{"id":8586,"date":"2018-08-01T23:10:00","date_gmt":"2018-08-01T21:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/machtkartelle-im-sport-ohnmacht-der-kontrolleure-1\/"},"modified":"2021-08-30T15:42:54","modified_gmt":"2021-08-30T13:42:54","slug":"machtkartelle-im-sport-ohnmacht-der-kontrolleure-1","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/223\/publikation\/machtkartelle-im-sport-ohnmacht-der-kontrolleure-1\/","title":{"rendered":"Machtkartelle im Sport \u0096 Ohnmacht der Kontrolleure?"},"content":{"rendered":"<p>in: vorg&auml;nge Nr. 223 (3\/2018), S. 31-38<\/p>\n<p><i>Machtmissbrauch, Korruption, Doping, Spielmanipulationen und Menschenrechtsverletzungen &ndash; die Probleme, mit denen sich IOC, FIFA und andere internationale Sportorganisationen auseinandersetzen m&uuml;ssen, sind vielf&auml;ltig. Da kommt der Ruf nach Kontrolle auf &#8211; wer aber k&ouml;nnten die Kontrolleure sein? Was die M&ouml;glichkeiten der internationalen Politik zur Einflussnahme angeht, besteht Skepsis, ist es doch gerade die enge Verflechtung von Politik, Wirtschaft und Medien mit den Funktion&auml;ren und Sportstars, die Interessenkonflikte und Fehlverhalten beg&uuml;nstigt. Wie es gehen k&ouml;nnte, haben Sponsoren gezeigt, die &ndash; besorgt um ihre Reputation &ndash; Druck auf die gef&ouml;rderten Verb&auml;nde aus&uuml;ben. W&uuml;rden sich alle Akteure auf ihre eigene Rolle besinnen und die n&ouml;tige professionelle Distanz wahren, sich selber an Gesetze halten sowie internationale Instrumente z.B. zu Compliance und Sorgfalt betr. Menschenrechte nutzen, k&ouml;nnte die Reform der Sportorganisationen entscheidend vorangebracht werden. F&uuml;r den weltweiten Erfolg kommt dabei der St&auml;rkung zivilgesellschaftlicher Elemente des Sports auf allen Ebenen die gr&ouml;&szlig;te Bedeutung zu.<\/i><\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"krisenerscheinungen-im-sport\">Krise&shy;n&shy;er&shy;schei&shy;nungen im Sport<\/span><\/h2>\n<p>Bei Machtkartellen im Sport kann es ja nur um das <i>Internationale Olympische Komitee<\/i> (IOC) oder die <i>F&eacute;d&eacute;ration Internationale de Football Associations <\/i>(FIFA) gehen &ndash; die beiden Spitzenorganisationen sind seit Jahren weltweit in der Kritik. Immer wieder kommen Vorw&uuml;rfe von Machtmissbrauch oder Korruption hoch, Schlagzeilen zu Menschenrechtsverletzungen (nicht nur) bei Gro&szlig;veranstaltungen dr&auml;ngen in den Vordergrund, Spielmanipulationen zum Zwecke des Wettbetrugs bedrohen die Essenz des Wettkampfsports und das Doping-Problem bekommt schon seit langem niemand in den Griff. Also wird der Ruf nach Kontrolleuren laut &ndash; aber wer sollte das sein?<\/p>\n<p>Soweit es um strafbares Verhalten geht, ist die Antwort einfach. Staatliche Strafverfolgungsbeh&ouml;rden vom FBI &uuml;ber Scotland Yard bis zur deutschen Steuerfahndung sind ebenso wie <i>Europol<\/i> und <i>Interpol <\/i>mit Korruptions- und Betrugsf&auml;llen im Sport befasst.&nbsp; F&uuml;r die Themen Doping sowie Spielmanipulation (&#8222;<i>Match-Fixing<\/i>&#8222;) wurden in Deutschland Sonderstaatsanwaltschaften und sogar eigens neue Gesetze geschaffen, letztere allerdings auf dogmatisch umstrittener Grundlage und mit bislang nur &auml;u&szlig;erst geringer Wirkung. Kartellrechtliche Fragen, u.a. hinsichtlich Fernsehvertr&auml;gen oder Wettkampfformaten, haben die Kartellbeh&ouml;rden national bzw. in der Europ&auml;ischen Union im Blick.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"kontrollbehoerde-fuer-die-fifa\">Kontroll&shy;be&shy;h&ouml;rde f&uuml;r die FIFA?<\/span><\/h2>\n<p>Einen konkreten Ruf nach mehr Kontrolle konnte man am 22. Dezember 2017 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) lesen: Unter der &Uuml;berschrift <i>&#8222;Nehmt der FIFA das Spiel aus den H&auml;nden!&#8220;<\/i> pl&auml;dieren drei ehemalige Mitglieder des <i>FIFA Governance-Komitees<\/i> &ndash; Miguel Maduro (als Vorsitzender im Mai 2017 nicht wieder zur Wahl vorgeschlagen) sowie Navi Pilay und Joseph Weiler (als Mitglieder aus Solidarit&auml;t mit dem ausscheidenden Maduro zur&uuml;ckgetreten) &ndash; <i>&#8222;F&uuml;r ein entschlossenes T&auml;tigwerden von au&szlig;en&#8220;<\/i>. &#8222;&Ouml;ffentliche Beh&ouml;rden&#8220; sollen &#8222;Kontrollaufgaben&#8220; &uuml;bernehmen.<\/p>\n<p>Perfekt &ndash; endlich eine L&ouml;sung f&uuml;r die Probleme im internationalen Sport: Weg mit den Verb&auml;nden, her mit den Beh&ouml;rden. Nur &ndash; was f&uuml;r Beh&ouml;rden? Wer schafft die von den drei Jurist*innen geforderte &#8222;<i>unabh&auml;ngige Agentur<\/i>&#8220; mit den &#8222;<i>Kompetenzen &hellip; zu &uuml;berpr&uuml;fen und zu beaufsichtigen<\/i>&#8220; und vor allem: auf welcher Legitimationsgrundlage?<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"europarat-und-europaeische-union\">Europarat und Europ&auml;ische Union <\/span><\/h2>\n<p>Schauen wir uns die Auswahl an m&ouml;glichen Beh&ouml;rden bzw. von Institutionen, die eine solche Beh&ouml;rde neu schaffen sollen, an. Konkret benannt wird in dem FAZ-Artikel der Europarat, dessen Generalsekret&auml;r Thorbj&oslash;rn Jagland laut Meldungen vom 10. Januar 2018 gerade die Gemeinsamkeiten mit der FIFA bei <i>Good Governance <\/i>und Menschenrechten gelobt und mit FIFA-Pr&auml;sident Gianni Infantino den Abschluss eines <i>Memorandum of Understanding <\/i>bis Ende des Jahres 2018 vereinbart hat. Das Parlament des Europarats hat seinerseits am 24. Januar 2018 den Bericht der Abgeordneten Anne Brasseur aus Luxemburg zur &#8222;<i>Good football Governance<\/i>&#8220; diskutiert. In der dazu beschlossenen Resolution 2199 (2018) werden zwar die weltweiten Defizite des Fu&szlig;balls drastisch beschrieben, zugleich sind aber die Fortschritte von FIFA und UEFA (<i>Union of European Football Associations<\/i>) bei der <i>Governance<\/i> und den Menschenrechten positiv herausgestellt. Von Kontrolle und Aufsicht kein Wort; stattdessen kommt der Vorschlag, gemeinsam mit IOC, FIFA und UEFA die Machbarkeit einer unabh&auml;ngigen Einrichtung, die ein <i>Assessment der Governance <\/i>vornehmen soll, zu pr&uuml;fen. Das klingt nicht so, als wolle da jemand der FIFA das Spiel aus den H&auml;nden nehmen.<\/p>\n<p>Das Gleiche l&auml;sst sich f&uuml;r die Europ&auml;ische Union (EU) feststellen. Abgesehen davon, dass diese f&uuml;r internationale Verb&auml;nde mit Sitz in der Schweiz &ndash; wie IOC, FIFA und UEFA &ndash; nicht zust&auml;ndig ist und allenfalls auf Umwegen versuchen kann, Einfluss zu nehmen, f&uuml;hren die Erfahrungen in den Expertengruppen der EU zu <i>Good Governance <\/i>im Sport zur Ern&uuml;chterung: Ein z&auml;hes Ringen unter den L&auml;ndervertretern um Formulierungen, oft sp&uuml;rbar mit der Bef&uuml;rchtung, man k&ouml;nnte irgendwem &ndash; sei es ein Mitgliedsland oder ein m&auml;chtiger Sportverband &ndash; auf die F&uuml;&szlig;e treten. Das ist das Kleinklein der Politik, als demokratischer Prozess durchaus nachvollziehbar &ndash; aber einen entscheidenden Schub in Richtung Reform oder gar tatkr&auml;ftige Kontrolle f&uuml;r IOC, FIFA&nbsp; oder UEFA darf man sich von diesem kleinsten gemeinsamen Nenner nicht erwarten.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"die-politik-als-kern-des-problems\">Die Politik als Kern des Problems<\/span><\/h2>\n<p>&Uuml;berhaupt, die Politik. Ausl&ouml;ser der in dem FAZ-Artikel zum Ausdruck kommenden Ver&auml;rgerung der drei fr&uuml;heren FIFA-Funktionstr&auml;ger*innen waren Widerst&auml;nde innerhalb der FIFA-F&uuml;hrung gegen die Entscheidung des <i>Governance-Komitees<\/i>, den Pr&auml;sidenten des Russischen Fu&szlig;ballverbandes, Vitali Mutko, zugleich Vize-Ministerpr&auml;sident der Russischen Konf&ouml;deration, nicht zur Wahl f&uuml;r das FIFA-Council im Mai 2017 zuzulassen. Zwar setzte sich das <i>Governance-Komitee <\/i>damit durch, genauso wie mit seiner Unterst&uuml;tzung auch weitreichende Schritte in der Menschenrechtspolitik erfolgreich auf den Weg gebracht wurden, aber an der FIFA-Basis grummelte es. Dies f&uuml;hrte dazu, dass das <i>FIFA-Council <\/i>mit Pr&auml;sident Gianni Infantino an der Spitze nicht, wie erwartet, den bisherigen Vorsitzenden Maduro zur Wahl vorschlug, sondern dem Kongress einen anderen, aus Sicht der Delegierten unbelasteten Besetzungsvorschlag unterbreitete. Das mag man feige nennen; man k&ouml;nnte daraus auch schlie&szlig;en, dass Infantinos Macht begrenzt ist. Man kann es kritisieren &ndash; aber das ist Politik. Mehrheiten m&uuml;ssen gebildet, Wahlen gewonnen, Kompromisse, auch in Personalfragen, geschlossen, werden. So l&auml;uft das in allen Parteien, in allen L&auml;ndern und auch in den Parlamenten. Die Politik und ihre Machtspielchen k&ouml;nnen wahrlich nicht als das Allheilmittel f&uuml;r den Sport dargestellt oder zur Kontrolle herangezogen werden. Im Gegenteil:<\/p>\n<p>Gerade die Einmischung der Politik &ndash; siehe auch Mutkos Rolle als Sportminister im Hinblick auf die Doping-Manipulationen bei den Olympischen Winterspielen und Paralympics 2014 in Sotschi &ndash; ist ein wesentlicher Teil, wenn nicht der Kern des Problems von Machtkartellen im Sport. Die enge Verflechtung von Politik, Wirtschaft und Medien (der Sport finanziert sich neben den Sponsoreneinnahmen vor allem &uuml;ber den Verkauf von Fernsehrechten) mit den Sportstars und Funktion&auml;ren bildet &uuml;berhaupt erst das eigentliche Machtkartell im Sport. Nur durch diese gleichgerichteten Interessen &ndash; man k&ouml;nnte in einigen F&auml;llen auch sagen: Komplizenschaft &ndash; konnte sich die M&auml;r vom sauberen Sport so lange halten. Die Politik hat &uuml;ber Jahrzehnte einen Schutzwall um den Sport gebaut, auch in demokratisch gef&uuml;hrten L&auml;ndern. Potentaten wie Oligarchen (miss)brauchen zudem den Sport f&uuml;r ihr &bdquo;<i>Image Laundering<\/i>&ldquo; (Hill 2008), die Wirtschaft &ndash; deutsche Konzerne eingeschlossen &ndash; schielt nach den globalen Absatzm&auml;rkten und gemeinsam mit Fernsehanstalten und Zeitungen nach Reichweite bzw. Auflage (bei der Sport-Berichterstattung sind die wenigsten Journalist*innen investigativ unterwegs). Wer im &Uuml;brigen meint, die ungute Vermengung von Politik und Sport g&auml;be es in Deutschland nicht, schaue sich aktuell die Ermittlungen um den Landessportverband Saarland an oder denke an die Reihe von Abgeordneten im Sportausschuss des Deutschen Bundestages, die zugleich F&uuml;hrungsfunktionen in nationalen Sportverb&auml;nden besetzten &ndash; weitere Beispiele lassen sich auf allen Ebenen finden.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"druck-von-donald-trump\">Druck von Donald Trump<\/span><\/h2>\n<p>Zuletzt war es US-Pr&auml;sident Donald Trump, der in seiner unnachahmlichen Art ein besonders krasses Beispiel f&uuml;r politischen Druck auf den Sport abgab. Er twitterte am 27.&nbsp;April 2018:<\/p>\n<p><i>&#8222;The U.S. has put together a STRONG bid w\/ Canada &amp; Mexico for the 2026 World Cup. It would be a shame if countries that we always support were to lobby against the U.S. bid. Why should we be supporting these countries when they don&rsquo;t support us (including at the United Nations)?&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Zwar wies die FIFA sofort distanziert-indigniert auf ihre Ethikregeln f&uuml;r die Bewerbung hin, doch wie soll ein Sportverband den US-Pr&auml;sidenten z&auml;hmen? Und wie steht es um die Entscheidungsfreiheit der Delegierten beim FIFA-Kongress zur Wahl zwischen den Bewerbungen von Marokko einerseits und der <i>United Bid <\/i>(USA\/Kanada\/Mexiko) andererseits?<\/p>\n<p>Angesichts solcher Ausw&uuml;chse w&uuml;nscht man sich weder staatliche Kontroll-Beh&ouml;rden f&uuml;r die Sportorganisationen noch l&auml;sst sich politische Einflussnahme auf den Sport &uuml;berhaupt als L&ouml;sung propagieren.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"verflechtung-mit-der-wirtschaft\">Verflech&shy;tung mit der Wirtschaft<\/span><\/h2>\n<p>Genauso wenig l&auml;sst sich von der Wirtschaft erwarten &ndash; jedenfalls solange es nicht nur um reines Business geht, sondern die Emotionen mitspielen. Bestes Beispiel daf&uuml;r ist der Aufsichtsrat des FC Bayern M&uuml;nchen, in dem deutsche Wirtschaftsf&uuml;hrer angesichts des Steuerstrafverfahrens gegen Uli Hoene&szlig; mit ihren eigenen <i>Compliance<\/i>-Anspr&uuml;chen in Widerspruch gerieten; von Oligarchen und Neureichen, die sich inzwischen von Spitzenvereinen &uuml;ber Radteams bis zu internationalen Gro&szlig;events in den Sport einkaufen, gar nicht zu reden. Auch Fernsehanstalten k&ouml;nnen beim Kauf von TV-Rechten in einem Zwiespalt landen &ndash; erinnert sei an die ARD als Sponsor des <i>Team Telekom<\/i> um Jan Ullrich mit ihren &Uuml;bertragungen der <i>Tour de France <\/i>bis 2008. Ganz zu schweigen von eigener Verwicklung in rechtswidriges Vorgehen &ndash; bei den Korruptionsermittlungen des FBI gegen FIFA-Funktion&auml;re in S&uuml;damerika sa&szlig;en u.a. US-Unternehmen als Zahler von Bestechungssummen mit auf der Anklagebank. &Uuml;berhaupt werden die Sportrechte als ein Einfallstor f&uuml;r Machtmissbrauch von Funktion&auml;ren gesehen.<\/p>\n<p>Doch aus der Wirtschaft kamen auch die ersten Absetzbewegungen aus dem Interessengeflecht des Sports &ndash; zumindest die Global Player m&uuml;ssen inzwischen zunehmend auf ihre Reputation achten. Als es bei der FIFA zu ungem&uuml;tlich wurde angesichts immer neuer Korruptionsvorw&uuml;rfe, drohte Sponsor <i>adidas<\/i> 2015 mit dem Ausstieg und machte gemeinsam mit US-Sponsoren wie <i>Coca-Cola <\/i>Druck auf die FIFA-F&uuml;hrung in Richtung grunds&auml;tzlicher Reformen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"rollendistanz-und-die-nutzung-internationaler-instrumente\">Rollen&shy;di&shy;stanz und die Nutzung inter&shy;na&shy;ti&shy;o&shy;naler Instrumente<\/span><\/h2>\n<p>Damit wird der Blick auf den einzig wirksamen Ansatz zur Verhinderung von Machtkartellen im und mit dem Sport gelenkt: Wenn alle Akteure sich auf ihre eigene Rolle besinnen und die n&ouml;tige professionelle Distanz wahren, sich selber an Gesetze und sonstige Regeln halten sowie die jeweiligen Partner an entsprechenden Vorgaben messen, k&ouml;nnen politische Interessenkonflikte sowie wirtschaftliche Einflussnahme deutlich eingegrenzt werden. Zus&auml;tzlich ist eine St&auml;rkung der zivilgesellschaftlichen Elemente der Sportorganisationen n&ouml;tig.<\/p>\n<p>F&uuml;r ein solches Vorgehen macht die Resolution 2199 (2018) des Europarates von Januar 2018 wichtige Vorschl&auml;ge. Sie fordert u.a., in die Satzungen internationaler Sportorganisationen ein Verbot f&uuml;r die Wahl von Regierungsmitgliedern in Entscheidungsgremien aufzunehmen. Damit w&auml;re ein &#8222;Fall Mutko&ldquo; &ndash; die Kombination von nationalem Sportminister und nationalem Verbandspr&auml;sidenten in einer Person &ndash; von vornherein satzungsm&auml;&szlig;ig ausgeschlossen. Das w&uuml;rde die nationale Kandidatenauswahl entpolitisieren und zugleich Druck von den Verantwortlichen an der internationalen Verbandsspitze und den zur Abstimmung berufenen Delegierten nehmen. Au&szlig;erdem sollen nach den Vorstellungen des Europarates Aufsichtsgremien und operatives Gesch&auml;ft der Sportorganisationen deutlich voneinander abgegrenzt sowie der kommerzielle Aufgabenbereich von der eigentlichen F&uuml;hrung des Sports getrennt werden. Konsequenterweise m&uuml;sste dies dann entsprechend auch auf nationaler Ebene praktiziert werden.<\/p>\n<p>Zwar l&auml;sst sich eine &ndash; indirekte oder subtile &ndash; politische Beeinflussung auch so nicht v&ouml;llig ausschlie&szlig;en, die Verantwortlichen im Sport in den einzelnen L&auml;ndern h&auml;tten dann aber zumindest eine bessere Ausgangsposition, um unliebsame Eingriffe anzuprangern und &ndash; gegebenenfalls mit Unterst&uuml;tzung des internationalen Verbandes &ndash; dagegen vorzugehen. Das verlangt im Grunde eine neu auszutarierende Balance zwischen der Autonomie des Sports einerseits und staatlicher Regelsetzung andererseits. Selbstverst&auml;ndlich kann die Unabh&auml;ngigkeit der Sportverb&auml;nde nicht gleichbedeutend mit einem rechtsfreien Raum sein &ndash; das betont auch die Resolution des Europarats. Soweit &ouml;ffentliche und\/oder private Gelder gew&auml;hrt werden, ist eine Rechenschaftspflicht &uuml;ber die ordnungsgem&auml;&szlig;e Verwendung selbstverst&auml;ndlich. Zudem m&uuml;ssen Staaten sowie die Staatengemeinschaft sicherstellen, dass die Rechte von Mitgliedern, Sportlerinnen und Sportlern (insbesondere im Profisport), sowie Besch&auml;ftigten und sonstigen Dritten seitens der Sportorganisationen ber&uuml;cksichtigt werden. Das erfordert eine entsprechende Rahmensetzung einschlie&szlig;lich der M&ouml;glichkeit von Vorgaben zur <i>Governance<\/i>, wie das in vielen L&auml;ndern mit Richtlinien zur Sportf&ouml;rderung bereits praktiziert wird. Auch in Deutschland sollen innerhalb der geplanten Spitzensportreform erstmals <i>Governance<\/i>-Kriterien als ein Gesichtspunkt f&uuml;r die k&uuml;nftige F&ouml;rderung herangezogen werden.<\/p>\n<p>Seitens der Wirtschaft k&ouml;nnte erg&auml;nzend der Weg der FIFA-Sponsoren weiter gegangen und sogar inhaltliche Hilfestellung f&uuml;r die Sportverb&auml;nde geleistet werden. Neben <i>Compliance<\/i>-Anforderungen an einen gesponserten Veranstalter, Verein oder Verband l&auml;sst sich <i>Know how<\/i> der Unternehmen zur Risikopr&auml;vention auch f&uuml;r Sportorganisationen nutzen. <i>Coca-Cola <\/i>und <i>adidas<\/i> haben 2017 je einen Vertreter in den unabh&auml;ngigen Menschenrechtsbeirat der FIFA entsandt: Sie bringen ihre Erfahrungen mit den UN-Leitprinzipien f&uuml;r Wirtschaft und Menschenrechte in die Arbeit einer Sportorganisation ein und helfen so, dass die FIFA wie ein Unternehmen Schritt f&uuml;r Schritt ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht gerecht wird.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"nichts-geht-ohne-starke-zivilgesellschaft\">Nichts geht ohne starke Zivil&shy;ge&shy;sell&shy;schaft<\/span><\/h2>\n<p>Entscheidend f&uuml;r die weitere Entwicklung auf internationaler Ebene wird allerdings sein, ob die Ma&szlig;nahmen &ndash; der FIFA, anderer internationaler Sportverb&auml;nde, von Sponsoren oder Institutionen wie dem Europarat gleicherma&szlig;en &ndash; denjenigen Kr&auml;ften auf nationaler Ebene helfen, die Ver&auml;nderungen in ihren eigenen Verb&auml;nden bzw. L&auml;ndern bewirken wollen und k&ouml;nnen und daf&uuml;r auf internationale R&uuml;ckendeckung angewiesen sind. Die Fu&szlig;ball-Welt wird mit Intransparenz, Vetternwirtschaft, Korruption u.a. zu k&auml;mpfen haben, solange es auf allen Kontinenten &ndash; Europa kann sich nicht als Ausnahme sehen &ndash; eine nicht unbetr&auml;chtliche Zahl von L&auml;ndern gibt, in denen rechtsstaatliche Grunds&auml;tze nur eingeschr&auml;nkt gelten und die sich u.a. deshalb auf den hintersten R&auml;ngen im Korruptionsindex bewegen. Auch Doping l&auml;sst sich nicht eingrenzen, solange etliche Staaten Mitwisser bis hin zu Komplizen von Manipulation sind.<\/p>\n<p>Internationaler politischer Druck kann zwar einiges bewegen, aber letztlich bedarf es der Menschen vor Ort, die sich engagieren und f&uuml;r Verbesserungen in ihrem jeweiligen Land k&auml;mpfen. Sportorganisationen stehen f&uuml;r Ideale und erreichen damit Menschen, die sonst kaum angesprochen werden. Signale aus den internationalen Verb&auml;nden, wie es z.B. ein grunds&auml;tzlicher Ausschluss von Regierungsmitgliedern in Gremien w&auml;re, haben einen hohen Verbreitungsgrad und k&ouml;nnen weltweit die Reformkr&auml;fte im Sport unterst&uuml;tzen.<\/p>\n<p>Eine besondere M&ouml;glichkeit bieten Bewerbungen um internationale Gro&szlig;veranstaltungen. FIFA und UEFA evaluieren inzwischen <i>Compliance<\/i>-Ma&szlig;nahmen und die Anwendung der UN-Leitlinien f&uuml;r Wirtschaft und Menschenrechte als Teil der Bewerbungsunterlagen; auch das IOC hat entsprechende Klauseln in den Ausrichtervertrag f&uuml;r die Olympischen Sommerspiele 2024 und 2028 aufgenommen. Die umfassende Einbindung zivilgesellschaftlicher Organisationen im jeweiligen Land geh&ouml;rt dabei zum Standard. Wer immer sich bewirbt, muss die Bev&ouml;lkerung und betroffene Interessengruppen ansprechen, Mindeststandards von Transparenz einhalten und sich mit den eigenen Defiziten, z.B. bei den Menschenrechten, auseinandersetzen. Das ist ein spannender Prozess, der weit &uuml;ber die sportliche Bedeutung der jeweiligen Veranstaltung hinausgeht. Der Vergleich der Unterlagen der Bewerber Marokko und USA\/Kanada\/ Mexiko f&uuml;r den <i>FIFA World Cup <\/i>2026 zeigt, was dargestellt und bewertet werden muss. Da werden Probleme offengelegt, unterschiedliche Entwicklungsphasen von Nationen sichtbar &ndash; aber auch die m&ouml;glichen Anst&ouml;&szlig;e, die eine Sportgro&szlig;veranstaltung geben kann. Bleibt nur zu hoffen, dass die Politik sich heraush&auml;lt und sich nicht eine Kontrolle anma&szlig;t, die sie gar nicht leisten kann.<\/p>\n<p><b>SYLVIA SCHENK<\/b><i>&nbsp;&nbsp; Rechtsanw&auml;ltin, war von 1979 bis 1989 Arbeitsrichterin und 1989 bis 2001 hauptamtliche Stadtr&auml;tin in Frankfurt am Main. 1972 nahm sie an den Olympischen Spielen in M&uuml;nchen im 800m-Lauf teil. Ehrenamtlich ist sie seit 1973 im Sport und ab 2006 bei <\/i>Transparency International <i>aktiv, wo sie 2007 &ndash; 2010 deutsche Vorsitzende und bis 2014 internationale Sportbeauftragte war. Heute leitet Sylvia Schenk die Arbeitsgruppe Sport von <\/i>Transparency Deutschland<i>. Sie geh&ouml;rt dem Vorstand der <\/i>Deutschen Olympischen Akademie<i>, dem Beirat f&uuml;r Integrit&auml;t und Unternehmensverantwortung der <\/i>Daimler AG<i>, dem <\/i>INTERPOL Standing Committee on Ethical Matters<i> sowie dem <\/i>Menschenrechtsbeirat der FIFA<i> an.<\/i><\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"literaturhinweise\">Literaturhinweise<\/span><\/h2>\n<p>Europarat, Towards a framework for modern sports governance, Resolution 2199 (2018) v. 24.1.2018, <a href=\"http:\/\/assembly.coe.int\/nw\/xml\/XRef\/Xref-XML2HTML-EN.asp?fileid=24443&amp;lang=en\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/assembly.coe.int\/nw\/xml\/XRef\/Xref-XML2HTML-EN.asp?fileid=24443&amp;lang=en<\/a><\/p>\n<p>FAZ: &#8222;Nehmt der Fifa das Spiel aus den H&auml;nden!&#8220;, <i>FAZ v. 22.12.2017<\/i>, <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/-gu9-9534j\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.faz.net\/-gu9-9534j<\/a><\/p>\n<p>FIFA: FIFA und der Europarat: Eine starke Partnerschaft, <i>fifa.com v. 10.1.2018<\/i>, <a href=\"http:\/\/de.fifa.com\/governance\/news\/y=2018\/m=1\/news=fifa-und-der-europarat-eine-starke-partnerschaft-2926218.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/de.fifa.com\/governance\/news\/y=2018\/m=1\/news=fifa-und-der-europarat-eine-starke-partnerschaft-2926218.html<\/a><\/p>\n<p>FIFA: Independent advisory board of human rights experts to meet on 13 March, Pressemitteilung v. 10.3.1017, <a href=\"http:\/\/www.fifa.com\/governance\/news\/y=2017\/m=3\/news=independent-advisory-board-of-human-rights-experts-to-meet-on-13-march-2875485.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.fifa.com\/governance\/news\/y=2017\/m=3\/news=independent-advisory-board-of-human-rights-experts-to-meet-on-13-march-2875485.html<\/a><\/p>\n<p>Aileen Graef: Trump pushes for US-Canada-Mexico 2026 World Cup bid, <i>CNN v. 27.4.2018<\/i>, <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2018\/04\/26\/politics\/donald-trump-world-cup-bid\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/edition.cnn.com\/2018\/04\/26\/politics\/donald-trump-world-cup-bid\/index.html<\/a><\/p>\n<p>(hel): ARD und Team Telekom verl&auml;ngern Vertrag, <i>FAZ v. 17.1.2001<\/i>, <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/sport\/radsport-ard-und-team-telekom-verlaengern-vertrag-115437.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/sport\/radsport-ard-und-team-telekom-verlaengern-vertrag-115437.html<\/a><\/p>\n<p>Declan Hill: Sichere Siege: Fu&szlig;ball und organisiertes Verbrechen oder wie Spiele manipuliert werden. Kiepenheuer&amp;Witsch 2008 (2. Aufl.)<\/p>\n<p>S&ouml;nke Iwersen: Compliance schie&szlig;t keine Tore, <i>Handelsblatt v. 9.8.2016<\/i>, <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/my\/sport\/fussball\/uli-hoeness-for-fc-bayern-president-compliance-schiesst-keine-tore\/13990362.html?ticket=ST-9006430-0fwkPppL4Qybq6OvNy6f-ap2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.handelsblatt.com\/my\/sport\/fussball\/uli-hoeness-for-fc-bayern-president-compliance-schiesst-keine-tore\/13990362.html?ticket=ST-9006430-0fwkPppL4Qybq6OvNy6f-ap2<\/a><\/p>\n<p>Matt Jones: Donald Trump 2026 World Cup Bid Tweet Prompts FIFA Ethics Rules Warning, bleacherreport.com v. 27.4.2018, <a href=\"http:\/\/bleacherreport.com\/articles\/2772945-donald-trump-2026-world-cup-bid-tweet-prompts-fifa-ethics-rules-warning\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/bleacherreport.com\/articles\/2772945-donald-trump-2026-world-cup-bid-tweet-prompts-fifa-ethics-rules-warning<\/a><\/p>\n<p>Stefan Kaiser: Adidas droht mit Ausstieg als Fifa-Sponsor, <i>Spiegel Online v. 16.12.2015<\/i>, <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/fifa-adidas-droht-mit-ausstieg-als-sponsor-a-1068054.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/fifa-adidas-droht-mit-ausstieg-als-sponsor-a-1068054.html<\/a><\/p>\n<p>J&uuml;rgen Kalwa: Korruption durch die Hintert&uuml;r, <i>Deutschlandfunk v. 1.5.2018<\/i>, <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/sportrechte-korruption-durch-die-hintertuer.1346.de.html?dram%3Aarticle_id=416944\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/sportrechte-korruption-durch-die-hintertuer.1346.de.html?dram%3Aarticle_id=416944<\/a><\/p>\n<p>Daniel Kirch: Wie CDU und SPD den Saar-Sport regieren, <i>Saarbr&uuml;cker Zeitung v. 15.1.2018<\/i>, <a href=\"https:\/\/www.saarbruecker-zeitung.de\/politik\/themen\/wie-cdu-und-spd-den-saar-sport-regieren_aid-7050921\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.saarbruecker-zeitung.de\/politik\/themen\/wie-cdu-und-spd-den-saar-sport-regieren_aid-7050921<\/a><\/p>\n<p>Jens Weinreich: gesagt ist gesagt. ARD nicht mehr live bei der Tour de France, Blogbeitrag v. 16.10.2008, <a href=\"https:\/\/www.jensweinreich.de\/2008\/10\/16\/gesagt-ist-gesagt-2-ard-nicht-mehr-live-bei-der-tour-de-france\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.jensweinreich.de\/2008\/10\/16\/gesagt-ist-gesagt-2-ard-nicht-mehr-live-bei-der-tour-de-france\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[1521],"publikationen":[880],"class_list":["post-8586","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-sylvia-schenk","publikationen-880"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Machtkartelle im Sport \u0096 Ohnmacht der Kontrolleure? - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/223\/publikation\/machtkartelle-im-sport-ohnmacht-der-kontrolleure-1\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Machtkartelle im Sport \u0096 Ohnmacht der Kontrolleure? - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"in: vorg&auml;nge Nr. 223 (3\/2018), S. 31-38 Machtmissbrauch, Korruption, Doping, Spielmanipulationen und Menschenrechtsverletzungen &ndash; die Probleme, mit denen sich IOC, FIFA und andere internationale Sportorganisationen auseinandersetzen m&uuml;ssen, sind vielf&auml;ltig. 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