\u00e4hlerschaft gab. Man empfand eine konfliktgeladene Situation und wollte unbedingt seine Stimme abgeben. Schon das verweist auf eine funktionierende Demokratie, auf Partizipationsbereitschaft und politisches Interesse der W\u00e4hler*innen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die Beschimpfung der W\u00e4hlerschaft der AfD als \u201efaschistisch\u201c geht am Problem vorbei.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote8sym\" name=\"sdendnote8anc\"><sup>viii<\/sup><\/a> Schon der Blick auf ihre soziale Zusammensetzung l\u00e4sst daran zweifeln: 49 Prozent der Arbeiter*innen in Th\u00fcringen haben laut Nachwahlbefragung von \u201eInfratest Dimap\u201c AfD gew\u00e4hlt. In Brandenburg w\u00e4hlten unter den Arbeiter*innen 46 Prozent diese Partei. W\u00e4hler*innen mit schlechter wirtschaftlicher Situation (Selbsteinsch\u00e4tzung) w\u00e4hlten in Sachsen zu 49 Prozent AfD. In kleinen Gemeinden ist die Partei in Th\u00fcringen besonders stark geworden. Das gilt auch f\u00fcr Sachsen und Brandenburg. Sie wird in Th\u00fcringen von jungen W\u00e4hler*innen (bis 24 Jahre) \u00fcberdurchschnittlich h\u00e4ufig gew\u00e4hlt (von 38 Prozent aus dieser W\u00e4hlergruppe). In Sachsen und Brandenburg ist die Gruppe junger Menschen, die AfD w\u00e4hlen, zwar im Vergleich zu anderen Altersgruppen nicht \u00fcberdurchschnittlich gro\u00df, aber sie hat auch in diesen beiden L\u00e4ndern im Vergleich zu 2019 \u00fcberdurchschnittlich zugenommen. In Th\u00fcringen sind das plus 15 Prozent, in Brandenburg 13, in Sachsen elf Prozent.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die AfD wird von den Menschen gew\u00e4hlt, die gegen den Zustrom von Fl\u00fcchtlingen nach Deutschland sind. 58 Prozent ihrer W\u00e4hler*innen in Th\u00fcringen finden es gut, dass die Partei den Zuzug von Ausl\u00e4nder*innen und Fl\u00fcchtlingen st\u00e4rker begrenzen will. Generell sind sie der Meinung, dass die Regierungspolitik ihre Interessen schlecht oder gar nicht vertritt. AfD-W\u00e4hler*innen sind zu einem Teil Protestw\u00e4hler*innen. Sie w\u00e4hlen die Partei, die von Regierung und etablierten Medien am deutlichsten kritisiert wird. 86 Prozent der befragten W\u00e4hler*innen der AfD in Sachsen stimmten der Aussage zu, dass die Landtagswahlen eine gute Gelegenheit sind, der Bundesregierung einen Denkzettel zu verpassen. In Th\u00fcringen sind es 84, in Brandenburg 85 Prozent.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Wenn man versucht, diese Aussagen auf einen Punkt zu bringen, kann man sagen: Die AfD wird von Menschen gew\u00e4hlt, die sich in ihren Interessen durch die etablierte Politik nicht vertreten f\u00fchlen. Die massive Zuwanderung und die von ihnen als unzureichend empfundenen Ma\u00dfnahmen der Regierung dagegen ist zentral dabei. Sie w\u00e4hlen \u201eParia\u201c-Parteien, das hei\u00dft Parteien, die von den dominierenden politischen Akteuren als abweichend vom allgemeinen Konsens in die Ecke gestellt werden,<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote9sym\" name=\"sdendnote9anc\"><sup>ix<\/sup><\/a> denn auch sie f\u00fchlen sich dorthin verbannt. Und sie haben das Gef\u00fchl, ihre Sorgen werden von denen \u201eda oben\u201c nicht nur nicht geh\u00f6rt, sondern sie sollten auch noch umerzogen werden. Das ist gewiss keine demokratief\u00f6rdernde Situation: Die Repr\u00e4sentierten f\u00fchlen sich durch die repr\u00e4sentative Demokratie nicht ernst genommen.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"populismus-als-problem-ja-aber\">Populismus als Problem? Ja, aber&hellip;<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die politischen Aussagen der AfD sind populistisch gef\u00e4rbt. Aber das allein muss nicht die Demokratie gef\u00e4hrden. Die Anziehungskraft des Populismus<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote10sym\" name=\"sdendnote10anc\"><sup>x<\/sup><\/a> unter der W\u00e4hlerschaft kann auch davon zeugen, dass bestimmte Gruppen von W\u00e4hler*innen sich durch die bisherigen politischen Parteien und deren Politik nicht repr\u00e4sentiert f\u00fchlen und deshalb Parteien w\u00e4hlen, die ihre Interessen zumindest im Wahlkampf aufgreifen, selbst wenn sie nicht sicher sein k\u00f6nnen, dass nach der Wahl ihre Interessen in eine wirksame Politik umgesetzt werden.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Zumindest so sch\u00e4dlich wie ein Populismus, der dem Volk nur nach dem Munde redet, ist eine repr\u00e4sentative Demokratie, die gro\u00dfe W\u00e4hlergruppen ignoriert und ihre Sorgen und Interessen nicht repr\u00e4sentiert. Damit ist gleichzeitig gesagt, dass es Hoffnung gibt, den Einfluss der AfD zu reduzieren \u2013 indem die anderen Parteien jene bisher vernachl\u00e4ssigten Sorgen und Interessen aufgreifen und in eine wirksame Politik umsetzen. Das gilt nat\u00fcrlich nicht f\u00fcr alle dieser Positionen, aber blo\u00dfe Denunziation hilft nicht.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Eine Politik, die die AfD von der Regierungsverantwortung fernhalten will, m\u00fcsste sich mit den Defiziten unserer repr\u00e4sentativen Demokratie besch\u00e4ftigen, welche Z\u00fcge des Modells <i>Postdemokratie<\/i> von Jacques Ranci\u00e8re (1997) und Colin Crouch (2008) ausgepr\u00e4gt sind. Die Ungerechtigkeit unserer Wirtschafts- und Sozialordnung zeigen sich etwa in nicht mehr bezahlbaren Wohnungen f\u00fcr junge Menschen in den gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten und in der allgemein wachsendem Ungleichheit der Verm\u00f6gen.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote11sym\" name=\"sdendnote11anc\"><sup>xi<\/sup><\/a> Nicht zuletzt die politischen Linken in den etablierten Parteien sollte ihre Politik der vergangenen Jahrzehnte kritisch durchdenken und sich fragen, was falsch gelaufen ist. Warum etwa das Band zu den Besch\u00e4ftigten in Industrie und Handwerk gerissen ist und die AfD zur gr\u00f6\u00dften deutschen Arbeiterpartei mutieren konnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">Prof. Dr. <\/strong><strong class=\"western\">Dieter Segert<\/strong> war bis 2017 Professor f\u00fcr Transformationsprozesse in Mittel-, S\u00fcdost- und Osteuropa am Institut f\u00fcr Politikwissenschaft der Universit\u00e4t Wien. Seine Forschungsschwerpunkte sind Transformationen politischer Systeme in Osteuropa, Geschichte und Erbe des europ\u00e4ischen Staatssozialismus, Parteienentwicklung in Osteuropa sowie Gef\u00e4hrdungen und Wandel der Demokratie.<\/em><\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"literatur\">Literatur<\/span><\/h3>\n<p align=\"justify\"><em>AfD<\/em> 2016: Grunds\u00e4tze f\u00fcr Deutschland. Programm der Alternative f\u00fcr Deutschland. Kurzfassung, Berlin, <a href=\"https:\/\/www.afd.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/2016-06-20_afd-kurzfassung_grundsatzprogramm_webversion_k.pdf\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/www.afd.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/2016-06-20_afd-kurzfassung_grundsatzprogramm_webversion_k.pdf<\/a> (Stand: 04.11.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung<\/em> 2024: Sozialbericht 2024. Ein Datenreport f\u00fcr Deutschland, Bonn, <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/system\/files\/dokument_pdf\/Sozialbericht_2024_bf_k2.pdf\">https:\/\/www.bpb.de\/system\/files\/dokument_pdf\/Sozialbericht_2024_bf_k2.pdf<\/a> (Stand: 07.11.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Crouch, Colin<\/em> 2008: Postdemokratie, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Illner, Marie<\/em> 2024: \u201eGesichert rechtsextrem\u201c \u2013 was genau bedeutet das? In: <em>Web.de<\/em> vom 09.09.2024, <a href=\"https:\/\/web.de\/magazine\/politik\/gesichert-rechtsextrem-genau-bedeutet-40097680\">https:\/\/web.de\/magazine\/politik\/gesichert-rechtsextrem-genau-bedeutet-40097680<\/a> (Stand: 02.11.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Joswig, Gareth\/Kowalczuk, Ilko-Sascha<\/em> 2023: \u201eWer Nazis w\u00e4hlt, ist ein Nazi\u201c, in: <em>taz <\/em>vom 03.07.2023, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Ilko-Sascha-Kowalczuk-ueber-den-Osten\/!5941741\/\">https:\/\/taz.de\/Ilko-Sascha-Kowalczuk-ueber-den-Osten\/!5941741\/<\/a> (Stand: 04.11.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Pelinka, Anton <\/em>2005: Die FP\u00d6. Eine rechtspopulistische Regierungspartei zwischen Adaption und Opposition, in: Fr\u00f6lich-Steffen, Susanne\/Rensmann, Lars (Hrsg.): <em>Populisten an der Macht. Populistische Regierungsparteien in West- und Osteuropa<\/em>, Wien, S. 87-104.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Piper, Ernst <\/em>2018: Geschichte des Nationalsozialismus. Von den Anf\u00e4ngen bis heute, Bonn.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Ranci\u00e8re, Jacques <\/em>1997: Demokratie und Postdemokratie in: Badiou, Alain et al. (Hrsg.): <em>Politik der Wahrheit<\/em>, Wien, S. 94\u2013122.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Saage, Richard <\/em>1975: Zum Verh\u00e4ltnis von Nationalsozialismus und Industrie, in: <em>Aus Politik und Zeitgeschichte<\/em>, H. 9.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Segert, Dieter <\/em>2002: Die Grenzen Osteuropas. 1918, 1945, 1989 \u2013 drei Versuche, im Westen anzukommen, Frankfurt am Main\/New York.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Segert, Dieter<\/em> 2018: Lernen aus 1918 \u2013 Bedingungen der Demokratie, in: <em>Ost-West. Europ\u00e4ische Perspektiven<\/em>, H. 1, S. 11- 22.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Segert, Dieter <\/em>2021: Politische Kultur im Wandel? Der Populismus in Ostmitteleuropa und seine Vorgeschichte, in: Sabrow, Martin et al. (Hrsg.): <em>1989 \u2013 eine Epochenz\u00e4sur?<\/em> G\u00f6ttingen, S. 74-86.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Segert, Dieter <\/em>2024: \u201eVerstehen kann man Russland nicht, und auch nicht messen mit Verstand \u2026\u201c, in: <em>International<\/em>, H. 4, S. 13-15.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Spiegel Online<\/em> 2024: Sozialbericht: Reichste zehn Prozent besitzen mehr als die H\u00e4lfte des Verm\u00f6gens in Deutschland, in: <em>Spiegel Online<\/em> vom 06.11.2024, <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/sozialbericht-reichste-zehn-prozent-der-deutschen-besitzen-56-prozent-des-vermoegens-a-05b34075-5570-4a6e-bc7f-bef64ed626f3\">https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/sozialbericht-reichste-zehn-prozent-der-deutschen-besitzen-56-prozent-des-vermoegens-a-05b34075-5570-4a6e-bc7f-bef64ed626f3 <\/a>(Stand: 07.11.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>WDR\/Kemper, Andreas<\/em> 2024: \u201eW\u00e4re verwerflich, H\u00f6cke nicht als Faschisten zu bezeichnen\u201c, in: <em>WDR.de<\/em> vom 15.05.2024, <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/nachrichten\/afd-hoecke-faschist-100.html\">https:\/\/www1.wdr.de\/nachrichten\/afd-hoecke-faschist-100.html<\/a> (Stand: 04.11.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Wiederwald, Rupert<\/em> 2018: \u201eVogelschiss in der Geschichte\u201c, in: <em>Deutsche Welle<\/em> vom 02.06.2018, <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/gauland-bezeichnet-ns-zeit-als-vogelschiss-in-der-geschichte\/a-44054219\">https:\/\/www.dw.com\/de\/gauland-bezeichnet-ns-zeit-als-vogelschiss-in-der-geschichte\/a-44054219<\/a> (Stand: 04.11.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Zilkenat, Reiner<\/em> 2012: Das deutsche Gro\u00dfkapital, der Keppler-Kreis und die NSDAP: eine unentbehrliche Vorgeschichte des 30. Januar 1933, in: <em>Rundbrief<\/em> 3-4, AG Rechtsextremismus\/Antifaschismus beim Parteivorstand der Linkspartei. PDS, Berlin, S. 4-24.<\/p>\n<p>Anmerkungen<\/p>\n<div id=\"sdendnote1\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote1anc\" name=\"sdendnote1sym\">i<\/a>Ich habe zu den Ursachen des Nationalsozialismus zwar keine eigenen Forschungen angestellt, aber mich intensiv mit den autorit\u00e4ren und faschistischen Bewegungen in Osteuropa in der Zwischenkriegszeit besch\u00e4ftigt (vgl. Segert 2002; 2018). In j\u00fcngster Zeit wurde in der Geschichtswissenschaft \u00fcber den Sinn historischer Vergleiche anhand der Bestimmung des russischen autorit\u00e4ren Regimes als faschistisch diskutiert (vgl. Segert 2024).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote2\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote2anc\" name=\"sdendnote2sym\">ii<\/a>In einer Rede vor der F\u00fchrung der General Electric in New York 1931 erkl\u00e4rte von Carl-Friedrich von Siemens, dass Unternehmer und B\u00fcrgertum zwar den Methoden Hitlers ablehnend gegen\u00fcberstehen, aber sie w\u00fcrden doch \u201edas Hitlertum als das kleinere \u00dcbel gegen\u00fcber dem Kommunismus\u201c betrachten (vgl. Zilkenat 2012: 15).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote3\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote3anc\" name=\"sdendnote3sym\">iii<\/a>Fr\u00fchere westdeutsche Diskussionen zum Verh\u00e4ltnis von Teilen der kapitalistischen Unternehmerklasse Deutschlands und der NSDAP wurden durch Saage (1975) kritisch aufgearbeitet.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote4\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote4anc\" name=\"sdendnote4sym\">iv<\/a>Vgl. den Bericht der Pr\u00e4sidentin des Deutschen Bundestages vom 1. Juli 2024, <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/parlament\/praesidium\/parteienfinanzierung\/fundstellen50000\/2024\/2024-inhalt-984862\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/www.bundestag.de\/parlament\/praesidium\/parteienfinanzierung\/fundstellen50000\/2024\/2024-inhalt-984862<\/a> (aufgerufen am 09.11.24).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote5\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote5anc\" name=\"sdendnote5sym\">v<\/a>Vgl. den Bericht des Instituts der Deutschen Wirtschaft \u00fcber eine Unternehmensbefragung im Fr\u00fchjahr 2024, <a href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/presse\/pressemitteilungen\/knut-bergmann-matthias-diermeier-auch-ostdeutsche-firmen-sehen-die-afd-skeptisch.html\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/www.iwkoeln.de\/presse\/pressemitteilungen\/knut-bergmann-matthias-diermeier-auch-ostdeutsche-firmen-sehen-die-afd-skeptisch.html<\/a> (aufgerufen am 09.11.24).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote6\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote6anc\" name=\"sdendnote6sym\">vi<\/a>Damit keine Missverst\u00e4ndnisse \u00fcber meine Position aufkommen: Die AfD ist kein rein ostdeutsches Problem, sie ist von westdeutschen Intellektuellen und Politiker*innen gegr\u00fcndet worden, und sie verf\u00fcgt \u00fcber eine starke Verankerung in der Mitte und im S\u00fcden Westdeutschlands. Die ostdeutschen Wahlergebnisse sind zudem zumindest teilweise durch die akute Regierungskrise bedingt.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote7\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote7anc\" name=\"sdendnote7sym\">vii<\/a>Alle Umfrageergebnisse aus Nachwahlbefragungen stammen aus Ver\u00f6ffentlichungen der Tagesschau zu den Wahlergebnisse der AfD. Links: zu Th\u00fcringen \u2013 <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wahl\/archiv\/2024-09-01-LT-DE-TH\/umfrage-afd.shtml\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/www.tagesschau.de\/wahl\/archiv\/2024-09-01-LT-DE-TH\/umfrage-afd.shtml<\/a> ; zu Sachsen \u2013 <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wahl\/archiv\/2024-09-01-LT-DE-SN\/umfrage-werwas.shtml;\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/www.tagesschau.de\/wahl\/archiv\/2024-09-01-LT-DE-SN\/umfrage-werwas.shtml;<\/a> zu Brandenburg \u2013 <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wahl\/archiv\/2024-09-22-LT-DE-BB\/index.shtml\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/www.tagesschau.de\/wahl\/archiv\/2024-09-22-LT-DE-BB\/index.shtml<\/a> (jeweils abgerufen am 04.11.24).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote8\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote8anc\" name=\"sdendnote8sym\">viii<\/a>Das formuliere ich in Auseinandersetzung mit \u00c4u\u00dferungen, wie der des ostdeutschen Historikers Ilko-Sascha Kowalczuk in einem Interview mit der taz \u00fcber die W\u00e4hlerschaft der AfD: \u201eWer Nazis w\u00e4hlt, ist ein Nazi\u201c (Joswig\/Kowalczuk 2023).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote9\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote9anc\" name=\"sdendnote9sym\">ix<\/a>Dazu z\u00e4hlt au\u00dfer der AfD auch das BSW.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote10\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote10anc\" name=\"sdendnote10sym\">x<\/a>Vgl. dazu meinen Text zu den Definitionen des Populismus in Osteuropa, wobei ich unter anderem auf Anton Pelinkas (2005: 90) Feststellung verweise, dass Populismus eine Variation legitimer Auffassungen von Demokratie sein kann (Segert 2021: 74-77).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote11\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote11anc\" name=\"sdendnote11sym\">xi<\/a>Die Daten sind im neuen Sozialbericht 2024 enthalten (Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung 2024; vgl. auch Spiegel Online 2024).<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":19808,"template":"","categories":[2973,3004,2982,7],"tags":[3406,4028,3023,4069,3583,4008,4070,3461,667],"autoren":[1893],"publikationen":[4041],"class_list":["post-19831","publikation","type-publikation","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-armut","category-asylpolitik","category-neonazis","category-sozialpolitik","tag-afd","tag-brandenburg","tag-demokratie","tag-landtagswahlen","tag-ostdeutschland","tag-parteien","tag-sachsen","tag-thueringen","tag-vorgaenge-artikel","autoren-dieter-segert","publikationen-vorg-247-248"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Der aufhaltsame Aufstieg der AfD und die Demokratie - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-247-248\/publikation\/der-aufhaltsame-aufstieg-der-afd-und-die-demokratie\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Der aufhaltsame Aufstieg der AfD und die Demokratie - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Bei den vergangenen Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Th\u00fcringen konnte die AfD starke Gewinne erzielen. 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Was f\u00fcr Konsequenzen hat das f\u00fcr die deutsche Demokratie? Dieter Segert geht in seinem Beitrag dieser Frage nach. Ihm zufolge ist die AfD eine konservativ-nationale und rechtspopulistische, aber keine faschistische Partei. Dennoch ist sie eine Bedrohung der Demokratie. 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