{"id":20015,"date":"2025-05-22T14:32:11","date_gmt":"2025-05-22T12:32:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=20015"},"modified":"2025-05-22T14:32:11","modified_gmt":"2025-05-22T12:32:11","slug":"vom-koreakrieg-bis-zu-trump-2-0-die-taiwan-politik-der-usa-im-wandel-der-zeit","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-249\/publikation\/vom-koreakrieg-bis-zu-trump-2-0-die-taiwan-politik-der-usa-im-wandel-der-zeit\/","title":{"rendered":"Vom Koreakrieg bis zu Trump 2.0: Die Taiwan-Politik der USA im Wandel der Zeit"},"content":{"rendered":"<p class=\"v-teaser-western\"><em>Welche Auswirkungen k\u00f6nnte die Wiederwahl von Donald Trump zum US-Pr\u00e4sidenten auf Taiwan haben? In seinem Beitrag nimmt Lars Konheiser die globale Relevanz des Konfliktes zwischen der Volksrepublik China und Taiwan sowie die Wahl Trumps zum Anlass, die Taiwan-Politik der USA im Wandel der Zeit zu betrachten: vom Koreakrieg bis zu Trump 2.0. Neben Geschichte und Gegenwart thematisiert er auch m\u00f6gliche Zukunftsszenarien des Konfliktes sowie die Rolle der USA. Dazu nimmt der Beitrag nicht nur Taiwan und die USA als dessen Schutzmacht, sondern auch die VR China in den Blick.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Am 5. November 2024 waren in der taiwanischen Hauptstadt Taipeh alle Augen auf die Vereinigten Staaten von Amerika gerichtet. Denn an jenem Tag sollte sich entscheiden, wer k\u00fcnftig als Pr\u00e4sident*in der USA die Geschicke des politisch, \u00f6konomisch und milit\u00e4risch aktuell m\u00e4chtigsten Staates der Erde leiten w\u00fcrde: Sollte es erneut Donald Trump werden, der sich w\u00e4hrend seiner ersten Amtszeit deutlich entschiedener als zuvor Barack Obama gegen die Volksrepublik China (VR China)<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote1sym\" name=\"sdendnote1anc\"><sup>i<\/sup><\/a> und damit auf Seiten Taiwans positionierte, zuletzt aber auch immer wieder sch\u00e4rfere T\u00f6ne gegen\u00fcber der Regierung in Taipeh anschlug \u2013 demzufolge also eine gewisse Unsicherheit f\u00fcr Taiwan mit sich bringen w\u00fcrde? Oder sollte es vielmehr Kamala Harris werden, unter deren F\u00fchrung aller Voraussicht nach kein signifikanter Kurswechsel gegen\u00fcber Taiwan zu erwarten w\u00e4re, nachdem die USA unter Joe Biden als Pr\u00e4sident und Harris als Vizepr\u00e4sidentin den von Trump eingeschlagenen Kurs im Kern fortsetzten? Letzteres Szenario war angesichts der im Vergleich wohl etwas gr\u00f6\u00dferen Aussicht auf Stabilit\u00e4t und Sicherheit dann auch die Pr\u00e4ferenz einer Mehrheit der Taiwanes*innen (vgl. Hioe 2024). Ihr Wunsch sollte sich jedoch bekannterma\u00dfen nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Zwar wurde das Ergebnis der Pr\u00e4sidentschaftswahl angesichts der globalen Bedeutung der USA sicher von den meisten Regierungen sowie vielen Menschen weltweit mit Spannung und zum Teil Nervosit\u00e4t erwartet. Doch hatte es f\u00fcr die Regierung Taiwans sowie seine Bev\u00f6lkerung eine besonders gro\u00dfe Relevanz: Denn seitdem die Partei der Kuomintang (KMT)<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote2sym\" name=\"sdendnote2anc\"><sup>ii<\/sup><\/a> im Jahr 1949 die Republik China als <i>de facto<\/i> bis heute unabh\u00e4ngigen und souver\u00e4nen Staat auf der Insel Taiwan etablierte, h\u00e4ngt die milit\u00e4rische Sicherheit des Inselstaates vor der VR China und damit auch der Fortbestand seiner faktischen Unabh\u00e4ngigkeit entscheidend von den als Schutzmacht fungierenden USA ab. <i>De jure<\/i> erkennen bereits jetzt nur noch einige wenige, \u00fcberwiegend kleinere Staaten Taiwan als v\u00f6lkerrechtlich souver\u00e4nen Staat an. Dazu hat allem voran der politische Druck gef\u00fchrt, den die VR China gem\u00e4\u00df des von ihr eisern propagierten \u201eEin-China-Prinzips\u201c<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote3sym\" name=\"sdendnote3anc\"><sup>iii<\/sup><\/a> bereits seit Jahrzehnten auf all jene Staaten aus\u00fcbt, die Taiwan als souver\u00e4nen Staat anerkennen. Die Frage, wer ab Januar 2025 im Wei\u00dfen Haus in Washington sitzen und damit ma\u00dfgeblich \u00fcber die k\u00fcnftige US-Au\u00dfenpolitik entscheiden w\u00fcrde, war und ist f\u00fcr das inzwischen Spitzenwerte in Demokratie-Indizes erreichende Taiwan (vgl. Freedom House 2024) also im wahrsten Sinne des Wortes von existenzieller Bedeutung.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Dass die Sicherheit Taiwans \u00fcberhaupt bedroht ist und damit jeder politische Machtwechsel in den USA eine gewisse Unsicherheit f\u00fcr Taiwan in sich birgt, liegt an der Eindeutigkeit der Position, die die VR China offiziell gegen\u00fcber Taiwan vertritt: Es handele sich bei Taiwan um eine abtr\u00fcnnige Provinz, deren Eingliederung in die Volksrepublik Teil der historischen Mission der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) sei und daher notfalls auch kurzfristig mit milit\u00e4rischen Mitteln durchgesetzt werden m\u00fcsse (vgl. Wang 2021). Zwar stammen die Grundz\u00fcge dieser Position bereits aus der \u00c4ra Mao Zedongs, doch wird sie seit Xi Jinpings Amtsantritt als Staatspr\u00e4sident im Jahr 2013 rhetorisch offensiver und aggressiver denn je vertreten sowie zunehmend auch durch entsprechendes Handeln untermauert; beispielsweise durch h\u00e4ufiger werdende und immer gr\u00f6\u00dfer angelegte Milit\u00e4rman\u00f6ver der chinesischen Volksbefreiungsarmee in der Taiwanstra\u00dfe (vgl. Jash 2024). Einige Beobachter*innen, wie der ehemalige australische Politiker und ausgewiesene Experte chinesischer Au\u00dfenpolitik Kevin Rudd, gehen gar davon aus, dass Xi willens ist, Taiwan unter allen Umst\u00e4nden noch w\u00e4hrend seiner Amtszeit in die Volksrepublik einzugliedern; oder wie Rudd (2022: 99) es formuliert: \u201eXi ist ein Mann in Eile, wenn es um Taiwan geht.\u201c<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote4sym\" name=\"sdendnote4anc\"><sup>iv<\/sup><\/a> Der Rolle der USA als Schutzmacht Taiwans kommt demnach aktuell eine besonders gro\u00dfe Bedeutung zu. Hinzu kommt die stetig wachsende Intensit\u00e4t des Konfliktes zwischen den USA und China um globalen Einfluss. Denn dieser hat sp\u00e4testens mit dem unter Barack Obama 2011 verk\u00fcndeten \u201ePivot to Asia\u201c<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote5sym\" name=\"sdendnote5anc\"><sup>v<\/sup><\/a> rasant an Fahrt aufgenommen, nachdem sich die VR China durch diese strategische Neuausrichtung der US-Au\u00dfenpolitik in ihrer vermeintlich nat\u00fcrlich gegebenen geopolitischen Einflusszone des Indopazifiks bedroht sah (vgl. Shambaugh 2013: 10). Und ebendieser geopolitische Schl\u00fcsselkonflikt des 21. Jahrhunderts manifestiert sich heute an kaum einem Ort der Welt derart deutlich wie in der Taiwanstra\u00dfe.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Der vorliegende Beitrag nimmt daher die globale Relevanz des Konfliktes sowie die j\u00fcngst erfolgte Wahl Trumps zum US-Pr\u00e4sidenten und die damit verbundene Frage, welche Auswirkungen diese Wahl auf Taiwan haben k\u00f6nnte, zum Anlass, die Taiwan-Politik der USA im Wandel der Zeit zu betrachten \u2013 vom Koreakrieg bis zu Trump 2.0. Neben Geschichte und Gegenwart sollen somit abschlie\u00dfend auch m\u00f6gliche Zukunftsszenarien des Konfliktes sowie die Rolle der USA darin thematisiert werden. Zun\u00e4chst soll aber die Historie der Taiwan-Politik der USA seit 1949 nachgezeichnet werden, mit einem besonderen Fokus auf den Entwicklungen der letzten Jahre unter den US-Pr\u00e4sidenten Trump (2017-2021) und Biden (2021-2025). Dabei muss die US-Politik gegen\u00fcber Taiwan allerdings auch und vor allem unter Ber\u00fccksichtigung der Position und des Handelns der VR China gegen\u00fcber Taiwan betrachtet werden. Daher nimmt der Beitrag nicht nur Taiwan selbst und die USA als dessen Schutzmacht, sondern auch die VR China in den Blick. Das Ziel ist es demnach, aktuelle sowie m\u00f6gliche k\u00fcnftige Entwicklungen im Taiwan-Konflikt durch eine historisch fundierte Betrachtung der komplexen Dreiecksbeziehung Taiwan-USA-China nachvollziehbar darzustellen.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"eine-kurze-geschichte-der-taiwan-politik-der-usa-1949-bis-2017-stabilitaet-in-einer-welt-des-wandels\">Eine kurze Geschichte der Taiwan-&shy;Po&shy;litik der USA (1949 bis 2017): Stabilit&auml;t in einer Welt des Wandels<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Bereits im Jahr 1945, mit der totalen Kapitulation Japans, wurde die bis dato japanische Kolonie Taiwan <i>de facto<\/i> zum Staatsterritorium der Republik China und wurde damit quasi vom einen auf den anderen Tag von der Kuomintang regiert, zu deren Staatsgebiet zu jener Zeit auch noch das ab 1949 von der Volksrepublik kontrollierte chinesische Festland geh\u00f6rte. Wie oben erw\u00e4hnt, fl\u00fcchteten mit der Niederlage im B\u00fcrgerkrieg dann 1949 die Eliten der KMT auf die Insel Taiwan, woraufhin ihnen zahlreiche weitere Anh\u00e4nger*innen folgten. Seitdem bilden faktisch lediglich noch die Insel Taiwan sowie einige kleinere umliegende Inseln das Staatsgebiet der Republik China. Noch im Oktober 1949 konnte eine milit\u00e4rische Eroberung der Insel durch die frisch ausgerufene Volksrepublik verhindert werden. Ab 1950 sicherten dann bereits die USA das politische \u00dcberleben der damals noch autorit\u00e4r unter Kriegsrecht regierenden KMT-Regierung unter F\u00fchrung Chiang Kai-sheks milit\u00e4risch ab \u2013 konkret durch das Einr\u00fccken der US-Pazifikflotte in die Taiwanstra\u00dfe, die zwischen dem chinesischen Festland und der Insel Taiwan verl\u00e4uft. Dieses Man\u00f6ver resultierte unmittelbar aus dem im Kontext des Kalten Krieges als Stellvertreterkrieg ausgefochtenen Koreakrieg, der 1950 begonnen hatte und in dessen Rahmen die USA politische und milit\u00e4rische Verb\u00fcndete in der Region ben\u00f6tigten. Taiwans besondere geostrategische Bedeutung als \u201eanti-kommunistische[r] Flugzeugtr\u00e4ger\u201c (Schubert 2023: 261) der USA in unmittelbarere N\u00e4he zum chinesischen Festland manifestierte sich dann 1954 in einem zwischen den Regierungen in Washington und Taipeh geschlossenen Verteidigungspakt (vgl. Schubert 2023: 260f.). Seitdem nehmen die USA die Rolle als Schutzmacht des \u2013 zumindest de facto \u2013 bis heute unabh\u00e4ngigen und seit 1987 demokratisch regierten Taiwans ein.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Bis 1971 wurde <i>China<\/i> zudem in den Vereinten Nationen (UN) offiziell von der Republik China repr\u00e4sentiert, bevor dann die Volksrepublik diesen Status in ebenjenem Jahr \u00fcbernahm. Entsprechend hatte die Regierung Chiang Kai-sheks aber bis 1971 auch einen Sitz im m\u00e4chtigen UN-Sicherheitsrat inne, was den Beziehungen zu Taiwan aus Sicht der USA zus\u00e4tzliche strategische Bedeutung verlieh. Zwar entspannten sich die bilateralen Beziehungen zwischen Washington und Peking ab 1969 schrittweise, nachdem das Verh\u00e4ltnis zwischen der Sowjetunion und der VR China nach einem milit\u00e4rischen Grenzkonflikt endg\u00fcltig zerr\u00fcttet war und sich China und die USA somit nun einen gemeinsamen Kontrahenten teilten. Diese Ann\u00e4herung m\u00fcndete schlie\u00dflich 1979 auch in der offiziellen Anerkennung der Volksrepublik als alleinige legitime Vertretung Chinas durch die USA, wodurch die Republik China diesen Status verlor. Doch sorgten diese Entwicklungen keineswegs daf\u00fcr, dass die USA ihre Rolle als milit\u00e4rische Schutzmacht Taiwans aufgaben \u2013 ganz im Gegenteil: Noch im selben Jahr, 1979, wurde der Taiwan Relations Act in den USA verabschiedet, demgem\u00e4\u00df die USA sich gesetzlich dazu verpflichteten, Taiwan mit den n\u00f6tigen Waffen f\u00fcr seine Verteidigung gegen\u00fcber der VR China auszur\u00fcsten. Seitdem haben die USA Taiwan mit R\u00fcstungsg\u00fctern im Milliardenwert beliefert. \u00dcberdies hat das Gesetz vorgesehen, dass Washington auch nach der offiziellen Anerkennung der VR China weiterhin Beziehungen, wenn auch inoffizieller Natur, nach Taipeh unterh\u00e4lt (vgl. Congressional Research Service 2023; Na\u00df 2023: 87; Sutter 2020: 214-216). Schlie\u00dflich wird im Taiwan Relations Act auch explizit festgehalten, dass \u201edie Vereinigten Staaten ihre F\u00e4higkeit aufrechterhalten werden, sich der Anwendung jeglicher Form von Gewalt oder anderen Zwangsma\u00dfnahmen widersetzen zu k\u00f6nnen, die die Sicherheit oder das gesellschaftliche oder wirtschaftliche System der taiwanischen Bev\u00f6lkerung gef\u00e4hrden w\u00fcrden\u201c (Congressional Research Service 2023).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Der Taiwan Relations Act bildet bis heute die Grundlage der Taiwan-Politik der USA. Seine Kerninhalte sind seitdem von keiner US-Administration ernsthaft und nachhaltig in Frage gestellt worden. Denn auf Phasen, in denen die USA Zugest\u00e4ndnisse gegen\u00fcber der Volksrepublik machten \u2013 wie 1982, als sie in Form eines Kommuniqu\u00e9s zumindest vage zusicherten, die R\u00fcstungsexporte nach Taiwan zu begrenzen \u2013 folgten stets Phasen, in denen die USA sich wieder klarer und offensiver f\u00fcr die Sicherheit Taiwans einsetzten. So f\u00fchrte zum Beispiel das historische Tiananmen-Massaker der chinesischen Regierung an der eigenen Bev\u00f6lkerung 1989 dazu, dass die USA sich vom autokratischen China abwendeten und gleichzeitig zum inzwischen demokratisch regierten und wirtschaftlich bl\u00fchenden Taiwan hinwendeten; konkret wurden ab 1992 wieder vermehrt R\u00fcstungsg\u00fcter nach Taiwan geliefert und es wurde erstmals seit dem Abbruch der offiziellen Beziehungen mit Taipeh 1979 ein US-Regierungsmitglied dorthin entsandt (vgl. Sutter 2020: 216f.).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Derartige, durch konkrete Ereignisse ausgel\u00f6ste Dynamiken pr\u00e4gten auch in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends die Dreiecksbeziehung Taiwan-USA-China. So sicherte George W. Bush noch im April 2001 Taiwan die bedingungslose Unterst\u00fctzung der USA im Falle eines milit\u00e4rischen Angriffs durch die Volksrepublik zu, bevor kurz darauf die Terroranschl\u00e4ge vom 11. September daf\u00fcr sorgten, dass die USA erstmals seit 1989 wieder mehr N\u00e4he zur VR China suchten, um eine m\u00f6glichst breite Front in ihrem \u201eKampf gegen den Terror\u201c hinter sich zu wissen. Gleichzeitig belasteten offen formulierte Unabh\u00e4ngigkeitsbestrebungen der damaligen taiwanischen Regierung unter Chen Shui-bian die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Taiwan, da derartige Bestrebungen die Bem\u00fchungen der USA um bessere Beziehungen zur Volksrepublik konterkarierten. Auf diese anf\u00e4nglichen Dynamiken folgte dann allerdings ein Jahrzehnt, in dem sich das komplexe Beziehungsgeflecht der drei Akteure zumindest oberfl\u00e4chlich durch eine neu gewonnene Stabilit\u00e4t auszeichnete. Denn letztlich \u00fcberwogen die gemeinsamen politischen und \u00f6konomischen Interessen der politischen F\u00fchrungen um George W. Bush und Hu Jintao ihre unter der Oberfl\u00e4che weiter brodelnden Differenzen um Taiwan (vgl. Sutter 2020: 217f.).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Wie fragil diese vermeintliche neue Stabilit\u00e4t allerdings sein sollte, zeigte sich infolge des eingangs erw\u00e4hnten \u201ePivot to Asia\u201c unter Obama im Jahr 2011. Als prim\u00e4res Ziel dieser Neujustierung der US-Au\u00dfenpolitik war von Vornherein erkennbar, dass China zun\u00e4chst auf seinem Weg zur dominierenden Macht im Indopazifik und langfristig zur globalen Gro\u00dfmacht behindert werden sollte (vgl. Na\u00df 2023: 60). 2012 wurde dann zudem Xi Jinping Generalsekret\u00e4r der Kommunistischen Partei Chinas und 2013 auch Pr\u00e4sident der VR China. Im Vergleich zu seinem Vorg\u00e4nger Hu scheute Xi von Anfang an nicht davor zur\u00fcck, seine au\u00dfenpolitische Vision von Chinas \u201eR\u00fcckkehr zu alter Gr\u00f6\u00dfe\u201c offen auszusprechen sowie seinen Worten durch unmissverst\u00e4ndliche politische und milit\u00e4rische Taten Nachdruck zu verleihen: Xi zufolge sollte China sich in m\u00f6glichst kurzer Zeit als Gro\u00dfmacht etablieren und die von den USA geschaffene und jahrzehntelang dominierte Weltordnung durch eine neue, von China ma\u00dfgeblich mitbestimmte neue Ordnung ersetzt werden (vgl. Na\u00df 2023: 32-34; Zhao 2023: 78f.). Ein elementarer Bestandteil dieser Vision war dabei von Beginn an auch die Eingliederung Taiwans in die Volksrepublik. Denn die vermeintliche Wiedervereinigung mit dem faktisch unabh\u00e4ngigen Inselstaat \u2013 der nie Teil der Volksrepublik war \u2013 sei, so Xi, aus au\u00dfenpolitischer Sicht eine notwendige Bedingung f\u00fcr Chinas weiteren Aufstieg (vgl. Na\u00df 2023: 84). Aus innenpolitischer Sicht k\u00f6nnte die Eingliederung Taiwans in die Volksrepublik Xi zudem \u201eein Level an politischer Unsterblichkeit in den Augen von Partei und Land sichern, welches dem Maos Konkurrenz macht\u201c (Rudd 2022: 99).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Doch obwohl Chinas Rhetorik und Handeln gegen\u00fcber den USA und Taiwan unter Xi von Anfang an deutlich offensiver wurden, waren die letzten Jahre der Obama-Administration von US-Seite aus dennoch durch einen abwartenden und meist konstruktiven Ansatz gegen\u00fcber China gepr\u00e4gt \u2013 der offene Konflikt wurde bewusst gescheut (vgl. Sutter 2020: 219f.). Eine Kehrtwende in der US-Politik gegen\u00fcber der Volksrepublik und damit verbunden auch gegen\u00fcber Taiwan sollte erst mit Trump erfolgen.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"die-taiwan-politik-der-usa-unter-donald-trump-und-joe-biden-2017-2025-kalkulierte-verhaertung-der-fronten\">Die Taiwan-&shy;Po&shy;litik der USA unter Donald Trump und Joe Biden (2017-2025): Kalkulierte Verh&auml;rtung der Fronten<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Um zu verstehen, warum sich die bereits seit Jahrzehnten angespannte politische Situation zwischen Taiwan und der Volksrepublik seit Beginn der ersten Amtszeit Donald Trumps im Jahr 2017 nochmals deutlich zugespitzt hat, m\u00fcssen alle drei Akteure in den Blick genommen werden: Zum einen hat Xi die Vereinigung mit Taiwan im Rahmen seiner nationalistischen Agenda zu einem zentralen politischen Ziel erkl\u00e4rt und seine Politik gegen\u00fcber Taiwan entsprechend aggressiv ausgerichtet. Zum anderen wird Taiwan seit 2016 von der im Vergleich zur KMT deutlich chinakritischeren Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) regiert. Im Gegensatz zur KMT strebt die DPP danach, den aktuellen Status Taiwans als <i>de facto<\/i> unabh\u00e4ngiger Staat weiter zu zementieren, ohne sich dabei jedoch <i>de jure<\/i> f\u00fcr unabh\u00e4ngig zu erkl\u00e4ren \u2013 wohlwissend, dass die Volksrepublik dies nicht hinnehmen und wohl milit\u00e4risch reagieren w\u00fcrde. Um faktisch auch auf lange Sicht unabh\u00e4ngig zu bleiben, k\u00fcndigte die 2016 gew\u00e4hlte taiwanische Pr\u00e4sidentin Tsai Ing-wen nach ihrer Wahl auch den \u201eKonsens von 1992\u201c mit der VR China auf, demzufolge sowohl Taiwan als auch China am \u201eEin-China-Prinzip\u201c sowie am Ziel der langfristigen Wiedervereinigung festhalten w\u00fcrden. Da dieser Konsens bis dato die Grundlage der Taiwan-Politik der VR China bildete, stellte Peking daraufhin jegliche direkte Kommunikation mit der taiwanischen Regierung ein. Die KMT hingegen schlie\u00dft eine (Wieder-)Vereinigung mit der Volksrepublik zumindest nicht kategorisch aus und w\u00fcrde die Gespr\u00e4chskan\u00e4le zur Volksrepublik gern wieder \u00f6ffnen, wenn sie wieder in Regierungsverantwortung k\u00e4me (vgl. Na\u00df 2023: 82; Schubert 2023: 278f.). Als dritte und nicht minder entscheidende Ursache f\u00fcr die aktuell hochangespannte Lage zwischen Taiwan und der VR China ist schlie\u00dflich die deutliche Neuausrichtung der Taiwan-Politik der USA unter Trump zu nennen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Der intensivierte Austausch zwischen den USA und Taiwan in Trumps erster Amtszeit (zwischen 2017 und 2021) ist vor allem vor dem Hintergrund der im Vergleich zu Obama deutlich konfrontativeren China-Politik Trumps und seiner Regierung zu betrachten: W\u00e4hrend Obama noch versuchte, Konflikte eher hinter verschlossenen T\u00fcren und durch Kompromisse zu l\u00f6sen, anstatt die chinesische Regierung \u00f6ffentlich zu attackieren, warf Trump China bereits 2016 in seinem Wahlkampf vor, die USA mit einer unfairen Wirtschaftspolitik zu \u201evergewaltigen\u201c (Diamond 2016). Konkret meinte Trump damit, dass China seine W\u00e4hrung gezielt manipuliere, um chinesische Exportg\u00fcter international wettbewerbsf\u00e4higer zu machen und damit der US-Wirtschaft zu schaden (vgl. Diamond 2016). Dementsprechend extrem richtete die Trump-Administration dann nicht nur ihre Rhetorik, sondern auch ihre Politik gegen\u00fcber der Volksrepublik aus. Konkret brach Trump einen Handelskrieg in Form von drastisch erh\u00f6hten Einfuhrz\u00f6llen auf chinesische Produkte und strikten Exportbeschr\u00e4nkungen f\u00fcr Produkte der Hochtechnologie nach China vom Zaun. Matthias Na\u00df (2023: 60f.), internationaler Korrespondent der ZEIT und ausgewiesener China-Experte, konstatiert in seiner aktuellen Monografie zum Konflikt zwischen China und den USA daher sogar, dass das Verh\u00e4ltnis der beiden M\u00e4chte nie schlechter gewesen sei als unter Trump. Wohlwissend um die geostrategische Bedeutung Taiwans im Konflikt mit China \u2013 auch hinsichtlich des komplexen, \u00fcber den Taiwan-Konflikt hinausgehenden Konfliktes im S\u00fcdchinesischen Meer<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote6sym\" name=\"sdendnote6anc\"><sup>vi<\/sup><\/a> \u2013 intensivierten die USA gleichzeitig ihre Beziehungen zum Inselstaat. Zum einen wurden in Trumps erster Amtszeit mehr Waffen als unter jedem anderen US-Pr\u00e4sidenten nach Taiwan exportiert. Zum anderen bewegten sich die USA auch auf diplomatischer Ebene deutlich auf Taiwan zu: Trumps Amtszeit startete \u2013 noch vor ihrem offiziellen Beginn im Januar 2017 \u2013 damit, dass er im Dezember 2016 einen Gratulationsanruf von Tsai Ing-wen, der damaligen Pr\u00e4sidentin Taiwans, entgegennahm, was die VR China als Angriff auf das \u201eEin-China-Prinzip\u201c auffasste; und sie endete damit, dass die Regierung Trump in ihren letzten Z\u00fcgen alle zuvor geltenden Beschr\u00e4nkungen im offiziellen Umgang mit taiwanischen Regierungsvertreter*innen aufhob \u2013 mit der Ausnahme, dass auch weiterhin keine taiwanische Flagge in staatlich-offiziellen Kontexten zu sehen sein darf (vgl. Na\u00df 2023: 87f.; Sutter 2020: 226f.).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Entgegen den Erwartungen und Hoffnungen der chinesischen Regierung setzte Joe Biden nach seiner Amts\u00fcbernahme im Januar 2021 die China- und Taiwan-Politik seines Vorg\u00e4ngers nahtlos fort. Antony Blinken, US-Au\u00dfenminister unter Biden, traf sich gar bereits vor der offiziellen \u00dcbernahme der Regierungsgesch\u00e4fte mit der damals h\u00f6chsten politischen Vertreterin Taiwans in den USA, Hsiao Bi-khim, zu Gespr\u00e4chen. Kurz darauf, im M\u00e4rz 2021, fand dann bereits das erste au\u00dfenpolitischen Spitzentreffen zwischen den USA und China nach Bidens Amtsantritt statt. Bei dem Treffen in Anchorage, Alaska, best\u00e4tigte sich schnell der Eindruck, dass sich in den sino-amerikanischen Beziehungen unter Biden zun\u00e4chst nicht signifikant etwas ver\u00e4ndern w\u00fcrde (vgl. Na\u00df 2023: 87-89; Rudd 2022: 301-303). Ausgehend von diesen fr\u00fchen, unmissverst\u00e4ndlichen Signalen Washingtons in Richtung China habe sich die Unterst\u00fctzung Taiwans, so Na\u00df (2023: 88), zu einer wichtigen au\u00dfenpolitischen Maxime der Biden-Regierung entwickelt. F\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit wurde diese Maxime besonders deutlich, als Biden im Oktober 2021 \u00fcberraschend klar formulierte, dass die USA Taiwan im Falle eines milit\u00e4rischen Angriffs durch die Volksrepublik in jedem Fall verteidigen w\u00fcrden (ZEIT Online 2021). \u00dcberraschend war die Formulierung Bidens f\u00fcr viele Beobachter*innen vor allem deshalb, weil sie durchaus als Bruch mit der bisher gefahrenen Strategie der Zweideutigkeit mit Blick auf den Taiwan-Konflikt interpretiert werden konnte. So hatten die USA Taiwan und China \u2013 zumindest \u00f6ffentlich \u2013 doch bis dato stets im Unklaren dar\u00fcber gelassen, ob die USA im Falle eines chinesischen Angriffs auf Taiwan tats\u00e4chlich Soldat*innen zur Verteidigung der Insel entsenden w\u00fcrden \u2013 oder vielmehr lediglich ihre Waffenlieferungen aufstocken w\u00fcrden, wie im Falle des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Die Formulierungen Bidens schienen nun aber genau diese bislang fehlende Eindeutigkeit herzustellen. Best\u00e4tigt wurde dies vom Wei\u00dfen Haus jedoch nie. So hielt die Biden-Administration offiziell weiter an ihrem Kurs der \u201estrategischen Ambiguit\u00e4t\u201c (Na\u00df 2023: 90) fest. Nichtsdestotrotz haben manche US-amerikanische Sicherheits- und Milit\u00e4rstrateg*innen der US-Regierung seit jenen \u00f6ffentlichen Aussagen Bidens wiederum \u00f6ffentlich dazu geraten, diese Strategie offiziell aufzugeben und damit strategische Klarheit zu schaffen. Auch wenn Bidens Regierung auf derartige Ratschl\u00e4ge offiziellen Verlautbarungen nach nicht weiter eingegangen ist, spricht die Taiwan-Politik der Biden-Administration doch eine recht eindeutige Sprache (vgl. Na\u00df 2023: 90f.).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">So betonten die USA unter Biden zum einen in internationalen Kommuniqu\u00e9s zunehmend explizit die Bedeutung von Frieden und Stabilit\u00e4t in der Taiwanstra\u00dfe. Zum anderen entsendeten sie neben weiteren R\u00fcstungsg\u00fctern auch milit\u00e4rische Ausbilder*innen und \u2013 unmittelbar nach dem Beginn des Ukraine-Krieges 2022 \u2013 eine hochrangige Delegation ehemaliger Milit\u00e4rs und Sicherheitspolitiker*innen nach Taiwan. Gleichzeitig wurde ein Zerst\u00f6rer der US-Marine in die Taiwanstra\u00dfe entsendet (vgl. Na\u00df 2023: 90f.). Als H\u00f6hepunkt der diplomatischen Besuche hochrangiger US-Repr\u00e4sentant*innen auf Taiwan kann dabei sicherlich der Besuch Nancy Pelosis in ihrem Amt als Sprecherin des US-Repr\u00e4sentantenhauses im Jahr 2022 betrachtet werden, von dem sich die chinesische Regierung besonders stark ver\u00e4rgert zeigte (vgl. Global Times 2022) \u2013 was vor dem Hintergrund Pelosis internationaler Prominenz sowie ihrer zentralen Position im politischen System der USA eine wenig \u00fcberraschende Reaktion seitens Chinas darstellte.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Derartige diplomatische und milit\u00e4rische Aktivit\u00e4ten der USA sind jedenfalls nicht nur aus Sicht von Expert*innen wie Na\u00df eindeutig und widersprechen damit der offiziell weiterhin ausgegebenen Losung der strategischen Zweideutigkeit, sondern werden auch in Peking gem\u00e4\u00df der Pr\u00e4misse, bei Taiwan handele es sich um eine abtr\u00fcnnige chinesische Provinz, eindeutig als unrechtm\u00e4\u00dfige Einmischung der USA in innerchinesische Angelegenheiten \u2013 und damit als Angriff auf die staatliche Souver\u00e4nit\u00e4t und Integrit\u00e4t der VR China \u2013 aufgefasst. Davon zeugen beispielsweise die regelm\u00e4\u00dfig, phasenweise beinahe im Tagesrhythmus in der international ausgerichteten KPCh-Parteizeitung Global Times ver\u00f6ffentlichten Aufforderungen an die USA, die Unterst\u00fctzung Taiwans unverz\u00fcglich einzustellen (vgl. Global Times 2024a; 2024b). Aus dieser Gemengelage heraus hat die chinesische Regierung insbesondere seit Ende 2021 nicht nur die offizielle Rhetorik gegen\u00fcber den USA noch weiter versch\u00e4rft \u2013 wie beispielsweise anhand der besagten Global-Times-Artikel erkennbar ist \u2013, sondern auch ihre milit\u00e4rischen Aktivit\u00e4ten in der Taiwanstra\u00dfe sowie in der taiwanischen Luftraum\u00fcberwachungszone \u2013 die vom nationalen Luftraum zu unterscheiden ist (vgl. Ebbighausen 2021) \u2013 nochmals massiv in H\u00e4ufigkeit und Umfang erh\u00f6ht (vgl. Jash 2024: 7). In dieses Bild f\u00fcgen sich auch die j\u00fcngsten, im Oktober und Dezember 2024 sowie Anfang April 2025 durchgef\u00fchrten und dabei abermals gro\u00df angelegten Milit\u00e4r\u00fcbungen der Volksbefreiungsarmee rund um Taiwan ein (vgl. Eyssel 2024; Pierson\/Chien 2024; ZEIT Online 2025). Die Man\u00f6ver aus dem vergangenen Dezember wurden von den meisten Beobachter*innen als unmittelbare Reaktion Chinas auf den USA-Besuch des erst seit Mai 2024 amtierenden taiwanischen Pr\u00e4sidenten Lai Ching-te (DPP) Anfang Dezember interpretiert. Taiwan reagierte mit Unverst\u00e4ndnis und warf China vor, mit derlei Man\u00f6vern die Sicherheit des gesamten Indopazifiks zu gef\u00e4hrden (vgl. Eyssel 2024). Ein Ende der sich immer weiterdrehenden Spirale aus Provokationen in der komplexen Dreiecksbeziehung Taiwan-USA-China ist folglich nicht in Sicht \u2013 vielmehr nimmt das Eskalationspotenzial stetig weiter zu.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"die-taiwan-politik-der-usa-unter-donald-trump-20-ab-2025-quo-vadis\">Die Taiwan-&shy;Po&shy;litik der USA unter Donald Trump 2.0 (ab 2025): Quo vadis?<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Ob der Konflikt allerdings tats\u00e4chlich in den kommenden Jahren eskalieren und Xi versuchen wird, seinen Traum der Einverleibung Taiwans Wirklichkeit werden zu lassen, ist zum aktuellen Zeitpunkt reine Spekulation. Schlicht zu viele der Faktoren, die hierbei eine Rolle spielen, sind mit gro\u00dfer Unsicherheit behaftet. Nichtsdestotrotz lassen sich aber diese Faktoren selbst benennen und mit Blick auf die n\u00e4here Zukunft zumindest in Umrissen skizzieren.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Ein entscheidender Faktor hinsichtlich der weiteren Entwicklung des Konfliktes um Taiwan ist das Agieren Taiwans selbst. Hierbei kommt es vor allem auf die Frage an, ob die taiwanische Regierung sich weiterhin mit der faktischen Unabh\u00e4ngigkeit Taiwans zufriedengibt oder sich k\u00fcnftig gar wieder auf die Volksrepublik zubewegt, oder sie vielmehr das Gegenteil tut und (langfristig) auch <i>de jure<\/i> auf Unabh\u00e4ngigkeit pocht. Letzteres Szenario erscheint unter den aktuellen politischen Bedingungen jedoch eher unwahrscheinlich. Zum einen ist das so, weil die VR China unter Xi dies unter keinen Umst\u00e4nden hinnehmen w\u00fcrde und auf eine formale Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung Taiwans aller Wahrscheinlichkeit nach tats\u00e4chlich mit einem milit\u00e4rischen Angriff auf die Insel reagieren w\u00fcrde (vgl. Na\u00df 2023: 85\/90\/246). Zum anderen ist das auch so, weil die USA genau dieses Szenario eines chinesischen Angriffs auf Taiwan bislang um jeden Preis vermeiden wollen, um nicht am Ende tats\u00e4chlich in die Situation eines \u201ehei\u00dfen\u201c Krieges mit der VR China gezwungen zu werden. Letztlich verfolgte die wachsende milit\u00e4rische und politische Unterst\u00fctzung Taiwans unter Trump und Biden genau Folgendes weiterhin als Ziel: einen Krieg um Taiwan mittels Abschreckung zu verhindern (vgl. Na\u00df 2023: 89-91). Realistischer erscheint daher aktuell, dass Taiwan \u2013 vor allem unter pr\u00e4sidialer F\u00fchrung der DPP \u2013 sich vorerst weiterhin mit seinem Status als <i>de facto<\/i> unabh\u00e4ngiger Staat arrangieren wird und gleichzeitig weiter intensiv daran arbeiten wird, sich f\u00fcr einen m\u00f6glichen Angriff Chinas zu wappnen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Ob es zu diesem Angriff kommt, entscheidet allerdings nicht nur das zuk\u00fcnftige Agieren Taiwans oder der USA, sondern auch und vor allem Xi, dessen Handeln entsprechend als zweiter entscheidender Faktor zu betrachten ist. W\u00e4hrend an Xis Ziel, Taiwan in die Volksrepublik einzugliedern, keinerlei Zweifel bestehen, so ist zumindest sein Zeitplan zur Erreichung dieses Ziels bislang unklar. Einsch\u00e4tzungen hochrangiger Gener\u00e4le und Admirale des US-Milit\u00e4rs sowie anerkannter Expert*innen f\u00fcr Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik, wie Kevin Rudd oder Bonnie Glaser, dazu beruhen \u00fcberwiegend auf Erw\u00e4gungen zur milit\u00e4rischen Schlagfertigkeit der Volksbefreiungsarmee in einem etwaigen Krieg mit Taiwan und entsprechend m\u00f6glicherweise auch den USA sowie \u2013 auch das ist angesichts der neuen US-Sicherheitsarchitektur im Indopazifik mittlerweile nicht mehr auszuschlie\u00dfen \u2013 seinen regionalen Verb\u00fcndeten Japan und Australien. Hierbei gehen die Einsch\u00e4tzungen sowohl dar\u00fcber, wann solch ein Angriff \u00fcberhaupt realistischerweise erfolgen k\u00f6nnte \u2013 bereits 2025 oder doch erst nach 2030? \u2013 als auch \u00fcber m\u00f6gliche Ausgangsszenarien eines Krieges um Taiwan erheblich auseinander beziehungsweise umfassen sie eine gro\u00dfe Bandbreite mehr oder weniger realistischer Szenarien (vgl. Na\u00df 2023: 85-87\/246; Rudd 2022: 331-340). Zum jetzigen Zeitpunkt herrscht demnach selbst unter Expert*innen keine Klarheit hinsichtlich dieser Fragen. Sicher ist nur, dass die Schlagfertigkeit des chinesischen Milit\u00e4rs stetig weiter zunimmt und China seinen Handlungsspielraum im Taiwan-Konflikt damit kontinuierlich erweitert (vgl. MERICS 2025: 5).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Hinzu kommt eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas in den kommenden Jahren. Denn dass der Volksrepublik angesichts ihrer rasant alternden Gesellschaft, einer bedrohlichen Immobilienblase, schw\u00e4chelnder Binnennachfrage sowie einer weiteren Eskalationsstufe im Handelskrieg mit den USA \u2013 worauf Trumps Handelspolitik seit Anfang April 2025 eindeutig zusteuert (vgl. Tagesschau 2025) \u2013 \u00f6konomisch herausfordernde Zeit bevorstehen, liegt auf der Hand (vgl. Kunath 2024; MERICS 2024: 3f.). Mit Blick auf Taiwan ist dies insofern von Bedeutung, als dass wirtschaftliche Stagnation die Gefahr daf\u00fcr erh\u00f6hen k\u00f6nnte, dass Xi sich zum Zweck seines eigenen Machterhalts in blindem Nationalismus und daraus resultierend einem kurzfristigen Angriff auf Taiwan verrennt. Ob Xi allerdings tats\u00e4chlich den Weg seines vermeintlichen Freundes Wladimir Putin beschreiten wird, der bekannterma\u00dfen aus zum Teil \u00e4hnlichen Motiven im Februar 2022 den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine begann, wird auch davon abh\u00e4ngen, ob Xi aus den offensichtlichen Fehlern Putins gelernt hat. Denn damals waren sich schlie\u00dflich wohl nicht nur Putin, sondern auch die meisten Beobachter*innen sicher, dass die Ukraine innerhalb weniger Tage, maximal Wochen fallen w\u00fcrde. So unterschiedlich die beiden F\u00e4lle trotz mancher Parallelen insgesamt auch gelagert sein m\u00f6gen, so hat der bis heute erfolgreiche Widerstand der Ukraine China vor Augen gef\u00fchrt, dass sich der Ausgang eines Krieges nicht immer seri\u00f6s vorhersagen l\u00e4sst. Dar\u00fcber hinaus haben die westlichen Sanktionen gegen Russland Xi erahnen lassen, womit auch China im Falle eines Angriffs auf Taiwan potenziell rechnen m\u00fcsste. Es ist demzufolge davon auszugehen, dass sich Xi und die chinesische Regierung der erheblichen Risiken, Taiwan innerhalb der n\u00e4chsten Jahre anzugreifen, durchaus bewusst sind. Ob sie bereit sind, diese Risiken dennoch einzugehen, bleibt f\u00fcr den Moment hingegen Spekulation \u2013 und wird nicht zuletzt auch davon abh\u00e4ngen, ob Trump weiterhin glaubw\u00fcrdig vermitteln kann und will, Taiwan im Ernstfall auch mit US-Truppen zu verteidigen. Denn ein Krieg mit den USA w\u00fcrde f\u00fcr Xi ein ungleich gr\u00f6\u00dferes Risiko darstellen als eine ausschlie\u00dflich gegen taiwanische Truppen gef\u00fchrte milit\u00e4rische Auseinandersetzung.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Angesichts all dieser Unsicherheiten bez\u00fcglich der kurz- und mittelfristigen Pl\u00e4ne Chinas mit Blick auf Taiwan, lohnt sich abschlie\u00dfend ein kurzer Ausblick auf den dritten und nicht minder entscheidenden Faktor: die k\u00fcnftige Taiwan-Politik der USA. Zur Frage, wie diese in der seit Anfang 2025 laufenden \u00c4ra Trump 2.0 aussehen wird, lassen sich nach Trumps Wahlkampf sowie seinen ersten Monaten im Amt einige Hypothesen aufstellen: Zwar hat Trump Taiwan im Zuge seines Wahlkampfes vorgeworfen, den USA ihre Halbleiterindustrie \u2013 eine, wenn nicht gar die Schl\u00fcsselindustrie des 21. Jahrhunderts \u2013 genommen zu haben. Auch hat er deutlich formuliert, was er von Taiwan im Gegenzug f\u00fcr die Zusicherung amerikanischer Unterst\u00fctzung im Ernstfall einfordert: n\u00e4mlich eine Vervierfachung der bisherigen Verteidigungsausgaben auf rund zehn Prozent seines Bruttoinlandsproduktes, um sich k\u00fcnftig selbst besser vor der Volksrepublik sch\u00fctzen zu k\u00f6nnen (vgl. Feaver 2024; Hioe 2024; ZEIT Online 2024). Damit f\u00e4hrt er in dieser Hinsicht gegen\u00fcber Taiwan voraussichtlich dieselbe Strategie wie gegen\u00fcber der NATO und ihren Mitgliedsstaaten, an die er bereits w\u00e4hrend seiner ersten Amtszeit \u00e4hnliche Forderungen richtete. Doch ist gleichzeitig aktuell fest davon auszugehen, dass Trump seinen 2017 begonnenen Handelskrieg mit der VR China \u00fcber seine zweite Amtszeit hinweg fortsetzen wird (vgl. MERICS 2024: 3; M\u00fchling 2024). Seine aggressive Zollpolitik, die zwar die meisten Staaten weltweit trifft, China allerdings auf besonders harte Weise, best\u00e4tigen diese Annahme bis auf Weiteres (vgl. Tagesschau 2025). Dadurch kommt Taiwan in seiner Position als global f\u00fchrender Akteur in der Halbleiterindustrie und damit kaum zu ersetzender strategischer Partner der USA im Handelskonflikt mit China \u2013 das selbstverst\u00e4ndlich ebenfalls Interesse an Taiwans Hochtechnologien hat \u2013 weiterhin eine kaum zu ermessende Bedeutung f\u00fcr Washington zu (vgl. Thome 2024: 261-263). Die Tatsache, dass die USA Halbleiter aus Taiwan von den Anfang April verh\u00e4ngten Z\u00f6llen auf taiwanische Importe explizit ausgenommen haben, unterstreicht diese Annahme nochmals (vgl. Tobin 2025). Zudem ist es weiterhin eines der zentralen au\u00dfenpolitischen Ziele Trumps und seiner Administration \u2013 wie bereits w\u00e4hrend seiner ersten Amtszeit \u2013, den Einfluss der VR China in jeglicher Hinsicht einzud\u00e4mmen \u2013 das hei\u00dft nicht nur in \u00f6konomischer, sondern vor allem auch geopolitischer Hinsicht. Und da Taiwan aufgrund seiner Lage im Osten des S\u00fcdchinesischen Meers sowohl in dem ebendort ausgetragenen Konflikt als auch im Ringen um Einfluss im Indopazifik im Allgemeinen eine geostrategisch zentrale Rolle einnimmt \u2013 man denke an die Metapher von Taiwan als \u201eunsinkbare[m] Flugzeugtr\u00e4ger der Amerikaner vor der K\u00fcste der Volksrepublik\u201c (Na\u00df 2023: 116) \u2013, d\u00fcrfte sich an der generellen Linie der zuletzt freundlichen Taiwan-Politik der USA aller polternden Wahlkampf-Rhetorik Trumps zum Trotz auch k\u00fcnftig kaum etwas \u00e4ndern (vgl. Soong 2024). F\u00fcr diese These spricht auch die Tatsache, dass Trump im Januar 2025 mit Marco Rubio einen erkl\u00e4rten Hardliner gegen\u00fcber China und Unterst\u00fctzer Taiwans zum Au\u00dfenminister berufen hat (vgl. Layne 2024; Simon\/Barenberg 2024).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Doch auch wenn die Wahrscheinlichkeit derzeit entsprechend gro\u00df zu sein scheint, dass die Taiwan-Politik der vergangenen acht Jahre unter Trump und Biden im Grundsatz nahtlos fortgesetzt werden wird, so ist und bleibt Trump ein immer wieder erratisch handelnder und damit unberechenbarer Politiker. Insbesondere in Krisensituationen, die ein Angriff Chinas auf Taiwan zweifelsohne w\u00e4re, ist damit ein enormes Potenzial an Unsicherheit verbunden. Auf den Konflikt um Taiwan bezogen scheint daher aktuell jegliche Art von Reaktion Trumps im Bereich des M\u00f6glichen zu liegen. Es bleibt somit lediglich zu hoffen, dass Xi die mit Trump verbundene Unsicherheit nicht als g\u00fcnstige Gelegenheit f\u00fcr einen baldigen Angriff auf den Inselstaat begreift, sondern vielmehr als unkalkulierbares Risiko betrachtet und damit vorerst von einem milit\u00e4rischen Angriff auf Taiwan und seinen Status als de facto unabh\u00e4ngige und lebendige liberale Demokratie absieht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">Lars C. Konheiser<\/strong> M.A., geb. 1994, ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut f\u00fcr Sinologie der Universit\u00e4t Freiburg. Aktuell forscht er im Rahmen seines Promotionsprojektes zu den politischen und gesellschaftlichen Dimensionen des Wintersports in der Volksrepublik China. Dar\u00fcber hinaus besch\u00e4ftigt er sich mit der gegenw\u00e4rtigen Rolle der Volksrepublik China in der internationalen Politik, insbesondere im Bereich der Menschenrechtspolitik.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"literatur\">Literatur<\/span><\/h3>\n<p align=\"justify\"><em>Congressional Research Service<\/em> 2023: Taiwan: The Origins of the U.S. One-China Policy, <a href=\"https:\/\/crsreports.congress.gov\/product\/pdf\/IF\/IF12503\/1\">https:\/\/crsreports.congress.gov\/product\/pdf\/IF\/IF12503\/1<\/a> (letzter Zugriff: 12.12.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Diamond, Jeremy<\/em> 2016: Trump: \u201eWe Can\u2019t Continue to Allow China to Rape Our Country\u201d, in: <em>CNN Politics<\/em> vom 02.05.2016; <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2016\/05\/01\/politics\/donald-trump-china-rape\/index.html\">https:\/\/edition.cnn.com\/2016\/05\/01\/politics\/donald-trump-china-rape\/index.html<\/a> (letzter Zugriff: 16.12.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Ebbighausen, Rodion<\/em> 2021: Taiwans Luftraum und Chinas Aggression, in: <em>Deutsche Welle<\/em> vom 04.10.2021; <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/taiwans-luftraum-und-chinas-aggression\/a-59398095\">https:\/\/www.dw.com\/de\/taiwans-luftraum-und-chinas-aggression\/a-59398095<\/a> (letzter Zugriff: 16.12.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Eyssel, Benjamin<\/em> 2024: Taiwan kritisiert neue Milit\u00e4raktionen Chinas, in: <em>Tagesschau.de<\/em> vom 11.12.2024; <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/asien\/china-taiwan-152.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/asien\/china-taiwan-152.html<\/a> (letzter Zugriff: 16.12.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Feaver, Peter D.<\/em> 2024: How Trump Will Change the World. The Contours and Consequences of a Second-Term Foreign Policy, in: <em>Foreign Affairs<\/em> vom 06.11.2024; <a href=\"https:\/\/www.foreignaffairs.com\/united-states\/how-trump-will-change-world\">https:\/\/www.foreignaffairs.com\/united-states\/how-trump-will-change-world<\/a> (letzter Zugriff: 17.12.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Freedom House<\/em> 2024: Country Report \u201eTaiwan\u201d, in: <em>Freedom in the World<\/em> 2024; <a href=\"https:\/\/freedomhouse.org\/country\/taiwan\/freedom-world\/2024\">https:\/\/freedomhouse.org\/country\/taiwan\/freedom-world\/2024<\/a> (letzter Zugriff: 16.12.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Global Times<\/em> 2022: Some Facts About Pelosi\u2019s Visit to Taiwan, in:<em> Global Times<\/em> vom 25.08.2022; <a href=\"https:\/\/www.globaltimes.cn\/page\/202208\/1273823.shtml\">https:\/\/www.globaltimes.cn\/page\/202208\/1273823.shtml<\/a> (letzter Zugriff: 16.12.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Global Times<\/em> 2024a: China\u2019s Determination to Defend its Natl Sovereignty, Territorial Integrity Is Inwavering, Chinese FM Says on Reports of Likely Military Drills Surrounding Taiwan Island, in: <em>Global Times<\/em> vom 06.12.2024; <a href=\"https:\/\/www.globaltimes.cn\/page\/202412\/1324484.shtml\">https:\/\/www.globaltimes.cn\/page\/202412\/1324484.shtml<\/a> (letzter Zugriff: 16.12.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\">Global Times 2024b: China Strongly Opposes US Sales of Drones and Missiles to Taiwan Island: FM Spokesperson, in: <em>Global Times<\/em> vom 20.06.2024; <a href=\"https:\/\/www.globaltimes.cn\/page\/202406\/1314533.shtml\">https:\/\/www.globaltimes.cn\/page\/202406\/1314533.shtml<\/a> (letzter Zugriff: 16.12.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Hioe, Brian<\/em> 2024: What Does Taiwan Think About Trump 2.0?, in: <em>The Diplomat<\/em> vom 15.11.2024; <a href=\"https:\/\/thediplomat.com\/2024\/11\/what-does-taiwan-think-about-trump-2-0\/\">https:\/\/thediplomat.com\/2024\/11\/what-does-taiwan-think-about-trump-2-0\/<\/a> (letzter Zugriff: 17.12.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Jash, Amrita<\/em> 2024: China\u2019s Military Exercises Around Taiwan: Trends and Patterns, in: <em>Global Taiwan Brief<\/em>, Jg. 9, H. 19, S. 6-9; <a href=\"https:\/\/globaltaiwan.org\/2024\/10\/chinas-military-exercises-around-taiwan-trends-and-patterns\/\">https:\/\/globaltaiwan.org\/2024\/10\/chinas-military-exercises-around-taiwan-trends-and-patterns\/<\/a> (letzter Zugriff: 12.12.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Kunath, Gero<\/em> 2024: Nachwehen der Ein-Kind-Politik: China im demografischen Wandel, in: <em>IW-Kurzbericht<\/em>, Jg. 2024, Nr. 10; <a href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/studien\/gero-kunath-china-im-demografischen-wandel.html\">https:\/\/www.iwkoeln.de\/studien\/gero-kunath-china-im-demografischen-wandel.html<\/a> (letzter Zugriff: 17.12.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Layne, Nathan<\/em> 2024: Rubio Says Trump Will Continue to Back Taiwan in a Second Term, in: <em>Reuters.com<\/em> vom 18.07.2024; <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/us\/senate-republican-rubio-defends-trump-over-taiwan-remarks-2024-07-18\/\">https:\/\/www.reuters.com\/world\/us\/senate-republican-rubio-defends-trump-over-taiwan-remarks-2024-07-18\/<\/a> (letzter Zugriff: 19.12.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>MERICS<\/em> 2024: China im Jahr 2025, in: <em>MERICS China Essentials<\/em>, Nr. 19 (Sonderausgabe); <a href=\"https:\/\/merics.org\/sites\/default\/files\/2024-12\/19%202024_MERICS%20China%20Essentials%20DE.pdf\">https:\/\/merics.org\/sites\/default\/files\/2024-12\/19%202024_MERICS%20China%20Essentials%20DE.pdf<\/a> (letzter Zugriff: 17.12.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>MERICS<\/em> 2025: Beijing schweigt zu Trump \u2013 aber Taten sagen mehr als Worte, in: <em>MERICS China Essentials<\/em>, Nr. 1; <a href=\"https:\/\/merics.org\/sites\/default\/files\/2025-01\/1%202025_MERICS%20China%20Essentials%20DE_1.pdf\">https:\/\/merics.org\/sites\/default\/files\/2025-01\/1%202025_MERICS%20China%20Essentials%20DE_1.pdf<\/a> (letzter Zugriff: 17.01.2025).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>M\u00fchling, Jens<\/em> 2024: Und dann ist da noch Taiwan; in: <em>ZEIT Online<\/em> vom 06.11.2014; <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/2024-11\/china-usa-donald-trump-wirtschaft-zoll-aussenpolitik\">https:\/\/www.zeit.de\/politik\/2024-11\/china-usa-donald-trump-wirtschaft-zoll-aussenpolitik<\/a> (letzter Zugriff: 17.12.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Na\u00df, Matthias<\/em> 2023: Kollision: China, die USA und der Kampf um die weltpolitische Vorherrschaft im Indopazifik, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Pierson, David\/Chien, Amy Chang<\/em> 2024: With Jets and Ships, China Is Honing Its Ability to Choke Taiwan, in: <em>New York Times<\/em> vom 16.10.2024; <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2024\/10\/16\/world\/asia\/china-taiwan-blockade-drills.html\">https:\/\/www.nytimes.com\/2024\/10\/16\/world\/asia\/china-taiwan-blockade-drills.html<\/a> (letzter Zugriff: 17.12.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Rudd, Kevin<\/em> 2022: The Avoidable War: The Dangers of a Catastrophic Conflict between the US and Xi Jinping\u2019s China, New York.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Schubert, Gunter<\/em> 2023: Das politische System Taiwans, in: Derichs, Claudia\/Heberer, Thomas\/Schubert, Gunter (Hrsg.): <em>Die politischen Systeme Ostasiens: Eine Einf\u00fchrung<\/em>, 4. Aufl., Wiesbaden, S. 257-302.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Shambaugh, David<\/em> 2013: Assessing the US \u201ePivot\u201d to Asia, in: <em>Strategic Studies Quarterly<\/em>, Jg. 7, H. 2 (Asia-Pacific Special Edition, Summer 2013), S. 10-19.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Simon, Doris\/Barenberg, Jasper<\/em> 2024: Trump belohnt treue Hardliner mit Regierungsposten, in: <em>Deutschlandfunk<\/em> vom 13.12.2024; <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/kabinett-trump-ii-usa-2025-100.html#Aussenpolitik\">https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/kabinett-trump-ii-usa-2025-100.html#Aussenpolitik<\/a> (letzter Zugriff: 19.12.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Soong, Claus<\/em> 2024: What a Trump Re-election Would Mean for Taiwan, in: <em>The Diplomat<\/em> vom 01.11.2024; <a href=\"https:\/\/thediplomat.com\/2024\/11\/what-a-trump-re-election-would-mean-for-taiwan\/\">https:\/\/thediplomat.com\/2024\/11\/what-a-trump-re-election-would-mean-for-taiwan\/<\/a> (letzter Zugriff: 17.12.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Sutter, Robert<\/em> 2020: China\u2019s Relations with the United States, in: Shambaugh, David (Hrsg.): <em>China and the World<\/em>, New York, S. 211-232.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Tagesschau<\/em> 2025: US-Aufschl\u00e4ge gelten &#8211; und sto\u00dfen auf Widerstand, in: <em>Tagesschau.de<\/em> vom 05.04.2025; <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/amerika\/us-zoelle-in-kraft-100.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/amerika\/us-zoelle-in-kraft-100.html<\/a> (letzter Zugriff: 07.04.2025).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Thome, Stephan<\/em> 2024: Schmales Gew\u00e4sser, gef\u00e4hrliche Str\u00f6mung: \u00fcber den Konflikt in der Taiwanstra\u00dfe, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Tobin, Meaghan<\/em> 2025: Trump&#8217;s Tariffs Don&#8217;t Apply to Chips, but Taiwan Remains Wary, in: <em>New York Times<\/em> vom 03.04.2025; <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2025\/04\/03\/business\/trump-tariffs-taiwan-chips.html\">https:\/\/www.nytimes.com\/2025\/04\/03\/business\/trump-tariffs-taiwan-chips.html<\/a> (letzter Zugriff: 08.04.2025).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Wang, Qi<\/em> 2021: Xi Tackles Taiwan Question, Shows Steel-like Determination and Confidence in Reunification, in: <em>Global Times<\/em> vom 01.07.2021; <a href=\"https:\/\/www.globaltimes.cn\/page\/202107\/1227633.shtml\">https:\/\/www.globaltimes.cn\/page\/202107\/1227633.shtml<\/a> (letzter Zugriff: 10.12.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>ZEIT Online<\/em> 2021: USA w\u00fcrden Taiwan gegen Angriff Chinas verteidigen, in: <em>ZEIT Online<\/em> vom 22.10.2021; <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2021-10\/usa-joe-biden-china-taiwan-cnn-townhall\">https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2021-10\/usa-joe-biden-china-taiwan-cnn-townhall<\/a> (letzter Zugriff: 16.12.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>ZEIT Online<\/em> 2024: Donald Trump fordert Geld von Taiwan f\u00fcr Schutz vor China, in: <em>ZEIT Online<\/em> vom 17.07.2024; <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2024-07\/china-taiwan-konflikt-us-unterstuetzung-donald-trump\">https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2024-07\/china-taiwan-konflikt-us-unterstuetzung-donald-trump<\/a> (letzter Zugriff: 17.12.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>ZEIT Online<\/em> 2025: China beendet nach zwei Tagen Milit\u00e4rman\u00f6ver vor Taiwan, in: <em>ZEIT Online<\/em> vom 02.04.2025; <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-04\/china-taiwan-militaeruebung-beendet-streit\">https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-04\/china-taiwan-militaeruebung-beendet-streit<\/a> (letzter Zugriff: 07.04.2025).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Zhao, Suisheng<\/em> 2023: The Dragon Roars Back: Transformational Leaders and Dynamics of Chinese Foreign Policy, Stanford.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen:<\/span><\/h3>\n<div id=\"sdendnote1\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote1anc\" name=\"sdendnote1sym\">i <\/a>Im Folgenden auch kurz als <i>China<\/i> bezeichnet.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote2\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote2anc\" name=\"sdendnote2sym\">ii <\/a>Die Kuomintang (KMT) war die im chinesischen B\u00fcrgerkrieg von 1927 bis 1949 gegen\u00fcber der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) unterlegene Partei. Mit ihrer Niederlage im Jahr 1949 flohen die f\u00fchrenden K\u00f6pfe der Partei vom Festland \u2013 das hei\u00dft aus der heutigen Volksrepublik China \u2013 auf die Insel Taiwan und f\u00fchrten dort die Existenz der Republik China fort, zun\u00e4chst in Form einer autorit\u00e4ren Einparteienherrschaft unter F\u00fchrung Chiang Kai-sheks. Im heutigen demokratischen Taiwan ist die Kuomintang noch immer eine relevante politische Partei.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote3\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote3anc\" name=\"sdendnote3sym\">iii <\/a>Das \u201eEin-China-Prinzip\u201c bezeichnet die von der VR China vertretene Pr\u00e4misse, dass es nur ein China gebe, das zus\u00e4tzlich zu dem von der Volksrepublik kontrollierten Festland (inklusive Macau und Hongkong) auch die faktisch unabh\u00e4ngige Republik China auf Taiwan umfasse. Die Anerkennung und Einhaltung dieser Pr\u00e4misse wird zudem seitens der VR China von allen Staaten, mit denen sie offizielle diplomatische Beziehungen f\u00fchrt, streng eingefordert; das hei\u00dft, die Anerkennung des \u201eEin-China-Prinzips\u201c ist eine Bedingung f\u00fcr jeglichen weiteren diplomatischen Austausch.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote4\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote4anc\" name=\"sdendnote4sym\">iv <\/a>W\u00f6rtliche Zitate, die im Original in englischer Sprache verfasst sind, wurden der besseren Lesbarkeit halber vom Verfasser dieses Beitrags ins Deutsche \u00fcbersetzt.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote5\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote5anc\" name=\"sdendnote5sym\">v <\/a>Der \u201ePivot to Asia\u201c der USA meint die Neujustierung der US-Au\u00dfenpolitik in der ersten Amtszeit Obamas, bei der die Indopazifik-Region eine h\u00f6here Priorit\u00e4t bekommen sollte.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote6\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote6anc\" name=\"sdendnote6sym\">vi <\/a>Das S\u00fcdchinesische Meer ist als Teil der Indopazifik-Region einer der Hauptschaupl\u00e4tze des Ringens um geopolitischen Einfluss zwischen der VR China auf der einen und den USA auf der anderen Seite. Allerdings wird im S\u00fcdchinesischen Meer nicht nur der Konflikt zwischen den beiden Gro\u00dfm\u00e4chten ausgetragen, sondern vor allem ereignen sich dort bereits seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs Territorialkonflikte zwischen der VR China und mehreren s\u00fcdostasiatischen Anrainerstaaten um diverse Inselgruppen, wobei es sowohl um sicherheitspolitische als auch \u00f6konomische Interessen in Form von Zugang zu Rohstoffen geht. Beteiligt an den zahlreichen Konflikten sind neben der VR China prim\u00e4r Taiwan, Malaysia, Brunei, Indonesien, Vietnam und die Philippinen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[6],"tags":[4171,4162,678,4166,4174,4173,4176,4172,4163,3650,667,4175],"autoren":[4170],"publikationen":[4140],"class_list":["post-20015","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","category-frieden","tag-china","tag-donald-trump","tag-frieden","tag-internationale-politik","tag-joe-biden","tag-korea-krieg","tag-ostasien","tag-taiwan","tag-trump","tag-usa","tag-vorgaenge-artikel","tag-xi-jinpings","autoren-lars-konheiser","publikationen-vorg-249"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Vom Koreakrieg bis zu Trump 2.0: Die Taiwan-Politik der USA im Wandel der Zeit - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-249\/publikation\/vom-koreakrieg-bis-zu-trump-2-0-die-taiwan-politik-der-usa-im-wandel-der-zeit\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Vom Koreakrieg bis zu Trump 2.0: Die Taiwan-Politik der USA im Wandel der Zeit - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Welche Auswirkungen k\u00f6nnte die Wiederwahl von Donald Trump zum US-Pr\u00e4sidenten auf Taiwan haben? 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