{"id":20459,"date":"2026-03-19T12:09:25","date_gmt":"2026-03-19T11:09:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=20459"},"modified":"2026-03-19T12:09:25","modified_gmt":"2026-03-19T11:09:25","slug":"frieden-braucht-konfliktbearbeitung-auch-in-deutschland","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-253\/publikation\/frieden-braucht-konfliktbearbeitung-auch-in-deutschland\/","title":{"rendered":"Frieden braucht Konfliktbearbeitung \u2013 auch in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Seit dem Beginn des vollumf\u00e4nglichen Angriffs Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 wird dar\u00fcber diskutiert, ob es noch eine relevante Friedensbewegung in Deutschland gibt und welche Rolle sie spielen kann oder soll (z. B. Gassert 2022). Au\u00dfer einer gro\u00dfen Demonstration am 27. Februar 2022 in Berlin mit \u00fcber 200.000 Teilnehmer*innen gab es keine Gro\u00dfaktionen analog zu den Massenprotesten gegen die Stationierung von Pershing II-Mittelstreckenraketen und Cruise Missiles Anfang der 1980er Jahre. Trotzdem gibt es ein bedeutsames Friedensengagement in Deutschland \u2013 sowohl hinsichtlich des Ukrainekriegs als auch anderer Kriege und Konflikte. Es findet allerdings auf andere Weise statt als vor 40 Jahren.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"im-kalten-krieg-ostermaersche-kriegsdienstverweigerung-und-grossdemonstrationen\">Im Kalten Krieg: Oster&shy;m&auml;r&shy;sche, Kriegs&shy;dienst&shy;ver&shy;wei&shy;ge&shy;rung und Gro&szlig;de&shy;mon&shy;s&shy;tra&shy;ti&shy;onen<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die alte Bundesrepublik hat immer wieder \u00f6ffentliche Auseinandersetzungen um Milit\u00e4r und R\u00fcstung erlebt. Das begann mit der Auseinandersetzung um die Wiederbewaffnung Anfang der 1950er und setzte sich mit dem Widerstand gegen die Stationierung von Atomwaffen (Stichwort: \u201eKampf dem Atomtod!\u201c) fort. Anfang der 1960er Jahre begannen die Osterm\u00e4rsche, Ende des Jahrzehnts gab es gro\u00dfe Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg und die Notstandsgesetze, ab den 1970er Jahren nahm die Zahl der Kriegsdienstverweigerer stetig zu, und Anfang der 1980er gab es Massenproteste gegen die Stationierung von Pershing II-Mittelstreckenraketen und Cruise Missiles (vgl. Finckh-Kr\u00e4mer 2019). Gemeinsam war diesen Protesten, dass sie sich gegen Krieg und Aufr\u00fcstung richteten. Ansonsten waren die Beteiligten und ihre jeweiligen Motivationen sehr unterschiedlich. Die Massenproteste hatten jeweils einen konkreten Anlass und eine konkrete Forderung. Die Teilnehmer*innen der Ostermarschbewegung handelten \u2013 wie die Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgr\u00fcnden \u2013 eher aus einer grunds\u00e4tzlichen Haltung heraus, wobei auch diese sehr unterschiedlich sein konnte. Wer vor allem bef\u00fcrchtete, dass Deutschland durch einen Atomkrieg zerst\u00f6rt werden k\u00f6nnte, war erleichtert, als nach dem Ende des Kalten Krieges fast alle Atomwaffen aus Deutschland abgezogen wurden, und sah sein Ziel im Wesentlichen erreicht. Wer jedoch eine umfassendere Vorstellung von <i>Frieden<\/i> hatte, blieb oft auch nach dem Ende des Kalten Krieges aktiv.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"nach-dem-kalten-krieg-neue-themen-und-organisationen\">Nach dem Kalten Krieg: neue Themen und Organi&shy;sa&shy;ti&shy;onen<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">So wuchs seit den 1990er Jahren die Zahl der Organisationen stark an, die sich um unterschiedlichste Aspekte von Frieden k\u00fcmmern. Sie beziehen sich oft auf einen Friedensbegriff, der Frieden nicht als Zustand, sondern als einen Prozess definiert, in dem Not und Gewalt abnehmen und Gerechtigkeit und kulturelle Vielfalt zunehmen (in einem umfassenden Sinne, der soziale Gerechtigkeit und gleiche Rechte aller Menschen mit umfasst). Die Gro\u00dfdemonstration in Berlin am 15. Februar 2003 gegen den drohenden Angriffskrieg der USA auf den Irak, die das Nachrichtenmagazin Spiegel (2003) als gr\u00f6\u00dfte Friedensdemonstration in der Geschichte der Bundesrepublik bezeichnete und an der Polizeiangaben zufolge 500.000 Menschen teilnahmen, zeigte, dass \u2013 wie zur gleichen Zeit in vielen anderen L\u00e4ndern auch \u2013 eine kurzfristige Mobilisierung mit einer konkreten, von vielen Menschen geteilten Antikriegsforderung (\u201eNein zum Irakkrieg!\u201c) weiterhin m\u00f6glich war.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Auch im staatlichen Bereich wurde in einem gewissen Umfang konkretes Friedenshandeln verankert. 1986 wurde die M\u00f6glichkeit geschaffen, den urspr\u00fcnglich als Wehrersatzdienst eingef\u00fchrten Zivildienst in sozialen Einrichtungen im Ausland abzuleisten. Die Einsatzstellen wurden oft im Kontext von Friedens- und Vers\u00f6hnungsarbeit durch Mitgliedsorganisationen der Aktionsgemeinschaft Dienst f\u00fcr den Frieden (AGDF)<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote1sym\" name=\"sdendnote1anc\"><sup>i<\/sup><\/a> verwaltet. 1998 wurde der Zivile Friedensdienst (ZFD)<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote2sym\" name=\"sdendnote2anc\"><sup>ii<\/sup><\/a> als Fachdienst der Entwicklungszusammenarbeit eingef\u00fchrt, seit 2001 gibt es die Arbeitsgemeinschaft Frieden und Entwicklung (FriEnt),<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote3sym\" name=\"sdendnote3anc\"><sup>iii<\/sup><\/a> in der staatliche Organisationen, kirchliche Hilfswerke, zivilgesellschaftliche Netzwerke und politische Stiftungen zusammenarbeiten. Aus dem Etat des Ausw\u00e4rtigen Amtes werden durch das Institut f\u00fcr Auslandsbeziehungen (ifa) durch das F\u00f6rderprogramm zivik international Projekte gef\u00f6rdert, die zivile Konfliktbearbeitung als Fokus haben oder hatten.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote4sym\" name=\"sdendnote4anc\"><sup>iv<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">In der DDR war es dagegen nicht m\u00f6glich, Massenproteste gegen nukleare Aufr\u00fcstung zu organisieren. Es gab auch kein Recht auf Kriegsdienstverweigerung, sondern nur die M\u00f6glichkeit, als \u201eBausoldat\u201c einen waffenlosen Dienst bei der Nationalen Volksarmee abzuleisten. Es gab jedoch eine kirchliche Friedensbewegung, die den Slogan <i>Schwerter zu Pflugscharen<\/i> verwendete. Eine Arbeitsgruppe, die vom Kirchenbund der DDR eingesetzt wurde, legte 1983 eine Studie mit dem Titel <i>Sicherheitspartnerschaft und Frieden in Europa &#8211; Aufgabe der Deutschen Staaten, Verantwortung der deutschen Kirchen<\/i> vor. Auf Basis der Ergebnisse dieser Studie verabschiedete die Synode des Kirchenbundes im September 1983 eine Erkl\u00e4rung, die eine \u201eAbsage an Geist, Logik und Praxis der Abschreckung\u201c enthielt (vgl. Koch 1992). Daher entstanden nach der Wiedervereinigung auch in den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern Organisationen, die sich aktiv f\u00fcr Frieden engagierten, beispielsweise der Friedenskreis Halle (Saale).<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote5sym\" name=\"sdendnote5anc\"><sup>v<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die traditionelle Antikriegsbewegung in Deutschland nach Beginn des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 konnte trotz der Gro\u00dfdemonstration am 27. Februar 2022 nicht ernsthaft zu einer Massenbewegung werden. Das hatte mehrere Ursachen. Von Anfang an war es mehr als fraglich, ob sich der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin von Demonstrationen in Deutschland beeindrucken lie\u00dfe \u2013 die Gro\u00dfdemonstration hatte jedenfalls keinen Effekt, und Antikriegsaktionen in Russland wurden schnell und gewaltsam unterdr\u00fcckt. Ziemlich schnell wurden in Deutschland auch unaufl\u00f6sbare Differenzen in der Einsch\u00e4tzung der Ursachen f\u00fcr diesen Krieg sichtbar. Dass nicht nur die Partei die Linke, sondern auch die AfD und das von der Linken abgespaltene BSW mit pauschalen Rufen nach \u201eFrieden\u201c in diversen Wahlk\u00e4mpfen um Stimmen warben, erschwerte eine Einigung auf gemeinsame Forderungen f\u00fcr alle traditionellen Friedensgruppen zus\u00e4tzlich.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Dagegen konnten die konstruktiv friedensorientierten Organisationen ihre Arbeit fortsetzen und teilweise sogar ausbauen, wenn auch zum Teil unter erschwerten Bedingungen. Denn sie hatten nicht nur teilweise Partnerorganisationen in Russland oder der Ukraine, sondern mussten sich ab dem 7. Oktober 2023 zus\u00e4tzlich mit dem Terroranschlag der Hamas auf Israel und den darauffolgenden Milit\u00e4rschl\u00e4gen Israels auf Gaza und den Libanon befassen \u2013 das gilt vor allem f\u00fcr die Organisationen, die im arabischen Raum Partnerorganisationen hatten und haben. Gleichzeitig war und ist die \u00f6ffentliche Diskussion \u00fcber beide Kriege extrem polarisiert, so dass Stellungnahmen sehr sorgf\u00e4ltig formuliert werden mussten und m\u00fcssen und trotzdem immer wieder missverstanden werden.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"frieden-und-konflikt\">Frieden und Konflikt<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Kein Krieg, keine gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzung entsteht ohne Ursache. Ihnen liegen immer ein oder mehrere miteinander verkn\u00fcpfte Konflikt(e) zu Grunde. Deswegen werden Frieden und Konflikt oft zusammen betrachtet. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass eine konstruktive, gewaltfreie Konfliktbearbeitung Krieg und Gewalt verhindern kann. So gibt es seit Jahrzehnten die Fachrichtung Friedens- und Konfliktforschung an deutschen Universit\u00e4ten. Die zugeh\u00f6rige Fachgesellschaft hei\u00dft Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Friedens- und Konfliktforschung (afk)<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote6sym\" name=\"sdendnote6anc\"><sup>vi<\/sup><\/a> und wurde 1968 gegr\u00fcndet. Von 1970 bis 1982 gab es die auf Initiative des damaligen Bundespr\u00e4sidenten Gustav Heinemann gegr\u00fcndete Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Friedens- und Konfliktforschung, die wissenschaftliche Forschung auf diesem Gebiet finanziell unterst\u00fctzte. Dasselbe gilt f\u00fcr die im Jahr 2000 gegr\u00fcndete Deutsche Stiftung Friedensforschung, auch wenn sie den Begriff <i>Konflikt<\/i> nicht im Namen f\u00fchrt.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote7sym\" name=\"sdendnote7anc\"><sup>vii<\/sup><\/a> Viele Friedens- und Konfliktforscher*innen waren und sind friedenspolitisch aktiv und gaben und geben denjenigen, die sich friedenspolitisch engagieren, fundierte Analysen und Argumente an die Hand. Teilweise wurden auch au\u00dferhalb von oder in Zusammenarbeit mit Universit\u00e4ten Friedensforschungsinstitute gegr\u00fcndet und aus Landesmitteln unterst\u00fctzt, insbesondere die Hessische Stiftung f\u00fcr Friedens- und Konfliktforschung (HSFK \u2013 inzwischen Peace Research Institute Frankfurt, PRIF),<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote8sym\" name=\"sdendnote8anc\"><sup>viii<\/sup><\/a> das Institut f\u00fcr Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universit\u00e4t Hamburg (IFSH)<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote9sym\" name=\"sdendnote9anc\"><sup>ix<\/sup><\/a> und das Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC). Die Berghof Foundation wiederum ist eine private Stiftung, die wissenschaftliche Arbeit zum Thema Konfliktbearbeitung\/conflict transformation und konkreten Einsatz in Konfliktregionen sowie Friedensp\u00e4dagogik miteinander verbindet.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote10sym\" name=\"sdendnote10anc\"><sup>x<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Konflikte sind allgegenw\u00e4rtig, von der Familie oder Nachbarschaft bis zu Konflikten zwischen Staaten oder Staatengemeinschaften. Interessanterweise \u00e4hneln sie sich unabh\u00e4ngig von Gr\u00f6\u00dfenordnung, Komplexit\u00e4t, Zahl der Beteiligten und Art der Austragung in der Art und Weise, wie sie eskalieren (k\u00f6nnen). Der \u00d6konom und Konfliktforscher Friedrich Glasl hat ein vor allem im deutschen Sprachraum weit verbreitetes Phasenmodell der Konflikteskalation in drei Hauptphasen und neun Stufen entwickelt, das zur Analyse von sehr unterschiedlichen Konflikten dienen kann. Im Konzept der <i>Friedenslogik<\/i>, das im Rahmen der Arbeit der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote11sym\" name=\"sdendnote11anc\"><sup>xi<\/sup><\/a> entwickelt wurde, werden gesellschaftliche Konflikte, die ohne manifeste Gewalt ausgetragen werden, und bewaffnete Konflikte nach den gleichen Grunds\u00e4tzen analysiert (vgl. Birckenbach 2023).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Expert*innen der Friedens- und Konfliktforschung sind aktuell am ehesten bereit und in der Lage, in der eskalierten Debatte um die Kriege in der Ukraine und in Gaza faktenbasierte Analysen zur Verf\u00fcgung zu stellen, die nicht sofort falsch interpretiert und skandalisiert werden.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"konfliktbearbeitung-im-eigenen-land-als-engagement-fuer-den-frieden\">Konflikt&shy;be&shy;a&shy;r&shy;bei&shy;tung im eigenen Land als Engagement f&uuml;r den Frieden<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Wer Frieden nicht als Zustand, sondern als Prozess definiert, stellt fr\u00fcher oder sp\u00e4ter fest, dass es auch in einem Land wie Deutschland noch einiges in Bezug auf die Reduzierung von Not und Gewalt sowie die Herstellung von Gerechtigkeit und gleichberechtigter Teilhabe verschiedener Bev\u00f6lkerungsgruppen zu tun gibt. Es ist auch un\u00fcbersehbar, dass es, verglichen mit der alten Bundesrepublik, mehr und nicht weniger Konflikte um diese Themen gibt. \u201eDemokratien wie die Bundesrepublik m\u00fcssen st\u00e4ndig scheinbar oder tats\u00e4chlich unvereinbare Ziele und Interessen verschiedener Gruppen und Parteien in Einklang bringen, also Konflikte l\u00f6sen. Es geht um Verteilungskonflikte, Rangordnungskonflikte, Identit\u00e4tskonflikte und vieles mehr.\u201c (Zick 2025: 21) Daher haben seit Ende des Kalten Krieges zahlreiche Friedensorganisationen ihre Fachkunde zu Frieden und Konflikt in Deutschland eingebracht. Die ersten Pilotprojekte zu Streitschlichtung an Schulen, kommunaler Konfliktbearbeitung, Mediation oder gewaltfreiem Umgang mit Mobbing an Schulen (<i>no blame approach<\/i>) in Deutschland wurden in Friedensorganisationen wie der Werkstatt f\u00fcr Gewaltfreie Aktion<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote12sym\" name=\"sdendnote12anc\"><sup>xii<\/sup><\/a> oder dem Bund f\u00fcr Soziale Verteidigung<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote13sym\" name=\"sdendnote13anc\"><sup>xiii<\/sup><\/a> entwickelt \u2013 wobei die entsprechenden Ans\u00e4tze aus dem angels\u00e4chsischen Raum stammten und an deutsche Verh\u00e4ltnisse angepasst wurden. Die Plattform Zivile Konfliktbearbeitung, die sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit ziviler Konfliktbearbeitung au\u00dferhalb Deutschlands befasst, hatte 20 Jahre lang die Arbeitsgruppe \u201ezivile Konfliktbearbeitung im Inland\u201c. Die in dieser AG Aktiven haben sich jahrelang daf\u00fcr eingesetzt, dass im F\u00f6rderprogramm \u201eDemokratie leben\u201c die Konfliktbearbeitung als eigenst\u00e4ndiger F\u00f6rderschwerpunkt verankert wird \u2013 mit Erfolg: Seit Januar 2025 gibt es den Kooperationsverbund Demokratische Konfliktbearbeitung im Bundesprogramm \u201eDemokratie leben\u201c, der unter anderem eine bundeszentrale Infrastruktur f\u00fcr Konfliktbearbeitung entwickeln soll.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote14sym\" name=\"sdendnote14anc\"><sup>xiv<\/sup><\/a> Den Kooperationsverbund bilden sieben Organisationen aus der internationalen Friedensarbeit, der Demokratief\u00f6rderung und der Sozialen Arbeit. Bereits 2024 hat ein Gr\u00fcndungstreffen f\u00fcr das Bundesnetzwerk Konfliktbearbeitung<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote15sym\" name=\"sdendnote15anc\"><sup>xv<\/sup><\/a> stattgefunden, an dem nicht nur weitere Organisationen und Personen aus den genannten Arbeitsbereichen, sondern auch aus der Friedens- und Konfliktforschung beteiligt waren. Aktuell (Stand: Januar 2026) sind \u00fcber 40 Organisationen an diesem Netzwerk beteiligt.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"ausblick\">Ausblick<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Es war in Deutschland ein langer Weg vom (gescheiterten) Kampf gegen die Wiederbewaffnung bis zur Vielfalt der im weiten Sinne friedenspolitischen Organisationen und Initiativen, die es heute trotz eines weitgehend von Sicherheitsthemen und Kriegs\u00e4ngsten dominierten \u00f6ffentlichen Diskurses gibt. Als j\u00fcngste Protestbewegung im doppelten Sinne zeichnet sich aktuell eine Sch\u00fclerbewegung gegen die Wiedereinf\u00fchrung von Wehrerfassung und Musterung ab, die mit der Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 ebenfalls ausgesetzt worden war: Am 5. Dezember 2025 demonstrierten bundesweit mehrere zehntausend \u00fcberwiegend sehr junge Menschen mit dem Slogan <i>Schulstreik gegen Wehrpflicht<\/i>. Auch wenn abzuwarten sein wird, wie sich diese Bewegung entwickelt: Sie ist ein klares Zeichen f\u00fcr einen Generationenkonflikt. Denn w\u00e4hrend Umfragen regelm\u00e4\u00dfig auf die erwachsene Gesamtbev\u00f6lkerung bezogen deutliche Mehrheiten f\u00fcr eine Reaktivierung der Wehrpflicht oder f\u00fcr eine allgemeine Dienstpflicht ergeben, sprechen sich ebenso regelm\u00e4\u00dfig die Mehrheit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen gegen beides aus. Dahinter steckt ein tiefer gehender Konflikt um Zukunftschancen und ungleich verteilte Risiken, so dass eine St\u00e4rkung der demokratischen Konfliktbearbeitung absolut sinnvoll, wenn nicht sogar dringend geboten erscheint.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">Dr. <\/strong><strong class=\"western\">Ute Finckh-Kr\u00e4mer<\/strong> geb. 1956, Dr. rer. nat., MdB a.D. (2013-2017, unter anderem im Ausw\u00e4rtigen Ausschuss). Sie ist Co-Vorsitzende des Sprecher*innenrates der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung. Zahlreiche Ver\u00f6ffentlichungen zu friedenspolitischen Themen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"literatur\">Literatur<\/span><\/h3>\n<p align=\"justify\"><em>Birckenbach, Hanne-Margret<\/em> 2023: Friedenslogik verstehen. Frieden hat man nicht, Frieden muss man machen, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Finckh-Kr\u00e4mer, Ute<\/em> 2019: Friedensbewegung, in: Gie\u00dfmann, Hans J.\/Rinke, Bernhard (Hrsg.): <em>Handbuch Frieden<\/em>, Wiesbaden, S. 123-132.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Gassert, Philipp <\/em>2022: Wo ist die Lobby der Pazifisten hin? Die Friedensbewegung ist mit Russlands \u00dcberfall auf die Ukraine heimatlos. \u00dcber die Urspr\u00fcnge des Pazifismus und warum vieles an der Zeitenwende geschichtsvergessen ist, in: <em>Zeit-Online<\/em> vom 29.05.2022, <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2022-05\/pazifismus-friedensbewegung-ukraine-deutschland-geschichte\/komplettansicht\">https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2022-05\/pazifismus-friedensbewegung-ukraine-deutschland-geschichte\/komplettansicht<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Koch, Uwe <\/em>1992: Friedensethik versus Milit\u00e4rseelsorge. Die Sicht der evangelischen Kirchen in den neuen L\u00e4ndern, in: <em>Jahrbuch Frieden 1992<\/em>, M\u00fcnchen, S. 163-172, <a href=\"https:\/\/www.militaerseelsorge-abschaffen.de\/texte\/uwe-koch-militarseelsorge\/\">https:\/\/www.militaerseelsorge-abschaffen.de\/texte\/uwe-koch-militarseelsorge\/<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Spiegel <\/em>2003: Gr\u00f6\u00dfte Friedensdemonstration in der Geschichte der Bundesrepublik, in: <em>Spiegel<\/em>\u00a0vom 15.02.2003, <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/a-235314.html\">https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/a-235314.html<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Sternberg, Jan <\/em>2025: Tausende Sch\u00fcler streiken bundesweit gegen das neue Wehrdienstgesetz, in: <em>Frankfurter Rundschau<\/em> vom 05.12.2025, <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/hintergrund\/tausende-schueler-streiken-bundesweit-gegen-das-neue-wehrdienstgesetz-94071201.html\">https:\/\/www.fr.de\/hintergrund\/tausende-schueler-streiken-bundesweit-gegen-das-neue-wehrdienstgesetz-94071201.html<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Zick, Andreas<\/em> 2025: Demokratie am Kipppunkt \u2013 Verschiebungen in der Mitte und die Normalisierung des Rechtsextremismus \u2013 eine Hinf\u00fchrung zur Mitte-Studie 2024\/25, in: Zick, Andreas et al. (Hrsg.): <em>Die angespannte Mitte. Rechtsextreme und demokratiegef\u00e4hrdende Einstellungen in Deutschland 2024\/25<\/em>, Bonn, S. 19-39.<\/p>\n<p align=\"justify\">\n<h3 class=\"\"><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen<\/span><\/h3>\n<div id=\"sdendnote1\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote1anc\" name=\"sdendnote1sym\">i <\/a><a href=\"https:\/\/friedensdienst.de\/\">https:\/\/friedensdienst.de\/<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote2\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote2anc\" name=\"sdendnote2sym\">ii <\/a><a href=\"https:\/\/www.ziviler-friedensdienst.org\">https:\/\/www.ziviler-friedensdienst.org<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote3\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote3anc\" name=\"sdendnote3sym\">iii <\/a><a href=\"https:\/\/frient.de\/\">https:\/\/frient.de\/<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote4\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote4anc\" name=\"sdendnote4sym\">iv <\/a><a href=\"https:\/\/www.ifa.de\/foerderungen\/zivik\/\">https:\/\/www.ifa.de\/foerderungen\/zivik\/<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote5\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote5anc\" name=\"sdendnote5sym\">v <\/a><a href=\"https:\/\/www.friedenskreis-halle.de\/\">https:\/\/www.friedenskreis-halle.de\/<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote6\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote6anc\" name=\"sdendnote6sym\">vi <\/a><a href=\"https:\/\/afk-web.de\/\">https:\/\/afk-web.de\/<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote7\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote7anc\" name=\"sdendnote7sym\">vii <\/a><a href=\"https:\/\/bundesstiftung-friedensforschung.de\/\">https:\/\/bundesstiftung-friedensforschung.de\/<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote8\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote8anc\" name=\"sdendnote8sym\">viii <\/a><a href=\"https:\/\/www.prif.org\/\">https:\/\/www.prif.org\/<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote9\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote9anc\" name=\"sdendnote9sym\">ix <\/a><a href=\"https:\/\/www.ifsh.de\/\">https:\/\/www.ifsh.de\/<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote10\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote10anc\" name=\"sdendnote10sym\">x <\/a><a href=\"https:\/\/berghof-foundation.org\/\">https:\/\/berghof-foundation.org\/<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote11\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote11anc\" name=\"sdendnote11sym\">xi <\/a><a href=\"https:\/\/pzkb.de\/\">https:\/\/pzkb.de\/<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote12\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote12anc\" name=\"sdendnote12sym\">xii <\/a><a href=\"https:\/\/wfga.de\/\">https:\/\/wfga.de\/<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote13\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote13anc\" name=\"sdendnote13sym\">xiii <\/a><a href=\"https:\/\/soziale-verteidigung.de\/\">https:\/\/soziale-verteidigung.de\/<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote14\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote14anc\" name=\"sdendnote14sym\">xiv <\/a><a href=\"https:\/\/www.demokratische-konfliktbearbeitung.de\/\">https:\/\/www.demokratische-konfliktbearbeitung.de\/<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote15\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote15anc\" name=\"sdendnote15sym\">xv <\/a><a href=\"https:\/\/www.konfliktbearbeitung.org\/\">https:\/\/www.konfliktbearbeitung.org\/<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[6],"tags":[],"autoren":[164],"publikationen":[4546],"class_list":["post-20459","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","category-frieden","autoren-ute-finckh-kraemer","publikationen-vorg-253"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Frieden braucht Konfliktbearbeitung \u2013 auch in Deutschland - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-253\/publikation\/frieden-braucht-konfliktbearbeitung-auch-in-deutschland\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Frieden braucht Konfliktbearbeitung \u2013 auch in Deutschland - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Seit dem Beginn des vollumf\u00e4nglichen Angriffs Russlands auf die Ukraine am 24. 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