{"id":7592,"date":"2011-07-26T14:04:00","date_gmt":"2011-07-26T12:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/thema\/stellungnahme-der-humanistischen-union-zum-beschaeftigtendatenschutz\/"},"modified":"2021-09-05T18:00:23","modified_gmt":"2021-09-05T16:00:23","slug":"stellungnahme-der-humanistischen-union-zum-beschaeftigtendatenschutz-2","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/213-mitteilungen\/publikation\/stellungnahme-der-humanistischen-union-zum-beschaeftigtendatenschutz-2\/","title":{"rendered":"Stellungnahme der Humanistischen Union zum Besch\u00e4ftigtendatenschutz"},"content":{"rendered":"<p><i>Mitteilungen Nr. 213 (2\/2011)<\/i><\/p>\n<p><i>Die Humanistische Union hat anl&auml;sslich einer Anh&ouml;rung des Bundestags-Innenausschusses am 23. Mai 2011 eine Stellungnahme zu den Gesetzentw&uuml;rfen der Bundesregierung (Drs. 17\/4230), der Fraktion B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen (Drs. 17\/4853) und der Fraktion der SPD (Drs. 17\/69) zum Datenschutz f&uuml;r Besch&auml;ftigte abgegeben. Wir dokumentieren hier die Kurzfassung. Eine ausf&uuml;hrliche Kritik zum Gesetzentwurf der Bundesregierung kann in der HU-Gesch&auml;ftsstelle oder auf der Webseite abgerufen werden: <\/i><a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/themen\/datenschutz\/\"><i>www.humanistische-union.de\/themen\/datenschutz<\/i><\/a><i>.<\/i><\/p>\n<p>Der von der Bundesregierung vorgelegte Entwurf ist aus b&uuml;rgerrechtlicher Sicht abzulehnen, weil er lediglich das Bundesdatenschutzgesetz aufbl&auml;ht, ohne den Grundsatz der informationellen Selbstbestimmung der Besch&auml;ftigten im Arbeitsverh&auml;ltnis wirklich einzul&ouml;sen. Vorrang hat in diesem Gesetzentwurf der Ansatz der &#8222;compliance&#8220; (Befolgung der Regeln eines Unternehmens) und der Kampf gegen Korruption sowie &Uuml;berwachung der Arbeitnehmer\/innen. Erneut lehnt die Bundesregierung die seit Jahrzehnten erhobene Forderung nach einem eigenst&auml;ndigen Gesetz f&uuml;r die Besch&auml;ftigten in der Privatwirtschaft und bei &ouml;ffentlichen Stellen ab. Die von der Regierung vorgelegten Erg&auml;nzungen des Bundesdatenschutzgesetzes st&auml;rken nicht die Schutzrechte der Besch&auml;ftigten, sondern die Kontrollm&ouml;glichkeiten des Arbeitgebers. Aus b&uuml;rgerrechtlicher Sicht sind in dem vorliegenden Gesetzentwurf der Bundesregierung insbes. abzulehnen:<\/p>\n<p>1. Die weitreichenden Regelungen zugunsten der Arbeitgeber bei der Bewerbung und Einstellung der Besch&auml;ftigten. Insbesondere der neue Paragraph 32 Absatz 4 bis 6 er&ouml;ffnet dem Arbeitgeber ein unzul&auml;ssig breites Feld, bei der Bewerbung intimste pers&ouml;nliche Daten und Informationen zu sammeln. Aus Sicht der Humanistischen Union ist es unzul&auml;ssig, dass ein kirchlicher Arbeitgeber zum Beispiel &#8222;die religi&ouml;se &Uuml;berzeugung&#8220; oder die &#8222;religi&ouml;se Weltanschauung&#8220; testen und Daten dar&uuml;ber sammeln darf. Auch die M&ouml;glichkeiten f&uuml;r einen politischen Arbeitgeber verletzen den Grundsatz der Meinungs- und Koalitionsfreiheit sowie den Grundsatz eines sparsamen Umgangs mit pers&ouml;nlichen Daten: er darf die &#8222;politische Meinung&#8220; erfragen und die Gewerkschaftszugeh&ouml;rigkeit. Abzulehnen ist auch der Zugriff des Arbeitgebers auf die sozialen Netzwerke. Hier sieht der Gesetzentwurf der Bundesregierung in einer sehr schwammigen Formulierung vor: &#8222;Bei Daten aus sozialen Netzwerken, die der elektronischen Kommunikation dienen, &uuml;berwiegt das schutzw&uuml;rdige Interesse des Besch&auml;ftigten; dies gilt nicht f&uuml;r soziale Netzwerke, die zur Darstellung der beruflichen Qualifikation ihrer Mitglieder bestimmt sind.&#8220; Die Interpretation, wie weit das schutzw&uuml;rdige Interesse &uuml;berwiegt, liegt also beim Arbeitgeber. Dem Bewerber\/der Bewerberin werden in dem Gesetzentwurf keinerlei Rechte auf Einsicht oder Widerspruch einger&auml;umt.<\/p>\n<p>2. In der Praxis gehen Arbeitgeber vor allem in den Gro&szlig;unternehmen der Privatwirtschaft heute davon aus, dass Bewerbungen &uuml;ber das Internet erfolgen. Hier sind Datenschutzregelungen besonders gefordert. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung geht auf diese Praxis nicht ein. Aus b&uuml;rgerrechtlicher Sicht ist eine Regelung erforderlich, wie sie der Gesetzentwurf der Fraktion B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen im Paragraph 6 (vor allem im Absatz 3) vorsieht.<\/p>\n<p>3. Schwammig, weitreichend und vieldeutig sind auch die Regelungen zur Video&uuml;berwachung (&sect; 32f) und zu den Ortungssystemen (&sect; 32g). Die Zul&auml;ssigkeit der Video&uuml;berwachung zum Beispiel &#8222;zur Abwehr von Gefahren f&uuml;r die Sicherheit des Betriebs&#8220; ist eine Generalvollmacht. Bei den Ortungssystemen hat der Besch&auml;ftigte kein eigenst&auml;ndiges Auskunfts- und Informationsrecht: Erkennbarkeit und Auswertung des Ortungssystems liegt allein beim Arbeitgeber.<\/p>\n<p>4. Die Gesetzentw&uuml;rfe der SPD und von B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen sehen umfangreiche Einsichts-, Auskunfts- und Korrekturrechte des\/der Besch&auml;ftigten vor. Sie fehlen im Gesetzentwurf der Bundesregierung, damit wird das Mitwirkungs- und das Transparenzgebot verletzt. Diese geh&ouml;ren aber zu den Kernbestandteilen eines wirksamen Besch&auml;ftigtendatenschutzes.<\/p>\n<p>5. Aus b&uuml;rgerrechtlicher Sicht erforderlich ist auch ein Ma&szlig;regelungsverbot, wie es unter anderem der Gesetzentwurf der SPD-Fraktion vorsieht (&sect; 24).<\/p>\n<p>6. Im Gesetzentwurf der Bundesregierung fehlt ein Beauftragter (eine Beauftragte) f&uuml;r den Besch&auml;ftigtendatenschutz. Er ist in den beiden Alternativentw&uuml;rfen enthalten.<\/p>\n<p>7. V&ouml;llig inakzeptabel ist aus Sicht der Humanistischen Union der geplante &sect; 32l im Gesetzentwurf der Bundesregierung (Einwilligung, Geltung f&uuml;r Dritte, Rechte der Interessenvertretungen, Beschwerderecht, Unabdingbarkeit). &sect; 32l verst&ouml;&szlig;t gegen Art. 28 Abs. 4 der EG-Datenschutzrichtlinie (95\/46\/EG). Die in Abs. 4 des Entwurfs getroffene Regelung, dass sich Arbeitnehmer\/innen erst an eine zust&auml;ndige Beh&ouml;rde wenden k&ouml;nnen, wenn der Arbeitgeber einer entsprechenden Beschwerde nicht abgeholfen hat, verst&ouml;&szlig;t gegen europ&auml;isches Recht. Gem&auml;&szlig; Art. 28 Abs. 4 der Datenschutzricht- linie muss jeder Person vorbehaltlos das Recht einger&auml;umt werden, sich mit der Bitte, die Rechtm&auml;&szlig;igkeit einer Datenverarbeitung &uuml;berpr&uuml;fen zu lassen, an eine Kontrollstelle wenden zu k&ouml;nnen. Die in der Richtlinie enthaltenen Vorgaben stellen eine Mindestanforderung dar, an die der deutsche Gesetzgeber gebunden ist.<br \/>Der Humanistischen Union ist es wichtig, diese Vorschrift in Zusammenhang mit &sect; 32e des Entwurfs zu setzen (Datenerhebung ohne Kenntnis des Besch&auml;ftigten zur Aufdeckung und Verhinderung von Straftaten und anderen schwerwiegenden Pflichtverletzungen im Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnis). W&auml;hrend &sect; 32e dem Arbeitgeber die M&ouml;glichkeit gibt, Besch&auml;ftigte bei Verdacht einer Straftat heimlich zu &uuml;berwachen, sollen Besch&auml;ftigte verpflichtet werden, ihren Arbeitgeber zu informieren, wenn sie das Gef&uuml;hl haben, dass dieser sie &uuml;berwacht. Liest ein Arbeitgeber aber zum Beispiel unberechtigt die privaten E-Mails eines Besch&auml;ftigten, so stellt dies ebenfalls eine Straftat dar (&sect; 202a StGB &ndash; Aussp&auml;hen von Daten).<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[12],"tags":[],"autoren":[],"publikationen":[2874],"class_list":["post-7592","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","category-datenschutz","publikationen-213-mitteilungen"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Stellungnahme der Humanistischen Union zum Besch\u00e4ftigtendatenschutz - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/213-mitteilungen\/publikation\/stellungnahme-der-humanistischen-union-zum-beschaeftigtendatenschutz-2\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Stellungnahme der Humanistischen Union zum Besch\u00e4ftigtendatenschutz - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Mitteilungen Nr. 213 (2\/2011) Die Humanistische Union hat anl&auml;sslich einer Anh&ouml;rung des Bundestags-Innenausschusses am 23. 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